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Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckeret petersgaffe Nr. 2 (Darmonie).

JVo 73.

Julda, Donnerstag, den 31. März 1898

25. Jahrgang.

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O Aus dem Reichstage.

Ob die Zahl der Abgeordneten, die heute, am Mittwoch, bei Beginn der Sitzung im Saale an­wesend waren, volle zwei Dutzend betrug, wissen wir nicht genau anzugeben. Aber mehr waren ess auf keinen Fall, und die Zahl derer, die nachkamen, war auch nicht groß. Aber die Erschlaffung nach den langen und theilweise auf­regenden Sitzungen, die voraufgingen, ist voll­kommen erklärlich, um so mehr, als eine dritte Etatsberathung an sich ein nichts weniger als interessantes Ding ist. In fortwährender Ab­wechselung springt die Berathung von einem Gegen­stände zum andern, und von den meisten kann man sagen, daß sie nicht sonderlich interessant sind — parlamentarischer Kehraus!

Zunächst handelte es sich heute um den Etat des Reichsamtes des Innern. Auf eine Anregung des nationalliberalen Abg. Bassermann theilte Staatssekretär Graf Posadowsky mit, daß zwischen den Rheinuferstaaten Verhandlungen schweben über die Erfordernisse, die an die Schiffer für die felbstständige Führung eines Schiffes auf dem Rheine zu stellen sind. Nächstdem sollen darüber bestimmte Verträge vollzogen werden.

Auch die Margarine mußte wieder heran. Der konservative Abg. Rettich beschwerte sich darüber, daß unsere Ausführung des Margarine- Gesetzes, namentlich der Vorschrift über die ge­trennten Verkaufsräume, auf halbe Maßregeln hinausliefen. Aber er fand damit kein Verständ- niß beim Staatssekretär. Dieser erwiderte, hier könne keine Polizei helfen, sondern nur eine genügende Anzahl tüchtiger Chemiker. Jedenfalls wollen die verbündeten Regierungen das Gesetz nicht mißbrauchen zu Chikanirungen von Ge­schäftsleuten.

Ueber die schon mehrfach gewünschten Maß­regeln gegen die Mißbräuche beim Lachsfange im Rhein theilte der Staatssekretär mit, daß auch darüber Verhandlungen zwischen den be- theiligten Staaten eingeleitet sind und die Hoff­nung besteht auf ein günstiges Ergebniß dieser Verhandlungen. Die Sozialdemokraten erhoben heute durch die Abgg. Dr. Lütgenau und Wurm die Forderung, daß schleunigstem Berg­bau-Gesetz von Reichswegen erlassen werden möge. Nach der Antwort des Staatssekretärs haben die verbündeten Regierungen zu dieser Frage noch keine Stellung genommen. Daraufhin empfahl Abg. Prof. Hitze, die Frage der Regelung des Bergwesens lieber vor das preußische Abgeordnetenhaus zu bringen. Freilich ist auch das Centrum grundsätzlich für die Regelung dieser Angelegenheit durch das Reich. Da aber vorläufig noch keine Aussicht da ist auf ein Reichsgesetz, sollte man sich vorläufig mit der Landesgesetzgebung begnügen.

Der sozialdemokratische Abgeordnete Peus regte an, die begonnenen Erhebungen über die Beschäftigung von Kindern nicht nur auf das gewerbliche Gebiet zu beschränken, sondern

Weye rrnd Ziele.

Roman von A. Jüngst.

24 ------ (Nachdruck verboten.)

»Inge, mein erstes Geschenk!" schrie Schön­berg auf.

„Ach so, er war von Dir; das hatte ich ver­gessen."

Und ohne eine weitere Bewegung zu verrathen, wollte sie die zersplitterten Stücke von sich werfen.

„Gib!“ sagte der Künstler mit heisererStimme, und der Ausdruck seiner Züge war so verstört, daß sie sich die Stücke willenlos aus der Hand nehmen ließ.

„Inge, ich glaube. Du hast kein Herz," mur­melte der unglückliche Liebhaber.

„Wohl möglich, ich weiß es nicht. Das zit­ternde, hangende, bangende Herz liebeskranker Mädchen, das himmelhoch jauchzet und zu Tode betrübt ist, habe ich allerdings nicht; ich habe—"

„Eine sinnverwirrende Schönheit, einen Zauber, der den Menschen i icht wieder losläßt. ' Inge' ich glaube, zuweilen hasse ich Dich."

Ein reizendes Lächeln überflog das Antlitz der Sängerin. „So g-sällst Du mir besser," sagte sie, ihm die Hand reichend; „ein zürnender Bräu­tigam ist interessanter als ein eifersüchtiger. Aber NUN komm, unsere Abwesenheit möchte auffallen; wir sind schon zu lange hier gewesen. Durchlaucht liebt keine Scenen."

„Ich folge Dir. Aber, Inge," stöhnte der Künstler, die dargebotene Hand an sein Herz pressend, „wenn Du mich belügen, mich betrügen

auch auf die Landwirthschaft auszudehnen. Leider schlug das Staatssekretär Graf Posadowsky rundweg ab; er meinte, es sei kein zwingender Grund vorhanden, diese „Erhebungen" auch auf die Landwirthschaft zu erstrecken. Man sollte zu­frieden sein, daß wenigstens die eine Erhebung stattfinde.

Auch der Abg. Ahlwardt ließ sich heute wieder einmal vernehmen. Aber selbst seine früheren besten Freunde wollten nichts mehr von ihm wiffen. Herr Ahlwardt ist so weit gekom­men, daß er auch nicht mehr als Scherzfiqur Zugkraft besitzt.

In schon vorgerückter Stunde kam endlich der Militäretat an die Reihe, an dem nun heute noch zum Schluffe die Sozialdemokraten ihre Künste probirten. Das Haus verlor mehr­fach die Geduld und begann wiederholt zu lärmen, als die Herren „Genosfen" Bebel und Kunert in endlosen Reden über wesenlose Kleinigkeiten die Geduld des Reichstages aufs äußerste er­schöpften. Auch der Präsident griff mehrfach ein, und Kriegsminister v. Goßler ließ unter dem Beifalle des Hauses dem Abg. Kunert die Abfertigung zu Theil werden, daß seine Ausfüh­rungen so unbegründet, feine Anschauungen so mangelhaft seien, daß er, der Minister, auf eine Beantwortung dieser Ausführungen verzichte.

Schließlich hielt Abg. Ahlwardt noch einige lange Reden über die „Judenflinten", so daß die Sitzung nach fast achtstündiger Dauer erst gegen 8 Uhr ihr Ende fand.

S Zur Dcckungssrage bei der neuen Flottenvorlage.

Der Abg. Müller-Fulda hat in der 70. Sitzung des Reichstages am 26. März d. I. Über die Deckungsfrage sich nach dem steno­graphischen Berichte wie folgt ausgesprochen:

Meine Herren, ich kann den Standpunkt, den Herr v. Kardorff bezüglich der indirekten Steuern einnimmt, nicht theilen. Herr v. Kardorff hat gemeint, durch die indirekten Steuern, möchten sie noch so hoch sein, werden die Konsument n nicht belastet. (Zurufe rechts.) Bitte, unterbrechen Sie mich nicht^Sie können nachher sprechen. — Herr v. Kardorff hat geglaubt, daß keine Bertheuerung der Lebensmittel und sonstiger Verbrauchsgegenstände durch die indirekten Steuern eintrete. Ich verweise ihn darauf, daß er selbst als Ausnahme zugegeben hat, daß Salz für den menschlichen Gebrauch etwa dreimal so theuer ist, als Salz für Dünger und Vieh, weil ersteres eine Steuer von 6 Pfennig pro Pfund unterliegt und das letztere gar keiner. Dann will ich ihn auf den Branntwein Hinweisen. Denaturirter Branntwein ist bekanntlich erheblich billiger, als nicht denaturirter, der Verbrauchsabgabe unterliegender, der für menschliche Zwecke verwendet wird. Im Jahre 1887 wurde die Verbrauchsabgabe eingeführt; seit dieser Zeit ist der Trinkbranntwein auf den doppelten Preis gestiegen, trotz­dem er von 48 auf 36 Grad verdünnt worden ist. Wäre er nicht für den allgemeinen Konsum verdünnt worden, so |roürbe noch eine größere Preissteigerung einge­treten sein. Ich will mich über diese Frage mit Herrn v. Kardorff nicht ausführlich auseinandersetzen; denn dazu habe ich schon in der Kommission genügend Ge­legenheit gehabt.

Herr Bebel hat gemeint, es sei seitens meiner Freunde in der Kommission ein Antrag auf Einführung einer Reichseinkommensteuer eingebracht worden. (Wider­spruch bei den Sozialdemokraten.) In dieser Hinsicht irrt Herr Bebel, es ist nur der Antrag gestellt worden, daß die Einzelstaaten besondere Zuschläge in ihrer Ein­kommensteuer einführen möchten, um den Mehrbedarf könntest! Wenn Graf Ostheim — ! Inge, vergiß nicht, daß auch meine Liebe keine Schranken kennt."

„Ich möchte jetzt das „Ständchen" von Chopin singen," sagte Inge statt der Antwort und schritt voran in den Salon.

„Ab, endlich," meinte Prinzessin Sarolta, die verwundert den geschloffenen Flügel betrachtet halle. „Du hast die Geduld meiner Gäste auf eine harte Probe gestellt, Inge. Warst Du müde, mein Kind?"

„Ja," versetzte Inge kurz; „jetzt aber werde ich fingen, zuerst das „Ständchen" von Chopin und daun, wie Durchlaucht befehlen."

„O bitte, Durchlaucht, das wundervolle Lied von der Loreley," rief Baron Eichfels, ein Dragoner- Lieutenant, welcher schon im vergangenen Winter zu Inges eifrigsten Bewunderern gehört hatte.

Ein befriedigtes Lächeln kräuselte Jnge's stolze Lippen. Der von Eifersucht gefolterte Schönberg bemerkte es nicht; er sah finster vor sich hin, wagte jedoch keine Gegenrede. Auch Inge sollte ihres Sieges sich nicht lange freuen. Ihre Blicke suchten vergebens — Graf Herbert war ver­schwunden.

lliimulhig wandte sie sich um und sang das erste Lied mit schlecht verhehlter Mattigkeit. Dann aber riß die Begeisterung sie fort, und als die mächtigen Tonwellen hinausflutheten in die dunkle Nacht, stand unten auf der schmutzigen Gasse, unbekümmert um den Regen, eine hohe Gestalt.

„Ja, die Loreley! die Hexe Loreley! Sie faßt mich, sie hält mich und läßt mich nimmermehr. O Lora! Lora!"

13.

Vor der Schiffhütte am Königssee wartete

für die Flotte zu decken. Also, wenn Herr Bebel dies zugibt, so sind wir ja einig.

Dann hat Herr Bebel weiter gesagt, das Centrum hätte sich alsdann zurückgezogen und sich mit einer geradezu nichtssagenden Erklärung abgegeben. Das ist durchaus nicht der Fall; § 8 gibt uns eine so werth­volle Konzession, wie wir sie früher niemals bei einem Gesetzentwurf seitens der verbündeten Regierungen ge­habt haben, nämlich, daß die aus einem Gesetzentwurf entstehenden finanziellen Opfer nicht den breiten Massen des Volkes aufzuerlegen sind. Meine Herren, eine der­artige werthvolle Zusicherung, wie sie hier in § 8, wenn auch nur in negativem Sinn, gegeben ist, ist für mich so werthvoll, daß ich mich fast mit dem ganzen Gesetz aussöhnen könnte.

Meine Herren, der Herr Abg. Bebel hat nun Vor­schläge gemacht, dahingehend, daß eine neue Steuer, eine Reichseinkommensteuer, erhoben werde. Nun ist in der Kommission ausführlich nachgewiesen worden, daß es sich zunächst im ersten Jahr nur um ein Mehrbedarf von 4 Millionen handelt; dieser Mehrbedarf steigt aller­dings mit der Zeit auf 30 Millionen, später vermindert er sich wieder, im Durchschnitt wird er 20—22 Mill, während der nächsten 6 Jahre betragen. Es ist in der Kommission nachgewiesen worden, daß wir für diesen Durchschmttsbedarf die nöthige Deckung in den nächsten 3 Jahren ganz bestimmt haben, für die 3 fol­genden mit ziemlicher Gewißheit, weil in den 3 folgenden Jahren die jetzigen A. sgaben für die neue Artillerie in Wegfall kommen. Nachdem in dieser Hin­sicht die nöthige Sicherheit geschaffen war, wurde es in der Kommission mit großer Mehrheit abgelehnt, neue Steuern zu machen. Weshalb? Man hat sich mit Recht gesagt: warum sollen wir wegen 4 Millionen eine neue Steuerart, eine Reichseinkommensteuer oder etwas derartiges einführen, was uns ja viel mehr Erhebungs­kosten verursacht, als die ganze Steuer in den ersten Jahren einbringt. Es wäre doch sehr unpraktisch, wollten wir wegen eines Bedarfs von 4 Millionen jetzt, oder 20 bis 22 Millionen später eine Reichseinkommensteuer ein­führen, deren Verwaltungsapparat mehr ko st et, als die ganze Steuer nach diesem Maßstabe einbringen würde.

Dann gingen wir auch von der Ansicht aus, es wäre unzweckmäßig, entsprechend dem Vorschläge der Sozial­demokraten, gewissermaßen der Regierung Steuern auf Vorrath zu bewilligen. Die Herren auf der Linken meinten früher immer, es wäre nicht gut, Steuern auf Vorrath zu bewilligen, welche nur der Regierung neuen Ansporn zu übertriebenen Ausgaben geben. Was würde die Folge sein? Daß von neuem die Bedürfnisse für Heer und Marine erheblich steigen; sobald das nöthige Geld da wäre, würden sicher die nöthigen Ansprüche nicht fehlen. Also wir handeln im Interesse der Steuerzahler, wenn wir sie vor neuen Steuern möglichst bewahren und auf Steuerprojekte erst zurückkommen, wenn es absolut nöthig ist. Wir sind nicht dazu da, der Regierung neue Steuern auf dem Präsentirteller zu bringen, wie die Herren von der Linken es jetzt unbegreiflicher Weise thun wollen, während sie früher einen ganz anderen Standpunkt ein­nahmen.

Vom Antrag Auer muß ich sagen, daß er in seinem § 9 ganz unausführbar ist. Hier heißt es: übersteigen die eigenen Einnahmen des Reichs die Ausgaben, so ist der Ueberschuß zurückzuhalten. Denken Sie denn gar nicht an die clan-ula Franckenstein, wonach die über 130 Millionen Mark hinausgehenden Zolleinnahmen u. s. w. an die Einzelstaaten abzuführen sind, während andererseits Hunderte von Millionen durch Matrikularbeiträge gedeckt werden? Wollen Sie Ihren Antrag mit der Erwartung auf Annahme einbringen, so mußten Sie eine ganz ckndere Form wählen, ähnlich wie sie im Reichsschuldentilgungsgesetz gegeben ist, dahin: „Uebersteigen in einem Rechnungsjahr die den Bundes­staaten zustehenden Ueberweisungen aus den Erträgen an Zöllen, Tabacksteuer, Branntweinverbrauchsabgabe und Zuschlag zu derselben sowie an Reichsstempelabgaben am Morgen d»s 6. September eine fröhliche Ge­sellschaft : stattliche Herren, deren Nacken die ver- hängnißvolle Fünfzig noch nicht gebeugt, Frauen in der Blüthe ihrer Jahre, Mädchen im ersten Morgenschein des Lebens, junge Männer voll Frische und sprudelnder Saune.

Der ganze Kreis der Prinzessin von Hohen­burg hatte sich zusammengefunden, selbst die Reichenhaller und Salzburger fehlten nicht. Nach der unfreiwilligen Ruhe der Regentage waren Alle doppelt gern bereit gewesen, der Aufforderung Ihrer Durchlaucht Folge zu leisten. Zu Wagen, zu Esel und zu'Fuß war man von Berchtesgaden ausgebrochen und harrte nun ungeduldig der Boote. Das vorher bestellte große Schiff hatte sich nämlich als zu klein erwiesen; es bedurfte mindestens noch zweier Nachen, um die ganze Gesellschaft unterzubringen. Unter lautem Ge­lächter stritt sich die jüngere Welt um die Reihen­folge der Plätze in den verschiedenen Fahrzeugen. Die kleine luftige Baronesse Frondsstein schlug Auszählreime vor, und da Keiner etwas Besseres anzugeben wußte, übernahm sie auf Geheiß der Prinzessin das schwierige Amt.

Während die heitern Kinderverschen über die Lippen des jungen Mädchens flössen, ordneten sich die Gruppen nach diesem unwandelbaren Ausspruche des Schicksals, hier zur Zufriedenheit, dort zu heimlichem Verdruß.

Weit hinaus schimmert die Fluth. Ernst und gewaltig, bald mit duftigem Grün bekleidet, bald in nackten, unnahbaren Klippen starrend, stehen die Berge um den See gereiht und beschauen ihre stolzen Felsenstirnen in dem Zauberspiegel, lieber dem grünen Vorland von St. Bartolomae steigen

die aufzubringenden Matrikularbeiträge, so ist ein Vier­theil des Ueberschuffes zur Verminderung der Reichs­schuld, der Rest zur Herabsetzung bezw. Aufhebung in­direkter Reichssteuern, in erster Linie der Salzsteuer, zu verwenden." Dann hätte die Sache einen Sinn gehabt. Wenn Sie aber von der Deckung der Reichsausgaben durch Reichseinnahmen im allgemeinen sprechen, so ver­kennen Sie das ganze Wesen der Reichsfinanzen, ver­kennen die Matrikularbeiträge und die clausula Francken­stein. Also dementsprechend müßten Sie Ihren Antrag umgestalten, und das können Sie viel besser thun bei der zweiten Berathung des Reichsschuldentilgungsgesetzes. Ihr Antrag läuft ja theilweise auf eine Schuldentilgung hinaus.

Ich wiederhole: ein Anlaß, neue Steuern zu schaffen, ist nicht gegeben, wenigstens nicht für den Augenblick; das kann später in Erwägung gezogen werden. Dann haben wir aber auch die sehr werthvolle Errungenschaft des § 8, wonach den verbündeten Regierungen der Weg abgeschnitten ist, für die Mehrkosten aus diesem Gesetz neue indirekte Steuern, welche die breiten Massen des Volkes belasten, zu präsentiren. Diese werden moralisch und gesetzlich dadurch gebunden sein; und das kann uns vorläufig genügen. Ich bitte Sie deshalb, den § 8 nach den Kommissionsbeschlüssen anzunehmen. (Bravo!)

In derselben Sitzung des Reichstages nahm Herr Abg. Müller-Fulda nochmals das Wort bei der Berathung über den Bau von 20 wei­teren Wohnungen für Marine-Arbeiter in Fried- richsort. Es waren von den verbündeten Re­gierungen in der Vorlage für jede Wohnung 5200 Mk. gefordert, die Kommission hatte den Betrag von 4000 Mk. für ausreichend gehalten, wodurch 24,000 Mk. gespart wurden; (im Ganzen sollen 120 Wohnungen in 6 Jahren erbaut werden, so daß iriegefammt 24,000 Mk. Erspar­nisse erzielt würden.) Nachdem Staatssekretär Admiral Tirpitz sich gegen diesen Kommissions- beschluß ausgesprochen hatte, erklärte der Abg. Müller-Fulda:

M. H. ich kann die Ansicht des Herrn Staatssekretärs nicht ganz theilen, daß keine Ersparnisse gemacht werden könnten. Ich glaube, Eisparnisse können bei den Beamten sehr wohl gemacht werden, und zwar deshalb, weil im all­gemeinen die innere Ausstattung etwas luxuriös gedacht ist. Ich habe z. B. gesunden, daß sogenannte Porzellan­kachelöfen in den Wohnungen vorgesehen sind. Das ist doch schon etwas Luxus. Dann habe ich weiter ge­funden, daß die Schreinerarbeiten zu außerordentlich hohen Preisen angesetzt sind. Das Quadratmeter Fenster kommt nahezu auf 20 Mark; das ist doch ein exorbitant hoher Preis.

Nun muß ich allerdings zugeben, daß bei der Be­sprechung der Sache in der Kommission keine Rücksicht darauf genommen worden ist, daß die sämmtlichen Wohnungen auch mit Ställen ausgerüstet werden sollen, um den Leuten die Möglichkeit zu geben, sich Kleinvieh zu halten. Ich betrachte es aber als außerordentlich wünschenswerth, daß die Arbeiter der Marine, die ein Stückchen Land für sich haben, auch die Möglichkeit haben, ein Stück Vieh zu halten, wenn es auch nur Ziegen oder Schweine sind. Dann kann aber mit dem, was die Kommission bewilligt hat, einschließlich Stall nicht gut gebaut werden. Ich gebe zu, daß der Abstrich in dieser Hinsicht ein etwas zu hoher ist. Aber ich glaube immerhin, man wird noch weniger als 5200 M. für die Wohnung einschließlich Stallgebäude brauchen, wenn man sparsam baut.

Nun möchte ich mich dahin aussprechen, daß man die Position nach dem Voranschlag wieder herstellen könnte, daß es aber der Marineoerwaltung zur Pflicht gemacht werden soll, doch ihrerseits darauf zu dringen, daß so billig wie möglich, unbeschadet der Güte der Ausführung, gebaut werden möchte. Insbesondere will ich mich schon jetzt dagegen aussprechen, daß die Räumlich­keiten verringert werden sollen; das wünschen wir durchaus nicht. Wir wünschen schöne und geräumige, gesunde Wohnungen, aber keinen Luxus. Ich beantrage

die Riefenmauern des Watzmann auf. De: König des bayerischen Hochlandes hat fein Haupt um= schleiert; ein leichter Duft schwebt darüber, und wo zwischen den beiden gewaltigen Zinken die Scharte sich öffnet, strahlen die Schneefelder in blendendem Glanze.

Ergriffen von der Großartigkeit der Natur, halte auch Herbert die ihn verzehrende Leidenschaft vergessen. Sein Auge trinkt begierig die Schön­heit von Berg und Himmel in sich, und wie es dem thränenseuchten Blicke Lora's begegnet, flüstert er mit bebenden Lippen: „O, Lora, oergieb mir !"

Ein Zittern durchläuft die seine Gestalt! ein sanftes Roth kommt und geht in den blaffen Wangen, und schüchtern stiehlt sich die zarte Hand in die bargebotenen Rechte Herberts.

Gras Hellborn, der ein scharfes Augenmerk auf das Paar gegenüber gehabt, wendet das graue Haupt beharrlich nach der entgegengesetzten Seite, während Prinzessin Sarolta ihm zuflüstert: „Glückselige junge Leutchen!

Da tönt es leise über den Wassern, steigt empor und schwillt zu unendlichem Wohllaut: Inge singt die Arie der Elsa aus dem Lohen- grin. Alles horcht athemlos.

Schönberg ist beim ersten Laut aufgesprungen, sodaß die Gondel ins Schwanken geräth und ein paar ältere Damen ängstlich aufkreischen; Herbert hat die Hand Loras fester gefaßt und starrt wie geistesabwesend vor sich hin.

Der letzte Ton verzittert über der leise rauschenden Fluth; ein jubelnder Beifallssturm erhebt sich.

„Noch ein Lied, Fraulein Gerrit, noch eins!'* heißt es von allen Seiten.