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M 53.
M. Der neue Flottenbauplan nach dem Antrag Müller-Fulda
Nachdem am 3. März in der Reichshaushaltskommission der Tirpitz'sche Flottenbauplan, Erreichung des Sollbestandes in 7 Jahren und 410,3 Millionen Mark Gesammtkosten bereits angenommen worden war, wurde in der Sitzung am 5. ds. der erste Beschluß wieder umgestoßen und der vom Abg. Müller-Fulda aufgestellte Plan, Erreichung des Sollbestandes in 6 Jahren mit nur 356,7 Millionen Gesammtkosten mit großer Mehrheit angenommen.
Der Herr Reichskanzler hatte vorher durch Staatssekretär Tirpitz seine Zustimmung aussprechen lassen und dabei betont, daß der neue Plan des Abg. Müller in jeder Hinsicht der Regierungsvorlage vorzuziehen sei.
Welches sind nun diese DortHeike des Planes gegen die Vorlage? Wir können solche kurz dahin zusammenfassen:
1. für die Marine: die frühere Fertigstellung und Verwendbarkeit der Schlachtflotte, welche vom Herrn Reichskanzler als großer militärischer und politischer Vorzug angesehen wird,
2. für de« Weichstag, Kezw. für das deutsche MokK: die frühere Vollendung der Schlachtflotte ohne Erhöhung der Ausgaben in den einzelnen Jahren und mit der Wirkung, daß bis zur Vollendung rund 53,600,000 Mark weniger ausgegeben sein werden.
Zugleich, und dies ist das Wichtigste, ist der Reichstag keineswegs gebunden, diese Ausgaben für die Schiffe nach dem Willen der Regierung in jedem Jahr zwangsweise zu genehmigen, sondern die Bewilligung der einzelnen Bauraten hat, wie seither, durch den Reichstag alljährlich nach seinem Ermessen zu erfolgen.
Diese Aenderungen sichern das Etatsrecht des Reichstags soweit als dies überhaupt möglich ist, sie beschränken seine sogenannte „moralische Bindung" ans 6 anstatt auf 7 Jahre und auf eine um 53,6 Millionen geringere Summe.
Gegen die seitherigen (1897) Ausgaben für Schiffsbauten tritt durch die jetzigen Beschlüsfe nur noch eine Erhöhung um 8 Millionen jährlich durchschnittlich für die nächsten 6 Jahre ein und das gesteckte Ziel, die Schlachtflotte, wird doch erreicht.
Ob das Gesetz überhaupt zu Stande kommt, erscheint übrigens sehr fraglich, weil noch immer Differenzpunkte bestehen und die Regierung wenig Entgegenkommen zeigt.________________________________________________________
Deutsches Deich.
Berlin, 5. März.
* Der Kaiser ist gestern Abend, von Bremen kommend, um 11'/, Uhr wieder hier in Berlin eingetrvffen. Auf der Rhede von Bremerhaven hörte der Kaiser die Vorträge der Chefs des Marine-Kabinets und des Cwil-Kabinets. Heute nahm der Kaiser die Vorträge der Chefs
Wege und Ziele.
Roman von A. Jüngst.
4 ------ (Nachdruck verboten.)
Geert Gerrit trat näher auf den kleinen Fremdling zu. Bei dem Schall der schweren Holzschuhe erwachte das Windspiel und fuhr zitternd zusammen.
„Ich thue Dir nichts," sagte Geert, die rauhe Stimme dämpfend und mit der groben, schwieligen Hand über sein weiches Fellchen fahrend. „Wer ist das Kind, und wie kommt es hierher?"
Inge, die bereits die Seite ihrer Großmutter verlassen hatte, kam eilig heran und sagte mit wichtiger Miene: „Es ist Eine von den Vornehmen draußen im Lande, Vater, Eine von den Grafen von Ostheim."
„Sieh', die Ostheims!" meinte Geert. „Ja, ja, ich habe davon gehört, daß die Herrschaft auf' dem Schlöffe erwartet wurde. Aber wie kommt das Kind hierher in unser Haus?"
„Lora hatte sich in den Dünen verirrt. Ich fand sie und brachte sie hierher, und Großmutter... O, nun erwacht sie!"
^War es der Klang ihres Namens oder die Kraft der auf sie gehefteten Blicke, Lora erhob das Köpfchen und öffnete die schlaftrunkenen Augen.
„Mama!" flüsterte sie unwillkürlich, schaute aber erschrocken um sich, als sie die eigenartige Umgebung und den vierschrötigen Tagelöhner vor sich erblickte.
„Ach, Inge!" sagte sie, sich allmählich sammelnd, und streckte die Hand nach dem Hündchen aus,
IuLöcc, Momag, den 7. März 1898 25. Jahrgang.
des Generalstabes und des Militärkabinets entgegen.
x Von Anfang an haben wir mit großem Mißtrauen die Nachricht der Militär -Pol. Korrespondenz' behandelt, daß die Abberufung des bayerischen Gesandten Graf von Lerchenfekd- Köfermg von seinem Posten als bayerischer Gesandter bevorstehe. Jetzt wird in bestimmter Form von München her sowohl in liberalen als auch in Centrums-Blättern versichert, daß die ganze Nachricht unrichtig ist. Daß, wie gleichzeitig betont wird, Grafv. Lerchenfeld des uneingeschränkten Vertrauens des Prinzregenten von Bayern sich erfreut, ist ohnehin so bekannt, daß es darüber besonderer Versicherungen gar nicht bedarf. Eine Abberufung von Berlin hätte eben nur so verstanden werden können, daß der Prinzregent ihn auf einen noch höhern Posten stellen wollte.
x Die Aeußerungen der Pressje der verschiedenen Parteien über die Aussichten der Flottenoorlage lauten sehr verschieden — so viele Blätter, so viele Ansichten! Zunächst bemerkt die ,Nordd. Allgem. Ztg.' halbamtlich zu dem neuen Ikotten-Maupkane desAög. MiMer-Iuld«: „Die vom Centrum in die Budget - Kommission entsandten Mitglieder haben sich mit dem Einbringen dieses Antrages ein großes Verdienst erworben." Dieses Lob aus offiziösem Munde kann ja nun bei der Centrumspartei keinen sonderlichen Eindruck hervorbringen. Aber man kann daraus ersehen, daß auch die Regierung der Centrumspartei für ihre schaffende Mitarbeit ihre öffentliche Anerkennung nicht versagen kann. Obwohl nun auf der andern Seite der Staatssekretär Graf Posadowsky den Weg, den der Antrag der Centrums - Abgeordneten Dr. Lieber, Prinz Arenberg, Gröber und Müller-Fulra zur Lösung der Deckungsfrage beschreiten will, als ungangbar bezeichnete, ziehen doch freisinnige Blätter aus den Berathungen der gestrigen Sitzung der Budget-Kommission von neuem den Schluß, daß nunmehr an dem Zustandekommen des Flottengesetzes nicht zu zweifeln sei. Diese Blätter, wie Eugen Richters .Freisinnige Zeitung' und die .Vossische Zeitung-ziehen nämlich aus den Ausführungen derAbgg. Dr. Lieber und Gröber den Schluß, daß das Centrum am Ende auch zufrieden sein würde, wenn nach dem Vorschläge des Abg. v. Bennigsen der Reichskanzler nur eine Erklärung abgäbe in dem Sinne, daß die Kosten der Flotten - Vermehrung nicht den schwachen Steuerschultern zur Last fallen sollen. Wir zweifeln sehr daran, daß die Mehrheit der Centrums - Fraktion mit einem solchen Auswege zufrieden sein sollte. Auch die konservative ,Kreuzzeitung' meint: „Der siebente März, wo die Centrumsfraktion hierzu (eben zu der Deckungsfrage) endgiltig Stellung nehmen soll, kann deshalb ein kritischer Tag erster Ordnung werden." Die.Germania' schloß gestern eine Darlegung über die Deckungsfrage mit den Worten: „Ohne eine sichere und befriedigende Lösung der Deckungsfrage kein Flottengesetz" — und schreibt heute: „Die Regierung hat es verabsäumt, die finanziellen Konsequenzen aus ihrer für 7 Jahre berechneten Vorlage zu ziehen und dementsprechende Deckungsvorschläge zu machen.
das sich, Schutz suchend, an sie drängle. „Können wir jetzt nicht gleich nach Hause gehen? Mama wird sich um mich ängstigen, Inge."
„Das sollte wohl ein bischen weit werden für das kleine Fräulein," lächelte der Arbeiter gut- müthig; „zumal..."
Ein verwunderter Blick streifte die kleinen, nur mit den Strümpfchen bekleideten Füße des Gastes, und da er fragend von dem Kinde auf die Tochter schaute, gewahrte er die ungewohnte Beschuhung der Letzteren.
„Donner und Wetter, Inge, wie kommst Du zu den Stiefeln?"
„Lora hat sie mir geliehen," versetzte Inge mit einem halb befriedigten, halb verlegenen Blick.
„Geliehen?" wiederholte Geert, sie scharf betrachtend und das Wort nachdrücklich betonend. „Geliehen? . . Genommen hast Du sie. Lehr' mich doch mein eigen Fleisch und Blut nicht kennen, Du habgieriges, ruchloses Geschöpf!"
In aufwallendem Zorne über die kleine Sünderin, die mit trotzigem Ausdrucke vor ihm stand und die rosigen Lippen fest aufeinander preßte, erhob er die Rechte, und im nächsten Augenblicke würde der Schlag schwer auf Inges Haupt niedergefallen sein, wenn nicht Lora aufgesprungen wäre und mit dem flehendem Ausruse: „O bitte, bitte, nicht schlagen!" sich an die Linke des erregten Mannes gehangen hätte.
Dieser blickte verwundert auf das liebliche Kind, das mit bebenden Lippen und feucht glänzenden Augen zu ihm aufschaute. Langsam ließ er die Hand sinken, ein seltsamer Schein ging über die rauhen abgearbeiteten Züge.
„Art läßt nicht von Art, Blut nicht von
Sie weiß jetzt, wohin die Deckungsvorschläge der Mehrheit der Kommissionen zielen, und daß es nunmehr ihre Aufgabe ist, die Deckungsfrage in befriedigender Weise zu lösen. Sie weiß es aber auch, daß es ohne eine befriedigende Lösung dieser Deckungsfrage keine Aussicht auf dieAnnahme des Flottengesetzes gibt." Wenn Herr Dr. Lieber so leicht für die schwächliche Haltung des Abgeordneten v. Bennigsen zu haben wäre, hätte er und hätten die Herren Gröber, Prinz Arenberg und Müller- Fulda sich kaum erst die Arbeit eines neuen, gemeinsamen Antrages zu machen brauchen.
h In Bayern ist im allgemeinen die Abneigung gegen die Ilottenvorkage ganz erheblich stärker als in Norddeutschland. Das ist eine altbekannte Thatsache, daß man gar nicht mehr daran zu erinnern braucht. Und leider trägt die preußische Regierung durch ihre Behandlung des bayerischen Reseroalrechtes auf einen besondern Obersten Militärgerichtshof sehr viel dazu bei, die Reichsverdrossenheit in Bayern auf die Spitze zu treiben. Aber wenn manche Blätter, darunter auch Centrumsblätter, die Sache so darstellen, als trüge die Behandlung der Flottenvorlage in der Budget-Kommission des Reichstages durch die Centrumsmitglieder dieser Kommission zur weitern Steigerung der Reichsverdrossenheit beim bayerischen Centrum bei, so befinden sich diese Blätter auf dem Irrwege. Innerhalb des bayerischen Centrums trat zuerst der Abgeordnete Dr. Pichler mit einer Rede über die Flotien- vorlage auf den Plan der Oeffentlichkeit. Diefe Ausführungen Dr. Pichler's waren so gehalten, daß niemand ihnen auch nur die geringste grundsätzliche Bewilligungsfreudigkeit für die Kriegsflotte nachrühmen konnte. Sie sind auch oft genug in diesem Sinne angeführt worden. D e r se lb e Dr. Pichler aber will sich jetzt schaffend an der Arbeit betheiligen, um eine annehmbare Verständigung über die Deckungsfrage anzubahnen. Dr. Pichler will nämlich im Steuerausschusse der bayerischen Abgeordnetenkammer eine höhere Besteuerung der Einkommen über 1000 Mk. beantragen zu dem Zwecke der Deck mg Fottenkosten Bayerns, Äamit- bie reichen Flottenschwärmer Gelegenheit haben, ihre Begeisterung für die Flotte in barem Gelde zu bezahlen. Nebenbei gesagt: wird wohl jemand die Abgeordneten Dr. Lieber und Gröber für so außerordentlich kurzsichtig halten, daß sie in Berlin die allerschwierigsten Sachen bearbeiten, ohne auch nur einmal die bayerischen Parteigenossen um ihre Meinung zu befragen.
h Durch die Presse macht die Runde die Aeußerung eines Gutsbesitzers Namens Contag in einer Sitzung des ostpreußischen Provinzial- Landtages. Dieser sprach im Namen einer Minderheit gegen die Einführung eines Anerbenrechtes für die ländlichen Zesitzungen in der Provinz Ostpreußen, und bei dieser Gelegenheit äußerte er auch seine Ansicht über die Lage der Land- wirlhschafl. Herr Contag meinte, er lebe nun schon länger als 50 Jahre in dem ostpreußischen Kreise Angerburg, und er müsse aus seiner Erfahrung heraus feststellen, daß dort von einer Noth der Landwirthschaft gar nicht die Rede sei.
Blut!" murmelte er. „Warum müssen die Vornehmen nicht allein reicher und mächtiger, warum müssen sie auch besser sein als wir?"
„Hi, hi," kicherte die Alte, welche durch den kleinen Auftritt aufmerksam geworden, unversehens herausgehumpelt war und nun, auf ihren Stock gelehnt, an der Seite ihres Sohnes stand, während der ihr nachschleichende Kater sich zu einem Angriff auf Fido anschickte. „Die Inge ist ein kluges Kind, ein sehr kluges Kind, hab' meine Freude daran! Zieht anderen die Schuhe aus und streift sie sich selber an! Du wirst noch was an ihr erleben, Geert; denk' an meine Worte. Inge ist nicht zur Dienstbarkeit geboren, wie Du und Peter; sie ist zum Befehlen bestimmt, zum Herrschen über viele. Hinz und ich, wir wissen es, wir habens in ihren Augen gelesen. In Deinen Augen" — sie hob plötzlich den Stock gegen Lora, daß diese zitternd einen Schritt zurückwich — „in Deinen Augen liegen Thränen und etwas ... ich weiß nicht, wie ichs nennen soll. Meine Karten, die doch sonst alles wissen, haben keinen Namen dafür."
„Laßt doch endlich die Karten, Mutter, und ruft den Kater fort!" fiel Geert der alten Prophetin in die Rede. „Ihr fehl ja, das kleine Fräulein ängstigt sich. Beruhige Dich, mein Kmd," wandte er sich an Sora, und eine unendliche Zartheit sprach aus Blick und Ton des armen Tagelöhners; „weder Dir, noch Deinem Hündchen soll auch nur ein Haar gekrümmt werden unter meinem Dache. Setze Dich, Inge, und ziehe augenblicklich die Schuhe aus."
Inge wagte nicht, d«m mit einer bedeutsamen HanSbewegung begleiteten Gebote ihres Vaters
Herr Contag nahm seine Versicherungen sehr ernst. Er meinte sogar, er gebe „sein heiligstes Wart", daß die Bauern sich im Wohlstände befänden und als tüchtige und ordentliche Menschen sich und ihre Familie wohl zu versorgen wissen. Neulich versicherte Herr Ministenal-Direktor v. Bitter, vorher lange Jahre Regierungs-Präsident in Oberschlesien, daß dort die Lage der kleineren Land- wirthe und der Landwirthschaft im Allgemeinen neuerdings sich sehr gehoben habe. Äehnliches wurde in ganz zuverlässiger Weise nachher von einem Regierungsbeamten im Landtage des Her- zogthums Meiningen versichert, daß es dort nämlich der kleinen Landwirthschaft gut, den Großbetrieben weniger gut gehe; und nun erhebt sich eine Stimme in entsprechendem Sinne in Ostpreußen. Diese drei Ausnahmen beseitigen nun freilich die allgemeine Regel nicht, daß es der Landwirthschaft im Ganzen genommen gegenwärtig nichts weniger als gut geht. Aber es ist doch recht angenehm und erfreulich, zu hören, daß es nicht überall und in allen Verhältnisfen im deutschen Reiche der Landwirthschaft so schlecht geht. Wunderlich dabei ist eine Erscheinung. Gerade einige derjenigen Blätter, die berufsmäßig die Interessen der Landwirthschaft vertreten, scheinen sich gar nicht zu freuen, daß es auch solche angenehme Ausnahmen von der unangenehmen Regel gibt. Und namentlich dieser Herr Contag aus Ostpreußen kommt in diesen Blättern schlecht weg. Warum wohl? Wenn man so reges Interesse an der Landwirthschaft im Allgemeinen nimmt, bann sollte man sich doch freuen über derlei Wohlstands-Berichte. Sonst liefert man ja schließlich selbst den Beweis dafür, daß diejenigen anderen Blätter und Leute recht haben, welche behaupten, daß der Bund der Landwirthe und einige ähnliche Körperschaften ganz überwiegend nur für die Interessen des Großgrundbesitzes eine wirkliche Empfindung haben.
h Dem ZLunde der Landwirthe ist etwas widerfahren, das ihm gar nicht angenehm ist. Ein Landrath von Bonin, der als Reichstagskandidat im Wahlkreise Rosenberg-Löbau ausgestellt ist, hat in einer Versammlung die Aeußerung gsthan, sr sei dem.Bunde -der Landwirthe nicht beigetreten, weil er das für illoyal halte. Denn dies sei ein Bund, dessen Bestrebungen gegen die Regierung gerichtet seien. Sonst kokettirt die ,Deutsche Tageszeitung', das führende Organ des Bundes der Landwirthe, gern damit, daß sie sich ein oppositionelles Ansehen zu geben sucht. Wenn ihr aber im Ernste einmal jemand Opposition gegen die Regierung beimißt, so widerspricht sie in erregtem Tone, wie auch in diesem Falle. Damit beweist sie selbst, daß diejenigen Recht haben, die auf die oppositionellen Manöver der .Deutschen Tageszeitung' gar keinen Werth legen; die vielmehr der Ansicht sind, daß diese Manöver nur Scheinmanöver und dazu bestimmt sind, gewisse Leute ein wenig auf den Leim zu locken.
X Die Zeitschrift ,Der Jsraelst' bespricht ebenso wie die,Allg. Israel. Wochenschrift' die Frage jüdischer Peichstagskandidatrrrer». Wenn es aber nach dem ,Jsraelit' ginge, würde nächstens auch das Centrum jüdische Hospitanten bekommen. Die genannte Zeitschrift verlangt nämlich von den jüdischen Wahlkandidaten, zu trotzen. Mit traurigen Blicken streifte sie die Stiefelchen von den Füßen, indeß die Alte grollend und murrend nach dem Herde fchlich und dort wieder vor dem Feuer niederkauerte. Hinz fo gte feiner Herrin, und da er das wohl behütete Windspiel nicht mehr anzugreifen wagte, fauchte er boshaft nach dem Vogelbauer, daß der Staat ängstlich mit den Flüg In schlug.
Während Sora noch bemüht war, die Stiefelchen zuzuknöpfen, ertönte von draußen ein lautes „He! Holla!", welches, zum zweiten Mal wiederholt, Geert Gerrit veranlaßte, unter die Thüre zu treten. Ein Reitknecht hielt an dem verfallenen Sattenzaun.
„Wollt Ihr ein gutes Stück Geld verdienen, guter Freund?" rief der etwas ältliche Mann herüber, „fo macht Euch auf und helft mir in den Dünen suchen. Ich komme mit dem Pferde nicht voran zwischen diesen verflixten Sandhaufen, und von den anderen Dienern, die nach unserer kleinen Komtesse ausschauen, ist kein einziger in der Nähe."
„Wenn Ihr das Kind des Grafen von Ost- Heim suchet, braucht Ihr nicht weit zu gehen," antwortete Geert, gemächlich zu dem Reiter herantretend, „das kleine Fräulein ist hier."
„Hier?" fragte der Knecht erstaunt. „Aber wie kommt unsere gnädige Komteffe hierher?"
„Wird sich wohl in den Dünen verirrt haben; ist gar keine Unmöglichkeit, selbst für einen Erwachsenen, geschweige denn für ein Kind. Meine Tochter hat die Kleine wenigstens dort gefunden und mit nach Hause genommen. Ich wollte mich eben aufmachen und die Nachricht nach dem Schlüsse bringen."