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Fuldaer W- Zeitung

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verantwortlich: Für die Redaktion Jos. Saum, für Inserate I. varzeller in Fulda.

mit Jlnterhaklungs-Aeitage „Jllustrirte Sonntags-Zeitung!' petersgasse Nr. i (Larmoi ies.

JuLöcr, Freitag, den 18. März 1898

25. Jahrgang.

□ Ein Beitrag zur Parität.

Kassel, 17. März.

Unter dieser Ueberschrist brachte die ,Fuldaer Zeitung" in Nr. 22 eine Darlegung der von der Stadt Kassel für konfessionelle Zwecke ver­ausgabten Unterstützungen. Wir hegten damals die Hoffnung, daß man endlich den Katho­liken gerecht werden und ihnen die für die Katholische Kleinkinderbewahranstalt erbetene Unterstützung gewähren würde. Die Hoffnung erfüllte sich insofern, daß der Stadt­rath einstimmig einen Betrag von 300 Mk. in den Etat für 1898/99 einstellte.

Die Finanz-Kommission des Bürger-Ausschuss es strich jedoch diesen Posten wieder und so­mit sahen sich die Katholiken genöthigt, den Mit­gliedern des Bürgerausschusses in einem Schreiben Sen Sachverhalt anzutragen. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:

Der Vorstand der hiesigen, seit 1893 bestehenden, katholischen Kleinkinder - Bewahranstalt hat sich vor Kurzem wieder an Wohllöblichen Stadtrath der Residenz gewandt und gebeten, für die so segensreich wirkende Anstalt eine Unterstützung aus städtischen Mitteln zu ge­währen.

Der Stadtrath ist diesem Antrag näher getreten und hat nach Prüfung der Verhältnisse, wie verlautet, einstimmig den Betrag von 300 Mark als Unterstützung für das Jahr 1898 99 in den Etat eingestellt.

Wie wir aus der Zeitung entnommen haben, tritt am nächsten Dienstag der Bürgerausschuß zur Feststellung des städtischen Etats zusammen.

Es ist nun vor 2 Jahren diese von dem Stadtrath ebenfalls in den Etat anfgenommene Unterstützung unter Hinweis darauf, daß der evangelischen Kleinkinder-Be- wahranstalt in Fulda eine Unterstützung aus städtischen Mitteln verweigert worden sei, leider abgelehnt worden. Das gerade Gegentheil ist aber der Fall, wie der Etat der Stadt Fulda nachweist.

Wir glauben deshalb annehmen zu dürfen, daß es den Mitgliedern des Bürgerausschusses willkommen sein wird, zu dieser neuen Etatsposilion genauere Auskunft zu erhalten, und gestatten wir uns deshalb Folgendes zur Klarstellung anzuführen.

Die hiesige katholische Kleinkinder-Bewahranstalt ist im Jahre 1893 mit Genehmigung des Herrn Ministers gegründet worden, jedoch mit der Beschränkung, daß nut Kinder katholischer Konfession Aufnahme darin finden dürfen. Die Anstalt hat zur Zeit über 80 Kinder täglich in Pflege.

Die Anstalt, welche von barmherzigen Schwestern geleitet und von der katholischen Gemeinde unterstützt wird, hat im Jahre 1897 — abgesehen von den Leistungen der barmherzigen Schwestern und der sonstigen Bediensteten — für die Pflege und Unterhaltung eine Baar-Aufwendung von 1800 Mk. und für Miettze 550 Mk. erfordert.

Dieser Ausgabe von zusammen 2350 Mk. steht eine Einnahme von 394 Mk. gegenüber, welche von einem Theil der Eltern dieser Kinder durch Zahlung von wöchentlich 25 Pfg. aufgebracht sind. Ferner ist noch ein Betrag von 156 Mark von Wohlthätern für die armen Kinder gezahlt worden.

Die nicht gedeckten 1800 Mk. sind durch milde Bei­träge aufgebracht worden.

Daß die Kleinkinder-Bewahranstalt hier ein Bedürf- niß ist und die Armen-Berwaltung wesentlich entlastet, beweist die große Zahl der in die Anstalt aufgenommenen Kinder. Dadurch, daß die Eltern ihre Kleinen in sicherer Obhut wissen, ist es auch den Müttern möglich, ruhig ihrem Verdienst nachzugehen, sich ihren Unterhalt selbst erwerben und auf die Unterstützung aus öffentlichen Mitteln verzichten zu können.

Das Bestreben, der öffentlichen Armenpflege nicht zur Last zu'.fallen, ist ein so edles, daß es verdient, in jeder Hinsicht, namentlich in der heutigen Zeit, gehoben zu werden.

Mit Rücksicht hierauf geben wir uns der Hoffnung hin, daß der wohllöbliche Bürgerausschuß dem ein­stimmigen Antrag des Stadtrathes auf Gewährung einer

Wege und Ziele.

Roman von A. Jüngst.

14 ------ (Nachdruck verboten.)

„Nein, Frau Gerrit," antwortete das Mäd­chen, „ich bin es, Lora Ostheim. Inge wird gewiß bald hier sein", fügte sie in ihrer Angst hinzu, obschon sie wußte, ganz genau wußte, daß Inge auf die Nachricht von der lebensgefährlichen Erkrankung ihrer Großmutter geantwortet hatte, sie könne sich jetzt in ihren Studien nicht stören kaffen.

„Ja sie kommt, Hinz, hörst Du's, sie kommt," stöhnte die Alte, und es klang wie ein Auflachen aus den brechenden Tönen. ^Unsere Inge kommt — eine schöne Dame, eine vornehme Dame —. und ich und Hinz wir beugen uns vor ihr bis zur Erde, nicht wahr, Hinz?"

Einen Augenblick lag sie still mit geschloffenen Lidern, dann wiederholte sie, den zurückgesunkenen Kopf mühsam aufrichtend: „Ist Inge noch nicht da?"

„Nein, Mutter," antwortete Geert, der in hilfloser Trauer neben Lora stand, „aber der Pfarrer wird gleich hier fein. Ihr wißt doch, Mutter, unser guter Herr Pfarrer."

Der Pfarrer braucht nicht zu kommen; ich will den Pfaffen nicht, ich will nur Inge," und die schon erlöschenden Augen flammten noch ein­mal auf im alten Lichte.

„Ich glaube, Mutter, Inge kann nicht kommen," stammelte der Arbeiter verlegen und blickte auf Sora, welche unwillkürlich niedergekniet war und die Hände gefaltet hatte.

Unterstützung von 300 Mk. für das Etats-Jahr 1898/99 zustimmen wird, ebenso wie dies in katholischen Städten, z. B. in Fulda, seitens der städtischen Vertreter für die Kinder der evangelischen Kleinkinder-Bewahranstalt ge­schieht. Dort haben die Evangelischen, seitdem der Herr Minister der katholischen Kleinkinder-Bewahranstalt die Aufnahme von Kindern nicht katholischer Konfession untersagt hat, eine eigene Anstalt gegründet, die an­standslos statt der beantragten 100 Mk. — eine Unter­stützung von 200 Mk. aus städtischen Mitteln erhält.

Wie oben bereits erwähnt, hatte der Bürgeraus­schuß dahier vor zwei Jahren die Position abgelehnt.

Als ein Beweis dafür, daß einzelne Mitglieder des Bürgerausschusses diese Ablehnung als den thatsächlichen Verhältnissen nicht entsprechend empfunden haben, dürfte der Umstand gelten, daß einige dieser Mitglieder nach­träglich die Summe von 74,50 Mk. zur Unterstützung der katholischen Kleinkinder-Bewahranstalt aus eigener Tasche gewährt haben.

Wir glauben, daß die verehrlichen Mitglieder des Bürgerausschusses aus unserer vorstehenden Darlegung die Ueberzeugung gewonnen haben werden, daß die Be­willigung der erbetenen Unterstützung nur ein Akt der Billigkeit und Gerechtigkeit sei und wohl geeignet sein werde, das gute Einvernehmen unter den Bürgern aller Konfessionen zu fördern.

Mit Hochachtung ergebenst:

H. v. Roques, Mazor a.D. F.Bö sch en, Obersekretar. I. Feitel, Professor. F. Linzen, Kaufmann.

Aus Anlaß dieses Schreibens kam die Sache in der öffentlichen Sitzung des Bürger-Ausschusses vom 10. d. M., trotz der stattgehabten Streichung, zur öffentlichen Verhandlung. Ueli er diese das Folgende: Bei dem Titel VIII E, Beiträge für Unterhaltungan der er Unterrichts an sta l ten hatte der Stadtrath auch in Folge eines Gesuches der katholischen Kleinkinderbewahranstalt einen Betrag von 300 Mk. eingestellt, die Kommission hatte denselben aber gestrichen. Herr Rechnungs­rath Finscher nahm im Interesse der Parität den Antrag wieder auf, die Herren Stippich, Engelhardt und Rosenzweig stimmten ihm zu, Herr Vogt sprach sich dagegen aus, indem er unter ausführlicher Begründung daraus hin­wies, daß es sich gar nicht um Dokumentirung der Parität hierbei handele, denn die Bewilligung habe mit der religiösen Ueberzeugung nicht das Allermindeste zu thun. In der städtischen Kinder­bewahranstalt werden auch katholische Kinder gern ausgenommen. Das städtische Vermögen sei weder katholisch, protestantisch noch jüdisch. Herr Bürgermeister Jochmus sprach sich für die Bewilligung aus, da die katholffchen-Mnder- bewahranstalten einem Bedürfniß entsprechen. Herr Sondermann sprach sich dagegen aus und bemerkte, wenn die Räume der bisherigen Anstalt nicht ausreichten, möge man größere schaffen, damit auch die katholischen Kinder hin­reichend Aufnahme fänden. Schließlich wird der Antrag Finfcher mit 12 gegen 8 Stimme» aögekehnt.

Daß es sich hierbei lediglich um die Bethätigung von Gerechtigkeit und Bil ligkeit handelte, keineswegs aber um „religiöse Ueberzeugung", haben durch ihre Abstimmung eben Herr Rosen­zweig sowie Herr Bürgermeister Jochmus und die Herren Finscher, Stippich und Engelhardt io. bewiesen, die Ersterer der jüdischen Religion, Letztere der protestantischen Konfession an­gehören. Wir sprechen sowohl dem Stadtrath, als auch den 8 Herren, welche sich für die Be­willigung der Unterstützung ausgesprochen haben, an dieser Stelle öffentlich unseren wärmsten Dank aus.

„Inge kann nicht?" kreischte Marrit in un­natürlichen Tönen, „Inge will nicht! Hinz hörst Du's, sie will nicht! O, Inge, Inge! Ich hab' sie mit meinem Herzblut genährt, und nun, da sie's mir ausgesogen bis auf den letzten Tropfen, lacht sie mich aus — sie will nicht. Fluch ihr! Fluch ihr!"

Die Worte erstarben in einem unverständlichen Gemurmel, und der wie von innerer Federkraft emporgeschnellte Körper sank zurück, die erhobene Hand fiel kraftlos herab und ruhte einen Augen­blick auf dem blonden Scheitel Lora's. Die Be­rührung schien die entfliehenden Lebensgeister auf­zuhalten: die Sterbende öffnete noch einmal die Augen und murmelte: „Eine von drüben — eine Ostheim! — Du bist gut, Kind, sehr gut — belfer als wir."

Ein letztes Stöhnen, ein letztes Ausathmen — die alte Marrit war tobt.

Die Szene am Sterbebette der alten Marrit, diese erste grausige Begegnung mit dem Todes­engel war zu viel gewesen für Lora. Schluchzend und an allen Gliedern zitternd hatte sie die Hütte verlassen und schon selbigen Abends in heftigem Fieber gelegen.

Wochenlang schwebte das Zünglein an der Waage, ob es zum Leben, ob es zum Tode sich neige; wochenlang bangte die unglückliche Mutter um ihr letztes Kind. Als aber endlich der Arzt Lora außer Gefahr erklärte, war der erste Auf­schrei der Gräfin: „Laß uns fort von Ostheim, so bald wie möglich, Bruno, und nie, nie wieder dahin zurückkehren! Ostheim bringt uns Unglück."

„Aber, Mathilde," verwies der Giaf, dessen graues Hqar in dieser schweren Zeit um einen

Daß in der städtischen Kleinkmderbewahr- anftalt „auch katholische Kinder gern ausge­nommen werden", ist ja sehr freundlich, aber Kreise, in denen der Glaube, sei es nun der katholische oder protestantische, noch leben­dig ist, ziehen es nach dem weisen Sprüch- roort: „Schiedlich, friedlich" vor. Jeder für sich zu bleiben und in die Kindesseelen nicht einen Mischmasch von Religion einzupflanzen, der die Zerstörung alles Glaubens ist, son­dern dasjenige, was die Kirche oder Kirchengemein­schaft, der man angehört, lehrt. Wenn Herr Vogt nun zum Schluffe noch das große Wort gelassen ausspricht, daß das städtische Vermögen „weder katholisch, protestantisch noch jüdisch sei, so ist das allerdings eine unleugbare Wahrheit an sich, denn Geld hat keine Konfession. Wenn aber damit gesagt sein soll, daß deswegen die katholische Kinderbewahr-Anstalt aus dem Stadt­säckel nichts erhalten solle zur Unterstützung der armen Kinder, so müßte doch die einfachste Logik dahin führen, daß dann auch protestan­tische Anstalten re. nichts daraus bekommen dürs­ten, weil eben das Stadtoermögen keinen konfessionellen Anstalten zu gute kommen solle, sondern, wie es danach scheint, nur solchen, die religionslos seien. Indessen das ist in der Praxis nicht der Fall. Die Stadt gibt nicht allein den barmherzigen Schwestern, die doch in ihrer Liebesthätigkeit sehr interkonfessionell, in ihrem Glauben sehr konfessionell sind; sie gibt ebenso den verschiedensten konfessionell protestan­tischen Anstalten mehr oder weniger ansehnliche Unterstützungen, es ist dieses ja auch Pflicht eines jeden Gemeinwesens.

Von all den vorgebrachten Redensarten — wenn anders der gedruckte Sitzungsbericht zuver­lässig ist — bleibt daher als Bodensatz nur die Abneigung wenn nicht gar Haß gegen eine katholische Institution übrig, die doch gar nichts Anderes als ein Institut der Barmherzigkeit ist und die gar nichts Anderes thut, als die ent­sprechenden protestantischen Anstalten auch thun, nämlich sich der Kinder erbarmen. Wir meinen, daß gerade an dieser Stelle eine Ablehnung der erbetenen Unterstützung am wenigsten angebracht gewesen sei. Sie zeigt eben nur, was von der stets behaupteten Parität der katholischen Kirche und ihren Instituten gegenüber zu halten ist. Im Uebrigen — habeant sibi.

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Deutsches Reich»

Berlin, 17. März.

* Die diesjährige Erholungsreise des Kaisers dürfte, wenn die ,Polem. Korresp." recht berichtet ist, nicht nach dem Nordland, wenigstens nicht nach den norwegischen Fjorden führen. Jedenfalls bestehen in der Umgebung des Monarchen noch starke Zweifel in dieser Beziehung. Dagegen will man wissen, daß der Kaiser eine längst gehegte Absicht auszuführen gesonnen sei — eine Seereise nach Schottland. Der Gipfelpunkt dieser Reise soll eine Jagd im schottischen Hochlande bilden, lieber Einzelheiten dieses Reiseplanes verlautet noch nichts.

X Der ZLundesrath hat heute eine Plenar- Sitzung abgehalten.

Schatten weißer geworden, „versuche den Himmel nicht! Gott hat uns Lora erhalten und damit uns das größte Glück geschenkt, das uns hier oder anderwärts zu Theil werden könnte. Jndeß habe ich mich in diesen Wochen von etwas Anderem überzeugt und werde nicht rasten, bis ich es aus­geführt : wir müssen Lora von uns geben. Das Kind muß unter fremden Augen wachsen, an fremder Kraft sich reiben, wenn es nicht an seinem eigenen weichen Herzen zu Grunde gehen soll."

Die Gräfin hatte den Gatten zuerst verständniß- los angeschaut; sie vermochte es nicht zu fassen, daß er in Wahrheit ein solches Opfer von ihr fordern könne. Ruhiges Nachdenken hatte sie je­doch eines Bessern belehrt, und so war es ge­kommen, daß Lora noch im Herbst desselben Jahres den Damen von Saerö Coeur anvertraut worden war und in dem stillen Frieden des Klosters den gestörten Gleichmuth wiedergefunden hatte.

Als sie dasselbe vor drei Monden verlassen, hatte Madame Windhelm, die Oberin, dem Wagen nachgeschaut und mit schwerrnüthigem Lächeln zu Madame von Olzen, der Lehrerin der ersten Klasse, gesagt: „Es ist keine unter unfern Zög­lingen, welche ich mit solchem Bedauern scheiden sehe, wie Lora von Ostheim. Der Himmel, der in ihrem Auge liegt, ist so rein, die Unschuld ihres Herzens, der Schmelz ihrer Seele so zart und duslig, daß ich wirklich die Hände um ihr Haupt breiten und sie vor jedem Hauche der Welt bewahren möchte. Die Erde ist ein solcher Engel nicht werth."

„Nun, wer weiß, vielleicht führt der Ruf des Herrn sie zurück in das Asyl ihrer Jugend und macht sie zu einer der Unseren."

x Bereits vor einigen Tagen wurde an» gekündigt, daß dem Reichstage eine Vorlage zugehen soll, über eine vorläufige Vereinbarung zwischen Deutschland und England an Stelle des mit dem letzten Juli ablaufenden Handels- Vertrages. Wie nunmehr berichtet wird, ist die Verständigung über eine vorläufige Vereinbarung zwischen beiden Regierungen erzielt. Die Vorlage darüber wird in den nächsten Tagen dem Reichs­tage zugehen.

h Die ,Nordd. Allgem. Ztg." bringt an der Spitze ihrer Freitags-Nummer in auffälligem Sperrdrücke eine Kuudgevung zu dem Ikolteu- Gesetze, welche die Erwartung ausspricht, daß im Reichstage nunmehr eine „starke Mehr­heit" für die Vorlage sich zusammenfinden möge, damit es nicht so aussehe, als sei „das Gesetz durch Bieten und Handeln mit knapper Noth durchgedrückt worden". Wir glauben gern, daß die Regierung das aufrichtig wünscht. Nichts­destoweniger werden sehr starke Zweifel daran gestattet sein, daß alle die Stimmen, welche im Reichstage mit „Ja" für die Flottenvorlage wer­den abgegeben werden, aus sonderlich flotten­begeistertem Herzen heraus ertönen werden. Und ob die Mehrheit, welche Ja sagt, eine sehr große sein wird, das läßt sich auch noch gar nicht so gewiß erwarten oder voraussagen. Es gibt viele Leute im Reichstage, und es gibt verhältnißmäßig noch viel mehr Leute im Lande, die mit ihrer Zustimmung zu der Annahme der Flottenvorlage nur „der Noth gehorchen, nicht dem eigenen Triebe" — der Noth, die aus der Ueberzeugung heraus entsteht, daß unsere Ver­trauensmänner in der Budget - Kommission des Reichstages niemals in die Annahme der Flotten­vorlage gewilligt haben würden, wenn sie nicht zweifellos zu der Ansicht gelangt wären, daß das Reich die geforderte Verstärkung der Flotte wirk­lich und nothwendig braucht. Aber man verlange nicht, daß nun alles in schallende Rufe der Be­geisterung ausbricht darüber, daß die Annahme der Flottenvorlage gesichert ist. Wenn diese er­folgt, so geschieht das nur unter dem eiser­nen Zwange der Nothwendigkeit. Das ist die Stimmung der großen Volksmehrheit. Und das möge die Regierung sich recht genau einprägen.

♦ Der .Reichsanzeiger" publizirt das Gesetz, betreffend die Aufhebung der Verpflichtung zur Bestellung von Amlskaulioneu vom 7. März 1898.

* Mürzvurg, 17. März Wie es mit der Parität im „katholischen Bayern" bestellt ist, zeigte die jüngste Feier des Geburtstages des Prinzregenten Luitpold in Würzburg. Dort wohnten dem offiziellen Gottesdienste in der pro­testantischen (ehemals katholischen) St. Ste- phanskirche bei: der kommandirende General des 2. Armeekorps, Exeellenz v. Xylander, die Generäle v. Waldenfels und Rutz, der Oberst Gorstner des 2. Feldartillerieregiments, Oberstlieutenant von Faber des 2. Trainbataillons, dann die Kom­mandeure sämmtlicher höheren Stäbe in Würz­burg, sowie ganz auffallend viele Generalstabs­und sonstige höhere Offiziere. Dem katholischen Gottesdienste im hohen Dome wohnte ein ein­ziger General, Exeellenz v.Leonrod, an, und der ist---auch protestantisch! Offen»

Die Oberin schüttelte das Haupt. „Ich glaube nicht. Loras Beruf wird den Verhält- niffen und den Wünschen ihrer Eltern nach wohl in einer anderen Sphäre liegen; aber wo sie auch immer sein und was immer aus ihr werden mag, sie wird allezeit und überall Gottes Kind, ein auserwähltes Werkzeug feiner Gnade fein."

„Leider war Loras Rückkehr ins Vaterhaus nicht so ungetrübt, wie sie es gehofft hatte. Die Gräfin, deren Gesundheit schon lange erschüttert gewesen, war kurz vorher heftig erkrankt. Ein schleichendes Fieber und Husten hatten sich ein­gestellt und den Arzt eine Wendung zum Schlimmen befürchten lassen. War es die lindere Frühlingsluft, war es die Gegenwart des geliebten Kindes, welche wie Sonnenschein um ihr Mutter- Herz fiel — Gräfin Ostheim erholte sich zu­sehends. Schon nach wenigen Wochen gestattete Geheimrath von Gerhard eine Reise nach Ems, und die altberühmten Quellen bewährten ihre Heilkraft auch an der schwer leidenden Frau. Der quälende Husten ließ nach, die gesunkenen Kräfte hoben sich. Ein Aufenthalt in reiner Ge­birgsluft sollte nach ärztlicher Verordnung vollenden, was in dem Bade des Langthales begonnen worden. Nach einigem Hin- und Herrathen hatte man sich für Berchtesgaden entschieden; der Graf war vorausgereist, eine paffende Wohnung zu miethen, und heute war er mit Weib und Kind herübergesiedelt in die freundliche Villa an der Keuper-Terrasse.

Lora hatte mit wachsendem Entzücken die wechselnden Eindrücke der Reise auf sich wirken lassen. Ihre jung empfängliche Seele weidete sich, ihr Herz quoll über im Anschauen der