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JuLöa, Montag, den 21. März 1898
25 Jahrgang.
Das alles sei auch die Ansicht des Eisenbahnausschusses gewesen, und im gegebenen Falle werde hoffentlich der Landtag die Gewährung eines staatlichen Zuschusses von dieser Bedingung abhängig machen. Wenn man von großen Terrainschwierigkeiten reden wolle, die sich der direkten Linie Geisa-Hünfeld entgegenstellten, so müßte er daran erinnern, daß schon vor 25 Jahren eine Bahnlinie Hünfeld-Geisa-Hilders geplant gewesen wäre. In den 80er Jahren hätte man sogar ernstlich an den Bau dieser Bahn gehen wollen und wenn sie damals möglich gewesen wäre, warum sollte man sich heute vor Ausführung dieser Trace fürchten müssen?
Hierauf sprachen noch die Abgeordneten Eckard-Ilmenau, Bandert-Apolda.
Abg. Dr. Krug-Vacha hob hervor, daß es nöthig sei, noch in diesem Jahre mit dem Umbau der Feldabahn und der Weiterführung derselben über Geisa nach Hünfeld zu beginnen im Interesse der Kaliwerke. Es wäre verkehrt, warten zu wollen, bis diese erst im Betriebe wären, da es dann sehr fatal für die Werke werden könnte, wenn sie ihre Produkte nicht gleich auf den Markt bringen könnten, der hauptsächlich im westlichen Deutschland zu suchen sei, also die Beförderung der Waare über Hünfeld bedinge.
Abg. Kühner-Eisenach sprach die Hoffnung aus, daß die Regierung aus der voraussichtlich einstimmigen Annahme der Ausschußanträge nun auch die „nöthigen Konsequenzeu" ziehen und den Worten endlich Thaten folgen lassen würde. Er betonte dann nochmals die Noth- wendigkeit der Nessethalbahn.
Die Ausschußanträge wurden hierauf einstimmig vom Landtage angenommen.
Die Eisenbahnfrage im weimarifchen Landtage.
lH Weimar, 19. März.
In der heutigen Plenarsitzung des weimarischen Landtages stand der sog. Eisenbahnantrag zur zweiten Lesung. Das Referat über die Kommissionsbeschlüsse hatte Vizepräsident Schönemann.
Hierauf erhielt zunächst Abg. Dr. Kiel-Geisa das Wort. Derselbe geißelte die seitherige „Vogel- Strauß-Politik" in der weimarischen Eisenbahnverwaltung. Anders könne er die Thatsache nicht bezeichnen, daß die Großherzogl. Regierung schon seit zwei Jahren bestehende Differenzen mit dem preußischen Eisenbahnministerium einfach als nicht bestehend angesehen und solches hartnäckig behauptet habe. Das Gegentheil hätten hinterher nicht bloß die Thatsachen bewiesen, sondern er habe auch vor einigen Tagen Gelegenheit gehabt, solches aus dem Munde eines zuständigen Ministerialbeamten des preußischen Eisenbahnministeriums selber nochmals bestätigt zu hören. Erfreulicher Weise seien nun neuerdings diese Differenzen beigelegt, es sei aber nun auch nöthig, daß die so geschaffene günstige Position ausgenutzt werde. Der wei- marische Staat sowohl wie die Stadt Ilmenau hätten Preußen gegenüber in der Sache Ilmenau- Schleusingen Opfer gebracht, die vorerst dem Interesse Preußens dienten. Man könne nun aber auch billiger Weise erwarten, daß jetzt auch Preußen seinerseits Entgegenkommen zeige bei der Erbauung von Linien, die zunächst weimarische Interessen berührten. Doch sei es nöthig, gleich einem , klugen Geschäftsmann die gegebenen Verhältnisse auszunutzen. Bezüglich der vom Ausschuß als besonders dringlich empfohlenen Linie Vacha-Geifa-Hünfeld betonte der Redner, daß die Regierung von Anfang an bei allen Verhandlungen darauf Bedacht zu nehmen habe, daß die Trace so gewählt werde, daß Geisa direkt in die Hauptlinie einbezogen werde. Der eventuelle Anschluß durch eine Stichbahn könne für Geisa erst als Aequivalent dafür angesehen werden, daß es nun schon so lange aber vergeblich auf einen Bahnanschluß gewartet habe. Ueberdies würde dieErbauung einer solchenStichbahn nur dem Staate eine Mehrausgabe von enormen Kosten verursachen, die jedenfalls vermieden würden, wenn die Hauptlinie selbst über Geisa gelegt würde. Eine solche Stichbahn würde doch dann der weimarische Staat allein zu bauen und zu unterhalten haben.
Aus dem Landtage.
»VAVgeordneleuhaus.— 51. Sitzung v. 19. März 11 U.
Am Minister tische: Thielen, Dr. v. Miquel.
Das Haus ist schwach besetzt.
Die zweite Lesung dos Eisenbahnetats wird fortgesetzt.
Ministerialrath Schröder bestreitet, daß die Eisenbahnverwaltung aus finanziellen Rücksichten minder- werthiges Material nehme, sie stehe vielmehr auf dem Standpunkt, daß im Interesse der Sicherheit das Beste gerade genug sei.
Abg. Graf zu Kimvurg-Stirum (kons.): Die
Kaffeeschwiadel.
Der gute Bürger, der Morgens in Ruhe des Ge- müthes seinen Frühkaffee zu sich nimmt, hat in den meisten Fällen keine Ahnung davon, wie sehr er bei dem Erwerb des braunen Getränkes häufig über sein verehrtes Ohr gehauen wurde, wie groß der Schwindel und der Betrug ist, der sich an die braune Bohne knüpft. Der gute Bürger weiß nicht, daß der Kaffee, den er permanent mit 1 Mark 20 Pfg. oder 1 Mark bezahlt, im Engros-Einkauf zuweilen nur 25 Pfennig kostet, er schluckt ihn ruhig für 1 Mk. pro Pfund und die Differenz — schlucken die Großhändler und Spekulanten. Wer seinen Kaffee in einem soliden Geschäfte kauft, kann darüber beruhigt sein; er braucht nicht zu fürchten, daß ihm solch schundige Waare für sein gutes Geld gegeben wird. Der Kaffee, den er in solchem Geschäfte erhält, ist preiswerth.
Aber kein anderes Naturprodukt ist auch sehr aller Art von Verfälschung ausgesetzt wie unser Kaffee. Wir wollen von den althergebrachten Arten der Fälschung heute gar nicht reden, sondern nur auf eine ganz nagelneue Art des Betruges Hinweisen, die eben in diesen Tagen die Staatsanwaltschaft in Hamburg beschäftigt und deren Bekanntwerden bei allen ehrlichen Kaufleuten einen Sturm der Entrüstung wachgerufen hat. Das Verdienst, den Betrug aufgedeckt zu haben, gebührt der Leipziger ,Kolonialwaarenzeitungh Sie schreibt in einer ihrer letzten Nummern: „Wir haben wiederholt darauf gedrängt, daß der Detailhandel doch den schönen, belesenen Santoskaffees, die wahrlich zu Spottpreisen zu haben sind, mehr Beachtung schenken und das Publikum für ihre Aufnahme erziehen möge. Die Zurückhaltung des Detailhandels gegen reinschmeckende, billige Santos würde uns erklärlicher sein, wenn wir nicht wüßten, daß dieselben mißachteten Santos unter der falschen Flagge in die Rösttrommeln unserer Leser wanderten und dem Ge- chmacke des Publikums zusagten. Warum kaufen denn unsere Detaillisten im Süden und Westen Deutschlands o massenhaft die schönen, reinschmeckenden Santos, die einen Preis von 36 und 37 Pfg. im Markte haben, wenn sie ihnen schön gefärbt und auf eine raffinirt betrügerische Weise zurechtgemacht, zu 7 und 8 Pfg. höheren Preisen und noch theurer angeboten werden. In der Tasse schmeckt der gefärbte Kaffee nicht besser, als der ungefärbte, und das Publikum ist herzlich zu bedauern, das mit 100 und 120 Pfg. einen Kaffee bezahlen muß, der roh einen Marktwerth von 37 Pfg. gehabt hat, — bloß weil sein Lieferant sich hat betrügen lassen.
find. Der Fachmann wird hier geneigt sein, zu fragen: „Wie kann man den Santos, auch wenn er schön gefärbt ist, mit Portorico usw. verwechseln? Da fehlt ja doch der weiße Schnitt!" —Sachte, —hier kommen wir eben auf das hohe Raffinement in der Fälschung. Wir selbst haben solche Kaffees in der Hand gehabt ohne Fälschung zu entdecken, bis wir mit einem Federmesser den Schnitt auskratzten, und das, was herausfiel, genau mit der Lupe untersuchten: — Sägespäne waren es, wirkliche, wahrhaftige Sägespäne, die den schönen, weißen Schnitt, das Kennzeichen der edleren Kaffees, zu Wege brachten! Ben Akiba mag sich im Grabe umdrehen — so etwas ist denn doch noch nicht dagewesen, noch dazu unter der Herrschaft des Nahrungsmittelgesetzes. Fast betäubt von der Entdeckung des unerhörten Schwindels, setzten wir sofort Alles daran, um der Sache auf den Grund zu kommen. Wir find nicht minder überrascht von dem kaum glauh- lichen Umfange, den die Fälschungen nach unseren Ermittelungen bereits angenommen haben müssen. Hunderttausende von Ballen gefälschten Kaffees sind bereits von Hamburg aus in den Konsum gelangt; ein süddeutscher Platz hat in verhältnißmäßig kurzer Zeit 3—4000 Sack ausgenommen, und ein ganzer Rattenkönig von „angesehenen Männern an der Börse" hat die Schwindelwaare mit vertreiben helfen. (Der süddeutsche Platz ist Frankfurt a. M. Die Red.) Die Aufdeckung dieses raffinirten Schwindels schlägt ihre Wellen bis Havre, Rotterdam, Amsterdam, London und bis Triest; wir hoffen, daß mit der Bestrafung der Fälscher eine neue Wendung im Rohkaffeehandel eintritt, und die Massen von reellem Santos zu vernünftigen Preisen vom Detailhandel ausgenommen werden, nachdem er über die feinen Portoricos usw. „mit dem feinen weißen Schnitt" eines Besseren belehrt worden ist. Die Sache wird viel Aufsehen erregen, wer aber ein reines Gewissen hat, kann ihrer Entwickelung ruhig entgegensehen."
Für den Leser ergibt sich daraus die Lehre, daß inan gut thut, wenn man den Kaffee in einem soliden Geschäfte am Platze kauft, anstatt ihn von aus- wärts^u beziehen. ''
Man wird dazu übergehen müssen, Mittel flüssig zu machen auf dem Wege der Anleihe. Naturgemäß wird die Verzinsung dieser Anleihe Kosten verursachen. Allein diese fallen nicht erheblich ins Gewicht, da der Reinertrag unserer Eisenbahnen ja 5,26 pCt. beträgt. Der Dispositionsfonds von 20 Millionen, der für das laufende Jahr auf 50 Millionen gebracht worden ist, genügt nicht, um alle Bedürfnisse der Eisenbahnen zu decken. Die Herren aus der Verwaltung haben in der Kommission darauf hingewiesen, daß über den Dispositionsfonds bereits verfügt ist, auch die 20 Mill, noch nicht ausgegeben sind; es werden also für das lausende Jahr nicht 50, sondern nur 30 Mill, zur Verfügung stehen. Der neue Dispositionsfonds wird ja erst am 31. März nächsten Jahres verfügbar sein. Wir können es ja ruhig verantworten, wenn wir eine neue Eisenbahn-Kapitalschuld aufnehmen. Dieses Kapital wird ja nicht nutzlos verbraucht, sondern die Ersparnisse an Materialschaden, an Entschädigungen für verunglückte Personen werden reichlich so viel betragen, wie die Zinsen der Schuld. Wenn wir für andere Zwecke große Summen zur Verfügung stellen, für die Förderung des Deutschthums in den Ostmarken, für den Bau von Arbeiterwohnungen, für Fundirung der Centralge- nossenschaftskasfe, so dürfen wir nicht geizen, wenn es sich darum handelt, das Leben und die Gesundheit der 2’/> Millionen Reisenden, die täglich die Eisenbahn benutzen, zu sichern. Die Frage des Oberbaues, über die sich verschiedene Redner verbreitet haben, halte ich für so eminent technisch, daß ich nicht wage, daran zu rühren. Hingegen möchte ich mich mit einigen Worten zu der Denkschrift des Ministers wenden. Es wird darin über Wagenmangel geklagt. Aber wenn wir mehr Fahrpersonal haben, so können die leeren Wagen gleich wieder zurückbefördert werden und auf diese Weise könnte der Wagenmangel in etwas gelindert werden. Redner geht sodann näher auf die Hessische Ludwigsbahn ein und erwähnt, daß der Minister genöthigt gewesen sei, 360 Beamte der übrigen Direktionen nach der Direktion Mainz zu übernehmen. Auf der Hessischen Ludwigsbahn habe der Verkehr einen Aufschwung genommen, wie er nicht zu erwarten gewesen fei. Er habe durchschnittlich um 34 Prozent zugenommen, auf einzelnen Stationen nach der Angabe des Ministers sogar um 100 Prozent. Alle diese Vorkommnisse deuten auf einen Mangel an Personal hin, überhaupt ist das Personal für den äußern Dienst viel zu knapp bemessen. Es wird deshalb eine wesentliche Aufgabe der Verwaltung sein, das Personal des Betriebes nach Kräften zu vermehren. Nun haben wir ja im Etat 11,000 neue Stellen, aber diese Stellen sind nicht wirklich neu geschaffen, sondern es sind solche, die früher diätarisch waren. Die etatsmäßig Anstellung gibt eine viel größere Sicherheit. Es ist richtig, daß unter den Beamten der Eisenbahn große Härten und Ungleichheiten bestehen. Aber ich will die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne den Beamten zu sagen, daß sie in ihren Petitionen doch etwas m aß- voller sein mögen (Sehr richtig! rechts), denn sonst wird es schwer, zu den Petitionen die richtige Stellung einzunehmen. Der Minister muß so viele Beamte anstellen, daß er in der Lage ist, auch den großen Verkehr zu bestimmten Zeiten zu bewältigen, wie das ja auch in anderen Betrieben, z. B. bei der Post, der Fall ist. Es darf nicht Vorkommen, daß in solchen Fällen der ganze Apparat plötzlich versagt. Dann komme ich zu der Organisation. Ich bin der Ansicht, daß die Organisation, welche seit dem 1. April 1895 durchgeführt ist den Erwartungen nicht entsprochen hat. Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, daß die Direktionen doch zu bureaukratisch sind. Wenn darüber geklagt wird, daß zu viele Juristen in der Verwaltung sind, fo halte ich die Juristen zum großen Theile für fähig für das Verwaltungs-Amt. Aber es könnte nicht schaden, wenn auch einige tüchtige Kaufleute in der Verwaltung sind. Die Inspektions-Vorstände sind zu überlastet. Ich habe mir sagen lassen, daß auf den Inspektionen das Bureau
personal so knapp ist, daß häufig der Betriebsinspektvr genöthigt ist, selbst Schreibereien zu machen. Auch sind die verschiedenen Inspektionen, namentlich die Maschineninspektionen durch die neue Organisation zu selbstständig geworden. Man sollte dieser Selbstständigkeit ein gewisses Ziel setzen und eine gewisse Einheitlichkeit herbeiführen. Naturgemäß muß jede Verwaltung bei der Einführung von Neuerungen Erfahrungen machen. Deshalb hat auch der Minister eine Kommission eingesetzt, die im vorigen Jahre eine Reihe Bahnhöfe gründlich inspizirt und Bericht erstattet hat. Aus der Mitte dieser Kommission sind so viele Anregungen gegeben, daß der Minister sich entschlossen hat, die Kommission jedes Jahr in Thätigkeit zu setzen und die Revision immer von neuem vorzunehmen. Ich habe die Hoffnung, daß die Berichte der Kommission dazu führen werden, daß unsere Eifenbahnverwaltung auf die Höhe kommt, die ihr gebührt. Ich würde mich freuen, wenn der gegenwärtige Minister noch recht lange an der Spitze der Eisenbahnverwaltung steht. (Beifall.)
Vizepräsident des Staatsministeriums Dr. o. Wiqirek erwidert, der Reinertrag der Eisenbahn betrage nur 4,85 pCt. Daß das Personal nicht genügend sei, müsse er bestreiten; das Personal sei in demselben Maße gewachsen wie die Ueberschüffe, und auch die Besoldung der Beamten entspreche der Entwickelung des Eisenbahnunternehmens; mehr könne man doch wirklich nicht verlangen.
Abg. Hamp (frks.) dankt dem Minister der öffentlichen Arbeiten für seine hingebende Thätigkeit, ebenso dem Finanzminister, dessen Mithilfe die Entwickelung des Sekundärbahnwesens zu verdanken sei. Redner befürwortet die Einführung von Frachtkrediten, sowie die Einführung von Buchenschwellen.
Der Minister sagt Berücksichtigung des Wunsches auf Ausnahmetarife zu. Mit der Einführung von Buchenschwellen werden fortgesetzt Versuche gemacht.
Abg Walkvrechk (natlib.) hält die Ergebnisse der Untersuchungen über Eisenbahnunfälle doch für bedenklich. Unzulängliche Besoldung und Arbeitsüberhäufung beim Personal wirkten auf dasselbe zurück. Die Techniker würden Juristen gegenüber wie Stiefkinder behandelt.
Minister Ghieke» sucht darzulegen, daß die technischen Dezernate auch in den Händen der Techniker liegen.
Abg. Schmieding hält seine Vorwürfe bezüglich der Fiskalität der Verwaltung aufrecht. Heber die schwereren Schienen hätte sich auch der Vertreter des Ministers lobend ausgesprochen.
Geheimrath Lehman» verweist darauf, daß die Sparsamkeit der Verwaltung der Allgemeinheit zu Gute kommt.
Abg. Stöhek ((Str.) führt einen Th eil der Unfälle auf Beamtenmangel zurück. Vielen kleinen Beamten würden bei ihrem geringen Gehalt auch noch erhebliche Abzüge geinacht.
Minister Hhieke« erwidert, von solchen Abzügen sei nichts bekannt, er werde aber wenn nöthig, Abhilfe schaffen.
Darauf wird die Weiterberathung bis Montag 11 U h r vertagt.
Mne amerikanische Miinchhanliade.
Blühender Blödsinn wird den Lesern ameri- ; Blätter oft genug aufgetischt. Folgendes
durste als Glanzleistung bezeichnet werden. Ein amerikanisches Blatt erzählt der,Augsb. Abend-Ztg.' zufolge: „Lieutenant Amberg, ein deutscher Kavallerie-Offizier, hatte eines Nachts Dienst im Palaste des Kaisers Wilhelm. Der Kaiser gab eben seinen Freunden ein Bankett. Spät in der Nacht erhielt Lieutenant Amberg den Auftrag, sich in den Bankett-Saal zu begeben. Der Offizier erschrak, denn er ahnte nichts Gutes, beeilte sich jedoch, dem Befehle Folge zu leisten. Der Kaiser richtete in eisigem Tone an ihn die Frage: „Sie haben heute Nacht den Dienst im Palaste?" — 4a Eure Majestät," lautete die Antwort. — „Sie werden zu Pferde hier im Saale erscheinen." — „Hier im Saale . . mit dem Pferde, Majestät?" stammelte der Offizier. — „Ja, Sie haben meinen Befehl gehört. Gehen Sie!" — Lieutenant Amberg verließ den Saal in größter Bestürzung. Er hätte nie gedacht, einen so außerordentlichen Auftrag zu erhalten. Doch es kam w ken Sinn, dessen Ausführung zu verweigern. Er bestieg das Pferd und zwang das Thier, die Treppe zu erklimmen, ritt durch die Korridore und erschien hoch zu Roß, salutirend vor dem Kaiser. Der ungewohnte Ritt über die Treppe und die brillante Beleuchtung hatten das feurige Pferd des Offiziers erregt, es wollte nicht stille halten, schnaubte und schüttelte den Kopf Die Zuversicht seines Reiters wurde immer geringer. — ,Sie werden jetzt um den Saal reiten, damit wir sehen, wie Sie Ihr Pferd beherrschen!" kommandirte der Kaiser. Es waren ungefähr 70 Personen int Saale, welche dem Experimente mit Interesse folgten und denen es offenbar Amüsement zu bereiten schien. Der parkettirte Fußboden war so glatt wie Eis und das Thier rutschte mit seinen Eisen, als ob es Schlittschuhe an den Füßen hätte. Es gab sich jedoch alle Mühe, sich aufrecht zu erhalten und der Zugelfuhrung seines Reiters zu gehorchen. — „Trab!" kommandirte der Kaiser. — Lieutenant Amberg brachte fein Pferd in diese Gangart, wobei es wiederholt ausglitt, so daß fein Reiter sich nur mit Mühe im Sattel erhalten tonnte. Dies hielt jedoch den Kaiser nicht ab, alsbald das Kommando vernehmen zu lassen -„Galopp!" Amberg gab, vor Aufregung zitternd, seinem Pferde die Sporen. Dieses stürmte in wilden Sätzen durch das Zimmer, bei jedem Sprunge ausgleitend. Endlich trat ein, was schon lange zu befürchten gewesen, das Pferd schlug auf den Boden hin, und der Reiter vermochte sich nur durch einen Sprung aus dem Sattel zu retten. Während die Gäste des Kai fers sich vor Lach en schüttelten, bestieg der Offizier wieder sein Pferd, das sich unter großen Schwierigkeiten erhoben hatte, und derKaiser kommandirte auf'sNeue: „Galopp!" Nochmals gab der Offizier dem Pferde die Sporen und zwang es, seine tollen Sprünge zu wiederholen. Doch derKaiser hatte dem Offizier eine noch härtere Prüfung zugedacht. Er ließ aus mehrer en Stühlen ein Hinderniß im Saale errichten, das Lieutenant Amberg mit seinem Pferde übersetzen sollte. Das Thier verweigerte den Sprung, ward aber von dem Offizier, der nicht daran denken durfte, dem Befehle zu widerstreben, dazu gezwungen. Jetzt sprang das Pferd, aber zu kurz, und stürzte mit seinem Reiter. Merkwürdigerweise blieben auch diesmal beide unverletzt; nochmals wurde aus kaiserlichen Befehl der Sprung gewagt, und diesmal fiel er nach Ansicht der Gäste noch komischer aus, das Gelächter wollte kein Ende nehmen. Der Kaiser ober runzelte die Stirn, berief den Offizier zu sich und sagte streng: „Gehen Sie! Sie haben sich in unverantwortlicher Weise benommen und sind der schlechteste Reiter, den ich je gesehen habe. Sie haben Schande auf sich und Ihr Regiment gehäuft und sich die Ungnade Ihres Kaifers zugezogen." — Lieutenant Amberg fühlte sich wie niedergeschmettert und sah sich selbstverständlich gezwungen, sofort seine Offiziers-Charge abzulegen. Er begab sich nach London, um dort ein anderes Leben zu beginnen. Er fand einen Platz in einem Bankhause, wo er bereits heute nach kurzer Dienstleistung einen ange- fefjenen Posten bekleidet." Das amerikanische Blatt erdreistet sich sogar, diese Münchhansiade mit — Abbil- k"":"i zu versehen!
.Heben der Herren Schmieding und Gothein erinnerten an das Märchen von der weißen Fee, die der Eisenbahnminister ist, und der schwarzen Fee, die der Finanzminister sein soll. Thatsächlich aber haben wir doch eine einheitliche Regierung. Die Mittheilungen des Abgeordneten Gothein sind entweder nicht wahr, ober sie find durch grobe Indiskretion herausgekommen. Die Finanzverwaltung muß ein gewichtiges Wort in Eisenbahnfragen mitzureden haben. Redner bestreitet, daß im Lande eine so erhebliche Beunruhigung infolge der Unglücksfälle herrsche, und findet eine Mitursache in dem schnellen Fahrtempo der Züge. Im Großen und Ganzen habe man keine Veranlassung, mit der Eisenbahnverwaltung unzufrieden zu fein. (Beisall rechts.)
Abg. Kircher (Centr.): Nach den eingehenden Erörterungen in der Kommission und nach dem Reserat des Berichterstatters ist es schwer, Gesagtes nicht zu wiederholen und Neues und Interessantes vorzubringen. In der Kommission hat uns der Referent Grundsätze mit- getheilt, bereit Befolgung dazu dienen soll, die Mißstände zu beseitigen, die sich in Bezug auf die Betriebssicherheit eingestellt haben. Soweit sich diese Vorschläge auf eine Trennung des Personen- und Güterverkehrs beziehen, scheinen sie mir von außerordentlicher Wichtigkeit zu sein. Es wird nothwendig sein, daß Nebengeleise angelegt werden in der Gestalt, daß die Güterzüge unmittelbar auf der Einfahrt in den Bahnhof auf diese Geleise eintreten, um dort rangiren zu können. Wenn Sie die Unfallstatistik nachsehen und sich die Ursache der letzten Unfälle voifftellen, so werden Sie finden, daß eine Reihe von Unglücksfällen dadurch hervorgerufen worden sind, daß die Hauptgeleise auch mit Güterzügen belastet waren. Auch das Unglück, das sich am Tage vor der Eröffnung des Landtages auf der Station Brehna zugetragen hat in dem Zuge, in dem eine Anzahl von Mitgliedern dieses Hauses, auch ich, fuhr, hat dieselbe Ursache. Interessant wäre es, zu erfahren, ob die Station Brehna eine derjenigen ist, die es unmöglich machen, daß das Einfahrtssignal gegeben wird, wenn die Weiche nicht in der richtigen Lage ist. Will man zur Anlage von dritten und vierten Geleisen gehen und sich an den Umbau von Bahnhöfen machen, so ist dazu nicht allein sehr viel Geld, sondern auch sehr viel Zeit nöthig. Die Eisenbahnverwaltung hat es leider versäumt, in früherer Zeit sich Gelände in der Nähe von Bahnhöfen zu sichern, und jetzt wird es nur mit großen Kosten möglich sein, das nöthige Gelände zu bekommen. Zum erstenmal sind nun in diesen Etat 5 Millionen eingestellt, um Gelände zu erwerben zu einer Zeit, wo die Besitzer noch nicht wissen, daß die Eisenbahnverwaltung auf den Erwerb angewiesen ist. Es ist nicht angängig, daß die großen Mittel, die für den Umbau von Bahnhöfen nothwendig sind, nur durch den laufenden Etat bereit gestellt werden.
Diejenigen Detaillisten, die sich solche gefälschte Kaffees aufhängen lassen, weil sie vom Kaffeegeschäfte nichts verstehen, sind ja ebenso zu bedauern, wie ihre Kundschaft, aber die vollste Entrüstung muß sich doch gegen die dreisten Fälscher richten, die nun schon Jahr und Tag einfache Santos unter den Bezeichnungen als „gewaschene Santos", „in Hainburg gewaschene Santos", „geglättete Santos oder Campinas", oder auch als „Portorico-Art", bei hohen Preisen sogar direkt als Portorico in Konsum dreistet bringen, ohne zu erklären, daß die Kaffees gefälscht | düngen