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für Parzeller in Fulda. Hilf • petevLgalsc Nr. 2 (Larmouie).

M 33.

Konservative und Centrum.

Man sollte meinen, die preußischen Konser­vativen hätten gerade jetzt am wenigsten Grund zum Uebermuth. Die Antisemiten erklären ihnen den Krieg an allen Ecken und Enden und stellen in bisher altbewährten Wahlkreisen der konservativen Partei eigene Wahlbewerber auf mit der ausgesprochenen Absicht, konservative Abgeord­nete zu verdrängen. Daß ihnen das ab und zu gelingt, hat die Ersatzwahl zum Reichstage im märkischen Wahlkreise Westpriegnitz bewiesen, wo die Antisemiten in der Stichwahl dem Kandidaten der freisinnigen Volkspartei gegen den Konservativen zum Siege verhalfen. Also sogar einen richtigen Demokraten ziehen jetzt die Antisemiten einem Partei-Konservativen vor!

Die Konservativen wissen genau, daß ihnen biefe Gegnerschaft nichts weniger als ungefährlich ist, und der konservative Parteiführer v. Manteuffel hat demgemäß beim jüngsten konservativen Partei­tage in Dresden auch eine durchaus kriegerische Erklärung gegen die „Radau-Antisemiten" ab­gegeben. Das klang sehr schneidig, sollte wohl aber nur das Gefühl der Schwäche verbergen, das Herr v. Manteuffel dabei empfand.

Desto liebenswürdiger suchte Herr v. Manteuffel in Dresden gegenüber Herrn v. Plötz zu sein, den Präsidenten des Bundes derLandwirthe. Er suchte diesen zu einer bindenden Erklärung darüber zu bewegen, daß der Bund der Land- wirthe bei den nächsten Wahlen grundsätzlich einem Konservativen den Vorzug geben werde vor einem Antisemiten. Aber Herr v. Plötz gab eine solche Erklärung nicht ab, sondern antwortete Herrn v. Manteuffel, daß der Bund der Land- wirthe für alle Fälle freie Hand sich behalten müsse. Und nun hat bald nach dem Dresdener konservativen Parteitage der Direktor des Bundes der Landwirthe Herr Dr. Dieder ich Hahn in einer Versammlung in Halle ganz offen heraus gesagt, daß dem Bunde der Landwirthe ein Antisemit „mindestens ebenso lieb ist, wie ein Konservativer." Das läßt an Deutlichkeit der Absage nichts zu wünschen übrig, und die Konser­vativen haben allen Grund, sich vorzusehen bei den nächsten Wahlen, daß sie ihren alten Besitz­stand einigermaßen behalten.

Nichtsdestoweniger scheinen sie in sehr über- müthiger Stimmung zu sein. Denn nun fangen sie auch an, sich an dem Centrum zu reiben. Beim Dresdener konservativen Parteitage hat Herr v. Manteuffel einen Angriff gegen das Centrum vom Zaune gebrochen, wie er streit­süchtiger und ungeschickter gar nicht leicht gedacht werden kann. Nach dem ersten Bericht der »Kreuzztg/ sagte Herr v. Manteuffel in Dresden, daß „das zunehmende Uebergewicht der sozial­demokratischen Seite des Centrums" den Konservativen ein Zusammengehen mit dem Centruin in den meisten Fällen unmöglich mache. Das wurde dann hinterher verbessert in „demo­kratische Seite des Centrums". Und außer­dem sagte derselbe konservative Parteiführer nach dem ersten Bericht über den Parteitag: „Das katholische Volk wird nicht gewillt sein, sich durch seine Abgeordneten auf die Seite der Sozial­demokraten drängen zu lassen" — was dann

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* ütr letzte Wxttmg non fiiliarnci).

Eine historische Erzählung

von Philipp Wasserburg (Laicus).

------ (Nachdruck verboten.)

»Ich habe Euch schon gestern gesagt," erklärte Lucy, „daß ich überhaupt nicht katholisch bin, aber ich sage Euch, daß ich es bei nächster Ge­legenheit werden will. Was habe ich verbrochen? Wen habe ich gekränkt? Wenn Ihr Euch hier als die Bevollmächtigten Gottes ausgebt, wohlan, so zeigt mir Eure Vollmacht, und dann wollen ivir weiter reden."

Der Richter hatte sie ruhig ausreden lassen, nachdem sie geendet, fragte er die Beisitzer: »Was dünkt Euch? Brauchen wir noch Beweise, oder scheint Euch genügend, was Ihr aus ihrem ^knen Munde gehört, um zur Folter bezüglich 'hrer Mitschuldigen zu schreiten."

< ~3en Beisitzern genügte das vollständig, und ^..Vorsitzende erklärte dem Mädchen, daß alles ver landen sei, sie solle nur angeben, wer ihr ^-.Erricht in den papistischen Lehren ertheilt habe; nute- e§ aufgeben, das Gericht in die

" Theile Irlands zu senden.

Q[ä ätr!" erwiderte Lucy, „wenn ein anderer, beiten°bett<®’®rentor Et mir über diese Wahr­dens' cvLteoet einer, der in Eurer Gewalt ist, — on9ebei^ür°bef?"^t M id) it)n bann linkst J^ter schaute wieder nach rechts und

M bte Beisitzer nickten.

er dann laut.

Dunkel in die Mitte^'°^ au§ bem

JuLöcr, Freitag, den 11. Februar 1898

hinterher ebenfalls in „Demokraten" verbessert wurde. Das Centrum braucht wenig Gewicht darauf zu legen, ob Herr v. Manteuffel so oder noch anders sich auszudrücken beliebte. Was er meinte, sieht man ja ohnehin deutlich genug. Aber merkwürdig bleibt es doch, daß die Steno­graphen in Dresden beidemal zuerst „Sozial­demokraten" verstanden haben sollen statt Demo­kraten. Derlei verhört sich doch gar nicht so leicht.

Herrn v. Manteuffel beim Dresdener Partei­tage ist nun in Angriffen und Kriegserklärungen gegen das Centrum ein anderer konservativer Parteiführer bei einem konservativen Parteitage in Berlin gefolgt. Herr v. d. Gröben-Are n- stein gestattete sich bei diesem letztgenannten Parteitage, der am Dienstag stattgefunden hat, einige Sätze folgenden Inhalts:

„Ueber die Stellung zum Centrum sich augen­blicklich auszusprechen ist sehr schwer. Jedenfalls ist es eine traurige Erfahrung, daß die demo­kratische Richtung einen sehr großen Vor­sprung errungen hat gegenüber der konservativen Richtung, nachdem sich die hervorragenden Führer der Partei sür die demokratische Richtung entschieden haben. Mit dem Centrum zu paktiren, wird in einzelnen Fällen möglich sein. Aber wir können die Partei immer nur als Feindin betrachten. (Sehr richtig.) Wir werden eben nehmen, was wir bekommen können und nichts dafür geben. (Heiterkeit und Beifall.) Ja, meine Herren, anders wird es nicht gehen, denn die Herren sind nicht blöde in ihren Forderungen. Indessen, die Politik treibt manchmal seltsame Blasen, und es kann kommen, daß sie unsere Unterstützung brauchen. Daher werden wir alle unsere Vorsicht gebrauchen, denn die ist den Herren gegenüber am Platze. (Heiterkeit und Beifall). Mit einem Wort: es sind unsichere Freunde und in ihrer großen Mehrzahl ganz positive Feinde!" Von älteren Führern der konservativen Partei wohnten der Versamm­lung beispielsweise auch die Herren von Levetzow und v. Plötz bei. Aber keiner fand es nöthig, zu diesen Ergüssen des Herrn v. d. Gröben- Arenstein etwas zu bemerken. Also müssen sie wohl derselben Ansicht sein wie dieser.

Ist es so, dann verzeichnet das Centrum auch diese Thatsache mit vollendeter Ruhe und Gelassenheit. Das Centrum ist bei den Wahlen noch stets seinen eigenen Weg gegangen, und wird ihn auch diesmal allein finden. Aber merken muß man sich derlei Angriffe gegen das Centrum und sich im gegebenen Augenblicke da­nach richten. Im übrigen ist jedenfalls die konser­vative Partei mehr der gelegentlichen Unter­stützung bei den Wahlen bedürftig, als das Centrum. Und klüger thäte sie jedenfalls, so kurz vor den Wahlen nicht geflissentlich andere Par­teien zur Feindschaftgeradezu zu reizen und heraus­zufordern.

Deutsches Welch.

Berlin, 10. Februar.

* Das preußische Slaalsmirristerium hielt heute Nachmittag unter dem Vorsitze des Vize­präsidenten v. Miq rel eine mehrstündige Sitzung ab. SSSMSSSWSSSNMMSNSSS tMWWWWWNSWS

Lucy stieß einen leichten Schrei aus und streckte beide Hände wie abwehrend von sich.

„Meister Bill! Auf welche Bedingungen hin übernehmt Ihr diese Angeklagte in Eure Be­handlung?"

„Ich nehme sie," sagte derselbe mit einer heiser krächzenden Stimme, „aus Tod und Leben, auf gerade und gebrochene Glieder, ich will sie aus­dehnen, daß der Mond durch ihre Haut scheint, man soll ihre Adern sehen und ihre Rippen zählen können."

Es war vielfach üblich, eine solche oder ähnliche Erklärung vom Henker in Gegenwart des Delin­quenten zu fordern. Dieser deutete damit an, daß er keine Verantwortlichkeit für die Folgen der Folterung übernehme, sondern nur der Arm des Gerichtes sei. Sodann wurde das als eine gelinde Art der sogenannten Erschreckung betrachtet.

„Wohlan, so gehen wir zur Erschreckung über," begann wieder der Richter. „Meister Bill, ich übergebe Euch diese hier stehende Angeklagte, damit Ihr derselben Eure Werkzeuge und deren Anwendung erklärt."

Der Verlarote schob die Vorhänge zurück und stieß eine dahinter befindliche Tl/ckre auf. Man blickte in einen taghell erleuchteten Raum, der mit seltsamen Werkzeugen angefüllt war.

Mit einer Handbewegung wies er die Dame hinein, und schritt voraus.

„Vorwärts!" rief einer der Dragoner, Miß Lucy anstoßend.

Diese zuckte bei der rohen Berührung zusammen und sah den Mann groß an.

Im nächsten Augenblicke bemächtigte sich ihrer der trostlose Gedanke, daß sie eine Gefangene

* Staatsminister v. Wiquek vollendet am 21. ds. das 70. Lebensjahr.

* Ein hübsches Stückchen von fiskalischem ZLareanKratisums wird der ,Germania'' mit- getheilt: Aus einem Kreise des Regierungsbezirks Frankfurt a. Oder ist dem geschäftsführenden Ausschüsse des Centralkomitees für die durch Unwetter Geschädigten Deutschlands die Mittheilung geworden, daß die vertheilenden Or­gane von der geleisteten Beihilfe an die Ge­schädigten zunächst die rückständige Steuer abgezogen haben. Das Centralkomitee wird energisch auf die Rückgängigmachung dieser Maß­regel hinwirken, denn die Gaben sind doch in der ausgesprochenen Absicht gewährt worden, den Geschädigten soweit aufzuhelfen, daß sie wieder erwerbsfähig werden, und nicht, um dem Staate die rückständigen Steuern und Schulden zu sichern.

In der Krelafrage weicht Rußland zurück. Auslassungen des unter amtlichem Ein­flüsse stehenden Petersburger ,Regierungsboten' lassen mit aller Bestimmtheit darauf schließen, daß die russische Regierung an der Kandidatur des Prinzen Georg von Griechenland nicht fest­halten will. (Nach anderen Nachrichten hat der Prinz seine Kandidatur selbst zurückgezogen.) „Nachdem," so schreibt das amtliche Blatt, „Ruß­land offen dem Sultan und den Großmächten seine Ansicht über die augenblickliche Lage der Kretafrage ausgesprochen hat, besteht es keines­wegs weiter auf der von ihm vorgeschlagenen Lösung, falls irgend eine andere europäische Macht irgend einen andern Ausweg aus der Verwicke­lung ausfindig macht, welcher den Anforderungen des Sultans, der Mächte und der Kreter gleich genügt und die Grundlagen für eine endgiltige Lösung der Kretafrage bietet ..." Alsdann versichert das Petersburger Regierungsblatt, daß Rußland auf keinen Fall an Zwangsmaßregeln gegen die Insel Kreta theilnehmen werde; und zugleich wird berichtet, daß der russische Bot­schafter in Konstantindpel, Sinowjew, den Auftrag erhalten hat, den Sultan zu ersuchen, daß dieser selbst einen fremden Unterthan als Kandidaten für den kretischen Gouverneurposten vorschlagen möge. Rußland scheint sich also doch noch zur rechten Zeit besonnen zu haben und zu den Grundsätzen der Politik zurückgekehrt zu sein, von denen es sich bei den Besprechungen über den griechisch-türkischen Frieden leiten ließ. Wann nun aber die kretische Gouverneurfrage überhaupt gelöst werden wird, weiß natürlich vorläufig kein Mensch zu sagen. Schnell wird es jedenfalls nicht damit gehen.

X Einigermaßen ergötzlich ist die Angelegen­heit der chinesischen Anleihe verlaufen. Nach­dem Wochen, fast Monate lang die Möglichkeiten hin und her gegangen sind, ob Rußland oder England, ob England und Deutschland, oder Rußland und Deutschland diese Anleihe über­nehmen werden, trifft die überraschende Kunde ein, daß China auf die Anleihe verzichtet. Das kann kein Verzicht auf die Dauer sein. Denn China braucht noth wendig Geld, um die Kriegsschuld an Japan zu befahlen. Aber da so viele sich bemühten, den Chinesen ihre Gelder und Wohlthaten aufzudrängen, ist es den Söhnen des Reiches der Mitte augenscheinlich unheimlich

sei. Mechanisch folgte sie dem Verlarvten und die beiden Dragoner gingen mit.

„Hier, Miß," begann der Henker, „ist eine Daumschraube. Ihr seht, es sind zwei zangenförmige eiserne Backen, welche durch diese Schraube zu­sammengepreßt werden können. Man schiebt Eure Daumen dazwischen und schraubt zu. Durch diesen kleinen eisernen Hebel an der Schraube kann der Schraubende eine solche Gewalt entwickeln, daß die Gelenke zermalmt werden. In der Regel geschieht das jedoch nicht. Aber der Blutandrang an der Spitze des Daumens ist so groß, daß die Haut zerreißt und das Blut mit Gewalt sich einen Ausweg sucht. Habt Ihr mich verstanden?"

Lucy seufzte tief; ihr Blick begann sich zu umfloren. Sie nickte leicht.

„Das Gestell hier nennt man spanische Stiefel. Ihr werdet auf diesen Stuhl gesetzt und um den Leib festgeschnallt, so daß Ihr Euch nicht rühren könnt. Dann werden Eure Füße in dieses Ge­stell von Eichenholz gestellt, dessen Backen Euch bis über die Knie reichen. Seht Ihr: So!"

Der Verlarote setzte sich und zeigte ihr die Manipulation. „Auch diese eichenen Bretter lassen sich zusammenschrauben, und das wird auch so zusammengeschraubt, daß Eure Knie fest im Holz liegen. Danach wird zwischen die beiden mitt­leren Bretter ein eiserner Keil getrieben. Ver­steht Ihr? Derselbe drückt Eure Knie gegen die äußeren Bretter und . . .

„Zermalmt die Gelenke," fügte Lucy tonlos bei; sie fühlte, wie ihr der kalte Schweiß aus­brach.

Der Henker nickte, stand von seinem Sitze auf und trat an ein mit Schrauben, Rollen und

25. Jahrgang.

dabei geworden, und sie sind vermuthlich dem Rathe irgend eines wirklichen Freundes gefolgt und haben einstweilen die Akten über die viel umstrittene Anleihe geschlossen. Lange wird dieser Zustand nicht dauern können. Denn Japan drängt jetzt mit aller Macht zur Bezahlung der fälligen Raten der Kriegsschuld. Inzwischen hat die chinesische Regierung dem Vizekönig von Nang- king den Auftrag gegeben, großartige Vor­kehrungen zu treffen für den Empfang des Prinzen Heinrich von Preußen.

h. Während andere in allen möglichen Körper­schaften akademisch über die Gefahren der Ein­schleppung der Wank- und Klanenfenche sich unterhalten, hat ein Centrumsabgeordneter und Mann vom landwirthscha'tlichen Fache das Facit aus allen diesen theoretischen Erörterungen ge­zogen und ist praktisch mit einem Anträge im preußischen Abgeordnetenhause vorgegangen. Der Centrumsabgeordnete Herold hat nämlich, wie die ,Fuldaer Ztg.' bereits gestern unter „Parla­mentarische Nachrichten" meldete, im Abgeordneten­hause, unterstützt von Abgeordneten mehrerer Parteien, die Regierung um baldmöglichst« Vor­lage eines Gesetzentwurfes ersucht, durch den die Kosten ärztlicher Untersuchungen auf die Staatskasse übernommen werden und wenn solche Untersuchungen auf Anordnung von Ver- tvaltungsbehörden hin erfolgen. Es handelt sich um eine Abänderung des Reichsgesetzes vom 12. März 1891 bett. Ausführung der Reichsge- über Abwehr und Unterdrückung von Vieh­seuchen________________________

Aus dem Reichstage.

-OP 37. Sitzung vom 10. Februar, 2 Uhr.

Die am letzten Schwerinstage nicht zu Ende ge­führte erste Berathung der von den Abgg. Auer und Genossen (Soz.) gestellten Anträge betr. das Recht der Versammlungen und Vereinigungen und das Recht der Koalition wird fortgesetzt.

Abg. Dr. 'VachniLe (frs. Bg.): Das so oft ge­forderte Reichsvereinigungsgesetz ist leider immer nur noch ein Schaustück in dem Glasschrank der Verfassung. Das heutige Vereinsgesetz in seiner Buntscheckigkeit und seine Handhabung durch die Behörden sind durchaus mangelhaft. In Preußen steht die Aufhebung des Koa­litionsverbots für politische Vereine noch immer nicht in Aussicht. Die Aufhebung ist von gleicher Wichtig­keit für alle Parteien. So habe ich vor mir ein Circular, das der Abgeordnete Freiherr von Manteuffel als Ver­treter des Vereins der Steuer- und Wirthschaftsreformer an die Vorstände aller landwirthschaftlichen Vereine gerichtet hat, und in dem Stellungnahme zu verschie­denen politischen Fragen gefordert wird. Würde auf dieses Circukbr auch nur ein einziger Verein antivorten, so würde strafbares Jnverbindungtreten nach der bis­herigen Rechtsprechung offenbar vorliegen und Herr von Manteuffel dem Staatsanwalt verfallen sein. Für die Frauen wird das Vereinigungsrecht fast in ganz Deutschland durch die Handhabung der Vereinsgesetze hinfällig gemacht. Dem Bauern-Berein Nord-Ost sind die Amtsvorsteher mit großer Willkür entgegengetreten. Ein Amtsvorsteher verlangte vor Ertheilung der Er- laubniß die Einreichung der zu haltenden Rede im Wortlaut, ein anderer einen Auszug, ein dritter nahm Briefe des Nord-Ost nicht an, ein vierter ließ sich von den Gesuchstellern einfach nicht sprechen. Die Be­schwerden beim Landrath blieben fruchtlos. Auf eine Annahme des Antrages dürfen wir in der nächsten Zeit nicht rechnen. Aber er erfüllt trotzdem seinen Zweck, denn er ermöglicht es, die Mißstände auf dem Gebiete des Vereinsrechtes zu besprechen. Es muß heraus, was auf dem Herzen ist; draußen im Lande wird es ver­standen werden.

Seilen versehenes massives Gestell in der Mitte des Gewölbes.

„Hier beginnt der zweite Grad, das ist die Leiter. Ihr werdet entkleidet und der Länge nach auf dieses Gestell geschnallt. Eure Hände werden unter dem Rücken zusammengeschnürt, die Schnur läuft über diese hier unten ange­brachte Rolle, und dann wird dort oben langsam angedreht. Dadurch werden die Arme von hinten über den Kopf gezogen, und meistens werden sie dabei aus den Gelenken ausgerenkt, weil dieselben nicht so weit nachgeben. Wenn das vorüber ist, wird ein Ledergurt unter den Armen durch um die Brust gelegt, der über den Kopf hinaus um eine Rolle läuft. Dann werdet Ihr mit Aus­nahme der Füße losgeschnallt, und Ihr hängt nun in den Riemen an den Füßen und an der Brust. Nun wird die Rolle oben gedreht, und Ihr dehnt Euch der Länge nach auseinander. Meistens geht dabei das ganze Knochengerüste aus den Gelenken, und ich möchte nicht dafür stehen, daß ihr mit dem Leben davon kommt."

„Tödtet mich gleich!" flüsterte Lucy mit ge­brochener Stimme; es schwindelte ihr, und sie griff nach der schrecklichen Bank, um sich aufrecht zu erhalten.

„Die Delinquentin wird schwach!" rief der Henker in das Gerichtszimmer, „soll ich fort­fahren ?"

„Man reiche ihr ein Glas Wein," befahl der Richter.

Der Kerkermeister ging und brachte nach einigen Minuten ein Glas Wem, das sie zurückwies. „Laßt mich! Wenn mir die Sinne schwinden, will ich Gott danken."

tia. -