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M 61.
Jutöcr, Mittwoch, den 16. März 1898
25. Jahrgang
K> Sammlung und Gegensammlnng.
Der Name „Kartell" war gar zu sehr in Mißkredit gekommen, und da erfand Herr Johannes v. Miquel das Schlagwort von der „Sammluug". Das klingt anders, aber sonst ist es ganz dieselbe Sache, und das haben auch diejenigen alsbald herausbekommen, die man mit bem neuen Schlagworte fangen wollte.
Den Aufruf zur „Sammlung" haben alle konservativen und freikonservativen Abgeordneten aus Reichstag und preußischem Landtag unterschrieben. Aber schon bei den Nationalliberalen hapert es. In den beiden Parlamenten gibt es zusammen 118 Abgeordnete. Und von diesen haben nur 55 das konservative Zaumzeug sich anlegen lassen. Die anderen waren klug genug, sich höflichst für die Ehre zu bedanken. Welcher der beiden Theile der Nationalliberalen der klügere war, das geht aus dem Erfolge hervor, den die Nationalliberalen mit einer öffentlichen Erklärung bei der nationalliberalen Wählerschaft erzielt haben. „Eine geradezu elementare Zustimmung" hat diese Erklärung bei den Nationalliberalen im Lande nach der Versicherung von nationalliberalen Partei- Organen gefunden. In der Erklärung aber steht vornan der Satz, daß die nationalliberale Partei jedenfalls ihre Selbstständigkeit sich wahren müsse.
Von den Abgeordneten der Centrumspartei hat nur einer den Aufruf für das neue Wahlkartell unterschrieben. Das ist der Landtagsabgeordnete Gras von Hoensbroech auf Schloß Haag bei Geldern am Niederrhein. Woher kommt das? Steht etwa das Centrum nicht auf dem Boden des Schutzes der nationalen Arbeit, den der Aufruf zur „Sammlung" als das wichtigste vornan stellt? Unbedingt und noch mehr; das Centrum ist auch sicherlich bereit, für die Einführung höherer Getreidezölle zu wirken. Und wenn diese ganze sogenannte „Sammlung" wirklich nichts weiter wollte, als eine Verständigung vorbereiten über die Handelspolitik des deutschen Reiches, dann könnte das ganze Centrum auch getrost den schönen Aufruf unterschreiben. Aber die Handelspolitik ist nur der Wahlköder. Der innere eigentliche Zweck ist nur die Erzielung einer Regierungsmehrheit durch die nächsten Wahlen. Und vor solche Wagen läßt sich das Centrum natürlich nicht spannen. Das Centrum findet seinen Weg allein. Und ohne ein Prophet zu sein, kann man sicher voraus sagen, daß der Tag kommen wird, an dem es sich zeigt, daß das Centrum auf dem rechten Wege war, als es sich weigerte, Vorspanndienste zu leisten für Herrn Johannes von Miquel und seine Wahlpolitik.
Nun ist der Sammlung als besondere Gegnerin eine Gegensammlung erstanden. Die Freisinnigen verschiedener Richtung haben sich zu- fammengethan und sind nun auch ihrerseits mit einem Aufrufe zur Sammlung an die Oeffentlich- keit getreten. Dieser hat den einen Vorzug an an sich, daß er wenigstens deutlich sagt, was er will. Er sucht den konservativen Aufruf zu einem neuen Kartell so darzustellen, als sei dieser nur ein Ausfluß agrarischer Sonderbestrebungen, und als strebten jene nur dabin, im eigenen Sonderinteresse dem Volke die Lebensmittel zu vertheuern.
Wege und Ziele.
Roman von A. Jüngst.
12 ------ (Nachdruck verboten.)
„Gut, sehr gut," nickte Prinzessin Sarolta. „Siehst Du, Bruno, ich denke. Dein Mündel könnte Dir mit der Zeit noch mehr werden, als ein bloßer Nachfolger im Namen und Besitz. Dein Töchterchen ist ungefähr neun Jabre alt, Herbert neunzehn, gerade der richtige Altersunterschied für ein glückliches Ehepaar. Majorat und Allod blieben durch eine solche Heirath hübsch zusammen, und Deines Kindes Kinder säßen dereinst auf dem angestammten Erbe unserer Ahnen."
„Daß die Frauen, auch die besten und geistreichsten, das Heirathstiften nicht lassen können!" sagte er scherzend. „Steckt solch ein kleines Ding noch in den Kinderschuhen und soll schon an den Mann gebracht werden? Uebrigens nichts für ungut, Sarolta," fuhr er ernster fort, „ein ähnlicher Gedanke ist mir selbst schon gekommen."
„Papa! Tante Sarolta! Habt Ihr es schon gehört: Vetter Herbert ist eben angekommen? Und so groß ist er geworden, so groß!"
Mit diesen athemlos hervorgestoßenen Worten war Lora in das Arbeitszimmer des Grafen gestürzt und stand nun mit glühenden Wangen und glänzenden Augen vor dem Vater.
„Wer wird sich denn gleich so ereifern. Du thörichtes kleines Ding?" sagte Graf Ostheim und strich liebkosend über die blonden Locken des Kindes.
Auch Prinzessin Sarolta blickte zärtlich auf die zierliche Gestalt des lieblichen Mädchens.
Das sind freilich Unwahrheiten und unberechtigte Verdächtigungen. Aber die Männer des ersten Aufrufes brauchen sich nicht gerade zu wundern, daß ihnen nun eine solche Antwort zu Theil wird. Und sollte die Politik der Miquel'schen Sammlung die bisher in sich uneinigen Freisinnigen wieder zur Einigkeit zurückführen, so würde das der erste große Mißerfolg sein, den Herr Johannas von Miquel mit seiner „Sammlung" erringt.
Das Centrum läßt die Konservativen sich und Andere sammeln, die Lust verspüren dazu, von der Regierung ins Joch sich spannen zu lassen. Und wenn die Freisinnigen nun auch sich und Andere zu einem großen Heerhaufen vereinen, fo wird das Centrum davon ebenso wenig davon berührt. Das Centrum trägt seine Stärke in sich selbst. Und das ist doch allemal das Beste und Sicherstegewesen. Ein einiges Centrum wird auch aus den neuen Wahlen in alter Kraft und Vollzahl unbesiegt hervorgehen.
Deutsches Deich.
Berlin, 15. März.
h Für die IleichslagswaHkett foll nach einer vereinzelten Blättermeldung schon ein bestimmter Tag in Aussicht genommen sein, nämlich der 16. Juni. Es ist sehr die Frage, ob die verbündeten Regierungen schon auf einen bestimmten Tag sich geeinigt haben. Aber daß die Neuwahlen zum Reichstage etwa in dieser Zeit stcttfinden werden, in der Mitte oder in der zweiten Hälfte des Monats Juni, ist ja an sich sehr wahrscheinlich. Jedenfalls ist daran nicht zu zweifeln, daß die verbündeten Regierungen die Neuwahlen alsbald nach dem Ablaufe des Mandats des gegenwärtigen Reichstages ausschreiben wollen; und da nun mit dem Monat Juli in einem großen Theile des Reiches die langen Schulferien beginnen, der Landmann auch mit der Ernte beginnt, kommt man auf die zweite Hälfte des Monats Juni als Wahltermin von selbst. Man wird also gut thun, wenn man die Vorbereitungen für die Wahlen so bald und so nachdrücklich wie möglich in Angriff nimmt.
x Die uatiorralriverake Partei wird bald nach Ostern einen algemeinen Delegirtentag veranstalten, der das Wahlprogramm der Partei feststellen soll. Der Hauptvorstand der Partei ist für den nächsten Sonntag berufen, um die endgiltigen Beschlüsse darüber zu fasten. Die Freisinnigen, diesmal wieder Wadenstrümpf- ler und Wasserstiefler gemeinsam, sind bereits in Wahlaktion getreten. Als Gegenstück zu dem Versammlungs-Aufrufe der Konservativen veröffentlichen sie einen Aufruf zur Gegensammlung, der mit den Worten beginnt: „Der Zeitpunkt der Reichstaaswahlen ist nahegerückt. Die Wahlen werden über die zukünftige Gestaltung der Wirthschaflspolitik des deutschen Reiches entscheiden." Der Aufruf der Freisinnigen stellt dann die Nothwendigkeit in den Vordergrund, an der Handelspolitik der letzten Jahre festzuhalten, namentlich an dem Grundsätze der Handelsverträge von langer Dauer mit gegenseitiger Bindung der Tarifsätze — eine Anschauung, der ja auch ein großer Theil der nationalliberalen Partei huldigt und die auch sonst noch
Lora drückte die heiße Wange auf die Hand des Grafen und bat fchmeichelnd: „Ach, Papa, schilt mich nur nicht; ich hatte mich so auf Herbert gefreut, und nun--"
Sie stockte und sah traurig zu dem Papa empor.
„Nun? Was denn, mein Liebling?"
„Ich hatte gemeint, Herbert solle mit mir spielen wie früher, als Bubi noch da war, — und nun ist er so groß geworden, daß ich mich beinahe vor ihm fürchte."
„Darf ich hineinkommen, Onkel Bruno?" fragte eine klangvolle Stimme von draußen, und die nur angelehnte Thür wurde weiter geöffnet.
„Nur immer herein, mein Junge! Grüß' Gott, grüß' Gott, lieber Herbert!" Und der Graf reichte ihm beide Hände entgegen.
„Lieber, lieber Onkel, wie freue ich mich, wieder bei Euch sein zu dürfen nach so schwerer Zeit! Ach, auch Tante Sarolta? Wielangehabe ich Dich nicht gesehen, bestes Tantchen!"
Der Eingetretene hatte sich von dem Grafen an die Prinzessin gewandt und deren Hand mit einer anmuthigen Verbeugung an seine Lippen geführt.
„Ganz wie Dein Vater, Zug um Zug ein Ostheini!" lächelte die schöne Frau, wohlgefällig auf den schlanken, ebenmäßig gebauten Jüngling blickend, aus dessen frischen, leicht gebräunten Zügen ein fröhliches Gemüth, ein freies sorgloses Herz sprachen. Wohl mochte der von kastanienbraunem Haar umrahmten Stirne die rechte Gedankentiefe, dem weichen von leichtem Flaum überschatteten Munde die genügende Festigkeit fehlen — die freundlichen blauen Augen, das ge-
viele Freunde im Lande hat. Ganz im Gegensätze dazu kämpfen die Größen des Bundes der Landwirthe für kurz laufende Verträge, oder doch für Verträge mit kurzen Kündigungsfristen und selbstständiger Bestimmung der Zollsätze durch die einzelnen Staaten. Die Ansprache, mit der Staatssekretär Graf von Posadowsky am letzten Montag den deutschen Handelstag begrüßte, klingt gar nicht sehr danach, als hätte die Regierung allzu große Sympathien für das handelspolitische Programm des Bundes der Landwirthe. Nun, wir werden ja sehen.
* Die Ilugeheuerkichkeit des Kommrmak- Watzkrechtes in Preußen tritt an folgendem Beispiel wieder einmal recht drastisch in die Erscheinung: Die Stadt Gronau in Westfalen, welcher vor Kurzem Stadtrechte verliehen worden sind, hat eine neue Stadtoerordneten-Versammlung, aus 24 Mitgliedern bestehend, zu wählen. Die erste Wählerklaffe, welche acht Stadtverordnete zu „wählen" hat, besteht aus zwei Wählern, den Fabrikbesitzern M. und G. van Delden. Die zweite Wählerklasse, welche ebenfalls acht Stadtverordnete zu „wählen" hat, besteht aus vier Wahlberechtigten, und diese sind zwei Söhne des Herrn Mr van Delden, ein Sohn des Herrn G. van Delden und der Kompagnon des letzteren. Alle anderen Wähler der Stadt Gronau, und darunter befinden sich auch zahlreiche wohlhabende Leute, wählen in der dritten Klasse zusammen auch nur acht Stadtverordnete. Also: die sechs Personen aus den beiden Familien van Delden „wählen" 16 Stadtverordnete, die Tausende von Wählern der dritten Wählerklasse haben über die Drittel-Minderheit von acht Stadtverordneten einen Wahlkampf zu bestehen! Die Sache ist „rar", wird man in Gronau sagen; aber sie ist in Wirklichkeit schlimmer: sie ist närrisch, sie ist ein Hohn auf das Wahlrecht und stellt die Ungeheuerlichkeit des plutokratischen Kommuual- Wahlrechts öffentlich an den Pranger.
h Die ZLen»egnng gegen die Großöazare, Konsumvereine und bergt mehr zieht immer weitere Kreise. In Hamburg hat eine große Volksversammlung beschlossen, an ben Hamburger Senat eine Petition zu richten um bie Einführung einer Umsatzsteuer für Großbazare. Unb in dasselbe Gebiet gehören gewisse Bestrebungen, die der „Verein selbstständiger Kaufleute und Fabrikanten" in Leipzig zur Wahrung berechtigter Interessen entfaltet. Um der Geschäftsmethode der Ramschbazare usw. entgegenzutreten, will der genannte Verein in das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb eine Bestimmung ausgenommen sehen, die etwa lauten sollte wie folgt: „Wer im öffentlichen Handel frische, kurante, durch Lager und Mode nicht entwerthete Waare zum Zwecke der Reklame unter dem Kostenpreise verkauft, wird .... bestraft." Aber es würde sehr schwer zu überwachen sein, ob einer solchen Bestimmung auch Folge geleistet würde.
X Der deutsche Kandekstag hat sich in feiner gestern hier in Berlin abgehaltenen Plenarversammlung auch mit der Frage der Vorbereitung für die späteren Handelsverträge beschäftigt. Einstimmig ist eine Erklärung angenommen worden, nach der „die Richtschnur unserer Handelspolitik nur durch das Wohl der
winnende Lächeln ließen den Mangel übersehen.
„Nun, kleine Lora," wandte Herbert sich zu dem schüchtern zurückweichenden Kinde, „seit wann nimmst Du denn Reißaus vor mir? Ich denke, wir sind doch immer gute Freunde gewesen."
„Das thörichte Mädchen fürchtet sich vor dem großen Vetter", scherzte Ostheim mit einem liebevollen Blick auf das Kind, welches dicht an seine Seite sich geschmiegt hatte und mit weit geöffneten Augen auf den fremd gewordenen Vetter schaute. „Du bist ihr zu schnell gewachsen in den letzten zwei Jahren, Herbert; ihre Gedanken können so rasch nicht wilkommen. Aber nun, meine Sieben, laßt uns nicht mehr zögern! Mathilde hätte ein Recht, uns zu zürnen, wollten wir ihr Herberts Anwesenheit länger vorenthalten."
* *
Die kleine Gesellschaft, welche an diesem wie an jedem schönen Abend auf der Schloßterrasse von Ostheim sich versammelt hatte, war ungewöhnlich belebt.
Prinzessin Sarolta bemühte sich, durch verdoppelte Liebenswürdigkeit gegen Bruder und Schwägerin den Mißklang vergessen zu machen, den ihr Eigensinn hervorgerufen. Graf Ostheim freute sich an der unverdorbenen impulsiven Natur seines Neffen, unb bie Gräfin, bereu Augen sich in unbewachten Augenblicken mehr als einmal mit Thränen um bie eigenen verlorenen Kinder füllten, war großherzig genug, Herbert ihren Schmerz nicht entgelten unb ben guten Eigenschaften bes Jünglings volle Gerechtigkeit wiberfahren zu lassen Dieser, ein leidenschaftlicher Musik-Enthusiast und Anhänger des neu aufgegangenen Sternes in
Gesammtheit bestimmt werden soll, nicht durch die Jntereffen eines einzelnen Erwerbszweiges". Außerdem wird in der Erklärung die Forderung aufgestellt, daß „die auswärtigen Staaten für eine längere Reihe von Jahren die Zölle, auf bie hauptsächlich von uns bei ihnen eingeführten Maaren ermäßigen, ober wenigstens nicht zu erhöhen sich verpflichten unb uns bie Meistbegünstigung gewähren. Können in einem Hanbelsver- trage keine Zugestänbniffe in Bezug auf bie Zollsätze erreicht werben, so ist auch bie Meistbegünstigung allein ein werthvoller Gewinn".
Aus dem Reichstage.
'•O 61. Sitzung vom 15. März 1 Uhr.
Am Bundesrathstische: Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, Kriegsminister v. Goßler.
Das Haus tritt in die zweite Berathung der Wikttär-Skrafgerichts Ordnung ein.
§ 1 begrenzt die Zuständigkeit der Militärstrafgerichtsbarkeit auf 1) die Militärpersonen des aktiven Heeres und der aktiven Marine, 2) die zur Disposition gestellten Offiziere, Sanitätsoffiziere und Ingenieure des Soldatenstandes, 3) die Studirenden der Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen, 4) die Schiffsjungen, so lange sie eingeschifft sind, 5) die in militärischen Anstalten versorgten invaliden Offiziere und Mannschaften, 6) die nicht zum Soldatenstande gehörenden Offiziere ä, la suite und Sanitätsoffiziere ä la suite, wenn und so lange sie zu vorübergehenden Dienstleistungen zugelassen sind, 7) die verabschiedeten Offiziere, Sanitätsoffiziers und Ingenieure des Soldatenstandee, wenn und so lange sie als solche oder als Militärbeamte im aktiven Heere oder in der aktiven Marine vorübergehend wieder Verwendung finden, 8) die bei militärischen Untersuchungen amtlich beteiligten Personen.
Abg. Aner und Genossen (Soz.) beantragen die Zuständigkeit auf die Zuwiderhandlungen gegen die Militärgesetze zu beschränken und der Militärgerichtsbarkeit nur zu unterstellen: 1) die Militärpersonen des aktiven Heeres und der aktiven Marine, 2) die bei militärischen Untersuchungen amtlich betheiligten Personen.
Abgg. Munckek und WeäiH (frs. Vgg.) beantragen die Ziffer 6'zu streichen und in Ziffer 7 zu sagen: Die zur Disposition gestellten und verabschiedeten Offiziere, wenn und so lange sie als solche oder als Militärbeamte vorübergehend im aktiven Heere oder in der aktiven Marine wieder Verwendung finden.
Kriegsminister v. Hofiker leitete die Debatte ein mit dem Hinweise darauf, daß die Kommission des Reichstages erfreuliche Arbeit geleistet habe, und daß die Regierung im allgemeinen den Beschlüssen der Kom- mission freundlich gegenübersteht. Schon nach dem heutigen ersten Berathungstage kann man mit ziemlicher Bestimmtheit Voraussagen, daß ein Gesetz ungefähr in der Fassung der Kommissionsbeschlüsse zustande kommen wird.
Wie int allgemeinen die Centrumspartei zu der Sache sich stellt, legte heute in sehr klarer und überzeugender Rede der Abg. Hröver dar: das Centrum hätte gewünscht, daß ein Mehr an Zugeständnissen der Regierung vorhanden wäre. Aber die Beschlüsse der Kommission bedeuten für alle deutschen Bundesstaaten, Bayern ausgenommen, eine wesentliche Verbesserung des gegenwärtigen Zustandes; und da für Bayern keine Verschlimmerung gebracht wird durch die Annahme der Kommissionsbeschlüsse, wohl aber in einzelnen Punkten noch Verbesserungen, so nimmt das Centrum lieber das, was es bekommen kann, als daß es durch ein Zuviel von Forderungen das Ganze in Gefahr bringt.
Leider leerte sich int Laufe der Sitzung der Saal wieder so stark, daß das Haus schließlich, als eine namentliche Abstimmung vorgenommen wurde, als beschlußunfähig sich herausstellte und infolgedessen die Sitzung abgebrochen werden mußte.
Deutschlanb, hatte sich schnell mit bem jungen Tonkünstler befreundet unb war fo ganz unb gar in ein Gespräch über bte Bebeutung Wagners vertieft, baß er nicht sah noch hörte, was um ihn her vorging. Er bemerkte es nicht einmal, mit welcher Theilnahme bie Blicke aller Anwesenben auf ihm ruhten. Baron ßanbfeer, ein Stubien- genoffe seines verstorbenen Vaters, sah in bem ausblühenben Sohne bas verkörperte Ebenbild bes verewigten Freunbes unb begleitete bie Auseinandersetzungen des begeisterten Jünglings mit gelegentlichen Zurufen und freundlichem Kopfnicken. Sogar der Amtshauptmann, der in Folge einer abfälligen Bemerkung der Prinzessin Hohenburg grämlicher war denn je, fand Gefallen an Herberts offenem Wesen unb buchte mit einer Art von Bebauern an bie eigene Jugenb. Nur Graf Hellborn, ber blasirte Weckminn, ber Spötter und Skeptiker, folgte ber allgemein roerbenben Debatte mit einem fragenden Ausdruck in den geistreichen Zügen; zuweilen zuckte sogar etwas wie ein mitleidiges Lächeln um die feinen Mundwinkel.
,Kein großer Geist," flüsterte er Landseer zu, als ber junge Graf auf eine Bitte feines Oheims aufgeftanben unb an bie Brüstung ber Terrasse getreten war, „aber ein guter Geist, bas heißt, wenn nicht Einer über ihn kommt, ber stärker ist als er. Lassen Sie biesen hübschen, gutmütigen Jungen seinen Kohl in Frieden bauen, unb er wirb ein vortrefflicher Landwirth, ein musterhafter Gatte unb Familienvater werben. Werfen Sie ihn aber hinaus in bie Branbung bes Lebens —" Er zuckte bie Schütteln.
„Sie finb ein unverbesserlicher Zweifler, Graf Hellborn," entgegnete Landseer verdrießlich. „Her-