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KuldaerMZeitung
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mit Nnterhaltungs-Meitage „Mustrirte Sonntags-Zeitung" petersgaft'e tlr. i (Darmonie).
Julöa, Freitag, den 11. März 1898
25. Jahrgang
Flottenvorlage und Centrum.
Am Montag und am Dienstag hat sich die Centrumsfrattion des Reichstages in Fraktionssitzungen mit der Flottenvorlage beschäftigt. Beide Sitzungen waren sehr gut besucht, namentlich aber die Sitzung am Dienstag, an der etwa 80 Mitglieder der Fraktion theilgenommen haben. An beiden Abenden ist es zu bestimmten Be- schlüffen nicht gekommen. Vielleicht wird das von sensationslüsternen Blättern und von besonders guten „Freunden" des Centrums so aus- gebeutet, daß man als Grund dafür bedeutende Meinungsverschiedenheiten angibt, die innerhalb der Fraktion über die Stellung derselben zu dem Flottengesetze bestehen. Man kann niemand hindern daran, das zu thun. Aber wer auf solchen Vermuthungen seine Politik aufbauen will, wird später finden, daß er sich eine sehr schlechte Grundlage ausgesucht hat. Das Centrum will vielmehr in der Behandlung der Flottenvorlage so vorsichtig wie möglich vorgehen, und es will eine weitere Klärung der ganzen Sachlage abwarten, ehe es eine bestimmte Stellung zu dieser Vorlage einnimmt, die eine so hohe politische Bedeutung erlangt hat.
Die Verhandlungen der beiden Fraktionsabende sind in aller Ruhe und Sachlichkeit verlaufen, und ihr Ergebniß kann man dahin zu- sammenfasfen, daß der Wunsch nach einer allgemeinen Einigung der Anschauungen während dieser beiden Abende noch erheblich stärker zum Ausdrucke gekommen ist, als dies schon vorher der Fall war. Es ist aber nicht bei dem Wunsche allein geblieben. Auch die gute Aussicht auf befriedigende Lösung der Fragen hat durch die beiden letzten Fraktionssitzungen eine ganz erhebliche Stärkung erfahren.
In Blättern anderer Parteien ist die Ver- muthung ausgesprochen worden, daß am Ende das Centrum zufrieden sein wird, wenn der Reichskanzler eine Erklärung abgibt, daß die kleinen und mittleren Steuerstufen nicht zur Deckung von Mehrkosten herangezogen werden sollen, die aus der Bewilligung der Flottenvorlage entstehen könnten — etwa so, wie ehedem der Reichskanzler eine Reform des militärischen Strafprozesses oder die Aufhebung des Verbindungsverbotes für Vereine dem Reichstage in Aussicht gestellt hat. Davon kann jedoch keine Rede sein. Als Dr. Lieber in der Budgetkommission des Reichstages für einen etwa möglichen äußersten Fall von einer Verständigung zwischen Regierung und Reichstag außerhalb des Rahmens des Gesetzes sprach, hat er auf keinen Fall an eine solche einfache Erklärung des Reichskanzlers gedacht. Bei der Erwägung solcher Möglichkeiten haben die Vertreter des Centrums in der Budgetkommission des Reichstages nur bindende Erklärungen im Auge gehabt, die alle verbündeten Regierungen gleichmäßig und fest dazu verpflichten müßten, daß aus der Deckung nicht neue Steuerlasten erwachsen für die kleineren Steuerzahler.
Die konservative Preffe verhält sich zum größten Theile ablehnend gegen die Lieber'schen Vorschläge zur Kostendeckung. Eine Ausnahme davon macht das leitende Organ des Bundes der
Wege rmd Ziele.
Roman von A. Jüngst.
8 ------ (Nachdruck verboten.)
„Womit kann ich der schönen Dame dienen?" wandte sich Frau Gerrit knixend an Prinzessin Sarolta. „Wollen Euer Gnaden nicht Platz nehmen, da Sie doch einmal meinem niederen Dache die Ehre Ihrer Gegenwart geschenkt haben ?"
„Ich danke, ich bin nicht müde," lächelte die Angeredete. „Ich bin nur gekommen, um mit Euch über Eure Enkelin zu sprechen. Inge hat eine ungewöhnlich schöne Stimme ..."
„Eine Stimme wie eitel Glockenklang," nickte die Großmutter, und ein Aufieuchten ging über die verwitterten Züge. „Bei Jnge's Gesang müssen, wie bei David's Harfenspiel, die bösen Geister weichen."
„Beim Zeus, das Weib hat Poesie," flüsterte Graf Hellborn dem aufmerksam lauschenden Musiker zu. „Nur hat die Erscheinung eine fatale Aehnlichkeit mit der Hexe von Endor. Finden Sie nicht auch, Schönberg?"
„Ich glaube gern," fuhr die Prinzessin etwas ungehalten über die Unterbrechung fort, „daß die Stimme Eurer Enkelin Euch Freude macht. Aber was soll sie ihr nützen in diesem weltverborgenen Winkel? Niemand wird sie hören, Niemand sie würdigen, und Inge wird schließlich als das Weib eines Torfgräbers in Armuth verkommen."
„So, und wer ist denn schuld an unserer Armuth, unferm Elend? Wer hat mich gemacht zu dem, was ich bin?" schrie die Alte plötzlich mit gellender Stimme.
Landwirthe, die.Deutsche Tageszeitung'. Diese gibt ihrer Ansicht dahin Ausdruck, daß mit der bloßen Ablehnung der Lieber'schen Vorschläge wenig gethan sei. „Wir würden es," so schreibt die ,Deutsche Tageszeitung', „lebhaft bedauern, wenn die konservativen Parteien sich mit der bloßen Ablehnung begnügten und so dem Zentrum es leicht machten, sich als die Partei hinzustellen, die allein den Versuch gemacht hat, die Kosten auf die tragfähigen Schultern zu legen. . . . Darüber darf man sich jedenfalls nicht täuschen, daß derGrundgedankedesLieber'- schen Vorschlages überall in den Kreisen des Mittelstandes Zustimmung findet. . . .In ihrem eigenen Interesse möchten wir den uns befreundeten Parteien rathen, sich nicht auf eine Ablehnung des Lieber'schen Vorschlages zu beschränken, sondern möglichst die ihm entgegenstehxnden Bedenken zu beseitigen und ihn annahmefähig zu machen.
Wunderlich genug stellt sich diejenige Presse an, die vornehmlich die Interessen der großkapitalistischen Kreise der Industrie und des Handels vertritt; also die nationalliberale und die freikonservative Presse. Unmittelbar gegen den Gedanken will sie nicht ankämpfen, daß die Lasten auf die tragfähigen Schultern der Groß- kapitaliften gelegt werden. Da wäre die eigentliche Absicht doch gar zu deutlich bloßgelegt. Vielmehr stellt sich diese Presse so an, als käme es jetzt darauf an, die Selbstständigkeit der einzelnen Bundesstaaten vor dem Centrum zu schützen. . . .Die Spekulation auf die gewisfen Leute, welche niemals alle werden, ist aber gar zu plump, als daß Jemand darauf hineinfallen könnte.
Deutsches Deich»
Berlin, 10. März.
h Obwohl amtlich und kürzlich auch noch halbamtlich geleugnet wurde, daß eine Meise des Kaisers «ach Makästiua beabsichtigt sei, bringen mehrere Blätter bereits ganz genaue Angaben über das vermuthliche Reifevroaramm. Die Reise, so wird in Bestätigung früherer Meldungen berichtet, soll im Herbst dieses Jahres stattfinden. Die Zeit dafür soll möglichst knapp bemessen sein, so daß die Reise im ganzen genommen etwa nur 3 Wochen in Anspruch nehmen soll. Die Kaiserin und die beiden ältesten Prinzen sollen neuesten Bestimmungen zufolge die Reise nicht mitmachen, da dieselbe infolge eben der knapp zugemessenen Zeit vermuthlich recht anstrengend Ausfallen und namentlich auch lange Wege zu Pferde nöthig machen wird. In Palästina werden auf Weisungen aus Konstantinopel hin bereits alle Vorbereitungen für einen würdigen Empfang des Kaisers getroffen.
* Der Muvdesraltz hat heute eine Plenarsitzung abgehalten.
* Staatssekretär v. Mirkorv ist an der Grippe erkrankt und muß zunächst das Bett hüten. Es handelt sich nur um eine leichte Erkrankung.'
* Der preußische Kultusminister Dr. Masse soll sich angeblich mit Rücktrittsgedanken beschäftigen. Wir hätten nichts dagegen einzuwenden, wenn Herr Dr. Bosse das preußische
Die gebrochene Gestalt hatte sich unwillkürlich höher aufgerichtet, die funkelnden Raubvogelaugen schossen Blitze. Wie elektrisirt von dem Tone seiner Herrin war auch der Kater bei dem ersten heftigen Worte aus seinem schnurrenden Behagen aufgestört und fuhr nun fauchend auf den zunächst stehenden Amtshauptmann los.
„Haltet die Bestie, verrückte Närrin!" rief dieser entrüstet und wehrte das Thier von sich ab. „Ich bitte Sie, Durchlaucht, lassen Sie uns diesem verrufenen Hause schleunigst den Rücken kehren."
„Noch nicht," versetzte Prinzessin Sarolta, das schöne Haupt erhebend und der Alten festen Blickes in das wuthverzerrte Gesicht schauend. „Ich bin hergekommen. Euch und Eurer Enkelin eine Wohlthat zu erweisen, nicht mir Beleidigungen entgegenschleudern zu lassen. Bei Eueren Worten fällt mir eine alte vergessene Geschichte ein, die zwar schon vor meiner Geburt sich zugetragen hat, mir aber mehr als einmal von den alten Dienern unseres Hauses erzählt worden ist. Ihr seid es gewesen, Ihr und Euere Helfershelfer, welche vor Jahren Feuer an das Schloß meines Vaters gelegt, und Eurem Verdienst ist es wahrlich nicht zuzuschi eiben, daß meine Eltern mit dem Leben davongekommen sind. Was haben wir Euch und den Euern gethan, daß Ihr uns mit solchem Hasse verfolget?"
„Was?" fragte die unter der Wucht ihrer Leidenschaft erbebende Alte mit heiserer Stimme. „Was? Mein Herzblut habt Ihr mir ausgesogen, die Seele mir vergiftet Ha, war nicht meine Inge — nicht meine Enkelin, meine Tochter — die braune Inge vom Moor, eben so gut wie
Kultusministerium verließe. Aber augenblicklich ist nicht anzunehmen, daß die Gerüchte von seiner Amtsmüdigkeit thatsächlichen Hintergrund haben.
ff Der ,Post' zufolge trifft die Nachricht der ,Freis.Ztg.' nicht zu, daß die ZleurvaHken zum Reichstage in der Zeit zwischen dem 15. Juni und dem l.Jnli und die Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause im Herbste stattfinden sollen, lieber den Zeitpunkt der Neuwahlen soll nach der,Post' noch gar fein Beschluß gefaßt worden fein. Dieses hin und her der Meldungen ist kennzeichnend für die ganze politische Sachlage. Die ,Freis. Zig.' möchte gern glauben machen, daß die Regierung gar nicht mehr mit einer Auflösung des Reichstages rechnet wegen der Flottenvorlage, daß sie vielmehr sogar bestimmte Zeitpunkte für die Neuwahlen im voraus angesetzt hat. Der Regierung aber sind derlei Nachrichten unangenehm und deswegen beeilt sie sich, sie richtig zu stellen. Das Centrum kann der Entwickelung der Dinge mit großer Ruhe entgegensehen, so lange an seinen festen Mauern alle die Versuche abprallen, durch die Flottenvorlage Zwietracht in feine Reihen zu tragen.
X Mit augenscheinlichem Vergnügen hatten liberale und andere Blätter, die dem Centrum abhold sind, die Nachricht verbreitet, daß die vielen Mole», die im Bochumer Revier angesiedelt sind, nicht mehr für den Kandidaten des Centrums stimmen, sondern einen eignen Kandidaten aufstellen wollten. Die Nachricht ist aber unrichtig. Die Polen dort werden, wie der ,Germania' mitgetheilt wird, auch diesmal ihre Stimmen für den bisherigen Vertreter des Wahlkreises, den Centrumsabgeordneten Fuchs abgeben.
(*) Eine interessante Statistik über die Zahl der Ausländer im deutschen Meiche enthält das neueste Heft der Vierteljahrhefte zur Statistik des deutschen Reiches. Danach wurden zuletzt 486 190 fremde Staatsangehörige ermittelt, 270 908 männliche und 215 282 weibliche. Den größten Beitrag zu dieser Ziffer stellt Oesterreich- Ungarn. Allein 222 952 unter allen diesen Ausländern gehören unserem österreichischeü Nachbar? ftaate an. Aus nicht europäischen Landern stammen im ganzen 20 204 Personen in Deutschland, darunter gehören allein den Vereinigten Staaten von Slorbamerifa 15 788 Personen an.
* Eine sehr wichtige wirthschaftliche Frage ist die Ileischversorgnng des Keeres Wenn es möglich wäre, den Fleischbedarf des Heeres unmittelbar von dem Fleischerzeuger, dem Landwirthe, zu beziehen, so würde man damit ein weiteres Mittel gefunden haben, die Landwirth- schaft zu unterstützen, ohne andere Erwerbsstände zu schädigen. In Bayern ist man nunmehr dieser Frage näher getreten. Man beschäftigte sich mit ihr in der letzten Sitzung des bayerischen Landwirthschaftsraths. An der Debatte beteiligte sich auch Prinz Ludwig, der sich für die Durchführung eines Versuches aussprach. Im Interesse der Landwirthe — so führte der bayerische Thronfolger aus — liege es, das Fleisch möglichst teuer zu verkaufen; die Armee dürfe aber nicht dadurch geschädigt werden, daß ihr das Fleisch teurer gegeben werde, als sie es bisher bezogen habe. Das Militär solle nicht
die hochgeborenen Fräulein vom Graftuschlosse? Und wenn der gnädige Herr über die Haide ritt und am Weiher anhielt — damals war das Haus nicht so verfallen wie jetzt, ich war noch jung und liebte die Sauberkeit — oder in den Dünen umherschweifte und freundlich mit Inge redete, warum sollte sie ihr Herz gegen ihn verschließen ? Warum sollte sie nicht so gut wie eine vornehme Dame, die Gemahlin des Grafen von Ostheim werden können, wie andere vor ihr? Sie hätte Leben und Seligkeit für den Grafen Herbert dahingegeben; und er? Er war eines Tages auf und davon, und als er wiederkam, brachte er eine junge Frau mit, eine ungarische Gräsin, die häßlich war wie die Nacht, an deren sechszehn Ahnen aber nicht ein einziger fehlte."
Die Stimme der alten Frau war schwächer und schwächer geworden; mit abwesendem Blicke starrle sie vor sich hin und schwieg.
Erst nach einer Weile hob sie von neuem an: „Die Thränen meines Kindes sind mir auf's Herz gefallen und haben alles Leben darin vernichtet. Inge wurde weißer mit jedem Tage, so weiß wie die bleiche Wasser-Rose auf dem Weiher. Als sie sich dann langsam zu Tode gegrämt hatte und wir sie hinaustrugen auf den Kirchhof von Hörsum, da habe ich ihnen geflucht, geflucht den Reichen, Mächtigen, Glücklichen allen!"
„Und seid zur gemeinen Brandstifterin geworden !" sagte der Amtshauptmann verächtlich, während Hellborn murmelte: „Parbleu! immer die alte Geschichte: ein freundliches Lächeln des hohen Herrn verrückt dem einfältigen Landmädchen den Kopf!"
Nur die Prinzessin von Hohenburg und der
selbst schlachten, sondern die Landwirthe sollten schlachten, und der Verkauf auf genossenschaftlichem Wege betrieben werden, es werde sich dann ein Vortheil für die Armee ebenso, wie für die Landwirthschaft ergeben. Die Worte des Prinzen blieben nicht ohne Erfolg. Für die Ausführung des Versuches wurde eine Kommission gewählt, die mit den Vertretern der König!. Militärverwaltung in Verbindung treten wird. Die Angelegenheit verdient jedenfalls genaueste Beachtung. Wenn'der Versuch in Bayern zu guten Ergebnissen führt, so sollte man ihn möglichst bald auch im übrigen Deutschland nachmachen.
x Innerhalb des rheinisch-westfälischen Verbandes der evangelischen Arbeitervereine bekämpfen jetzt einander zwei Richtungen. In diesen Tagen hat nun eine Sitzung des Ausschusses des genannten Verbandes stattgefunden, und die Folge dieser Sitzung wird wahrscheinlich sein, daß der Verband in zwei ganz getrennte Lager sich spaltet. Wir wissen zwei, die sich darüber freuen werden: auf der einen Seite Freiherr v. Stumm und auf der andern Seite die Sozialdemokraten. Jeder aber, der nicht auf ganz einseitige Gesichtspunkte verrannt ist, wird diesen Zwischenfall nur aufrichtig bedauern. Wer hat schon je etwas davon gehört, daß innerhalb der viel älteren katholischen Arbeitervereine derlei Zwistigkeiten Vorkommen? Aus diesen Thatsachen sollte auch die Regierung die richtigen Schlüffe ziehen: die „religiösen Mächte", die Staatssekretär Graf von Posadowsky jüngst zum Zusammen- schluffe und zum erfolgreichen Kampfe gegen die Sozialdemokratie auf rief, sie sind fast nur in dem einheitlich geschlossenen katholischen Lager zu finden. Aber es wird wohl noch geraume Zeit vergehen bis zu dem Tage, an dem auch die Regierung in dem „protestantischen Berlin" zu der richtigen Anschauung über diese Dinge gelangen wird.
* Detmold, 10. März. Die Lippe'sche Regierung hatte für den Religionsunterricht der katholischen Schüler des Gymnasiums in Detmold dieses Jahr — und zwar zum allerersten Male! — den Betrag von 300 Mark in den Etat eingestellt. Der Minister von Miesitscheck trat wiederholt mit Wärme für die Bewilligung der Summe ein. Aber der Landtag lehnte die Forderung dennoch mit großer Mehrheit ab. Die sogenannten „Freisinnigen" halfen wacker mit bei der Ablehnung. Ihr Führer, der Rechtsanwalt Afemissen, meinte recht drastisch, die katholischen Schüler des Gymnasiums könnten die Kosten des katholischen Religions-Unterrichtes aus — eigenen Mitteln bestreiten! Von Staatswegen wird von den katholischen Abiturienten des Gymnasiums verlangt, daß sie bei der Reifeprüfung auch ihre Kenntniß in der Religion nachweisen. Von Staatswegen muß ihnen also auch Gelegenheit gegeben werden, diese Kenntniß zu erwerben. Das Heldenstücklein der lippe'schen Landtagsmehrheit zeugt also nicht nur von schreiender Unduldsamkeit gegen die Katholiken, sondern ist auch ein trauriges Armuthszeugniß für ihr politisches Denkvermögen.
* Münster, 10. März. In seiner heutigen Sitzung bewilligte der Provinziallandtag für Westfalen 100 000 Mark zur Kultivi-
junge Musiker schauten ergriffen und mit wirklicher Theilnahme aus die Greisin, welche sich zu ihrem Liebling herabgebeugt hatte und dem Kater, der sich an sie schmiegte, mit der welken Hand über den Rücken fuhr.
„Hinz versteht mich, Hinz weiß, was ich gelitten Ich habe es ihm so oft vorerzählt, daß er alles, Wort für Wort auswendig kann. Hinz weiß auch, daß ich dem hochgeborenen Herrn Grafen — warum sollte ich es leugnen ? — den rothen Hahn aus's Dach gesetzt habe, ich und mein Bruder, der schwarze Peter. Mein Mann, der große starke Bauerntölpel, war zu feige dazu, gerade wie sein Sohn, der Geert. Aber Peter war schlank und geschmeidig wie eine Katze; er kletterte an der Rinne empor, ich reichte ihm den mit Theer getränkten Werg, und hui! flammte es auf unter dem niederen Vordache. Meine Schuld war es nicht, daß der Brand zu früh entdeckt wurde, und wenn es dem gnädigen Herrn" — ein böser Blick traf den Amtshauptmann — „so beliebt, kann er mich ja jetzt nach fünfundvierzig Jahren noch einspunden lassen. Damals haben sie mir nichts beweisen können; die Merrit war ihnen zu schlau, den weisen Herren, die ihre Nasen in alles stecken müssen und alles zu verstehen glauben. Sie mußten mich wieder freigeben, und dann zogen wir fort, weit ins Holländische hinein. Dem dummen Hilger war das Dors verleidet wegen des Geredes der Leute; aber hernach — ich hielt es nicht aus ohne das Grab meiner Tochter, ohne den Ntbel des Moores und die haidebewachsenen Dünen. Ich mußte zurück."
Die Prinzessin hatte die Alte ausreden lassen; jetzt trat sie einen Schritt näher.