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mit Jlnierhaktungs-Meilage „Zllustrirte Sonntags-Zeitung" petersgasse Nr. i (Darmonie).
M 34.
JuLder, Samstag, den 12. Februar 1898
25. Jahrgang.
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<£ Eisenbahn-Reformen.
Die Budget-Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses hat sich in diesen Tagen mit dem Etat der Eisenbahn-Verwaltung beschäftigt und bei dieser Gelegenheit ist es zu einer sehr interessanten Auseinandersetzung nicht nur über Eisenbahn - Fragen im Allgemeinen gekommen, sondern auch über das Verhältniß, das in Preußen zwischen dem Eisenbahn-Ministerium und dem Finanz-Ministerium besteht.
Die Verwaltung der preußischen Staatseisenbahnen hat bei dieser Gelegenheit wenig Schmeichelhaftes zu hören bekommen. Die zahlreichen Unglücksfälle der jüngsten Zeit, der ständige Mangel an Güterwagen im Jn- dustriebezirke, die Langsamkeit in der Beförderung von Stückgütern, der mangelhafte Ausbau von Nebenbahnen, und die Abhängigkeit der Eisenbahnverwaltung vom Finanzministerium mit seiner Plusmacherei — das alles zusammen bildete bei der Generaldiskusston eine lange Kette von Dingen, die zu berechtigten Klagen und Beschwerden Anlaß gegeben. Die Regierung kann zu ihrer Ver- theidigung auch nicht den sonst oft beliebten Vorwand brauchen, daß Mitglieder der Opposition ein besonderes Vergnügen sich daraus gemacht hätten, an dem Betriebe der preußischen Staatsbahnen herumzumäkeln. Denn es sind namentlich nationalliberale Abgeordnete gewesen, die bei dieser Gelegenheit eine unbarmherzige Kritik an allen den Mißverhältnissen übten, die vorher aufgezählt sind.
Auch zum Referenten hat die Budget- Kommission einen nationalliberälen Abgeordneten bestellt, nämlich den Abg. Möller-Dortmund, und dieser faßte alle seine Beschwerden und gleichzeitig auch Vorschläge zur Besserung der gegenwärtig vorhandenen Uebelstände in folgenden Punkten zusammen: Ausbau von dritten und vierten Geleisen auf den verkehrsreichen Strecken zur Trennung des Personenverkehrs — Beschleunigung des Wagenumlaufs zur Beseitigung des Wagenmangels — Beschleunigung des Stückgüterverkehrs — Ausbau von Nebenbahnen zur Entlastung der großen Linien — Vorlegung eines Eisenbahngarantiegesetzes behufs Trennung der Eisenbahn-Verwaltung vom Finanzministerium.
Eisenbahnminister Thielen erwiderte zwar auf das Referat des Abg. Möller in einer langen Rede. Aber man kann nicht sagen, daß es ihm gelungen ist, die Ausstellungen zu entkräften, die jener machte. Vor allen Dingen wiederholte der Minister von neuem die schon in der Denkschrift der Eisenbahnverwaltung vorgebrachte Behauptung, daß in andern Staaten, so in Oesterreich und Frankreich beim Bahnbetriebe ebenso viele Unglücksfälle vorkämen, wie in Preußen. Selbst angenommen, das wäre der Fall, so wäre das noch
8 l>n letzte Himpllmg tun Matney.
Eine historische Erzählung
von Philipp Wasserburg (Laicus).
49 ------ (Nachdruck verboten.)
„Nicht wahr, gute Frau," sagte Lucy, das gläsern dreinstarrende Auge auf sie richtend, „das war nur, um mich zu erschrecken, um mir Furcht etnzujagen?"
„Ja, Miß!"
„Aber man wendet das nicht an? Nicht wahr? Das thut man nicht?"
„Wollte Gott, ich könnte Euch diese Zusicherung geben. Aber man wird es wohl thun, wenn Ihr nicht gesteht."
. »dm ich denn wahnsinnig — ich habe ja nichts zu gestehen! Ich bin ja gar nicht katholisch!" Das Weib zuckte die Achseln.
„Verleugnet nicht Christum um irdischer Be- hagsichkeit willen." ’
«Aber-, Weib! . . ." rief Lucy, die Hände n- .fte SHtne pressend, als ob sie sich von der kmenz chres eigenen Kopfes überzeugen wollte.
»pater O'Kelly hat gesagt ..."
er Pater, ja der Pater! O, holt mir den
-p er. Wenn ich in sein friedliches Antlitz sehe ‘ un° /hm hat man das auch gesagt . . .
man hat ihm Daumschrauben angelegt . . .
, man j>rol)t ihm, weiter zu foltern . . . und
. ,ann ichlummern mit friedlich lächelndem Ge-
.' • H^e mir den Pater! Gehe! Um des ewigen Gottes willen, hole mir den Pater!"
es meinem Manne sagen: aber letzt seid nur ruhig." ' a ’
te Frau ging und Lucy war allein.
immer keine Entschuldigung. Man muß vielmehr den preußischen Bahnbetrieb von jetzt mit dem preußischen Bahnbetrieb von früher vergleichen. — Warum sind früher, als unsere Eisenbahntechnik noch lange nicht so vollkommen war wie jetzt, bei uns so ungleich weniger Unglücks fälle vorgekommen? Uebrigens gab der Minister verschiedene Uebelstände zu und schloß mit der Bemerkung, daß die vom Berichterstatter Möller in Anregung gebrachten Maßnahmen innerhalb der Verwaltung bereits erwogen würden.
Ueber den Vorschlag eines Eisenbahn-Garantie-Gesetz es schwieg Minister Thielen sich aus. Dagegen bestritt der Geheimrath Lehmann vom Finanzministerium, daß „der Finanzminister einen ungünstigen Einfluß auf die Entwickelung der Eisenbahnen ausgeübt habe. Gegenüber der Eisenbahnverwaltung legten sich der Finanzminister und seine Kommissare bei den Verhandlungen über die Aufstellung des Etats gerade große Reserve auf. Vom Finanzministerium würden diejenigen Mittel, welche zur Ausgestaltung der Bahnen erforderlich seien, unbedingt gewährt werden." Aber die Behauptungen des Geheimrath Lehmann machten bei der Kommission keinen allzu lebhaften Eindruck. Auch der freisinnige Abg. Ehlers und die nationalliberalen Abgg. Schmieding und Dr. Friedberg äußerten in bestimmter Weise die Anschauung,daß die Betriebsverwaltungen der Eisenbahnen in einem andern Verhältnisse zu dem Finanzminister stehen müssen, als die anderen Verwaltungen. Der Leiter dieser Betriebsverwaltung müsse eine selbstständige Stellung haben, denn er trägt ja auch die Verantwortung allein. Herr Geheimrath Lehmann bemühte sich zwar, zu behaupten, daß „das Finanzministerium stets der Eisenbahnverwaltung eine bedeutende Selbstständigkeit überlassenhabe", — aber die ungläubigen — Mienen der Kommissionsmitglieder haben ihm — ohne Zweifel auch ohne gesprochene Worte die passende Antwort gegeben.
Daß Mittel bewilligt werden müssen zu dem Zwecke, den Uebelständen durch geeignete Maßnahmen zu steuern, hat sich als die einhellige Meinung derBudget-Kommissiön'ergebe'N!"Nament- lich Anlage weiterer Gebiete für verkehrsreiche Bahnstrecken, weiter durchgeführte Trennung des Güterverkehrs vom Personenverkehr und Erweiterung und Ausbau verkehrsreicher Stationen stehen im Vordergründe der in Aussicht genommenen Reformen. Die Trennung des Personenverkehrs vom Güterverkehr durch den Ausbau dritter und vierter Geleise empfahl besonders der Abg. Kircher- Fulda (Centr.); gleichzeitig sagte er zu, daß seine Partei die hierzu erforderlichen Mittel bewilligen würde. Und Minister Thielen erklärte es im Anschluß daran ebenfalls für nothwendig, daß man dieser Frage über den Ausbau weiterer Geleise näher trete. Aber da warf der Vertreter des Finanzministeriums, Geheimrath Lehmann, wieder die leidige Finanzfrage dazwischen und erklärte, für Eisenbahn-Ausgaben dürften nur die vorhandenen Etsenbahn - Einnahmen in Anspruch genommen werden. An eine besondere Anleihe dürfe man nicht denken....
Natürlich, es gilt diesmal nicht die Bekämpfung der polnisch-katholischen Preußen oder poli-
Sie sank in sich zusammen aus die Diele des Kerkers. Das Haar hing ihr wirr um den Kopf, die Hände hielt sie vor das Gesicht, und so verfiel sie in ein leises, krampfhaftes Weinen.
In dieser tiefen Niedergeschlagenheit, für deren Dauer sie das Bewußtsein der Zeit vollständig verloren hatte, hörte sie plötzlich eine Stimme, deren Wohlklang sich wie sanfte Musik in ihr Herz einschmeichelte.
„Du hast nach mir verlangt, meine Tochter, und Meister James hat die Güte gehabt, mich davon zu benachrichtigen."
Lucy fuhr empor und starrte den Priester an, der vor ihr stand: es war derselbe, den sie vor Kurzem schlafend gesehen, und doch wieder ein ganz anderer. Das Auge belebte jetzt die friedlichen, wohlwollenden Züge seines Gesichtes.
„Was wollte ich doch?" flüsterte Lucy stammelnd. „Ich weiß nicht mehr, seit ich Euch anstarre, . . . verzeiht, mein Kopf ist wirr!"
„Ich kann es mir denken," sagte der Priester, „sie haben Euch die Folter erklärt, und das kann Männer mit starken Nerven zittern machen. Auch ich habe gebebt."
„Und wie habt Ihr das überstanden?"
„Ich habe gebetet. Und Du, meine Tochter, thue das auch. Fasse Muth in der Betrachtung des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi, der ohne alle Schuld ans Kreuz geschlagen wurde. Erhebe Dich durch den Gedanken, daß er Dich zur Theilnahme an seinem Leiden unter Tausenden auserwählt. Er hat für Dich gelitten, und Deiner Liebe gibt er zum Lohne, daß Du für ihn leiden darfst."
Lucy starrte den Priester wie einen Boten
zeiliche Maßnahmen, sondern nur die körperliche Sicherheit von Menschen, die auf der Eisenbahn fahren, oder bei dieser Dienste thun. Und solche Zwecke finden für die Aufnahme einer Anleihe keine Gnade vor den Augen des Herrn von MiqM und seiner Getreuen. Die Eisenbahn, das Interesse der Sicherheit des öffentlichen Verkehrs heischen dringend nothwendig die Aufwendung umfangreicher Mittel, aber der Finanzminister ist dagegen und das allein soll den Ausschlag dafür geben, daß die Aufnahme einer Eisenbahnanleihe unterbleibt.
Was wird das Plenum des Abgeordnetenhauses dazu sagen? Es ist dringend nothwendig, daß hier Abhilfe geschaffen werde. Wird die Berathung im Plenum des Abgeordnetenhauses sie bringen?
Deutsches gUirfj*
Berlin, 11. Februar.
* Die Kaisermanöver werden, wie bekannt, in diesem Jahre im Bereiche des X. Armeekorps, also in Hannover, abgehalten werden. An diesem Manöver wird auch das XI. Armeekorps sich betheiligen.
x Durch die Polizei wurde eine Versammlung des Centralausschusfes der polnische« Mereine Derkins verhindert, die in einer Gast- wirthschaft tagen sollte. Die Versammlung war polizeilich nicht angemeldet worden. Früher aber hatte das die Polizei auch niemals verlangt.
* Das Interesse, welches der Kaiser der Beseitigung des Nothstandes widmet, unter dem die von den Kochwaflerschäde« Betroffenen leiden, wird in der nächsten Zeit dadurch eine neue Bethätigung erfahren, daß, wie offiziös berichtet wird, die Beschlüsse der Staatsregierung in dieser Frage Gegenstand der Berathung in einem nächste Woche abzuhaltenden Kronrath fein sollen.
X Der,Reichsanz/ bringt die übliche M«' falkzusammeustelrung der deutsche« Kisen- öatzuen, ohne die bayerischen. Danach fanden im'Läufe'Ves MüMts Dezember statt: 11 Entgleisungen auf freier Bahn und 17 in Stationen; 2 Zusammenstöße auf freier Bahn und 26 in Stationen; ferner 202 andere Betriebsunfälle. Dabei wurden getödtet 5 Reisende und 74 Beamte und Bedienstete; verletzt 4 Reisende und 152 Beamte und Bedienstete.
* Der Landtag der Provinz Kannover hat sich von den mancherlei Angriffen gegen den Ausbau unseres Kanalnetzes nicht beirren lassen. Er hat vielmehr nach eingehender Erörterung die Geldbewilligungen für den M i t t e l l a n d - K a n a l angenommen. Der preußische Landwirthschafts- minister Frhr. von Hamm erst ein - Lox ten hat an den Berathungen theilgenommen und ist in lebhafter Weise für die Bewilligung der geforderten Geldmittel eingetreten.
* Leipzig, 11. Febr. Die Revision des Pfarrers Thümmel gegen das Urtheil des Landgerichts Elberfeld, welches ihn am 11. Nov. v. I. wegen Beleidigung des Oberlandesgerichts- Präsidenten Falk und des Landrichters Westermann zu 100 Mark Geldstrafe verurtheilte, wurde heute vom Reichsgerichte verworfen.
aus einer anderen Welt an. Sie überließ sich ganz dem Genüsse seiner wohllautenden, sanften Stimme und nahm willig in ihr Herz auf, was in solcher Weise ihr eingegossen wurde.
„Und Ihr sollt gefoltert werden .... ich Haffe diese Elenden, . . . ." sagte Lucy leise, wie für sich, als der Priester einen Augenblick innehielt.
„Das sei ferne von Dir! Wenn Du Christum liebst, darfst Du keinen Menschen hassen. Denke, daß er als das unschuldige Opferlamm die Sünden aller Früheren und Späteren auf sich nahm, daß er von denen, für welche er fein Blut hingab, gemartert wurde, und als er am Kreuze hing, für sie betete. Das muß unser Vorbild sein; wenn auch die schwache Natur sich sträubt, danach müssen wir ringen. Und siehe, meine liebe Tochter, die Menschen sind nicht so bös, als das aussieht. Sie sind im Jrrthum; sie meinen Gott einen Dienst zu thun, wenn sie die Religion Jesu Christi verfolgen und ihre eigene an deren Stelle setzen. Gott wird ihre Herzen und Nieren prüfen, in wie weit dieser Jrrthum Sünde ist; aber sie meinen, gut und recht zu handeln, und das muß uns wieder mit ihnen versöhnen. Christus betete am Kreuze: Herr, sie wissen nicht, was sie thun. Und nicht wahr, meine Tochter, so wollen wir Christum bekennen, sür ihn leiden und sterben, und für die, von welchen wir um feinetwillen verfolgt werden, beten, daß Gott es ihnen nicht zur Sünde anrechne: denn sie wissen wahrhaftig .licht, was sie thun."
„Und das heißt katholisch!" fuhr Lucy plötzlich auf.
„Ja, natürlich," bemerkte der Pater, sie er«
Aus dem Reichstage.
*<y 38. Sitzung vom 11. Februar, 2 Uhr.
Am Bundesrathstisch: v. Bülow, Graf Posa- dowsky. Das Haus ist schwach besetzt.
Ein schleuniger Antrag auf Einstellung des gegen den Abgeordneten v. Saß-Jaworski (Pole) beim Amtsgericht in Schwetz wegen Ucbertretung des Bereins- gesetzes schwebenden Strafverfahrens wird debattelos angenommen.
Hierauf wird die Berathung des Etats des Auswärtigen Amtes fortgeseft, und zwar beim Kapitel 5 „Gesandtschaften und Konsulate".
Abg. Schmidt-Warburg (Ctr.) nahm sich hierbei, wie schon im Vorjahr, der Interessen der schwer geschädigten deutschen Gläubiger Griechenlands an, sprach über die neuliche Erklärung des Staatssekretärs des Aeußern seine Befriedigung und die Hoffnung aus, daß die Regierung die Jntereffen der deutschen Gläubiger wahren werde.
Abg. Kasse (natl.) befürwortete dagegen Wahrung der Jntereffen der deutschen Gläubiger Portugals.
Bei dem Titel: Botschaft in Paris, brachte Abg. Dichter die Dreyfus-Affaire zur Sprache, nachdem der Referent der Budget-Kommission Abg. Prinz Arenverg über die betreffenden Verhandlungen in der Kommission berichtet hatte. Abg. Richter beschränkte sich auf die Erklärung, daß die vom Staatssekretär in der Budget- Kommission in dieser Affaire abgegebene Versicherung auf seine (Redners) Anfrage erfolgt sei. Damit erledigten sich die Schlußfolgerungen, die einige französische Journale irrthümlich gezogen. Es könne Niemand mehr in dieser Sache zweifelhaft sein, vorausgesetzt, daß er einigermaßen vernünftig sei und die Wahrheit achte.
Zum Titel: Botschafter in Washington mahnte Abg. Pr. Marth (frs. Vg.) die Agrarier zum Frieden mit Amerika und verbreitete sich dann wieder über den Nutzen unserer Handelspolitik, insbesondere der Handelsverträge.
Präsident Frhr. v. Buot gab zu bedenken, wohin es führen solle, wenn jetzt wieder eine allgemeine Debatte über unsere Handelspolitik, die Zuckersrage rc. beliebt werden sollte.
Als der folgende Redner, der nationalliberale Abg. Key! v. Kerrnsheim trotzdem den Spuren Barths folgen wollte, wurde er von dem Präsidenten zur Sache gerufen.
Staatssekretär Graf Dosadowsky bezeichnete das Einfuhrverbot für amerikanisches Obst als eine noth- wendige und gerechte Schutzmaßregel, über die sich die Amerikaner nicht zu beschweren brauchten. In Bezug auf die Handelsverträge werde der wirthschaftliche Ausschuß in ruhiger Weise alle maßgebenden Fragen erörtern. Die künftige Form der Handelsverträge habe jetzt nur akademische Bedeutung. Zunächst müßten wir einen neuen autonomen Zolltarif haben. Internationale Handelsbeziehungen dürften nie ab irato, sondern kaufmännisch nüchtern und kühl behandelt werden. Zollkriege schadeten beiden Theilen. Er habe einem hochgeschätzten Herrn, der ihm zu Maßregeln gegen Amerika gerathen habe, gesagt: Wenn Sie einen Zollkrieg anfangen wollen, so brauchen Sie keinen Staatsmann, das kann ein Kanzleidiener auch. Die Kunst bestehe darin, unter schwierigen Verhältnissen den Frieden aufrecht zu erhalten. Erbitte dringend, den verbündeten Regierungen den Zeitpunkt zu überlassen, wann sie Schritte zu unternehmen haben.
Abg. Gras Kanitz (kons.) stellte den Wunsch nach einem Zollkrieg m Abrede, wünschte ein gemeinsames Vorgehen der europäischen Staaten gegen die amerikanischen Zollerhöhungen und erklärte sich von der Erklärung des Staatssekretärs befrie-igt.
Abg. Dichter bezeichnete das Obsteinfuhr - Verbot nach den Erklärungen des Staatssekretärs in der Budget- Kommission ebenfalls als eine berechtigte Maßregel und verlor sich sodann ebenfalls in längere handelspolitische Erörterungen, an denen sich dann wieder die Abgg. Heyl v Herrnsheim, Dr. Barth, Graf Kanitz und Dr. P aasche betheiligten, während Staatssekretär Graf Posadowsky von einer Erörterung der künftigen Handelsverträge warnte. Man dürfe hier sein Pulver nicht zu früh verschießen.
Der Rest des Etats des Auswärtigen Amtes wurde ohne erhebliche Debatte erledigt.
Morgen (Samstag) 1 Uhr: Etat der Schutzgebiete und Etat der Zölle und Verbrauchssteuern. mm—
staunt betrachtend. „Das ist katholische Lehre: Gott über Alles zu Heben, und feinen Nächsten wie sich felbft. Hast Du diese Lehre nicht so aufgefaßt, daß neben dieser Siebe kein Haß Platz greifen darf? Seine Freunde liebt auch der Gottesleugner, der Katholik ist auch feinen Feinden gut."
„Ich bin nicht katholisch!" sagte Lucy leise. „Aber das mag ich nicht länger tragen, wo ich gute Menschen sehe, bin ich wie eine Ausgestoßene. Ist es denn nicht möglich, daß ich katholisch werde?"
„Oh, nichts leichter," sagte der Priester lächelnd. „Wenn Du willst, wenn Du glaubst, was die Kirche zu glauben befiehlt, dann kannst Du jeden Augenblick katholisch werden. Aber warum bist Du denn verhaftet? Meister James sagte mir . . ."
„Ich bin mit einem katholischen Irländer verlobt . . ."
„Dann weiß ich alles. Aber Du wußtest doch, daß es ein Gesetz gibt ..."
„Nein, ich wußte nicht, daß es solche Gesetze gäbe; ich hatte keine Ahnung davon, wie tief der Mensch im Gesetze sinken könne; aber, ehrwürdiger Vater, wenn ich das auch gewußt, ich hätte mich nicht darum gekümmert. Man ist meiner nur mit schnöder Gewalt habhaft geworden. Ich befand mich sicher unter dem gastfreundlichen Dache von Killarneyhouse . . ."
„Welchen Namen nennt Ihr da?" unterbrach sie rasch der Pater.
„Killarneyhouse; das edle Geschlecht der O'Dreutor . . ."