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SÄftSÄÄ“’ mit Zlnterhattungs-Aeikage „Zllufirirte Sonntags-Zeitung" petersgaiie Nr. (Harmonie).
JuLöa, Samstag den 5. März 1898
25 Jahrgang.
tz^Irveites WLaü.M
Wochen-Rundschau.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 5. März.
Die innerpolitische Lage steht wieder unter dem Zeichen der beiden Gesetzesvorlagen, mit denen die parlamentarische Arbeit des Reichstages vor Weihnachten begann: Umbildung des militärischen Strafprozesses und Flottenvorlage.
Die Kommission des Reichstages, der die Vorbe- rathung der militärischen Strafprozeß-Reform anvertraut ist, hat am letzten Dienstag die zweite Lesung der Vorlage begonnen. Die Aussichten darauf, daß es zu einer Verständigung zwischen Regierung und Reichstags-Mehrheit gelangt, haben sich im Laufe der ersten Kommissionslesung erheblich gebessert. Dagegen gehen die Ansichten über die Behandlung des bayerischen Reservatrechtes auf einen besonderen obersten Militärgerichtshof noch so weit auseinander, daß eine Einigung darüber noch weit int Felde liegt. Allein die Centrumspartei vertheidigt die verfassungsmäßigen Rechte des Königreiches Bayern. Gleich bei Beginn der zweiten Lesung drängte der bayerische Centrumsabgeordnete Freiherr von Hertling auf Klärung dieser Angelegenheit, und der bayerische Gesandte und Bundesrathsbevollmächtigte Graf v. Lerche iifeld- Köfering schloß sich in seinen Aussührungen dem Freiherrn von Hertling vollkommen an. Aber ganz andere Ansichten legte als Vertreter der Regierung der preußische Kriegs Minister von Goßler dar. Dieser sagte in einer längeren Erklärung klipp und klar: „Die preußische Regierung ist noch heute der Meinung, daß ein Reservatrecht Bayerns in dieser Hinsicht nicht besteht/' Im klebrigen theilte der Minister mit, daß Verhandlungen zwischen der bayerischen und preußischen Regierung über die Anbahnung einer Verständigung schweben, und er ersuchte die Kommission, auch noch weiterhin die Frage offen zu lassen behufs späterer Verständigung. Die Kommission stimmte darauf mit allen Stimmen gegen die Stimmen des Centrums und der Sozialdemokraten in dem Sinne des preußischen Kriegsministers gegen die Aussührung des Freiherrn von Hertling und des Grafen von Lerchenfeld. Dieser letztere äußerte: Er habe bisher' gehofft, daß noch eine Verständigung zu erzielen sein werde, jetzt aber müsse er Zweifel hegen daran, daß diese noch zu Stande käme.
Die Budget-Kommission des Reichstages hat am Mittwoch die Einzelberathung der Flottenvorlage begonnen und hat in dieser Sitzung den ersten Paragraphen der Vorlage in der Fassung der Vermittelungs- Borschläge des Abg. Dr. Lieber angenommen. Dieser Paragraph regelt in seinen beiden ersten Absätzen den S ch i s f s b e st a n d der deutschen Flotte und in seinem dritten Absätze bestimmt er die Zeit, bis zu der dieser gesetzliche Sollbestand der Flotte erreicht werden soll, nämlich, wie bekannt, bis zum Rechnungsjahre 1904. Die Annahme dieses Paragraphen erfolgte in der Kommission mit 21 gegen 7 Stimmen. Dagegen stimmten nur die Sozialdemokraten, die Freisinnige Volkspartei und der Pole von Jazdzewski. Aus dem Verlaufe, den vorher die Generaldiskussion genommen hat, und aus dieser Abstimmung ziehen viele Blätter den Schluß, daß nunmehr die Sache der Flottenvortage fertig und entschieden sei. Nichts kann falscher behauptet und schwerer zu beweisen sein. Die Hauptsache ist und bleibt die Frage, wie denn die Kosten der Marine-Vorlage gedeckt werden können.
Der entpuppte Feigling.
In einem österreichischen Regiment?, welches in der ehemaligen Bundesfestung Mainz in Garnison stand, diente ein Hauptmann M. . . . ein Mann, der sehr stiller Statur war und wenig mit anderen Offizieren verkehrte, aber sich lieber in seinen freien Stunden mit wissenschaftlichen Studien beschäftigte. Daher stand er bei -seinen Kameraden nur wenig in Gunst, ja — diese gingen in ihrem Urtheil über ihn so weit, daß sie ihm nicht einmal denjenigen persönlichen Muth zuerkannten, dem Soldaten und vor Allem dem Offizier so nolhwendig ist.
Das Regiment bekam zu jener Zeit einen neuen Kommandanten in der Person eines Grafen L. . . n, eines noch jungen Mannes, welcher in der ganzen Armee wegen seiner Kriegs- und Friedensabenleuer und seiner lustigen Streiche bekannt war.
Der Kommandant erfuhr bald die erwähnte Ansicht seiner Offiziere über den Hauptmann M. . . und beschloß, sich alsbald davon zu überzeugen: ob sie gerechtfertigt sei oder nicht.
Bei einem gemeinschaftlichen Mahle — einem sogenannten Liebesmahle, an welchem alle Chargen des Regiments theilnahmen, — ließ er es so einricht.n, daß der Hauptmann neben ihm zu sitzen kam. Die wirklich außergewöhnliche Schüchternheit und Zurückhaltung des Offiziers machten den Grafen im Laufe des Mittags mehr und mehr glauben, daß die anderen Offiziere seinen Nachbar richtig beurtheilt hätten; er begann ihn ebenfalls für einen — Feigling zu
Jeder wahre Volksfreund, jeder Abgeordnete, der sich wahrhaft als ein Vertreter des Volkes fühlt, wird niemals zugeben dürfen, daß diese Kosten gedeckt werden aus neuen Steuern, die die Leute mit kleinen Einkommen noch mehr belasten, als diese ohnehin, schon belastet sind. Aber wenn nun ein Ausweg gefunden würde, auf dem man dahin gelangen könnte, daß die großen Geldausgaben aufgebracht würden ohne weitere Belastung der kleinen Einkommen und ohne neue Schulden des Reiches, dann würde die Sachlage sich sehr zu Gunsten der Annahme der Vorlage ändern. Abg. Dr. Lieber hat den Antrag gestellt, daß diese Kosten aufgebracht werden sollten durch Zuschläge zur Einkommensteuer bei denjenigen Steuerpflichtigen, die ein Einkommen von 10000 Mk. und mehr jährlich beziehen. Wir müssen abwarten, wie die Kommission und die Regierung zu diesem Anträge sich stellen.
Im Reichstage hat außerdem die Berathung des Etats des Reichseisenbahnamtes Gelegenheit gegeben zu einer ausgiebigen und hoffentlich recht fruchtbaren Besprechung der Eisenbahn-Unfälle des letzten Jahres und der Verwaltung der preußischen Staatsbahnen überhaupt. Namentlich der nationalliberale Abgeordnete Hammacher übte scharfe Kritik an dieser Verwaltung. Nur zwei konservative Redner fanden sich, die das preußische Staatsbahn-System in seinem ganzen Umfange vertheidigten.
In dieser letzten Woche ist das Ausland reich gewesen an hervorragenden politischen Ereignissen.
Nach 15 Verhandlungstagen ist in Paris der Zola- Prozeß beendigt worden. Herr Zola ist zu der höchsten zulässigen Strafe vernrtheilt worden: 1 Jahr Gefängniß und 4000 Franken Geldbuße. Und vier Monate Gefängniß nebst entsprechender Geldbuße sind Herrn Terreux zugesprochen worden als dem Verantwortlichen Redakteur der Zeitung ,Aurore', in der Zola seine beleidigenden Angriffe gegen die französische Regierung und das Heer richtete. Ohne Zweifel ist nicht alles klar und rein bei der ganzen Sache. Und manches mag hinter den Koulissen der Regierung vorgegangen sein, das im Lichte der Oeffentlichkeit sich schlecht ausnehmen würde. Aber Herr Zola mußte unbedingt bestraft werden für die Unverschämtheiten, mit der er die französische Regierung überhäufte. Die Pariser Deputirtenkammer hat nach der Verurtheilung Zola's mit überwältigender Mehrheit dem Ministerpräsidenten Meline ein neues Vertrauensvotum ertheilt, und daß die Verurtheilung auch sonst gut gewirkt hat, das geht ebenso aus anderen Anzeichen hervor. Die sogenannte Dreyfus - Presse ist seitdem überraschend kleinlaut geworden, und das haben nicht nur die Geschworenen mit ihrem Wahrspruch gethan, sondern auch der Ministerpräsident Meline mit seiner Erklärung, daß er gegen die, welche sich in dieser leidigen Angelegenheit fernerhin Treibereien zu Schulden kommen lassen würden, mit der Waffe des Gesetzes rücksichtslos vorzugehen und sich nöthigenfalls vom Parlamente noch schärfere Waffen erbitten werde. Und so kann Frankreich sich wieder um das bekümmern, was hinter seinen Bergen und Grenzen vorgeht, wo auch noch Leute wohnen.
Am 26. Februar haben drei Mordbuben den König G e o r g v o n Griechenland niederknallen wollen, als dieser mit seiner Tochter Marie von einer Spazierfahrt heimkehrte. Erst sollten die Pferde und der Kutscher mit Gewehren aus einiger Entfernung erschossen werden. Dann sollte es dem Könige aus der Nähe mit Pistolen ans Leben gehen. Zwei der Verbrecher sind festgestellt und in Haft. Der eine ist der Magi- stratsschreiber Karditzi aus Sparta, der andere der Arbeiter Georgii aus Macedonien. Karditzi ist augenscheinlich der Rädelsführer bei der Unthat gewesen. Aber was die wüsten Gesellen zu ihrer Mordthat bewogen, ist noch unklar.
In unserem Nachbarlande Oesterreich hat die letzte Zeit neue politische Wirren gebracht. Der
halten und nahm sich vor, sogleich durch eine Probe sich Gewißheit zu verschaffen.
Er brachte daher beim Dessert das Gespräch geschickt auf das Schießen mit Pistolen und sandte endlich einen Diener nach seinen Pistolen, um an Oct und Stelle einige Proben seiner Schießsicherheit abzulegen.
Die Pistolen kamen, der Graf lud sie und ein kleines Brödchen vom Tische nehmend, forderte er den Hauptmann auf, an das andere Ende des Saales zu treten und ihm dort das Brödchen als Scheibe hinzuhalten. Alle Offiziere an der langen Mittagstafel horchten gespannt auf und betrachteten, schadenfroh lächelnd, den Hauptmann, der sich natürlich gegen eine solche Zu- muthnng heftig sträubte; um so mehr, als er wußte, daß sein Vorgesetzter bis jetzt der Weinflasche nicht unbedeutend zugesprochen hatte.
„Aber Sie werden sich doch etwa nicht fürchten, Herr Hauptmann M . . .? — Der Geruch des Pulvers ist Ihnen doch nicht unangenehm?" fragte dieser endlich mit Ironie.
„Ich glaube nicht!" erwiderte der Hauptmann mit einem eigenthümlichen Lächeln, stand sogleich von seinem Stuhle auf und schritt dann ruhig nach dem Hindergrunde des Saales. Dort lehnte er sich wider die Wand und hielt in der ausgestreckten Hand zwischen Daumen und Zeigefinger das kleine Brödchen empor. Der Graf stürzte ein Glas Champagner hinunter, setzte das Augenglas auf den Nasenrücken, hob blitzschnell die Pistole und drückte ab. Der Schuß ging los — die Kugel hatte mitten das Brödchen getroffen.
böhmische Landtag, in dem neuerdings die Hauptkämpfe zwischen den Jungtschechen und den Deutschnationalen ausgefochten wurden, hat sich bisher als völlig arbeitsunfähig erwiesen, und nun ist es zum völligen Bruche zwischen den vorläufig unversöhnlichen Gegnern gekommen. In der Loyalitätsadresse an den Kaiser zu dessen 50 jährigen Regierungsjubiläum wollten die Tschechen ihre staatsrechtlichen Grundsätze und nationalen Forderungen betont wissen. Die Deutschen wollten dies nicht zugeben, und so haben sie ihren alten Fehler von neuem gemacht: sie haben das Feld geräumt und den Tschechen den Landtag allein überlassen, obwohl der böhmische Statthalter ausdrücklich erklärte, daß die Regierung nicht auf den staatsrechtlichen Standpunkt der Adresse sich stellt. Nächstdem soll nun der österreichische Reichsrath wieder eröffnet werden. Was man von dem sich verspricht, das geht vielleicht am deutlichsten aus der Meldung hervor, daß man sich in Wien mit der Erwägung befaßt, eine Abgeordnetenhaus-Wache einzurichten. Armes Oesterreich!
ö Eine lehrreiche Ltudie s,um Eisenbahn-Etat.
Schon wiederholt haben sich die zahlreichen Eisenbahnwerkführer Preußens wegen un- zureichender Besoldung in Petitionen an das Abgeordnetenhaus gewandt, und dies hat die Gesuche als begründet wiederholt dem Herrn Elsen- bahnminister zur Berücksichtigung empfohlen. Bts jetzt ist aber auch noch nicht das Geringste erreicht. Das stimmt freilich zu der von der gesummten Presse verurtheillen Sparsamkeit am — unrechten Platze. Die Gehälter der preußischen Werkführer sind Angesichts der Leistungen unbegreiflich niedrig und einfach unzureichend. In der Vorstufe ihrer Anstellung, d. i. als Vorarbeiter, waren die Werkführer besser angestellt, rote heule. Sonst hatte das Vorrücken in eine höhere Beamtenklasse auch ein Aussteigen in der Besoldung zu Folge. Hier nicht! Man sucht sich mit der allerdings „billigen" Ausrede zu recht- fertigen, die Vorarbeiter seien ja nicht gezwungen, vorzurücken, ohne aber dabei an den Stoß zu denken, den man dadurch der Logik und Gerechtigkeit versetzt. Doch wozu viele Worte, lassen wir die Zahlen reden!
Der Werkführer wird mit 1200 Mark nebst Wohnungszuschuß angestellt und steigt von 3 zu 3 Jahren um 80 M. bis zu 1600 Mk., wahrend die Jahreseinnahme der Vorarbeiter zwischen 1277 Mk. bis 1825 Mark schwankt. Es gibt darum in den Direktionsbezirken Breslau, Brorn- berq, Posen, Stettin, Berlin, Magdeburg, Halle a. 'S., Erfurt, Elberfeld, Essen, Köln, St. Jo- Hann-Saarbrücken und Münster mit Ausnahme von zwei Fällen in Breslau und Elberfeld, wo sich ein P us von 66,50 Mk. bezw. 102,50 M. zeigt, nur solche Werkführer, die sich gegen die Vorarbeiter von 42,50 Mk. bis zu 445 M. pro Jahr verschlechtert haben. Ein schönes Avancement ! Das ist ein wahrer Krebsgang zu Gunsten des — Eisenbahnfiskus!
16 Vorarbeiter hatten ein Einkommen von über 1600 Mark, 7 über 1700 Mark, 2 über 1800 Mk., diese und alle anderen aber, mit Ausnahme obiger 2, mehr als die Werksührer. Das sind doch wahrlich keine gesunden Zustände!
Bisher hat das Korps der Werkführer stand-
Der Hauptmann M . . . zuckte mit keiner Wimper. Ruhig hob er das Brödchen vom Boden auf und betrachtete das kleine Loch, das dadurch geschaffen war. Das Gelächter der Offiziere verstummte mit einem Male, die schadenfrohen Mienen verschwanden, und Mancher bedauerte jetzt, so übel von einem seiner Kameraden gedacht zu haben. Der Graf aber eilte warmherzig auf feinen Untergebenen zu, um ihm etwas Angenehmes zu sagen. Dieser hatte mittlerweile jedoch das Brödchen auf den Tisch gelegt und die andere Pistole ergriffen. Das Schießwerkzeug von allen Seiten betrachtend, sprach er dann mit dem treuherzigsten Gesichte von der Welt: „Schauen Sie, Herr Graf, das muß ich sagen. Sie sind ein sehr gewandter Schütze, Sie haben mich gar sauber behandelt: nicht einmal den kleinen Finger haben Sie mir geritzt! Da möcht ich auch einmal probiren, ob ich das fertig bekomme! Wenn Sie wollen die Gnade haben, dann halten Sie mir auch einmal das Brödchen; ich bin sehr neugierig, ob ich das auch kann!"
Es war sehr intereffant, die Gesichter der Gesellschaft zu beobachten, die eben noch so schadenfroh gelacht hatten. Der Spieß drehte sich plötzlich um. Verlegenheit und Bestürzung spiegelten sich auf Aller Mienen, zumeist bestürzt zeigte sich indeß der Graf L . . . n selber.
„Aber Sie sagten ja eben, Sie hätten noch nie in Ihrem Leben eine Pistole in der Hand gehabt!" erwiderte er betroffen.
„Ja, da haben Sie auch ganz Recht, Herr Oberst," entgegnete Jener mit dem freundlichsten
haft allen Lockungen der Sozialdemokratie widerstanden und wurde deshalb wiederholt von dieser angegriffen. Muß aber der wgchsende Geist der Unzufriedenheit, die nicht unbegründet ist, nicht schließlich doch andere Früchte zeitigen? Die Eisenbahnwerkstätten liegen meist in den theuersten Gegenden, und braucht man sich da sicher nicht zu wundern, wenn die Frau eines Werkführers mit 9 Kindern, um auszukommen, in's Waschen gehen muß und die Kinder schickt, in den Aschenhaufen nach Kohlenstückchen zu suchen; wenn ein in eine besonders theure Stadt versetzter Mann, der nur 180 Mk. Wohnungsgeld bekommt, aber nur für 360 Mk. eine Halbwegs anständige Wohnung finden kann, ruinirt werden muß ; wenn andere mit zahlreichen Familien nur eine enge Dachwohnung beziehen können, während fein untergebener Vorhandwerker es sich leisten darf, im selben Hause in einer geräumigen Etage zu wohnen!
Der am 24. Nov. v. Js. in Breslau verstorbene Betriebswerkmeister, Herr Jaeschke, hat seinen 4 Werkführern ein Legat von 1000 Mk. teftamentirt, unter der ausdrücklichen Begründung, daß das Gehalt der Werkführer für deren Leistungen und Verantwortung ein viel zu geringes fei! Das sagt und thut der unmittelbare Vorgesetzte des Werkführers. Sleht das nicht mit der Behauptung vom Regierungstische, die Besoldung sei hinreichend, in direktem Widerspruch? Warum wohl der edle Werkmeister so gehandelt? Weil er gerecht urtheilte und wußte, daß nach Vorbildung, Leistung und Verantwortung zwischen dem Werksührer und dem Werkmeister der Wagen- abtheilung und Spezialfächer fast gar keiner, und bezüglich des Werkmeisters der Lokomotivabthei- lung der Unterschied nur darin besteht, daß der letztere 2 Jahre im Fahrdienst thätig sein muß. Um so gewaltiger ist der Unterschied im Gehalt, ivie auch in den Dienststunden, die sich für den Werkführer von 10—15 Stunden ausdehnen. Um fo größer ist auch der Unterschied den Militäranwärtern gegenüber, die nicht wie der Werkführer von der Pike auf in der Arbeit gestanden und darum auch nicht die Stelle eines Werkführers bekleiden könnten, denen man aber die Militärzeit für die Pension anrechnet, während man dem Werkführer die Vorarbeiterzeit einfach streicht.
Man thue endlich, was recht und menschlich ist!
Gottesdierlstordrmng i« Fulda.
Sonnta», 6. März. Dom. 51/., 6, 6'/. u. 71/« Uhr hl. Messen, 7 Uhr hl. Messe und Kommunion der Christenlehrschüler, 9 Uhr Hochamt und Predigt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl. Messe, 1'/' Uhr Andacht und Christenlehre, 4 Uhr Predigt und Andacht, 7 Uhr Andacht in der Marienkapelle. Montag Abend 8 Uhr Fastenpredigt mit Bußandacht. — Stadtpsarr Kirche. 51 /* Uhr hl. Messe und Predigt, 6 Uhr hl. Meße, 7 Uhr hl. Messe und Kommunion der christen- lehrpfl. Jünglinge, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, 9-/, Uhr Hochamt und Predigt, 11 und 1 - Uhr Christenlehre, 3 Uhr Rosenkranzbruderschaft. — Mtcharlslrirchr. 10 Uhr hl. Messe. — Pfarrkirche?um hl. Geiste. 8 Uhr Amt mit Predigt, 4 Uhr Andacht mit Segen. - Nonnen Kirche. Sonntag um 2 Uhr ist Herz-Jesu-BruderschaftS- Andacht. — Fraurnbrrq. 5 und 6‘ i Uhr hl- Messen, 8 Uhr hl. Messe mit Josephsandacht, 9 Uhr Hochamt, 2 Uhr Versammlung des dritten Ordens.
Lächeln; „um so mehr würde es mich aber gerade freuen, wenn ich richtig treffen würde!"
Da half denn nun fein Reden, da halfen keine Vorstellungen; der Graf war gezwungen, um sich vor feinem Offizierkorps keine Blöße zu geben, dem Ansuchen des schüchternen Hauptmannes zu willfahren. Was in seinem Herzen vorging, weiß Niemand; so viel ist jedoch gewiß: ruhig und ohne Zagen trat er, zwar etwas blaß, an die gegenüber liegende Wand und hielt das Brödchen empor.
Etwas ungeschickt erhob nun der Hauptmann die Pistole und zielte. Es dauerte lange. Die Waffe schwankte und zitterte in seiner unkundigen Rechten, daß Allen die Haare zu Berge fliegen; es war fo still im Saale, daß man den Herzschlag der Versammelten zu hören meinte; — der Äthern stockte - da plötzlich setzte der Hauptmann ab.
„Schauen Sie," sprach er harmlos, „das wackelt doch gar zu sehr. Ich will's doch lieber sein lassen, ich könnte vorbeischießen und dann gäb's am End' gar ein Malheur!"
„Ich dank' auch vielmals, Herr Oberst!" und somit setzte er den Hahn in Ruhe und begab sich zurück auf feinen Platz. — — — Der vermuthete Feigling hatte sich als Held entpuppt!--
Vier Wochen später war der schüchterne Hauptmann .... — Major in einem andern Regiments, später als Oberstlieutenant wurde er bei Königgrätz (3. Juli 1866) verwundet.
Sein früherer Oberst, der feinen Uebermuti) gewiß herzlich bereut hat, blieb feit jenem Mahle fein wärmster Freund bis zu feinem Tode.