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Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn-- und Feier­tage. Viertcljährl.

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Inserate: Die ein- spalt. Garmond­zeile oder deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

mit Zlnterhattungs-Aeitage „Muflrirte Sonntags-Zeitung" Petersgage Nr. 2 (Darmouie).

M 21.

Jutöcl, Donnerstag, den 27. Januar 1898

25. Jahrgang.

Mr dir Msmte Mm und Wy werden Abonnements auf die = Fuldaer Zeitung = nebst der Wochenbeilage ,Jllnstrirte Sonntags- Zeitungs von allen Postanstalten, sowie Land­briesträgern, Zeitungsträgern und von unserer Expedition (Harmonie) zum Preise von 1.00 Mk. (ohne Bestellgeld und Bringerlohn) jederzeit ent­gegengenommen.

Neu hinzutretende Abonnenten erhalten die Zeitung bis 1. Februar gratis.

Probenummern werden auf Wunsch in be­liebiger Anzahl frei versendet.

<Q) „Unkenntniß und Vorurtheil" versucht bekanntlich die Denkschrift der preußischen Staatsbahnverwaltung denjenigen zum Vorwurs zu machen, die die Meinung vertreten, daß in dem ganzen System der preußischen Staats- Lahn irgend etwas nicht in Ordnung sein müsse. Es ist schwer zu begreifen, wie die Verfasser der Denkschrift auf den Standpunkt dieses bureau- kratischen Hochmuthes sich stellen konnten ange­sichts der endlosen Kette erschütternder Unglücks- jatastrophen, die auf den Strecken der preußischen Bahnen Menschenopfer über Menschenopfer fordern und der Bahnverwaltung Materialschaden in ungeheuerem Umfange zufügen. Allein die letzten vier Tage haben wieder die Meldungen von aier Unfällen gebracht, darunter das gräßliche Unglück bei Herne in Westfalen und außerdem noch einen anderen Unfall am Rhein, der eben­falls zwei Menschenleben als Opfer forderte. Allein bei Herne, wo der Schnellzug Hannover- Köln entgleiste, vier Personen tobt, elf schwer und fünfzehn minder schwer verletzt — und gleich- müthig und lakonisch wird von amtlicher Seite erklärt, daß das Unglück vermuthlich entstanden ist durch falsche Weichenstellung.

Woher kommt es denn aber, daß bei den Preußischen Staatsbahnen so ungemein oft die Weichen falsch gestellt werden? Liegen da nicht Gründe dafür im System? Warum kamen nicht auch früher bei den preußischen Eisenbahnen häufiger Unglücksfälle vor, und warum haben andere Bahnen weniger Entgleisungen zu ver­zeichnen als die preußische Staatsbahn? Auf alle diese Fragen gibt die Eisenbahn-Denkschrift, die Lem preußischen Landtage zugegangen ist, keine Antwort. Wohl aber beschuldigt sie der Un- lenntniß und des Vorurtheils alle diejenigen, die sich nicht mit offiziösen Beschwichtigungs-Redens­arten abspeisen lassen, sondern der Sache auf den Grund gehen und wissen wollen, wie es denn kommt, daß man bei der preußischen Staatsbahn so lebensunsicher reist, obwohl man für diese un­sichere Reise mehr Geld bezahlen muß als bei allen anderen deutschen und bei den meisten anderen Bahnen.

Im Verhältnisse zur Entwickelung unseres Verkehrs ist bei der preußischen Staatsbahn der Wagenbestand seit dem Jahre 1886 um nahezu 12 pCt. und die Länge der Strecken mit Doppel­geleisen seit 1887 um 13 pCt. zurückgegangen. Und sehr häufig ergeben Gerichtsverhandlungen,

* In letze HWling von futannj.

Eine historische Erzählung

von Philipp Wasserburg (Laicus).

36 ------ (Nachdruck verboten.)

„So ist's Niall," bemerkte Egbert, als ob er gleichsam das, was er ihm gesagt, bevor Lucy gekommen, bekräftigen wolle. „Du wirst mit zwanzig jungen Leuten vollständig genug haben. Wir haben drei Kähne, einen großen und zwei kleinere. Der große hält die See, und Du Bangor, kannst damit ganz gut die Fahrt wagen."

Unser Schiffsmann sagte nichts, sondern nickte nur mit dem Kopfe, als ob sich das von selbst verstände.

„Vor allem also schafft Ihr Weiber und Kinder, Gebrechliche und Krüppel, kurz, alles, was wir nicht brauchen können, auf die St. Patricksinsel."

„Wie ist's aber mit dem Essen?" fragte der Alte.

„Da laden sie schon auf," erwiderte der Häuptling nach dem Hofe deutend, woselbst man eben im Begriffe war, einen zweispännigen Wagen mit allerlei Vorräthen zu beladen. „Wir werden so lange als möglich hier bleiben und die Dragoner hinzuhalten suchen."

„Wenn aber dieselben ungeduldig werden ..."

„Darüber treffe ich noch Anordnungen. Von Vieh nehmt ihr auf die Insel nur das mit, was Ihr für Euch braucht, aber reichlich, damit kein Mangel entstehe. Das Uebrige bleibt in den Schluchten und an den Halden zur Weide, die Wiesen stehen ja alle noch grün. Auf der Jn-

daß die Nachlässigkeit von Bahnbediensteten zu­rückzuführen sind auf die vollkommene lieber« müdung, oder aber auf mangelhafte Dienstkennt- niß dieser Leute. Aber die Denkschrift der Staatsbahnverwaltung schweigt höchst vornehm über alle solche Dinge, auf die es am meisten ankommt, und ergeht sich dafür in sehr weit­läufigen Betrachtungen über allerhand Erlasse, die seit zehn und fünfzehn Jahren vom grünen Tische der Direktionen her an die Betriebs­leitungen und Beamten vom Dienste ergangen sind — als ob die Güte eines Bahnbetriebes abhinge von der Qualität der erlassenen Direktions-Be­stimmungen !

Alle bureaukratische Vornehmthuerei kann die trübe Thatsache nicht verschleiern, daß der Be­trieb der preußischen Staatsbahnen gegenwärtig zu den unsichersten Eisenbahnbetrieben in allen Kulturstaaten der Welt gehört. Und weite Volks­kreise hegen die dringliche Erwartung, daß die Vertreter der Bahnverwaltung im preußischen Landtage bessere Ausschlüsse ertheilen werden, als die vorgelegte Denkschrift, die mehr zum Ver­schweigen und Vertuschen, als zur Aufklärung geschrieben zu sein scheint!

][ Der Postetat in der Budget-Kom­mission des Reichstages.

Bei den Berathungen der Budget-Kommission des Reichstages hat, wie wir schon im Einzelnen berichtet haben, eine besondere Rolle der Post- etat gespielt. Die Kommission hat bekanntlich sogar mit 11 gegen 10 Stimmen die Erhöhung des Staatssekretärgehaltes von 24000 auf 30000 Mark ab gelehnt und erklärt, erst müßte eine be­sondere Vorlage über die Aufbesserung der Unterbeamten gemacht werden. Nach dem nunmehr vorliegenden offiziellen Protokoll hat Staatssekretär von Podbielski bei dieser Ge­legenheit folgende Erklärung abgegeben:

„Nach Abschluß der Tarifreformen auf dem Gebiete des Postwesens und des Fernsprechwesens habe ich die Absicht, in die Erörterungen über die als nothwendig erkannte Reform der Personalverhältnisse der Postver­waltung einzutreten. Ich bin für eine strenge Sch ei- dung der oberen und mittleren Beamten­laufbahnen. Um bewährte und tüchtige Beamte aus der Assistentenklasse zu iveiterem Streben anzu­regen, wird ihnen voraussichtlich die Aussicht auf das Einrücken in höhere Dienststellungen, als ihnen jetzt zugänglich sind, eröffnet werden können. Mädchen und kinderlose Wittwen beabsichtige ich in wei­terem Umfange als seither im Post- und Telegraphen­dienste zu verwenden. Jetzt werden sie fast ausschließ­lich im Fernsprechdienst beschäftigt; ich werde sie auch namentlich zum Apparatdienst bei den Telegraphen­ämtern und bei Postämtern mit bedeutenderen Tele­graphenbetriebsstellen, sowie zum Gehilfendienst bei Postämtern III zulassen. Ferner beabsichtige ich, von den Unterbeamten solche auszuscheiden, denen schwierigere und verantwortlichere Verrichtungen, beispielsweise die Leitung des Ueberladegeschäftes auf den Bahnhöfen, obliegen. Für diese Unterbeamten wird sich, wie ich hoffe, eine Besserstellung in der Besoldung erreichen lassen."

Wie der Erfolg gezeigt hat, hat die Mehr­heit der Kommission unter Führung der Centrums­partei mit dieser Erklärung sich nicht zufrieden gegeben. In der That bedürfen ja nicht nur

fei, Niall, schaffe Unterkommen für unsere Flücht­linge, das ist Deine Hauptsorge."

Der alte Niall nickte.

„Und Du, Bangor, Dir vertraue ich eben­falls etwas wichtiges an. Du kennst die Küste?"

„Bis nach Cork und an die Mündung des Shannon", versicherte der Ire.

„Getraust Du Dich, die Küste entlang ein Schiff an die St. Patricksinsel zu bringen?"

Bangor zuckte die Achseln, stieß dann seinen Gefährten an und sagte diesem in mitleidigem Tone: „Er fragt, ob ich mich das getraue!"

„Du gehst also mit dem großen Boot nach Castlehaven und fragst dort nach dem Gewürz- Händler Obrien. Er wohnt in einem kleinen Häuschen in der Nähe des Hafens. Du sagst ihm, ich sende Dich zu ihm, und übergibst ihm dieses Weidenstäbchen. Aber gib wohl acht, wie Du es ihm geben wirst. Du legst dabei die linke Hand in den Nacken, und mit Daumen und Mittelfinger der rechten Hand hältst Du das Stäbchen ihm hin. Reichst Du es ihm in anderer Weise, so wird er thun, als ob er es nicht ver­stände. Aber so dargeboten wird er Dir auf Dein Verlangen ein Schiff zur Verfügung stellen, und wird Dir sagen, wo ®iAnIegen sollst, um fünfzig Centner Pulver, vier Feldschlangen und zwölf "Wallbüchsen in Empfang zu nehmen."

Bangor starrte den Häuptling offenen Mundes an.

„Und ich meinte . . . Scheltet mich einen Schafskopf . . . Ihr habt Recht!" fügte er nach einer Pause bei.

„Was meintest Du, und mit Dir viele Andere ?" fragte der Häuptling, indem er einen spöttischen

einzelne Klaffen der Unterbeamten bei der Post der Gehaltsaufbesserung, sondern sie brauchen dieselbe alle miteinander.

Das Postwesen erfreut sich allgemeinen In­teresses weitester Volkskreise. Und das mit vollem Rechte. Nicht so leicht schneidet irgend eine an­dere Staatseinrichtung so tief in unser Verkehrs­und Geschäftswesen ein, wie gerade die Post, und deswegen gebührt ihr in unserem Parlamente auch die allersorgfältigste Behandlung. Diesmal wird das Plenum des Reichstages noch ausreichende Gelegenheit bekommen, eine solche sorgfältige Be­handlung von Postangelegenheiten zu betätigen. Denn die Budget - Kommission hat zum Postetat mehrere Resolutionen angenommen, über die später das Plenum Beschluß zu fassen haben wird.

Von diesen Resolutionen ist die wichtigste die­jenige, welche sich mit der Besoldung der Postunterbeamten beschäftigt. Sie ist vom Abg. Dr. Lieber beantragt und lautet wie folgt:

„Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichs­kanzler zu ersuchen, das Anfangs-Gehalt der Post­unterbeamten — Titel 25 des Etats — von 800 Mk. auf 900 Mark zu erhöhen, und die im Rechnungs- Jahre 1898 hierfür nöthigen Mittel durch einen Er­gänzungs-Etat anzufordern."

Also noch in diesem Etat will die Budget- Kommission die Aufbesserung der Unterbeamten ausgenommen sehen. Außerdem ist eine besondere Resolution gefaßt über das Diensteinkommen der Landbriefträger. Diese lautet:

„Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichs­kanzler zu ersuchen, das Endgehalt der Landbriefträger von 900 Mark auf 1000 Mark zu erhöhen und die hierfür erforderlichen Mittel für das Rechnungs-Jahr 1898 durch einen Ergänzungs-Etat anzufordern."

Und endlich drittens heben wir noch eine Re­solution hervor, die der Sonntagsruhe der Postunterbeamten gewidmet ist. Auch sie ist aus den Reihen der Centrums-Mitglieder der Kommission hervorgegangen; sie hat zum Urheber den Abg. Dr. Lingens. Sie hat den nachfol­genden Wortlaut:

„Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichs­kanzler zu ersuchen, veranlassen zu wollen, daß die Annahme und Bestellung von Packeten an Sonn- und Feiertagen mit Ausnahme der Zeit vom 18. bis 31. De­zember nur in den Vormittagsstunden bis 12 Uhr statt­finde."

An der Annahme dieser Resolution auch im Plenum des Reichstages ist nicht zu zweifeln. Dann wird es Sache der Reichsregierung sein, zu zeigen, daß auch sie ein Herz hat für die drin­genden Bedürfnisse der Unterbeamten bei der Post. Diese letzteren aber werden die Verbesserungen ihrer materiellen Lage, wie sie durch diese Reso- futionen angenommen werden sollen, vornehmlich der Centrumspartei und dem energischen Vorgehen ihrer Vertreter in der Budget-Kommission zu ver­danken haben.

Deutsches Deich*

Berlin, 27. Januar.

(*) Kaiser Wilhelm II. tritt heute in sein 40. Lebensjahr. Zam zehnten Male seit dem Antritt der Regierung als König von Preußen und als deutscher Kaiser feiert er heute feinen Geburtstag inmitten feiner Familie, umgeben

von zahlreichen Bundesfürsten und fürstlichen Gästen und unter allseitiger freudiger Theilnahme von Seiten des gesarnrnten deutschen Volkes. An diesem Tage ruht der Kampf der politischen Parteien und alle vereinigen sich in dem Wunsche, daß Gott die Person unseren Monarchen in feinen Schutz nehmen und feine Regierung segnen möge.

* Der Ajundesraltz hat heute eine Plenar­sitzung abgehalten.

X Heute früh starb in Hannover die Wittwe unseres verewigten Führers Windthorst, Ira« Julie Windthorst geb. Engelen im Alter von nahezu 93 Jahren. Die Dahingeschiedene war geboren am 12. September 1805 als Tochter des Advokaten und Gutsbesitzers Ignaz Engelen zu Oedingberge bei Glandorf, Bez. Osnabrück. Am 29. Mai 1838 vermählte sie sich mit dem da­maligen Advokaten Ludwig Windthorst, und stets hat sie diesem nicht nur als treue und liebe­volle Gattin zur Seite gestanden, sondern sie hat auch auf des Gatten Entschlüsse und Schritte auf politischem Gebiete entscheidenden Einfluß aus- geübt. Beim deutschen Centrum wird ihr An­denken stets in Ehren gehalten werden.

* Die Köuigl. Negierung zu Düssel­dorf, Abtheilnng für Kirchen- und Schulwesen, läßt, laut der «Mederrh. Volksztg/ mit thun- lichster Beschleunigung durch den Bürgermeister festftellen, reie viel rö misch-katholische Ein­wohner nach der Veranlagung für den 1. April 1897/98 an Staats-Einkommensteuer (ausschließ­lich der fingirten Normalsteuersätze) zu zahlen haben. Das Ergebniß ist in einer Summe mit» zutheilen und zwar von den Oberbürgermeistern der Stadtkreise direkt, von den übrigen Ober­bürgermeistern und Bürgermeistern den Kreis- landräthen. — Der Zweck dieser Feststellungen wird nicht angegeben.

* Die drei Landräthe im Wahlkreise Kildesheim, die den Wahlaufruf des Bundes der Landwirthe und der mit ihm vereinigten Konservativen und Antisemiten gegen die National- liberalen unterschrieben haben, sind rasch von der Regierung zur Ordnung gerufen worden. Die,Nordd. Allg. Ztg/ kündigte das gestern Abend hochoffiziös an und zwar unter den nach Schluß der Redaktion eingegangenen Nachrichten, woraus zu ersehen, daß die Sache für dringend gehalten wurde. Es ist aber nicht Herr v. d. Recke, der aus eigener Initiative den Landräthen sein Mißfallen ausgesprochen hat, sondern Herr v. Miquel hat ihn dazu gedrängt. Das erhellt aus der den nationalliberalen Blättern entnommenen Begründung, der Inhalt des Auf­rufs „entspreche nicht der van der Regierung angebahnten Politik des Ausgleichs der ver­schiedenen wirthschaftlichen Interessen und des Zusammenschlusses der produktiven Stände". Das ist ganz Miquel. Wenn die ,Nordd. Allg. Ztg/ vorläufig bloß annimmt, „daß die Staatsregierung ein solches Verhalten nicht für geeignet hält und die erforderliche Remedur eintreten lassen wird", so dürfen wir als gewiß annehmen, daß damit Herr v. Miquel nicht erst seinem Kollegen v. d. Recke einen Wink geben und einen Druck ausüben will, sondern daß die „Korrektur" schon feststehende Thatsache ist.

Blick auf den Schiffer richtete. „Ihr meintet, das Haus O'Drentor wäre dem Vaterlande un­treu geworden und entehre die Männer von Killarney durch ein behagliches Stillleben, während Erin von dem Blute seiner Söhne trieft . . . Ich habe schwere Thaten nicht hindern können," fuhr er ernst fort, „sie sind geschehen. Aber das könnt' ich verhüten, daß die Männer van Killarney durch irgend eine Schuld in diesen Kampf ge­zogen wurden. Wir sind ganz das Recht, und unsere Feinde sind ganz die Gewalt. Wir können untergehen, und---

In diesem Augenblicke kam Allan eilig herbei.

„Draußen vor der Umzäunung hält ein Dragoner," sagte er hastig. „Sie müssen vom Lager aus ein halbes Dutzend Wagen gesehen haben, die nach der Ligbye-Höhe fahren, und nun möchte der Befehlshaber der Dragoner wissen, was das zu bedeuten hätte."

„So, so," meinte der Häuptling. „Der ist ja sehr neugierig. Hier nimm Dein Stäbchen, Bangor; und nun macht, daß Ihr fortkommt. Ihr seht, die Engländer dort drüben werden ungeduldig!"

Damit verließen alle die Halle; Niall und seine beiden Gefährten schlugen den Weg nach der Ligbye-Höhe ein, der Häuptling ging zu dem Dragoner, um zu hören, was er wollte, Allan folgte ihm.

Wenige Augenblicke später trat Robert in die Halle, und so kam es, daß er sich Lucy plötz­lich allein gegenüber befand.

Er erschrak; hohes Roth bedeckte Wangen und Stirne. Das hatte er vermeiden wollen; denn wie fest er auch entschlossen war, jedes

Band, das ihn an Lucy knüpfte, zu zerreißen, so war er sich doch seiner Schwäche sehr bewußt, und im tiefsten Herzen flüsterte eine Stimme, wie schön es wäre, wenn er Grund fände, dies Band nicht zerreißen zu müssen.

Er hatte seins Eltern in der Halle zu treffen gemeint, und jetzt stand sie am Herde, gerade so, wie er sich das in den Träumen seines ein­fachen Haushalts vorgestellt. Er stammelte einige halb unverständliche Worte und wollte zurück.

Bereits stand er unter der Thüröffnung und wandte sich noch einmal um, einen letzten Blick voll Grimm und Trauer nach dem Mädchen zu werfen.

Sie stand am Herde, die fleißige Hand ruhte, ihr Haupt war herabgesunken, daß das Kinn die Brust berührte: ein plastischer Ausdruck stummen hinreißenden Schmerzes. ,

In zwei Sätzen war Robert bei ihr; das war ihm zu viel. , „ .

„Warum hast Du mir das gethan?" frug er mit bebender Stimme, indem er ihre Hand ergriff.

Lucy kehrte langsam ihr thränenüberströmteS Gesicht zu ihm. . „ .

„Aber trockne Derne Thranen, meine Staube! Du bist daran nicht schuld, so wenig wie ich. Ich weiß, es war recht thöricht von mir. Dir zu zürnen. Aber sei mir wieder gut. Ich will's gewiß nicht wieder thun! Aber meine nicht, weine nicht! Deine Thränen sind glühendes Erz, das auf meine grausame Brust fällt!"

Vor einer halben Minute war er noch ent­schlossen, sie aus seinem Herzen zu reißen, und jetzt hätte er mit Freuden Alles drangegeben, um