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verantwortlich: Für die Redaktion Ios. Lanm, für Inserate I. parzeller in Fulda.

mit Jtnierhattungs-Meikage „Jssuflrirte Somftags-Zeitungtt

Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerrt Petersgasse llr. (Darmonic).

M 67

Julöa, Mittwoch, den 23. März 1898

Jahrgang

Ein außerordentliches Bedienst

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Vorlage angenommen wird. Man vermutüet, daß die Zahl der Fehlenden auf der Seite der Opposition größer sein werde als auf der anderen Seite, namentlich bei den Freisinnigen. Schon im voraus hat eine außergewöhnliche starke Nachfrage nach Einlaßkarten zu den Zuhörer- Freibühnen im Reichstage stattgefu-iden.

Die Stessrrng des Zleichstags-Kentrums zu der Jkolteuvortage wird vielfach falsch ge­deutet. Namentlich ist ganz unrichtig die Be­hauptung, daß die bayerischen Mitglieder der Reichstagsfraktion vom Centrum sich lossagen wollten. Das ist richtig und längst bekannt, daß in Bayern die Opposition gegen die Flottenoorlage am stärksten ist. lind demgemäß werden unter

- denjenigen Abgeordneten der Centrumspartei, die 1 das Flottengesetz in der nunmehr vorliegenden ; Fassung nicht annehmen werden, zum großen t Theile auch die bayerischen Centrumsabgeordneten ! sich befinden. Alle Bayern werden das nicht i sein. Noch mehr, die,Augsburger Postzeitung" i beispielsweise, die vordem von dem Gange der l Berathungen in der Budget-Kommission des Reichs- 1 tages gar nicht befriedigt sich äußerte, hat neuer« : dings ihre Meinung darüber geändert. Sie be­trachtet jetzt die ganze Marine-Vorlage ebenfalls als eine finanzielle Angelegenheit, bei der es haupt­sächlich auf die Frage der Kostendeckung ankommt und schreibt in diesem Sinne: „Hat das Volk die Gewißheit, daß die Mehrkosten nur von den Reichen, den stärkeren Steuerkräften, getragen werden, dann ist der Vorlage thatsächlich der Hauptgiftzahn ausgebrochen .... Die Geld­beutelfrage ist die in erster Linie ausschlag­gebende für den gemeinen Mann. Die Bud­get-Kommission hat nun in der That einen Beschluß gefaßt, der für die Schonung der unteren und mittleren Steuerkräfte die größtmögliche Sicherheit bietet . . . ." Dann meint das ge­nannte bayerische Centrumsblatt, daß es den Nagel auf den Kopf treffen hieß, als der Abg. Dr. Lieber beantragte, daß in das Gesetz selbst die Bestimmung ausgenommen werde, etwa aus der Marine-Vorlage entstehende Mehr­kosten dürfen nicht durch „indirekte, den Massen­verbrauch belastende Reichssteuern aufgebracht werden"". Mittwoch beginnt, wie bekannt, die zweite Lesung der Flotten - Vorlage im Plenum des Reichstages, und dann wird bald vollkommene Klarheit auch über die äußere Form der Er­ledigung der Vorlage erzielt sein. Ein gutes Zeichen für die Politik des Centrums ist es, daß die,Hamburger Nachrichten", das Sprachrohr des Fürsten Bismarck, diese Politik bekämpfen und behaupten, die verbündeten Regierungen hätten nun wiederum durch die Erklärungen des Staatssekretärs Grafen von Posadowsky „eine Verbeugung vor dem Centrum" gemacht. Verhielte es sich wirklich so, dann wäre ja gerade dadurch am allerbesten die Thatsache anerkannt und festgenagelt, daß das Volk in allererster Reihe dem Cent rum dankbar sein muß für die Zu­geständnisse, zu denen die verbündeten Regierungen sich nach und nach bequemt haben.

? An dieser Stelle ist berichtet worden, daß dem Reichstage ein Aachlrags-Klat im Be­trage von etwa 6 Millionen Mark für uoth- wendiqe Bauten in Kiaotschau zugehen solle. Die ,Post" glaubt versichern zu können, daß „von einer Forderung für große Hafen- und Befestig­ungs-Anlagen in diesem Nachtrags-Etat nicht die Rede sein könne"". Die Richtigkeit der Ziffer bestreitet das genannte Blatt nicht. Aber für- einige Häuserbauten allein kann man doch nicht 6 Millionen Mark ausgeben, oder gar 8 Millionen, wie an anderer Stelle berichtet wurde.

Ein Punkt war es namentlich in den Anträgen des Centrums, der den Widerstand liberaler Kreise wachrief. Das war in diesen Anträgen die gewünschte Veränderung des Paragraphen 184 des Strafgesetzbuches, um die Herstellung und Verbreitung unzüchtiger Schriften und Abbildungen und anderer, zu unzüchtigem Gebrauche bestimmter Gegenstände schärfer als bisher oder überhaupt erst jetzt zu treffen. Ueber das, was Kunst ist, bestehen ja heutzutage äußerst verschiedenartige

(*) Sehr zu bedauern ist eine Thatsache, die die Intendantur des sächsischen Armeekorps mittheilt. Die genannte Heeresverwaltung macht bekannt, daß sie nach wie vor gezwungen ist, ihre Getreide-Ankäufe der Hauptsache nach durch Händler zu bewerkstelligen; denn die An­gebote von Getreide durch die Landwirthe selbst seien in sehr geringem Umfange erfolgt. Aber gerade der unmittelbare Getreide-Verkauf des Landwirths an das Heer ist für den Landwirth außerordentlich wichtig. Geht es denn niemals

hat sich das Centrum dadurch erworben, daß es zur Bekämpfung der Unsittlichkeit seine bekannten Anträge auf Aenderung und Ergänzung einiger Paragraphen des Strafgesetzbuches einge- brächt hat. Die Kuppelei, die gewerbsmäßige Unterstützung der Prostitution, das Unwesen der Zuhälterei, der häufige Mißbrauch von weiblichen

x Die zweite Lesung der Jkottenvor- 5age steht unmittelbar bevor. Morgen, am Mittwoch, soll sie beginnen. Dieses Ereigniß wirst einen Schatten bereits voraus: heute'am Dienstag, hat sowohl der Bundesrath wie auch das preußische Staatsministerium eine -sitfung abgehalten. In parlamentarischen Kreisen beschäftigt man sich in Vorbereitung auf die kommenden Ereignisse viel mit Rechenexempeln darüber, wie viele Stimmen für und wie viele gegen die Vorlage abgegeben werden können.

vorwärts mit den landwirthschaftlichen Verkaufs Genossenschaften?

Wirksamkeit treten. Hoffentlich läßt der Tag, an dem das geschieht, nicht von neuem auf sich warten.

Herbert mochte grollen, so viel er wollte, Der Eindringling wandte sich um so herzlicher Lora zu und schien nicht gewillt, den Platz an ihrer Seite aufzugeben. Er erzählte von Wien, von Paris, an welch beiden Orten er in den letzten Jahren mit der Prinzessin zusammen­getroffen war.

„Ja, Inge!" sagte er auf eine diesbezügliche Frage Ostheims und wiegte nachdenklich oas ergrauende Haupt. „Was soll ich von Inge sagen? Ist sie ein Weib oder ein Kobold, ein guter oder böser Geist, eine Erscheinung des Himmels oder der Unterwelt? Ich weiß es nicht. Das Mädchen ist mir vom ersten Tage an ein Räthsel gewesen und wird ein Rächst! bleiben — i aber ein schönes, lockende-, sinnverwirrendes Räthsel, an dem noch bessere Männer als ich sich den Kops zerbrechen werden. Ich habe diesen letzten Schützling Ihrer durchlauchtigen Frau Schwester niemals ausstehen können, niemals die geradezu verblendete Vorliebe der Prinzessin für dies launige, unberechenbare Geschöpf begriffen, Inge Gerrit ist auch für mich ein Stein des An- stoßes geworden, an welchem eine mehr als zehn- lahrige Freundschaft beinahe gescheitert wäre."

Gras Ostheim seufzte. War nicht dieses Mädchen auch zwischen ihn und seine Schwester getreten? Hatte nicht Inge den ersten Anlaß zu einer Entfremdung ihrer Herzen gegeben, die Wit den Jahren immer größer geworden?""

Wege «Rd IieLe.

Roman von A. Jüngst.

---(Nachdruck verboten.)

„Und was das Schlimmste ist," fuhr Hellborn fort, „das tolle Frauenzimmer kennt feine Macht, weiß ganz genau, daß, wenn die Prinzessin wählen müßte zwischen mir und ihm, der Sieg sich aus feine Seite neigen würde. Daher der lachende Teufel in jedem Grübchen des reizenden Gesichtes, in jedem Ringel des nachtschwarzen Haares."

„Sollten Sie nicht gar zu streng urtheilen, Herr Gras?" warf Lora schüchtern ein und Ichlug die fünften Augen bittend zu dem Sprecher auf.

„Verzeihung, Komtesse Lora, meine Worte roaren eigentlich nicht für Sie berechnet. Danken Sie Gott, daß Ihrem Kmderherzen das Ver- ständniß eines Charakters wie Inge verschlossen ist."

„Jedenfalls haben Sie den Teufel recht schwarz gemalt," lachte Herbert, der, gleich den Anderen, mtt Interesse gelauscht hatte. „Ich bin gespannt, I diese vielversprechende Inge Gerrit wiederzusehen. I Ich erinnere mich nur eines brünetten kecken Bauernmädchens, dessen Erscheinung mir darum im Gedächtniß geblieben ist, weil der junge Schön­berg mir erklärte, es stecke eine künftige Diva unter dem groben Wollenkleide."

„Inge Gerrit ist auf dem besten Wege, eine Diva zu werden und die bedeutendsten Sänger­innen Europas zu verdunkeln. Ihr Charakter, selbst ihre Schönheit mögen sein, wie sie wollen,' aber ihre Stimme ist undiskutirbar: ein Ton so voll und rein, zu so lautem Jubel anschwellend, und in so zarten, weichen Lauten hinschmelzend, daß selbst die Patti und die Lucca vor ihr zurück­treten müssen. Schönberg thut übrigens das Seine, die neue Diva für sich zu gewinnen, ob

Deutsches Deich.

Berlin, 22. März.

deten, wie in der gegnerischen Presse Anerkennng gefunden. Die ,Köln. Volksztg." sagt in einer Besprechung jener Sitzung: „Sehr sachlich vertrat Abg. Kircher (Ctr.) den Standpunkt eines ruhigen Beobachters. Für das Wichtigste hielt er die Trennung des Güter- und PersoUnv-rkehrs, den Umbau der überlasteten Bahnhöfe, die Anlage von Neben- und Ueberholungs-Geleisen, und führte die Unglücksfälle von Vohwinkel und Brehna gerade darauf zurück, daß Güterzüge die Durch- gangsgeleise gesperrt hätten Ferner hielt er für zeit- und geldraubend, daß so vieles früher Ver­säumte unter dem rollenden Rade (d. h.bei Fort­führung des Betriebes) und unter theuerem Ge­bäude-Ankauf jetzt gut gemacht werden müsse. Die dafür angesetzten fünfzig Millionen Mark würden nicht reichen, man solle doch gar nicht fo ängstlich sein, vor einer Anleihe größeren Um­fanges zur Sicherung und Ausgesta tung des Verkehrs zurückzuschrecken. Die Er parniß durch Vorbeugung der Unfälle und die Jntereffen von l'/s Millionen täglicher Reisenden brächten die Zinsen der Anleihe reichlich ein. Außerdem komme eine Anleihe dem Begehr des Publikums nach Staatswerthen entgegen. Er tadelt den Mangel an Zugpersonal, der den Wagenmangel so drückend erscheinen taffe. Er tritt so „warm", wie der Minister selbst anerkannte, für die Auf­besserung der 65,000 Eisenbahn-Unterbe­amten im Interesse der Verkehrssicherheit ein, daß der Minister eine Aufbesserung für das nächste Jahr in Aussicht stellte. Ueberhaupt hatte der Minister für diese sachliche Kritik ein entgegen­kommendes Anerkenntniß fast in allen Punkten. Auch bezüglich der von Kircher betonten lieber» Haftung der Betriebs - Inspektionen, für deren Unterstützung der Minister Ingenieure heranzu­ziehen versprach, und bezüglich des Verhältnisses der verschiedenen Inspektions-Formen zu einander. Minister v. Miquel trat nur Kircher's Verlangen nach einer Anleihe-Aufnahme entgegen mit dem Bedeuten, daß ja die bislang bewilligten Mittel nicht hätten verwendet werden können, und während Kircher die Verzinsung der Eisenbahnkapitalschuld dem Ueberschuß der Verwaltung gemäß auf 5,26 pCt. berechnet hatte, zeigte der Regierungs- Kommissar, daß dies sogar 5,60 pCt. ergäbe, während dem Staate das Geld nur etwa 3,48 pCt. zu stehen komme."

Auffassungen. Mancher schätzt als bewunderns- werthe Erzeugnisse der Kunst Dinge, von denen unsereiner mit Ekel und Abscheu sich abwendet; und auf keinen Fall kann zugegeben werden, daß das Centrum mit seinem Anträge etwas hatte treffen wollen, das wirklich und unbestritten in das Gebiet der Kunst gehört. Aber da es sich darum handelte, ein brauchbares Gesetz aus dem Anträge des Centrums zu machen, hat dieses letztere in der Kommission seine Einwilligung ge­geben zu einigen Aenderungen feiner ursprüng­lichen Anträge, ohne deren Grundsätze zu ver­letzen; und schließlich ist auch hierüber eine Ver- - . . ,—,.ö- —p— , . ständigung in der Kommission erzielt worden,

Dienstboten und Angestellten, die Herstellung, bie zu einer einstimmigen Annahme der veränderten die Verbreitung und der Verkauf unzüch- Bestimmungen geführt hat. Danach foll der neue tiger Schriften und bildlicher Darstellungen Paragraph mit Strafe bedrohen: wer Schriften, — das sind im wesentlichen die Punkte, auf die Abbildungen oder Darstellungen, die das Scham- bei dem Anträge des Centrums ankommt, und Sittlichkeitsgefühl gröblich verletzen, einer Ein Paragraph in diesem Anträge, der gegen unsitt- Person unter 18 Jahren anbietet, verkauft oder l'-che Theatervorstellungen und ähnliche Auffüh- sonst überläßt, oder öffentlich ausstellt, wird mit rungen gerichtet ist, hat die Billigung nicht in Gefängniß bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe der Kommission des Reichstages gefunden, der bis zu 1000 Mark bedroht.

bie Vorberathung dieses Antrages übertragen Wie dieser Beschluß, so sind auch viele andere war. Im übrigen aber hat die Kommission gute Beschlüsse der Kommission einstimmig, oder doch Arbeit gemacht, und es besteht begründete Aus- mit großer Mehrheit gefaßt worden. Und man ficht darauf, daß aus dem Anträge des Centrums kann daraus schon vorher mit einem hohen Grade em brauchbares Gesetz werden wird. von Sicherheit darauf schließen, daß diese Be-

Die Verhandlungen in der Kommission haben schlösse der Kommission auch die Billigung des leider gezeigt, daß bis in die Kreise des Reichs- ganzen Reichstages finden werden. Wenn dann tags selbst hinein wunderliche und tief bebauet« der Bundesrath will, so kann das neue Gesetz, (icfje Verwirrungen der Begriffe herrschen über so können — genauer gesagt — die neuen Para­das, worauf es bei dem Kampfe gegen die Un- graphen des Reichs - Strafgesetzbuches bald in sittlichkeit ankommt. Em Mitglied der Kommission "" " ..... ~ - --

roorf sich zum Vertheidiger der Zuhälterei auf, indem es geltend zu machen suchte, daß oft zwischen dem Zuhälter und der Prostituirten eine „gegenseitige Neigung" bestehe, und daß man es darum „dem Zuhälter nicht verübeln könne, wenn er seiner Geliebten in Ausübung ihres Gewerbes Schutz gewähre..." Und ein anderes Mit­glied der Kommission suchte dafür, daß ein Ehe­mann fein Weib verkuppelt, Entschuldigungs- grünbe in der Möglichkeit einer etwa vorhandenen wirthschaftlichen Nothlage! Wem bas Christen­herz warm in der Brust schlägt, der kann sehr vielen der unglücklichen Geschöpfe, um die es sich hier handelt, fein Mitleid nicht versagen. Wer aber für die scheußlichste aller Verbrecherklassen, für die Zuhälter, eine Entschuldigung herauszu- „ ... ______o, „_ö.a......wnmn

finden sucht aus den Scheußlichkeiten, von deren Aber bisher hat noch niemand ein anderes Er- Ausbeutung sie leben, der verräth eine so außer- gebniß dieser Wahrscheinlichkeitssprechunqcn er- ordentlich falsche sittliche Auffassung aller hier halten als die sichere Voraussetzung, daß die maßgebenden Umstände, daß man besorgt sich ' -------- ™

fragen muß: wenn derlei möglich ist bei Mit­gliedern des Reichstages, wer wundert sich dann noch über die zunehmende Unsittlichkeit der breiten Volksmassen?

* Die Itede des Aög. Kircher Arrkda in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 19. d. M. bei der Berathung des Etats der Eisenbahn­verwaltung, von der wir im 2. Blatte von Montag einen längeren Auszug gebracht haben, hat wegen ihres gediegenen, streng sachlichen In­haltes und ihres ruhigen Tones in der befreun- zu seinem Heile oder Unheile — wer weiß? Ehen werden im Himmel geschlossen, heißt es im Sprüch- wort; meiner Erfahrung nach hat aber die Erde viel mehr damit zu thun, und werden daher wohl die zahllosen unglücklichen Ehen stammen. Ah. Sie sind schon daheim, meine Herrschaften?" unterbrach der Redende sich, als Graf Ostheim vor dem Gitterthore der Villa an der Keuper- Terrasse den Schritt anhielt. „Ein reizendes Nestchen, ein entzückendes Plätzchen für romantische Gemüther! Sie gestatten, lieber Gras, daß ich morgen nach dem Befinden Ihrer verehrten Fran Gemahlin mich erkundige und zugleich höre, ob Sie nähere Nachrichten über das Eintreffen der Prinzessin erhalten haben. Nach ihten letzten Bestimmungen wollte sie gegen Ende des Monats von Franzensbad abreifen, der Eröffnung des Wagner-Theaters beiwohnen und bann hierher kommen."

„Das Bühnenweih-Festspiel in Bayreuth!" flüsterte Herbert. „O, Lora, wenn Du nicht ge­wesen wärst, ich würde mich durch nichts haben abhalten lassen, der ersten Aufführung der „Nibe­lungen" beizuwohnen!" Und es klang etwas wie Reue ans dem Ton seiner Stimme.

„Aber Du bedauerst es nicht, Herbert? Andern­falls würde ich jetzt wirklich bedauern müssen, daß Du ein solches Vergnügen um meinetwillen aufgegeben."

„Um unseretwillen, Sora."

Ein heißer Blick traf das junge Mädchen, so daß es errölhend die Wimpern senkte und sich verwirrt nach einer Glockenblume am Wege bückte.

Graf Ostheim, der von dem Zwischengespräche seiner Tochter und seines Vetters nichts ver-

* Die Vorlage über den Abschluß einer vor­läufigen Abmachung zwischen Deutschland und England an Stelle des Kandeksver- Irages, der am letzten Juli abläuft, ist int Bundesrathe so weit gefördert worden, daß sie nunmehr dem Reichstage zugehen kann.

nommen, sagte scherzend: „Sie sind besser unter­richtet als ich, lieber Hellborn. Ich weiß nur, daß feit dem ersten August im Hotel Watzmcmn eine Flucht Zimmer für meine Schwester bereit gehalten wird, Sarolta mithin zu jeder Stunde erwartet werden kann. Pünktlichkeit ist aber nie ihre starke Seite gewesen. Auf Wiedersehen, mein Bester! Meine Frau wird sich freuen, eine alte Freundschaft wieder jung werden zu sehen."

10.

„Sie wollen wirklich den ganzen Nachmittag im dumpfen Zimmer oder auf diesem allerdings reizenden aber doch sehr engen Balkon versitzen?" fragte Graf Hellborn, als er am nächsten Tage der Gräfin Ostheim den angekündigten Besuch abgestattet und auf die Einladung der liebens­würdigen Dame den Kaffee im engsten Familien­kreise eingenommen hatte.

„Ich weiß nicht," versetzte Ostheim, „es scheint mir heute gar kein rechter Trieb in meinem jungen Volke zu stecken."

Er ließ dabei seinen Blick von Lora, die mit einer feinen Handarbeit beschäftigt in dem Rahmen der geöffneten Balkonthüre saß, auf Herbert gleiten, der nachlässig in einem Sessel lehnte und mißmuthig den Ringeln seiner Havanna nach­schaute.

„Mir scheint, ich spiele hier die Rolle des Störenfrieds," scherzte Graf Hellborn, den Blicken Ostheims folgend. „Seien Sie einmal aufrichtig, Komtesse Sora, und gestehen Sie, ob Sie nicht ohne mein Dazwische nkommen, wenn auch nicht über alle Berge, so doch in den Bergen wären?"

Ein schelmisches Sticheln erhellte das Antlitz der Gefragten, als sie freundlich erwiderte: „Mein