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verantwortlich: Für die Redaktion J o f. 35 a n nt, für Inserate I. parzeller in Fulda.
mit Anterhaüungs-Meikage „Illuflrirte Sonntags-Ieitung"
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JuLöa, Samslug, den 12. Februar 1898
Jahrgang
Verbot des Farbentragens war ziemlich überflüssig und kleinlich. Aber dieser Vorlesungsstreik der deutschen Studentenschaft ist noch alberner. Denn jetzt sind nun wieder die tschechischen Studenten sehr zu Unrecht von deni Glorienschein vernünftiger Mäßigung umstrahlt, lveil sie sich von der Aufregung klugerweise nicht anstecken ließen. Hoffentlich gelingt es, diesem erregten Treiben ein Ende zu machen, ohne daß die studirende Jugend empfindlichen Schaden dabei für ihre Zukunft erleidet.
Sehr traurige Nachrichten klingen aus Italien zu uns herüber. Dort herrscht ein drückender Noth- stand, fast Hungersnoth zu nennen, und dieser hat zu Unruhen geführt, die einen sozialistischen Charakter tragen oder wenigstens von sozialistischen Wühlhubern ausgenützt werden. Das Ministeriuni Rudini hat zur Aufrechterhaltung der Ordnung die Altersklasse des Heeres von 1874 theilweise zu den Fahnen gerufen. Aber wenn die italienische Armee nicht einmal stark genug ist, um die Ordnung im Innern aufrecht zu erhalten, was läßt sich von ihr in Kriegszeiten erwarten? Und lvas wird es für die Zukunft helfen, gegen sozialen Nothstand die Waffen aufzurufen? Wo man schon so weit gekommen ist, da pflegt das letzte Ende auch nicht mehr fern zu sein!
wort ist auch folgende: „Worin besteht die Hauptlast einer Schnellzugs-Lokomotive?" Natürlich möchte ein Jeder darauf schwören: In sich selbst. Das ist nicht richtig. Das Wasser, das die Maschine im Kessel mitführt, ist schwerer, als die Lokomotive selbst. Gleichfalls praktisch auszurechnen.
* Die transatlantischen Dampfer des Norddeutschen Kloqd haben im vergangenen Jahre 2,961,092 Seemeilen zurückgelegt. Das entspricht dem 137fachen Umfang der Erde. Auf diesen Reisen wurden 810,000 Tonnen oder 81,000 Doppelwaggons Kohlen verbraucht. Wenn man diese Waggons hintereinander stellt, würden sie einen Eisenbahnzug von 5700 Kilometer Länge ergeben. Da die Entfernung von Bremerhaven nach Basel etwa 900 Kilometer beträgt, würde ein solcher Riesenzug rund 6* 2 mal von der Nordsee bis zur Schweiz reichen. Die bedeutendste Linie der Gesellschaft ist die von Bremen nach New-Iork; auf dieselbe entfielen in 1897 allein 781,580 Seemeilen; dann kommen die Linien Bremen- Baltimore (mit 411,468 Seemeilen), Bremen-Australien (345,928), Bremen-Ostasien (307,300), Bremen-La Plata (340,900), Genua-New-Aork (303,400), Bremen-Brasilien (280,800) usw. Die auf allen diesen Reisen verbrauchten Lebens- und Genußmittel hatten einen Werth von rund sechs Millionen Mark
* Die Meichsdruckerei beschäftigt ungefähr 1400 Leute und erzielte im Jahre 189d einen Reingewinn von 1'- Millionen Mark. Das Reichsgesetzblatt wird in einer Auflage von 111,000 Exemplaren gedruckt.
* Der Deutsche Techniker - Verband, der im Jahre 1884 mit wenig hundert Mitgliedern gegründet wurde, zählt zur Zeit über 6000 Mitglieder und verfügt über ein Kapitalvermögen von über 75000 Mark.
* Die Aufstellung einer 20avpserdigen Akknmu- katoren-Malterie für die Centralstation der Berliner Elektrizitätswerke in der Mauerstraße ist soeben beschloffen worden. Es ist dies wohl die größte Batterie, die bisher zur Aufstellung gelangt ist.
* Schönes Deutsch. In Nr. 5 des ,Anz. für das Havelland' verkündet Jemand: „Liege mit einem Rest Preßkohlen im Torfgraben und verkaufe 100 Stück zu 55 Pfg." Ein bewunderswerther Mann! Er liegt im Graben und zieht noch Nutzen daraus!
* Kine Austastung. „Ja, ja, es ist ein Kreuz, wenn man leidend ist! Da hat mir mein Arzt verordnet, mehr Wein als Bier zu trinken; nun habe ich heute die siebente Maß Bier bereits getrunken, so muß ich also heute noch mindestens acht Liter Wein zu mir nehmen."
HandwirthschaMches.
Dieser Monat ist, wenn gelindes Frostwetter herrsch!, der beste Monat zum Ausfahren der Jauche und des Düngers. Jauche über den Schnee ausgegossen, verliert nicht an Wirkung, kann sogar recht vortheilhaft sein, weil die Jauche mehr vertheilt und in tiefere Schichten geführt wird. Zu berücksichtigen ist aber eins. Düngt man im Winter auf gefrorenem Boden mit Jauche, dann darf der Boden nicht abschüssig und das' Feld nicht zu klein sein. Die Jauche kommt mit dem Schneewasser in Bewegung und schwimmt fort, weil der gefrorene Boden nicht flink genug aufthaut. — Man lege neue Komposthaufen an und steche die alten um. — Die Maulwurfshaufen müssen s o früh wie möglich mit dem Wiesenrechen auseinander gescharrt werden. Geschieht dies früh, so düngt die aufgeworfene Erde die Wiese und verjüngt die Grasnarbe; wartet man aber zu lange damit, so ist die Grasnarbe unter dem Haufen verdorben und der Grund kann nichts mehr wirken. Gegen Ende des Monats säet man bei gelinder Witterung Klee- und Grassamen aus. Zur Aussaat eignen sich zu dieser Zeit besonders Thimotheegras und Weißklee, sowie Rothklee mit italienischem oder englischem Raygras. Bei gelinder Witterung kann man auch Ende dieses Monats den Sommerrogen säen. Selbst Erbsen und Hafer können schon gesäet werden. In die Winterfrucht kann man jetzt schon Kleesamen säen, ohne ihn besonders unterzueggen; denn durch die häufigen und starken Niederschläge des Frühjahrs wird der Samen in den Grund geschlagen und genügend mit Boden bedeckt. Kleefelder können bei guter Witterung Ende Februar schon übereggt und von Steinen gereinigt werden.
Die Frühkartoffeln werden jetzt aus dem Keller geholt, einzeln mit der Keimspitze nach oben gerichtet nebeneinander auf Horden oder flache Kästen gelegt und in einem frostfreien Rauine oder in einem 8immer, das geheizt werden kann, auf geeigneten tellagen oder Brettern, die man an der Decke oder Wänden befestigt, so aufgestellt, daß sie von Licht und, wenn möglich von Wärme getroffen werden können. Diese so aufgelegten Kartoffeln schrumpfen zwar etwas ein, treiben jedoch zugleich im Laufe einiger Woche» so kräftige, struppige, fingerlange Keime, daß sie, bei geeigneter milder Witterung in die Erde gesetzt, gar nicht lange brauchen, um aus der Erde herauszutreiben.
Die Beschaffenheit des in einer Wirthschaft verwendeten Wassers ist von größtem Einfluß auf die Beschaffenheit der Butter. Wenn daher trotz aller Sorgfalt in einer Milchwirthschast die Butter schlecht ist, versäume man nicht, auch das Wasser zu untersuchen. Erfahrungen und Untersuchungen haben ergeben, daß kalkhaltiges Wasser die Butter ungünstig beeinflußt und dieselbe in eine seifenartige Masse verwandelt.
Wochen-Rundschau.
(Nachdruck »erboten.)
X Fulda, 12. Februar.
Der Reichstag hat zwei sehr wichtige Etats erledigt : Der eine davon hängt innig zusammen mit dem Verkehrs- und Erwerbsleben im Jnlande, nämlich der Postetat; der andere bewegt sich in den Sphären der der hohen Politik, wir meinen den Etat des Auswärtigen Amtes. In beiden Fällen hatte es der Reichstag mit neuen Herren unter den Staatssekretären zu thun: beim Postetat mit Herrn von Podbielski, den der Präsident des Reichstages nie anders bezeichnet, als den Staatssekretär Herrn Generalleutenant Herr von Podbielski, und beim Auswärtigen Etat mit Herrn von Bülow, und beide Herren können zufrieden sein mit den Erfolgen, die sie im Reichstag erzielten, obwohl Herrn von Podbielski die Erhöhung seiner Gehaltsbezüge von 24 000 auf 30000 Mark gestrichen wurde. Denn die Ursachen, die diese Streichung zu Wege brachten, liegen in der Zeit vor Herrn v. Podbielski, und man darf darum diese Streichung nicht als eine Mißtrauenskundgebung gegen den gegenwärtigen Staatssekretär der Reichspost ansehen. Es handelt sich um die Erhöhung des Anfangsgehaltes der Postunterbeamten von 800 auf 900 und des Endgehaltes der Landbriefträger von 900 auf 1000 Mark, nach den Resolutionen, die auf den Antrag des Centrums hin die Budgetkommission des Reichstages gefaßt hatte. Seit 1891 faßt der Reichstag vergeblich Beschlüsse in diesem Sinne, und jetzt hat er, gemäß dem Anträge der Budgetkommission, daß die verlangte Erhöhung der Bezüge des Staatssekretärs nicht eher bewilligt wird, als bis die Regierung nicht dem Reichstage eine Vorlage über die Erhöhung der Bezüge der Unterbeamten und Landbriefträger macht. Herrn von Podbielski selbst trat der Reichstag mit weit mehr Liebenswürdigkeit entgegen als seinem Vorgänger Stephan und dessen rechte Hand, dem Unterstaatssekretär Fischer, die es beide liebten, den Reichstag ein wenig im Kommistone zu behandeln. Herr von Podbielski bewegte sich in höflichen Formen And somit wurde allch die Berathung des Postetats ziemlich schnell erledigt.
Eine», volle» hat Staatssekretär v. Bülow zu verzeichnen. Herr v. Bülow ist seinem Vorgänger, dem Freiherrn von Marschall-Bieberstein, weder als Politiker noch als Redner überlegen, im Gegentheil: man darf, bei aller Anerkennung der rednerischen Begabung des neuen Staatssekretärs, sogar sagen, daß Freiherr von Marschall noch weit bessere Reden gehalten hat, wahre Meisterwerke der Beredtsamkeit, die sehr oft auch die Widerstrebenden fortrissen. Aber Herrn v. Bülow kommt die ausnehmend glücklich vollzogene Besetzung der Kiaotschau-Bucht in China zugute. Schon bei seinem ersten Auftreten im Parlamente bei der Berathung der Flottenvorlage hatte er Aufsehen erregt durch die Sicherheit seines Auftretens und die ungewöhnliche Eleganz der Ausdrucksweise. Aber am 8. Februar eroberte er sich durch zwei bedeutsame, außerordentlich wirkungsvolle Reden über Deutschlands austvärtige Politik den ungetheilten Beifall der ganz überwiegenden Mehrheit der Volksvertreter. Eine eigentliche Opposition brachte nur der sozialdemokratische Abgeordnete B e b el zum Ausdruck. Es war bezeichnend für die Stimmung im Reichstage, daß man diesem Redner, der sonst großer Aufmerksamkeit sich erfreut, gar nicht mehr zuhörte. Eine laute, geräuschvolle Unterhaltung, mit einer Rücksichtslosigkeit geführt, mit der sonst nur die lästigsten Redner gestraft werden, übertönte Bebels wunderliche Auseinandersetzung darüber, daß angeblich den Chinesen durch Deutschland „großes Unrecht zugefügt sei". Und sogar Herr Eugen Richter gehörte diesmal zur Regierungsmehrheit und bekannte, daß „er und seine Freunde noch niemals eineFlaggenhissung so günstig beurtheilt hatten, wie diese in China". Vielleicht hätte es der wirksamen Redeweise des Staatssekretärs nicht bedurft, um so glänzende Erfolge zu erzielen. Denn die That- sachen an sich reden so deutlich und so wirkungsvoll M Gunsten der vollzogenen Besetzung des Kiaotschau- Gebietes, daß der Staatssekretär auch ohne seine geistreiche Rede des Beifalls hätte sicher sein können. Und wem hat Deutschland einen großen Theil dieses Erfolges zu verdanken? Dem katholischen Mis- l?onsbischof v. Anzer. Denn Herr von Bülow selbst sagte es im Reichstage, daß die Reichsregierung ourch diesen gerade auf die Kiaotschau-Bucht aufmerk- >om gemacht worden ist.
Nicht minder glücklich war der Staatssekretär in icinen Auskünften über die Stellung Deutschlands zu er Angelegenheit der Insel Kreta, zu denen der frei« IWge Abg. Barth ihm durch eine jedenfalls sehr tn l mcne Anfrage Gelegenheit gab. Deutschland, bei v r au8 wesen Auskünften hervor, betheiligt sich birf 1 • Angelegenheit nur in dem Sinne, um so o ,töte. möglich Sorge dafür zu tragen, daß „die Insel toetbe"11^1 Brandfackel für den Frieden Europas A:^ie Anerkennung, daß die Neichsregierung ander 1 ha» ojlchau-Bucht klug berechnet und gut operirt 3lott ert "ichts an der kühlen Beurtheilung der ! untpj^Vorlage durch das Centrum. Wie I orWi, n?rtei äu dieser Vorlage steht, hat der Abge- 1 in ej ' Domkapitular Dr. Schädler am Samstag i nau unk nirumsversammlung jn Würzburg sehr ge- allem >n° <, sehr ausführlich auseinandergesetzt. Vor i setzte bna ivie Herr Dr. Schädler auseinander- I
' 03 Centrum vor jeder Ueberstürzung hüten und i
Vermischtes.
* Di« Ursache des Schiffsungkücks vei Kiek darf nicht lediglich in dem schweren Seegang gesucht werden. Dahin lauten verschiedene Uriheile von Seeleuten. Das Unglück ist darauf zurückzuführen, daß die Pinasse zunächst durch 17 Mann überfüllt war, dann durch eine Biegung um den ihr im Wege liegenden Minenleger „Rhein" herum, wobei vielleicht das Steuer zu schnell herumgeworfen wurde, sich auf die Seite neigte und in diesem Augenblick von einem einsetzenden Windstöße und einer nachfolgenden Welle zum Sinken gebracht worden ist. Bei den vielen Beförderungsmitteln, die zur Verfügung standen, um die Wache auf das diesseitige Ufer zu befördern, ist es unverständlich, wie man dieses kleine offene Schiffchen wählen konnte.—Dieses Unglück ruft die Erinnerung an die in den letzten Jahren über Kiel hereingebrochenen Katastrophen wach: die Geschützexplosion auf dem „Baden", wobei 7 Personen verunglückten; dann folgte die Katastrophe auf dem Panzer „Brandenburg", wo das Platzen des Hauptdampfrohres die Ursache des Todes von 42 Seeleuten wurde; dann die Keffelexplosion auf dem türkischen Torpedojäger bei dessen Probefahrt, wodurch wieder 13 Mann ihre» Tod fanden, der vierte Unglücksfall ereignete sich durch den Einsturz der Laufbrücke auf dem Dampfer „Bonn" und 14 Werftarbeiter ertranken. Dem schließt sich nun dieses Unglück wieder an. Das sind 88 Tobte in kaum sechs Jahre».
* Gegen die im tzekephonketriev« geplante Neuerung, von jetzt ab bei neueinzurichtenden Fernsprechanlagen den Apparat nur noch mit einem Fern Hörer zu versehen und einen zweiten nur auf Wunsch des Theilnehmers und gegen Zahlung von 10 Mk. zu liefern, ist in den Kreisen der Berliner Kaufleute und Industriellen eine Bewegung im Gange. Man will mit allen Mitteln die Durchführung dieses Planes vereiteln, da eine derartige Neuerung nur als eine Verschlechterung des Fernsprechbetriebes angesehen wird. Durch eine Umfrageist festgestellt worden, daß besonders beim Sprechen nach auswärts der zweite Hörer unentbehrlich ist. Wie jeder „Angeschlossene" weiß, sind die Apparate sehr verschieden gearbeitet, und manche leiten das hinein- gesprochene Wort nur leise oder undeutlich weiter. Sodann gibt es auch Personen, deren Stimmen zum Tele- phoniren sich durchaus nicht eignen und kaum mit zwei Hörern, geschweige denn mit einem, zu verstehen sind. Gespräche auf weitere Entfernungen sind ohne zwei Hörer fast undenkbar. Aus allen diesen Gründen wird gefordert, daß auch in Zukunft nach wie vor jedem neu aufgestellten Apparat zwei Hörer und zwar ohne Preiserhöhung beigegeben werden sollen, und die erwähnten Kreise werden schon in nächster Zeit die nöthigen Schritte thun.
* Allerlei Vexirfragen. Das .Wiener Tageblatt' schreibt: Bon Zeit zu Zeit macht eine Frage die Runde, die Jeden, dem sie vorgelegt wird, in Verwirrung und Verlegenheit bringt, und deren Lösung oder Beantwortung ihm noch unwahrscheinlicher dünkt. Da hat irgend ein Schüler in einem Physik-Lehrbuch zufällig das Exempel von der großen Korkkugel aufgeschnappl, es zu Hause erzählt, der Vater hat die Frage ins Wirthshaus an den Stammtisch getragen, und nun kursirt das allerdings kuriose Problem überall: Wie schwer ist eine Korkkugel von zwei Meter Durchmesser? Daß es eine solche Kugel in Wirklichkeit nicht gibt, weiß man, aber sie wäre ja zusammenzufetzen. Alle, denen diese Frage vorgelegt wird, bleiben mit ihrer Schätzung weit unter der Wirklichkeit zurück, zwei oder drei Kilo rathen die Meisten. Die Wahrheit ist, daß eine solche Kugel 20 Centner wiegen würde. Man braucht von Physik und Mathematik nicht viel in der Erinnerung behalten zu haben, um das erstaunliche Resultat herauszukriegen. Vor mehreren Jahren wurde die Frage aufgeworfen, wieso es kommen mag, daß ein mit Wasser gefülltes Gefäß, in dem ein Fisch schwimmt, weniger wiegt, als ein gleiches und ebenso gefülltes Gefäß ohne Fisch? Viele übten ihren Scharfsinn an dem Exempel, und es kamen allerlei gelehrte und superkluge Vermuthungen und Auseinandersetzungen dabei heraus. Die einzig wahre Erklärung ist aber die: das betreffende Gefäß wiegt gar nicht weniger Eine ähnliche Trugfrage tauchte einmal in einer wiffenschastjichen Zeitung auf: „Warum wiegt ein tobter Fisch f chw erer, als ein lebendiger?" A ich diese Frage fand allerlei theoretisirende Lösungsversuche, bis die Redaktion mit der Erklärung hervortrat, daß der tobte Fisch überhaupt nicht schwerer sei, als der lebende. Die Gelehrsamkeit ist eben manchmal leicht geneigt, „hereinzufallen", und es zeigt sich immer wieder, daß die Theorie grau, sehr grau ist. Vor einiger Zeit bemerkten zwei Ingenieure bei der Begehung einer Bahn, daß die Schienen einer längeren Strcke an der Außenseite, also dort, wo sie vom Radreif des Waggons nicht berührt werden, stark abgenützt waren. Diese Erscheinung kam ihnen ungemein interessant vor. Sie grübelten, stritten, vermutheten, bebattirten unb kamen zu keinem rechten Schluß. Aber ber nächste Bahnwärter konnte der gelehrten Unterhaltung ein Ende machen. Die Schienen waren nämlich vor Kurzem um gedreht so daß die abgenützte Seite nach außen zu liegen kam. — Eine Vexirfrage mit einer ernsthaften Ant
ruksig und sachlich prüfen. Wenn man die Marine- Vorlage den Katholiken schmackhaft machen will mit ihren Missionen, so hat das Centrum nur ein Achselzucken dafür. Schon im Jahre 70 habe man denselben chinesischen Hafen besetzen wollen, obschon damals keine Missionare ermordet Ivurden. Da rührt es nicht sonderlich, wenn hohe Herren eigenhändig Karten zeichnen und selbst ein kaiserlicher Prinz zum Opfer gebracht wird, um in China feierlich empfangen zu werden. Gegen eine vernünftige und schritt- iveise Vermehrung der Flotte erklärt das Centrum : sich nicht, aber diese Vermehrung darf nicht erfolgen 1 durch neue Lasten für das Volk und durch einen Ein- ' griff in das Budgetrecht des Reichstages. An eine : größere Heranziehung der Einkommensteuer von Reichs- : wegen ist nicht zu denken; denn das ist ein Eingriff ; in die Verfassungsrechte der Einzelstaaten; dieses wichtige Recht darf kein Einzelstaat aus den Händen geben, und an indirekten Steuern haben wir schon jetzt m e h r a l s g e n u g. An ein Marineseptennat ist gar nicht zu denken. Das Centrum hat keinen Grund, sich der Regierung zuliebe zu binden. Nicht gegen eine vernünftige und schrittweise Vermehrung der Flotte, aber ganz entschieden gegen Abenteurerfahrten, das ist die Losung des Centrums!
Einig und geschlossen muß das Centrum bleiben, — das thut jetzt ganz besonders noth — denn die Reichstagswahlen stehen vor der Thüre, und bei diesen wird es ja nicht blos um Flottenverstärkungen und um ähnliche Sachen sich handeln, sondern um viel wichtigere Dinge. Wie wenig h o l d die Regierungen, namentlich aber die preußische Regierung uns Katholiken ist, zeigt sich stets von neuem. Erst vor acht Tagen berichteten wir über das Verbot der Stehler Missionsniederlassung bei Letmathe in Westfalen. Seitdem ist aus derselben Provinz über eine Maßregel der Regierung berichtet worden, die für alle Katholiken ganz besonders Grund sein muß zu lebhaftem Mißtrauen. Der Regierungspräsident Gescher in i Münster hat nämlich durch einen Runderlaß zu Berichten darüber aufgefordert, woher es wohl komnit, daß in Westfalen die meisten Krankenhäuser den katholischen Kirch en gemeinden gehören. Dieser Erlaß ist aus einer Beschwerde hervorgegangen, die über die Münster'sche Regierung hinweg an den Kultusminister und den Minister des Innern gerichtet wurde. Die Beschwerde selbst, der Inhalt der Beschwerde, und der Umstand, daß die beiden Minister sogleich zur Anftellung einer Erhebung Anordnung gegeben haben, das alles ist sehr bedenklich, und nichts weniger als „harmlos", wie solche Blätter vorzutäuschen suchen, die der preußischen Regierung bedingungslos ergeben sind, Hätte die Regierung überhaupt ein Interesse daran, die Eigenthumsverhält- nisse der Krankenhäuser festzustellen, so könnte dieses Interesse nur befriedigt werden durch eine allgemeine Erhebung. So aber ist nur ein einziger Regierungsbezirk Gegenstand dieses merkwürdigen „harmlosen" Interesses und zwar auf eine Beschwerde hin — sicherlich doch eine Beschwerde aus protestantischen Kreisen. In der Beschwerde und dementsprechend auch in dem Erlasse ist ferner die Rede davon, ob geistliche oder weltliche Pfleger in den Krankenhäusern thätig sind — und das alles soll „harmlos" sein? Es scheint, man hält die deutschen Katholiken als ganz besonders „harmlos", daß man ihnen zu- muthet, derlei zu glauben.
Wie es mit der Besetzung des erzbischöflichen Stuhles in Freiburg i. Br. steht, darüber schwebt noch immer geheimnißvolles Dunkel. Wohl erklärte am 4. Februar Staatsminister Nokk in der badischen Kammer, die badische Regierung unterhandle gegenwärtig mit dem Freiburger Domkapitel. Doch bat er die Abgeordneten gleichzeitig wieder, große Zurückhaltung zu beobachten. Falls die Verhandlungen mit dem Domkapitel zu keinem Ziele führen sollten, will der Minister, wie er noch hinzufügte, auf eine Anfrage hin Aufschluß geben, da die badische Regierung „keineswegs Veranlassung habe, irgend etwas zu verschweigen". Warum hat sie denn da bisher geschwiegen, und schweigt noch fortgesetzt mit großer Hartnäckigkeit?
In Frankreich ist aus dem „Fall Dreyfus" ein „Fall Zola" geworden. Das heißt der bekannte Schriftsteller Zola, dessen Romane keine wahrhaft anständige Frau in die Hand nimmt, hatte sich als einer der Hauptschreier der Dreyfus-Clique zum Ver- theidiger des Hauptmanns Dreyfus aufgeworfen, und dabei schmachvolle Beleidigungen geschleudert gegen die französische Regierung und das französische Heer. Nun steht er in Paris vor dem Schwurgericht und deutsche Sensationsblätter bringen spaltenlange Drahtberichte darüber, wie Herr Zola vor Gericht auftritt, was er vor und nach der Verhandlung genießt, was für einen Rock er angezogen hat, und was dergleichen interessante Dinge noch mehr sind . . . ekelhaft! Nur dann könnte der Schwurgerichtsverhandlung gegen Zola besondere Bedeutung beigemessen werden, wenn dabei ganz neue interessante Enthüllungen zu Tage gefördert würden. Das bezweifeln wir nun, warten es aber ganz ruhig ab und beurtheilen dann danach die Bedeutung dieses Prozesses.
In England ist am 8. Februar das Parlament mit der üblichen Thronrede eröffnet worden. Zunächst ' bezeichnet auch diese Thronrede die Beziehungen zum , Auslande als freundlich und erwähnt sodanu den Abschluß des Friedensvertrages zwischen der Türkei und ■ Griechenland, durch den die Gebiete der beiden Mächte : im Ganzen unverändert geblieben sind. Von den 1 kretischen Schwierigkeiten hofft die Regierung, daß sie bald beseitigt sein werden, lieber die augenblicklich 1 für England wichtigste auswärtige Frage, nämlich die 1 chinesische, schweigt die englische Thronrede gänzlich. !
Oesterreich hat ein neues Kuriosum zu verzeichnen: \ die deutschen Studenten streiken und besuchen > keine Vorlesungen mehr, weil den deutschen Studenten ; in Prag das Farbentragen verboten worden ist. Das 1
Literarisches.
Beispiele zum Unterrichte über die Gebote Gottes und der Kirche, sowie der Sakramente der Buße und des Altars, mit besonderer Rücksicht auf die Vorbereitung zur ersten hl. Kommunion. Gesammelt von Ed. Wittus, Pfarrer. Mit bischöflicher Approbation. 83 Seiten, 8V Preis 55 Pfg. Paulinusdruckerei in Trier.
Diese Schrift will diejenigen Abschnitte des Katechismus erläutern, die für das praktische Leben von besonderer Wichtigkeit sind: die Gebote Gottes und der Kirche, sowie die Sakramente der Buße und des Altares. Daher ist aus größeren Beispielsammlungen das Beste über diese Punkte gesammelt und zu einem eigenen Schriftchen zusammengestellt. Es finden sich in dieser Sammlung auch Beispiele, die der Verfasser entweder selbst erlebt oder aus erster Quelle erfahren hat, und gerade diese möchten wohl die schönsten sein. Das Schriftchen verdient weite Verbreitung; wir können dasselbe allen Katecheten, Geistlichen wie Lehrern, auf das Wärmste empfehlen.