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Fuldaer M- Zeitung
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mit Nnterhaüungs-Aeikage „Mufkrirte Sonnlags-Zeitung"
Jutöa, Montag, den 14. Februar 1898
25. Jahrgang.
* Verfehlte Politik der Sammlung.
Die letzten Tage standen unter dem Zeichen der Handelsverträge. In Berlin tagte der deutsche Landwirthschaftsrath und behandelte an einem seiner Sitzungstage eingehend die Frage unserer zukünftigen Handelspolitik. Dem Reichstage war bei der Berathung des Etats des Auswärtigen Amtes ebenfalls Gelegenheit geboten, mit den Handelsverträgen und ihrer Erneuerung oder zukünftigen Umgestaltung sich zu beschäftigen. Die Redner der Konservativen auf der einen und die Redner der Freisinnigen und Sozialdemokraten auf der anderen Seite haben diese Gelegenheit nach allen Regeln der Kunst ausgenutzt. Sie haben dies in so übertrieben umfangreichem Maße gethan, daß der Präsident des Reichstages, Freiherr von Buol, mehrfach die Redner zur Kürze ermahnen und darum ersuchen mußte, hübsch bei der Sache zu bleiben, nämlich beim Etat des Auswärtiges Amtes.
Der Vertreter des Auswärtigen Amtes selbst, Herr Staatssekretär von Bülow schwieg wohlweislich zu der ganzen Sache. Nur auf eine unmittelbare Anfrage des freisinnigen Abgeordneten Dr. Barth hin bemerkte er in kürzester Form, daß er über die schwebenden Verhandlungen mit England über den Abschluß eines neuen Handelsvertrages nichts mittheilen könne — natürlich nicht! Herr Dr. Barth hätte diese Antwort sich allein geben können. Sehr ungehalten schien Herr Eugen Richter über diese Schweigsamkeit der Herren am Äundesrathstische zu sein. Er machte eine Bemerkung in diesem Sinne. Aber auch diese erzielte nicht die gewünschte Wirkung. Und nicht minder eifrig suchten einige Redner der Konservativen die Regierungsvertreter zum Reden zu bringen. Aber diese Mühe war vergeblich; und schließlich blieb dem Grasen von Kanitz und dem Freiherrn Heyl zu Herrnsheim nichts anderes übrig, als in großer Bescheidenheit zu erklären, daß sie Vertrauen zu der Handelsvertragspolitik der Regierung hätten.
Die Parlamentarier, welche in diesen letzten Tagen viele Stunden über die Handelsvertrags- Politik der Zukunft sprachen, waren die Vertreter der extremen Anschauungen, die Vertreter derer, die auf der einen Seite nur die Geld-Interessen der Getreide-Erzeuger im Auge haben, und auf der andern Seite Vertreter solcher Kreise, die gewöhnlich nur an die Vortheile solcher Leute denken, die Getreide und andere landwirthschaft- liche Erzeugnisse gar nicht selbst erzeugen, sondern ihren ganzen Bedarf daran nur kaufen müssen. Daß bei einer Auseinandersetzung, die ausschließlich zwischen Männern so ganz entgegengesetzter Jntereffen stattfindet, schwerlich viel herauskommen kann, liegt auf der Hand. Und so war es in der Thal auch in diesen Tagen mit den Debatten im Reichstage. Diese haben uns in der schwierigen Frage der zukünftigen Gestaltung der deutschen Handelspolitik um keinen Schritt vorwärts ge- bracht. Vielmehr ist eher das Gegentheil davon
« Srt letzte HSnptlmg non Marne».
Eine historische Erzählung von Philipp Wasserburg (Laicus).
50 --(Nachdruck verboten.)
XIV.
Kilkenny.
Die Nacht verlief ruhig, und ebenso der folgende Tag. Wie sehr auch Lucy nach dem Pater verlangte, der Kerkermeister wagte nicht, während hes Tages die Beiden zusammen zu führen. Denn da war im Hause ein vielfacher Verkehr mit Gerichtspersonen, Wächtern, Soldaten und^ andern Leuten. Wurde er überrascht, so war's um seine Stelle jedenfalls geschehen, und soußte nicht, welche harte Strafe er sich vielleicht außerdem zuziehen würde. Er vertröstete m t r Lm^y auf die Nacht, wenn das Thor geschlossen wäre und Niemand mehr etwas im Hause zu suchen habe.
So brachte Lucy den ganzen Tag einsam zu. -vieiftet James und feine Frau kamen nur selten, und so oft sie die Riegel zurückschieben hörte, erschrak sie; bald grübelte sie über das, was der r™1 ^sagt, bald gerieth sie, ob der ihr ge- schehenen Gewaltthat in den heftigsten Zorn, dnfi ste die kleinen Hände ballte und die Zähne tmrschend aufeinander biß; dann wieder weinte sie wie ein Kind ob ihrer Ohnmacht, und wenn die Trostlosigkeit ihren Gipfel erreicht hatte, so egann sie auch im Gebete Zuflucht zu suchen, o . Das edle Beispiel des Paters, der seine rsemde und Henker bei ihr mit deren Jrrthum lschuldigte, während noch die blutige Leinwand-
dadurch erreicht worden, nämlich eine weitere Verschärfung der wirthschaftlichen Gegensätze. Jedenfalls hat der bekannte agrarische Abgeordnete Graf v. Kanitz bei der Entwickelung seiner handelspolitischen Ansichten so außerordentlich wenig Rücksicht genommen auf das, was anderen Berufsständen frommt, namentlich der Industrie, daß Herrn Minister v. Miquel angst und bange davon geworden ist um seine vielberühmte sogen. „Politik der Sammlung".
Unter dieser Sammlung stellt sich v. Miquel, wie man weiß, ein neues Kartell von bedingungslosen Freunden der Regierung vor. Da aber der alte Begriff vom Kartell sich längst überlebt hat und unbeliebt so ziemlich bei Jedermann geworden ist, faßte der schlaue Taktiker den alten Begriff in ein neues Wort und nannte ihn „Politik der Sammlung". Aber dazu passen die handelspolitischen Lehren eines Grafen Kanitz schlecht, und Herr von Miquel sucht den heißspornigen litauischen Grafen davon zu überzeugen, daß er viel mehr gesagt habe, als er selbst eigentlich wollte. Ein Pressebesorger Miquels muß nämlich dem Grafen Kanitz folgendes zur Warnung schreiben: „In manchen Kreisen, in welchen man fest für die Solidarität der Jntereffen von Land- wirthschaft und Industrie eintritt, haben die jüngst gehaltenen Reden des Grafen Kanitz, namentlich die im Landwirthschaftsrath gehaltene Rede, unliebsam berührt. Graf Kanitz hat zweifellos nur seiner persönlichen Meinung Ausdruck gegeben und ist in der Hitze des Gefechtes wohl auch über seine ursprüngliche Absicht hinausgegangen . . . . ." Und auch Herr von Stumm, der Jndustriekönig von der Saar, mahnt in seiner Zeitung ,Post' den Grafen v. Kanitz zur Vorsicht und bedeutet ihm, daß seine Reden im Landwirthschaftsrathe und im Reichstage vielen Kreisen der Industrie Besorgniß eingeflößt haben.
Tatsächlich haben wir bis zur Erneuerung der Handelsverträge noch Zeit bis zum Jahre 1903. Und so sehr es nothwendig ist, die Vorbereitungen dafür so zeitig wie möglich zu treffen, so überflüssig und sogar schädlich ist es, schon jetzt deswegen sich die Köpfe zu erhitzen. Aber es ist kaum anzunehmen, daß die Leute von dem heißblütigen Temperament des Grafen Kanitz und seiner engeren Freunde den Ermahnungen des Herrn v. Miquel zur Ruhe und Besonnenheit sonderlich leicht zugänglich sein werden. Vielmehr sieht es ganz so aus, als würde die sogenannte Politik der Sammlung vor dem Ungestüm der Heißsporne kläglich in die Brüche gehen. Und dann wird wahrscheinlich wieder einmal das jetzt verschmähte Centrum in erster Reihe dazu berufen sein, durch seine Politik der Versöhnung und Ausgleichung wirthschaftlicher Gegensätze das verfahrene Schifflein der Handelspolitik mit ruhiger Hand aus dem wildbewegten Ozean der sozialpolitischen Kämpfe in den sicheren Hafen neuer Handelsverträge hinein zu steuern.
Deutsches Deich.
Berlin, 12. Februar.
* Der Kaiser wird am 21. oder 22. Februar in Wilhelmshaven eintreffen, um dort binde seine armen gefolterten Hände umschloß, machte den tiefsten Eindruck auf sie. War sie vorher schon halb entschlossen, in den Schooß der katholischen Kirche zurückzukehren, im Laufe dieses einsamen Tages wurde dieser Entschluß gefestigt, und mit dem neuerwachten Glauben an Gott kam eine wunderbare Ruhe über sie. Es war ihr, als ob sie auch im Kerker nicht allein sei; ja, hatte sie denn nicht gerade im Kerker, wo sie von Allen verlassen schien, Freunde gefunden, gerade um jener verfolgten Religion willen, für deren Bekennerin man sie hielt: Freunde zwar, deren Kraft menschlich gesprochen, ihr wenig helfen konnte, deren Bereitwilligkeit und Opfersinn aber nicht ein Haar breit hinter ihrem Können zurückblieben.
Es dunkelte bereits, als der Beschließer bleich und verstört eintrat.
„Ich habe euch eine trostlose Nachricht zu überbringen."
Das war die Einleitung, welche alles Blut Lucy's zum Herzen zurücktrieb.
„Um Gotteswillen! Was ist's?"
„Sie halten diese Nacht wiederum eine Gerichtssitzung ab. Soeben ist mir die Mittheilung geworden."
„9 tun?"
„Das sind die Sitzungen, in denen Meister Bill sei trauriges Handwerk übt."
„Du meinst, ich würde gefoltert?" fragte Lucy entfetzt.
„Ihr nicht, wohl aber der arme Pater. Ich habe Befehl, ihm eine bessere Mahlzeit zu richten."
„Weiß er es?"
der Vereidigung der Rekruten beizuwohnen. Nachher wird der Kaiser im Jagdschloß Hubertusstock erwartet.
X Was für merkwürdige Anschauungen in den gegenwärtig maßgebenden Kreisen über die Verwendung der Gelder des sogenannten An- Üedekrmgs - Jouds bestehen, verräth eine Auslassung des Sprachrohrs des Abg. Freiherrn v. Stumm, die Berliner Zeitung ,Die Post'. „Will man— so läßt sich dieses Blatt vernehmen — eine raschere und kräftigere Entwickelung des Ansiedelungswerkes, so wird man sich entschließen müffen, minder fiskalisch vorzugehen. Zur Besiedelung geeignete Güter werden auch dann angekauft werden müffen, wenn ihr Preis nicht niedrig genug ist, um die Rentabilität der Theilgüter voraussehen zu lassen. Unverblümt ausgedrückt heißt das also: für den Zweck der Bekämpfung der katholisch-polnischen preußischen Staatsbürger haben wir so heidenmäßig viel Geld, daß es gar nicht darauf ankommt, von den bewilligten neuen 100 Millionen Staatsgelder einen beträchtlichen Theil ganz einfach wegzu- schenken! Aber wenn es sich um die höchst noth- wendige Unterstützung der Ueberschwemmten in den Nothstands-Gebieten handelt, haben wir kein Geld . . ganz und gar ein Regierungsgrundsatz, um die „Liebe des Volkes" zu gewinnen. Wenn übrigens polnischen Grundbesitzern, denen es wirthschaftlich nicht gut geht, ihre Güter zu einem unverhältnißmäßig hohen Preise abgekauft werden sollen, dann thut man ihnen doch wahrlich keinen Schaden, sondern hilft ihnen erst recht auf die Beine. Die ganze Polenpolitik der Aera Miquel ist ein einziges Räthsel, dessen Lösung zunächst für den unbefangenen Beurtheiler nicht zu finden ist.
h. Die Budget-Kommission des preuß. Abgeor dnetenhauses beschäftigte sich gestern Abend mit der Fortsetzung der Berathung des Kisenöatz« - Klaks. Bei dieser Gelegenheit stellte der Berichterstatter, der nationalliberale Abg. Möller, die Frage an den Minister, wie es wohl mit der schon so vielsach erwähnten Reform der Prrsonen-Fahrpreise stehe. Minister Thielen erwiderte, daß die preußische Regierung das Bedürfniß für eine „Vereinfachung" der Personentarife anerkennt. Aber eine Ermäßigung dieser Tarife hält die Regierung nicht für geboten. Die Eisenbahnfahrten sind nach den Anschauungen der preußischen Regierung billig genug, namentlich, so hätte Herr Thielen hinzufügen sollen, so lange Herr von Miquel Finanzminister ist!
h Bei dem Festmahle des deutschen Land- wirthschaftsrathes hat auch Herr Staatsminister von Miquel einen Trinkspruch zum besten gegeben. Natürlich konnte auch darin die berühmte „Politik der Sammlung" nicht fehlen, an der Herr Johannes von Miquel mit einer Ausdauer festhält, die einer weit besseren Sache würdig wäre. Dabei hat Herr von Miquel den Wahlspruch des Centrums angewandt: „in necessariis unitae — in dnbiis libeitas; im Nothwendigen Einigkeit — im Zweifelhaften Freiheit." Aber er hat ihn nur zum Theil angewandt und hat den dritten Satz roeggelaffen, der lautet: „in omnibus charitas — in allem die Siebe." Dieser Haupt-
„Ich habe es ihm gesagt und ihm ein kleines Krucifix gegeben, und da betet er jetzt."
Lucy senkte das Haupt. Sie batte bisher nur wenig mit dem Pater gesprochen, kannte ihn erst seit gestern, und doch meinte sie, daß ein langjähriger uneigennütziger Freund von Schrecklichem bedroht fei: und sie konnte nicht helfen.
„Auch für Euch habe ich leider eine böse Nachricht," fuhr der Kerkermeister fort.
„Und was soll mit mir ?" fragte Lucy bleich.
„Der Henker hat Euch einen Theil der Werkzeuge gezeigt und ihren Gebrauch erklärt. Ihr werdet diesmal gezwungen werden, der Folterung des Paters beizuwohnen."
„Gott, Gott! Und das alles haben Menschen erdacht!" rief Lucy schmerzlich mit gerungenen Händen.
„Denkt, Miß, daß Gottes Arm auch jetzt nicht verkürzt ist," sagte der Kerkermeister in einem Tone, durch welchen die helle Verzweiflung klang. „Denkt, daß es nach diesem Leben ein anderes gibt, wo diejenigen in Freuden hundertfach ernten werden, was sie einmal in Thränen gesäet; wenn ich das nicht dächte," fügte er bei, krampfhaft ein Schluchzen unterdrückend, „dann würde ich mich mit meinem Weibe von der höchsten Zinne des Thurmes hinunter auf die Straße stürzen. Denn seit den 10 Tagen, da der.Pater da ist, ist mir das Leben ganz verleidet. Ich gehe jetzt, edle Dame, man darf mein Verweilen im Haufe nicht allzusehr merken; aber ich will Euch meine Frau schicken; die kann Euch wohl auch besseren Trost gewähren, als ein alter Kerkermeister."
satz mag Herrn von Miquel nicht gefallen; denn seine Politik, namentlich seine Wirtschaftspolitik, ist so recht eine Politik ohne Charitas, ohne aufrichtiges Wohlwollen für das Volk. Dieses soll nur gewonnen werden durch schöne Redensarten, damit es sich willig in den Wagen der bedingungslosen Regierungspolitik einspannen läßt. Wie lange wohl wird es Herrn Miquel gelingen, seine gegenwäitigen Freunde über feine wahren Absichten zu täuschen?
* Der Mangel an landwirthschaftkichen Arbeitern in den östlichen Provinzen, besonders in der Provinz Schlesien, bildet den Gegenstand einer Interpellation, welche die Abgeordneten Szmula, Letocha und Stanke mit Unterstützung zahlreicher Mitglieder des Centrums heute im Abgeordnetenhause eingebracht haben. Die Interpellation lautet:
1) Ist es der König!. Staatsregierung bekannt, daß in den östlichen Provinzen, speziell m der Provinz Schlesien, sowohl bei Groß- als Kleingrundbesitzern ein derartiger Mangel an ständigen Dienstboten und landwirihschaft- lichen Arbeitern vorhanden ist. daß die Landwirthe nicht mehr im Stande sind, rechtzeitig und rationell ihre Felder zu bestellen und abzuernten? 2) Auf welche Weise gedenkt die König!. Staatsregierung diesem Uebelstande abzuhelfen, sofern die Zulassung russischer und österreichischer Dienst- und Arbeitskräfte — nach wie vor — nicht den Bedürfnissen entsprechend gestattet wird?
X Die langwierige Angelegenheit des Berliner Denkmals für die Märzgefallenen von 1848 ist ausgegangen wie das altberühmte Hornberger Schießen. Der Magistrat hat bekanntlich die von der Mehrheit der Stadtverordneten-Ver- sammlung beantragte Errichtung eines Denkmals abgelehnt. Aber die Stadtverordneten-Versamm- lung hat es nun endlich auch für richtig gehalten, mit dieser Thatsache sich durch eine Erklärung abzufinden, in der sie ihr Bedauern über den Beschluß des Magistrates ausspricht und behauptet, daß „die übergroße Mehrheit der Berliner Bevölkerung in der Errichtung eines Denksteines die Erfüllung einer Pflicht dankbarer Erinnerung erblicke".Die Erklärung thut niemanden Schaden, und die Sache, die recht langweilig zu werden anfing, hat nun damit hoffentlich ihren Abschluß gefunden.
* Ein Ueröand deutscher Kisenöahnhand- werker besteht feit 1894, ist eine Gründung feines jetzigen Vorsitzenden Molz, hat feinen Sitz in Trier, zählt von den 180,000 Elfenbahnhandwerkern Deutschlands zur Zeit rund 20,000 und bezweckt die Zusammenfassung aller Klassen der Eisenbahnhandwerker auf dem Boden der bestehenden Ordnung zur Wahrnehmung gemeinsamer Interessen, soll also den von sozialdemokratischer Seite stammenden Eisenbahnervereinsgründungen das Gegengewicht halten. Gegenwärtig befindet sich der Vorsitzende des Verbandes mit dem Reichs- und Landtagsabgeordneten Euler aus Köln auf einer Vortragsrundreife durch den Osten der Monarchie. Die beiden Herren sprachen am 8. in dem Breslauer Ortsoerein des genannten Verbandes, am 9. in Posen, am 10. in Königsberg in Ostpreußen usw. Die Agitation des Verbandes geht namentlich dahin, daß die gelernten Handwerker nach mindestens zehnjähriger unbescholtener Dienstzeit vom Staate als pensionsberechtigte Beamte übernommen werden. In Bayern hat sich der Landtag bereits für eine
Wiederum deckte die Nacht alles mit ihrem friedlichen Fittich. Aber den müden Christus- ftreitern im Gefängniß von Kilkenny nahte sie nicht als ein Bringer der Ruhe. Ein eigen- thümüches Leben und Treiben herrschte in den unterirdischen Gewölben, in welchen man den Begriff eines rechtlichen Verfahrens schändete. Meister Bill putzte seine Eisen blank, und ein Gehilfe schürte die Gluth auf dem in der Ecke angebrachten Herde, und sah die Stangen und die Stäbe nach, die da glühend gemacht werden sollten, um damit den Delinquenten zu zwicken und zu brennen. Allmählich sanden sich auch der Sheris und die Gerichtsbeisitzer ein; Harrison kam, denn er mochte nicht die Gelegenheit versäumen , auch dann mitzuwirken, wenn das Schwert Gottes in dieser Form über die Madia« niter kam.
Es ging bereits auf Mitternacht, als Meister James Lucy herbeiholte. Pater O'Kelly hatte ein langes Verhör bestanden, das sich theilweise auf dem Gebiete der Theologie bewegte. Er machte kein Hehl daraus, daß er Katholik, daß er Priester, daß er Jesuit sei; aber wer ihm Unterstand gegeben, wem er die Sakramente gereicht, wen er für den papistifchen Götzendienst gewonnen, darüber war er stumm wie das Grab. So stand die Sache schon am vorigen Male, und deßhalb hatte man ihm Daumenschrauben angelegt. Jetzt sollte <x auf die Leiter gespannt werden.
Pater O'Kelly wurde in der üblichen Form dem Henker übergeben und folgte ihm geduldig zur Marterbank. Jetzt wurde Lucy hereingeführt und nochmals bringenö ermahnt, alles zu bekennen.