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IrrLöa, Donnerstag, den 24. März 1898

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Inserate: Die em- spalt. Garmond­zeile ober deren R-uim 15 Pf, Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei WirderKolungcn wirb entsprechend. Rabatt gewährt.

mcht reden, durfte nickt das einzige Glück meines Lebens mir sichern. Ich habe mich damals den Wünschen Deiner Eltern gefügt, aber jetzt kann lch nicht länger schweigen, jetzt muß ich Dir eS lagen: Lora, ich liebe Dich von ganzem Herzen! Kannst Du, willst Du mein Weib werden und damit meinem Dasein die höchste Weihe, den reichsten Segen geben?"

Lora stand zitternd gegen das halboerwitterte Kreuz eines alten Grabsteines gelehnt. Aus den langen Wimpern der gesenkten Augen löste sich langsam Thräne um Thräne.

„C Lora, sprich ein Wort, ein einziges nur, daß ich leben, daß ich hoffen darf!"

Der Mund des Mädchens bewegte sich, aber kein Laut entstoh den bebenden Lippen.

»Lora, Du verschmähst mich? Du liebst mich nicht?' flehte der junge Mann und beugte sich näher zu ihr.

Da ging ein leises Zucken durch die schlanke Gestalt, die blaffen Wangen färbten sich, und unter Thränen lächelnd schlug Lora die Augen voll zu dem vor ihr Stehenden auf. Was er darin las, mußte eine so eindringliche Sprache reden, daß ein lauter Jubelschrei alle anderen Worte verschlang. Sanft stahl Loras Hand sich in Herberts Rechte, und wie sie so dastanden Seite an Seite, Auge in Auge, lugte ein letzter Sonnen­strahl um die Felsenzacken, glitt über die Häupter der beiden sungen Menschenkinder und haftete dann mit flimmerndem Schein auf dem goldenen Kreuz der Wallfahrtskirche. b

"Mw scheint, die Beiden sind der Erde ent­rückt, sie traumwandeln am helllichten Tage ' meinte Graf Hellborn mit feinem Lächeln, als

Wir» die nächste Nummer unseres Blattei erst am ^amstaez ansge<zeden.

der beiden Mächte im Laufe der Zeit der Schwer­punkt mit unfehlbarer Sicherheit nach dem größeren, bevölkerteren und reicheren der verbündeten Reiche, nämlich nach China, sich gesenkt haben würde. Ihm hätte schließlich die Oberherrschaft zufallen müssen.

verantwortlich: Für die Redaktion Iof.Van«, für Inserate 3. parzeller in Fulda.

Wege mtb Ziele.

Roman von A. Jüngst.

------ (Nachdruck verboten.)

Die Wanderer schritten nunmehr rüstig für­baß über die duftigen grünen Matten der Vor­berge und durch die tannendunkle Kühle der wechselnden Baumgruppen. Aber trotz der Ver­suche Oftheims, die beiden jungen Leutchen heran­zuziehen, wollte fein rechtes Gespräch aufkommen Herr Hellborn führte die Unterhaltung fast allein; «r erzählte von seinen Reisen im Orient, und da er fein Wort hauptsächlich an Lora, richtete, mußte Herbert sich wohl oder übel darein finden, sajwei- gend nebenher zu schlendern.

Nach anderthalbstündiger Wanderung war das Zi^ erreicht. Die wenigen Häuser von Vorder-Gern, die sich, wie Schutz suchend, vor den gewaltigen Geistern des klntersberges, in den Schatten der schönen Wallfahrtskirche geflüchtet hatten, winkten vom Hellen Wiefenplan. Einige Kühe weideten am Rand der Schlucht, die Grillen zirpten, eine Goldammer fang aus einem bemoosten Hollunderbaum ihr einfaches Liedchen, und über dem grünen Thalkessel hob sich drohend und maffig die gewaltige Pyramide des zerklüfteten Berges, in dessen tiefstem Schooße Karl der Große schlummert und des Augenblickes harrt, daß er mit seinen Paladinen hervorbrechen darf, nm auf dem Walserfeld die große Völkerschlacht zu schlagen.

Kein störender Laut der Außenwelt, kein wui.tes Getriebe des Lebens unterbrach die fried­liche Stille. Alle schwiegen, sogar Graf Hellborn

die Reihe derer, die eine „Ent­schädigung" für einen Schaden, den sie üicht er­litten haben, verlangen, noch nicht erschöpft. Auch Frankreich will feinen Theil von dem Kuchen. Daher kann die Nachricht der,Times' nicht über- raschen der aus Peking gemeldet wird, daß der französische Geschäftsträger daselbst Forderungen auf „Kompensationen" in Gestalt von Gewähr­ung „politischer Vortheile" in Süd-China erhoben HE. Unter diesen „politischen Vortheilen" SiTaaa Besetzung der großen Insel Hainan ^41000 qkm atfo so groß wie die Königreiche Sachsen und Württemberg zusammengenommen) sowie eine beträchtliche Erweiterung feiner Kolonie Tonklng zu verstehen zu fein. Ob Deutsch lan d unter biefen Umständen mit dem jetzigen Umfange von Kiaotschau sich zufrieden geben wird, dürste zweifelhaft erscheinen. Auch wir werden dann müssen "Nhwendigerweise „entschädigt" werden

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statten, scheint sich zu bestätigen. Man spricht buuou, daß der Besuch schon Ende dieser Woche statlfinden soll.

Wenn so Rußland und Deutschland, Japan und Frankreich große Stücke aus dem cyinesischen Kuchen sich herausschneiden, dann wird von China schließlich nicht viel übrig bleiben. Es wäre dabei auch allerdings nicht viel verloren wenn das alte, verrottete Reich der Mitte mit seinem ebenso intensiven, als bornirten Ausländer- und Christenhaß von der Bildfläche verschwinden „Oberes liegt Gefahr vor, daß die Machte über die Vertheilung des Kuchens sich selbst in die Haare gerathen.

Sollte es aber auch zu keinem Zusammenstoß kommen und alle Mächte ihr Stück Kuchen er- taucht die weitere Frage auf, ob sie auch das Verschluckte zu verdauen im Stande sind Der chinesische Kuli ist exportfähig. Schon hat er ben westlichen Staaten Nordamerikas dem weißen Arbeiter eine solche Konkurrenz gemacht, daß die wettere Einwanderung von Chinesen ver- boten werden mußte, sollten die amerikanischen Ai beiter nicht zu Grunde gehen. Würden wir hier in Deutschland uns seiner erwehren können, !Pre?n wir einmal ein paar Hunderttausend chine­sische Mitbürger unser Eigen nennen? Viele prophezeien, daß der gelben Raffe mit ihrer An- r sprtrchZwfigkeit, ihrer Geschicklichkeit und Zähig- kett die Zukunft gehören werde, und jedenfalls wird sie, wenn es zur freien Konkurrenz kommt, den weißen Arbeiter besiegen. Und ein nicht weniger gefährlicher Konkurrent ist für den weißen m a.-r n,n ^in. Standesgenosse mongolischer

Auch er weiß auf die Dauer unter gleichen .h/utwffen seinen europäischen Kollegen sicher zu überholen. Vielleicht werden wir eines Tages erkennen, daß es besser gewesen wäre, die Thore der chinesischen Mauer zu verschließen, als durch dieselbe ms Innere des Landes zu bringen, unb bie Chinesen baburch zu einem wirthschaftlichen Wettkampfe nut uns zu veranlassen. Das ist die Perspektive, die wir durch die Spalten des noch nicht geöffneten Thores des 20. Jahr­hunderts schimmern sehen.

Allein die Vorsehung hat es anders beschlossen Der Hochmuth, dieser Erbfehler der Chinesen, litt es nicht, daß sie sich mit dem kleinen Sieger auf eine Stufe stellten. China wollte selbstständiq und unabhängig dastehen, und damit entschied es 1 sich für sein Verderben. Nun sollte es die Wahr­heit des Wortes erfahren: Vaesoli! Wehe dem der alleinsteht! Alsbald begann Rußland in K o r e a den Kampf gegen den japanesischen Einfluß, den Tag zu Tag dort mehr zurückdrängt. Mit Deutschland und England wetteiferte es, in .hinn festen Fuß zu fassen, indem es sich anbot, eine Anleihe gegen politische Konzessionen ihm unterzubrlngen. Die chinesischen Staatsmänner wähnten m ihrer Einfalt noch, das Spiel in der Hand zu haben und die Anleihe nach Belieben vergeben zu können. Mit schlauer Berechnung entschieden sie sich für Deutschland, welches ihnen die fernstehendeste und unintereffirtefte unter den europäischen Mächten zu fein schien, und mit Freuden erfüllten sie die Forderungen der Deutschen ihnen einen Hasen mit entsprechendem Gebiet pachtweise zu überlassen. So erlangte in diesen Tagen Deutschland die Bucht von Kiaotschau

Rußland nicht gedient. Mit russischer Rücksichtslosigkeit begann es in Peking die Arbeit und plötzlich kommt von bort die Nachricht, daß Rußland Port Arthur und Talienwan, die wichtigsten Kriegshäfen Chinas ebenfalls „pachten" will. Und nicht genug damit verlangt es auch, daß seinen Militär-Instruktoren der ganze Norden des Reichs mit der Hauptstadt Peking überliefert werden soll. Das aber würde die Herrschaft Rußlands in ganz Nord-China bedeuten. Wie eine Bombe schlug diese Nachricht w London ein, und die englische Presse geberdete ich, als sollte am anderen Tage der Krieg Eng­lands gegen Rußland erklärt werden. Aber wie wollen die Engländer diesen Krieg führen? Der britische Löwe ist ein Seelöwe' der bekanntlich zu Lande em sehr ungefährliches Thier ist. Das s *03 «an $al0 w England, und anstatt den Russen die Beute abzujagen, findet man es vortheilhafter, sich selbst ein großes Stück aus dem Kuchen als „Kompensation" herauszuschneiden. Das ganze breite, fruchtbare Yantse-kiang- h"ßt, das Herz von China, findet aI§ paffendes Aequivalent für die russischen Erwerbungen. Unter diesen Umständen denkt aber auch Japan nicht mehr daran, ^ei°hai-wel, den Hafen, den es als Pfand für dw chinesische Kriegs-Entschädigung besetzt hat, China zurückzugeben, und China soll sich bereits ?!^^br Abtretung dieses Hafens, wenn ihm da­für die Zahlung der Kriegs-Entschädigung erlassen wird, einverstanden erklärt haben. Damit wird Japan aber mcht zufrieden sein. Man kann zehn gegen ems wetten, daß es, wenn die europäischen Machte größere Theile von China sich einverleiben Ser£T'. eine entsprechende „Kompensation" c?1 w Gestalt der hinter Wei-hai-wei liegenden Landstriche beanspruchen und erhalten wird.

Chinas Ende.

_ Wenn nicht Alles täuscht, hat das Ende des ältesten Reiches der Erde begonnen. Bis in unvordenkliche Zeiten, in denen die Sage das Historische überwuchert, geht seine Geschichte zurück, — in die Zeiten, in denen in Aegypten die Pyramiden entstanden, und an den Ufern des Euphrat unb bes Tigris • bie uns aus früher äugend her wohlbekannten Reiche von Assyrien unb Babylonien blühten. Mit Jao, ber von 2356 bis 2258 v. Chr. regierte, beginnt Chinas Geschichte unb ber Schu-king, feine alten Annalen, gibt uns ein deutliches Bild, wie China in jenen weit entlegenen Zeiten eingerichtet war.

. s Wohl weiß die vieltausendjährige Geschichte des Reiches ber Mitte von manchem verheerenden Krieg und oftmaligem tiefen Niedergange zu er= zahlen. Aber Alle, die es unterjochten, wurden stets von der alten Kultur Chinas ergriffen, auf- gesogen und in Chinesen umgeformt, und unter bem Wechsel der Dynastien bestand das alte Kulturvolk weiter Aber jetzt rüttelt eine andere Gefahr bedrohlich an den Pforten des alten Rnches. Die d,e dort begehrlich auftreten, wünschen urchr, sich auf bem Throne des Sohnes des Himmels mederzulaffen, sondern die „fremden Teufel , wie die Chinesen alle Ausländer nennen, haben begonnen, Theile des Reiches loszulösen und unter fremde Herrschaft zu bringen, und so das Reich ausemanderzureißen, ohne Hoffnung, e~ roteber als ein Ganzes zu vereinigen.

Weite Sänbergebiete hat China bereits in den letzten Jahrzehnten an europäische Mächte ver- loren.^1858mußte es das ganze Amur-Gebiet, 650,000 Quadratkilometer groß, an Rußland abtreten, und 1885 verlor es an Frankreich die Aravinz ^ongking mit etwa 100,000 Quadrat­kilometer. Aber das waren Grenz-Gebiete hoch nn Norden und tief im Süden, deren Verlust das eigentliche China unangetastet ließ. Da kam 1894 der Krieg mit Japan und seitdem ist der Stein in s Rollen gekommen. Der Gebiets­verlust, den China durch diesen unglücklichen Krieg erlitt, war freilich unbedeutend. Es hatte nur Formosa und bie Pescadores-Jnselu an Japan abzutreten. Aber bie Einmischung ber *araparschen Mächte begann mit jenem Tage, an pem Rußland dem siegreichen Japan die Halb- lnselLiaotung abjagte, die auf seinen Befehl bet China verbleiben mußte. Damals hatte sich tui: China eine Thür geöffnet, die ihm in letzter etunbe ein Entweichen ermöglicht hätte: bas siegreiche Japan bot ihm nämlich einen Bündniß- -uertrag an. Hätte China damals angenommen, es wäre unter dem Schutze ber siegreichen japa­nesischen Waffen gegen alle Aspirationen ber europäischen Mächte gesichert gewesen. Unb babei • patte es sich sagen können, baß bei einer Allianz '

x Nunmehr ist die Ernennung eines Gou­verneurs für Kiaotschau auch amtlich er- folgt. Das Marine-Verorbnungsblatt veröffent- !u?See EalseEche Orbre, durch die der Kapitän nnh ^"dahl an die Spitze der Cwil- aud Militärverwaltung m Kiaotschau gestellt Gr erhält den Titel Gouverneur und bleibt gleichzeitig Befehlshaber an Land über die deutschen Streitkräfte.

O Ter Reichstag hat am Montag den Antrag WuKer-Iukda, welcher in der Budget- kommlsfton bereits einstimmig angenommen worden mar, nämlich daß alle bereits anerkannten, aber no$ nicht befriedigten 6145 Deteraneu (Kriegs­teilnehmer, welche als dauernd erwerbs- unfahlg und hilfsbedürftig anerkannt Don 120 Mark jährlich vom 1. April ab erhalten sollen mit allen gegen die Grafen Kanitz angenommen. Es « die Zustimmung des Bandesraths

üb» welche erst nach Ostern entschieden werden soll. Bekanntlich war schon im Vorjahre 5000 V^En "ul Antrag des Abg. Müller-Fulda nachträglich bedacht worden. Im Wahlkreise Fulda-Gersfeld-Schlüchtern gibt es im Ganzen 7 3 t°^er Veteranen, davon erhalten die Beihilfe 12? Mark fett 1. April 1895 nur 26 Mann, seit 1. April 1897 m Folge des Antrages Müller wertere 18 Mann, unberücksichtigt sind noch 29 Mann, welchen nun hoffentlich auch bald zu ihrem Rechte verhalfen wird. Im Kreise Hünfeld er­halt nur em Mann diese Beihilfe! Im aanren deutschen Reiche gibt es 26 145 solcher Veteranen davon erhalten die 120 Mark 15 000 seit 1 Avril 189o und 5000 seit 1. April 1897. Die übrigen haben uoch nichts erhalten. Im Kreise Fulda- Gersfeld-Schlüchtern sind verhältnißmäßig sehr viele Bethettigte, weil s. Z. das 11. Armeekorps befonberä starke Strapatzen auszustehen hatte, m j. Wiederholt sind während der letzten Tage Nachrichten in der Presse aufgetaucht über Un- ruhen lm Gebiete der Wahehe in Deulstü- Hstafrika. Diese Unruhen sollen nach einer ^i^lten Meldung sogar zu einer Niederlage deutscher Schutztruppen geführt haben. Diese Nachrichten stammen aus englischer Quelle und sind allem Anscheine nach falsch. An amtlicher Stelle in Berlin liegen Drahtmeldungen der Reaieruna von Deutsch-Ostafrika vor, die bis zuml7^ MZ reichen, und diese amtlichen Drahtberichte wissen mckts von solchen Unruhen zu melden.

,, r Ueber die Anwendung der Aröetterschntz- Ge^tze auf das Handwerk finden gegenwärtig Verhandlungen zwischen dem Reichsamte des Innern und den deutschen Landesregierungen statt- Besondere Schwierigkeiten, so wird be­richtet, - bietet die Frage, unter welchen Voraus­setzungen der handwerksmäßige Betrieb den Charakter des Fabrikbetriebes annimmt.

X Zu der Angelegenheit von dem Ankäufe von Getreide durch die sächsische Heeresver- waltung direkt von den Landwirthen wird der .Deutschen Tagesztg/ geschrieben, daß die süd- lausttzer Landwirthe durch die oberlausitzer land- wirthschaftliche Ein- und Verkaufs-Genossenschaft

Deutsches Keich.

Berlin, 23. März.

* Das Gerücht, der Kaiser wolle dem Fürsten Bismarck einen Besuch in Fnedrichsruh ab- dessen geheimnißvolles Dammern siUit seltsamen Schauer umfing, mußte jedes unheilige Geräusch schweigen, jeder noch so lockende Ton der Außen­welt verstummen.

Lange kniete Sora vor dem Bilde der Gottes­mutter, das, von mildem Strahlenglanz umwoben, vom Altäre auf die fromme Beterin herabsah' Sie hatte in ihrer Versunkenheit nicht Acht daß ihr Vater und Graf Hellborn die Kirche' ver­lassen, daß Herbert sich mehr als ein Mal be­deutungsvoll geräuspert und seinen Platz ge­wechselt hatte. b

Noch ein Ave, noch ein Gruß ber reinen Himmelsmaid, bann erhob sich Lora unb schritt lesse, als fürchte sie, in biesem heiligen Schweigen einen störenben Laut zu wecken, bem Ausgange ju. Herbert folgte ihr unb trat an ihrer Seite über bie Schwelle. Auf ber zarten Mädchen- ftirne lag em solcher Abglanz des Himmels, daß Herbert sie erstaunt ansah und etwas wie Zagen Über sich kommen fühlte.

„Lora," flüsterte er mit erstickter Stimme, als sie eilends die Stufen hinabstieg und dem 4 ießnerhanse zuschritt, wo die beiden älteren Herren schon beim Weine saßen, „Lora, warte einen Augenblick, ich muß Dir etwas sagen."

„Herbert, um Gotteswillen, Du bist doch nicht krank? Du bist so bleich, so anders wie sonst," rief das Mädchen erschreckt und trat näher zu ihm.

„Mir fehlt nichts, Sora — ober boch alles, — wenn Du nicht —. Sora," fügte er schneller sprechen!» hinzu, „es hat mir schon lange auf ber Seele gelegen, schon im vorigen Herbst, als ich bei Euch auf Blankenstein war, aber ich burfte

verstummte unb strich mit ber Hand über die etirne, als ob er sich erst auf sich selbst besinnen müsse.

„Sie mögen mir glauben ober nickt, lieber Ostheim, sagte er endlich, „aber ich versichere Sie, eine solch' weltferne Ruhe, solch' lautloser Friede ist für Einen, ber eben bie Pariser Bou­levards verlassen hat, förmlich nervenangreifend. Ich würde es wie die Erlösung von einem Bann empfinden, wenn ich ein Mal laut aufschreien burfte oder irgend ein gewaltiger Ton diese be­engende Stille bräche."

„Mei Moidle ist prächtig, Mei Moidle ist schön;

Wer könnt' wie mei Moidle Am Kirchtag besteh'n?"

klang es in Hellen Tönen von einer vorspringenden Felswand herunter, und ein langezogener, jubeln­der Jauchzer scholl widerhallend darein.

Sora, die elastischen Fußes dem Kirchlein zu- geellt war, blieb unter dem halbdunklen Portal stehen und schaute neugierig nach dem schmalen Grat, wo ein junger Gebirgsjäger mit dem Stutzen auf dem Rücken stand und den Sodenhut uul der Spielhahnfeber schwenkte. Ein Sächeln huschte über ihr Antlitz, als sie vor dem großen Heustadel neben dem Meßnerhause ein paar rosige Madchengesichter entdeckte, welche erröthend und kichernd den Gruß des Schützen erwiderten.

„Mei Moidle ist prächtig," summte Herbert dem Sänger nach. „Mei Moidle —"

„Still, Herbert," flüsterte Lora, den Finger an die Sippen legend, und schritt über die Schwelle.

In der ehrfürchtigen Stille des Gotteshauses,

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