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Jutöa, Samstag, den!26. Februar 1898

Jahrgang

Uermischtes

Erscheint täglich, rn. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Vierteljährl.

Bezugspreis oyneBringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. SV Ps.

Gottesdienstordnung in Fulda.

Sonntag, 27. Februar. Dom. 51/», 6, 6'/« und

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 26. Februar.

^n der kretischen Frage scheint eine günstige Wendung emgetreten zu sein. Wenn ja, so dürfte sie wohl tm Zusammenhang stehen mit den Auszeichnungen, die der Sultan den Mitgliedern der deutschen Bot- chaft in Konstantinopel verliehen hat. Es heißt, daß der Prinz Georg nun doch Generalgouverneur von Kreta werden soll, aber nur unter der Bedingung, daß er vorher auf alle Erbansprüche verzichtet, die er auf Griechenland erheben kann.

Was man sonst von der Balkanhalbinsel hört, ist nach wie vor wenig erfreulich. Namentlich groß ist die Eifersucht Serbiens gegen Bulgarien. Und der Gegenstand ihrer Eifersucht ist vor allem Mace­do n i e n. Nach den jüngsten Mittheilungen aus Bel­

gerathen und somit ergriffen die Nationalliberalen die Gelegenheit, um nunmehr im Parlamente das Be­nehmen der drei Landräthe ernstlich zu tadeln. Ob das den Erfolg haben wird, den die Nationalliberalen wünschen, bleibt abznwarten.

um eine „Entschädigung", welche der Betroffene aus der Staatskasse verlangt; er verlangt nur, daß die Unkosten, welche durch eine Ver­fügung der Staatsregierung veran­laßt werden, nicht ihm auch noch zu seinem anderen materiellen Nachtheil aufgeladen werden. Also dieser Einwand beruht auf einem offen­baren Mißverständniß. Nach § 57 des Reichs­gesetzes zur Unterdrückung der Viehseuchen wird heute schon für die auf polizeiliche Anordnung getödteten Thiere eine Entschädigung gezahlt, und zwar gemäß dem preußischen Gesetze über den­selben Gegenstand in manchen Fällen aus den Kassen der Provinzialverbände, in anderen Fällen aus der Staatskasse. Wenn also sogar für die getödteten Thiere eine Entschädigung aus öffent­lichen Mitteln gezahlt wird, sollte man doch gar

vson Hanau (Nr. 492) berathen, wobei auch Kommissare der Staatsregierung theilgenommen haben. Die Kommission, deren Bericht uns in Nr. 174 der Drucksachen gegeben worden ist bat beschlossen, diese Petition' der Königlichen Staatsregierung nach der Richtung zur Berück­sichtigung zu überweisen, daß die Verordnungen zur Verhinderung von Seuchengefahr so getroffen werden, daß möglichst geringe Kosten da­durch entstehen, und das Plenum trat diesem Beschlüsse bei.

I liegt in unserem Falle doch so: Der einzelne Händler übt sein Gewerbe aus; jetzt kommt die Staatsregierung und verbietet ihm das oder schränkt ihm die Ausübung seines Rechtes wenig­stens ein, und diese Einschränkung geschieht nur wegen der anderen Leute, nicht wegen der Person, die das Geschäft betreibt oder Vieh ver­kaufen will; nur deshalb, damit nicht auch noch die Thiere der anderen Staatsbürger in der Gegend von der Viehseuche angesteckt werden, darum sind diese Maßregeln von der Regierung angeordnet. Das können Sie doch nicht dem armen geplagten Menschen zumuthen, daß er nun zu seinem eigenen Unglück auch noch die Kosten der Maßregeln tragen soll, durch welche andere Leute vor demselben Unglück bewahrt werden. Das liegt doch eben im Wesen des Staates, daß für diejenigen Unkosten, die im öffentlichen

Anspruch genommen wird, in welche wir alle unsere Steuern zahlen. (Sehr richtig! links.)

Heute hat der Herr Regierungs - Kommissar ausgeführt, es sei doch wohl zu erwägen, ob man, falls die angedeutete Beschränkung ange­nommen wird, der Kasse der Stadt Berlin eine Ausgabe von ungefähr 25,000 Mark jährlich, die dann nach unserem Anträge entstehen würden, aufbürden könne. Ich glaube, meine Herren, die Verwaltung der Stadt Berlin, welche so groß­artige Einrichtungen in dem Viehhof, in den Markthallen ?c. getroffen hat, wird sich darüber wundern, daß man ihr nicht die Bereitwilligkeit zutraut, 25,000 Mark für einen so guten Zweck auszugeben. Ich möchte also die Staatsregierung bitten, sich doch schlüssig zu machen über die Art und Weise, welche sie in der Kommission zur Er­ledigung unseres Antrages vorschlagen will.

Für Beschränkungen, welche das allgemeine öffentliche Recht aus Gründen des öffentlichen Wohles dem Privateigenthümer auferlegt, kann der Eigenthümer eine Entschädigung nicht verlangen.

Die Königliche Staatsregierung ist also seit langer Zeit in ausgiebigster Weise mit diesem Gegenstände beschäftigt worden. Der Beschluß der Kommission legt sich allerdings gewisse Be­schränkungen auf, weil man Bedenken trug, so- sort schon aus Grund dieser Petition an eine । £ ,y • - —- - > ।......

I Aenderung des preußischen Gesetzes, betreffend I Interesse liegen, auch die öffentliche Kasse in Maßregeln zur Verhütung und Unterdrückung """" ' """" "* k

| von Viehseuchen, heranzugehen. Bei dieser Sach­lage war ich mit Recht erstaunt, daß der Kommissar der Königlichen Staatsregierung uns so dürftige Auskunft gegeben hat über die Pläne, welche die Regierung mittlerweile in Er­wägung gezogen hat, um dem Beschlüsse dieses Hohen Hauses einigermaßen gerecht zu werden.

Diese Angelegenheit betrifft doch große Landestheile. Die Maul- und Klauenseuche tritt leider in sehr großen Theilen unserer Mo­narchie abwechselnd auf, und vorzüglich werden von den Nachtheilen dieser Viehseuche die kleinen Landwirthe betroffen. Die Vieh­seuchen bringen, ganz abgesehen von den Kosten, über deren Aufbringung wir jetzt reden, dem armen Mann, wie Sie alle wissen, große finan­zielle Nachtheile durch die Stall- und Orts­sperre u. s. w. (Zuruf: Auch den großen!) Den großen Besitzern bringen sie noch größere Nach-1 theile, aber die kleinen sind doch viel weniger im Stande, diesen Verlust zu tragen, und all das Mitgefühl, welches in diesem Saale so oft zur Linderung der Noth der Landwirthschast aufge­rufen wird, möchte ich hier doppelt stark auf­rufen, im Interesse der kleinen Länd­le u t e, welche in der Gegend, aus der die Pe­tition herstammt, von den Viehseuchen so hart betroffen werden.

Gewiß ist die Ordnung dieses Gegenstandes sehr schwierig, und der Antrag muß offenbar einer Kommission zur näheren Erörterung über­wiesen werden. Der Vertreter des Herrn Finanz­ministers hat in der Berathung der Petition der Handelskammer von Hanau einen ganz sonder­baren Grund zur Bekämpfung des Antrages an­geführt. Ich bin sehr erfreut, daß heute dieser Grund nicht mehr geltend gemacht worden ist; man wird wohl mittlerweile von der Unhaltbar­keit desselben überzeugt worden sein. Damals wurde gesagt:

Kr den Monat Man

werden Abonnements auf die

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Im preußischen Abgcordnetenhausc hatte bei der Berathung des Etats des Ministeriums des Innern Herr Minister von der R ecke Gelegenheit, sein Licht leuchten zu lassen. Der Herr Minister hat das mit so überraschendem Erfolge gethan, daß nunmehr auch waschecht konservative Blätter mit der Erwägung sich beschäftigen, was werden soll, wenn der Herr Minister des Innern fortgesetzt seine Mitarbeit versagt bei dem ganz nvthwendig gewordenen Werke einer Umgestaltung der Polizei, nicht nur in Berlin, sondern in allen größeren Städten und sonst im Lande. Der Herr Minister hat die erstaunliche Entdeckung gemacht, das sei nur die böse Presse, die allerhand Unrechtes an der Verwaltung der Polizei entdecke. Aber mit seltener Emmnthigkeit haben schon im Abgeordnetenhause die Redner aller Parteien es ihm gesagt, daß sie darin anderer Ansicht sind, und nun kommen gar konservative Blätter und sagen Herrn von der Recke rund und klar, daß man mit seinem Nachfolger im Ministeramte über die Polizei reden müsse, wenn er selbst sich weigere, dieselbe umgestalten. zu helfen. Herr von der Recke M augenscheinlich sehr gern Minister. Vielleicht über- >egt er sich also die Sache mit der Polizei noch ein- mal, genauer und ändert seine Ansicht darüber, ehe es i» spät ist.

Im Allgemeinen hat die Besprechung des Etats »es Mmisteriums des Innern im preußischen Abge- »rvnetenhause diesmal eine ungewöhnlich große Aus­dehnung angenommen. Dazu trug auch bei die An- »eiegenheit der drei Landräthe im Wahlkreise Hildesheim. Diese hatten ein Flugblatt des Bundes «er Landwirthe mit unterschrieben, in dem in sehr Mlrfer Sprache gegen die bestehenden Handelsverträge dsgezogen wird. Die Politik der Handelsverträge ist °n den verbündeten Regierungen eingeleitet und vom l,r‘*etr persönlich in öffentlicher Weise gebilligt und wvt worden. Diese Landräthe dürfen nun für sich >ucm darüber denken, wie sie wollen. Aber ihnen .-Beamten kommt es nicht zu, öffentlich und dazu *n7 *n denkbar.schärfster Weise Kritik zu üben ander die vom Kaiser und von der Regierung ge- 3,ih n Die offiziöse .Norddeutsche Allgemeine - ung meldete auch, die Landräthe sollten von der ilate^^Efizirt" werden. Aber als das Flug- erskbi»» der Landwirthe zum zweiten Male

UnirrM, Ucn? verbreitet wurde, standen mit allen übrigen rätb, giften auch wieder diejenigen der drei Land- llL^runter. In Hannover sind die National- n mit dem Bund der Landwirthe in Zwist

sich hier ga- nidjt ™ K 1" VT™* L"U

™Mo Xov — 1 Andacht und Christenlehre, 4 Uhr Predigt und Andacht,

7 Uhr Andacht in der Marienkapelle. Montag Abend 7*/« Uhr Fastenpredigt mit Bußandacht. — Sladtpfarr- kirchr. 51/* Uhr hl. Messe und Predigt, 6 U. hl. Meffe und Kommunion der Mitglieder des Müttervereins, 7 Uhr hl. Messe und Kommunion der christenlehrpfl. Jungfrauen, 8 Uhr hl. Meffe und Predigt, 9‘/s Uhr Hochamt und Predigt, 11 und 1 Uhr Christenlehre, 2 Uhr Predigt und Andacht für den Mütterverein, 3 Uhr Michaelsbruderschaft. — Michariskirche. 10 Uhr hl. Messe mit Exposition, 2 Uhr Predigt und Bruder­schaft von den 7 Schmerzen Marias. — Pfarrkirchetu» hl. Keifte. 8 Uhr Amt mit Predigt, 4 Uhr Andacht mit Segen. — Sodalitüt. 7« 10 Uhr. — J.-S. 6’/« und 2-«Uhr. — Frauenberg. 5 und 61/» Uhr hl. Messen, 8 Uhr Bruderschaftsmesse, 9 Uhr Hochamt, 2 Uhr feiert. Vesper. Während des Märzmonats an den Wochentagen im Anschluß an die 7 Uhr-Messe kurze Josephsandacht. Freitag, 4. März. (Erster Freitag des Monats.) 5 Uhr Aussetzung des Allerhl. zur 12stündigen Anbetung,

Im Reichstage und in seiner Budget-Kommission ist während der letzten Tage der Militär-Etat durch- berathen worden An beiden parlamentarischen Stellen entwickelte sich so ziemlich dasselbe Bild: vorwiegend Auseinandersetzungen zwischen der Sozialdeniokratie [ und den Vertretern der Militärverwaltung. Die Ab­wesenheit des Abg. von Vollmar, der im vorigen Jahre bei der Berathung des Militäretats den Stand- j punkt der Sozialdemokratie mit einer auch von der Gegenseite anerkannten Geschicklichkeit vertrat, macht sich diesmal für die Sozialdemokraten um so empfind- I Ucher geltend, als neben Herrn Bebel neuerdings der Abg. Kunert zum Vertreter seiner Partei in militä­rischen Angelegenheiten sich aufgeschwungen hat. Schon Herr Bebel stellt sich als eine recht zweifelhafte Größe in militärischen Dingen dar. Aber in Herrn Kunert haben die Sozialdemokraten einen Militärredner von der Art derjenigen Freunde gefunden, vor denen Jeder­mann gern beschützt ist. Für die Vertreter der Mili­tärverwaltung ist das natürlich sehr angenehm; denn dadurch bekommen diese ein recht leichtes Spiel. Be­zeichnend ist die beinahe rührenoe Fürsorge, die Herr Bebel für die jüdischen Aerzte sowohl in' der Budget- Kommission, als auch im Plenum des Reichstages an den Tag legte. Hier wie dort that Herr Bebel ein Uebriges, um jüdischen Aerzten Anstellung als Mili­tärärzte zu verschaffen. Bezeichnend kann man das deswegen nennen, weil die Sozialdemokratie in neuester Zeit im Allgemeinen sich mit ganz besonderem Eifer um die Liebe der jüdischen Bevölkerung bemüht. Sie hofft auf deren Zuwendung vermuthlich deshalb sehr stark, weil die Freisinnigen in der Zuneigung unserer jüdischen Mitbürger sinken, und diese Abnahme der Zuneigung auch offen in israelitischen Fachblättern und in solchen Zeitungen zutage tritt, die mit dem Judenthum in nahen Beziehungen stehen. Die Frei­sinnigen stellen jüdische Kandidaten nur noch in Wahl­kreisen auf, wo an eine Wahl nicht zu denken ist. Und das hat man ihnen gründlich übel genommen. So sieht man denn Blätter, wie die.Israelitische Wochen­schrift', die ,Welt am Montag', die.Volkszeitung' und ähnliche gegen die Leitungen der fteisinnigen Parteien und für ein Bündniß zwischen Demokratie und Sozial­demokratie eintreten.

* Wie Hoch könne» die Dögek fliege«? Hier­über gibt Robert H. W e st in derZeitschrift,Prometheus' interessante Mittheilungen. Als er am 7. Oktober 1895 in Beirut die Bedeckung der Plejaden durch den Mond beobachtete, bemerkte er zahlreiche Zugvögel, welche vor der Mondscheibe vorbeiflogen. Sie brauchten je nach ihrer Größe und Abstand zwischen 4—8 Sekunden, um die Mondscheibe zu durchkreuzen. Hieraus hat nun West die Flughöhe zu berechnen versucht und ist dabei zu töhen von 8000 bis 15,000 Meter gelangt. Die chätzung dürfte kann, übertrieben fein, denn Newton berechnet in seinem Vogel-Lexikon noch weit größere Flughöhen für Wandervögel.

* Gin Heller Junge. Ein Junge kam einmal eine Stunde zu spät in die Schule. Der Lehrer fuhr ihn an und fragte, wo er so lange gewesen sei. „Ja", sagte der Junge, „heute ist draußen so mächtiges Glatteis; ich konnte überhaupt gar nicht vorwärts kommen wenn ich einen Schritt nach vorn ging, bin ich immer gleich zwei Schritte zurückgerutscht." „Na, Junge", wie bist Du dann überhaupt hierher gekommen?" „Janz einfach", meinte jener, „ich habe mich einfach umjedreht!"

* MosHatt. „ . So. Das ist Deine Freundin,

die Dichterin ?! . . Nun, wie viel Bände hat denn die fchon verfaßt?" — „O, die dichtet unbändig!"

* Zukunftsbild. Fußgänger (im Gebirge): „Ent­zückend! Diese Berge, diese Thäler . !" — Radler: „Ja, wo man hinschaut, nichts als Fahrhindernisse!"

grad sind dort die Geister nicht minder erregt, als i kein Bedenken trauen für die MaLreaeln Melu™19e“tT1’,Sn9rT9

auf Ausführung eines Artikels im Berliner Vertrage werteren Umsichgreifens dieser Vleh-

verlangt, der für Macedonien Selbstständigkeit verlangt, Züchen, die Staatskasse m Anspruch nehmen, jedoch so, daß die bulgarische Sprache die amtliche und Ferner ist in der Kommission auch gesagt ein Bulgare Generalgouverneur sein soll. Nach einem worden, daß die thierärztlichen Unter­anderen Gerüchte soll Oesterreich die Theilung Mace- suchungen, welche von der Staatsregierung domens m drei Bezirke vorgeschlagen haben: Korsowo angeordnet sind und um deren Kosten es sich jetzt

• - -ft»4 sXÄt«: — zu betreiben. Aber das ist doch kein Grund, ihm

Rede des Abg. Dasbach ausschließlich die Kosten aufzubürden, welche doch derjenigen Vertreter" der Landwirthschaft""die,"w7eHaf | der Berathung des Antrages Herold (Unterdrückung hTü Xaeführt" Ü!n ^ind & '£Sh miV Lff“' von Kanitz und die Leitung des Bundes der Land ber Viehseuchen) im preußischen Abgeordnetenh.use iah,8 ’ <V, H hoffen,

wirthe, alle anderen wirthschaftlichen Interessen den- ont 23- Februar 1898. leber öffentlichen Interesse angeordnete

jenigen der Landwirthschast dienstbar machen wollen Die'Angelegenheit, welche uns hier beschäftigt, Maßregel auch den einzelnen Staatsbürgern Nutzen ......vorausgesetzt nämlich, daß es wirklich die schwebt bereits seit dem Herbst 1896. Im März brtn8*;. I. nun l^der, der Nutzen davon hat, wahren Interessen der Landwirthschast sind, die diese des vorigen Jahres wurde in unserer Aorar- Bestreitung der Kosten beitragen? Die Sache Herren vertreten. Bekanntlich ist ein sehr großer Theil kommission eine Petition der Han de lskamm er a'" " '

der deutschen Landwirthe selbst der Ansicht, daß dies 1 ■— -

uicht der Fall fei. Wir lassen dies hier auf sich be­ruhen. Thatsache ist jedenfalls, daß dieser Streit um unsere Handelspolitik eine sehr große Bedeutung hat.

Gerade auf diese beiden Gruppen, die Großindustrie und die Großgrundbesitzer, soll nach dem Rezepte des Herrn Ministers von Miguel die Regierungspolitik der sogenannten Sammlung gestützt werden. Und dieses ganze Gebäude, ohnehin nicht fest gestützt, fällt vollends in Trümmer, wenn diese beiden Interessen­gruppen uneins untereinander sind über wichtige Fragen, die gerade jetzt mehr als sonst geeignet sind, den Aus­schlag zu geben. Daraus kann man dann noch eine weitere, und diesmal allgemeine politische Lehre ziehen: eine Politik ist schlecht und entbehrt des festen inneren Haltes, wenn sie aufgebaut wird nur auf den Grundlagen der äußeren ma­teriellen Interessen, wenn sie nicht vornehm- j sich beruht auf sittlicher, im edeln Sinne des Wortes politischer Grundlage.

Der Vater des Gedankens von dieser „Politik der Sammlung", Herr Staatsminister Johannes von Miquel, hat in diesen Tagen seinen 70. Geburts­tag gefeiert. Aber obwohl mehrere Wochen vorher in der ihm befreundeten Presse auf diesen Tag hinge­wiesen wurde, hat man desselben auffällig wenig ge­dacht. Ob am Ende der Stern des Herrn v. Miquel im Verbleichen ist?

Endlich ist nun auch der schon lange angekündigte Entwurf von Verbesserungen im Postbetriebe beim Reichstage eingetroffen. Danach soll in Zukunft der einfache Brief bis 20 g. wiegen dürfen, statt wie bisher nur höchstens 15. Man folgt darum Oesterreich, das bereits seit dem 1. Januar 1883 die Gewichtsgrenze in ganz derselben Weise ausgedehnt hat. Ja, man macht doch eigentlich nur einen Rückschritt wieder gut, zu dem man sich 1871 verleiten ließ. Damals galt das alte Zollloth, gleich 167'3 g., als Gewichtsgrenze. Statt nach oben rundete man damals nach unten ab, obwohl diese Einschränkung vom Publikum von allem Anfang an als eine Erschwerung des gewohnten Brief­wechsels empfunden wurde. Die Ortstaxe — für Briefe an Einwohner innerhalb desselben Ortes — be­trägt bekanntlich nur 5 Pfennige. Das soll nunmehr auf Anordnung des Reichskanzlers auch für Nachbar­orte gelten, die in ihrem Verkehr eng auf einander angewiesen sind, also insbesondere für die Großstädte und ihre Vororte. Die geforderte Gegenleistung wird noch heftige Kämpfe entfesseln: im eigentlichen Orts­verkehr sollen Privatpostanstalten geschloffene Briefe nicht mehr befördern dürfen. Die Begründung weist auf die gleiche gesetzliche Regelung in Oesterreich- Ungarn, Frankreich, Großbritannien, Italien, Rußland, Schweden, Belgien, Dänemark, in den Niederlanden und der Schweiz hin. Das mag richtig fein. Aber bei uns trägt ja die Reichspostverwaltung durch ihre Verschleppung der Tarifreform ganz allein die Schuld, daß sich das Privatpostwesen so stark entwickelt hat. Somit erfordert es die Gerechtigkeit, daß die Privat- postanstalten für die Beschränkung ihres Betriebes eine Entschädigung erhalten.

Recht bedenkliche Formen hat eine Angelegenheit angenommen, die in das Gebiet der altbekannten Kolonie-Eifersucht zwischen Frankreich und Eng­land in Afrika gehört. Wollte man gewissen englischen Zeitungsmeldungen glauben, so ständen wir unmittelbar vor einem englisch-französischen Konflikt in Westafrika, zumal neuere Nachrichten zu ergeben scheinen, daß sich inzwischen der Gegensatz noch dadurch verschärft hat, daß die Franzosen zwei Expeditionen gegen Sokoto fuhren. Bon französischer Seite aber sind diese sen­sationellen Meldungen bisher nicht bestätigt worden. Und die ffanzö fische Preße zeigt in ihrer Haltung weit mehr Besonnenheit, als die englische. .Pariser Regierungs­blätter heben nachdrücklich hervor, daß noch keine Feind­seligkeiten stattgefunden haben und hoffen, daß es dabei bleiben wird.

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Auch sonst waren die Handelsverträge wäh­rend der jüngsten Tage mehrfach der Gegenstand leb­hafter Auseinandersetzungen. Die „wilden" Agrarier — um mit einem rheinischen Blatte zu reden — feinden die bestehende Handelspolitik des Reiches bitter an. Namentlich Herr Graf von Kanitz thut sich darin hervor, wie man ja weiß. Aber die Industrie und vor allen Dingen die Großindustrie befindet sich in. ________ _ (lvv_ ucqi In uie|en Mnaen

foWjen Fragen in sehr scharfem Gegensätze zu den so viel Zündstoff, daß auch recht geringe Veranlassungen Herren von den Anschauungen des Grafen Kanitz. gefährliche Brände Hervorrufen können. Und so hat denn das Organ des Centralverbandes ----

deutscher Industrieller, die .Deutsche Jndustriezeitung', eine deutliche Absage ergehen lassen an die Gruppe