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FnIdaerMZeitung

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verantwortlich: Lür die Redaktion Iol. Saum, für Inserate I.parzeller in Lulda.

mit Zlnterßaktungs-Meikage „Musirirte Sonntags-Zeitung" petersgaae Nr. (barmonie).

M 40.

JuLöcr, Samstag, den 19. Februar 1898

25 Jahrgang.

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Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 19. Februar.

Wenn es uns nicht als Leichtfertigkeit ausgelegt würde, möchten wir beinahe sagen, daß die Lage der Dinge in der Sache der Flotten-Vorlage augenblick­lich ein wenig heiter stimmen könnte. Von verschie­denen Seiten werden nämlich genau entgegengesetzte Meldungen über das vermuthliche weitere Schicksal der Vorlage in die Welt gesetzt, so, wie es denen ge­rade paßt, die die eine oder andere Meldung auf­bringen. Ein großes Regierungsblatt, von dem man weiß, daß es in sehr engen Beziehungen zu den ver­schiedenen Aemtern in der Berliner Wrlhelmstraße steht, sucht die Lage in rosiger Farbe auszumalen. „Es ist — so schreibt der Oifiziosus — begreiflicher Weise nicht möglich, heute bestimmt zu sagen, wie der weitere Verlauf dec Berathungen des Flottengesetzes ein wird. Daß manche Vorgänge der jüngsten Zeit geeignet waren, die Aussichten der Vorlage zu ver­bessern, wird man indessen behaupten dürfen. Jeden­falls glauben wir nicht, daß die verbündeten Regie­rungen in der Lage, noch Willens sein werden, wesent­liche Punkte von ihren Forderungen aufzugeben, und zwar gilt dies insbesondere von dem auf mehrere Jahre festgelegten Bauplan. Bon diesem wird und kann man unseres Erachtens nicht abgehen." Ganz anders läßt ein großes demokratisches Blatt in Süddeutschland den Flottenwind wehen. Wollte man dem glauben, dann müßte man annehmen, daß die Aktien der Flotten­vorlage in der jüngsten Zeit ganz erheblich gesunken seien, und daß eine Ablehnung so gut wie sicher er­wartet werden inüsse. Der Beschluß der Polenfraktion des Reichstages mag dazu beigetragen haben, diese Annahme zu stärken. Zuerst schien es, als wollten die Polen sich günstig zu der Vorlage stellen. Dann änderte sich das Bild, und es folgte der einstimmige Beschluß der Polenfraktion des Reichstages, das Ma­rinegesetz abzulehnen. Daraus wollen nun manche den Schluß ziehen, daß es im Centrum in der Zwischen­zeit etwa ebenso zugegangen sei. Eine solche Schluß- solgerung aber würde falsch sein. Und der Wahrheit am nächsten kommt zweifelsohne die Notiz der Frei­sinnigen Zeitung des Herrn Eugen Richter, daß seit dem Beginn dieser Tagung des Reichstages wenig oder nichts in der Flottensituation sich geändert hat. Wir haben es an dieser Stelle schon mehrfach betont, und heben es nochmals hervor: Der Schwerpunkt für die Entscheidung der Flottenvorlage liegt in den Berathungen der B u d g e t- K o m mis s i o n des Reichs­tages. Und diese Kommission kann die Berathung über die Flottenvorlage nicht vor dem 21. Februar beginnen. Die Stimmung in Centrumskreisen hat nun schon so viele Kennzeichnungen erfahren, daß es über­flüssig ist, noch einmal darauf zurückzukommen. Viel­mehr genügt es, noch einmal die allerwichtigsten Punkte hervorzuheben: neue Steuern für die Deckung der Kosten lehnt das Centrum jedenfalls ab, und ebenso ist es nicht zu haben für das Marine- Septennat, also für die Bindung des Reichstages in seinen Bewilligungen für die Kciegsflotte auf sieben Jahre hinaus, wie die Regierung sie haben will.

Anders denkt das Centrum über die Ausgaben für die Versorgung der unteren Beamtcn-Klassen und für deren persönliche Rechte. So wie es vorher im Reichstage nachdrücklich für die Unterbeamten der Post und für die Landbriefträger eingetreten ist, hat es in den jüngsten Tagen auch im preußischen Abgeordneten­bause bewiesen, daß es ein Herz für die Beamten hat Dies geschah bei der Berathung des Forst-Etats in dem genannten Parlamente. Herr Minister von Miquel zeigte bei dieser Gelegenheit von Neuem, daß er für die Rechte der Beamten wenig übrig hat. Er radelte nämlich sehr entschieden die Bestrebungen der Forstbeamten, ihre Lage zu verbessern; er meinte, das „schädige die Disziplin", und sei den Interessen der betreffenden Beamten nicht dienlich. Vom Cen­trum traten dagegen die Abgg. Dr. Frhr. v. Heere- man und Schmidt-Warburg ebenso entschieden für die Aufbesserung der Förster ein und vertheidigten zu­gleich das Petittonsrecht dieser Beamten.

Auch in anderen wirthschaftlichen Fragen, nament­lich im Interesse der Landwirthschaft hat das Centrum während der allerletzten Zeit durch seine Thätigkeit sich hervorgethan. Der Centrumsabgeorduete Herold hat in Verbindung mit Abgeordneten anderer Parteien im preußischen Abgeordnetenhaus einen Antrag ein­gebracht, der die Staatsregierung zu energischen Maß­regeln zur erfolgreichen Abwehr der Maul- und Klauenseuche veranlassen soll. Und während eine landwirthschaftliche Versammlung nach der andern und ein landwirthschaftlicher Verein nach den« andern papierne Resolutionen faßt über den Arbeitermangel auf dem Lande, sind es auch wieder Mitglieder des Cenirums, die aus den Worten Thaten werden ließen.

Die Generalversammlung, die der Bund der Land- wirthe am 14. Februar in Berlin abgehalten hat, kann sich nicht rühmen, gleich praktisch und thatkräftig vor­gegangen zu sein. Die Versammlung war zwar recht gut besucht und es wurden lange und schön vorbereitete Reden gehalten. Aber das Ganze war im Laufe eines halben Tages abgewickelt und verlief ganz genau so, wie die Macher es eingeleitet hatten. Demnach sind klinge Resolutionen, die die Versammlung des Bundes einstimmig angenommen hat, deswegen interessant, weil Ile sich gegen die von Herrn Minister von Miquel gewiinschte sogenannte „Politik der Sammlung" wenden. Ter Bund der Landwirthe will für sich allein „sammeln". Ta kann es nun freilich nicht fehlen, daß er manchen

politischen Vereinen ins Gehege kommt; und thatsäch- lich sind die Konservativen und die Nationalliberalen schon jetzt in vielen Wahlkreisen von dem Bund der Landwirthe abhängig. So sehr man anerkennen muß, daß der Bildung des Bundes der Landwirthe berech­tigte Gedanken und Bestrebungen zu Grunde liegen, so darf man doch auf der anderen Seite niemals ver­gessen, daß der Bund der Landwirthe nur die wirth­schaftlichen Interessen eines Theils des Volkes vertritt, und da er dies in mitunter sehr rücksichtsloser Weise thut, so kann man nicht wünschen, daß der Bund noch weiter als bisher die politischen Parteien überwuchert. Die Folge davon müßte unausbleiblich eine noch mehr gesteigerte Verschärfung der wirtschaftlichen Gegensätze sein und gerade diese muß jetzt mit allen Kräften jeder zu verhüten suchen, der es mit der politischen Zukunft des deutschen Volkes gut meint. Das Centrum kann also die politische Sammlung des Bundes der Landwirthe so wenig unterstützen, wie die Politik der Sammlung des Herrn von Miquel.

Eine recht heitere Sache ist es mit der chinesischen Anleihe geworden. England und Rußland, besonders aber England wollten durchaus dem Reich der Mitte eine Anleihe von hundert Millionen borgen. Aber schließlich haben die Chinesen höflichst für die ganze Anleihe sich bedankt. Wovon sie nun die Kriegsschuld an Japan bezahlen wollen, weiß man zwar nicht. Aber schließlich ist ja das der Chinesen eigene Sache.

In der Frage, wer nun eigentlich die interessante Insel Kreta als Gouverneur regieren soll, hat Rußland einen halben Rückzug angetreten. Die zarische Regierung hat erklärt, aufdringen wolle sie dem Sultan den griechischen Prinzen Georg auch nicht. Nun solle der Sultan selbst einen geeigneten Mann Vorschlägen, der nicht türkischer Unterthan ist. Das wird dem Sultan natürlich sehr schwer werden. Und tausend gegen eins ist zu wetten, daß ihm zunächst das erste halbe Dutzend Kandidaten als ungeeignet von der Liste gestrichen wird.

Ungar» wird gegenwärtig von einer agrar­sozialistischen Bewegung beunruhigt, die den ungarischen Behörden viele und ernsthafte Besorgniß verursacht. Diese Unruhen haben ihren Anfang im Szabolseer Komitat genommen und haben auch schon das Komitat Szalkmar ergriffen. Die Behörden be­fürchten den Ausbruch eines allgemeinen blutigen Bauernaufstandes. In zahlreichen Gemeinden werden täglich Verhaftungen vorgenommen. Bei vielen Ver­hafteten werden Waffen vorgefunden. In mehreren Ortschaften ist es zu Zusammenstößen mit der Gens- darmerie gekommen, die in Apati einen der Aufwiegler tödtete. In beiden Komitaten ist eine ziemlich be­deutende Militärmacht aufgeboten. In vielen Gemeinden gehen die Leute nur bewaffnet aus. Die Behörde hat in beiden Komitaten den Verkauf des Schieß­pulvers verboten. In den kleinen Ortschaften darf nach 7 Uhr Abends die Straße von niemanden ohne behördliche Bewilligung betreten werden. Das sind die Folgen des sogenannten „liberalen" Regimentes in Ungarn.

Die Lage auf derJnsel Cuba ist unverändert; der Aufstand glimmt weiter, ohne daß man die Macht hat, denselben eutgiltig zu ersticken. Wann das Ende des Ausstandes kommen und wie es sein wird, vermag man heute noch gar nicht zu sagen.

Ein recht erfreuliches Ereigniß ist die Wieder­wahl von Paul Krüger zum Präsidenten der Südafrikanischen Republik. Dem alten und kranken, aber tapferen und unerschütterlichen Manne ist es herzlich zu gönnen, daß er den Sieg über seine und seines Landes treulose Feinde erlebt hat. Er hat beinahe die doppelte Stimmenzahl von 1893 erhalten, und somit sind die höhnischen Voraussagungen der englischen Presse der Lächerlichkeit verfallen, daß Krüger nicht mehr gewählt werden würde. Die Republik ist gestärkt durch den Bund mit dem Orange-Freistaat, und kann sich nun mit Ruhe der Einführung von Reformen zuwenden. Der mitunter noch beliebte Vor­behalt britischer Souverainetät über Transvaal ist ein leeres Wort, eine Selbstverhöhnung Britanniens in dem Augenblicke, wo England rathlos in einer Fülle von Verlegenheiten dasteht.

In den ewig unruhigen Republiken von Mittel- Amerika ist wieder ein Staatsoberhaupt ermordet worden: Herr Jose Maria Reyna Barrios, Präsi­dent der Republik Guatemala. Leider hat die Meuch- lerthat ein Deutscher begangen, Namens Oskar Su­linger. Dies ist um so tiefer zu beklagen, als gerade die deutschen Staatsangehörigen in diesem Lande eine bevorzugte Förderung in ihren Unternehmungen ge­funden und die am meisten geachtete Stellung unter den Fremden innehaben. Reyna Barrios ist ohne Zweifel einer förmlichen Verschwörung zum Opfer ge­fallen, die als Zweck die Einsetzung des Prospero Morales, dem letzten Aufstaiidsführer, verfolgt hat. Dieser Plan aber ist nicht geglückt.

Die Anpreisung non Geheimmiltetn.

(Nachdruck verboten.) (Schluß.)

Interessant ist eine Entscheidung vom 19. Oktober 1891, in welcher der Redakteur des in Siegburg er­scheinenden ,Sieg-Boten' von einer auf Grund der oben angeführten französischen Gesetze vom 21. Ger- mtttal XI und 29. Pluviose XIII erhobenen Anklage sreigesprochen wurde. Es wird zunächst festgestellt, daß der Erscheinungsort Siegburg nicht im Geltungs­bereich der genannten Gesetze liege. Der Umstand aber, daß einzelne Exemplare der Zeitung auch in Köln, wo jene Gesetze Geltung haben, verbreitet worden seien, könne die Strafbarkeit des angeklagten Redakteurs nicht begründen, da nicht erwiesen sei, daß er an dieser Verbreitung theilgenommen habe. Das sei aber nicht ohne weiteres anzunehmen, weil er als Redakteur an sich mit dem Vertriebe und der Verbreitung der Zei­

tung nichts zu thun habe, dies vielmehr Sache des Verlegers sei.

Zu bemerken ist endlich noch, daß es außer der direkten auch eine indirekte, gleichfalls strafbare, Anpreisung von Geheimmitteln gibt. In einem In­serat war Eau Athönienne zwar nicht direkt als Heil­mittel angepriesen worden, aber der Inserent versandte auf Grund dieses Inserats an diejenigen, die sich in Folge dessen an ihn wandten, Prospekte und Broschüren, welche die Anpreisung enthielten, und auf die in dem Inserat bingewiesen war. Es erfolgte die Verurthei- lung, weil auch dann ein Verstoß gegen die betreffende Polizeiverordnung vorliege, wenn die öffentliche An­preisung indirekt, durch Bezugnahme auf eine ander- weite Anpreisung, erfolgt sei (Urtheil vom 1. Februar 1894). Selbstverständlich würde in diesem Falle der Redakteur nur bestraft werden können, wenn ihm der Inhalt der in Bezug genommenen Prospekte be­kannt war.

Zunächst ist es schon nicht immer ganz leicht, fest- zustellen, was denn eigentlich ein Geheim­mittel ist. Der Strafsenat des Kammergerichts de- fiuirt dasselbe als ein Arznei- oder Heilmittel gegen Krankheiten, Körperschäden und Leiden jeder Art, dessen Bestandtheile, Zusammensetzungs- und Zubereitungsart nicht gleich bei dessen Feilbieten dem Publikum bekannt gemacht werden (Urtheil vom 4. Januar 1891), bezw. dessen Bestandtheile nicht durch die Benennung oder Ankündigung für Jedermann deutlich und zweifellos erkennbar gemacht sind (Urtheil vom 29. Januar 1894). Sonach gehört zum Begriff des Geheimmittels zweierlei: einmal, daß es sich um ein Arznei- oder Heilmittel handelt, und zweitens die Geheimhaltung der Zube­reitung und Zusammensetzung.

In ersterer Beziehung ist zunächst, um vielfach ver­breiteten Jrrthümern zu begegnen, zu konstatiren, daß unter den Begriff der Arznei- und Heilmittel, wie das Kammergericht in wiederholten Entscheidungen ange­nommen hat (z. B. Urtheil vom 7. Juni und 12. Juli 1894), nicht nur die für Menschen, sondern auch die für Thiere bestimmten fallen. Ferner gehören dahin nicht nur Mittel, die zur Bekämpfung von Krankheiten im engeren Sinne dienen sollen, sondern auch solche, die krankhafte Zustände, wie sie gemeinhin nicht zu den eigentlichen Krankheiten gerechnet werden, heilen sollen, also beispielsweise Hühneraugenmittel (Urtheil vom 4. Januar 1891). Ebenso wurde auch Antisudorie für ein Geheimmittel erachtet, weil es zur Verhütung von „Schweißfuß, Hand-und Kopfschweiß" empfohlen, also als Mittel gegen krankhafte Zustände, , gegen das anormale, auf unregelmäßiger Hautthätigkeit -oder sonstiger krankhafter Anlage beruhende Schwitzen, angepriesen wurde (Urtheil vom 15. Mai 1893). Des­gleichen gehören zu den Arznei- und Heilmitteln, even­tuell also auch zu den Geheimmitteln, die Mittel, die zur Stärkung der Gesundheit, also als Vorbeugungs­mittel gegen Krankheiten und krankhafte Zustände, empfohlen werden (Urtheil vom 7. Juni 1894). Da­gegen sind nicht dahin zu rechnen die gewöhnlichen kosmetischen Mittel, wie Zahnpasten und Pomaden. So erfolgte Freisprechung bei der Ankündigung von Odontiue, die als Reinigungs- und Verschönerungs­mittel für die Zähne, als Zahnseife und Schutzmittel gegen Caries, nicht aber als Heilmittel gegen bestimmte Zahnkrankheiten empfohlen war (Urtheil vom 26. Okt. 1891); ferner bei einer Ankündigung von Phönix- Pomade, die gleichfalls nicht als Heilmittel gegen be­stimmte Krankheiten und Körperschäden, sondern als Mittel zur Pflege und Beförderung eines vollen und starken Bart- und Haarwuchses angepriesen wurde (Urtheil vom 9. November 1891). Es genügt ferner nicht, daß ein bestimmtes Mittel an sich geeignet ist, als Heilmittel benutzt zu werden, sondern es muß, um die Strafbarkeit zu begründen, als solches ange- priesen sein. Deshalb wurde die Ankündigung von Fluid für straflos erachtet, weil dasselbe zwar ein be­kanntes Mittel gegen Rheumatismus (bei Pferden) sei, aber doch nicht ausschließlich zu diesem Zwecke ver­wendet werde und nicht ausdrücklich in dieser Eigen­schaft angepriesen worden sei (Urtheil vom 7. Juni 1894).

(Mit Genehmigung des Verfassers entnommen ans der Zeitschrift .Propaganda' von Robert Exuer, Berlin.)

Vermischtes.

* Zeh« geistliche Geschwister - das wird selten genug vorkommen, wenn es früher überhaupt schon ein­mal dagewesen ist. Aus Anlaß des silbernen Bischofs- Jubiläums des englischen Kardinals Vaughan, welcher im Herbste 1872 Bischof von Salford und dann 1892 der Nachfolger Wisemans und Mannings als Erzbischof von Westminster und Haupt der katholischen Kirche Eng­lands wurde, wird nämlich Folgendes berichtet. Der Vater des Kardinals, Oberst John Francis Vaughan of Courtfield, hatte 13 Kinder, von denen sich nicht weniger als 10 dem geistlichen Stande widmeten: 6 Söhne und 4 Töchter. Zwei von den Söhnen wur­den Bischöfe: der jetzige Kardinal Herbert Vaughan (geb. 1832) und der im Jahre 1884 verstorbene Erz­bischof von Sidney in Ausstralien, Beda Vaughan (geb. 1834). Von den übrigen 4 Söhnen gehörten 2 dem Ordens-Klerus an, unter letzteren der berühmte Jesuitenpater Bernhard Vaughan. Dazu kommt noch, daß Oberst Vaughan auch unter seinen 6 Geschwistern 3 Priester — darunter den im Jahre 1855 zum Bischöfe von Plymouth ernannten Wilhelm Vaughan — und drei Ordensfrauen zählte. Die Familie Vaughan gehört zu den ältesten katholischen Adelsfamilien Englands und ist vielleicht mit der Hälfte der englischen Aristokratie mehr oder weniger nahe verwandt.

* Zwei kostbare Liebesbriefe sollen in jüngster Zeit zwei reiche Bräute in London und Paris erhalten haben. Das eine Briefchen war das Meisterwerk, zwar nicht des glühenden Liebhabers, aber eines überaus kunst­fertigen Londoner Goldarbeiters, der nahe ein halbes Jahr dazu gebraucht hatte, um das eigenartige Werk zur Zufriedenheit des verschwenderischen Auftraggebers anzufertigen. Die Stelle des gewöhnlichen Papiers ver­trat eine zierliche, sehr dünne goldene Platte, deren Rand wie ein seines Spitzengewebe ausgearbeitet worden war.

In der Mitte dieses Täfelchens prangte nur eine kurze süße Botschaft in echter Diamantenschrift. Die kostbaren Buchstaben bestanden aus lauter kleinen Brillanten, deren Fassung unendliche Mühe und Sorgfalt erfordert haben mußte. Dieses reizende Briefchen/das in einem schön geschnitzten Elfenbeinkästchen lag, kostet dem Ab­sender nicht weniger als 700 Lstr. (14000 Mk.) — Nicht ganz so umständlich war die Herstellung eines noch viel werthvolleren Schreibens, das außerdem sehr für das Zartgefühl des Verfassers spricht. Der reich mit irdischen Gütern gesegnete Verlobte einer jungen Pariserin erfuhr von Geschäftsfreunden, daß der Vater seiner Braut sich in arger Geldverlegenheit befand. Da er nun seine Er­klärung hatte für das seltsam gedrückte Wesen, das seine Liebste in letzter Zeit vergebens vor ihm zu verbergen suchte, füllte er schnell entschlossen einen Check über 25000 Franken aus, klebte rund um den Rand des Werthpapiers vorsichtig einige Markenstreifen und schrieb auf diese die zärtlichsten Liebesworte. Dieses merkwürdige Schreiben schloß mit einer Bitte um Entschuldigung, daß er so absonderliches Briefpapier benutze, er hätte jedoch augenblicklich kein anderes zur Hand. Mit Thränen der Rührung und Erleichterung las die glückliche Braut das Schreiben, entfernte dann den für sie allein werthvollen Rand des Checks und übergab diesen selbst ihrem Vater, der nun sofort seinen Verbindlichkeiten nachkommen konnte.

* Die erste KavekvrLcke Deutschlands. Die neue Brücke über die Argen, welche bei Langenargen in den Bodensee fließt, ist dem Verkehr übergeben wor­den. Es ist eine Kabelbrücke von 72 Met er Spann­ung, die erste Brücke dieses Systems in Deutschland. Die tragenden Konstruktionstheile, an welchen die Brücke aufgehängt ist, sind zwei Drahtseile (Kabel), wovon jedes derselben über zwei Thürme gespannt und an beiden Enden verankert ist. Jedes der Kabel hat eine Länge von 130 Meter, einen Durchmesser von 13,5 (Zentimeter und ein Gewicht von 230 (Zentner. Auf den in einem Hohlraum befindlichen Verankerungskörpern, welche auf' die Weise jederzeit kontrollirbar sind, be­finden sich Felsgruppen und Urgesteine zur Beschwerung; diese gewähren mit den vier Thürmen von 12 Meter Höhe einen malerischen Anblick. Die frühere Brücke wurde im März 1896 durch Hochwasser zerstört.

* Koroskop. Mutter' (ihr kleinesstrampelndes Kind betrachtend, zu ihrem Manne): „Du, Alter, das wird entweder ein Radfahrer oder ein Scheerenschleifer!"

* Jein« Aurschreibung. Gast (sein schlecht ein­geschenktes Glas erhebend): „Herr Wirth, Sie sind zu bescheiden, ich sähe es viel lieber, wenn Sie maß­gebender sein wollten."

* Musterung. Vater (als sein arg zerhauener Sohn zum erstenmale von der Universität auf Ferien gekommen): „Na, laß' mal sehen, wie viel von Dir übrig geblieben."

H auswirth schädliches.

Nichts ist besser und schützt mehr vor dem Schim­meln der Fruchtsäfte, als eine dünne Decke von Paraffin. Man läßt letzteres auf dem Feuer zergehen und gießt vorsichtig -so viel über den erkalteten Saft, daß eine dünne Decke darauf entsteht. Diese wird sofort erhärten und die Gläser bedürfen dann nur noch des Ueberbindens mit Pergament-Papier. Auch Gelees und Obstmarmeladen lassen sich aus diese Weise vor Schim­mel bewahren. Den Paraffin-Deckel hebt man vom Gelee, sobald man letzteres gebrauchen will; hat man mehrere Deckel wieder zusammen, so schmilzt man sie zu einer Masse ein, die dann immer wieder auf's neue ge­braucht werden kann.

GefroreneKartoffelngenießbar zu machen. Die Kartoffeln werden geschält und ohne Wasser in einen Topf gebracht, welcher, nachdem der Deckel luftdicht darauf geklebt ist, an das Feuer gestellt wird, worauf die Kartoffeln durch die aus ihnen selbst sich entwickeln­den Dämpfe zum Kochen gebracht werden und dann den­selben Geschmack wie gesunde Kartoffeln erhalten.

Um Feuer rasch zu entzünden, nimmt man etwas Asche auf ein Stück Papier, durchfeuchtet dieselbe mit Petroleum und entzündet es unter dem lose aufge­stapelten Brennmaterial. In dieser Weise verbrennt das Petroleum nur langsam, so daß durch dasselbe allmäh­lich auch das andere Brennmaterial in Brand gesetzt wird. Niemals aber darf Petroleum unmittelbar in die vielleicht noch glühende Asche im Ofen selbst ge­gossen werden: unberechenbarer Schaden könnte die Folge solcher Unvorsichtigkeit sein.

Gottesdienstordrmng in Fulda.

Sonntag, 13. Februar Dom. 5'/-, 6, 68/« und 7‘l» Uhr hl. Messen, 7 Uhr hl. Messe und Kommunion der Schulkindern, 9 Uhr Umgang, Hochamt und Ver­lesung des 2. Theiles des Hirtenbriefes, 11 Uhr Christen­lehre, 12 Uhr hl. Messe, VI» Uhr Andacht und Christen­lehre, 4 Uhr Andacht, 7 Uhr Andacht in der Manen- Kapelle. Am Montag fällt die Abend-Andacht aus. Mittwoch. 71/. Uhr Aschenweihe und Aufstreuung, hl. Messe und Verlesung des Evangeliums. — Dtadt- pfnrrkirdje. (Vollk. Abl.) 5 Uhr Aussetzung des Allerhl. und hl. Messe, 6 Uhr hl. Meile, 7 U. hl. Messe und ge- meinschaftl. Kommunion der Mitgl. der Bruderschaft vom Hochw. Gute, 8 Uhr hl. Messe, Predigt und Kommunion der Schulkinder, 9x/a Uhr Hochamt und Verlesung des 2. Theiles des Fastevhirtenbriefes, 11 Uhr Beginn der Betstunden „Krone Christi", 12 Uhr die Bruderschaft von der Todesangst des Herrn, 1 Uhr erste, 2 Uhr zweite, 3 Uhr dritte, 4 Uhr vierte, 5 Uhr fünfte Frohnleich- namsandacht. — Michaelskirchc. 10 Uhr Hochamt. — Pfarrkirche zum hl. Meiste. 8 Uhr Amt mit Predigt. 4 Uhr Andacht mit Segen. — J.-S. Mutterhaus 2 Uhr. — Frauenberg. 5, 6‘/i und 8 Uhr hl. Messen, 9 Uhr Hoch­amt, 2 Uhr Andacht für die Fünf-Wunden-Bruderschaft. Dienstag. Beginn der 9 Dienstage zu Ehren des hl. Antonius. 8'/2 Uhr feierliches Aml, nach demselben Kreuzwegandacht, 4". Uhr Antoniusandacht. Ascher­mittwoch. 8 Uhr Weihe und Austheilung der Asche, darauf Hochamt.

Montag. Stadtpfarrkirchc. 5 Uhr Aussetzung des Allerheil, und hl. Messe, 6 Uhr hl. Messe, 7 Uhr hl. Messe, 8 Uhr Hochamt, 9 Uhr hl. Messe, 10 Uhr Beginn der Betstunden. Erste Frohnl.-Andacht. Von 11 Uhr ab wie gestern. — Dienstag wie gestern. 3 Uhr feierl. Schluß andacht und Prozession. — Aschermittwoch. 51/», 6, 7*/« und 8 Uhr hl. Messen und Auflegung der geweihten Asche, 9 Uhr hl. Messe für die Verstorbenen der Metzgerinnung. — Während der hl. Fastenzeit wird jeden Mittwoch Nachmittag 5 Uhr die Kreuzwegan acht abgehalten. Freitags 7» 4 Uhr Fastenpredigt.