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M 27. Jutöa, Freitag, den 4. Februar 1898 25. Jahrgang.
O Aenderung der Lage in Oesterreich
Eine Rede des deutschkatholischen Parteiführers Dr. Eben hoch im oberösterreichischen Landtage kennzeichnet als hervorragender Markstein einen Umschwung in der politischen Lage Oesterreichs. In dieser Rede hat sich Ebenhoch auf die Seite des nationalen Deutschthums im Gegensätze zu dem nationalen Tschechenthum ge- stellt, und dieser Frontwechsel kennzeichnet nichts mehr und nichts weniger, als das Ende der bisherigen parlamentarischen Mehrheit der Rechten im österreichischen Reichsrath.
Natürlich hat sich dieser Wechsel nicht von einem Tage zum andern vollzogen. Ganze Reihen von Uebergängen lassen sich bezeichnen von dem früheren zu dem gegenwärtigen Zustande. Aber im ganzen genommen ist der Wechsel der Sachlage doch ziemlich rasch von statten gegangen. Und vielleicht würde es noch schneller damit gegangen sein, wenn nicht die Deutschnationalen und verwandte Gruppen durch ihr wüstes Auftreten im österreichischen Abgeordnetenhause gegen Ende des letzten Jahres mit Gewalt alle anderen Deutschen von sich abgestoßen hätten. Diese Deutschnationalen und Genossen haben ein sehr schlechtes politisches Gefühl bewiesen, als sie so hervorragende Männer wie Kathrein, Di- pauli und Ebenhoch wieder und immer wieder mit wüsten Schimpfworten bewarfen, Männer, wie sie gleich geistig bedeutend die Deutschnationalen und Deutschliberalen auch nicht in einem einzigen Exemplare auszuweisen haben. Denn die Schwenkung im Sinne deutscher Politik lag gewissermaßen "schon längst in der Luft, und sie würde schon eher offenbar geworden sein, wenn die Herren von der rein deutschnationalen Farbe ihre Offenbarung nicht geradezu mit brutaler Gewalt und Rohheit hintangehalten hätten. Schon das Verhalten des Abgeordneten Dr. Kathrein als Präsident des österreichischen Abgeordnetenhauses war ein unverkennbares Kennzeichen dafür, daß ein Wechsel in der Stellung der deutschkatholischen österreichischen Politiker zu den nationalen Fragen sich vorbereitete.
Ist denn nun der Wechsel in der äußerlichen politischen Stellungnahme die Folge eines Umschwunges in den politischen Grundsätzen bei den Führern der deutschen Katholiken in Oesterreich? Sicherlich nicht. Dieser Wechsel entspricht nur der Aenderung in der ganzen politischen Sachlage. Man kann sagen, die Ebenhoch, Dipauli und Kathreiner sind dieselben geblieben. Aber der politische Hintergrund ist mit der Zeit ein anderer geworden, und nun sehen die Männer nach außen hin anders aus, als vorher. Vor allen Dingen sind die nationalen Tschechen dermaßen anspruchsvoll und üppig in ihren Forderungen und dazu noch ausgesprochen unmoralisch in der Betreibung ihrer nationalen Propaganda geworden, daß jeder gerecht denkende Politiker dabei unmöglich länger ruhig bleiben konnte. Die Tschechen in ihrer maßlosen politischen Beutesucht haben es zuwege gebracht, daß die frühere parlamentarische Mehrheit der Rechten in die Brüche gegangen ist; und die Folgen davon werden ebenfalls sie selbst sich zuzuschreiben haben. Denn sie sind es gewesen, die in der neueren
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Eine historische Erzählung
von Philipp Wasserburg (Laicus).
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„Ich habe mir wohl gedacht," sprach er endlich, „daß Ihr aus lauter Liebe das vergessen habt. Die Familie des Häuptlings ist papistisch, und wenn Ihr Euch darüber hinaussetzet, daß das Parlament Eures protestantischen Landes solche Ehen verbietet, so wird der Häuptling von Killarney sich nicht über die Satzungen seiner Kirche hinaussetzen."
„Wie?" fuhr plötzlich Lucy auf. „Der Papismus verbietet .... nein .... das ist nicht möglich."
„Es ist aber doch so!"
„Sir Edward, ich glaube Euren Worten nicht. Das soll erst die Frau des Häuptlings mir sagen, die mich an ihr Herz ausnahm, wie eine Mutter ihr Kind. Das soll mir Robert sagen .... aber sie werden es nicht, nie und nimmer!"
„Das will ich wohl glauben, sie werden etwas ganz anderes sagen. Sie werden sagen, Ihr sollet Euch zum Papst, zum Antichrist, bekennen; sie werden Euch schmeichelnd lehren, den Fluch über Euer Vaterland und über Eure Eltern auszusprechen."
„Höret mein letztes Wort. Ich war mit Robert O'Drentor monatelang auf Geraldcastle. Wir haben häufig über den Papismus und die neuen Lehren gesprochen. Ich habe ihn nie Andersgläubigen fluchen hören; aber ich muß gestehen, daß er in den Lehren und Beweisen viel besser unterrichtet war, als ich, und daß er mir
Zeit die Grundsätze ausgleichender nationaler Gerechtigkeit aufs schnödeste verletzt haben, und das zwang die Männer von der Anschauungsweise eines Ebenhoch zu dem äußern Frontwechsel. Die Grundlage der politischen Gesinnung und Anschauungsweise aber ist bei ihm genau ebenso wie bei seinen Freunden dieselbe geblieben, und diese Grundlage beruht auf dem Streben, Gegensätze auszugleichen und die Politik der ausgleichenden Gerechtigkeit hochzuhalten.
Heber dem Stande der Verhandlungen zwischen dem Ministerpräsidenten Baron von Gautsch und den politischen Vertretern des national en Deutschthums schwebt noch immer geheimnißvolles Dunkel. Und man darf wohl annehmen, daß die Betheiligten selbst noch zu keinen bestimmten Ergebnissen gelangt sind. Aber wenn die bereits mehrfach in der Presse erwähnte Meldung eines Prager Blattes von der Auftheilung Böhmens in 120 czechische, 79 deutsche und 21 gemischte Sprachen-Bezirke das Richtige getroffen hat, dann kann der neue österreichische Ministerpräsident zu seinen Erfolgen nur beglückwünscht werden, so wenig man auch für's erste abzusehen vermag, wie die Regierung es nun anstellen will, auch die Zustimmung der Czechen zu einem solchen Vorgehen zu erhalten.
Die Lage in dem schönen Lande Oesterreich ist unsagbar traurig, und schon schwirren Gerüchte davon umher, daß Kaiser Franz Joseph abdanken und den Thron einem Andern überlassen will. Die österreichischen Verhältnisse schreien nach Klärung. Soll aber Klärung kommen, so muß eine der beiden streitenden nationalen Parteien nachgeben, entweder die Deutschen oder die Czechen. Und da gegenwärtig die Deutschen mit ihren Forderungen mehr im Rechte sind als die Czechen, erfordert es die Politik ausgleichender Gerechtigkeit, jetzt die Deutschen zu unterstützen. Der äußere Frontwechsel in der politischen Stellung der deutschen Katholiken in den Alpenländern aber ist ein Ereigniß, das man als einen mächtigen Schritt vorwärts auf der Bahn der politi- fchen Klärung begrüßen kann. Und somit ist er auch in diesem Sinne außerordentlich gut begründet. Möchte nur die ersehnte Klärung nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Deutsches Reich.
Berlin, 3. Februar.
* Der Mörder des in Kiaotschau ermordeten Matrosen Schulze ist nach chinesischem Gerichtsspruche enthauptet worden. Als weitere Sühne für den Mord verlangt die deutsche Regierung weitere Konzessionen für Eisenbahnbauten auf chinesischem Gebiete.
X In einigen Regierungsblättern finden sich Auslassungen, die sich mit der Frage der etwa möglichen Auflösung des Reichstages infolge einer Ablehnung der Flottenvorlage beschäftigen. Da wird besonders heroorgehoben, daß „die Regierung in einer so starken Position der Opposition gegenüber sich befindet, daß diese sich hüten wird, es zum Aeußersten zu treiben". Diese Aeußerung überrascht einigermaßen. Denn bisher fühlte sich die Regierung, wie männiglich bekannt, gar nicht in einer so außerordentlich starken
Vieles vorbrachte, was ich nicht bestreiten und nicht widerlegen konnte. So hab' ich, offen gestanden, jene Scheu vor dem Papismus verloren, welche viele sonst recht wohlmeinende Leute vielleicht blendet. Seitdem ich aber hier in Irland bin, sehe ich merkwürdige Dinge. Ich seh« dieses Parlamentsheer bis an die Knöchel im Blute baden, und bin Zeuge, wie es nicht blos den Namen eines Engländers, sondern den Namen eines Menschen nach jeder Richtung hin schändet . . ."
„Miß Lucy!" fuhr der Offizier auf. „Ich gebiete Euch Schweigen."
„Ich sehe anderseits . . ."
„Die Folgen auf Euer Haupt!"
„Daß die Leute, welche Ihr schmäht und mißhandelt, in ehrlicher Gegenwehr begriffen sind; und wahrhaftig, das kann ich ihnen nicht verdenken."
„Ihr seid eine heimliche Papistin!"
„Eure Gesetze und Euer Verhalten bieten wenigstens alles auf, mich zu einer Papistin zu machen. Aber seid versichert, wenn mein Gewissen mir gebietet, es zu sein, dann verbietet mir mein Charakter, es zu leugnen."
„Wer hat Euch in die Gemeinschaft der Papisten aufgenommen?"
„Ich sage Euch ja, das ist nicht geschehen."
„Und ich sage Euch, daß Ihr lügt."
„Sir Edward!"
„Ihr habt's gewollt! Ich verhafte Euch! Ihr steht unter der Anklage der Felonie! Eine Parlamentsakte besagt, daß derjenige auf Leib und Leben angeklagt werden solle, der seinen Glauben verläßt und heimlich zum Papismus übertritt.
Position, und man weiß ja, daß auch der Kaiser beim Empfang des Reichstags-Präsidiums seiner Ansicht dahin Ausdruck gab, daß die Neuwahlen vermuthlich die Opposition noch verstärken würden. Daher könnte man auf den Gedanken kommen, daß hinter den Koulisfen sich einiges ereignet, das der Regierung in Sachen der Flottenvorlage neuen Muth gemacht hat. Denn jetzt scheint man in Regierungskreisen sogar auf die schließliche Bewilligung des Marine-Septennats zu hoffen. In diesem Sinne wird in einer Berliner Korrespondenz, die ohne Zweifel aus Regierungskreisen beeinflußt ist, folgender geharnischte Satz geschrieben: „Fest muß die Regierung dabei bleiben, daß sie eine gesetzliche Gewähr dafür erhält, in der angegebenen Frist den Flottenmindestbestand zu schaffen, den sie haben muß; fest und sachlich, — und sie wird das Gesetz erhalten ohne Auflösung. ..." Sollte diese Rechnung wirklich stimmen? Wir bezweifeln es. Indessen ist es Sache der Regierung selbst, sich ein Bild von der Lage zu machen, wie sie meint, daß es richtig sei. Und wir brauchen uns den Kopf nicht zu zerbrechen über das, was die Regierung zu thun hat. Also warten wir ruhig ab, was für ein Flottengesetz die nächsten Monate uns bringen werden. Das Reich wird jedenfalls das erhalten, was es für die Flotte nothwendig braucht. Und sollte die Regierung eigensinnig bestehen sollen auf einzelnen Nebensachen, auf die es für die Hauptsache gar nicht ankommt, so wird sie die unangenehmen Folgen und Verzögerungen ganz allein sich selbst zuzuschreiben haben.
X Die Gerüchte von einem bevorstehenden Rücktritts des preußischen Kiseuvahu- miuisters Wieke« wollen nicht zur Ruhe kommen. Vor einigen Wochen wurde der Präsident der Danziger Eisenbahndirektion als sein muthmaßlicher Nachfolger bezeichnet, aber bald danach wurde die Nachricht als falsch bezeichnet. Jetzt meldet das .Hamburger Fremdenblattt aus angeblich sicherer Quelle, der Rücktritt des Herrn Thielen sei beschlossene Sache; sein Nachfolger werde General von der Goltz fein. Die Nachricht läßt sich gegenwärtig nicht auf ihre Richtigkeit oder auch nur Wahrscheinlichkeit prüfen. Aber schließlich, wenn ein Kavallerie-General ohne Weiteres Staatssekretär der Reichspost wird, dann erscheint es an sich nicht mehr als Unmöglichkeit, wenn gemeldet wird, daß ein geistig viel höher stehender General Eisenbahnminister werden solle. General von der Goltz ist allgemein bekannt durch seine Schriften und durch feine langjährige Thätigkeit in türkischen Diensten. Gegenwärtig ist er Kommandeur der fünften Division in Frankfurt a. d. O. Herr v. Miquel würde in dem General von der Goltz schwerlich denselben gefügigen Ministerkollegen finden, wie jetzt in Herrn Thielen. Aber recht sonderbar wäre es doch, wenn so nach und nach alle hohen Regierungsposten durch Militärs besetzt würden und „das Cioil" nur die untergeordneten Räthe zu stellen hätte. — Uebrigens schreibt die freikonservative ,Postt in ihrer heutigen Abendnummer, die Meldung von dem Rücktritte des Ministers Thielen und von seiner Ersetzung durch General von der Goltz sei „ebenso unbegründet wie die frühere".
Ihr leugnet! Das thun alle! Aber Ihr werdet vor den Richtern wiederholen, was Ihr mir gesagt. Und wenn Ihr es nicht thut, so thue ich es!"
„Hab' keine Sorge; was ich Dir gesagt, werd' ich vor aller Welt bekennen! Elender!"
Im letzteren Wort lag eine Fülle von Ekel und Verachtung, die sich nicht wiedergeben läßt.
Sir Edward schien sich jedoch darum wenig zu bekümmern. Sein Gesicht strahlte im Triumphe, als er die Stiege herabkletterte und einen Posten aufführen ließ zur Bewachung der Gefangenen. Denn wenn auch Miß Lucy thatsächlich seither nicht als frei betrachtet werden konnte, so war doch jetzt erst ihre förmliche Verhaftung verfügt worden, und Sir Edward erzählte laut den Grund dieser Verhaftung: sie sei eine heimliche Papistin und stehe in hochverrätherischem Verkehr mit dem Stamme von Killarney. Ebenso mittheilsam war er in Betreff seiner Absicht: er wollte Lucy nach Kilkenny bringen und dort de n Gerichte übergeben.
Da dis Sonne bereits dem Untergange zuneigte, so war es heute mit dem Aufbruche zu spät. Die Verhältnisse hatten sich inzwischen wesentlich geändert. Bisher lag ihm daran. Miß Lucy in den Besitz zu setzen, weil er glaubte, daß sie feine Hand annehme. Jetzt gebot ihm fein Interesse, sie so schleunig als möglich prozessiren zu lassen. Denn dasselbe Gesetz, welches den Itebertritt zum Katholizismus, oder wie es damals hieß zur papistischen Götzendienerei als Felonie behandelte und mit Güterkonfiskation bestraft sehen wollte, sicherte dem Angeber den dritten Theil der konfiszirten Güter zu. Dem ganzen
x Die Kommission des Reichstages für den mikitärischcn Strafprozeß hat auch heute die Beralhung über die beiden Paragraphen 269 und 270 des Gesetzentwurfes zurückgestellt. Diese beiden Paragraphen handeln von der Oeffentlich- keit des Verfahrens. Im übrigen wurden von neuem trotz entschiedenen Widerspruches der Regierungsvertreter Abänderungsanträge des Abg. Gröber angenommen.
h. Während der letzten Tage hat in Berlin die mehrfach angekündigte Berathung über das Kandeksschukwefeu stattgefunden. Die Sitzungen fanden meist unter der Leitung des preußischen Handelsministers statt. Bestimmte Beschlüsse sind nicht gefaßt worden. Besonders wichtig ist die Frage der Errichtung von Handelshochschulen. Indessen scheinen die Meinungen nicht für die Einrichtung besonderer Hochschulen abgegeben worden zu sein. Vielmehr scheint die ganze Ansicht vorgeherrscht zu haben, daß es besser sei, in Verbindung mit den bereits bestehenden Hochschulen die entsprechenden Einrichtungen und Lehrstühle ins Leben zu rufen.
O Mehrere von der Ueöerschwemmung h'eimgesuchten Gemeinden am schlesischen Riesengebirge waren für die Hilfe, die Truppen geleistet hatten,Liquidationen des Generalkommandos zur Bezahlung übersandt worden, so allein der kleinen Stadt Schmiedeberg eine Rechnung im Betrage von 8000 Mark. Im preußischen Abgeordnetenhause ist darauf beantragt worden, daß diese Liquidationen sofort zurückgezogen werden möchten, und es wird jetzt halbamtlich darauf hingewiesen, daß die Aufstellung der Liquidationen „zunächst als rein formeller Akt" anzusehen ist, der den Grundsätzen entspreche, die feit einer Reihe von Jahren für die Gestellung militärischer Kommandos zur Hilfeleistung bei Wassernoth in Anwendung kommen. Es dürfe indessen als sicher angesehen werden, daß „in den Fällen, wo die Leistungsfähigkeiten der Gemeinden zur Uebernahme der verursachten Kosten nicht ausreicht, die zur Beseitigung der Hochwasserschäden zu bewilligenden Mitteln auch zur Deckung dieser Kosten werden herangezogen werden". Es wird in der Finanzaera Miquel also schon als Gnade angesehen, daß den bedrängten Gemeinden nicht sofort der vollstreckende Gerichtsvollzieher auf den Hals gesandt wird. Aber bezahlt muß werden, denn im modernen Staatsgefüge, wo auch das Sterben Geld kostet, ist nichts umsonst zu haben, am wenigsten vom preußischen Fiskus unter dem Regiment des Herrn Johannes von Miquel. Und so will denn der Staat von den Hilfsgeldern, die den bedrängten Gegenden bewilligt werden fallen, die Rechnung für seine Hilfeleistung gleich von vornherein sich abziehen. Wenn diese Hilfsgelder nur erst bewilligt wären! Bis jetzt ist noch nichts weiter da, als die erneute Versicherung eines Ministers, diesmal des preußischen Landwirthschastsrninisters, daß bald etwas kommen werde. Inzwischen sind neue Überschwemmungen über das Hirschberger Thal am Riesengebirge hereingebrochen, und wer weiß, wie oft das noch geschehen mag, bis die bureaukratische Schnecke ihren Umgang beendet, und wirklich beim preußischen Landtage mit ihren Nothstands- vorlagen ankommen wird. Auf diese Art erwirbt Auftreten Sir Edwards lag ein einfaches Rechen- exernpel zu Grunde, zu welchem der Anblick der reichen Ländereien ihn getrieben. Wenn er nicht auf dem Wege einer Heirath das Ganze erlangen konnte, so wollte er auf dem Wege der Angeberei wenigstens ein Drittel sich sichern. In dieser Absicht hatte er Lucy aufgesucht, um dem harmlosen Mädchen Fallen zu legen, in welche es denn auch bei ihrer nach Sage der Sache so natürlichen Aufregung stürzte.
An demselben Nachmittage, wo sich ein so unheildrohendes Gewitter über dem Haupte Lucys zusammenzog, war der Stamm von Killarney zur Uebung eines von den keltischen Zeiten her überlieferten ehrwürdigen Brauches versammelt. Der Häuptling hatte alle waffenfähigen Männer auf den Ligbye-Kegel geladen, wo seit alten Zeiten das stärkste Dun des Stammes gelegen.
Von dem frühesten Morgen an herrschte ein reges Leben auf dem Platze, auf welchem der alte Niall anordnend waltete. Wagen um Wagen rückte an, mit Hausrath und Vorräthen beladen, Kinder, Frauen und alte Leute saßen theils auf demselben, theils gingen sie neben her; andere trieben Vieh ein, kurz es war eine wahre Völkerwanderung, und wenn dem Sir Edward dieser allseitige Zuzug nach einem Punkte aufgefallen war, so brauchte man sich keineswegs darüber zu wundern.
Niall hatte sich zu feinen zwanzig Männern noch diejenigen Alten herausgesucht, welche wenigstens die Arbeit beaufsichtigen konnten. Er hatte ihnen die Anordnungen des Häuptlings mitgetheilt, und darnach richtete sich zunächst die Thätigkeit des Stammes. Ein Theil zog mit den Heerden