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JS. 59.
X Gcsahren.
Die alten Nebenbuhler Rußland und England stehen in Ostasien einander mit so scharf gespannter Eifersucht gegenüber, daß es nur geringfügiger Anläffe bedarf, um schlimme Verwickelungen heraufzubeschwören. Rußland hat in Korea einen neuen und bemerkenswerthen Erfolg errungen, indem es einen Theil der Deer-Jnsel auf der Höhe von Fusan in seinen Besitz zu bringen gewußt hat. Rußland hat mit dem König von Korea einen Vertrag abgeschlossen, durch den der russischen Flotte auf der Deer-Jnsel eine Kohlenstation eingeräumt wird, nachdem auf dem entgegengesetzten Theile der Insel schon eine japanische Kohlenstation eingerichtet worden ist.
Japan ist wüthend darüber und stellt sich an, als wolle es auf jeden Fall sich dagegen wehren. Und von England wird es darin unterstützt. England sieht ja nichts lieber, als wenn andere Leute für seine Interessen ins Feuer gehen. Auf einen Kampf mit Rußland ist man in Japan von jeher gefaßt gewesen. Aber man dachte dabei an die spätere Zukunft. Nunmehr scheint er früher für möglich gehalten zu werden, und man trifft Vorkehrungen gegen solche Möglichkeiten. Auf der anderen Seite sieht sich Rußland vor. Das Zarenreich schafft mit äußerster Beschleunigung Mannschaften nach Ostasien und hat, weil die eigenen Transportdampfer nicht ausreichen, französische große Dampfer zur Truppenbeförderung gemiethet. Zur außerordentlichen Verstärkung der Flotte ist außerdem die Summe von 90 Millionen Rubel bestimmt worden. Die Deer-Jnsel beherrscht vollständig den Kanal, durch den man in den Hafen von Fusan gelangt. In den Händen der Russen würde sie sich rasch zu einem Außensort des Zarenreiches gegenüber dem benachbarten Japan gestalten. Der Hafen von Fusan hat eine ebenso große Bedeutung. Er ist vor Winden geschützt, vollständig eisfrei und bietet eine Tiefe, die den größten Schiffen das Einlaufen jederzeit ermöglicht. Die Japaner besonders haben Ursache, die neue Errungenschaft Rußlands mit Mißtrauen zu betrachten. Fusan ist seit dem Vertrage zwischen Japan und Korea im Jahre 1876 eine lhatsäch- Uche Niederlaffung der Japaner geworden. Japaner bilden dort die Mehrzahl der Freunden und Japaner besorgen fast den ganzen Handel. Der Telegraph, der Fusan mit Söul, der Hauptstadt von Korea, verbindet, ist ebenfalls in japanischen Händen und allenthalben genießen die Angehörigen dieses Volkes nicht unbedeutende Vortheile vor anderen Nationen. Japan, unterstützt von England, strebt die Herrschaft über Korea an; in diesem Streben sieht es sich nun durch Rußland ernstlich bedroht. Diese Beunruhigung der Japaner fand ihren Widerhall im enalischen Parlament. Dort ist die Regierung über Ostasien interpellirt worden, weil man Aufklärung über die Ereignisse in China und Korea haben wollte. Diese Aufklärung ist dürftig ausgefallen und hat den Heißspornen in Großbritannien die gewünschte Gelegenheit nicht geboten, Europa überrussischeVergewaltigungsversuchein Aufregung zu versetzen. Der Unterstaatssekretär Curzon war so vorsichtig, wie möglich;'er vermied es, eine unmittelbare Anklage zu erbeben und begnügte sich mit der allgemeinen Versicherung, daß Eng-
Wege und Ziele.
Roman von A. Jüngst.
10 ------ (Nachdruck verboten.)
„Ah, nun begreife ich auch," nickte die Prinzessin nachdenklich, „daß die Bewohner der Hütte mir so gänzlich unbekannt waren. Eine Frau, wie diese unholde Marrit, hätte unmöglich meiner Beachtung entgehen können, wenn ich bei den Kreuz- und Querzügen meiner Jugend jemals in ihre Nähe gekommen wäre. Es dämmert mir sogar etwas von einem verrufenen Hause, einem versumpften Weiher, voc denen ich von den Dienstleuten gewarnt wurde. Das waren also die Gerrits."
„Du siehst, liebe Sarolta, mit welch' gefährlichen Elementen Du Deine Versuche anstellen willst: der Großvater ein mindestens als „verdächtig" bezeichnetes Subjekt, die Großmutter eine offenkundige Brandstifterin, — Wahrsagerin und Kartenschlägerin bis auf den heutigen Tag!"
„Und der Vater, die unbescholtene hausbackene Ehrbarkeit in Person," fiel die Prinzessin ein. „Seine überall gepriesene langweilige Tugend wird wohl den übertriebenen Lastern der andern das Gleichgewicht halten. Nein, nein, was Ihr auch immer sagen mögt, Bruno und Mathilde, und was Sie, mein treuer Kavalier, darüber denken mögen; ich bleibe bei meinem Worte, und Ihr sollt sehen, daß meine Erziehungsresultate Euere wohlgemeinten Warnungen als unbegründet glänzend erweisen werden."
„Thue, was du nicht lassen kannst," versetzte Graf Ostheim etwas gereizt. Ich habe Dir
Iuköa, Monkag, den 14. März 1898
25. Jahrgang.
land zu Maßnahmen, die seinen Handel schädigen konnten, seine Zustimmung sicher versagen würde. Später hat er die Möglichkeit zugegeben, daß Rußland an China die Forderung stelle, Port Arthur abzutreten. Daß England diesen Absichten entgegen treten wollte, hat Curzon auch nicht einmal angedeutet. Diese außerordentliche Zurückhaltung findet ihre Erklärung durch die traurige Lage, in der wohl die Armee, wie die britische Flotte sich befinden. Diese Mängel hat die englische Presse genügend erörtert und mit merkwürdiger Offenheit Schäden beleuchtet, die ein kriegerisches Eingreifen sehr bedenklich machen. Trotz der Drohungen der Londoner Blätter und der sichtbaren Gefahr, in die die Handelsinteressen Englands immer mehr gerathen, ist gleichwohl nicht darauf zu rechnen, daß die englische Regierung es wagen wird, die Russen durch Waffengewalt in ihrem Vordringen zu hindern.
Was wird die Folge dieses Vordringens sein, den das Zarenreich in Ostasien unternimmt? Vielleicht hätten die Engländer und Japaner der Sache keine ungewöhnliche Bedeutung beigemessen, wenn nur der eine Platz in Frage gekommen wäre. Aber Rußland begnügt sich nicht mit Fusan allein. Es will von China auch die vollständige Abtretung der Häfen von Port Arthur und Talienwan, und diese Verhandlungen werden mit solcher Entschlossenheit geführt, daß der ernste Wille der zarischen Diplomatie, die „vorübergehende" Besetzung dieser wichtigen Punkte zu einer dauernden und ständigen zu gestalten, für Niemand mehr ein Geheimniß sein kann. In Verbindung aber mit Port Arthur und Talienwan muß der Werth der Meer-Insel erheblich steigen. Noch sind die Berathungen zwischen China und Petersburg nicht zum völligen Abschlüsse gelangt, doch kann der Erfolg kaum mehr zweifelhaft sein. Bei dem Drucke, den Rußland auf China übt, wird letzteres schließlich nachgeben müssen. Ist aber Rußland erst der wirkliche Herrscher im Golfe von Petschili und damit in der Lage, jedem Wunsche in Peking Geltung zu verschaffen, dann kann es auch stets an der Südküste Koreas ein Kriegsgeschwader bereit halten, um Japan völlig Schach zu gebieten. Und dann ist Rußland der Herr in Ostasien geworden. Wenn England und Japan sich entschließen sollten, diesem Vordringen der Russen ein „Halt!" zuzurufen, so würde das nichts weniger als wunderbar sein.
Zunächst freilich hält sich England nothge- brungen ruhig. Aber die Sachlage kann sich ändern, wenn England seine Rüstungen beendet haben und seine Weltstellung von Rußland so scharf bedroht sehen wird, daß nur noch ein Krieg zur Abwehr ihm dienen kann.
□ Aenderung des badischen Wahlrechtes.
Die neue badische Kammer steht gegenwärtig vor der Losung ihrer bisher wichtigsten Aufgabe, nämlich vor einer Aenderung ihres Wahlverfahrens. Alle die einzelnen Parteien haben besondere Anträge dazu gestellt. Das Centrum beantragt die Einführung der direkten Wahl. Dasselbe thun die Demokraten und Sozialdemo-
meine Meinung gesagt; mag nun daraus kommen, was da will, ich wasche meine Hände in Unschuld."
„Zugestanden, lieber Bruno," lachte Prinzessin Hohenburg übermüthig. „Ich verlange nichts Besseres von Dir, als daß Du mich ruhig gewähren läßt, auf „eigene Rechnung und Gefahr", wie es in der Kaufmannsprache heißt. Aber wenn später meine und Schönbergs Hoffnungen sich erfüllen, wenn wir den aus feiner Metamorphose strahlend hervorgegangenen Schmetterling der staunenden Welt zeigen werden, dann triumphirt die instinktive Zuversicht des Genius über die hinfälligen Einwendungen des kalten Verstandes. Ist es nicht so mein lieber junger Freund?"
Der entzückte Künstler legte die rechte Hand aufs Herz und verbeugte sich gegen seine erhabene Gönnerin. Graf Hellborn spitzte die Lippen zu einem spötischen Scherze, sagte aber nichts.
Ungefähr um dieselbe Zeit, da im Salon des gräflichen Schlosses über Jnge's Zukunft verhandelt wurde, fand in der armseligen Moorhütte ein ähnliches Gespräch statt — dort bei funkelndem Lichterglanze, hier bei der kümmerlich leuchtenden Thranlampe, deren Schein die umgebende Dunkelheit des ntebern Raumes fast noch zu verdichten schien. Marrit hockte in ihrer gewöhn-, lichen Stellung vor dem Feuer, der Kater ihr zur' Seite und ihr gegenüber auf niederem Breitstuhle ihr Sohn, das müde Haupt auf die beiden Fäuste gestützt, die kurze Thonpfeife im Munde.
„Siehst Du, Geert," beendete die Alte ihre Erzählung von dem vornehmen Besuche, „daß ich Rechte hatte, wenn ich Dir sagte, unsere Inge sei
traten. Aber im einzelnen unterscheiden sich diese Anträge "von einander. Das Centrum und die demokratische Partei wollen die indirekte Wahl durch die direkte ohne Aenderung der Ver- faffung ersetzen, d. h. ohne Aenderung der bisher geltenden Grundsätze der Allgemeinheit und Gleichheit des Wahlrechtes, und ohne Minderung der Bürgschaften für den Schutz des Wahlgeheimnisses.
Die Sozialdemokraten verlangen noch außerdem Gewährung des aktiven Wahlrechtes vom 21. Lebensjahre an, Festsetzung eines Sonntages oder gesetzlichen Feiertages als Wahltag, Einführung des Grundsatzes der Proportinalwahl, also der Wahl nach dem Verhältnisse der abgegebenen Stimmen.
Die Nationalliberalen endlich wollen neben den unmittelbar gewählten Abgeordneten noch eine Anzahl von Vertretern einzelner Stände in die zweite Kammer entsandt wissen.
In der Kommission, der die Vorberathung dieser Anträge zugetheilt wurde, wurde der nationalliberale Antrag mit 9 gegen 6 Stimmen verworfen, ebenso mit 11 gegen 4 Stimmen der Antrag der Sozialdemokraten, die Wahl stets an einem Sonntage oder Feiertage vorzunehmen. Schon in dieser Verfassungskommission erhob Minister Eifenlohr Widerspruch gegen das von der Mehrheit angestrebte direkte Wahlsystem. Nichtsdestoweniger hat die Kommission dem Plenum der Kammer einen Gesetzentwurf zur Annnhme vorgeschlagen, der als oberster Grundsatz Zusammensetzung der zweiten Kammer aus Abgeordneten aufstellt, die aus der allgemeinen und direkten Wahl des Volkes hervorgehen und auf vier Jahre gewählt werden. Außerdem beantragt die Kommission, daß das neue Wahlgesetz mit dem 1. Juli 1899 in Kraft treten und mit diesem Tage das Mandat aller gegenwärtigen Abgeordneten erlöschen soll. Endlich soll nach dem Beschlüsse der Kommission das neue Wahlgesetz festsetzen, daß die Wahlen für die badische zweite Kammer in der Tageszeit von 12 Uhr Mittags bis 8 Uhr Abends stattfinden sollen.
Die Interessenvertretung neben der Volksvertretung bringen die badischen National- liberalen nicht zum erstenmal aufs Tapet. Dies geschah schon einmal vor vier Jahren. Aber schon damals konnten die Antragsteller keine Mehrheit für ihren Antrag finden. Daß dies nun jetzt bei der veränderten Zusammensetzung erst recht nicht der Fall ist, liegt auf der Hand. Dennoch versteift sich auch die badische Regierung auf diese Idee, und in diesem Sinne gab der Minister Eisenlohr bei Eröffnung der Wahldebatte in der zweiten Kammer im Namen des Gesammt- ministeriums die Erklärung ab, daß die Anträge der Kommission für die Regierung unannehmbar seien und daß die Regierung den Grundsatz der direkten Wahl nur annehmen werde in Verbindung mit der von den Nationalliberalen beantragten Interessenvertretung neben der Volksvertretung. Gleichzeitig kündigte der Herr Minister an, daß die erste Kammer und die Krone ihre Rechte wahren würden gegen die zweite Kammer, wenn diese trotz alledem die Beschlüsse der Kommission zu den ihrigen machen sollte. Diese letztere Ankündigung erfolgte, nachdem der Centrumsabge-
zu etwas Besserem bestimmt, als hier tn dem einsamen Moorland zu versauern. Hinz und ich, wir haben es von jeher gewußt, wie es kommen würde."
„Laßt das verwünschte Thier aus dem Spiele, Mutter! Ich glaube wahrlich mitunter selber, daß ein Stück des Bösen in ihm steckt, wenn ich Euch so reden höre."
Die Greisin lachte boshaft in sich hinein und streckte die Hand nach ihrem Liebling aus.
„Aber ich will Euch was sagen," fuhr Geert nach einer Pause fort, in welcher er mächtige Wolken des übelriechenden Tabaks vor sich hin geblasen hatte, „ich geb's nicht zu, daß die gnädige Frau Prinzessin meine Tochter mitnimmt."
„Wie, Du gibst es nicht zu, Geert?" fragte das Weib und richtete sich an dem neben ihrem Sesfel lehnende Stocke drohend empor.
„Nein, ich leid's nicht, Mutter, Ihr möget sagen, was Ihr wollt." Ein derber Faustschlag auf die Tischkante bekräftigte den Ernst dieser Worte. „Inge ist mein letztes Kind; ich will es mir nicht von den vornehmen Leuten entreißen und verderben lasten. Ja, wenn die gnädige Gräfin sie nehmen und eine ordentliche Dienstmagd oder auch eine Kammerjungser aus ihr machen wollte . . . aber eine Sängerin! Nie und nimmer, Mutter. Es ist genug, daß Ihr dem Peter mit Euren tollen Vorspiegelungen beinahe den Kopf verdreht und mich gezwungen habt, den Jungen fortzuschicken."
„Hinz, alter Knabe, hast Du's gehört? Dieser Schwachkopf von Dtvnn will aufsässig werden, will seinem eigenen Willen folgen und in seinem Unverstand sich selbst die Nase adschneiden!
ordnete Geistlicher Rath Wacker einen Antrag auf ein Mißtrauens-Votum gegen den Minister Eisenlohr in Aussicht stellte. Auch ist bereits der Wortlaut des gedachten Antrages auf Abgabe einer solchen Mißtrauens-Kundgebung zu Protokoll gegeben worden.
Das badische Ministerium hat also unzweifelhaft sowohl in der Verfassungs-Kommission, als auch im Plenum der zweiten Kammer selbst eine Niederlage erlitten. Daß es nun deswegen vom Platze weichen würde, ist gar nicht anzunehmen. Und somit stände das Land Baden vor einem Konflikte, wenn es nicht noch in letzter Stunde gelingt, den bestehenden politischen Gegensätzen die allzu scharfen Spitzen zu nehmen.
Deutsches Deich.
Berlin, 12. März.
X Der Kardmak-Iürkvischof vo« Ares- kau, Ar. Kopp, hat bekanntlich vor einigen Tagen eine Reise nach Rom angetreten, wie er dies auch schon in früheren Jahren um dieselbe Jahreszeit gethan hat. Einige Blätter bringen diese neueste Romreise des Herrn Kardinals mit den politischen Angelegenheiten in Zusammenhang, die gegenwärtig den Reichstag in erster Reihe beschäftigen, und bei denen namentlich die Centrumspartei stark betheiligt ist, also vornehmlich mit der Flottenvorlage. Die frankfurter Zeitung' hat sogar die ungemeine — Kühnheit, „aus (Breslauer) fürstbischöflichen Kreisen" sich schreiben zu lassen, daß „sofort nach der Ankunft des Kardinals Kopp in Rom der Vatikan Verhandlungen mit der deutschen Reichsregierung aufnehmen wird über dringende Wünsche des Centrums, deren Ergebniß entscheidend für die Flottenvorlage sein werde." Das müssen ganz absonderliche „fürstbischöfliche Kreise" in Breslau fein, aus denen diese Nachricht stammt. Es ist nämlich nicht ein wahres Wort daran; und die ganze Geschichte trägt für jeden, der den Gang der Ereignisse auch nur einigermaßen kennt, so deutlich den Stempel der Erfindung an sich, daß man sich wundern muß, wie eine Zeitung, die Anspruch auf die Eigenschaften der Intelligenz und des politischen Ernstes macht, aus diesen plumpen Schwindel hineinfallen konnte. Daß der protestantische Berliner .Reichsbote' darauf hin mit Liebenswürdigkeiten wie „vatikanischer Kuhhandel" und dergleichen um sich wirst, ist nicht weiter erstaunlich. Von dieser Seite sind wir dergleichen geschmackvolle Redewendungen längst viel zu sehr gewöhnt, als daß ihre Wiederholung unser Ge- müth irgendwie erschüttern konnte.
* Die Meralyungen der Ketttrrrnrs- fraklio« üver das Ilottengefetz geben der Presse aller Parteien Stoff zu allerlei Artikeln, in denen alles Mögliche berichtet, vermuthet und erfunden wird. Die .Koblenzer Volkszeitung' bringt nun von einem ihr nahestehenden Centrumsabgeordneten einen längeren Artikel, der zunächst die Erfindungen gewisser Berichterstatter über die Fraktionssitzungen zurückweist und dann ausführt: „Was den (erfundenen) stürmischen Verlauf der Sitzung anlangt, so könnten sich alle anderen Parteien an der überaus ruhigen und rein
Könnte es so gut haben, der thörichte Mann, könnte Fleisch und Bier und Wein — hörst du, Hinz, Wein! — in Ueberfluß bekommen, statt trockenen Schwarzbrodes und Magerkäse" — ein Blick streifte den Tisch, auf welchem noch die Reste des kärglichen Nachtessens standen —; „aber er will nicht. Mit dem Peter wäre es auch ganz anders gekommen, wenn er mich hätte gewähren lasten, statt auf die Einflüsterungen eines heuchlerischen Menschen zu Horen. Hinz, es wäre zum Verdrießlich werden, wenn es nicht gar so närrisch wäre!"
„Mutter reizt mich nicht!" rief Geert aufspringend, ich sage Euch allen Ernstes, daß ich es nicht will. Inge soll ein ehrliches Mädchen, eine unbescholtene Frau werden, wie ihre Mutter — Gott habe sie selig, meine gute Lisbeth! — es gern<fen ist."
„So, und wo hast Du die Mittel, Deine Tochter gebührendermaßen zu erziehen und auszustatten ? Hast Du vielleicht einen Topf klingender Münzen unter dem Schornstein vergraben ober einen Strumpf mit blanken Silbergulden in Deinem Strohsack verborgen? Du denkst, andere Leute seien auch solche Narren, wie Du, und heiratheten ein Mädchen ohne einen Dreier; oder meinst wohl gar, einer der erbgefeffenen Bauern aus dem Friesland werde sich seine Braut aus dieser elenden Hütte holen, ein Handwerker aus der Stadt das Bischen Mitgift begehren? Ha, ha, die Gesichter mochte ich sehen, wenn einer der He.nnings oder Kiaastens vor die Alten hinträte und erklärte, er wolle Inge Geerit zum Weibe nehmen! Aus dem Hause werfen, enterben, verfluchen träten sie ihn, und