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M 66
Julöa, Dienstag, den 22. März 1898
Jahrgang.
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verantwortlich: Für die Redaktion 3ef. Hau«, für Inserate 3. parzeller in Fulda.
LL Frankreich im Inneren.
Wie wir in Deutschland, so steht auch Frankreich vor allgemeinen Neuwahlen. Man kann sagen, daß die Republik in Frankreick' zum erstenmale eine festere Grundlage erhielt durch die Neuwahlen im Jahre 1877. Durch den Ausfall jener Wahlen gestaltete sich die Sache so, daß der Bestand der französischen Republik zum erstenmale gesichert war für die Mandatsdauer der neugewählten Abgeordneten. Aber bis zum heutigen Tage kann man nicht sagen, daß die Republik schon so fest stände, daß ihr Fortbestand nicht bei jeder neuen allgemeinen Wahl von neuem in Frage käme. Die Wahlparolen der einzelnen Parteien haben sich während dieser zwanzig Jahre geändert, und ebenso ist das Ver- hältniß der einzelnen Parteien zu einander anders geworden. Eines ist geblieben: das ist das Gespenst einer militärischen Diktatur, das als Damoklesschwert über die Republik schwebt. Und das ist in Frankreich so nicht erf feit zwanzig Jahren, sondern bereits feit hundert Jahren, seit dem wüsten Gemetzel der fogenannten großen Revolution, deren Erbe der Soldatentyrann Napoleon war.
Außerdem ist noch etwas Anderes geblieben, nämlich die vollständige Unberechenbarkeit der Regungen des französischen, genauer ausgedrückt, des Pariser Volkscharakters. Wie einst der französische Schriftsteller Voltaire den Charakter seiner Landsleute gebrandmarkt hat, indem er sagte, der Franzose sei „halb Tiger, halb Affe", so ist er geblieben — launisch durch und durch, in diesem Augenblicke erregt und in der Erregung vollkommen unberechenbar; im nächsten Augenblicke ebenso plötzlich grabesruhig. Noch in der allerjüngsten Zeit konnte man das beobachten. Während des Zola-Prozesses schäumte und tobte das Pariser Volk; plötzlich, ohne jeden Uebergang, ist es so vollkommen still und ruhig geworden, als habe es niemals etwas Aehnliches, wie Dreyfus-, Esterhazy- und Zola-Prozesse gegeben. In dem so ungleich langsamer lebenden Berlin zeigen als sensationelle Neuigkeit große Anschläge Zola und seinen Vertheidiger Labori im Wachsfigurenkabinet an — in Paris hat man alle beide schon wieder vergessen.
Diese vollkommene Unberechenbarkeit in dem Volks-Charakter der Franzosen macht das Prophezeien über zukünftige Ereignisse und Entwickelungen in Frankreich zu einem undankbaren Geschäfte. Aber gerade deswegen, weil man eben erst den französischen Tiger im Zola-Prozesse seine Leidenschaft fo recht von Grund aus austoben lassen konnte, darf man mit einiger Sicherheit darauf rechnen, daß es bei der gegenwärtigen Ruhe bis zu den Neuwahlen bleiben wird. Und wenn man es wagen will, noch ein Stückchen weiter zu prophezeien, so könnte man sagen, daß aller Wahrscheinlichkeit nach der Ausfall der Neuwahlen an der Zusammensetzung der französischen Depu- tirtenkammer wenig ändern wird.
Während der letzten zwanzig Jahre hat die leitende Politik in Frankreich manche grundsätzliche Veränderungen erfahren. Nament- die feindselige Stellung, die die Republik im Anfänge gegen die Kirche einnahm, beginnt
sich zu verändern. Und mehr und mehr wendet sich in Frankreich, wie anderwärts auch, die Neigung von den Grundsätzen des Freihandels ab und denen des Schutzzolles zu. In beiderlei Hinsicht hat sich der gegenwärtige Ministerpräsident Meline sehr große Verdienste erworben, und daß er auf dem rechten Wege sich befindet, beweist am besten der Umstand, daß sein Ministerium einen fo festen Bestand hat wie kein anderes während dieser 20 Jahre vor ihm.
Die große Mehrheit des französischen Volkes hat augenscheinlich eingesehen, daß die vollständige Entfernung der Kirche aus der Schule zu entsetzlichen Folgen führt, zu Folgen, vor denen schon jetzt auch der liberale Bürgerstand zurückschreckt. Und diese aus eigner Erfahrung entstandene Einsicht wirkt augenscheinlich besser und kräftiger als alles Andere. Die sogenannte Laienschule, die die Religion vollkommen aus dem staatlichen Unterrichte ausschließt, wird bei dem Bürgerthum je länger, desto mißliebiger; und längst find es nicht mehr nur Stimmen aus dem „klerikalen" Lager, die ihre Warnungen gegen die Fortführung dieser Art von Schulen ertönen lassen. Namentlich ist es dabei die politische Haltung der Volksschullehrer dieses Systems, die das Mißtrauen des Bürgerthums erregt und bei der Regierung höchst unliebsam empfunden wird. Diese moderne französische Lehrerschaft huldigt fast durchweg den allerradikalsten politischen Anschauungen, und es ist eine ganz natürliche Reaktion, daß man die Jugend nicht mehr gern einer Leitung anvertraut, von der man immer von neuem erfährt, daß sie den völligen Umsturz auf politischen ebenso wie auf religiösem Gebiete zu fördern geneigt ist. Die freie religiöse Schule, geleitet von Geistlichen und von Schul- fchwestern, hat sich neuerdings ein großes Stück ihres alten Gebietes in Frankreich zurückerobert, und es ist zu hoffen, daß dies in der Zukunft in noch höherem Grade der Fall sein wird.
Was die Revolution in Frankreich verdorben Has, wird allmählich durch die stille, aber unermüdliche Thätigkeit der religiösen Schule wieder ausgeglichen, ohne die Hüfe des Staates und zum Teile unmittelbar gegen den Staat!
Kommission gestatten würde, daß er sich der Prüfung zum drittenmale unterzöge. Der Präsident gab ihm den Bescheid, daß die Kommission nach seinem Betragen hierzu wohl kaum Anlaß haben würde. Die Bemerkung, die nach Lage der Sache durchaus berechtigt und begründet war, faßte der verunglückte Jünger der Themis als Beleidigung auf. Am folgenden Tage erschien der Bruder des Rechtskandidaten, ein Offizier, als Kartellträger beim Präsidenten und überbrachte diesem eine Piftolen-Forderung. Die Angelegenheit ist in der Prüfungs-Kommission zur Sprache gekommen, und von ihr werden jetzt die weiteren Schritte eingeleitet werden. Wie mancher Lump sich „ehrlich" zu schießen versucht hat, so wollen jetzt also ungenügend unterrichtete Prüfungs- Kandidaten sich „reif" schießen. Welch' eine Lächerlichkeit!
Wege und Ziele.
Roman von A. Jüngst.
------ (Nachdruck verboten.)
„O nicht im geringsten," lächelte sie und beschleunigte chren Schritt. „Es war mir nur, als ob wir aus saftiger Oase in den dürren Wüstensand hinausgetreten wären!"
„Langsam," mahnte Graf Ostheim, „langsam in jeder Beziehung, mein Kind! Wer sich erhitzt hat, darf die Klamm nicht betreten. Eigentlich hätten wir doch einen Diener mitnehmen sollen," setzte er in Bezug auf Herbert hinzu, welcher sich mit Tüchern und Plaids aller Art belastet hatte.
„Aber, Onkel, was sollten wir mit dem Diener? Bei solchen Wanderungen ist jede überflüssige Person vom Uebel."
„Das laßt nur Tante Sarolta nicht hören," scherzte der Graf.
„Ich wollte, Tante Sarolta wäre mit ihrem Gefolge von Freunden, Künstlern und Künstlerinnen in Wien geblieben, oder sie hätte sich jeden andern Erdenfleck zur Sommerfrische ausgesucht, als gerade diesen. Mir graut schon vor dem tollen Treiben dieser Apollojünger. Der Friede der Natur, ihr größter unentweihter Zauber muß entfliehen vor diesen Eindringlingen."
Herbert, der während seiner letzten Worte einige Schritte zurückgeblieben, war mit einem Sprunge an Lora's Seite und hüllte sie sorglich in die Falten ihres Shawls. Lora dankte nur mit einem leichten Kopfneigen; sie war ganz in den Anblick des ungeahnten Wunders vor ihr versunken.
War das Märchen ihrer Kindheit Wirklichkeit geworden? Hatte der Berggeist in neckischem Spiele die Pforten dtr Unterwelt aufgethan und ließ nun dieMenschenkinder durch eine schmaleSpalte hineinschauen in die Herrlichkeit seines Palastes?
„Wie oft soll ich Euch wiederholen, daß Ihr auf mich keinerlei Rücksicht nehmen dürft? Ich fühle mich am wohlsten und glücklichsten, wenn ich hier ganz still auf meinem Balkon liegen und ungestört die schöne Aussicht genießen kann. Und Ihr müßt doch zugeben, selbst Du, Lora," fügte sie scherzend hinzu, „daß Ihr mir Licht und Luft in trauriger Weise beengen würdet, wolltet Ihr Alle von meinem Lieblingsplatze mitgenießen, wohingegen ich Euch auf Euern Wanderungen im Geiste begleite, mit Euern Augen sehe, mit Euern Ohren höre, fast als ob ich selbst mit dabei sei."
Das Wort der Gräfin war entscheidend. Die letzten schwachen Einwendungen Lora's verstummten vor dem ernsten Blicke der Mutter, und in weniger als einer Viertelstunde war die kleine Gesellschaft marschbereit.
Brennende Gluthhitze lag über dem öden Steingeröll, als die Wanderer den kühlen Grund des von einem schäumenden Gebirgsbache durchströmten Thales verließen und langsamen Schrittes hinangingen zu der Felsschlucht der Wimbach- klamm. Lora blieb an einer Biegung des Weges stehen und sah zurück auf das üppige Grün, das den Fuß des Berges umsäumte, auf die schwellenden Laubkronen, die duftigen Matten, welche in malerischer Abwechselung zwischen den grauen Wänden sich hinzogen.
War sie etwa auf dem Wege in jene Wüste, die sie im Traume gesehen? Sollte die blaue Blume ihr hier in der ernsten Bergwildniß erscheinen, um ihr auf immer zu entschwinden?"
„Bist Du müde, Kousinchen?" fragte Herbert zärtlich, als er Lora's umflorten Blick bemerkte.
9.
Ob wohl jemals in Loras kurzem, glücklichem Leben die Welt so heiter gelacht, der Himmel so freundlich geblaut hatte, wie jetzt in dem schönen Berchtesgadener Ländchen? Jeden Morgen hob sich die Sonne in goldhellem Glanze über den Felfenmauern des Untersberges, und jeden Abend ging sie in strahlendem Purpurglanze hinter dem Zacken des Watzmanns zur Rüste, die Schneefelder der Scharte noch einmal in lichtem Rosen- schein erblühen lassend. Ein fröhliches Leben zitterte über den duftigen Berghalden, über Wald und Feld und auch in der kleinen Villa an der Keuper-Terrasse.
Selbst die Gräfin Ostheim einpsand seine verjüngende Regung; ein hellerer Glanz leuchtete aus ihren Augen, ein zartes Roth lag auf ihren Wangen, ihre Bewegungen wurden rascher und energischer. Wenn sie auch meistens auf den nächsten Umkreis des Hauses beschränkt blieb, so , verfolgte fie~ doch immer mit dem größten Jn- tereffe die Schritte der drei Wanderer, welche bald früher, bald später hinauszogen in die Berge.
„Wohin heute?" war die stehende Frage am Frühstückstisch, die jedesmal mit eifrigem „Für" und „Wider" behandelt und nach einem scherzhaften Wortgefechte meistens durch einen Machtspruch des Grafen erledigt wurde.
„Gestern haben wir Dich so lange allein gelassen, Mütterchen," flüsterte Lora der Gräfin
dienst bezeichnet auch dieses Blatt als falsch. — An dieser Stelle ist die Nachricht von Anfang an in diesem Sinne beurtheilt worden.
* Dem Bundesrath ist ein Aachtrags-Ktat zugegangen, der Gelder für unsere Besitzung in China, für Kiaotschau, verlangt. Der Nachtrags-Etat beläuft sich auf 6 Millionen Mark und enthält namentlich Geldforderungen für die Hafenbauten und Befestigungen.
x Ein Entwurf für ein Pressegesetz i« Kksaß-LotHri«gen liegt gegenwärtig dem Bun- desrathe zur Berathung vor. Wie berichtet wird, entspricht dieser Entwurf dem Reichs-Preßgesetze, nunmehr in der Form eines Landesgesetzes für Elsaß-Lothringen. Bisher war die B.handlung der Presfe in Elsaß-Lothringen fast vollkommen in das Belieben einzelner Regierungsorgane gestellt, und in vielen Fällen hatte sich die Presse dort, namentlich auch die katholische Presse, über eine ganz ungerechtfertigte Härte der Behandlung zu beklagen. Dringend ist zu wünschen, daß diesem Diktatur-Zustande endlich ein Ende gemacht und die Press? in Elsaß-Lothringen unter dieselben Bedingungen gestellt wird wie die Presse des Reiches.
* Ein Vorstandschaftsmitglied des Allgemeinen deutschen Handwerkerbundes, Dekorateur O h l e n» schläg er aus Frankfurt a. M., hat am 8. ds. auf einer in Aschaffenburg abgehaltenen Handwerkerversammlung über das Werhättmtz des Keutrums zum Aandwerkerstaude und Handwerkerbunde Folgendes ausgesprochen: „Obwohl wir in Frankfurt nur zum kleinsten Theile dem Centrum angehören, so sind wir doch dem Centrum dankbar, wenn es für die Interessen des Handwerks eintritt. Und wenn hier der Fortschritt statt dem Centrum den Liberalen zu verdanken wäre, so würden wir dies ebenso begrüßen. (Lang anhaltender, brausender Beifall.) Das aber müsfen wir dem Centrum zur Ehre anrechnen, daß es alle Zeit für unsere Forderungen eingetreten ist, und das ist auch auf den Handwerkertagen stets begrüßt worden, obgleich dieselben nur zum kleineren Theile aus Katholiken bestanden. Das Centrum hat auch immer Handwerker in den Reichstag gewählt und hätte noch mehr gewählt, wenn nicht der Diätenmangel den meisten von uns es unmöglich machte, jedes Jahr monatelang in Berlin zu leben." (Zustimmung.)
* Der angekündigte rrationaMverake Der- 1ra«eusmäu«er1ag soll nach dem Beschlüsse des Parteivorstandes am 24. April in Berlin abgehalten werden.
* Die neueste Aküthe des Duett M«f«gs ist die Herausforderung des Prüfungs-Präsidenten zum Zweikampf durch einen durchgefallenen Kandidaten. Wie Berliner Blätter melden, hat ein zum zweitenmal in der Referendar- Prüfung durchgefallener Rechtskandidat den Vorsitzenden der Prüfungs-Kommission beim Kammergericht, Senatspräsident Dr. Coing, zu einem Pistolen-Duell herausgefordert. Als das Ergebniß der Prüfung verkündet wurde, ließ sich der Kandidat in seiner Erregung so weit hinreißen, daß er eines der Bücher, die auf dem Prüfungstische lagen, ergriff und auf die Erde schleuderte. Am nächsten Tage erschien er beim Präsidenten und richtete an ihn die Frage, ob die Prüfungs-
Deutsches Reich.
Berlin, 21. März.
. * Ariuz Keirrrich vor» Kreutzer» muß mmdestens noch drei Wochen in Hongkong bleiben, da eine durchgreifende Ausbesserung der Maschinen des Kreuzers „Deutschland" nothwendig geworden ist.
h Die vor einiger Zeit verbreitete Meldung, es stehe die Rückkehr des Grafe« Aeröert Aismarck in den Reichsdienst bevor, findet von Neuem Besprechung in einem weitverbreiteten Wiener Blatte, das im allgemeinen gute Beziehungen zu Friedrichsruh unterhält. Auch dieses Blatt bestätigt die Annahme, daß neuerdings die Beziehungen zwischen Berlin und Friedrichsruh ehr gute sind, und Graf Herbert Bismarck sei Ärzlich sogar in eng vertraulichem Kreise zur kaiserlichen Tafel gezogen worden. Aber die Nach- richt von der Rückkehr des Grafen in den Reichs-
$u, als sie nach dem Morgenimbiß neben dem Ruhebett der Genesenden saß und mit geschickter Hand einen Strauß Feldblumen ordnete; „heute weiche ich keinen Schritt von Dir."
„Was, keinen Schritt?" rief Herbert, dessen aufmerksames Ohr die Worte aufgefangen. „Was sollen wir denn ohne Dich anfangen?"
„Das mußt Du selber wissen," gab Lora zurück, und ein schalkhaftes Lächeln vertiefte die Grübchen in ihren Wangen. „Du kannst heute mit Papa ins Bergwerk fahren."
„Heute unter Tag, heute in den Schooß der Erde, das wäre doch Sünde und Schande bei dem blauen Himmel und dem herrlichen Sonnenschein! Tante, das wirst Du nicht zugeben. Deine weise Milde wird das grausame Ürtheil Lora's nicht bestätigen," wandte der junge Mann sich an die Gräfin, ihre Hand an seine Lippen führend.
„Ich mache einen Vorschlag zur Güte," sagte Graf Ostheim, von seiner Zeitung aufblickend: „Wir geben die größere, von Herbert geplante Partie nach dem Königssee auf und gehen statt dessen nach der Wimbachklamm an der Ramsauer- straße. Wenn Mama uns gütig gestattet, das Mittagessen auf eine spätere Stunde zu verlegen und statt um zwei um drei Uhr zu speisen, können wir zeitig genug wieder hier sein. Auf diese Weise kämen wir Alle zu unserem Rechte. Was meinst Du dazu, Mathilde?"
„Aber Papa, wir waren erst gestern den ganzen Tag in Salzburg," erinnerte Lora. Die Gräfin jedoch legte ihre feine Hand auf des Mädchens Lippen und schnitt ihm so das Wort vom Munde ab.
Airs dem Reichstage.
66. Sitzung vom 21. März 1 Uhr.
Am Bundesrathstische: Graf Posadowsky, v. Goßler, Dr. Schultz, Freiherr v. Thielmann.
Die zweite Etatsberathung wird fortgesetzt bei dem seinerseits zurückgestellten Titel des Extra- ordinariumsdesReichsamtsdesJnnern, betreffend den Bau des HkrästdiakgevSudes für de« Reichstag. (2. Rate 300000 Mk)
Abg. v. Wassorv (kons.) erklärt, seine Freunde würden nunmehr für die Forderung stimmen, nachdem der Bauplan dahin abgeändert worden ist, daß nur je eine Wohnung vorgesehen ist für den Präsidenten und den ersten Bureaubeamten, nicht aber für den Mze-Präsidenten.
Staatssekretär Graf ^osadomsky erklärt, das Grundstück an der Ecke des Reichstagsufers gegenüber dem Reichstagsgebäude sei angekauft, es stehe aber dahin, ob dasselbe ganz zum Bau des Präsidialgebäudes Verwendung finden würde.
Die Forderung wird darauf bewilligt.
Es folgt der Etat d:s allgemeinen ^enüons-Iond».
Hier beantragt die Kommission (Referent: Abgeordneter Müller-Fulda (Ctr.) folgende Resolution: „Den Reichskanzler zu ersuchen, über die Gründe der auffallenden Zunahme und Ungleichheit der in den einzelnen Kontingenten gewährten Jnvalidenpensionen dem Reichstage eine nähere Darlegung zugehen zu lassen."
Generallieutenant v. Fievahn erklärt, die Militärverwaltung sei bereit, dem Reichstage das geforderte Material zu übergeben. Die Verschiedenheit der Pensionen ist daraus zu erklären, daß die Vorschriften über Weiterzahlung der Pensionen an Militäranwärter, die im Staats- und Kommunalwesen Verwendung finden, außerordentlich verschieden seien.
Abg. Hroeöer (Ctr.) kann sich der Wahrnehmung nicht verschließen, daß das Pensionsgesetz in den Einzel- taaten nicht einheitlich gehandhabt worden, würde sich aber freuen, wenn namentlich die abweichende Handhabung in Sachsen ein Ende finde.
Nach Bemerkungen des sächsischen Bundesbevollmächtigten Grafen Vitzthum vou Eäiftädt und des Abg. v. Massen» wird die Siefotutiona«genommen, der Etat des Pensionsfonds bewilligt.
Es folgt der Etat des Inoakidenfonds. Auch hier beantragt die Kommission (Referent: Abg. Müller- Fulda) eine Resolution folgenden Inhalts: „Den Reichskanzler zu ersuchen,'die Mittel, welche zur Gewährung von Beihilfen von 120 Mk an alle, nach dem Gesetz vom 22. Mai 1895 Art. III, als Anwärter anerkannte Veteranen fehlen, durch einen Nachtragsetat für das Rechnungsjahr 1898 nachzufordern."
Abg. chrioka (natl.) beantragt folgende Resolution: „Den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage baldmöglichst einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welche« unter Rücksicht der gesteigerten Kosten der Lebenshaltung den berechtigten Wünschen der Militär-Invaliden, auch in Bezug auf die Verfolgung der Wittwen und Waisen, die Entschädigung für Nichtbenutzung des Civil-Ver- sorgungsscheines und die Belassung der Militärpensio«
mit ZlnlerHaüungs-Meikage „Illuflrirte Sonntags-Ieitung" ""«.ÄS"""1