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KuUmerM Zeitung
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Jutöcl, Donnerstag, den 10. Februar 1898
25. Jahrgang.
DieDiensteinkommen der Geistlichen betreffend
hat der Kultusminister D r. Bosse in der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses auf die freikonservative Interpellation erklärt, daß der in der Thronrede angekündigte Gesetzentwurf dem Abgeordnetenhause in der nächsten Zeit Vorgeleg e werden würde; die Verhandlungen darüber mit den katholischen Bischöfen seien bereits eingeleitet, aber noch nicht zu Ende geführt worden. Die letztere Bemerkung gibt der Hoffnung Raum, daß der Herr Kultusminister oder die König!. Staatsregierung bei Fortführung dieser Verhandlungen mit den Bischöfen ein größeres Entgegenkommen bethätigen wird, als es bei Einleitung derselben geschehen ist. Die Denkschrift betreffend die Aufbesserung der Gehälter der Geistlichen datirt zwar vom September 1897, wie die ,Köln. Volksztg/ mittheilt, sie ist aber den katholischen Bischöfen erst gegen Ende November zur Aeußerung zugesandt worden. Die Vorschläge sind diese: Die katholischen Pfarrer sollen Bezüge in folgender Progression erhalten:
bis zu 5 Amtsjahren.... 1500 Mk.
„ „ 10 ..... 1900 „
„ „ 15 ... . 2600 „
,, „20 „ ... . 2900 „
„ „ 25 ..... 3200 „
(Die entsprechenden Zahlen für die protestantischen Pfarrer sind 1800—2300—2800 — 3300 — 3800 — 4300 — 4800.) Höheres Einkommen habende Pfründen werden nicht berücksichtigt. Für alle Stellen aber, deren Einkommen 3200 Mk. nicht erreicht, soll eine Alterszulagenkaffe gegründet werden als selbstständige juristische Person, verwaltet von einem Vorstand und einem Vorstand und einem Verwaltungsausschuß. Die für diese Kasse nothwendigen Beiträge sollen an erster Stelle die Gemeinden zahlen. Um diese aber nicht 'zu stark zu belasten, beziehungsweise um ihnen die Steuerpillen zu versüßen, will man ihnen das gesammte Pfarrvermögen und alle Bezüge des Pfarrers in Verwaltung geben, damit sie möglichst viel herausquetschen, um selbst möglichst wenig zahlen zu brauchen. Sogar die Stol- gebühren soll die Gemeinde verwalten. Und zu diesen rechnet man sogar die — Manual- Stipendien. In Zukunft würde nach diesen Vorschlägen also, so bemerkt dazu die ,Köln. Volksztg/, ein Manual-Stipendium dem Kirchen- Rendanten zu übergeben sein und dieser hätte den Pfarrer zur Persolvirung einer hl. Messe zu veranlassen. Soll vielleicht gar der Vollziehungsbeamte aufmarschiren? Um diese Vorschläge zu begründen, leistet man sich (S. 4) die folgende Definition von Manual-Stipendien:
Manual-Stipendien sind freiwillige Opfer der Gemeinde-Mitglieder (! >, welche dem Geistlichen zwar nicht auf Grund gesetzlicher Verpflichtung, aber herkömmlich für besonders erbetene geistliche Handlungen, z. B. (!) das Lesen stiller heiliger Messen, gegeben werden. Auch auf evangelischer Seite kommen ähnliche (!) Opfer vor.
Zwischen den Zeilen ist ferner zu lesen, daß erwartet wird, daß die Bischöfe stets die älteren Herren auf die besseren Stellen senden, um die Gemeinden nicht zu belasten. Die besten Pfarreien, wo wohlgemerkt auch in der Regel die meiste Arbeit ist, würden dann in der Regel alte Pfarrer
* On letzte WMg non Sitaimj.
Eine historische Erzählung
von Philipp Wasserburg (Laicus).
•47 ------- (Nachdruck verboten.)
Lucy verhielt sich immer noch theilnahmslos, sie schien in tiefe Gedanken versunken. Nicht einmal den Bierkrug setzte sie an ihre Lippen. Da räumte die Frau mit einer Geschwindigkeit, welche auf Uebung schließen ließ, alles Verbotene zusammen und verschwand damit. Man hörte sie nach oben steigen, während unten herauf der schwere Tritt mehrerer Männer scholl. Als die Männer eintraten, fanden sie den Kerkermeister gerade beschäftigt, Lucys Handgelenk in einen eisernen Ring zu schließen, der an einer Kette über ihrem Strohlager herabhing. Das Mädchen war darüber viel zu überrascht, als daß es Einsprache erhoben, oder sich nur gewundert hätte.
Es waren zwei Männer in schwarzen Talaren und mächtigen Perrücken, welche damals bereits allgemein zur Erhöhung des würdigen Aussehens in der Magistratur getragen wurden. Der vorderste, ein großer, starkbeleibter Mann mit vollem rothen, Gesicht, trug einen langen Rohrstab, an dessen silbernem Kopf er saugte, wenn er nicht mit ausgespreizten Beinen dastand, wobei er die Hände auf den Stockknopf und das fleischige Kinn auf die Hände stützte. So lange war der Stock, daß er das mit einer kleinen Neigung des Hauptes fertig brachte.
Diese Stellung verlieh dem Manne ein schreckliches Aussehen. Er glich dann einem Tiger, "bnn er den Kopf auf Vorderpfoten niederdrückt und ffch zum Sprunge rüstet; und seine Augen
haben. Kommen da aber nicht etwa auch Interessen des Staates in Frage? Für Gemeinden, die insolvent sind zur Zahlung des Beitrages für die Alterszulagen-Kaffe, soll aus Staatsmitteln eine entsprechende Summe bereit gestellt werden, für die Protestanten 6,208,903, für die Katholiken 3,244,933 Mark. Desgleichen will der Staat, um die Neugründungvon Pfarreien zu erleichtern, „sich der Verpflichtung nicht entziehen, wie er bisher schon für Neugründung von Pfarrstellen Mitte' durch den Staatshaushaltsetat bereit gestellt hat, und da er auch bisher für die Alterszulagen neugegründeter Pfarrstellen eingetreten ist, in Zukunf an der Neugründung von Pfarrstellen finanziel sich betheiligen." Nach den bisherigen Erfahrungen werden die Katholiken so klug sein, auf eine derartige finanzielle Betheiligung bei katholischen Pfarrstellen nicht zu viel Vertrauen zu setzen.
Das sind die wesentlichen Grundzüge der Vorschläge der königlichen Staatsregierung, wie wir sie nach der,Köln. Volksztg/ wiedergeben, nachdem der Inhalt der Denkschrift nun einma l an die Oeffentlichkeit gelangt ist. Es bedarf kaum der Versicherung, daß solche auf eine neue Säkulärisation hinauslaufende und die Parität auf das schwerste verletzende Vorschläge, welche zudem die katholische Kirche bezüglich des Einkommens der Pfarrer ganz und gar vom Staate abhängig ^machen würden, niemals auf eine Zustimmung von katholischer Seite zu rechnen haben. Die,Köln. Volksztg/ kann denn auch mittheilen, daß sämmtliche preußische Bischöfe, denen die Denkschrift zur Aeußerung zugegangen ist, einmüthig dem Ministerium erklärt haben, daß die in der Denkschrift gemachten Vorschläge für die katholische Kirche vollständig unannehmbar sind. Inzwischen aber hat der Herr Kultusminister, wie schon bemerkt, gestern im Abgeordnetenhause erklärt, daß die Verhandlungen mit den katholischen Bischöfen noch nicht beendet seien, also fortgeführt werden, und darum konnte der Abgeordnete Dr. Porsch gestern der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Verhandlungen mit den Bischöfen möglichst bald zu Ende kommen, sodaß auf Grund einer Vereinbarung die Vorlegung des Gesetzentwurfes bald erfolgen werde, wozu unbedingt ein weit größeres Entgegenkommen seitens der Regierung Vorbedingung ist. Sollte die Regierung es an diesem Entgegenkommen fehlen lasten und auf dem Standpunkt, den die Bischöfe abgelehnt haben, verharren, so daß eine Vorlage ohne Vereinbarung mit den Bischöfen und gegen den Willen derselben eingebracht würde, so wird und muß das Centrum der Vorlage den entschiedensten Widerstand entgegensetzen. Einstweilen aber geben wir uns noch der Hoffnung hin, daß der Kultusminister durch die Antwort der Bischöfe von der Unhaltbarkeit der Vorschläge, welche die Regierungsdenkschrift enthält, überzeugt worden ist, und daß er es an einem Entgegenkommen nicht fehlen lassen wird, das zu einer Vereinbarung führt.
Deutsches Deich*
Berlin, 9. Februar.
* Noch einmal: „Daukus Melchers, Stroh- siechler". Gewiß wird noch in jeder katholischen hatten dann auch einen ganz tigermäßigen funkelnden Glanz. Der Andere war ein kleines aalglattes Männchen, desfen Talar sehr abgetragen war, und der nach allen Seiten hin Bücklinge machte; ögar der Kerkermeister bekam solche, nur die Angeklagte nicht. In seinem Gürtel hatte er einen Gänsekiel und ein mit einem zuzuschraubenden Deckel versehenes hörnernes Tintenfaß. In der Hand trug er eine Rolle in Pergament, die er auf dem als Tisch dienenden Stein ausbreitete.
„Lasset die Angeklagte ledig,Meister James," ägte der vorderste in heiserem Tone, damit sie rei ihre Aussage abgebe; dann leuchtet Mr. Brown zu seinem Protokolle."
Nachdem dem Befehle Sr. Ehren, des Stadtrichters von Kilkenny, genügt war, wurde Lucy um ihre Personalien gefragt und sie darauf aufmerksam gemacht, daß ihre Aussagen protokollirt und bei dem gegen sie stattfindenden gerichtlichen Verfahren vom Anwälte des Parlamentes verwendet werden würden. Ebenso wurde sie zum Bekenntniß der Wahrheit aufgefordert, weil sonst die Folgen außer der betreffenden Strafe sehr peinlich sein könnten. Diese nichts Tröstliches enthaltene Vorrede schloß mit der Frage: ob sie von der englischen Staatsreligion abgefallen und katholisch geworden sei?
Lucy antwortete anfangs gar nicht. Sie war immer noch verblüfft, und erst nachdem die Frage ihr wiederholt klar gemacht worden, antwortete te: „Ich weiß das nicht."
Der Richter wechselte einen vielsagenden Blick mit seinem Schreiber.
„Aber Ihr müßt doch wissen, ob Ihr papi- stisch geworden seid oder nicht?'! fragte er endlich.
Brust der Nachhall jenes Schmerzes zittern, welcher sie durchdrang, als die Kunde laut wurde, der verewigte Erzbischof von Köln, Kardinal Melchers sei wegen Verstoßes gegen die Maigesetze in's Gefängniß abgeführt und in demselben mit Strohflechten beschäftigt worden. Mehr als 20 Jahre hat es bedurft, bis in der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses endlich der Herr Justizminister auf eine (wohl bestellte?) Anfrage des Äbg. Dr. Friedberg als amtlich ermittelte Thatsache hinstellte, daß eine Beschäftigung des hochseligen Herrn Erzbischofs mit Strohflechten nicht stattgefunden habe. Zugeben mußte er, daß der hohe Gefangene in der Liste der Sträflinge als „Paulus Melchers, Strohflechter" aufgeführt gewesen. Wir können nur mit dem Abgeordneten Im Walle, welcher nach dem Justizminister das Wort nahm, unserer Freude darüber Ausdruck geben, daß der hohe Gefangene nicht so entwürdigend behandelt worden ist, wie bisher angenommen wurde; und wir wollen auch gegenüber Mißdeutungen, die etwa aus der Jgnorirung der uns gewordenen Eröffnungen hätten entnommen werden können, gern zugestehen, daß also in der Mittheilung der Thatsache, daß der hochselige Erzbischof als Gefangener wirklich mit Strohflechten beschäftigt gewesen ist, ein Jrrthum unterlaufen ist. Andrerseits aber bleibt bestehen, daß der hochselige Erzbischof von dem Gefangenaufseher in der Liste der Sträflinge als „Paulus Melchers, Strohflechter" aufgeführt worden ist. Wir wollen heutzutage, wo genug Zündstoff aufgehäuft ist und genug Unzufriedenheit herrscht, die Schatten jener traurigen Zeit, als unsere Bischöfe wegen Verstoßes gegen Gesetze, denen sich zu unterwerfen ihnen ihr Gewissen verbot, nicht heraufbeschwören; kon- statiren aber wollen wir doch, wie selbst nach dem nunmehr festgestellten Thatbestande die Worte: „Paulus Melchers, Strohflechter", „aera peren« niua", „dauernder als Erz" in die Geschichte jener Zeit eingegraben sind.
X Die erste Lesung der mikitärischen Strafprozeß Hrdn««g ist am letzten Dienstag in der mit der Vorberathung derselben beauftragten Kommission beendet worden. Auch in dieser Schlußsitzung der ersten Berathung sind noch verschiedene Abänderungs-Anträge des Äbg. Gröber angenommen worden. So wurde besonders die Wiederaufnahme des Verfahrens zugelaffen, nicht nur für den Fall, daß die Unschuld des Verurtheilten erwiesen werden kann, sondern auch dann, wenn seine Freisprechung wegen nicht erwiesener Schuld, oder wenn eine geringere Bestrafung als bei der ersten Verurtheilung zu erwarten ist.
h Die polnische Iieichslags - Araktio« hat gestern Abend eingehend die Marine-Vorlage berathen und ist im allgemeinen dahin gelangt, dem Grundgedanken des Entwurfes beizustimmen. So wird berichtet. Man darf daraus schließen, daß auch die Polen im Reichstage nicht die ganze Vorlage mit Stumpf und Stiel annehmen werden. Sie werden zu der Vorlage vermuthlich eine ähnliche Stellung einnehmen wie das Centrum.
* Immer deutlicher tritt die Thatsache hervor, daß der in Dresden abgehaltene konservative Parteitag die mancherlei Zwistigkeitspunkte zwischen
„Ich kann's nicht zugeben," sagte Lucy nach langem Besinnen; „aber ick möchte es auch nicht ableugnen. Ich bin nicht katholisch, aber je mehr ich darüber nachdenke, um so mehr überzeuge ich mich..."
„Nun?"
„Daß die Wahrheit eben bei den Papisten ist."
„Schreibt Mr. Brown; je mehr sie nachdenkt, um so mehr überzeugt sie sich, daß die Wahrheit dei den Papisten ist. . . Habt Ihr das?"
„Ja, Ew. Ehren."
„Gut. Wer hat Euch die Lehren des Papismus mitgetheilt?"
„Robert O'Drentor und ich sprachen häufig darüber."
„Schreibt Robert O'Drentor? Wer ist das?" „Der Sohn des Häuptlings von Killarney." „Ah so; dem sollen wir nachlaufen, schöne Dame!" sagte Se. Ehren sarkastisch. „Morgen werdet Ihr vor Gericht gestellt; besinnt Euch bis dahin auf einen andern Namen, denn die Richter, welche das Parlament hier eingesetzt hat, sind nicht die Leute, sich narren zu lassen."
„Aber es ist so," sprach Lucy entrüstet, daß man ihren Worten keinen Glauben beimaß.
„Morgen, morgen. Miß . . . Mr. Brown, ;abt Ihr ausgenommen, daß die Dame uns nach Killarney gewiesen?"
„Ja, Ew. Ehren."
„Gut; wollt Ihr unterzeichnen?"
„Lucy gab keine Antwort, und der Richter ämmt seinem Sekretär verließ den Kerker.
Nach einer Weile kam die Frau mit dem Brette und der weggeräumten Speise wieder. Aber Lucy wies alles ab. „Führt mich zu jenem ge-
der Leitung der konservative« Partei und dem Bunde der Landwirthe nicht aus der Welt geschafft hat. Namentlich das beiderseitige Verhältniß zu den Antisemiten ist einer dieser Punkte. Dies geht von neuem so recht deutlich hervor aus einer Rede, die dieserTage Dr. Diederich Hahn, der Direktor des Bundes der Landwirthe, in einer Versammlung zu Halle a. d. Saale gehalten hat. Dr. Hahn sprach dort sein Bedauern aus über die schroffe Erklärung, die Herr v. Manteuffel in Dresden gegen die Antisemiten abgab; und hinterher betonte er ausdrücklich, daß „dem Bunde der Landwirthe die deutsch-soziale Reformpartei (Antisemiten) mindestens ebenso lieb sei wie die konservative Partei." Die ,Kreuz- zeitung' verzeichnet diese Aeußerung Dr. Hahn's und bemerkt dazu: „Diese Erklärung läßt keinen Zweifel darüber, daß die Sympathien des Direktors des Bundes der Landwirthe viel mehr auf Seiten der Antisemiten, als auf Seiten der Konservativen sind." Unter solchen Umständen wird man bei den nächsten Wahlen in den bisher von Konservativen vertretenen Wahlkreisen noch manche Ueberraschungen erleben.
* Während des Sommers sollen 64 Gorpebo- ttttb 8 Divistonsöoote zu Uebungszwecken in Dienst gestellt werden, also dreiviertel der ganzen deutschen Torpedoflotte.
* Das,ZSayerifche Daterkand^Sigls schreibt über den jüngsten Unglücksfall im Kieler Hafen:
Im Kieler Hafen ist eine Dampfpinaffe der Marine vom Sturm umgeblasen worden, weil die Preußen wieder einmal bei Sturm nicht zu fahren wußten. Als daS Schiff bereits untergegangen und der Kessel geplatzt war, kamen die Marinepreußen. Es sind 10 (oder 6) Mann ertrunken. — Wenn die Preußen es nicht können aber doch fahren wollen, dann ersaufen ste und sagen: navigare necesse est, vivere non est necesse. zu deutsch: gefahren muß sein, wenn wir's auch nicht können und ersaufen.
„Das Subjekt, welches dergleichen schreibt, schmückt durch seine Mitgliedschaft den deutschen Reichstag" — so bemerkt dazu die ,Nationalzeitung', deren nationalliberale Freunde heimlich und öffentlich dem Herrn Sigl zugejubelt haben, wenn dieses „Subjekt" in gleicher Weise gegen das Centrum und die katholische Geistlichkeit den Kampf führte.
* Für die im Neubau begriffenen protestantischen Kirche« zu Saarburg, Deutsch-Avricourt und Alberschweiler hat der K a i s e r Beträge von 5000, 3000 und 2500 Mk. zur Beschaffung der Glocken gespendet. — Für die evangelische Garnisonkirche in Pillau sind drei vom Kaiser gestiftete Altarfenster dort eingetroffen.
X Man glaubte ehedem, daß die sipprsche Ghronfotgefrage zunächst als erledigt anzusehen sei. Das Schiedsgericht, das bekanntlich unter dem Vorsitze des Königs von Sachsen tagte, hatte, wie man ja weiß, zu Gunsten des Grafen von Lippe- Biesterfeld entschieden; und demgemäß legte nun die lippische Regierung dem Landtage des Fürsten- thums einen Gesetzentwurf vor, der die Erbfolgefähigkeit der Söhne des Grafen-Regenten gesetzlich festlegen soll. Das Ministerium von Schaumburg- Lippe richtete an die lippische Regierung die Aufforderung, diesen Gesetzentwurf zurückzuziehen; und als dies nicht geschah, erfolgte eine Beschwerde an den Bundesrath. Dieser letztere soll nun bereits
marterten Priester, wenn Ihr mir freundlich sein wollt."
Anfangs wollte der Beschließer nichts davon wissen; die Sache schien ihm zu gefährlich. Endlich versprach er es, wenn alles ruhig geworden.
Jetzt erst genoß Lucy einige Speise und wollte sich auch ein wenig zum Schlafen oder mindestens zum Ruhen niederlegen, bis Meister James seinem Versprechen gemäß kommen werde, sie abzuholen.
Von Schlaf war natürlich keine Rede. Die Abspannung schloß ihr auf einige Minuten die Augen und dann war sie wieder hell wach. Drei lange Stunden lag sie auf dem Stroh, bis sie leise Schritte hörte und die Thür sich öffnete. Sie sprang auf und folgte dem Beschließer, der die Laterne emporhaltend voranschritt.
Man stieg abwärts; und das Steigen wollte kein Ende nehmen. Von Stock zu Stock kam man an niedrigen verriegelten Thüren vorüber, welche in die Gänge zu den einzelnen Zellen führten. Bald umfing die nächtlichen Wanderer moderige Kellerluft, und immer weiter ging es hinab. Das Wasser rieselte von den Wänden, eine Ratte richtete sich an einer Treppe auf die Hinterfüße und machte dann einen Satz abwärts in's Dunkle; sie schien in einen Abgrund zu springen.
Und immer noch ging es tiefer.
Endlich kam man an das Ende der Treppe und gleichzeitig an eine so niedrige Thür, daß man nur gebückt eintreten konnte. Die Thür hatte eine kleine Klappe, die von außen zu öffnen war. Durch diese Oeffnung war man im Stande, das ganze Gemach zu übersehen. Nur aus diesem Grunde brannte in der Zelle Tag und Nacht eine Ampel, welche von der Decke herabhing.