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FuldaerMZeitmtg

25. Jahrgang

Iutöa, Dienstag, den 25. Januar 1898

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Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckeret Petersgaffe Nr. 2 (Darmonie).

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steuer in Preußen kaum die Hälfte jener in Wei­mar beträgt und daß die Lehrer in Preußen be­freit sind von Gemeindesteuern und Wittwenkasse- beiträgen. Die Lehrerschaft Weimars ist darob begreiflicherweise enttäuscht, was um so mehr be­dauert wird, als man weiß, daß die Volksschulen des Großherzogthums von ideal gesinnten, pflicht­treuen Lehrern geleitet werden und auf der Höhe der Zeit stehen. Voll Hoffnung sieht man darum auf den Landtag, von dem erwartet werden darf, daß er in seiner Sorge um das Wohl der Volks­bildung über die Ansätze des Regierungsentwurfs hinausgeht, fo zwar, daß er einerseits die Alters­zulagen vermehrt oder erhöht und ihre Perioden enger aneinander rückt, anderseits nach preußischem Muster den Gemeinden an's Herz legt, ihrerseits das Grundgehalt, entsprechend den Theuerungs- verhältnissen der einzelnen Orte, nach Möglichkeit zu erhöhen. Geschähe das nicht, dann ist mit Grund zu fürchten, daß die besferen Lehrkräfte Anstellung im Auslande suchen und Lehrer von auswärts eine Verwendung im Großherzogthum nicht mehr begehrenswerth finden. Infolgedessen müßte sich der schon jetzt bestehende Lehrermangel nur noch erheblich vergrößern. Nimmt man gar noch hinzu, daß vom Jahre 1900 an die zum Dienste in der Armee tauglichen Lehrer ein v o l l e s Jahr dienen müssen, für welche Zeit ein Ersatz­lehrer einzustellen sein wird, dann kann man sich der Sorge nicht verwehren, daß in Bälde im Großherzogthum ein sehr fühlbarer Mangel an Lehrkräften eintreten wird.

* Nreska«, 24. Jan. Universitäts-Professor Dr. Kaufmann, als national-liberaler Kultur­pauker bekannt, hält im Auftrage der Schul- Deputation seit Jahren für die Volksschullehrer Vorträge aus den verschiedensten Gebieten. Gegen­wärtig spricht er über „deutsche Verfassungs­geschichte". Man sollte meinen, daß dieses Thema nicht die geringste Gelegenheit zu Ausfällen gegen die Katholiken bieten könne; ein so verbissener Gegner der katholischen Kirche aber, wie der genannte Professor, bringt es doch fertig, schon in dem ersten Vortrage über jenes Kapitel katho­lische Einrichtungen zu verhöhnen und seinen Witz an Dingen zu üben, die er nicht versteht. Die Ausfälle gegen die Katholiken in dem ersten Vortrage waren so stark, daß nach der ,Schles. Volksztg/ evangelische Lehrer zu den katholischen Kollegen sagten: Ihr werdet wohl nicht mehr kommen!

Inserate: Die ein­spalt. Garmond­zeile oder deren Raum 15 Pf., Re­klamen die Petit­zeile 25 Pf.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

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1 Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier-

. tage. Bierteljährl.

Ktjugsprris ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Pf.

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Deutsches iUidj.

Berlin, 24. Januar.

* Die ,Nordd. Allg. Ztg/ kommt nochmals auf ihre Meldung zurück, daß der Kaiser auch in diesem Jahre nicht nach Cowes reisen werde. Sie hebt hervor, daß die an diese Meldung geknüpfte Vermuthung, an diesem Ent­schluß sei ein neues Zerwürfniß zwischen den । Höfen von Berlin und St. James, namentlich eine unfreundliche Aufnahme des Prinzen Heinrich bei der Königin Viktoria schuld, jetzt von eng­lischer Seite bestritten werde. Die,Nordd. Allg. Ztg/ wird ihr erstes Dementi wohl gebracht haben, um eine Verstimmung gegen Deutschland in St. Petersburg zu verhüten. Darum wird man in Berlin jetzt um so mehr bemüht sein, als die deutsche Regierung in der kretischen Frage auf Seiten Englands gegen Rußland steht.

* lieber die Entschädigung für die in Khina ermordete« Missionare hat der Staats­sekretär v. Bülow heute in der Budget­kommission des Reichstags ausführlichere Mittheilungen gemacht. Danach hat die chinesische Regierung, welche gegen die Mörder das Straf­verfahren eingeleitet hat, sich verpflichtet, der Mission von Süd-Schantung 3000 Taels (1 Tael — 6 Mk. 41 Pfg.) zu zahlen, drei katholische . Kirchen zu errichten und für jede derselben 66,000 Taels anzuweisen, ebenso 24,000 Taels für die Errichtung von 7 sicheren Wohnhäusern für die Mission. Die Kirchen sollen mit einer kaiserlichen Schutztafel versehen werden. Die Zahlungen erfolgen durch Vermittelung der deutschen Gesandtschaft in Peking, um die i Missionare vor Reibungen mit den chinesischen Behörden zu bewahren.

* Auf den „Ilrtramo>r1aittsm«s" schlägt man, den Katholizismus aber meint man, das wird jetzt offen eingestanden. In Nr. 1 des diesjährigen Jahrganges der Kirchlichen Korresp. für die Mitglieder des „Evangelischen Bundes" kommt unter der Rubrik „Von den j Vereinen" (S. 20) ein Bericht über die Jahres- Versammlung des Hauptvereins Hessen-Kassel am 11. November v. I. in Melsungen. Nach diesem Bericht sprach Pfarrer Thümmrl-Altena über das Thema: „Der Evangelische Bund im Kampf mit den Feinden des Evangeliums" und nannte die römische Kirche den drohendsten und gefähr­lichsten Feind des Evangeliums. „Und nicht eine oder die andere Richtung in der römisch-katholischen Kirche, sondern diese selbst, sie in ihrer Gesammtheit, sei zu bekämpfen." Gegenüber den oft gehörten Versicherungen, der „Evangelische Bund" bekämpfe nicht die katho­lische Kirche, sondern nur den Ultramontanismus, ist diese Aussprache wenigstens offen und ehrlich und zeigt auch den vertrauensseligsten Katholiken die wahre Natur des „Evangelischen Bundes".

* Der Aög. Lievermaun v. So«ne«Verg, der Kandidat der deutschsozialen (antisemitischen) Partei des Wahlkreises Nordhausen für die nächsten Reichstagswahlen, hat jüngst in Nordhausen einen Vortrag gehalten. Nach demselben wurde aus der Mitte der Versammlung an ihn die Frage gerichtet, wie er sich zu dem Jesuitengesetze stelle (beiläufig eine Frage, die an jeden Kan-

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« Brr killt WMng »m Wimy.

Eine historische Erzählung

von Philipp Wasserburg (Laicus).

34 ------ (Nachdruck verboten.)

Seit dem Tode ihres Vaters war sie nicht so glücklich gewesen wie eben, da sie auf dürftigem Lager sich zur Ruhe begeben wollte; denn jetzt erst fand sie dieselbe. Das peinliche Geheimniß, das sie niederdrückte, war von ihrer Brust ge­nommen. Sie hatte eingestanden, wie ihr Vater gehandelt, und hatte sich zu jeder Genugthuung für ihn bereit erklärt. Mochte jetzt kommen, was wollte, kein Entschluß drückte sie mehr, sie hatte nur noch zu dulden.

Inzwischen hatte Frau Mary ihrem Manne und ihrem Sohne mitgetheilt, was sie von Lucy erfahren. Robert war starr. Etwas Derartiges hatte er überhaupt für unmöglich gehalten. Er war der Gast auf Geraldcastle, man nahm ihn freundlich auf und suchte ihm heimtückisch das Geheimniß zu entreißen, wo es noch gute Län­dereien in Irland gebe, die das Parlament ton« flsziren und die man dann an sich bringen könne.

Tiefe Niedergeschlagenheit erfüllte Robert, als 'hm weder ein Zweifel an der Möglichkeit, noch an der Wirklichkeit blieb.

L »Fahr hin, mein Glück!" sagte er stammelnd, ^ährend eine Thräne sein Auge umflorte.

Er schlug den Mantel vor das Gesicht, daß ®?n die heftig nochquellenden Thränen nicht er- °ucken möge.

^»Was ist Dir? Robert!" fragte Frau Mary. ,,-tvas geht das Deine Liebe an?"

Aus dem Landtage.

-^»ogeorduetenha«-. — 7. Sitzung vom 24. Januar.

Eröffnung 11'/- Uhr.

Am Ministertische Dr. v. Miquel.

Das Haus ist gut besucht.

Präsident v. Kröchcr erbittet und erhält die Er­mächtigung, St. Maj. dem König zu seinem Geburts­tage die Glückwünsche des Hauses darzubringen.

Erster Gegenstand der Tagesordnung: Dre erste event. zweite Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Aufhebung der Amts-Kautionen der Staats­beamten.

Die Abgg. Iiitkerl (frs.Vg.), Hlökl« (natl.), Kamke (freit) und Schettler (kons.) begrüßten den Gesetzentwurf als eine Wohlthat für die Beamten, denen es oft schwer werde, bie Kautionen auszubringen. Außerdem verursacht die Verwaltung der Kautionen dem Staate nicht uner­hebliche Kosten. Im Uebrigen gewährten die Kautionen bei größeren Defraudationen doch keine genügende Deckung.

Finanzminister Miquel erklärte, daß man ursprüng­lich die Bildung von Beamtenverbänden beabsichtigt habe, die solidarisch haften sollten. Man habe sich aber für Aufhebung der Kautionen entschieden. Ein gleicher Ent­wurf für das Reich beschäftige z. Z. den Bundesrath. Für die Rückzahlung der Kautionen sei ein Zeitraum von 2 Jahren in Aussicht genommen, er glaube aber, die Ablösung werde schon früher erfolgen können. Der Minister warnte die Beamten vor dem Ankauf hochver­zinster, aber unsicherer Papiere; sie sollten lieber solide preußische Konsols kaufen.

Abg Hpkergett erklärte, daß das Centrum dem Entwurf im Großen und Ganzen zustimme, nur müsse er sich wegen der rheinischen Hypotheken-Bewahrer für die zweite Lesung einen Antrag vorbehalten.

Abg. Zmrvalle (Centr.) bemängelte den Ausschluß der Gerichtsvollzieher und befürwortete Kommisstons-Be- An biTfünfyig Männer liegen im Hofe, fast zwei­hundert befinden sich auf dem Ligbye-Kegel; die können in kurzerZeit da sein. Fünfundachtzig hat Allan an den drei Eichen, und er hat mir vor kaum einer Stunde gesagt, wenn Du es nur ge­statten wollest. . . . "

Egbert lächelte über den Eifer seines Sohnes freundlich nickend; aber dann erwiderte er nicht ohne einen Anflug von Ironie:

„Ja, Kind, glaubst Du, daß wir am Vor­abend der Entscheidung vernichten, was ich Jahre hindurch mit ängstlicher Sorgfalt gepflegt und bewahrt?"

„Was ist das?" fragte Robert rote aus den Wolken fallend.

„Unser Recht," entgegnete Egbert sich hoch aufrichtend. „O, ein trefflicher Bundesgenosse ist das Recht. Wir können fallen; aber wenn Einer von uns übrig bleibt, in ihm lebt unser Recht weiter und vererbt sich auf Kind und Kindeskmd. Wie oft hat die Gewalt das Recht verlacht; aber die Gewalt ist die Herrscherin des Augenblickes, das Recht die Richtfchnur der Ewigkeit. Möge die Gewalt uns zertreten, so sterben wir im Be­wußtsein, daß unser Recht fortdauert; und wenn's tausend Jahre währt, es verjährt wird, es wird sich einst erheben, es wird Zins und Zinseszins auf feine Forderung schlagen und blutig heim­zahlen, was man an ihm gesündigt."

Der Häuptling stand da, ein Bild, kraftvoller Majestät, die linke Faust auf die Brust gedrückt, die Rechte drohend erhoben. Sein Auge blitzte und feine Stimme grollte wie ferner Donner.

Die draußen in der großen Halle hatten einige laut gesprochenen Worte des Häuptlings verstan-

didaten gerichtet werden sollte, um Klarheit zu schaffen!). Darauf erklärte Herr Liebermann, daß er persönlich durchaus gegen dieses Ge­setz und für feine Aufhebung sei, daß er aber „mit Rücksicht auf feine protestantischen Wähler in Hessen" im Reichstage sich der Abstimmung darüber enthalten werde! .... Sehr überzeugungstreu, nicht wahr? Uebrigens auch ein sehr zweifelhaftes Lob für die betreffen­den Wähler! „

* Die Oberpostdirektiouen find der ,D. Verkehrsztg/ zufolge ermächtigt worden, die Verwaltung von Postagenturen oder Po st hilf stellen, falls hierzu geeignete männ­liche Personen nicht ermittelt werden können. Weibliche« Personen zu übertragen, voraus­gesetzt, daß diese den zu stellenden Anforderungen entsprechen.

X Dem Landtage des GrotzHerzogIHttms Sachsen-Weimar ist ein Gesetzentwurf über das Diensteinkommen der Volksschul­lehrer vorgelegt worden. Wenn auch anerkannt werden soll, daß derselbe gegenüber den bisherigen unhaltbaren Befoldungsverhältnissen einen kleinen Fortschritt bedeutet, der in der Hauptsache in der Erhöhung der Alterszulagen zu suchen ist, so muß auf der anderen Seite doch lebhaft bedauert werden, daß die Regierungsvor­lage hinter den neuen Gehaltsverhältniffen der Lehrer im benachbarten Preußen weit zurückbleibt. Und doch ist das Leben in Thüringens schönen Gefilden theurer als in den meisten Gegenden Preußens. Es stellt sich der Lehrer im ärmsten preußischen Rhöndorfe in Bezug auf sein Gehalt weit bester als jeder Lehrer Weimars, die in den größten weimarischen Städten nicht ausgenommen. Zum Beweise sei ein Vergleich gestattet: Im preußischen Rhönstädtchen Tann, 1100 Ein­wohner, erhält der Lehrer bei fester Anstellung ein Grundgehalt von 1200 Mk., ferner bei drei­jährigen Aufsteigungsperioden 9mal 150 Mark Alterszulage und Wohnung in Natur ober 200 Mark Wohnungsentschädigung, mithin (nach 31 Dienstjahren) ein Höchstgehalt von 2750 Mark. Der Lehrer, welcher den Kirchendienst besorgt, erhält hierfür noch 250 Mark, empfängt also ein pensionsberechtigtes Höchstgehalt von 3000 Mark. — Im Dorfe Kämmerzell, Kreis Fulda, 370 Einwohner, berechnet sich die Besoldung folgender­maßen: Grundgehalt 1000 Mk., 9mal 120 Mk. Alterszulage, Dienstwohnung zu 150 Mk., Ver­gütung für Kirchendienst 250 Mk., also pensions­berechtigtes Höchstgehalt 2480 Mk. — In allen Orten des Großherzogthums Weimar erhält nach dem neuen Gesetzentwürfe der Lehrer bei fester Anstellung ein Grundgehalt von 1000 Mk., bei fünfjährigen Aufsteigungsperioden 4mal 200 Mark und Imal 100 Mark und Wohnung in Natur ober in Sanborten 100 Mark, in Stabten 200 Mark, in ©tobten über 10000 Einwohner 300 Mark Wohnungsentfchäbigung, mithin (nach 25 Dienstjahren) ein pensionsberechtiges Höchst­gehalt von 2000 Mk., bzw. 2100 Mk., bezw. 2200 Mark. Der Kirchendienst wirb nicht eigens vergütet. Das Mißverhältniß zwischen weirna- rischer und preußischer Lehrerbesoldung verschiebt sich noch zu Ungunsten Weimars um mindestens 100 Mark, wenn man bedenkt, daß die Staats-

Der Mantel fiel. Robert sah feine Mutter erstaunt an.

„Ein O'Drentor kann sein Glück mit eigner Hand einsargen, und — laßt mir eine Nacht Ruhe . . . ich werd's ja tragen können — aber er kann nicht freien, wo er nicht achten kann."

Egbert sagte nichts. Er legte nur feine Hand auf die Schalter seines Sohnes und sah ihn mit einem Blicke an, aus welchem triumphirender Stolz hervorleuchtete.

„Ja, habe eine Nacht Ruhe," sagte Frau Mary mit leichtem Spott, „sprich Morgen mit Lucy, vielleicht würdigst Du sie dann besser als heute. Wahrlich, dieses Mädchen kam, um die Brandfackel in diese Heimstätte unseres Glückes zu werfen, und in weniger als einer Viertel­stunde hat sie meine Liebe sammt meiner Achtung gewonnen."

Robert schien auf diese Worte nicht zu hören. Theilnahrnslos stand er da, die Rechte auf den Tisch gestützt, dessen Platte er mit stierem Auge betrachtete. Die Linke ruhte auf dem Knauf seines kurzen Schwertes. Er schien nichts zu hören und nichts zu sehen. Frau Mary hatte, da ihr Gemahl schweigend auf und nieder zu gehen begann, ein mächtiges Scheit in den Ofen geworfen und dann sich auf die Bank nieder­gelassen, geduldig wartend, was Egbert sagen würde.

Endlich blieb dieser mit übereinander ge­schlagenen Armen vor seinem Sohne stehen.

„Robert!"

„Mein Vater!" antwortete der Angeredete tonlos.

„Ich werde mit Tagesanbruch Boten an alle

Die betreffenden Titeln werden debattlos bewilligt- Von Rednern aller Parteien, so von den Abgg. Czarlinski (Pole), Graf Stolberg(kons.), Thom, sen (frs. Vgg.) und .Singer (Soz.) wurde die Noth- wendigkeit einer Reform der Alters- und Invaliditäts- Gesetzgebung betont.

Namens des Centrums sprachen die Abgg. Frhr. v. Kerlking und Kitze die Hoffnung aus, daß die für nächstes Jahr in Aussicht gestellte Novelle die Forderung des Centrums auf Ausscheidung der Landwirthschaft, der Handwerker und der Dienstboten aus dieser Gesetz­gebung erfüllt werden. Abg. Hitze betonte «eiter die Nothwendigkeit, diese Gesetzgebung auf Wittwen und Waisen auszudehnen und sprach die Hoffnung aus, daß die Reservefonds der Versicherungsanstalten mehr als bisher dem landwirthschaftlichen Kreditbedürfniß und der Schaffung von Arbeiterwohnungen dienstbar gemacht werden möchten. . _

Gras Sosadotvsky erklärt sich mit dieser Anregung einverstanden; dagegen sei die Forderung, die drei vom Abg. Hitze genannten Kategorien auszuscheiden, für die Regierung indiskutabel.

Auch die Abgg. Dr. Kah« (wild) und Singer (Soz.) sprachen sich gegen jede Beschränkung des Kreises der Versicherungspflichtigen aus. Beim Kapitel Auswander­ungswesen wiederholte der Abg. Dr. Kahn (wild) seine alljährlich wiederkehrenden Angriffe gegen den Nord­deutschen Lloyd.

Die Abgg. Kammacher (natlib.) und Aires- (frs. Vgg.) traten ihm energisch entgegen, ebenso der Abg. Dr. Kiever (Centrum), welcher dem Abg. Dr. Hahn klar machte, daß die von ihm vorgebrachten Klagen theils gar nicht vor den Reichstag gehörten, theils sachlich unbegründet seien; gerade der Norddeutsche Lloyd habe, speziell aus Grund der Anregungen des St. Raphaels- Vereins, im gesundheitlichen und sittlichen Interesse namentlich seiner Zwischendeckspassagiere weitgehende Wohlfahrtseinrichtungen getroffen. ,

Den Schluß der heutigen Sitzung bildete eme Börsendebatte.

Der Abg. Dr. ZSarth (frs. Vgg.) bezeichnete das Börsengesetz als vollkommen verfehlt, am meisten habe es der Landwirthschaft geschadet.

Die Abgg. Kamp (Rp.), Graf Aruim (Rp.) und Dr. Laasche (natlib.) rühmten demgegenüber die wohl- thätigen Wirkungen des Gesetzes.

Morgen Fortsetzung.

Aus dem Reichstage.

-<y> 24. Sitzung vom 24. Januar 21/« Uhr.

Am Bundesrathstisch: GrafPosadowsky u. A. Das Haus ist schwach besetzt. .

Eingegangen ist eine Denkschrift über die Ent­wickelung der deutschen Schutzgebiete für 1896 97, der Entwurf eines Handels- und Schiff­fahrts-Vertrages mit dem Orange-Freistaat und der Gesetzentwurf betr. die Aufhebung der Kautions­pflicht der Reichsbeamten.

Einen Antrag auf Genehmigung der Strafverfol­gung gegen den Abg. Bock-Gotha (Soz.) wegen Be­leidigung wird auf Antrag der Geschäftsordnungskom­mission (Berichterstatter Abg. Roeren, Centr.) die Ge­nehmigung nicht ertheilt.

Hierauf wird die zweite Berathung des Etats des Reichsamts des Innern fortgesetzt, und zwar bei den Ausgaben Kapitel 7 a (Maßregeln gegen Rinderpest und Reblaus).

wehr- unb waffenfähigen Männer bes Sept fen« ben, um biefelben zu einer Versammlung auf übermorgen zu entbieten."

„Ja, Vater!" antwortete Robert ziemlich mechanisch.

„Unb ich werbe bem Sept ben Vorschlag machen. Dich zum Tanaist zu wählen."

„Mich?" fuhr jetzt Robert überrascht auf. Unb wozu? Warum willst Du nicht bie Vvll- geroalt bes Stammesfürsten behalten? Dem Himmel Dank, Du bist fo rüstig zum Kampfe wie weife im Rath."

„Die Tage bes Cean-Cinneth von Killarney sinb gezählt, mein Sohn. Das begreifst Du, O'Drentor, baß ber Sept von Killarney fein Laub unb noch viel mehr fein Recht sich nicht nehmen läßt."

Jetzt zum erstenmal zuckte ein Leuchten in Roberts Auge, unb ohne ein Wort zu reben, schlug er an sein Schwert.

„Ich sah es kommen, lange, lange schon," sprach Egbert mit eisiger Ruhe, als ob er lang­sam jebes Wort abzuwägen schien, „unb bin barauf gerüstet. Man geht nicht so gegen ein Volk vor, bas man erhalten, ba§ man mit sich oerbinben, bas man nach bem Siege versöhnen will. Ich hätte es tragen können, beim alles Jrbische wechselt; unb wie lange währt es, bis unser Leib in ber Erbe ruht, unb wer kümmert sich bann barum, ob er einem Briten ober einem Iren angehörte."

Der Häuptling brach ab unb machte einige Gänge schweigenb burch bas Zimmer.

„Hinaus, Vater, hinaus!" rief Robert roilb. „Wir haben Mannschaft genug unb gute Waffen.

”fur Mmte”J.paritlUr « M»«. mit Nnterhattungs-Aeitage „Miflrirte Sonntags-Zeitung/