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KuIdaerMZeitung
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M 58.
JuLöcr, Samstag, den 12. März 1898
25. Jahrgang.
Grstes Mcctt.
Deutsches Deich.
Berlin, 11. März.
X In der Sitzung, die gestern der Duudes- rath abhielt, ist die bekannte lippe'sche Thronfolge-Frage dem zuständigen Ausschüsse zur Be- rathung überwiesen worden.
* Neuerdings wird auch in Regierungs-Blättern die Annahme als wahrscheinlich bezeichnet, daß die Weuwatzke« zum Meichslage gegen Ende des Monats Juni stattfinden dürften, vorausgesetzt natürlich, daß der gegenwärtige Reichstag keines gewaltsamen Todes stirbt. Aber bestimmte Beschlüsse liegen noch nicht vor, können auch nicht vorliegen, da man das Ende „dieses Reichstages" ja eben noch gar nicht kennt.
h Zu der Angelegenheit der KrKkäruug des Avgeordnete« Dr. Lieöer in der Budget-Kommission des Reichstages wird der Korrespondenz für die Centrumspresse aus parlamentarischen Kreisen folgendes geschrieben: Sie erwähnten mehrfach die Erklärung Dr. Lieber's, die mehrfach dahin ausgelegt wurde, daß das Centrum sich mit einer einfachen Regierungs-Erklärung begnügen werde, anstatt die Grundsätze für die Deckung etwa entstehender Mehrkosten in dem Flottengesetz selbst sestzulegen. Wir finden nachträglich einen Bericht der ,Germania' wonach Herr Dr. Lieber am Samstag, d. 5.März in der Budget-Kommission des Reichstages folgendes erklärt hat: Benningen's Vorschlag erreiche nur den Ausschluß der Vermehrung der indirekten Steuern, zeige aber nicht den Weg, wie man Ersatz schaffen solle; er sei durchaus bereit, diesen Vorschlag mit seinen politischen Freunden in Erwägung zu nehmen. Sein Antrag bedeute allerdings eine Verfassungsänderung, doch sei dies nicht bedeutsam. Eine bloße Erklärung des guten Willens seitens des Reichskanzlers sei für ihn werthlos, er könne sich auf zu- fichernde Erklärungen nur einlasfen, wenn sie von sämmtlichen verbündeten Regierungen in autorisirter Form abgegeben würden; dies sei das Ae uß erste, worauf er sich einlasfen könne. Er ziehe es aber vor, feine Gedanken im Gesetz zum Ausdruck gebracht zu sehen. Die Sympathie für die Flotte, ja selbst die Er- kenntniß von der Nothwendigkeit derselben, schließe es nicht aus, daß er die von ihm verlangte Sicherheit für die Mehrbelastung haben müsse; mit dieser Frage stehe und falle die« Vorlage. Er müffe die verbündeten Regierungen auf diesen Ernst der Lage Hinweisen; die Bevölkerung werde den Widerstand der Regierungen nicht begreifen, und ihrerseits zu dem Schluffe kommen, daß die Flotienfrage nicht so ernst sei, wie man sie gemacht habe." — So weit die Zuschrift. Mehrfach ist an dieser Stelle darauf verwiesen worden, daß bis zur Erledigung der Flottenvorlage immerhin noch einige Zeit vergehen kann. Auch nach der freisinnigen Zeitung' verlautet jetzt in parlamentarischen
Kreisen, daß das Flottengesetz überhaupt vor Ostern nicht mehr zur Verhandlung im Reichstag kommen werde.
O Die Kenlrumsfraklio» des Aeichs- tages hat einstweilen ihre Berathungen über die Flottenvorlage unterbrochen. Die bayerischen Mitglieder reisen zum größten Theil nach Hause, um an den Festlichkeiten bei Gelegenheit des Geburtstages des Prinzregenten Luitpold theil- zunehmen. Es ist selbstverständlich, daß unter solchen Umständen diese Berathungen unterbrochen werden. Heute machte bei Berathung der Postdampfer-Vorlage der bayerische Centrumsabgeordnete Dr. Heim eine Anspielung auf die Flottenangelegenheit. Er meinte bei passender Gelegenheit, auf Resolutionen gebe er persönlich gar nichts. Die nächste Zeit werde überhaupt Gelegenheit bieten, Farbe zu bekennen und zu bewirken, daß wichtige Forderungen nicht in Resolutionen zum Ausdrucke gebracht werden, sondern im Gesetze selbst. Die Linke des Reichstages begleitete diese Bemerkung mit einem scharfen: „Hört, hört!" In amtlich beeinflußten Aeußerungen der Preffe wird wiederholt versichert, daß die verbündeten Regierungen den Lieber'schen Vorschlag zur Kostendeckung nicht annehmen könnten, weil derselbe „einen Eingriff in die Rechte der einzelnen Bundesstaaten bedeute". Warum man an amtlicher Stelle in Berlin gerade in diesem Punkte so zartfühlend sich gibt, ist nicht recht einzusehen, da man ja auf der anderen Seite für die berechtigten Ansprüche Bayerns auf einen eigenen obersten Militärgerichtshof bisher nicht das mindeste Verständniß gezeigt hat. Uebrigens wird halbamtlich von Neuem versichert, daß man nach wie vor an der Annahme festhält, die laufenden Einnahmen würden zur Deckung der Flottenkosten ausreichen — eine Annahme, der leider jeglicher Beweis fehlt. Der Bundesrath, so wird weiter berichtet, wird sich in einer außerordentlichen Sitzung mit den Anträgen beschäftigen, die zur Flolten-Vorlage eingebracht worden sind. Der offiziös mit dieser Nachricht verbundene Hinweis darauf, daß im Nothfalle der Reichstag ja doch sein Votum abzugeben haben würde zur Frage der Kostendeckung, ist vollkommen bedeutungslos, denn auf eine Genehmigung der Flottenvorlage ohne vorher erfolgte feste Bestimmung über die Kostendeckung hat die Reichsregierung auf keinen Fall zu hoffen.
* Der Gesetzentwurf über dasDieust- einkommen der Geistliche» wird, wie der ,Germania' berichtet wird, um die Mitte nächster Woche im Abgeordnetenhaus eingebracht werden.
Aus dem Reichstage.
•O 60. Sitzung vom 11. März 2 Uhr.
Am Bundesrathstische: Die Staatssekretäre Graf Posadowsky, Nieberding, v. Podbielski.
Die 2. Berathung der Novelle zum poftdampfer- Hesetz wird beim ß 1 fortgesetzt: Erhöhung der Subvention um Vi Millionen Mark für die Einrichtung 14tägiger Fahrten nach China.
Abg. Dr. Kammacher (natlib.): Abg. Molkenbuhr hat es gestern fa dargestellt, als komme die Subvention nur einer großen Gesellschaft bezw. ihren Aktionären zu Gute. Diese Annahme ist aber durchaus irrig.
Abg. Dichter (frf. Vp.): Meine Freunde halten sich nach wie vor ablehnend gegenüber der Vorlage. Wir
Wegr iitifo Ziele.
Roman von A. Jüngst.
9 ------ (Nachdruck verboten.)
5.
„Ich begreife nicht, Sarolta, wie Du den unsinnigen Gedanken ausführen und das verrufene Weib am Erlenweiher aufsuchen konntest," sagte Graf Oftheim verdrießlich, als die Prinzessin, von ihrem Ausfluge heimkehrend, ihm und seiner Gattin das Ergebniß desselben mittheille. „Wirklich, ich hätte Dich für vernünftiger gehalten."
„Ich sehe nichts Unvernünftiges darin," versetzte die Gescholtene, sich behaglich in den Schaukelstuhl zurücklehnenv und die zierlichen Füße kreuzend. „Ich finde ein absonderliches Mädchen mit einer noch absonderlicheren Stimme, welche nach dem Urtheil eines Sachverständigen" — sie nickte dem jungen Tonkünstler zu — „der höchsten Ausbildung fähig ist, und setze es mir in den Kopf, das Gold dieser Kehle von den Schlacken zu sondern. Wenn es sich nachher herausstellt, daß ich mich geirrt, daß das Vögelchen, welches ich vor der Zeit aus dem Neste genommen, statt zum Falken zum gemeinen Sperling heranwächst, so mag es zurückflattern unter das heimathliche Dach, oder, falls es mir und ihm so beliebt, in meinen Diensten bleiben. Wie viele Damen meiner Bekanntschaft erziehen sich nicht aus einem zufällig angenommenen Kinde eine treffliche Haushälterin oder Kammerjungfer? Ich wüßte nicht, warum mir deswegen der Vorwurf gemacht werden sollte."
„Nicht Unvernunft, durchlauchtigste Prinzessin, aber Laune, sagen wir Laune," fiel Graf Hellborn lächelnd ein. „Uebrigens, lieber Graf, Sie haben viel verloren. Das alte Weib war superbe, die reine Fürstin in Lumpen. Unser guter Amtshauptmann kam mir ganz klein und zusammengeschrumpft vor, diesem hochfahrenden Bettlerstolz gegenüber."
„Ja, der Amtshauptmann hätte ihr gern etwas am Zeuge geflickt," lachte Prinzessin Sarolta, „aber die Alte war schlau, sie ließ sich nicht fangen. Der Verdruß des gestrengen Herrn war eigentlich köstlich anzusehen."
„Ich würde nichts gegen Dein Vorhaben einzuwenden haben, Sarolta," mischte die Gräfin sich ins Gespräch, „wenn das Mädchen selbst mir einen besseren Eindruck gemacht hätte."
„Dann würde ich sie wahrscheinlich in ihrer Höhle stecken, beim Schafehüten, Kochen und Flicken gelassen haben," entgegnete die Prinzessin mit leichtem Spott. „Gerade die Eigenart des Mädchens fesselte mich. Solch' ein Feuer, solch' ein Trotz, ein wahrer Sprühteufel! Der wohlerzogenen Kinder haben wir genug; sie sind gut und bequem, aber auch herzlich langweilig."
„Ich danke Dir in Loras Namen," unterbrach Graf Ostheim. „Du hast wohl in erster Linie an sie gedacht."
„Aber Bruno, ich bitte Dich! Lora kommt hier ja gar nicht in Betracht. Lora ist eine Ostheim, bei ihr ist das Erbe des Blutes entscheidend, sie würde niemals anders denken und handeln, als es den Traditionen ihres Geschlechtes geziemt. Und überdies," fuhr die Prinzessin mit einem etwas gezwungenen Lachen fort, „würdest
betrachten dieselbe lediglich vom Standpunkte der Zweckmäßigkeit, nicht vom nationalen Standpunkte aus. Wir unterschätzen nicht den Werth der Verbindung mit überseeischen Ländern, aber wir meinen, solche Verbindungen zu schaffen, muß Sache der Privatunternehmer bleiben. Die Post gibt der kürzeren Verbindung über Amerika den Vorzug. Nach Fertigstellung der sibirischen Bahn, wird diese meiner Ansicht nach die große Mehrzahl der Güter nach Ostasien befördern. Wir thäten gut, mit dem ganzen Subventionssystem endlich zu brechen.
Graf posadowsky: Ich habe bereits in der ersten Lesung erklärt, daß eine billigere Beförderung von Ausländern im allgemeinen nicht zugelassen ist. Es darf keine Bevorzugung von Ausländern vor Inländern eintreten.
Abg. Dichter: Ich muß feststellen, daß man von England aus billiger nach Ostasien fahren kann, als von Bremen aus; das Rabattsystem komrflt also den Ausländern, den Reichsangehörigen gegenüber zu Gute.
Damit schließt die Diskussion; § 1 wird angenommen gegen die Stimmen der freisinnigen Volkspartei und der Sozialdemokraten; ebenso debattelos § 2 und § 3.
Als § 4 hat die Kommission die Bestimmung in das Gesetz eingefügt, daß die Dampfer für die ostasiatische Linie abwechselnd von Bremen und Hamburg ausgehen müssen.
Abg. Mokkenvuhr (Soz.) beantragt dazu einen Zusatz, durch den der Unternehmer verpflichtet werden soll, für die Ausfahrt der Dampfer so viel weiße Schiffs- jeute anzumustern, als die Dampfer nach dem v m Reichsamt des Innern herausgegebenen Handbuch für die deutsche Handelsmarine an Besatzung nöthig haben sollen.
Auf Antrag des Abg. Freiherrn v. Stumm (Rchp.) werden in Verbindung damit die von der Kommission beantragten Resolutionen berathen.
Staatssekretär Graf posadowsky bittet dem Antrag Molkenbuhr keine Folge zu geben. Die Regierung sei so wie so bemüht, die Verwendung farbiger Mannschaften aus das Aeußerste zu beschränken.
Abg. Dr. Keim (Ctr.) beantragt zu § 4 folgenden Zusatz: Der Unternehmer ist zu verpflichten, als Rückfracht nach europäischen Häfen Getreide-, Fleisch- und Molkereierzeugnisse nicht zu befördern. Redner hält es für wichtiger, diese wichtigen Ford.'rungen direkt in das Gesetz aufzunehmen. Auf Resolutionen gebe er persönlich gar nichts: Die nächste Zeit werde Gelegenheit bieten, Farbe zu bekennen und wichtige Forderungen nicht in Resolutionen zum Ausdruck zu bringen, sondern im Gesetze selbst. (Hört, links). Er bitte deshalb, seinen Antrag anzunehmen. Er werde mit einem Theil seiner bayerischen Freunde auch für den Antrag Molkenbuhr stimmen.
Abg. Dr. v. Levetzow (kons.) beantragt, in dem Antrag Heim auch' die Wolle aufzunehmen und zwar hinter dem Worte: „Fleisch". — Die Landwirtschaft hat von der Vorlage keinen Vortheil, da sollte man aber doch Wenigstens verhindern^ daß sie ihr Schaden zufügt. Redner stimmt deshalb dem Anträge Heim zu.
Abg. Freiherr v. Stumm erklärt, der Antrag Heim sei für ihn völlig unannehmbar.
Staatssekretär Graf posadowsky warnt davor, im Interesse der Landwirthschaft Mittel zu ergreifen, die ihr nichts nützen können. Deutschland könne seinen Bedarf an Wolle bei Weitem nicht selbst decken. Vom Auslande gehe aber nur ein ganz kleiner Theil der nöthigen Zufuhr über die subventionirten Linien ein. Mit Maßnahmen, wie sie hier vorgeschlagen sind, nützt man der Landwirthschaft gar nicht, man beunruhigt dagegen die Industrie. Damit fördert man aber nicht die Politik der Sammlung für die doch auch die Landwirthschaft die Hand zu bieten entschlossen sei. Ich bitte deshaib dringend, lediglich die von der Kommission be- a ckragte Resolution anzunehmen, eventuell in einer vom Grafen zu Inn und Kuyphausen beantragten geänderten Fassung.
Abg. Graf zu In» und Knyphansen (kons.) beantragt für die Resolution der Kommission folgende Fassung: Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, mit dem Norddeutschen Lloyd eine Vereinbarung dahin zu treffen, daß der Reichskanzler die Befugniß erhält, landwirth- schaftliche Produlte, welche mit denen der deutschen Landwirthschaft konlurriren, von der Einfuhr durch die subventionirten Dampfer nach deutschen, belgischen und holländischen Häsen auszuschließen.
Du oder Mathilde mir Euer Kind zur Erziehung anvertrauen?" Sie blickte fragend vom Bruder auf die Schwägerin. „Aha, Ihr schweigt: aber Schweigen ist -auch eine Antwort. Nun also, da der Himmel eigene Kinder mir versagt hat und eine Tochter meines Hauses mir verweigert wird, warum soll ich da nicht einer augenblicklichen Eingebung folgen, selbst wenn es nur eine Laune wäre?"
„Eine Laune, ja, aber eine edle, eine schöne Laune, hervorgegangen aus dem besten, zartesten Herzen!" rief der Künstler begeistert. „Inge Gerrit, das Kind der Dünen, wird Durchlaucht den Dank eines ganzen Lebens dafür weihen."
„Oder auch nicht," meinte Hellborn, der bedenklich den Kopf schüttelte. „Ich glaube, das schwarzhaarige, gluthäugige Ding hat verzweifelt wenig Anlage zur Dankbarkeit. Verzeihen Sie, Durchlaucht, und Sie, mein junger Freund, daß ich die Sache mit nüchternen Augen ansehe und Ihren Enthusiasmus mit der Erfahrung des Weltmannes dämpfe. Das Leben hat mich eine gewisse Vorsicht gelehrt, vor welcher die Ideale meiner Jugend nicht standgehalten haben. Ich glaube nicht, daß Sie Freude an Ihrem Schützling erleben werden, Prinzessin.".
„Hellborn, auch Sie gehen mit fliegenden Fahnen zum Feinde über?" rief diese und runzelte unmuthig die feinen Braunen. „Ich hätte geglaubt. Sie würden als echter Kavalier zu mir stehen in Noth und Tod."
„Thue ich auch, Durchlaucht, und eben darum kann ich nicht anders, als Sie warnen vor dem Experimente, welches Sie machen wollen. Das Mädchen ist der wilde Schoß eines wilden Ge-
Abg. v. pköh (kons.) kann sich von der Annahme bloßer Resolutionen für die Landwirthschaft nichts versprechen. Dabei werden oft die Wünsche des Reichstags ganz anders erfüllt, als man meint. So bei der Bäckerei- verordnung und dem Margarinegesetz. Die Landwirthschaft stimme für das Gesetz, obwohl es ihr keinen Vortheil bringe. Die Landwirthschaft wolle auch keinen Schaden haben. Deshalb müsse Vorsorge getroffen werden gegen den subventionirten Preisdruck fremder landwirthschaftlicher Erzeugnisse. Wir werden deshalb für die Anträge Heim und Levetzow stimmen.
Staatssekretär Graf posadowsky erwidert, die Zahl der Resolutionen des Reichstages, denen der Bundesrath in den letzten Jahren Folge gegeben habe, sei doch eine sehr große. Würde er sie nur aufzählen, so würde dem Hause angst und bange werden von der vielen Regiererei. Redner bittet das Haus, sich auf die Resolution der Kommission oder auf die Resolution Inn und Kuyphausen zu beschränken.
Abg. Hraefe (Reformp.) erklärt, seine Freunde würden für den Antrag Heim und Levetzow stimmen. Bloßen Resolutionen könnte man keine Bedeutung mehr zumessen. Die Regierung habe nicht bewiesen, daß es ihr Ernst sei mit dem Schutz des kleinen Mannes.
Abg. Wünch-Ierver kann in dem Antrag Levetzow nichts sehen, das zum Schutz der Landwirthschaft Dienen könnte. Er bittet das Haus, lediglich die Resolution anzunehmen.
Präs. Frhr. v. Duok theilt mit, daß über den Antrag Molkenbuhr namentliche Abstimmung beantragt ist. Ebenso wird namentliche Abstimmung beantragt über den Antrag Levetzow.
Der Antrag Molkenbuhr wird mit 172 gegen 39 Stimmen abgelehnt, ebenso der Antrag Levetzow mit 157 gegen 47 Stimmen. Auch der Antrag Heim wird ab gelehnt und darauf ^unverändert angenommen.
Die Resolution des Abg. Graf Inn- und Knyphausen und die Resolution der Kommission über die Verwendung farbiger Schiffsleute werden angenommen.
Die Kommission beantragt schließlich noch eine Resolution : Der Reichskanzler wolle dahin wirken, daß die Erhebung von Schifffahrtsgebühren auf dem Main unterbleibt. Die Resolution wird nach kurzer Debatte angenommen, nachdem die Centrumsabgeordneten Müller-Fulda und Dr. Heim dafür eingetreten sind.
Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr. (Militär-Straf- gerichts-Ordnung.)
Schluß 6'/s Uhr.
Ans dem Landtage.
>0? Abgeordnetenhaus. —44. Sitzungv. 11. März 11U.
Am Ministerlische: Kultusminister Dr. Bosse.
Die Berathung des Kultus eta ts wird beim Kapitel „Universitäten" fortgesetzt.
Abg. Frhr. v. Zedlitz ffrkf.) wünscht eine Vermehrung der Ordinariate für Nationalökonomie und Staatswissenschaften und Zulassung vyn Vertretern möglichst aller Richtungen zu den Lehrstühlen, ferner befürwortet Redner die Vereinigung der nationalökonomischen und staalswissenschaftlichen Lehrstühlen mit der juristischen Fakultät. Die Berufung eines im Richteramte stehenden Mannes aus einen nationalökonomischen Lehrstuhl könne er nicht billigen, man solle Männer aus dem praktischen Leben berufen. '
Geheimrath Akthost verweist darauf, daß schon in dem diesjährigen Etat Neuforderungen für neue Lehrstühle in den Staatswissenschaften eingestellt sind. Männer aus dem praktischen Leben seien in zwei Fällen auf nationalökonomische Lehrstühle berufen worden. Die letzte Berufung habe aber außerordentlich viel Staub aufgewirbelt. Man werde also auch hier in Zukunft mit größter Vorsicht verfahren müssen.
Abg. Dr. pirchow (fff. Vlp.) spricht sich gegen die Einrichtung von f»genannten Volkshochschulkursen in enger Verbind, ng mit den Universitäten aus. Weder die vorhandenen Auditorien, noch die Lehrerkräfte würden für größere Massen von Hörern ausreichen und die Fakultäten würden in die größte Verlegenheit gerathen. Redner beschwert sich schließlich über die Neuregelung der Profefforengehälter, bei Denen namentlich die Extraordinarien zu kurz gekommen seien.
schlechtes, ausgewachsen in schrankenloser Freiheit und genährt von den phantastischen Ideen der Großmutter, deren Zigeunerblut sich in den Adern der Kleinen rührt. Die Sache ist mindestens bedenklich."
„Hellborn hat Recht," fiel Graf Ostheim ein. „Bedenke wohl, welche Gefahr Du läufst mit Deinem Erziehungsversuche."
„Ach was, ich begreife nicht, daß ihr alle so viel Aufhebens von einer ganz einfachen Sache macht. Durch das viele Reden fängt sie wahrlich an, mir überdrüssig zu werden. Ich könnte beinahe mich versucht sühlen, mein Vorhaben fallen zu lassen, wenn nicht in gewissem Sinne meine Ehre dabei betheiligt wäre. Denke Dir, Bruno, dieses garstige Weib, das sich nicht scheut, sich offen als Brandstifterin zu bekennen, behauptet, einen triftigen Grund zu ihrem Hasse gegen unsere Familie zu haben. Wenn ihre verworrenen Reden über eine aus Liebe zu unserem Vater vor Gram gestorbene Tochter auch nur Faseleien des Alters waren, so soll sie doch nicht zum zweitenmale sagen, daß die Ostheims ihr etwas schuldig geblieben seien. Erinnerst Du Dich des Brandes von 1825 und der damals umlaufenden Gerüchte?"
„Du traust meinem Gedächtnisse zu viel zu, Sarolta," antwortete der Graf mit ernstem Blicke. „Ich war zu der Zeit ein Bube von fünf Jahren und weiß nur, daß ich Nachts plötzlich aus dem Schlafe geweckt wurde und zu meinem Entsetzen das Zimmer von Flammen erleuchtet sah. Das Feuer war auf. unbegreifliche Weise in einem über dem Kinderzimmer gelegenen unbenutzten Raume ausgebrochen und würde vielleicht das