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25. Jahrgang

IrrLöa, Samstag, den 29. Januar 1898

M 23.

Druck und verlaz der Fuldaer Actiendruckerei petersgaffe Nr. 2 (Harmonie).

mit Anterhaktungs-Meitage „Muflrirte Sonntags-Zeitung!'

öl' M-Oi. Li

A Eine neue Bestätigung des „Wohlwollens"

haben wir in der schon mitgetheilten Verwei­gerung einer Niederlassung der Steyler Missionsgesellschaft bei Letmathe zu verzeichnen. Anderthalb Jahre hat man in Steyl auf den Bescheid gewartet, und da man endlich vom Ober­präsidenten von Westfalen eine Antwort erhält, lautet sie ablehnend. Und das in einem Augenblicke, wo die Missionare des Steyler Hauses in China sich des besonderen Schutzes des deutschen Reiches zu erfreuen haben und Bischof Anzer vom Kaiser in jeder Weise aus­gezeichnet wird! Das Schreiben des Oberpräsi­denten ist in wohlwollender Form gehalten. Wir sind auch gern bereit zu der Annahme, daß die Ablehnung ihm selbst peinlich war und er lieber die Niederlassung bewilligt hätte. Er hat nur auf Anweisung von oben gehandelt, und selbst dort hat man vielleicht nur ungern Nein gesagt.

Schon die Begründung der Ablehnung be­kundet die Verlegenheit. Der für die Nieder­lassung gewählte Ort soll der Gesundheit nicht zuträglich sein, weil etwa 1k Stunde davon entfernt eine Zinkhütte liegt. O, diese Besorgniß für die Gesundheit der Missionare! Hat man je davon gehört, daß Diakonissen eine Niederlaffung versagt worden wäre aus Ge­sundheitsrücksichten? In Letmathe selbst, das doch der Zinkhütte noch näher liegt, hat man bisher von ihrer großen Gesundheitsgefährlichkeit offenbar keine Ahnung gehabt. Es soll auch recht alte Leute dort geben. Der Missionsgesell­schaft wird der Rath ertheilt, sich eine Gegend mit vorherrschend kathol. Bevölkerung auszuwählen. Ob es dort gesunder sein mag! Wir glauben, dort könnte sich die Gesellschaft inmitten von lauter giftspeienden Zinkhütten an­siedeln, die Regierung würde sich um ihre Ge­sundheit keine Skrupeln machen. Der gute Rath läßt deutlich genug erkennen, wie der Hase läuft: protestantische Wühler und Schreier haben die Genehmigung verhindert. Letmathe selbst hat schon eine vorherrsch end katholische Bevöl­kerung, die Protestanten vom Schlage der evang. Bündler wollten aber die Missionsanstalt nicht und agitirten und lärmten dagegen unter dem Vorwande, der Protestantismus sei in Gefahr. Die Insassen der Anstalt würden keinem Pro­testanten etwas zu Leide gethan und nicht die mindeste Propaganda getrieben haben, da dort ja nur Missionare für unsere Kolonien ausgebildet würden. Die Bündler können nun einmal nichts Katholisches ausstehen, wenn es sie auch absolut nichts angeht, und Hetzen grundsätzlich gegen alles, was katholisch ist.

Dieser Bündler-Toleranz haben die Rechte der Katholiken schon oft weichen müssen, ihr muß auch die Steyler Missionsgeseüschaft weichen. Wir wollen nicht annehmm, daß in Berlin die Hetzarbeit willkommen gewesen ist man hat sie

* 9« letzte Häuptling m KIlamey.

Eine historische Erzählung'

von Philipp Wasserburg (Laicus).

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„Ich bin vollständig frei," erklärte Miß Lucy, „und werde Euch allein nichts Anderes sagen, als was ich Euch in Gegenwart Aller gesagt habe."

„Aber nichts desto weniger," meinte Egbert, „sprecht mit ihm allein. Ihr steht in unserem Schutze. Er soll auch nicht meinen dürfen, daß Ihr gezwungen bei uns bleibt."

„Ich fürchte nicht, daß ich Eures Schutzes bedarf," erwiderte Lucy. „Was sollte Sir Edward Durham mir zu Leide thun? Ich war ja so lange in seiner Gewalt, ohne daß er mir auch nur mit einem Worte zu nahe trat; aber ich habe ihm nichts mehr zu sagen."

„Aber ich vielleicht Euch!"

„Jetzt mußt Du ihn hören, Lucy!"

„Wohlan, ich gehorche Euch!"

, Der Kreis öffnete sich und der Dragoner-Offi- 8tet trat mit dem Mädchen bei Seite.

Sie wandelten beide auf und nieder und sprachen ziemlich lebhaft mit einander; doch waren sie von den Uebrigcn so weit entfernt, daß man siur einzelne Worte deutlich hören konnte. Der Unterredung folgen konnte man nicht, zumal die- ' ,ro” englischer Sprache geführt wurde.

Wenn man aber auch nicht verstand, was c ei$e Ödeten, so fehlte es im Kreise der Irländer >> t. ^"neswegs an aufmerksamen Beobachtern b^wen. Ansangs wandelten sie ungefähr den- ! , n Weg auf und nieder. Nach einer Weile regle Robert die Hand auf die Schulter seines

aber gefürchtet u. um jede Aufregung der Prote­tanten zu vermeiden, sich vor den Lärmmachern ;ebeugt. So müffen die Katholiken sich wieder und wieder das „Wohlwollen" der Regierung nach dem Maße abmesfen lasten, das prote­stantischer Fanatismus für gut findet. Sieht man denn nicht ein, wie so etwas auf die katholische Bevölkerung wirken muß? Das An­sehen der Regierung wird doch schwerer ge­schädigt, wenn einem Volkstheile unrecht gesch'eht, als wenn es ein paar Hetzern auf protestantischer Seite mißlingt, die unbillige Maßregel durchzu­setzen.

Die Bündler in und um Letmathe können jetzt jubeln; die durch die Zinkhütte schon reichlich ver­dorbene Letmather Luft wird durch die Missio­näre nicht noch mehr „verpestet" werden. Ob aber gerade die Gemeinde Letmathe über den ab­lehnenden Bescheid sehr erfreut sein wird, möch­ten wir bezweifeln. Es wäre für sie am Ende doch wohl wirthschaftlich nicht ohne Bedeutung gewesen, wenn die große Anstalt in ihrer Nähe errichtet worden wäre. Ob die „um die deut­schen Kolonien hochverdiente Steyler Korporation" — wie sie der Oberpräsident bezeichnet — so leicht in der Lage sein wird, sich in Befolgung des ihr ertheilten Rathes ein Plätzchen in rein katholisch er Umgebung zu sichern, steht auch dahin. Jedenfalls hat ihr Plan nun eine starke Verzö­gerung erlitten. Erst läßt man sie l'/a Jahre auf Antworten warten und nun kann sie sich auch noch nach einer andern Stelle umsehen. Die Re­gierung hätte jedenfalls bester gethan, ihr Ant­wort bald zu ertheilen; sie hätte dann auch zu­sagend lauten können, denn nur die Verzögerung hat den Gegnern die Wühlarbeit ermöglicht.

Selbst wenn nun ein neues Gesuch um eine Niederlassung an einem andern Orte ohne An­stand genehmigt werden sollte, so ist doch der üble Eindruck nicht zu verwischen, daß die Regierung sich durch intolerante Schreier hat einschüchtern lassen und in ihrer Verlegenheit die Ablehnung höchst unglücklich hat „begründen" müssen.

Deutsches Deich.

Berlin, 28. Januar.

x ,,Zum Kampf gegen Ilom" ertheilt ein langjähriger Leser des ,Reichsl>oten' den Rath, das allerwirksamste, aber bisher zu wenig an­gewandte Vertheidigungsmittel zu ergreifen: sich mit voller Kraft wieder auf die von Luther hec- vorgeholte Glaubenswahrheit von der Gerechtig­keit aus dem Glauben zu stellen. Der „Vorstoß des Papstes" wäre wohl nicht für opportun er­achtet worden, „wäre nicht die Zerrissenheit in unseren evangelischen Kirchen infolge des Hrrein- bringens und der Ausbreitung des Unglaubens so groß und offensichtlich." Die Thatsache, daß Katholiken vielen evangelischen Predigern und Laien entgegenhalten könnten: „Ihr glaubt ja selbst nicht mehr an das, was Luther lehrte, an die Sicherheit der Bibel, an die Gottheit Jesu, an seine Auferstehung, an die Wunder, an seine Wiederkunft usw.", stärke einerseits das Bewußt­sein der Katholiken in ihrem Glauben an die allein seligmachende Kraft ihrer Kirche und schwäche

Vaters und flüsterte ihm zu: „Aber sieh', Vater, er drängt sie immer etwas näher zu den Pferden."

In der That war Sir Edward auf die Seite der Dame getreten, welche den Irländern zuge­kehrt war, und wie sie so auf und ab wandelten, kamen sie in schiefem Zickzack dem Träger der Parlamentär-Flagge und dem Trompeter, welche das Pferd des Hauptmanns am Zügel hatten, immer näher.

Egbert beobachtete die beiden und nickte dann leise. Er blickte sich um und winkle einem der hinter ihm Stehenden zu:

„Du,. Brian," sprach er flüsternd, „sage ein paar guten Schützen hinter der Mauer, sie soll­ten die drei Pferde aufs Korn nehmen, und wenn ich in's Horn stoße, nur auf die Pferde schießen. Aber jetzt schon die Arquebuse auflegen; sonst könnten sie vielleicht keine Zeit mehr dazu haben."

Der Ire verschwand. Mittlerweile waren die beiden den Pferden um ein beträchtliches Stück wieder näher gekommen.

„Robert! Gehe einmal zu den beiden, sie sollten sich nicht so weit von uns entfernen."

Robert war gerade im Begriffe, diesen Auf­trag zu erfüllen, als ein plötzliches Ereigniß den ganzen Charakter der Scene vollständig veränderte.

Im Anfänge hatte Sir Edward Durham seine ganze Beredtsamkeit aufgeboten, um Miß Lucy zur Rückkehr zu bewegen. Er wußte nichts von der tiefen Neigung, welche das Mädchen längst zu dem Sohne des Häuptlings gefaßt hatte. Wohl aber wußte er, daß ihr sowohl wie ihrer Mutter die Uebertragung des Gebietes von Killarney durchaus nicht gefiel. Mutter und Tochter mach­ten sich darüber Skrupel, ob sie etwas vom Par-

zugleich das Bewußtsein der Evangelischen. Das Predigen und Ankünden der Lehre von der Ge­rechtigkeit durch den Glauben würde gegen Rom besser helfen als alle anderen Kampfesmittel. — Ach, langjähriger Leser, Du redest umsonst. Gegen den Unglauben im Protestantismus wird niemand ernstlich den Finger regen. Ja, wenn es sich um die Gehaltsfrage der Prediger handelte! Dann erhält der ,Reichsbote' von ihnen Zuschriften Über Zuschriften, so daß er wochenlang daran zu drucken hat und schließlich erklären muß, er könne gegen die Menge nicht mehr ankommen. Aber die Frage des Kampfes gegen den Unglauben regt sie nicht so auf, daß sie ihn darum mit Zuschriften überschwemmen.

* Das neu erworbene Kiaotschangeviet soll der ,Berl. N. N/ zufolge durch kaiserliche Bestimmung der Marineverwaltung unter­stellt worden sein.

* „Kine erhebende Arende" ist der ,Deutsch. Tagesztg." widerfahren. Fürst Bismarck hat nämlich in einer Antwort auf ein Telegramm von Bündlern ans Naugard die Bündler seine „Ge­sinnungsgenossen" genannt. Darüber ist das Brntt ganz entzückt, wiewohl er ein Gleiches schon früher gethan hat.

X Die Begründung der demReichs- tag zugegangenen neuen Konknrsord- ttttttg besagt, daß während der letzten Jahre das Bedürfniß einer umfassenderen Revision der Konkursordnung vielfach geltend gemacht worden sei. In dieser Richtung hätten sich theilweise auch die Anträge der Abgg. Dr. Rintelen und Genossen und die Vorschläge der Reichstagskom­mission bewegt, welcher diese Anträge überwiesen waren. Die auf Anregung des Reichskanzlers aus diesem Anlaß in den einzelnen Bundesstaaten vorgenommenen Erhebungen hätten indessen er­geben, daß sich die Konkursordnung in ihren Grundlagen bewährt habe; sie hätten nicht er­kennen lassen, daß das geltende Konkursrecht so schwerwiegende Mißstände nach sich gezogen hätte, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen, welche auf einen raschen Abschluß der Gesetzesrevision hindrängten und eine erschöpfende Würdigung tiefgreifender Abänderungsvorschläge kaum gestat­teten, an eine erhebliche Umgestaltung des Gesetzes herangetreten werden müsse. Auch die wirthschaft- lichen Zustände, durch welche jene weitgehenden Abänderungsvorschläge hervorgerufen seien, hätten sich neuerdings wesentlich günstiger gestaltet. Die Zahl der eröffneten Konkurse ist seit 1892 nicht unerheblich zurückgegangen. Daher beschränkt sich der Entwurf darauf, neben den durch das bürger­liche Gesetzbuch gebotenen Aenderungen eine ver- hältnißmäßig nicht erhebliche Zahl von Aende­rungen Voranschlägen, welche im Hinblick auf die bisherigen Erfahrungen und unter Berücksichtigung der von der Reichstagskommission gegebenen An­regungen dringlich erscheinen. Ablehnend verhält sich der Entwurf zu dem Vorschlag, welcher für Kaufleute ein gerichtliches Vergleichsverfahren außerhalb und zur Abwendung des Konkurses mit Zwangswirkung gegen die Minderheit in der Weise einführen will, daß während der Dauer des Verfahrens einerseits alle Zwangsvollstrek­kungen gegen den Schuldner gehemmt werden, andrerseits aber diesem das Verfügungsrecht ver- lamente annehmen durften, worüber das Parla­ment kein Verfügungsrecht hatte. Die Tochter wollte Alles opfern, und das härteste Leben dünkte ihr eine minder schwere Bürde, als der Besitz ungerechten Gutes; und dazu kam denn noch ihr persönliches Verhältniß zu Robert.

Der Hauptmann aber glaubte, daß ihre Ver­lobung mit Robert nur ein Ausweg fei, das Gebiet zu behalten. Vielleicht war auch von Seiten der Familie des Häuptlings in der näm­lichen Absicht ein gewisser Zwang angewendet worden, und Lucy fürchtete sich, das in Gegen­wart der Iren zu gestehen. In keinem Fall aber nahm er die Verlobung ernst. Denn er glaubte, während des Zuges nach Klllarney, bei verschiedenen Gelegenheiten bemerkt zu haben, daß er selbst einen lebhaften Eindruck auf das Mäd­chen gemacht, und er überlegte manchmal im Stillen, ob ihre Hand, an welcher die Herrschaft Klllarney hing, nicht ein ganz erstreben-werthes Gut für einen Menschen sei, der außer einem männlichen Gesichte und seinem Hauptmanns­patent nichts besaß, als einen alten Thurm bei Denbigh in der Grafschaft Wales. In diesen Gedanken hatte er sich langsam hineingelebt, und als er die Fluren von Killarney mit ihren zahl­reichen Gehöften, ihren reichen Wiesen, ihren wohlbestellten Aeckern und fernen dunkeln Wäldern vor sich sah, da dünkte es ihm, als ob er im Begriffe sei, in das gelobte Land einzuziehen. Dieser Gedanke trug vielleicht Einiges zur milden Stimmung des Hauptmanns bei, der nicht gerade die Gemüther gegen sich erbittern mochte, aber auch von den ihm erteilten Befehlen nicht ab« weichen durfte. Unter allen Umständen aber lag

bleibt und nur der Betrieb des Geschäftes unter die Leitung eines Verwalters gestellt wird. Die Gründe, welche bei der Vorbereitung der gelten­den Konkursordnung geltend gemacht seien, be« tauben heute noch; durch jenen Vorschlag würden >ie Gläubiger in hohem Maße gefährdet werden. Wenn auf England verwiesen werde, so werde Übersehen, daß dort das Vergleichsverfahren be­hufs Abwendung des Konkurfes sich dem Wesen nach von dem Vergleichsverfahren beim Konkurse, wie es durch die deutsche Konkursordnung geregelt ei, nicht unterscheide, sofern insbesondere eine öffentliche Bekanntmachung der Einleitung des Verfahrens stattfinde und der Schuldner kraft Gesetzes in seiner Verfügungsbefugniß beschränkt werde. Wenn gleichwohl das französische Recht und die ihm sich anschließenden Gesetzgebungen neben dem Zwangsvergleich im Konkurse ein gerichtliches Vergleichsverfahren behufs Abwen- rnng des Konkurses eingeführt hätten, so finde dies seine Erklärung darin, daß dort abweichend vom Standpunkt des deutschen Rechtes, die Kon­kurseröffnung als solche für den Schuldner mit chweren, den Konkurs überdauernden Nachtheilen in Bezug auf seine persönliche Rechtsstellung verbunden sei.

* Zu den Menvahu-Ilnfäkren erhält die Berliner ,National-Zeitung' von sachkundiger Seite eine Zuschrift, die sich in der Beurtheilung der muthmaßlichen Ursachen dieser unaufhörlichen Unfälle auf denselben Standpunkt stellt, wie die Ausführungen darüber vor einigen Tagen hier an diefer Stelle. „Es ist — so heißt es in der Zuschrift — zu verwundern, daß bei Besprechung )er vielen Eisenbahnunfälle der letzten Monate so wenig die Frage erörtert worden ist, ob nicht auch die jetzige Organisation einen Theil der Schuld trage. Erwäge man aber die Um­stände, unter denen die neue Organisation am 1. April 1895 ins Werk gesetzt wurde, so drängt sich der Gedanke von selbst auf, daß damals ein Fehler gemacht wurde, der sich im Laufe der folgenden Jahre rächen mußte, und dessen Folgen zunächst auch noch weiterhin sich fühlbar machen werden . . ." Der Verfasfer der Zu­schrift erblickt die hauptsächlichen Fehler in der Anstellung von ungeeigneten Betriebs-Inspektoren, und in dem Mangel an einheitlicher Äeamten- Organifation. Auch der von dem preußischen Eisenbahnminister ausgesandte Ausschuß zur Unter­suchung der Ursachen der Unfälle foll festgestellt haben, daß es bei den Betriebsinspektionen viel­fach mangelhaft bestellt war. Aber von allen diefen Dingen findet man kein Sterbenswort in der Denkschrift, die die Staatsbahnverwaltung dem preußischen Landtage vorgelegt hat. Dort vielmehr werden der „Unkenntniß" und des „Vor- urtheils" diejenigen bezichtet, die Fehler sehen in dem ganzen System der preußischen Staats­bahnen !

ft Seine besonderen Ansichten über das ItuHe- öedürfmß derLandSriefträger scheint General- Postmeister v. Podbielski zu haben. Bei den Verhandlungen über den Postetat in der Budget- Kommission sagte Herr v. Podbielski nach dem amtlichen Protokoll: „Bezüglich des Urlaubs haben die Beamten, welche in freier Luft arbeiten, nicht das Bedürfniß, wie die Bureau-Beamten. Für ihm nichts ferner, als der Gedanke, das Land denen zu belassen, denen es gehörte.

Vor Allem fuchte er Miß Lucy zuzureden, daß sie von den Irländern durchaus keine Furcht zu hegen brauche. Sie könnte auf der Stelle mit ihm gehen. Seine hundert Mann seien voll­ständig hinreichend, sie zu schützen. Auch sei nach der Zusage des Häuptlings in den nächsten drei Tagen keine Gewalt zu befürchten. Bis dahin aber würde hi,weichende Verstärkung zur Stelle sein, um die er schon gestern Abend gesandt.

„Wie?" unterbrach ihn hier Lucy, „Ihr ver­handelt mit den Leuten, Ihr macht ihnen fried­liche Zusagen und in der Zwischenzeit fliegen Eure Ordonnanzen, um Euch in den Stand zu setzen, den Krieg zu beginnen?"

„Das ist so im Kriege," bemerkte S,r Edward lachend. „Was ich versprach, das werde ich seinem Wortlaute nach halten, wenn die Sache zum Ab­schluß kommt. Wenn jene aus meinen Worten auf Absichten schließen, die darüber hinausgehen, so ist das thöricht." . , ,

Lucy zuckte die Achseln. „Das ift eine Moral, die ich nicht verstehe; ich halte es, im Kriege wie im Frieden eines geraden Mannes unwürdig, sich anders zu geben, als man ist."

Der Offizier verfärbte sich ein wenig, und erwiderte dann etwas gezwungener: „Ihr kennt den Krieg auch nur aus der Zeitung. Hättet Ihr die Verantwortlichkeit für das Leben von tausend kräftigen Männern, die Euch vertrauen, Ihr würd^anders reden.....Doch lassen wir

das auf sich beruhen," fuhr er fort. „Auf keinen Fall werde ich dulden, daß man Euch zu einem verhaßten Ehebunde mit jenem halbwilden Götzen-