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KuldaerW-Ieitung

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verantwortlich: Für die Redaktion Ios. »au«, für Inserate I. parzeller in Fnlda.

mit Anterhaltungs-Meilage „Jlluflrirte Sonntags-Zeitung

J& 52. Julöcr, Samstag, den 5. März 1898

25. Jahrgang.

der

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Aus dem Reichstage.

‘O1 55. Sitzung vom 4. März 2 Uhr.

Preußen anderer Meinung ist, so muß es in seiner Stellung zu den deutschen Bundesstaaten nach anderen Grundsätzen sich richten, als ehedem Fürst Bismarck. Jetzt wiederholen es die Ham­burger Nachrichten nochmals, daß der Bestand des bayerischen Sonderrechtes anzuerkennen und der Standpunkt der bayerischen Regierung richtig sei. Sie warnen nochmals eindringlich vor einer Ueberstimmung Bayerns. In demselben Sinne läßt sich die ,Deutsche Tageszeitung' vernehmen, das leitende Organ des Bundes der Landwirthe. „Hinter dem bayerischen Gesandten — so schreibt diese — steht in dieser Frage nicht nur der baye­rische Hof und die bayerische Regierung, sondern mit verschwindender Ausnahme das ganze baye­rische Volk, einschließlich der Nationalliberalen. Das bayerische Sonderrecht ist unseres Er­achtens ganz unzweifelhaft. Fürst Bismarck hat es anerkannt und der ist doch auf diesem Ge­biete sicherlich die erste Autorität. Nichts stärkt den reichsfeindlichen oder den reichsgleichgiltigen Sondersinn mehr, als die Nichtachtung aner­kannter und geschichtlich begründeter Sonderrechte. Unseres Erachtens ist die Militärstrafprozeßreform auch recht gut bei einem besonderen baye­rischen Militärobergericht möglich." Das ist unzweifelhaft richtig und entspricht ganz dem Standpunkte, den das Centrum zu dieser Frage in der Kommission des Reichstages bekundet hat. Leider standen bisher die Mitglieder des Cen­trums mit denen der sozialdemokratischen Partei in der Vertretung dieser Anschauung allein in der Kommission des Reichstages. Hoffentlich hat die preußische Regierung selbst das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. Sonst entwickelt sich am Ende noch uoch die ernste poli­tische Krise, von der Abgeordneter von Hert- ling in der Kommission des Reichstages sprach.

* Der Provinzial-Landtag der Provinz Ost­preußen hat den Antrag des Grafen Klinckow- ström angenommen, die Staatsregierung um thunlichst baldige Vorlage eines Gesetzentwurfes über die Einführung eines Aneröenrechtes für Ostpreußen zu ersuchen. Der Provinzial-Land­tag erbittet den Entwurf zur Begutachtung, bevor er an den Landtag geleitet würde.

X Das Reichspostamt macht bekannt: Vom 15. März an werden offene gedruckte Karten, auf denen die ursprüngliche Bezeichnung Postkarte beseitigt oder durch „Drucksache" ersetzt ist, all­gemein zur Beförderung gegen die Drucksachen- Taxe zugelaffen. — Ueber die künftige Hand­habung der Sonntagsruhe bei her Post verlautet von Neuem, daß die Schalterstunde Sonntag Nachmittags ganz abgeschafft und durch eine Schalterstunde unmittelbar nach dem Vor­mittags-Gottesdienst ersetzt werden soll. Die Bestätigung dafür bleibt abzuwarlen.

Wege und Ziele.

Roman von A. Jüngst.

■------- (Nachdruck verboten.)

eilte geschäftig hin und her und es dauerte nicht lange, so brachte sie der erschöpft zusammenge­sunkenen Lora ein Näpfchen dünnen Kaffee's und ein Stück schwarzen Hausbrodes, das dem ver- wöhntenKinde desReichthums ein köstlicher Lecker­bissen dünkte.

„Möchtest Du meinem armen Fido nicht auch ein wenig Milch geben?" bat Lora, nach dem ersten Schluck innehaltend.

„Milch! Dem dummen Thiere! Warum nicht gar!" rief Inge verächtlich.

„Ich würde Dir gern meine Perlen dafür schenken, wenn ich nur dürfte," sagte Lora klein­laut. .

Die Augen der kleinen Räuberin funkelten wieder.

„Gib dem Köter die Milch," gebot die Groß­mutter vom Tische her. „Du bekommst noch Perlen genug," und während nun Inge gehorsam ein Blechtöpfchen mit Milch füllte und dem dur- tigen Hündchen hinstellle, fuhr die Alte in ihrer Beschäftigung fort.

„Coeurdame und Treffbube," murmelte sie; „das paßt nicht, Coeurkönig muß kommen und die Dame erlösen. Hier die verhaßte Treffdame ist ihr im Wege, und nun gesellt sich noch ein Piquebube dazu. Pique bringt Unglück — Armuth, Krankheit, Tod —. Aber, o Hinz" — der Kater hatte während der ganzen Zeit auf dem Tische neben seiner Herrin gesessen und seinen Kopf auf ihren dürren Arm gelegt, nur zuweilen boshaft nach den fremden Gästen schielend — „Hinz, jetzt ’ommt das Glück. Coeurkönig erscheint und schlägt den Buben, die Dame ist frei, und hier, Hinz, ist auch Carreau - Aß, das bedeutet Geld, viel

Aus dem Landtage.

Avgeordnetenhaus. — 38. Sitzung v. 4. März 12 u.

Am Ministertische: Handelsminister Brefeld.

Zur Berathung stebt zunächst der folgende Antrag des Abg. Fetisch (kons.): „Die Staatsregierung zu er­suchen, dieselbe wolle beim Bundesrath ihren Einfluß dahin geltend machen, daß dem Reichstag baldigst ein Gesetzentwurf vorgelegt werde, durch welchen die Aus­übung des so verantwortliche, Baugewerbes von dem Nachweis der Befähigung zu selbstständigem Betriebe abhängig gemacht robb.

Abg. Jokisch verweist zur Begründung seines An­trages auf die ungezählten Petitionen aus den Kreisen der Bauhandwerker, welche als einzige Lösung der Schwierigkeiten, in denen sie sich befinden, die Ein­führung des Befähigungsnachweises fordern. Es müsse endlich einmal dem bedauerlichen Zustande ein Ende gemacht werden, daß das Baugewerbe eine Zufluchts­stätte einer großen Reihe verkrachter Existenzen bilde. Man sage vielleicht, diesen Gefahren könne vorgebeugt werden durch eine bessere Organisation der Bauvolizei. Aber zu diesem Zweck müsse die letztere mindestens ver-

Deutsches Keich.

Berlin, 4. März.

* Der Kaiser ist gestern Abend 9 Uhr mit dem Panzerschiffe Kurfürst Friedrich Wilhelm von Wilhelmshaven in See gegangen und heute früh 10 Uhr in Bremerhaven eingetroffen. Wie berichtet, veranstaltete die Stadt Bremen zu Ehren des Kaisers ein festliches Prunkmahl im Bremer Rathhause.

* Nach dem Beschlüsse des Staatsministeriums ist auch von Staatswegen der von dem Domka­pitel in Limburg zum Kapitularvikar gewählte Domkapitular Giffker zur Ausübung der ihm als Kapitnkarvikar zustehenden Rechte und Verrichtungen bestätigt.

* Das Ktaatsministerinm hat heute unter dem Vorsitze des Reichskanzlers und Minister­präsidenten Fürsten zu Hohenlohe eine Sitzung abgehalten.

x Die Konservativen betrachten sich be­kanntlich von jeher gern als die einzigen Küter urrd Klützer des monarchischen Gedankens. Jetzt scheint der konservativen Partei von neuem der geeigneteZeitpunkt gekommen zu sein, um dies zu betonen. So führt die,Kreuz.-Zeitung' unter der Ueberschrift „Die Quinteffenz des konservativen Programms" aus: „Wir wollen — so heißt es in unserem Programm — die Monarchie von Gottes Gnaden unantastbar erhalten wissen, und bekämpfen, bei gesetzlich gesicherter bürgerlicher Freiheit für alle und bei wirksamer Betheiligung der Nation an der Gesetzgebung, jeden Versuch, die Monarchie zu Gunsten eines parlamentarischen Regiments zu beschränken. Die Konservativen sind also keine „Vernunfts-Monarchisten" ihnen ist die Königstreue Herzenssache. Diejenigen Liberalen, welche rasch bei der Hand sind, mit einer „Revision der monarchischen Ge­sinnung" zu drohen, sosern die Regierung einen ihnen nicht genehmen Kurs einschlägt, werden nie­mals begreifen, daß eine unbedingte Ergebenheit zum Monarchen keineswegs die Selbstständigkeit ausschließt und daß anderseits ein ehrfurchtsvoll ausgesprochener Meinungsunterschied mit der Krone nicht „Fronde" genannt werden kann." Spricht aus diesen Zeilen nicht ein wenig das böse Gewissen der Konservativen? Oder gehörte es auch zu der Königstreue aus Herzensgrund, daß Mitglieder der konservativen Partei im Bunde derLandwirthe drohten, sie würden „zur Sozialdemokratie übergehen", und "aus­riefen, jeder Landwirth muffe den Kaiser als seinen politischen Gegner ansehen.

□ Schon mehrfach ist an dieser Stelle darauf hingewiesen worden, daß auch Fürst Bismarck der Ansicht ist, daß dem Königreich Bayern das Reservatrecht auf einen eigenen obersten Wikilärgerichlshof zukomml. Klar und deut­lich ist dies in seinem Hamburger Organ vor einigen Monaten zum Ausdruck gebracht worden. Da nun heute nach der bestimmten Erklärung des preußischen Kriegsministers von Goßler

Am Bundesrathstische: Niemand.

Zur Berathung steht zunächst: Berichte Petitionskommtssion.

Nach Erledigung einiger Petitionen beschwert sich Abg. Len,mann (frs. Vkp.) über die vom Oberpräsi­denten von Westfalen erlassenen Sonntagsruhebestim- mungen und vor allem über das Verbot der Jagd am

höht. — Inge, woher hast Du die Schuhe?" brach sie plötzlich ab, als sie die ungewohnte Be­kleidung an den Füßen ihrer Enkelin gewahrte.

„Ich habe sie ihr ausgezogen," entgegnete diese, mit wohlgefälligem Lächeln auf die nied­lichen Stiefelchen herabblickend.

„Sie hat sie ihr ausgezogen!" kicherte die Alte. „Hörst Du, Hinz, sie hat sie ihr ausge­zogen! Hi, hi, sie wird's noch weit bringen in der Welt." Das Kichern war in ein wieherndes Gelächter übergegangen, der Krückstock stampfte in regelmäßigen Absätzen den Boden. „Recht so, Inge," fuhr sie fort, als sie wieder zu Athem gekommen, „ziehe ihr die Schuhe aus, und Du wirst dereinst in ihren Schuhen stehen ... Die Prophezeiungen meiner Karten erfüllen sich, kannst doch noch einmal aus einer Bettelprinzeß eine wirkliche Prinzessin werden."

Inge hatte sich am Herde zu schaffen gemacht, den berußten Wasserkessel an den gleitenden Haken gehängt, die glimmenden Kohlen angefacht und neue Torfstücke aufgelegt. Jetzt kam sie zurück, nahm Lora, welche noch immer halb betäubt von den Worten des wunderlichen Weibes dastand, bei der Hand und führte sie zu einem niedern Stuhle in der Ecke am Kamin.

„Das Kind ist müde und hungerig. Groß­mutter, laßt es gewähren," sagte sie in ent­schiedenem Tone. „Ich habe ihm Kaffee versprochen und es soll denselben bekommen."

Die Alte machte keine Gegenrede, sondern humpelte zu dem Tische, zog ein Spiel abgegrif­fener Karten aus einer Falte ihres vielfach ge­flickten Kleides und fing an, die einzelnen Blätter nach einem bestimmten Systeme zu ordnen. Inge

Geld .... Hinz, Geld genug, die ganze Welt dafür zu kaufen."

„Laß mich sehen, Großmutter!" rief Inge eifrig und blickte über die Schulter des unheim­lich lachenden Weibes. „Bin ich's?"

„Ja Du, mein Schätzchen, Niemand anders. Coeurkönig kommt mit Gold, Diamanten und Perlen. Er heirathet Coeurdame und führt sie in fein Schloß trotz des neidischen Buben."

„Und sie?" fragte Inge, eine bezeichnende Kopfbewegung nach Lora machend, welche ihre Mahlzeit beendet hatte und nun ungeachtet ihrer unbequemen Lage in Schlummer gesunken war.

„Sie? Hi, hi!" kicherte die Großmutter, „sie wird sich abwärts neigen, damit Du auswärts steigen kannst. Das ist der Lauf der Welt. Nicht wahr, Hinz, wir beide haben es gesehen; alle Karten wandten sich von der Treffdame ab und der Coeurdame zu, alle: Freunde, Liebhaber, Reichthümer — Alles für Dich, Alles für Dich! Sieh' nur, mein Täubchen!"

Und wieder fing sie an, ihr Karten-Orakel zu legen und mit eintönigem Gemurmel zu be­gleiten.

Inge, das Haupt auf die schmale braune Hand gestützt, sah ihr athemlos zu, Hinz blinzelte mit den Augen und schnurrte behaglich. Alle drei waren so vertieft in ihr geheirnnißvolles Thun, daß sie nicht hörten, wie ein Schritt der Thüre sich näherte und gleich darauf ein1 kleiner, unter­setzter Mann in die Hütte trat.

„Mutter, wie oft soll ich Euch sagen, daß Ihr der Inge mit Eueren Karten nicht den Kopf verdrehen sollt?" ries er verdrießlich.

„Was willst Du mit dem Kinde? Woher kommt das Kind?" kreischte sie, näher humpelnd. „Hi hi, Hinz, das ist nichts für Dich, das ist seine Waare!" kicherte sie, als sie das Fauchen des Katers und die Angst des kleinen Mädchens gewahrte. „Brauchst Dich nicht zu ängstigen, Püppchen," fuhr sie fort: „ich thue Dir nichts. Ich bm keine Hexe, und der Hinz das ist kein Hexenmeister. Wer bist Du? Sprich!"

„Sie hat sich in den Dünen verirrt, Groß­mutter," fiel Inge der Angeredeten ins Wort. „Sie ist draußen von der Burg, Lora von Ost- heim, die Tochter des Grafen von Ostheim," setzte sie hinzu, die Namen ausdrücklich betonend.

„Sieh, sieh," murmelte die Alte, „sind die auch wieder da. Ich dachte, dem hochgeborenen Herrn sei der Aufenthalt auf dem einsamen Dünen- lchloß verleidet, seit wir seinem Vater einmal den rothen Hahn aufs Dach gesetzt haben. Ist aber lange her, sehr lange .... Und Du bist also eme von der jungen Brut," wandte sie sich an Lora. „Wie viel sind Euer?"

«,Jch bin allein," antwortete das verschüchterte Kind unter hervorquellenden Thränen. „Meine storbm*"^ tobt' ist im vorigen Jahre ge-

„Ha, kein Sohn, kein Erbe!" keuchte das Werb und stieß mit dem Stocke auf die Erde.

^üllt sich. Hi, hi, die Zeiten ändern pcy, das Hohe wird erniedrigt, das Niedere er­

Sonntag und das Gebot des Verhängens der Schau­fenster während der ganzen Dauer des Sonntags.

Geheimrath Woedke: Die Regelung sei den Einzel­staaten überlassen, nach seiner Kermtniß sei deren Befug- niß auch in Westfalen nicht überschritten.

Darauf wird die Petition betr. die Regelung der Sonntagsruhe dem Antrag der Kommission gemäß zum Theil der Regierung als Material überwiesen.

Es folgt die erste Berathung der von dem Abg. Ktzatron und Gen. (Els.) einerseits und von dem Abg. Auer und Gen. (Soz.) andererseits beantragten Gesetz­entwürfe über die Aufhebung der Diktaturpara­graphen in der Elsaß-Lothringischen Landesverfassung.

Abg. Mittlerer (Els.) begründet den Antrag Char- ton mit dem Hinweise auf die thatsächlichen Verhält­nisse in den Reichslanden. Ausnahmemaßnahmen seien nicht mehr nöthig, nachdem 27 Jahre lang die Bevölkerung sich durchaus loyal gezeigt habe.

Abg. Ar. Koeffek (Rchp.) ist ebenfalls der Meinung, daß der Drktaturparagraph heute nicht mehr nöthig sei. Für außergewöhnliche Verhältnisse habe die Regierung ausreichende Machtbefugnisse.

Abg. Ar. v. Kuny (ntlb.): Seine Freunde seien nicht in der Lage, dem Anträge zuzustimmen, solange nicht die Regierung selbst erkläre, daß ste den Diktatur­paragraphen entbehren könnet

Abg. Lenzmann (frs. Vkp.) spricht sich für möglichst einstimmige Annahme der Anträge aus. Hoffentlich blieben die Nationalliberalen die einzigen Gegner der­selben.

Abg. Frhr. v. Stumm (Reichsp.) tritt der Auf­fassung des Vorredners entgegen, als ob auch die Rechte für die Anträge stimmen würde. Abg. Hoeffel habe für seine Person gesprochen, seine Fraktion werde es niemals für angebracht halten, der Regierung ein Macht­mittel zu versagen, das sie selbst für nöthig halte.

Abg. Graf Hompesch (Centr.) erklärt Namens des Centrums, daß dasselbe heute und stets für die Auf­hebung des Diktatur-Paragraphen stimmen werde.

Abg. Aevek (Soz.) hält es für eine unabweisbare Pflicht des Reichstages, die elsaß-lothringische Bevölke­rung von der Last der Ausnahme- Gesetze endgiltig zu befreien.

Abg. Dr. v.Levetzow (kons.) erklärt Namens seiner Freunde, es müsse der Regierung überlassen bleiben, zu entscheiden, ob ste der Diktatur-Paraphen noch bedürfe. So lange ste nicht darauf verzichte, würden seine Freunde, ihr das Machtmittel auch nicht versagen können.

Nachdem noch verschiedene Redner für und gegen den Antrag gesprochen, schließt die Diskussion.

Abg. Lenzman« stellt nach dem Schlußworte des Abg. Hokvus den Antrag, sofort in die zweite Lesung emzutceten.

Bor der Abstimmung bezweifelt Abg. Frhr. v. Stumm die Beschlußfähigkeit des Hauses.

Durch Namensaufruf wird festgestellt, daß nur 133 Mitglieder anwesend sind. Das Haus ist mithin nicht beschlußfähig und muß die Sitzung abbrechen.

Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. Erste Lesung der Novelle zum Postgesetz.

zehnfacht werden. Daß die Bauausführenden nicht die nothrge Sachkenntniß haben, erhellt aus der großen Zahl sCt ^nne nur geschaffen werden

durch Einführung des Befähtgungsnachweises.

Abg. Dr. Langcrhans (frs. Vp.) tritt dem Anträge entgegen. Mtt solchen Mitteln sei dem Handwerk nicht zu helfen. Die Handwerker können froh sein, daß sie aus dem Zwange des Befähigungsnachweises heraus sind.

Abg. Metkvrecht (natl.) ist der Ansicht, daß das Lehrlmgswesen geregelt werden müsse in der Ausbildung der Handwerker- und Fortbildungsschulen. Dem Schwindel im Baugewerbe muß entgegengetreten werden. Wir werden nicht gegen den Antrag stimmen, versprechen uns aber nicht viel von ihm.

Minister Drefeld erklärt, die Regierung sei dem Anträge zwar nicht abgeneigt, nur über feine Ausdehnung gingen die Meinungen auseinander. Da würde theils die obligatorische, theils die fakultive empfohlen.

Nach zustimmenden Erklärungen der Abgg. Blek (®tr.) und Eckels (natl.) wird der Antrag mit großer Mehrheit angenommen.

Es folgen Petitionsberichte über Kommissionen.

Be, einer Petition um Ankauf eines Flachsröstver- fahrens durch den Staat entsteht auf Anregung des Abg. Graf Kanitz eine längere Handelsvertragspolitik- Debatke, die in keinem Zusammenhang mit der Flachs­frage steht. '

Schließlich geht das Haus auf vorherigen Antrag der Kommission zur-Tagesordnung über.

Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr. (Kultusetat.)

ft Parlamentarische Nachrichte«.

h In der dafür eingesetzten besondern Korn- rnifsion des Reichstages begann gestern die zweite Lesung der vorn Centrum beantragtenWovekke zum Strafgesetzbuchs (sogen, lex Heintze). § 180 (Kuppelei-Bestimmung) wurde in der Fassung der ersten Lesung genehmigt, § 181 (schwere Kuppelei) einstimmig angenommen mit der Ab­änderung des Schlußabsatzes dahin: „Sind mil­dernde Umstände, so tritt im Falle des Absatzes 1 Ziffer 2 Gefängnißhaft ein, neben welcher auch Geldstrafe erkannt werden kann." Die Kommission genehmigte sodann mit allen Stimmen gegen eine Stimme den § 181 a (betr. das Zuhälterwesen). § 182 a (Arbeitgeber - Paragraph) wurde mit 10 gegen 4 Stimmen angenommen. Bei der Berathung dieses letztgenannten Paragraphen gereichte es den Regierungs-Vertretern und den Natio­nalliberalen nicht zur Ehre, daß sie alles Mögliche aufboten, um die Strafbestimmungen für solche Arbeitgeber abzumildern, die unzüchtige Handlungen mit ihren Arbeiterinnen und weib­lichen Angestellten vornehmen ober vornehmen wollen. Auch der freisinnige Abg. Reckh stellte die Ansicht auf, das „Strafrecht habe nicht die Auf­gabe, sittliche Zucht zu üben". Vom Centrum trat der Abg. Roer en, von den Sozialdemokraten Herr Bebel dafür ein, daß es bei den Beschlüssen der ersten Lesung bleibe. Schließlich wurde dieser Paragraph mit 10 gegen 4 Stimmen in der Fassung der ersten Lesung angenommen.

* Die Kommission für die Aeichspost- dampfersuövenlion genehmigte heute das Ge­setz nach den Beschlüssen der ersten Lesung mit den Anträgen Müller - Julda, welche die gesetzliche Festlegung der erhöhten Schnelligkeit der australischen Linie bezwecken und Hamburg als Ausgangshafen abwechselnd mit Bremen fest­setzen. — Der Ausschluß der Beförderung land- wirthschaftlicher Konkurrenzprodukte, welche Ab­geordneter Müller gleichfalls festlegen wollte, wurde auf Antrag v. Stumm in Form einer