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Fuldaer

Zeitung

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mit Anterhattungs-Aeilage „Mullrirte Sonntags-Zeitung!' “tsras—

25. Jahrgang.

Jutöa, Samstag, den 19. Februar 1898

JK 40.

Civilbevölkerung hingegen ist in 'den Jahren 1871—1895 von 250 698 auf 311085 gestiegen. Die Katholiken haben demnach eine Abnahme von rund 10000, die Protestanten hingegen eine Zunahme von rund 60 000 zu verzeichnen. Das ist ein geradezu verblüffendes Ergebniß.

gegnet ..." Herr Graf v. Wintzingerode, der Vorsitzende des „Evangelischen Bundes", wird schwerlich mit Vergnügen an den Tag zurück­denken, an dem er die Eingabe an den Kanzler sandte. ______________

Q Etwas vom Evangelischen Bund.

Die deutschen Katholiken in Rom hatten des Kaisers Geburtstag gefeiert, und auch Herr v. Bülow, der preußische Ge­sandte beim Vatikan, hatte an dieser Festlichkeit theilgenommen. Herr v. Bülow hatte, wie es doch ganz natürlich und selbstverständlich sein sollte für alle unbefangenen Beurtheiler, nicht nur feine Anwesenheit merken lassen; er hatte selbst durch sein Auftreten dazu beigetragen, daß dem kleinen Feste eine erhöhte Bedeutung dadurch zu­gekommen ist — alles doch ganz selbstverständlich für den Unbefangenen. Aber der Evangelische Bund denkt anders. Dessen Gesammtoorstand hat sofort, nachdem über das Fest in deutschen Zeitungen berichtet worden war, Verwahrung gegen das Auftreten des Gesandten eingelegt. Eine Richtigstellung ist aber nicht erfolgt. Und nun hat der Gesammtoorstand des Evangelischen Bundes in dieser Sache eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet. Diese schließt mit den Worten: „Eure Durchlaucht bitten wir in Ehrerbietung, die geeigneten Maßnahmen treffen zu wollen, um für die Zukunft einer Haltung des Königlichen Gesandten am päpstlichen Stuhle vorzubeugen, welche unseren evangelischen Volks­genossen zum schweren Aergerniß gereicht..“ Es gehört die ganze Verbohrtheit und Unduldsamkeit eines evang. Bundes­bruders dazu, um aus dieser Theilnahme des preuß. Gesandten an einerFeier, die seinem Souverän von Deutschen im Auslande in aufrichtiger Loyalität dargebracht wird, Aergerniß zu nehmen. Und wir wetten alles Mögliche darauf, daß fünfundneunzig Hundertstel der ins Feld geführten „evangelischen Volksgenossen" gar nicht daran denkt, mit dem Gesammtoorstande des Evangelischen Bundes hierin einer Meinung zu sein. Man kennt ja aber den sogenannten Evangelischen Bund hinreichend, um auch feine Handlungen richtig beurtheilen zu können, die nicht von evangelischer Christenliebe, sondern von leidenschaftlichem Haffe gegen alles geleitet werden, was katholisch sich nennt. Aber leider hat bis heute die Regierung noch niemals den Muth gefunden dazu, dem Evan­gelischen Bunde bemerklich zu machen, daß sie konfessionellen Hader und Hetzerei gegen andere Glaubensbekenntnisse in unserem Lande nicht dulden und noch weniger unterstützen will, ja daß sie sogar „wohlwollend" zur katholischen Kirche sich stellen will. Jetzt wäre wieder einmal die allerbeste Gelegenheit dazu für die preußische Regierung, das zu zeigen. Aber beinahe fürchten wir, daß auch diese Ungezogenheit des Evange­lischen Bundes ungerügt und stillschweigend „zu dem Uebrigen" gelegt wird und der Evangelische Bund am Ende sogar eine der bekannten „höf­lichen Antworten" bekommt, die halb wie eine Entschuldigung aussehen. In einem Lande mit der Art von Parität wie sie in Preußen aus- geübt wird, ist das alles möglich. Nun, man wird ja sehen, welches Ende es mit der Eingabe

* Oft letzte Hilqllinz non Warne«.

Eine historische Erzählung

von Philipp Wasserburg (Laicus).

55 ------ (Nachdruck verboten.)

Cromwell hatte sein Hauptquartier nach Dun- kanshill gelegt; denn in dem benachbarten, um vieles bedeutenderen Orte Wexford sah es schlimmer aus, als es in Drogheda ausgesehen hatte. Zwei­tausend wehrlose Personen, behaupten die mildesten Schätzungen, sollen unter dem Schwerte der Cromwell'schen Soldateska geblieben sein. In seinem Berichte an das Parlament nennt Crom­well diese scheußlichen Metzeleien von Männern, Frauen und Kindern ein gerechtes Gericht Gottes, das er über die Elenden verhängt habe, weil sie ihre Hände mit so vielem unschuldigen Blute be­steckt hätten. So rechtfertigte er die Kindermorde feiner Soldaten, indem er" das als Beweggründe zu Handlungen anerkennt, „welche sonst Reue und Gewissensbisse verursachten würden". Das letztere schrieb Cromwell wörtlich nach dem Fall von Drogheda, er häkle ganz dasselbe nach dem Falle von Wexford schreiben können. Die Stadt war so verwüstet, das er selber anderswo unter- zukommen suchte.

Oliver Cromwell saß an einem mächtigen, mit ganzen Stößen von Akten und Papieren be­deckten Schreibtische von Eichenholz und war tief in seine Arbeiten versenkt. Von dem Haufen zu seiner Linken nahm er ein Papier nach dem andern, sah es durch, unterschrieb, oder machte eine Randbemerkung dazu, und legte es auf den Haufen zu seiner Rechten, der immer höher an- fchwoll.

des Evangelischen Bundes an den Reichskanzler nehmen wird. Das Hauptoerbrechen, das Herr v. Bülow in den Augen des Evangelischen Bundes begangen hat, besteht darin, daß — so sagt die Eingabe — „der Gesandte v. Bülow einen Trink­spruch ausgebracht haben soll, in dem er die Person unseres Kaisers und Königs mit der des römischen Papstes so verband, daß er an erster Stelle den römischen Papst, an zweiter den Kaiser setzte, auch das Hoch auf den Kaiser mit dem Hoch auf den Papst verschmolz". So die Eingabe. Wörtlich lauten die beiden Stellen in dem Trinkspruche des Herrn v. Bülow wie folgt: „. . . wissen wir uns doch Eins in den Gefühlen der Ehrfurcht und Liebe sowohl für das ehrwürdige Oberhaupt Ihrer Kirche, als für unfern in der Blüthe der Jahre stehenden Kaiserlichen Herrn . . Ich bitte Sie, einzustimmen in den Ruf: Seine Majestät Kaiser Wilhelm II. und Seine Heilig­keit Papst Leo XUI. leben hoch!" Wir wieder­holen es: nur blinde Leidenschaft und unbe­sonnener Haß können hier etwas entdecken, das geeignet wäre, „Aergerniß" zu erregen. Und weil der Vorstand des Eoangeliichen Bundes selbst bei Absendung seiner Eingabe ein ähnliches Ge­fühl haben mochte, hat er es wohlweislich unter­lassen, seiner Eingabe den Wortlaut des Trink­spruches des Herrn v. Bülow beizufügen. Wenn nun das keine Katholikenhetze mehr ist, was soll sonst Katholikenhetze sein?

* *

Erfreulich schnell ist die Antwort auf die Eingabe des Evangelischen Bundes erfolgt. Und diese Antwort selbst ist noch erfreulicher als die Schnelligkeit, mit der sie erfolgt ist. Diese Ant­wort eröffnet nämlich dem Vorstande des Evan­gelischen Bundes, daß der Kaiser diesem auf seine Eingabe sein etnftes Mißfallen ausdrücken läßt. Aus der Antwort seien hier folgende Sätze wörtlich hervorgehoben: „...Ich darf Ew. Hochgeboren nicht verschweigen, daß S. M. der Kaiser und König, Allerhöchstwelchem dieses Schreiben (nämlich die Eingabe des Evan­gelischen Bundes und der Bericht des Gesandten von Bülow) vorgelegt werden mußten, Aller­höchst sein ernstes Mißfallen über dieselben cius- zusprechen geruht haben. Wenn ich bedauere, daß ich Ew. Hochgeboren hiervon Mittheilung zu machen habe, kann ich doch nicht umhin, gleich­zeitig ergebenst darauf hinzuweisen, wie Ihre gegen den Gesandten erhobenen Vorwürfe nach jeder Hinsicht der Begründung gänzlich ent­behren . . . . Dem Papste ist sür seine Per­son die Souveränetät zuerkannt. Es wäre also ein grober Verstoß gegen den diploma­tischen Brauch, wenn es der Gesandte Sr. Maj. des Königs unterlassen würde, ihm die einem Souverän zukommenden Ehren zu er­zeigen .... Wenn Ew. Hochgeboren die Be­fürchtung aussprechen, daß die dem diplomatischen Brauche entsprechende Haltung des Gesandten Sr. Maj. des Königs beim päpstlichen Stuhle eine Trübung in unseren Beziehungen zu dem verbündeten Italien herbeiführen würde, so kann Ew. Hochgeboren in dieser Beziehung vollkommen sich beruhigen. Bei den maßgebenden italienischen Stellen ist der in Rede stehende Vorgang nicht einen Augenblick einer falschen Beurtheilung be-

Da öffnete sich die Thüre, und mit leisen Schritten trat Edmund, des Lordlieutenants Lieblingspage, ein.

„Roch mehr!" brummte Cromwell. „Wird denn das heute nicht fertig? Leg's unter den Haufen rechts; und diesen Stoß hier nimm mit, Kleiner; trag's in die Kanzlei und dann bringe Licht her. Ärmer Bursche, ich glaube, wir zwei sind die geplagtesten Leute in Irland . . . 9lun, Edmund, hast Du heute keinen erheiternden Schwank für den Vater Oliver? .... Was ist Dir?" fragte er plötzlich, als er sich bei den letzten Worten umgekehrt und den Jüngling an­geschaut hatte. „Du bist bleich? Hat Dich je­mand erschreckt? oder beleidigt?" Die letzten Worte klangen drohend, und der Statthalter er­hob sich mit gerunzelten Braunen. „Ich will nicht hoffen ..." _____ _

„Nein, nein, Vater Oliver," sagte rasch der Knabe. „Mir hat niemand etwas zu Leide ge- than. Sie wagen es nicht. Seit der neue Pagenmeister mir fußfällig Abbitte leisten mußte, weil er mich wegen einer Unpünktlichkeit im Dienste eine Stunde hatte in den Block legen lassen ..."

„Er hatte damals Recht und ich Unrecht," unterbrach ihn Cromwell.

„Ich hatte mich auch nicht über ihn beklagt, sondern Du. Du fragtest nach mir, und als Du hörtest, daß meine Füße im Blocke steckten .. "

„So schlimm ist es also nicht, was mir Dein bleiches Gesicht verkündete, denn Du kannst scherzen; aber sage mir, was es ist? Warum kommst Du? Ich habe Dich nicht gerufen."

Deutsches Derch.

Berlin, 18. Februar.

* Der Kaiser fuhr heute unangemeldet und ohne Flügeldajutanten beim russischen Botschafter von Osten-Sacken vor und verblieb bei ihm drei Viertelstunden.

X Der Reichsanzeiger schreibt: Ueber die Maßregeln zur Vorbeugung der Kochwasfer- gefahr im Oderstrom - G ebiete hat der Ausschuß zur Untersuchung der Wasserverhält­nisse in den durch Ueberschwemmungen bedrohten preußischen Flußgebieten in seiner Sitzung vom 11. d. M. ein eingehendes Gutachten be- rathen und festgestellt. Die Schlußerklärungen desselben enthalten eine Reihe bestimmter Vor­schläge, welche nunmehr dem Kgl. Staats­ministerium und durch dieses dem Kaiser unterbreitet werden. Als Anlage wird der von dem Ausschuß-Mitglieds Geh.-Reg.-Rath Jntze an den Handelsminister erstattete Bericht über die Herstellung von Sammelbecken im Bober- und Queiß-Gebiet beigefügt, dessen Inhalt in der Sitzung zum Vortrage gelangt war. Die Untersuchung der Hochwasserverhältnisse im E l b- strom-Gebiete wurde einem besonderen Unter­ausschüße überwiesen.

* Ein Beispiel liberaler Javriklyrauner verzeichnet der ,Schwarzw. Volksfr/ Es sei nämlich Arbeitern der Pulverfabrik Rottweil, die in Villendorf seßhaft sind, mit Entlassung bedroht worden, wenn sie nicht aus ihrem katholischen Arbeitervereine austreten. Siebzehn Arbeiter hätten sich einschüchtern lassen. Wie steht es mit dem Koalitionsrecht? Wie mit dem Schutze desselben?

* Nach dem vom Bundesrath in seiner gestrigen Sitzung genehmigten Gesetzentwurf, betreffend Aen- derimgeo der Bestimmungen üöer das ^ost- weftn, soll dasPorto für denfränkirtengewöhnlichen Brief bis zum Gewicht von 20 Gramm einschließlich 10 Pfg., bei größerem Gewicht 20 Pfennig be­tragen. Bei unfrankirten Briefen soll ein Zu­schlagsporto von 10 Pfg. ohne Unterschied des Gewichts des Briefes hinzutreten. Dasselbe Zn- schlagsporto soll bei unzureichend fränkirten Briefen, neben dem Ergänzungsporto angesetzt werden. Der Reichskanzler soll ermächtigt sein, den Gel­tungsbereich der Ortsbrieftaxe auf Nachbarorte auszudehnen, die durch den Verkehr eng verbunden sind. Diese Herabsetzung der Gebühr ist auch für Berlin und seine Vororte beabsichtigt. Ferner soll das Postregal, betreffend Beförderung ge­schloffener Briefe auch auf Briefe Anwendung finden, die innerhalb ihres mit einer Postanstalt versehenen Ursprungsorts verbleiben.

* Straßvurg i. K., 18. Febr. Nach einer Ueberficht des Evang. Kirchenkalenders für Elsaß- Lothringen ist die katholische Cioilbevölke- rung Elsaß-Lolhringens von 1 223161 im Jahre 1871 bis zum Jahre 1895 auf 1213 300 herabgsunken;die protestantische

Der Knabe ließ sich aber nicht irre machen, sondern fuhr fort:

„Da hast Du den Pagenmeister angeschrien, daß alle Leute im Vorzimmer an die Thüre stürzten, um am Schlüsselloche zu lauschen..."

„Die Hallunken!"

„Und Du sollst ihm gesagt haben. Du wolltest ihm beide Ohren ausreißen, wenn er sich das nochmals unterstehe."

„Es mag fein, daß ich mich von einer sträf­lichen Güte gegen Dich hinreißen ließ; hüte Dich, Bursche, darauf zu sündigen. Wenn mein Zorn Dich trifft ..."

„Das wird er nicht," sagte der Knabe das Haupt schüttelnd, indem er treuherzig dem Furcht­baren in das Auge schaute. Du hast mir selbst gesagt, daß sie alle Dich fürchten, und ich allein Dich gern habe. Du thust mir nichts zu Leide."

Der Lordlieutenant legte feine mächtige Hand auf das Haupt des Knaben und sah ihn mit leuchtenden Augen an. Dann erwiderte er ernst:

„Solche Worte mußt Du vergessen, Knabe. Das ist in einem Augenblicke der Schwäche ge­sagt worden; und Niemand soll mir Dinge wiederholen, die mich an eine Schwäche erinnern. Bei meinem Zorn, Edmund, ich habe das nicht gesagt; denn ich weiß, mich liebt Niemand."

„Außer mir," ergänzte der Knabe und trat einen Schritt zurück. „Nein, Vater Oliver, das lasse ich mir nicht nachreden, . . . auch von Dir nicht . . . Meinetwegen hole den Pagenmeister und lasse mich in den Block legen; . . das lasse ich mir doch nicht sagen!"

„Soll ich Dir Genugthuung geben?" fragte

Aus dem Reichstage.

•<y> 44. Sitzung vom 18. Februar, 2 Uhr.

Am Bundesrathstische: Kriegsminister v. Goßt er.

Die zweite. Etatsberathung wird beim Mikitär- fortgesetzt. — Beim Titel: „Kriegsminster" erneuert Abg. Aingens (Ctr.) die Anfrage vom vorigen Jahre, inwieweit die Wünsche des Hauses auf Durch- ührung der Sonntagsruhe erfüllt worden seien. Mir Dank erkenne er an, daß den Soldaten die Erfüllung ihrer kirchlichen Pflichten in weitem Maße ermöglicht wird. Er danke weiter dafür, daß die Armeeverwaltung von der Erbauung von Simultankirchen für die Soldaten endgiltig abgesehen hat. Redner beschwert sich dagegen darüber, daß in manchen Garnisonen die Soldaten an katholischen Feiertagen dienstlich in Anspruch genommen werden.

Kriegsminister v. Gotzker stellt dem Vorredner schriftliche Antwort auf'seine ihm bereits schriftlich ge­äußerten Wünsche in Aussicht. Von allen dienstlichen Angelegenheiten könnten die Soldaten an katholischen Feiertagen allerdings nicht entbunden werden. Die Verwaltung sei aber bemüht, allen berechtigten Wünschen nach Möglichkeit Rechnung zu tragen.

Abg. Mevek (Soz.): Im vorigen Jahre hatte ich einen Fall aus Königsberg erwähnt, in dem ein Soldat wegen erlittener Mißhandlung Selbstmord verübt hatte. Von Kameraden des Verstorbenen, die inzwischen aus dem Militärverhältniß geschieden sind, ist nun dem Bruder mitgetheilt worden, daß dieselben Zeugen zahl­reicher Mißhandlungen des Verstorbenen gewesen sind. Auf die Anzeige des Bruders hin ist dann gegen den beschuldigten Unteroffizier ein Verfahren eingeleitet und dieser wegen der Mißhandlungen zu 6 Monaten Ge­fängnis; verurtheilt worden Die frühere Untersuchung war ergebnißlos geblieben, weil die damals in Dienst befindlichen Zeugen es nicht gewagt hatten, gegen den Unteroffizier auszusagen. Ein zweiter Fall von Sol­datenmißhandlung ist aus Wesel zu meiner Kenntniß gekommen. Auch in diesem Falle ist der Schuldige be­straft worden. Beide Fälle zeigen, daß die Soldaten nicht genügend gegen Mißhandlungen geschützt sind. Man braucht also nicht immer gleich den Vorwurf der Unrichtigtigkeit zu erheben, wenn darüber geklagt wird. Bei einem Infanterie-Regiment hat ein Hauptmann einem jüdischen Soldaten zugerufen: „Sie verfluchter Judenitzig! Halten Sie's Maul, sonst werde ich Sie einkochen!" Ein Lieutenant in Breisach sagte zu seinen Soldaten: „Der Begriff Jude und Sozialdemokrat ist eins, mit keinem von beiden sollt Ihr verkehren, sie sind lauter Schufte und Lumpen. Politische Agitation wirt» nach wie vor in den Kasernen getrieben. Man warnt die Soldaten vor Anarchisten, Sozialdemokraten und Demokraten. Beim 65. Infanterie-Regiment wurde den Soldaten in der Jnstruktionsstunde gesagt: „Wenn Einer hört, daß Jemand eine Majestätsbeleidigung ausstößt, fo soll er seine Plempe ziehen und den Kerl so lange über den Kopf schlagen, bis er liegen bleibt. (Ruf rechts: Redensarten!) Hoffentlich sind die Soldaten klüger als ihre Vorgesetzten und begnügen sich mit der instruktions­mäßigen Anzeige. Sozialdemokratische Agitationen braucht man in den Kasernen nicht zu bekämpfen, den» wir warnen alle Genossen bei ihrem Eintritt in die Armee vor solchen. Mit der Flottenvorlage wird auch in der Armee Agitation getrieben. Das ift auch eine politische Frage. Es wird ferner nach wie vor vor dem innern und äußern Feind gewarnt. Es ist gesagt worden, nur ein guter Christ könne ein guter Soldat sein. Ma» mache doch ein Gesetz mit dem Grundparagraphen: Nur gute Christen dürfen Soldat werden. Wenn so von allerhöchster Stelle die Politik in die Armee getragen wird,

Präsident v. Wrrol: Ich muß den Redner ersuchen, die allerhöchste Stelle nicht in die Debatte zu ziehen.

Abg. Level (fortfahrend): dann darf man sich nicht wundern, wenn die Untergeordneten es ebenso machen. Alle diese Mißstände werden aber immer der Statthalter, über den Eifer des Knaben lachend.

„Ja, Vater Oliver, das sollst Du!"

„Vielleicht fußfällig Abbitte thun, wie der Pagenmeister?"

„Stein, aber wenn es wieder in die Schlacht geht, sollst Du mir einen Platz neben Dir ge­statten."

„Warum das? Kleiner! Das Schwert ver­schont Niemanden, und auch auf meine Brust habe ich manche Spitze gerichtet gesehen."

„Gerade darum: damit ich mich zwischen die Schwertspitze und Deine Brust werfen kann, auf daß Du endlich weißt, daß ich Dich gern habe."

Der Lordlieutenant legte feine beiden Hände auf die Schultern des erzürnten Pagen.

„Guter Knabe," sprach er endlich. „Dich habe ich nur einmal zu verlieren, und mit solchen Leben geht man sparsam um. Das'wäre ein zu theurer Preis für die Wissenschaft . . . 9lun aber laß genug fein," fügte er in minder ernstem Tone bei, werde ich endlich hören, was Du wolltest?"

„Gleich, Vater Oliver," erwiderte der rasch besänftigte Jüngling. „Nur laß mich Dir noch sagen: als der Pagenmeister damals die Audienz verließ, soll er ausgesehen haben, wie ein bar» birter Geisbvck."

„Schlingel!" rief Cromwell, indem er die Hand wie zum Schlage erhob.

„Vater Oliver," rief der Knabe, drei Schritte zurückspringend, „Verzeihung, das ist nicht meine Erfindung."

Cromwell lachte aus vollem Halse.