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mit Anlerhaktungs-Meikage „Mustrirte So nntags-Ieitung"
Jfä 72.
Julöa, Mittwoch, den 80. März 1898
25: Jahrgang.
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Deutsches Deich.
Berlin, 29. März.
* Das Kaiserpaar ist heute Morgen in Homburg v. d. H. eingetroffen. Dort wird das kaiserliche Paar bis nach Ostern verweilen. Als Vertreter des Auswärtigen Amtes begleitet den Kaiser der Gesandte in Hamburg, Graf Wolff- Metternich.
h. Der Kaiser hat den Staatssekretär Kontre- admiral Girpitz zum Mitgliede des preußischen Staatsministeriums ernannt. Diese Auszeichnung ist dem Staatssekretär cor'einem Mahle verliehen worden, zu dem der Kaiser die Offiziere des Reichs-Marine-Amtes geladen hatte. In einer längeren Ansprache drückte dabei der Kaiser dem Staatssekretär seinen Dank und seine ganz besondere Anerkennung aus für das Zustandekommen der Flottenvorlage; und hob dabei hervor, daß es sich dabei um ein Werk handele, um dessen Gelingen man 20 Jahre lang sich bemüht habe. Außerdem sind folgende Offiziere des Reichs- Marine-Amtes mit Auszeichnungen bedacht worden: Kontreadmiral B ü ch s e l, Direktor des Marine-De- partements, hat den Rothen Adlerorden zweiter Kl. mit Eichenlaub und der königlichen Krone, Korvettenkapitän v. Heeringen und Capelle das Ritterkreuz der königlichen Hausordens von Hohen- zollern, Korvettenkapitän Paa sch en den königl. Kronenorden 3. Klasse, Kapitänlieutenants Eckermann und Boedicker den Rothen Adlerorden 4. Klasse, Kapitänlieutenant Dähnhardt die königl. Krone zum Rothen Adlerorden 4. Klasse erhalten. Vorgenannte Herren, sowie der Wirkt. Adm. Rath Koch waren von dem Kaiser am 28. ds. Mts. zur Abendtafel befohlen.
* Das preußische Staatsministermur hat Montag Abend in der Dienstwohnung des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe eine Sitzung abgehalten, die von 6 bis 8l/2 Uhr Abends dauerte.
h Eine halbamtliche Kundgebung weist darauf hin, daß es verfassungsmäßig zwar zulässig sein würde, die Matzten für den Iieichstag bis zum Herbste zu verschieben. Aber die Regierungen halten es für „rathsam, sich die Möglichkeit zu sichern, zu jeder Zeit den Reichstag zusammenberufen zu können. Es empfiehlt sich daher, die Wahlen dem Ablaufe der Leg»is- latur-Periode unmittelbar folgen zu lassen." Also alsbald nach Schluß dieser letzten
Tagung des gegenwärtigen Reichstages sollen die Neuwahlen für den künftigen Reichstag ausgeschrieben werden. Die Osterferien des Reichstages beginnen unmittelbar nach der Beendigung der dritten Lesung des Etats. Die erste Sitzung nach Ostern wird am 26. April abgehalten werden. Von wichtigen Gesetzen! würfen sind dann noch zu erledigen die sogenannte lex Heintze (Antrag des Centrums au Vervollständigung des Strafgesetzbuches zur Bekämpfung der Unsittlichkeit) und die Umbildung der militärischen Strafgerichtsbarkeit. Die lex Heinze soll unmittelbar nach den Osterferien in Angriff genommen werden, erst später die dritte Berathung der Militär-Gerichtsordnung. Dann sind noch zu erwähnen die Justizgesetze, die wegen Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches uothwendig sind: Civilprozeß und Konkursordnung. Man darf also annehmen, daß die Arbeiten des Reichstages sicherlich bis Mitte Mai dauern werden. Die Neuwahlen könnten sonn:: etwa gegen Ende Juni stattfinden, und diese Rechnung bestätigt die Voraussetzungen, die von Anfang an über den muthmaßlichen Zeitpunkt der Neuwahlen bestanden haben.
X Innerhalb der Reihen der „Sammkrmgs- Aokitiker" geschehen wunderliche Dinge. Die einzelnen Gruppen bekämpfen einander, wie sie nur können. Und namentlich die national- liberale Partei wird vermuthlich sehr schlecht dabei wegkommen. Der Bund der Landwirthe wenigstens thut das Mögliche, um die nationalliberale Partei noch vollends aufzureiben und zu zersprengen. Sehr beliebt ist dabei der Kunstgriff der Bündler, daß sie gegen die Nationalliberalen wiederum sogenannte Nationalliberalen ausspielen, die aber ganz dem Kommando des Bundes folgen. Dieser Kunstgriff wird, wie vorher im Pfälzischen Wahlkreise Homburg-Kusel, jetzt im 9. Hannoverschen Wahlkreise Hameln- Springe angewandt. Die Nationalliberalen haben dort den bisherigen Vertreter Hofbesitzer Hische wieder für die Reichstagswahlen aufgestellt. Die Bündler haben jetzt diesem den Landtagsabgeordneten M e i n e ck e entgegengestellt, der sich ebenfalls nationalliberal nennt, und die Erwartung ausgesprochen, daß' die Nätionalliberalen zu dessen Gunsten auf ihren eigenen Kandidaten verzichten werden. Man ersieht daraus stets von neuem, daß man sich von Parteiwegen vor der sogenannten „Freundschaft" des Bundes der Landwirthe hüten muß. Der Bund will solche Freundschaft nur dazu ausnützen, um andere Partei« nihrer Selbstständigkeit zu berauben und sie dann als nützliche Zugthiere vor seinen eigenen Wagen zu spannen.
* „Kine alle Mechrmug" überreicht die .Deutsche Reichsztg/ zu Händen des Herrn Kultusministers. „Den Gesammtwerth der vom preuß. Staate eingezogenen Kirchengüter schätzt Rudolphi in seinem Buche über die „Kirchen- pvlitik Preußens" auf mindestens eine Milliarde, macht bei einer Verzinsung von 3 Prozent 30 Millionen Mark, die der preußischen Staatskasse jährlich aus dem früheren katholischen Kirchengut zufließen. Dafür zahlt dieselbe an die BiIthümer und die zu denselben gehörenden Institute der acht alten Provinzen 1,057,259 Mk.
20 Pfg., an katholische Geistliche und Kirchen 1,295,450 Mk. 31 Pfg., zusammen 2,352,709 Mk. 51 Pfg. — abgesehen von einigen geringen Beiträgen und Zahlungen aus Kap. 124 des Staatshaushaltes, die im Allgemeinen nicht auf rechtlicher Grundlage beruhen." Das ist in der That eine Rechnung, bei der den preußischen Katholiken die Augen übergehen müsset. — Zu wessen Gunsten werden denn die restirenden Millionen jährlicher Zinsen verwendet? Sicherlich werden sie nicht unter der Hand und verschämter Weise den Bischöfen und den Katholiken zugesteckt. Wofür sie verwendet werden, wem sie zu Gute kommen, das im Einzelnen zu erfahren, wäre überaus interessant. Daß ein guter Theil dieser großen Summen direkt oder indirekt dem protestantischen Konfessionstheil zu Gute kommt, dürfte zweifellos feststehen. Jedes Jahr, wenn die Debatten über den Kultusetat im preuß. Landtage herannahen, sind wir neugierig darauf, was der Herr Minister nun wieder zu den Paritätsbeschwerden der katholischen Abgeordneten sagen werde. Seine Position scheint von Jahr zu Jahr enger umzirkt, aber der gewandte Herr hat sich bisher immer leidlich aus der Affaire zu ziehen gewußt. Und dann leistet ihm das Kulturkämpfertrio von Epnern—Sattler—Friedberg höchst dankenswerthe Schildknappendienste. Die Herren treiben zwar als echte Epigonen der alten Kulturkampfshelden ihr Handwerk mit viel überflüssigem Eifer und banausischer Kleinigkeit, dennoch würde sie Herr Bosse ungern missen. Hilf, was helfen kann! Man darf doch als preußischer Minister nicht klipp und klar aussprechen, daß die Anweisung des großen Kurfürsten, es solle der evangelischen Kirche mit guter Vorsichtigkeit aller mögliche Vorschub geleistet werden", und die spätere Anweisung Friedrich Wilhelms I.: „Die Satirische sind auf alle Weise und Ahrt zu protegiren" — in Preußen bis auf den heutigen Tag kein tob ter Buchstabe geblieben ist.
* Der nalionaklikerare Parteitag, der für den 24. April in Aussicht genommen war, ist wegen der Ausdehnung der Reichstags-Ferien bis zum 26. April auf den 1. Mai verschoben.
* Da das Gesetz, betr. die Aufhebung der Verpflichtung zur Bestellung von Amtskaukionen vorn 7. März d. Js. nunmehr veröffentlicht worden ist und am 1. April d. Js. in Kraft tritt, hat der Minister der öffentlichen Arbeiten bestimmt, daß Abzüge vom Diensteinkommen zur Ansammlung oder Verstärkung von Amtskautionen an diesem Tage nicht mehr einzu- behalten sind.
X Durch einen Erlaß des preußischen Ministers des Innern sind die Ortspolizeibehörden angewiesen worden, für die Folge die Stelkenvermilirer mtb cheffridevermielHer auf schärfste zu kontrolliren. Der Minister geht dabei von der Annahme aus, daß die zuständigen Behörden von den Mitteln zur Ausschließung unlauterer und unzuverlässiger Elemente von diesem Gewerbebetriebe nicht in erforderlichem Maße Gebrauch gemacht haben. Deswegen macht der Minister darauf aufmerksam, daß nicht nur strafbare Handlungen, sondern auch andere Thatsachen zur Einleitung des Verfahrens auf Untersagung des Gewerbebetriebes Anlaß geben. Auch reichen
dazu solche strafbaren Handlungen hin, die vor dem Beginne des Gewerbebetriebes begangen wurden. Jede Polizeibehörde soll nach der Anzeige von der Eröffnung eines der in Rede stehenden Gewerbebetriebe eine genaue Prüfung der Frage vornehmen, ob nicht bereits strafbare Handlungen des Anmeldenden oder andere Thatsachen vorliegen, die ]eine Unzuverlässigkeit für den gedachten Gewerbebetrieb darthun. Dieselbe Prüfung soll von Zeit zu Zeit wiederholt werden. So weit der Erlaß des Ministers. Wie früher berichtet, besteht die Absicht, in Zukunft auch die gesetzlichen Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung über die genannten Geschäftsbetriebe zu verschärfen.
x Der Bundesrath hat in feiner letzten Sitzung feine Zustimmung ausgesprochen zu der Vorlage über die Ausbesserung der Mezüge der H^ostnnleröeamlen und Landöriefträger. Das Anfangsgehalt der Unterbeamten soll danach von 800 auf 900 Mark, das Endgehalt der Landbriefträger von 900 auf 1000 Mark erhöht werden. Soweit entspricht also die in Aussicht gestellte Vorlage den Wünschen des Reichstages. Aber die Ausbesserung soll nicht schon mit diesem Etat eintreten, sondern erst vom 1. April 1899 ab. So lange werden sich also auch noch die Staatssekretäre mit der Erhöhung ihrer Gehaltsbezüge zu gedulden haben.
O Der preußische Eisenbahnminister Thielen hat an die preußischen Eisenbahndirektionen ein Rundschreiben gerichtet, das sich mit der häufigen gerichtlichen Ireisprechung von AaHnöeamlen beschäftigt, die wegen Verschuldung von Unfällen angeklagt waren. In dem Rundschreiben werden die Behörden aufgefordert, in vorkommenden Fällen neben den Umständen, die einen Beamten belasten, auch diejenigen Umstände zur Kenntniß der Staatsanwaltschaft zu bringen, die zur Entlastung der Beamten dienen können. Das finden wir sehr verständig. Weniger hat unseren Beifall die Art und Weise, wie diese Weisung begründet wird. Dies soll — so sagt das Rundschreiben — deswegen geschehen, damit die Staatsanwaltschaft „nicht zur Erhebung der öffentlichen Anklage veranlaßt wird, wenn nach Sage der Sache eine gerichtliche Vemrtheilung nicht zu erwarten ist". Der Staatsanwalt muß doch aber ganz und gar nach feinem Ermessen handeln und nicht nach dem Ermessen der Königlichen Behörde; und außerdem werden weite Volkskreise gar nicht einverstanden sein mit dem Bestreben, gerade auf diesem Gebiete die Thätigkeit der Staatsanwaltschaft eingeschränkt zu sehen. Und wenn die Eisenbahndirektionen der Staatsanwaltschaft das Material liefern, das zur Entlastung des Angeklagten dienen soll, so dürfen sie auch in den geeigneten Fällen nicht vergessen, anzuführen, wenn ein Beamter durch Ueberanftrengung im Dienste übermüdet und nicht mehr fähig war, den Anforderungen seines Dienstes in vollem Umfange zu entsprechen. Davon aber scheint in dem Rundschreiben des Eiseubahnministers nichts zu stehen.
* Dresden, 29. März. An der Spitze der zahlreichen Fürstlichkeiten, die zu den Regierungs- estlichkeiten des Königs von Sachsen nächsten
Wege und Ziele.
Roman von A. Jüngst.
23 --(Nachdruck verboten.)
„Wenn das Wetter nur endlich besser werden wollte!" fing Herbert nach einer Pause wieder an, während welcher Lora mit gefalteten Händen am Fenster gestanden und traurig in das Äbeud- zwielicht geblickt hatte. „Du erinnerst Dich doch, Lora, daß ich hinauf muß in die Berge, die blaue Blume zu suchen."
„Ach ja, die blaue Blume," seufzte Sora. „Glaubst Du wirklich, daß sie hienieden blüht?"
„Warum nicht?" fragte Herbert mit einem kurzen Auflachen zurück. „Die Sehnsucht nach etwas Unaussprechlichem, Unendlichem, nach einem alle Vorstellung übersteigenden Glück ist dem Menschenherzen zu tief eingeboren, um nicht Befriedigung zu heischen und zu finden. Wer, wie ich, seine ganze Seligkeit in den Besitz eines reinen, gleichgesinnten Herzens gefunden hat, wer.
„O, Herbert, sprich nicht so, mir ist so angst, so unsagbar angst!" unterbrach ihn Sora, und die großen Kinderaugen öffneten sich weit.
„Wovor?" stieß Herbert heraus. Sein Blick war unsicher, seine Stimme heiser.
„Jo weiß es nicht; aber es liegt mir auf dem Herzen, es nagt mir an der Seele. Vielleicht ift, es nur dieser trübselige Regen, der auf mir lastet und mich niederdrückt," fügte Sora, mit einem schwachen Versuch, zu lächeln, hinzu.
„Ich bitte um Entschuldigung," sagte die Stimme des alten Kammerdieners, der unhörbar sich genähert hatte. „Ihre Durchlaucht die Frau
Prinzessin von Hohenburg schicken schon zum zweiten Mal, ob beim die jungen gnädigen Herrschaften nicht zum Souper kämen. Die Frau Gräfin Pawel mit Komtesse Tochter, die Baronin von Frondsstein und der Herr Baron von Sanbfeer würden ebenfalls erscheinen. Der Herr Gras sind verhindert; eilige Briefe vom Verwalter auf Ostheim müssen noch vor Abgang der Post beantwortet werden."
„Da werde ich füglich nicht fortbleiben können, Sora," sagte Herbert schnell. „Tante Sarolta müßte es mir mit Recht verdenken. Bescheiden Sie den Boten, daß ich im Augenblick dort sein würde, Kleemann," wandte er sich zu dem wartenden Diener.
Bora sagte nichts; sie faltete nur wieder die Hände und fah gedankenvoll zum Himmel.
„Du zürnst mir, mein Sieb," hob der junge Mann an, während er seine Handschuhe anzog, „und ich kann Goch nicht anders."
„Nein, Du kannst nicht anders," entgegnete ie tonlos.
„®ut, daß Du so verständig bist, das einzu- ehen," fuhr er fort, ohne den Ausdruck in Sora's Antlitz zu beachten. „Verständiger wäre es ja noch, wenn Du Dich entschließen wolltest, Mama allem zu lassen und mich zu begleiten."
„Verlange es nicht, Herbert. Ich kann nicht."
„Nun, dann gute Nacht, liebe Sora; grüße Mama, ich mag nicht noch einmal hineingehen und sie stören."
„Gute Nacht, Herbert."
Die Hände des jungen Mädchens waren eisig 'alt, ihre Sippen bebten, als er, sich zu ihr niederbeugend, sie mit flüchtigem Kusse berührte — er merkte es nicht.
Herbert war der letzte der erlesenen Gesellschaft. Die Prinzessin runzelte die Brauen bei einem Erscheinen.
„So spät, Herbert, und ohne Sora?"
„Verzeihe, liebe Tante, daß ich die richtige Stunde versäumt. Sora mochte ihre Mama nicht verlassen, und bei dem schlechten Wetter . . . "
Er schloß mit einem Seufzer, welcher dem unergründlichen Regen gelten konnte, und beeilte ich dann, die ihm bekannten Gäste zu begrüßen. Als er sich von den älteren Damen der jüngeren Welt zuwenden wollte, ergriff ihn der junge Sand- eer am Arm und flüsterte: „Wie schön Fräulein Gerrit heute Abend wieder ist! Inge Gerrit! Wer hätte das denken können?"
„Warum nicht?" gab Herbert ungeduldig zurück. „Das Genie und die Schönheit sind nicht vom Adelsdiplom abhängig."
Herbert hörte kaum, was man alles auf ihn einredete. Sein Auge hatte vom ersten Augenblick eines Eintritts an den Gegenstand dieser ungeheilten Bewunderung gesucht und nicht wieder verlassen.
Inge war wirklich überraschend schön an diesem Abend. Ihre stolze Erscheinung, gehoben durch eine eben so geschmackvolle wie kostbare Toilette, überstrahlte beinahe noch die der Prinzessin. Die brennendrothen Granatblüthen in den Socken und am Ausschnitt des Kleides ließen die Eigenart ihres Typus, den blauschwarzen Glanz ihres Haares, den sammetartigen Schmelz ihrer Gesichts- ärbe noch mehr hervortreten.
Herbert verschlang Inge mit seinen Blicken; er folgte jeder ihrer Bewegungen, wie sie inmitten des glanzenden Kreises von Herren und Damen
mit völliger Ungezwungenheit hin und her glitt, hier mit der leichtesten Anmuth eine Artigkeit erwies, dort mit der Miene einer Königin eine putbigung entgegennahm. Nur ihn, der nach einem Sächeln ihres Mundes schmachtete, schien 'ie geflissentlich zu übersehen. Hatte sie ihn nicht lemerkt, ober wollte sie ihn nicht bemerken?
„Fräulem Gerrit, ein Sieb!" bat schüchtern eine ber jungen Damen von Reichenhall.
„O bitte, Durchlaucht, gestatten Sie, daß Fräulein Gerrit singt!" schloß ein halbes Dutzend Stimmen sich an.
Freundlich nickte Prinzessin Sarolta Gewährung und gab Inge ein Zeichen. Jetzt war auch Herbert's Zeit gekommen, als das schöne Mädchen mit einem bezaubernden Sächeln gegen den gütigen Spender an den Flügel trat und mit jubelnden Tönen das Frühlingsiieb aus der Walküre fang. Kein Zeichen des Beifalls wurde laut, als sie geendet. Alles schwieg in tiefster Ergriffenheit.
Ein stolzer Freudendlitz brach aus den dunkeln Augen, ein siegreiches Sächeln spielte um den feinen Mund. Ein kurzes, geflüstertes Wort bedeutete Schönberg, und zart und duslig fang sie Grimm's „In der Mondnacht, in bet Frühlings- Mondnacht."
Als Inge das zauberische Frühlingslied be- eenbet und mit glänzenden Augen und gerötheten Wangen die Wirkung ihres Gesanges beobachtet, hatte Schonberg ihr bittend zugeflüstert: „Nun mein Sieblingslieb, Inge", und dabei mit leise prüfendem Tone die ersten Akkorde von Chopins „Ständchen" angeschlagen.
„Nein, jetzt singe'ich das Waldesgespräch von Schumann."