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M 16.
ZsuLöa, Freitag, den 21. Januar 1898
25. Jahrgang.
h Die Ansiedelungs-Borlage.
Die Ansiedelungs-Vorlage — welch' ein unschuldiger Name! Und doch, wie viel verbirgt sich hinter ihm: Kampf von Staatswegen gegen eine ganze Nationalität, Kampf von Staatswegen gegen die katholische Kirche, Kampf gegen beide mit Staatsgeldern, die zum Theil herrühren aus den Steuerbeiträgen auch der Katholiken und der bekämpften Polen!
Die Ansiedelungs-Vorlage, amtlich gesprochen der „Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Gesetzes vom 26. April 1886, betr. die Beförderung deutscher Ansiedelungen in den Provinzen Westpreußen und Posen," ist sehr kurz. Sie lautet:
Einziger Artikel. Das Gesetz vom 26. April 1886, betreffend die Beförderung deutscher Ansiedelungen in den Provinzen Westpreußen und Posen, wird wie folgt abgeändert: 1) Der im § 1 der Staatsregierung zur Verfügung gestellte Fond von 100 Millionen Mark wird auf 200 Millionen erhöht. 2) Im § 8 fallen die Worte „bis zum 31. März 1907" und der Schlußsatz fort.
Aber die Begründung ist dafür desto länger. An einer Stelle dieser Begründung wird gesagt: „Die Verschiebung des Stärkeverhältnisses zwischen den beiden Nationalitäten (der polnischen und der deutschen) z«m Nachtheil der Deutschen hält an und hat im Gefolge die Entstehung einer großen Zahl ländlicher Klein- wirthschaften, die nach einem von polnischer Seite mit großem Eifer geleiteten Gütertheilungs-System geschaffen werden. Von diesen ländlichen Kleinbetrieben nimmt die Bevölkerung in stetig wachsendem Umfange Besitz unter Bedingungen, welche dem Deutschen eine seinem Bedürfnisse entsprechende Lebenshaltung und das Fortkommen auf solchem Anwesen nicht ermöglichen. So macht sich auf dem platten Lande eine steigende Zunahme des polnischen Kleingrund-Besitzes bemerkbar."
Die Regierung erblickt in dieser Zunahme des polnischen Kleingrundbesitzes auf dem Lande etwas Gefährliches bloß darum, weil es sich um Polen handelt, die sich dort ansiedeln. Aber die Sache hat noch eine andere, eine wirthschaftliche Seite. Und diese Seite muß jeden Volksfreund und jeden Freund gesunder wirthschaftlicher Entwickelung angenehm berühren: wir meinen den Umstand, daß gerade der Kleingrundbesitz so erfreulich im Wachsthum begriffen ist. Die Polen haben keine 100 Millionen-Fonds zur Verfügung und besiedeln aus eigener Kraft das Land mit kleinen ländlichen Wirthschaften. Das deutsche Element arbeitet mit der Unterstützung riesiger Staatsmittel und kommt doch nicht vorwärts. Worin mag das seinen Grund haben? Zunächst jedenfalls darin, daß die Polen die Sache besfer verstehen und geschickter anfassen, als die Deutschen. Und dann wohl auch darin, daß die Polen genügsamer in ihren Lebensansprüchen sind als die Deutschen und darum die Schwierigkeit der Ansiedelung leichter überwinden als die Deutschen.
Kurz und gut, die Polen zeigen sich den Deutschen gegenüber als bessere Ansiedler, sie zeigen sich den ländlichen Kulturaufgaben in den Ostprovinzen besser gewachsen, als die Deutschen. Und dann heißt es an einer anderen Stelle der Begründung: „Einer solchen Entwickelung muß die Staatsregierung zum Schutze der hierdurch bedrohten Deutschen, wie zur Erhaltung des Friedens und der Wohlfahrt der Staatsbürger mit Entschiedenheit entgegentreten. Sie hat sich deshalb im Stande der Abwehr genöthigt gesehen, mit dieser Vorlage auf dem von ihr mit
* Brr lebte Häuptling von Marney.
Eine historische Erzählung
von Philipp Wasserburg (Laieus).
31 ------ (Nachdruck verboten.)
X Lucy.
Die Reiter hielten eine Zeit lang unbeweglich. Durham wartete, ob denn Niemand komme nach ihrem Begehr zu fragen. Aber es ließ sich niemand blicken, außer dem Iren, der am Thor- pfeiler gelehnt, die Ankömmlinge musterte. Die Gegend schien wie ausgestorben. Auf dem Wege hierher waren noch neugierige Frauen und Kinder unter die Thüren der Hütten getreten; Männer hatte man keine zu Gesicht bekommen, aber hier sah man auch keine Frauen; und doch sollte das die Wohnung des Häuptlings sein. Die Ausdehnung der niederen Gebäulichkeiten schien solches auch zu bestätigen; jedenfalls war es ein großer Hof und in demselben weilte gewiß ein zahl- reiches Gesinde. Aber Niemand ließ sich blicken.
Einige Minuten dauerte das; da rief Durham den Irländer an:
«He Du! Bursche! Rufe mir einmal den Häuptling her. Verstehst Du!"
Der „Bursche" regte sich nicht, sondern sagte Mr ruhig: „Was willst Du von ihm?"
„Das werd' ich ihm sagen, Schlingel, wenn er da ist."
« da, ich bin der Cean-Cinneth der
Rlllarneys."
„So? Du!" rief der Offizier überrascht.
Lucy heftete nicht minder überrascht einen mngen ängstlichen Blick auf den Vater Roberts,
dem Gesetze vom 26. April beschrittenen Wege weiter zu gehen. Durch dieses Gesetz war der Staatsregierung für die Zwecke der Besiedelung ein Fonds von 100 Millionen Mark zur Verfügung gestellt worden. Dieser Fonds erweist sich nachgerade als nicht zureichend usw." Die Polen sind ebenso gut preußische Staatsbürger wie die Deutschen, und zum allergrößten Theile trotz aller Verdächtigungen auch ebenso gute. Das ganze sogenannte Ansiedelungsgesetz erweist sich darum an und für sich nicht nur als eine Ungerechtigkeit, sondern auch als eine Unklugheit, denn es will halb mit Gewalt aus den Provinzen Posen und Westpreußen ein Bevölkerungselement verdrängen, von dem die Begründung dieser sogenannten Ansiedelungsvorlage selbst zugeben muß,' daß es sich ganz augenschein- lich zur Besiedelung und weiteren Kultivirung jener Ostprovinzen ganz vortrefflich eignet. Dementsprechend wird auch von vorsichtigen Freunden des sogenannten Ansiedelungswerkes ohne weiteres zugegeben, daß der 100 Millionenfond bisher seinen Zweck verfehlt hat.
Aber freilich, die Polen haben einen großen Fehler: sie sind sammt und sonders katholisch. Und das gefällt der preußischen Regierung noch weniger gut, als ihre Nationalität. Viele Beispiele lehren es, daß die Regierung nach den Provinzen Posen und Westpreußen katholische Deutsche ebensowenig haben will, |roie die katholischen Polen. Und daraus ergibt sich eine neue Ungerechtigkeit der Grundsätze, aus denen die Ansiedelungsvorlagen hervorgehen. P r o t e st a n - tisirung ist die Loosung, nicht Germani- sirung.
Deutsche» R^ch.
Berlin, 20. Januar.
* Das kaiserliche Kolliger wird am 24. Januar vom neuen Palais bei Potsdam nach Berlin verlegt werden.
* Die Kesetzrmg von Kiaotscha« ist schon einmal früher ins Auge gefaßt gewesen. Nach Professor Ferdinand von Richthofen hat Fürst Bismarck bereits 1870 die Besetzung der Kiaot- schaubucht beabsichtigt. Die deutschen Pläne ge- riethen durch den Ausbruch des Krieges von 1870 in den Hintergrund.
X Der nationalliberale Abg. von Eynern hat am letzten Dienstag im preußischen Abgeordnetenhause über die preußische Gesandtschaft Leim Aatika« Aeußerungen gethan, die als Bestätigung der voraufgegangenen Nachricht aufgefaßt werden, daß nationalliberale Abgeordnete einen Antrag auf Beseitigung dieser Gesandtschaft einbringen wollen. Das leitende konservative Blatt, die ,Kreuzzeitung', ist davon gar nicht erbaut. „Es war — so schreibt diese — nicht am Platze, diesen Gegenstand bei der allgemeinen Besprechung des Etats zu erörtern und aus ihm gewissermaßen eine große Staatsaktion zu machen. Es macht immer einen üblen Eindruck, wenn die rein kirchlichen Gegensätze in einer politischen Versammlung erörtert werden, das soll man vielmehr den kirchlichen Organen überlassen. . . . Will der Landtag diese (die Canisius-Encyklika) zum Anlaß der Aufhebung der preußischen Ge- der sich langsam aus seiner behaglichen Stellung aufrichtete und nun mit übereinandergeschlagenen Armen auf der Schwelle seines Thores stand. Sein Auge glühte, aber die wenigen Worte, die er gesprochen, bewiesen durch die Ruhe des Tones, daß er seiner Aufregung vollständig Meister war.
„Um so besser," erwiderte Durham, seinen Schnurrbart streichend. „Dann schafft einmal vor allem Leute herbei, die uns bedienen, Speise und Trank für hundertfünfzehn Mann, Heu und Hafer für hundertzwanzig Pferde, und dieser Dame tretet Ihr zwei Gemächer nach ihrer Wahl zu ihrem ausschließlichem Gebrauche ab. Das weitere wollen wir verhandeln, wenn wir gesättigt und eingerichtet sind."
„Ihr habt eine sonderbare Weise, die Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen," erwiderte Egbert, während ein ironisches Lächeln über sein Gesicht glitt. „Dem müden Wanderer öffnet sich Killarneyhouse und theilt mit ihm, was es hat. Aber eine so trotzige Forderung ist es nicht gewöhnt ; und es könnte sein, daß es sich zum ersten Male verschlösse."
„Wir haben hier einen Schlüssel," bemerkte Durham, an seinen Schwertgriff fassend.
„Und wir Riegel!" antwortete kalt und ruhig der Häuptling, indem er mit der einen Hand nach einem silberbeschlagenen mit einem Mundstücke versehenen Kuhhorne griff, daß ihm an grünseidener Schnur um den Hals hing. Gleichzeitig holte seine Rechte ein eigenthümlich geformtes zweischneidiges Beil mit langer Spitze und langem Stiel, das hinter dem Thorpfeiler lehnte, hervor.
Der Eindruck, welchen diese Hünengestalt machte, war für den ersten Augenblick niederschmetternd.
sandtschaft beim römischen Stuhl nehmen, so ist die Einzelberathung des Etats der auswärtigen Angelegenheiten die richtige Stelle für die Besprechung. Dann soll man sich aber auf eine knappe Begründung beschränken und alles vermeiden, was an die Zeit des Kulturkampf es erinnert. Wir haben keinen Anlaß, uns hier über unsere sachliche Stellung zum Anträge der Nationalliberalen zu äußern. Aber schon jetzt möchten wir betonen, daß in dieser Frage der einzelne Abgeordnete sich nicht lediglich und nicht einmal in erster Linie von seinem Gefühle, sondern von der Rücksicht auf das Staatsinteresse leiten lassen soll. In dieser Beziehung hatte der Finanzminister ganz recht, wenn er bemerkte, daß Preußen nicht des Papstes wegen, sondern des Staatsinteresses wegen die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan wieder ausgenommen hat." Danach zu urtheilen werden die Nationalliberalen für ihren Antrag bei den Konservativen sehr wenig Freunde finden. In diesem Sinne gab auch am letzten Mittwoch der konservative Abg. Dr. Jrmer eine Erklärung ab.
* Ein gutes Geschäft machte die preußische Staatsbahn-Verwaltung auch im Jahre 1896/97 mit dem Verkauf von Platzkarte n für v-Züge und von Bahnsteigkarten. Aus dem Verkauf der ersteren wurden 2420131 Mk. gelöst, oder über 9 pCt. mehr als im Vorjahre, weil die Anzahl der verkauften Platzkarten auf 1745 330 Stück, oder fast um 5 pCt., gestiegen ist. Ende 1896/97 verkehrten nämlich auf 14 Linien der preußischen Staatsbahnen v-Züge; 9 dieser Linien führten nach Berlin. Von Bahnsteigkarten wurden im Jahre 1896/97 nicht weniger als 17 464436 verkauft (gegen 13 924320 im Vorjahre); sie erbrachten 1746 444 Mk. Also eine Gesammt-Einnahme vou über 4 Mill. Mk. für Platz- und Bahnsteig-Karten, ohne daß die Eisenbahn dafür etwas besonderes leistete.
X Die ,Kreuzztg/ zitirt gegen uns mit der ,Rheinisch-Westf.-Ztg/ den verstorb. Dr. Windt- h orst als Gegner des geheimen Wahlrechts. Es war uns wohl bekannt, daß Windthorst sich für die öffentliche Stimmenabgabe ausgesprochen hat. Das von den genannten Blättern beigebrachte Zitat stammt ans dem Jahre 1867. Wir wollen nun nicht „mit der Ausrede kommen, seitdem hätten sich die Zeiten geändert, denn Windthorst hat sich auch noch später in demselben Sinne ausgesprochen. Er that das ziemlich mit derselben Begründung, wie jüngst die ,Kreuzztg.'. Grundsätzlich stimmen wir damit auch vollkommen überein: wer eine politische Ueberzeugung hat, sollte auch den Muth haben, sie öffentlich zu bekennen. Das ist eine durchaus berechtigte „ideale Forderung". Die Praxis sieht nur vorläufig etwas anders aus. Glaubt die,Kreuzztg/ denn im Ernst, Windthorst, der gesehen hatte, wie die Wahlfreiheit der Arbeiter durch kulturkämpferische Arbeitgeber zum Spott gemacht wurde, wäre bereit gewesen, das geheime Wahlrecht wieder abzuschaffen, und damit auch Tausende von Katholiken zu nöthigen, wider ihre Ueberzeugung zu stimmen? Die Oeffentlichkeit der Wahl verlangt als nothwendiges Gegengewicht die Freiheit der Wahl. Windthorst wollte sie gewähren, aber diejenigen, die heute nach der Da stand der einzelne Mann an der Schwelle seines Eigenthums, gegenüber einer ganzen Schaar. Er hatte nichts als sein Recht, und zum Schutze desselben hatte er nichts als seinen Arm und seine Streitaxt. Und doch stand er da, ohne zu bitten, ohne zu feilschen, mit blitzenden Augen, bereit, für sein Recht unter den Streichen der Gewalt zu sterben, aber entschlossen, es sich nicht nehmen zu lassen, so lange noch ein Athemzug seine Brust hob.
Die wilden Reiter empfanden unwillkürlich eine gewisse Achtung vor dem Mann, und bevor Durham überrascht ob der Kühnheit dieser Sprache und Geberde zu einem Entschlüsse kommen konnte, hatte Lucy ihr Pferd zwischen den Offizier und den Häuptling gelenkt, indem sie so die beiden trennte. Noch ein Augenblick, so schwang sie sich leicht zur Erde. Sie that einen Schritt gegen den Häuptling, bog das Knie vor ihm und sprach:
„Gestattet, edler Cean-Cinneth, daß ich in Euch, dem Vater Roberts, meine schuldige Verehrung darbringe."
Der Häuptling stand starr vor diesem unerwarteten Ereigniß. Er ließ geschehen, daß Lucy sich niederbeugte und die Hand küßte, welche die Streitaxt umspannt hielt.
„Was wollt Ihr? Wer seid Ihr? Was wißt Ihr von meinem Sohne?" fragte er endlich überrascht.
„Lucy! Lucy! Du hier!" tönte da plötzlich eine Stimme, und ein junger Ire sprang aus der rasch geöffneten Hausthüre, zu dem gebeugt dastehenden Mädchen, dessen beide Hände er liebkosend ergriff. Sein Gesicht strahlte.
Bei der friedlichen Wendung, welche jetzt die
Oeffentlichkeit rufen, wollen sie nicht gewähren, sondern spekuliren darauf, daß die abhängigen Wähler im Sinne ihrer Brodherren und Vorgesetzten stimmen sollen, auch wenn es gegen ihre Ueberzeugung ist.
O Merkwürdige ZLücher-Kokporteure scheinen in Pommern und Ostpreußen erstanden zu sein. Vor einigen Tagen berichtete ein Stettiner Blatt, daß das Werk von Prof. Onken „Unser Heldenkaiser" dort durch Schutzleute vertrieben werde. Und jetzt erhält ein Berliner Blatt aus Goldap eine Zuschrift, worin e$ heißt: „Genau so geht im Kreise Goldap der Gendarm von einem Bauern zum andern, um Unterschriften zu sammeln. Man unterschreibt allerdings doch mit schwerem Herzen. Die meisten leisten die Unterschrift nur unter einem gewissen Drucke. Man befürchtet eben Unannehmlichkeiten von dem Gendarmen. Wer keine Unterschrift geleistet hat, bei dem findet man, so denken die Leute, ganz sicher bei einer Revision etwas nicht in Ordnung." Da ist Aufklärung dringend nöthig. Der Ertrag aus dem Verkaufe des genannten Werkes ist vermuthlich für die Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche in Berlin bestimmt. Wenn übrigens diese Mittheilung zutrifft, so darf man wohl fragen, ob denn der Gendarm fein Gewerbe im Umherziehen auf Grund eines Wandergewerbescheines ausübt, und wenn nicht, ob gegen ihn auch wegen Vergehens gegen die Gewerbeordnung eingeschritten wird, wie gegen gewöhnliche Gewerbetreibende. Außerdem aber scheint ein entschiedener Ueberfluß an Gendarmen vorhanden zu fein, wenn diese Zeit zu derartigen Gewerbebetrieben finden.
Au» dem Reichstage.
21. Sitzung vom 20. Januar 2 Uhr.
Am Bundesraths-Tische: Graf Posadowsky» v. Podbielski.
Präsident Freiherr v. Anok erbittet und erhält die Ermächtigung, dem Kaiser zu dessen bevorstehenden Geburtstage die Glückwünsche des Reichstages zu über» bringen.
Die zweite Etatsberathungwird beim Reichsamt des Innern fortgesetzt. Die Berathung über den Titel Staatssekretär dauert noch fort. Zu demselben liegen drei Resolutionen vor: 1)vonAbg.Dr.Hitze (Centrum) betreffend die Vorlegung einer Zusammenstellung der erlassenen Verfügungen über die Sonntagsruhe in Betrieben mit Wind und unregelmäßiger Wasserkraft. 2) von Abg. Dr. Pachnicke (freis. Vereinig.) betreffend Beseitigung der Beschränkungen der Koalitionsfreiheit. 3) von Abg. Dr. Lieber (Centrum) betreffend eingehende Berichterstattung über die Beschäftigung ver- heiratheter Frauen in Fabriken, über Umfang, Gründe und Gefahren der Beschäftigung, Möglichkeit, Zweckmäßigkeit und Wege der Beschränkung :c. in den nächsten Jahresberichten der Gewerbe-Ausstchtsbeamten.
Aba. Freiherr v. Stumm (Rp.): Ich kann den Abgg. Pachnicke und Legien darin nicht beistimmen, daß in dem § 153 der Gewerbeordnung gegen Ausschreitungen gegen Arbeitswillige kein Schutz geboten sei. Deshalb ist es durchaus am Platze, weitergehende Bestimmungen vorzubereiten. Das Sozialistengesetz einfach in Wegfall zn bringen, hat sich jedenfalls als ein großer Fehler erwiesen. D is werden die nächsten Wahlen zeigen. De» Sozialdemokraten kommt es vor allem darauf an, die Autorität der Arbeitgeber zu untergraben. Ohne Autorität ist ein regelrechter Betrieb gar nicht denkbar. Hebet die katholischen Arbeitervereine habe ich kein Urtheil, von den evangelischen aber weiß ich, daß ein großer Verhandlung zu nehmen schien, kamen allmählich noch einige andere Männer aus dem Hause zum Vorschein und näherten sich, alle bewaffnet, dem Thore. Jetzt waren es ihrer schon so viele, daß sie wohl den Zugang hätten streitig machen können, zumal man jetzt, an der Mauer lehnend, eine Reihe langer Picken gewahrte, die nur ergriffen zu werven brauchten, um den Reiter» einen schwer zu durchbrechenden Damm entgegen zu stellen.
„Da Du bei der Schaar bist," sagte endlich Robert, „so kann ihre Sendung nur friedlich sein; und so gestatte, Vater, daß Allan Speise und Trank herbeischaffe, um die Reiter zu erquicken. Nicht wahr? Lucy! Dich wollten sie hierher geleiten. Dein Schirm wollten sie sein, und sie sinnen nichts Böses gegen uns!"
„Wollte Gott, ich könnte das seinem vollen Inhalte nach bestätigen," sagte Lucy seufzend. „Aber wir werden einen Ausweg finden, wenn wir nur zur ruhigen Auseinandersetzung kommen."
„Was wollen die fremden Reiter auf unserem Gebiete?" fragte der Häuptling stirnerunzelnd. „Was steckt hinter dem?"
„Edler Cean-Cinneth!" erwiderte Lucy, die Hände faltend, in bittendem Tone; „laßt es mich nicht entgelten, was immer zu Tage treten mag. Ich trage ja keine Schuld daran. Ich verlange nichts, als ein bescheidenes Plätzchen an Euerem Herde, ich will ja nichts, als daß Ihr gestattet. Euer» Sohn. "
„Still, still," unterbrach sie Robert, „das wird sich finden; jetzt nicht, hier nicht, das sage meinem Vater und meiner Mutter. ”