66
Jukba, Dienstag, den 29. März 1898
25. Jahrgang.
X Die Agrar-Kommission des preußischen
Aus dem Reichstage
22
des Lichtes und ein Engel der Finsterniß.
Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei Petersgaye Nr. 2 (Harmonie).
Herold über die Avwehr vo« WieHsenchen durch folgenden Antrag zu ersetzen: „Die Staats- regterung zu ersuchen, das Gesetz vom 12. März 1881 betreffend die Ausführung der Reichsgesetze über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen, nach Möglichkeit dahin in Anwendung zu bringen, daß die im öffentlichen Interesse erwachsenden Kosten von der Staatskasse getragen werden."
ist aber nicht geschehen. Wiederum ist für dieses Jahr die Lieferung im Wege der Unterbietung an eine Handlungsfirma vergeben worden, ohne daß bekannt ist, warum dies geschieht. Aufklärung darüber wäre sehr erwünscht, sowie überhaupt über die Grundsätze, die bei der Regierung im allgemeinen als maßgebend für die Behandlung solcher Angelegenheiten gelten.
^2 Nach langen Verhandlungen ist zwischen der deutschen und portugiesischen Regierung der Entwurf für einen neuen Kaudeks- vertrag mit Portugal jetzt fertig gestellt worden. Die wichtigsten Einfuhr - Gegenstände von Portugal nach Deutschland sind Weine, Süd- fr ü ch t e, rohes K o r k h o l z und Korkstopfen. Nach I dem neuen Entwürfe soll der Zollsatz für Trink- weine von 24 auf 20, der für Verschnittweine von 24 auf 10 Mark für 100 Kilogr. sich ermäßigen. Noch bedeutendere Ermäßigungen gesteht der Entwurf für die Südfrucht-Einfuhr nach Deutschland zu. Man darf daher erwarten, daß auch die von portugiesischer Seite Deutschland gemachten Zugeständnisse für den Ausfuhrhandel von Vortheil sein werden, und diese auch auf unfern Handel nach den portugiesischen Kolonien pch erstrecken. Im vergangenen Jahre hatte die deutsche Ausfuhr nach Portugal einen Werth von 14 15 Mill Mk., die Einfuhr von dorther einen solchen von 16-17 Mill. In diesen Ziffern ist indessen der Waarenverkehr Deutschlands mit den Kolonien nicht enthalten.
* Der angekündigte Wachtrags-Ktat für Kraotschau soll nur einige Forderungen für Hafenbauten enthalten. Die übrigen Kosten, die die Besetzung von Kiaotschau gefordert hat, sollen erst in der nächsten Tagung vom Reichstage gefordert werden. Die Ausrichtungen und der Transport der Besatzungsmannschaften hat nach einer Zeitungsmeldung allein einen Kostenaufwand von 500,000 Mark verursacht.
* Eine erfreuliche Wachricht können wir einer großen Anzahl viel geplagter Beamten bringen. Dem Bundesralhe nämlich ist dem Vernehnien nach endlich eine Vorlage zugegangen, nach der die Erhöhung des Anfangs-Gehaltes der seit dem 1. April 1895 angestellten Postschaffner rc. von 800 auf 900 Mark und die Erhöhung des Meistgehaltes der Landbriefträger! von 900 auf 1000 Mark vom 1. April 1899 , ab im Reichshaushalt für 1899 ausgebracht wer- i
verantwortlich: Für die Redaktion Ios. Daum, für Inserat« I. parzeller in Fulda.
»Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, Prinzessin," antwortete Hellborn ernst ..Inge ist mir heute noch eben so unbegreiflich
Inserate: Die einspalt. Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf.; bei Wiederbolungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
*<* 71- Sitzung vom 28. März 12 Uhr.
Am Bundesrathstische: Die Staatssekretäre Graf Posadowsky, Nieberding, Tirpitz, Frhr. von Thielmann, v. Bülow.
Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Vierteljährl.
Hezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts IM. 50 Pf.
Mrgr und Ziele.
Roman von A. Jüngst.
------ (Nachdruck verboten.)
, DW allgemeine Rechnung über den Reichshaushaltsetat für 1893'94 wird dem Anträge der Rechnungskommission entsprechend durch Ertheiluna der Decharge erledigt.
. ,F^am> trilt das Haus in die dritte Berathung des Gesetzes betr. Entschädigung der im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochenen Personen. (Entschädigung unschuldig Berurtheilter.) , I" der Generaldebatte bekämpfte der sozialdemo- kratische Abg. Stadlhage« die Vorlage als ein bloßes Scheingesetz. p
Die Abgg v Vuchka (kons.) und MecKH (freis. Vp.) befürworten dagegen die Beschlüsse zweiter Lesung. Diese wurden auch gegen die Stimmen der Sozialdemokraten m dritter Lesung definitiv angenommen.
Nachdem sodann das Haus ohne Debatte in dritter Lesung den Gesetzentwurf betr. die anderweite Festsetzung des Gesammtkontingents der Brennereien ebenfalls endgiltig angenommen hatte, wurde in die dritte Berathung des Flottengesetzes eingetreten. ö
Der Reichskanzler war inzwischen im Saale erschienen.
Mit diesen Worten kehrte sie ins Nebenzimmer zurück, wo Graf Hellborn in einem der niedrigen Fauteuils lehnte.
„Also Durchlaucht wollen wirklich nach den geräuschvollen Amüsements von Wien und Paris ländliche Freuden genießen?" fragte er spöttisch. „Ich bin gespannt, wie lange das Vergnügen dauern wird."
„Ach, Hellborn, langweilen Sie mich nicht. Sie fangen wirklich an, unausstehlich zu werden.
„Danke für das Kompliment, Durchlaucht- aber die Wahrheit ist gewöhnlich unausstehlich."
„Sert wann hat der Herr Hellborn sich in einen Moralisten verwandelt?" spöttelte die! Prinzessin.
»Seit wann? Hm, ich glaube, seit die Laune I einer Herrin sich in einem unlöslichen Räthsel verkörperte."
» "^brschonen Sie mich mit Anspielungen auf -Onge, fiel Prinzessin Sarolta etwas schärfer a^s gewöhnlich ein. „Ich weiß. Sie haben ein I Vorurtheil gegen das Mädchen."
„Fällt mir gar nicht ein, die Thatsache zu leugnen, ^zch habe nie ein Hehl aus meiner Abneigung gegen Ihren Günstling gemacht."
„Nun, und müssen Sie denn nicht jetzt wenn I Sie ehrlich fein wollen, gestehen, daß Sie Unrecht gehabt, daß meine Voraussetzungen sich glänzend bewahrt haben?"
„El,ei, wie rücksichtsvoll!" spottete Sarolta und drohte dem Neffen mit dem Finger. „Wenn ich mich recht erinnere, gibt es ein deutsches Sprüch- wort von einem Sack und einem Esel, dessen Konsequenzen ich aus Respekt für meine Schwägerin nicht zu ziehen wage. Aber es will mich bedüu- ken, als ob es hizr zutreffend wäre. Glaubst Du nicht auch, Inge?"
„Ich glaube gar nichts," erwiderte die Angeredete schroff. „Meine geistigen Kräfte sind so beschränkt, daß ich nur das sehe, was gerade handgreiflich mir vor Augen liegt."
„®a hört ihr die Schülerin "Hellborns! Die beiden mögen sich gar nicht, leben jahraus jahr- em auf dem Kriegsfuße, und doch eignet das Mädchen sich so manche seiner Ansichten an."
„Ich hasse Graf Hellborn," stieß Inge rasch hervor.
„Inge!" Die Prinzessin hatte sich höher auf- genchtet und sah sie mit strafendem Blicke an.
„Verzeihung, theuerste Prinzessin," bat Inge m den schmeichelndsten Tönen, sich über die Hand ihrer Gönnerin beugend. „Durchlauchts Güte hat mich verwöhnt, so daß ich mich selbst vergesse."
Deutsches Deich.
Berlin, 28. März.
* Die in Aussicht genommene Weife des Kaisers «ach Jerusalem wird zu Schiff bis nach Jaffa gemacht, dort wird gelandet. Von hier aus wird, wie der,Konfektionär' erfährt der Weg w das Innere der Provinz Syrien' und Palästina bis nach Jerusalem und weiter zu Pferde gemacht. Die Quartiere werden in Zelten aufgefchlagen. Ein Aufenthalt ist ferner in Damaskus in Aussicht genommen. Ob die Reise mit großem Gefolge gemacht wird, scheint noch nicht bestimmt zu sein. Die Herren General von Plesfen, Flügeladjutant von Scholl und Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg werden sich aber jedenfalls in der Begleitung des Kaisers befinden. Von Künstlern ist bis jetzt Professor Knackfuß aufgefordert worden, die Reise mitzumachen. Es ist ferner in Aussicht genommen worden, die Reise bis nach Aegypten, den Nil herauf, auszudehnen, doch hängt die Ausführung dieses Projektes noch von weiteren Erwägungen ab.
* Zeitungsberichten zufolge sollte "der Kaiser m einem Kronrathe für die Errichtung eines «eue« Wauteuministeriums in Preußen sich ausgesprochen haben, dem bann auch das Wasfer- bauwesen zugewiesen werden sollte; und auch das preußische Staatsministerium sollte sich in diesem Sinne entschieden haben. Diese Meldung entspricht der ,PosL zufolge den thatsächlichen Vorgängen nicht. Richtig soll diesem Blatte zufolge nur fein, daß „Erörterungen über eine anderweite Organisation der wasserwirthschaft- lichen Einrichtungen an der Centralstelle schweben". Aber „Beschlüsse nach der einen oder anderen Richtung" sollen „noch nicht gefaßt" werden. Erfreulicher als diese künstlich gedrechselten halbamtlichen Redewendungen liest sich die Meldung, daß auf Anordnung des preußischen Landwirth- schaftsministeriums schleunigst Entwürfe zur Regulirung der schlesischen Gebirgsflüsse aufgestellt werden sollen. Zu diesem Zwecke sind d,e nothwendigen Vorarbeiten bereits m Angriff genommen worden.
„Sie malen zu weiß und zu schwarz," fiel die Prinzessin schnell ein. „Ich gebe ja zu, daß meine Nichte ein liebliches Kind ist, aber ..."
„Komtesse Lora ist mehr als ein Kind, sie ist ein gottbegnadetes Wesen, auf dessen Stirne noch ein Abglanz des Himmelsstrahles ruht, dem es entsprungen."
„Ich staune, lieber Graf. Sie, ein Mann des schärfsten zersetzenden Geistes, fühlen sich von dem reinen, zarten, aber unbedeutenden Wesen Loras gefesselt? Für Sie müßte doch ein Geschöpf wie Inge, dieser bewegliche, sprühende, immer wechselnde Geist, viel mehr Anziehendes haben."
„Vielleicht habe ich von solchen Frauen zu viel gesehen und mich überzeugt, daß dieser sogenannte Geist nur ein Raketenfeuer ist, das weder leuchtet noch wärmt. Ich bin eben auch älter geworden und nicht mehr so leicht zu blenden.
| Uebrigens" — er nickte nach dem Salon, von I wo ein lebhaft geführtes Gespräch herübertönte —
„fürchten Sie nicht für Ihren Neffen?"
„Meinen Neffen? Ich verstehe Sie nicht."
„Nun, Graf Herbert ist am Ende doch auch sterblich."
„Aber, bester Freund, wohin denken Sie?"
„Ich denke, daß Fräulein Inge eine Grasen- trone für den geeignetsten Schmuck ihres schönen, eigensinnigen Köpfchens halten wird."
„Herbert ist mit Lora verlobt, wenn auch erst im Geheimen."
„Ich weiß es, glaube jedoch nicht, daß Inge das als ein unübersteigliches Hinderniß ansehen würde."
„Hellborn, ich fange an. Ihnen ernstlich zu zürnen," rief die Prinzessin ärgerlich. „Wie können Sie einen solchen Gedanken hegen?"
X Nun wieder Kiautschau statt Kiaotschau — oder auch Kiautschou — soll es heißen und geschrieben werden. Die Hauptsache ist ledensalls, daß wir es haben und daß es uns
°llzu viel kostet - sei es nun als Kiaot-, - --------™
schau oder Kiautschau oder Kiautschou. Der an- den soll.
gedrohte Nachtrags-Etat über 6 Millionen für 1 . 2!. .......... +,ltupi|u,cil
untere neue Besitzung in China scheint vorerst Abgeordnetenhauses hat beschlossen, den Antrag wieder in der Versenkung verschwunden zu sein. <x'“"'rk ~
h Richt nur im Königreich Sachsen, sondern auch auswärts wird geklagt darüber, daßStaats - ämter ihren Wedarf a« Getreide durch Kauf von Händlern, anstatt unmittelbar vom Landwirthe decken. So beispielsweise das Oberbergamt zu Klaust Hal im Harz, das nach altem Brauche das Brotkorn für die Bergschaften aller staatlichen Bergwerke ankauft und unter die Bergleute vertheilt. Das ist im ganzen die stattliche Menge von 45000 Centnern. Das Oberbergamt hatte sich auch schon bereit erklärt, den Getreidebedarf freihändig in Mengen von mindestens 2000 Kilogramm durch die Magozin- verwaltung in Osterode ankaufen zu lasfen. Das j
. 3 Zum Schluffe erhielt auch noch derAbg. Äsikward« das Wort, um seinen Beifall, den er heute Liebermann v. Sonnenberg gespendet, damit zu rechtfertigen, daß Liebermann v. Sonnenberg heute sich von den Konser- vatwen abgekehrt habe, was dieser später bestritt. Im Uebrigen rief Ahlivardt Richter zu: „In Hagen sehen wir uns wieder!" (Ahlwardt kaudidirt bekanntlich im Kreise Hagen.)
, Die ablehnende Haltung der antisemitischen Minderheit rechtfertigte der Abg. Btndewakd damit, daß die Vorlage Deutschland zum Schaden der Landwirthschaft immer mehr zum Industriestaat machen werde.
Von der Rechten erklärten sich die Abgg. Graf
I Girbach und Graf Arnim auch für die Vorlage, während Abg. v. Aennigse« auf Richter's neuliche Angriffe ^widerte, er gönne diesem die Genugthuung, mit seiner Minderheit das letzte große Wort zu haben.
Die Abftimmung über die einzelnen Paragraphen der Vorlage erfolgte in der gewöhnlichen Form. Die- ssibefi wurden mit der bekannten Mehrheit angenommen. Schließlich wurde die Vorlage in der Gesammt-Ab- stimmung ebenfalls in gewöhnlicher Abstimmung angenommen. (Lebhaftes Bravo!)
Das Haus genehmigte sodann noch den schleunigen Antrag der Abgg. Ar. v. Levetzow und Gen. wegen Errichtung emes Denkmals für Kaiser Friedrich.
Gegen denselben sprach der sozialdemokratische Abg. Singe^ für denselben als Süddeutscher der kreisinnige Abg. AarlH.
Morgen 12 Uhr: Dritte Berathung des Etats.
Für die Vorlage sprach zunächst der nationalliberale Abg. Prof. Ar. Gnneccerus aus Marburg, der bei dieser Gelegenheit die wissenschaftliche Thätigkeit der Marine beleuchtete und dadurch den Staatssekretär des Marmeamts Tirpitz zu der Erklärung veranlaßte, daß durch die Annahme der Vorlage auch die wissenschaftliche Thätigkeit erweitert werde.
Abg. Liebermann v. Sonnenberg beschwerte sich darüber, daß ihm in der ersten Lesung durch einen Gewaltstreich des Wort abgeschnitten sei, tro£ dem er einer Partei angehöre, die bei der letzten Wahl 300000 Stimmen erhalten habe und bei der nächsten Wahl */2 Million Stimmen zu erreichen hoffe (Gelächter); vielleicht noch mehr. (Heiterkeit.) Die Stimme des Volkes sei der Flotte keineswegs so günstig, als die Freunde der letzteren meinten, und es sei deshalb erfreulich, daß es nicht zur Auflösung gekommen sei. Die Abgeordneten dürften indessen nicht die wechselnde Stimmung der Wähler oder deren Mangel an Aufklärung siH zu eigen machen, sondern müßten in patriotischen Fragen nach eigenem Ermessen stimmen. Der Redner ging dann näher auf die früheren Reden ein. Die ungeduldigen Zurufe aus dem Hause beantwortete er mit dem Hinweis auf seine Lungenkraft. (Heiterkeit.) Redner führte weiter aus, daß die Mehrheit des Centrums sich ums Vaterland wohl verdient mache. Mit Geduld, Scharfsinn und taktischem Geschick habe sie eine Verständigung herbeigeführt. Das eröffne die Aussicht auf die Schließung der Kluft zwischen den beiden Konfessionen und auf Beseitigung der unglückseligen Kullurkampfreste. Schließlich befürwortete der antisemitische Sprecher Annahme der Vorlage.
Abg. ^iirst Aadziwiil (Pole) wandte sich dann gegen die neulichen Ausführungen des Staatssekretärs Grafen Posadowsky gegen die Polen. Ihm sei es uner- ftndlich, wie der letztere dazu gekommen, hier die preußische Anti-Polen-Politik zu vertheidigen. Angesichts der frivolen und unbegründeten Behandlung, die den Polen in Preußen zu Theil werde, könne man doch nicht verlangen, daß die Polen im Reichstage der Regierung dienstbar seien.
Präsident Freiherr v. A«ok rügte den Ausdruck „frivol" als parlamentarisch unzulässig.
Staatssekretär Graf posadowsky wies den Bor- wurf, das Verhalten der preußischen Regierung sei „frivol" mit Entschiedenheit zurück. An dem Tage, wo die polnische Bevölkerung in ihrer Gesammtheit der preußischen Regierung die Ueberzeugung einflöße, daß sie das Gefühl habe, untrennbar mit der preußischen Monarchie ve.bunden zu sein, werde auch die Behandlung der Polen eine andere sein.
Der deutsch-hannoversche Abg. Frhr. v. Kodenbera erckarte sich zwar gegen die Vorlage, würde aber in ledem Jahre für die Vermehrung der Flotte stimmen. ... Die Debatte artete schließlich in eine kleinliche persönliche Zankerei aus, wobei sich die Abgg. Aievermann v. Sonnenberg, Dichter und Aevck gegenseitig vorwarfen, langweilige Reden gehalten zu baden.
Der Volksversammlungston war schließlich vorherr- ; schänd. Liebermann v. Sonnenberg meinte z. B., die ! Inschrift auf Richter's Denkstein müsse lauten: „Die deutsche Fortschritts-Partei ihrem Eugen Zugrunde- Richter." (Große Heiterkeit.)
Aus dem Kandtage.
Abgeordnetenhaus. 57. Sitzung vom 28. März 11 U
Sim Mmistertische: Finanzminister Dr. v. Miquel, Frhr. v. Hammerstein.
Das Haus tritt in die dritte Lesung des Etats ein.
Eine Genecaldiskusston findet nicht statt.
In der Spezialdiskusston werden die Etats des Kriegsministeriums und der Central-Genoffenschaftskaffe debattelos bewilligt. 1 11
Beim Etat der Domänenverwaltung kommt Abg Seer (natl.) auf seine Beschwerde aus der 2. Lesung über die Verlängerung der Domänenpacht zurück und gibt zu, daß er die Bemängelung damals auf Grund unzureichender Informationen vorgebracht habe
Ministerialdirektor Fhiek hält nach dieser Erklärung die Sache für erledigt.
Abg. Hahensky (Ctr.) befürwortet Verbesserung der Badeeinrichtung in Ems.
Der Etat der Domänenverwaltung wird darauf bewilligt, ebenso nach kurzer Debatte, an der sich betheiligen Abg. HSinlermcy-r (frf. Vp.), Oberlandforstmeister Aonuer und Abg. Lahcnskq (Ctr.) der Etat der Forstverwaltung.
Zum Eisenbahnetat liegt ein Antrag Go thein (frf. Vgg.) vor, die Giltigkeitsdauer der Rückfahrkarten einheitlich auf 10 Tage festzusetzen.
Abg. Dabdyk <Ctr.) wünscht Auskunft über das letzte Eisenbahnunglück in Breslau.
I Minister Wieke« erwidert, die Ursachen seien noch nicht festgestelll, die Verwaltung treffe aber keine Schuld.
Nach weiteren Wünschen der Abgg. Aiepenha«ke« und Gothei« warnt Abg. Graf Kimvurg Stirum den Minister vor zu großer Ermäßigung der Kanalgebühren.
Abg. Enneccerns tritt für den Bau des Mittellandskanals ein.
Der Eisenbahn- und Bauetat werden darauf bewilligt und die Weiterberathung wird auf Dienstag 11 Uhr vertagt.
•CP Herrenhaus. — 8. Sitzung vom 28. März.
Abg. Fürst zu Wied erbittet und erhält die Ermächtigung, dem Fürsten Bismarck zum Geburtstage am 1. April zu gratuliren.
Nach Genehmigung kleinerer Vorlagen gelangt ein Antrag des Oberbürgermeisters Iweigert, die Regierung aufzufordern, in den Etat 1898 die Mittel einzustellen, um den an vom Staat und anderen zu unterhaltenden höheren Lehranstalten angestellten Direktoren und Lehrern die Gehaltsbezüge vom 1. April 1897 ab zu gewähren, die an rein staatlichen Anstalten Angestellten seit diesem Zeitpunkt beziehen.
Der Antrag wird abgelehnt.
Nächste Sitzung Dienstag.
»Laß gut fein," wehrte Prinzessin Sarolta
aX ®u? atte. ""ch r»m Souper. , „v.lBt ^u>c „uu# tuen io unoearetntcb
Wette/nick>t' hSfaFntt teiber ^dem schlechten wie vor zehn Jahren; sie und Komtesse Lora ^Überkommen; aber Papa hat genau derselbe Gegensatz wie damals: ein Engel
für sich und Dich zugesagt." des Lichtes und ein Engel der Finsternis "
Der Graf zuckte die Achseln. „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamme."
Die Prinzessin überhörte seine Worte und fuhr fort: „Ueberdies ist Inge mit Schönberg verlobt — eine durchaus passende Verbindung. An feiner Hand wird sie die Bretter betreten, welche die Welt bedeuten, und für ihn wie für sich die wohlverdienten Lorbeeren sammeln."
„Wir wollen hoffen, Durchlaucht, obschon ich nicht umhin kann, zu sagen: Der arme Teufel! Schönberg hätte ein besseres Loos verdient"
12.
Das schlechte Wetter wollte nicht weichen. Tag um Tag verhüllte ein neidischer Wolkenschleier den reinen Glanz des Himmels, und wenn einmal I die Sonne Herr geworden über die feindlichen Gewalten, gleich quollen aus allen Thalgründen, aus Klüften und Felsenspalten dichte Nebel hervor, die sich drängten und ballten und mit ihren wogenden Massen das kaum zum Vorschein gekommene Tageslicht wieder verschlangen. Unergründlich, unaufhaltsam rieselte es bann vom grauen Himmel nieder, umzog alle Berge und Felsen, tropfte von allen Bäumen und Sträuchern und verwandelte die Wege in eine Reihe graubrauner Pfützen. Nur die Gebirgsbäche jubelten über diesen Zuwachs; schäumend und brausend rollten sie ihre angeschwollenen Wasser zu Thal, sprangen donnernd von Fels zu Fels und setzten mit unwiderstehlicher Gewalt über jedes Hinderniß hinweg.
Zwischen den Insassen der Villa an der Keuper-Terrasse und den Gästen des Hotel Watz- mann entwickelte sich trotz der Ungunst des Wetters ein lebhafter Verkehr. Mit Regenschirmen und Mänteln bewaffnet, wanderte man unverdrossen
Fuldaer M Zeitung
mit Zlnterkattungs-Meikage „Ifluflrirte Sonntags-Ieiiung