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mit Nnterßaltungs-Meilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung"

Jti. 13.

Julda, Dienstag, den 18. Januar 1898

25. Jahrgang.

□ Nochmals die preußischen Eisenbahuunsälle.

Dis preußische Staatsregierung hat bekannt­lich dem preußischen Abgeordnetenhause eine Denkschrift zugehen lassen „lieber die Be­triebssicherheit aus den preußischen Staatseisenbahnen." Der Titel der Denk­schrift umfaßt auch die Betriebseinrichtungen und den Betriebsdienst. Leider aber liegen die Ver­hältnisse ja so, daß man sich in aller erster Reihe gerade für die Sicherheit des Betriebes interesfirt. Nicht nur der preußische Landtag, sondern das ganze Volk wollen genau Aufschluß darüber haben, wie es kommen konnte, daß im Sommer des letzten Jahres Unglücksfall über Unglücksfall auf den Strecken der preußischen Staatsbahn sich ereignete, und die Ziffer der Verunglückten eine Höhe erreichte wie nie zuvor.

Schon im Sommer des letzten Jahres wurde angekündigt, daß die Verwaltung der preußischen Staatsbahnen eine Denkschrift ausarbeiten werde. Gleichzeitig wurde damals mitgetheilt, daß eine besondere Kommission eingesetzt sei, die eine umfangreiche und eingehende Untersuchung über die Unglückssälle und über die Verhältnisse anstellen sollte, aus denen diese Unglückssälle her­vorgingen. Die Denkschrift ist da, und zwar in lehr umfangreicher Form. Aber wenn man sich die Denkschrift genauer ansieht, so findet man über die Mehrzahl der vorgekommenen Unglücks­fälle keinen genügenden Ausschluß.

Allerdings ist zu erwähnen, daß die Denk­schrift eigentlich nur die Betriebsverhältnisse bis zum Schluffe des Betriebsjahres 1896,97 berück- llchtigt. Aber wenn die Verwaltung der Staats­bahnen diesen Umstand ins Feld führen wil gegen einen Tadel deswegen, daß ungenügender Aufschluß gegeben ist über die Unfälle des letzten Sommers, so könnte man ja die vorliegende Denkschrift noch gar nicht als diejenige au- nehmen, die uns vorher versprochen worden ist. Wir müssen also wohl glauben, daß die Regierung gleiäMtig mit dieser Denkschrift auch Rechenschaft ablegtn wollte über die vielen Un­glücksfälle im Sommer des Jahres 1897. Und diese Rechenschaft ist, wir wiederholen es, un­genügend ausgefallen.

Sehr ausführliche Mittheilungen bringt die Denkschrift über allerhand Anordnungen der Leitung der Staatsbahnen, in alter und "euer Zeit. Das sieht weniger nach einer Rechen­schaft aus, die gegeben werden soll, als vielmehr nach einem Streben, den Leser der Denkschrift vor der Großartigkeit der Leitung der Staats­bahnen in den Staub sinken zu lassen. Niemand wird bestreiten wollen, daß viele von diesen Ver­ordnungen sehr gut waren. Aber noch weniger Glück wird die preußische Staatsbahn damit haben, wenn sie mit diesem Eigenlobe die Beun­ruhigungen beseitigen will, die aus den Un­fällen von 1897 entstanden sind, aus der Eisen­bahnseuche des letzten Sommers, Noch weniger beweiskräftig sind die umständlichen Ausführungen der Denkschrift darüber, daß es andere Eisen­bahnen gibt, die noch mehr Unglückssällehaben. Und lhatsachlich gibt die Denkschrift auch an einer versteckten Stelle zu, daß die Betriebsunfälle im

Sommer 1897 eine ganz bedenkliche Höhe er­reichten, wie sie in Preußen noch nie er­reicht worden ist und auch anderwärts nicht so leicht erreicht wird. Woher das kam, darüber schweigt die Denkschrift.

Ebenso schweigt die Denkschrift vollständig über die Ergebnisse, die die zur Untersuchung der Unglücksfälle eingesetzte besondere Kommission etwa erzielt hat. Im Gegentheil: die Denkschri t stellte sich auf den hochmüthigen bureaukratischen Standpunkt, daß diejenigen nichts von der Sache verstehen, die die Betriebsleitungen der preußischen Staatsbahnen in ursächlichen Zusammenhang bringen mit den Unfällen des letzten Sommers. Daß die Denkschrift auf diesen Standpunkt sich stellt, geht aus dem Schlußworte der Schrift hervor. Dort steht wörtlich zu lesen: „Sie (die Staatseffenbahnverwaltung) gibt sich der Hoffnung hin, daß die Ausführungen der Denkschrift dazu beitragen werden, Beunruhigung und Vorur- theile zu zerstreuen, welche auf mangelnder Kenntniß der Dinge beruhen."

Im Ganzen genommen erzählt uns die Denk­schrift vieles vortreffliche von den preußischen Staatseisenbahnen. Und in der That hat ja noch Niemand daran gezweifelt, daß der Betrieb der preußischen Bahnen auch manche gute Seiten hat. Der Kernpunkt aber, eine ganz klare Dar­stellung der Ursachen der vielen Eisenbahnunfälle in neuester Zeit bleibt unberührt.

Kommt es der Verwaltung der preußischen Staatsbahnen wirklich darauf an, das Volk über die Sicherheit ihres Betriebes zu beruhigen, so müssen ihre Vertreter im preußischen Abge­ordnetenhause vom Regierungstische aus das nach ho len, was die Denkschrift an Aufklärung versäumt hat.

Umschwung in Ostasien.

Erst stellte England sich an, als sei es bitter­böse auf Deutschland, daß dieses an der Bucht von Kiaotjchau sich festsetzte. Und gar das Zaren­reich schien Großbritanniens höchsten Zorn erweckt zu haben, so daß manche unter den englischen Hetzblättern die Sache so darstellten, als sei es vor der Halbinsel Korea und Port Arthur gar nicht mehr weit von dem Schlachtendonner der Geschütze.

Vor vierzig oder fünfzig Jahren hätte diese Tonart von London her tiefen Eindruck gemacht. Aber jetzt sind die Zeiten vorbei, wo Britannien ganz allein die Wogen beherrscht. Und da nun die Engländer einsahen, daß mit Herausforder­ungen hier nichts erreicht wurde, hat die Ton­art umgeschlagen: sie ist auf einmal fried­lich geworden Deutschland gegenüber, sogar beinahe freundschaftlich. Fürst Bismarck if im Allgemeinen, wie man weiß, niemals ein be­sonderer Verehrer der Engländer und englischen Wesens gewesen. Aber worin die Engländer stark sind, das wußte er wohl. Er äußerte seine Meinung darüber einmal im Reichstage: „Den Engländern mögen Sie vorwerfen, was Sie wollen; ober dumm in Handelssachen sind sie nicht; man läuft Gefahr, selbst dem Vorwurf zu verfallen, wenn man ihn den Engländern macht."

Diese Klugheit in Handelssachen hat sich jetzt

von Neuem bewiesen. Es tauchte die Möglich­keit auf, die große Anleihe, die China machen will, in Gemeinschaft zwischen Deutsch­land und England abzuschließen. Und die Vor­theile eines solchen gemeinschaftlichen Handelns haben die schlauen Briten sofort eingesehen. Selbst diejenigen englischen Blätter, die sich immer ein Vergnügen daraus machen, Deutschland eins am Zeuge zu flicken, jetzt aber ganz besonders gegen Deutschland loszogen, sind im Augenblick ganz artig geworden. Noch ist zwar der Abschluß der Anleihe zwischen China auf der einen, un । England auf der anderen Seite nicht vollau gesichert, aber alle Umstände sprechen dafür, daß es zu einem solchen Abschlüsse kommen wird.

Ein solcher Abschluß würde eine große wirth- schaftliche Bedeutung haben. Zunächst würde alsdann die Anleihe gemeinsam durch englisches und deutsches Geld unmittelbar unter der Ein­wirkung der beiden Regierungen begeben werden, und daraus würde ein wirthschastlicher Zusammenhang entstehen, der für lange Dauer eine Bürgschaft fein würde für die friedlich ein­wirkende Jntereffengemeinschaft beider Länder auf bereit Haltung in ostasiatischen Dingen überhaupt.

Außerdem aber würde eine solche Lösung der Anleihenfrage für Deutschlands wirthschaft- liche Interessen im besonderen von großem Vortheile sein. Wenn Deutschland dem chinesischen Reich Geldmittel, und dadurch die Möglichkeit gewährt, Verbesserungen durchzuführen, und da­durch die eigene Leistungsfähigkeit zu heben, bann kann es auf G-gendienpe rechnen, gleichgiltig, ob solche ausdrücklich ausbedungen sind, oder nicht. Und hier in diesem Falle brauchen wir nicht zu zweifeln daran, daß das Verhältniß von Diensten und Gegendiensten sehr klar geregelt wird. Und die Gegendienste werden alsdann dem deutschen Unternehmungsgeiste zu Gute kommen.

Jede Art der Weltpolitik befehden wir so lange, als es sich um eine Politik handelt, die allein auf die Hebung des äußeren Ansehens be­dacht ist, auf bas Prestige, wenn man dieses Fremdwort besser verständlich findet. Denn eine solche Renommirpolitik bringt nur Feinde, ohne Freunde zu schaffen und ohne greifbaren Nutzen zu gewähren. Wenn aber Alles ohne Erweckung von Feindschaft abgeht, und die Möglichkeit großer wirthschastlicher Vortheile uns erschlossen wird, dann ändert sich das Bild. Dann kann man sich mit einer solchen Politik recht wohl befreunden, noch mehr, man muß sie nothgedrungen unter­stützen int Interesse des eigenen Landes. Und darüber kann keinen Augenblick lang ein Zweifel herrschen: China birgt sehr große Schätze, von denen man gegenwärtig noch sehr unklare Vor­stellungen hat. Das Riesenland war bisher aller Außenwelt verschlossen. Eisenbahnen hat das Land noch nicht, oder doch erst die allerersten Anfänge davon, denn im ganzen chinesischen Reich sind erst 255 Kilometer Eisenbahn im Betriebe. Da können zunächst deutsche und englische Werke gemeinsam auf lange Zeit hinaus ein großes Feld der Thätigkeit finden int chinesi'chen Eisen- bahnbau. Und gleichzeitig mit dem Bahnbau erschließt sich das Land dem Handel.

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« Sn lrtzlk fiiiiipHina eon füllimmj.

Eine historische Erzählung von Philipp Wasserburg (Laicus).

28 ------ (Nachdruck verboten.)

Lady Fitzgerald schob die Ersten hinweg, die Anderen machten ihr schweigend Platz, und sie stand angesichts i'Ms Gemahls, der mit bleichen Lippen und geschloffenen Augen auf einem Lager ausgestreckt war, welches man von Sffseln und Bänken, so gut es eben ging, rasch hergerichtet batte. Die Kleidung des Oberkörpers war auf- geschnitten und, die Brust entblößt, so daß man eine breite klaffende Wunde sah, an welcher der Regiments,- Feldscheer eben beschäftigt war, das "och langsam heroordringende Blut wegzuwaschen.

„Francis!"

„Vater!"

Der Chirurg trat zurück, um Platz zu machen.

„Seid Ihr fertig?" fragte ihn einer der An­wesenden flüsternd.

^Der Chirurg zuckte die Achseln. „Es wird sogleich geschehen sein."

Bei den schmerzlichen Ausbrüchen seiner Gc- wahlin und Tochter schlug Sir Francis nochmals Sie Augen auf.

»Laß Dich in den Besitz einweifen, Angela," stammelte er kaum hörbar. „Es ist wegen Lucy. Lebt wohl, ihr Lieben!" Er erhob schwer seine Hand, welche, von gleichem Antriebe ersaßt, Ge- wahlin und Tochter ergriffen. „Ich fühle mich Achter .... Hebt mich ein wenig!" Einige ,et Umstehenden schoben ihm ein Polster unter, 1° daß er fast zu sitzen schien/ „So; ich atue .... Wenn ich nur wüßte, ob's eine

Ewigkeit gäbe .... Dann hätte ich doch die Genugthuung .... es wird mir dunkel . . . Laß Dich einweisen in den Besitz .... Lebt wohl . ... die Genugthuung, diesen'wüthenden Narren vom Teufel holen zu sehen! ...."'

Er sprach noch Einiges, was aber Niemand mehr verstand. Lady Fitzgerald und Lucy fühl­ten, wie die in der ihrigen ruhende Hand Francis' tarr wurde; der Kopf fiel über das Polster zu­rück. Der Baronet war tobt.-----

Der Abmarsch wurde noch um einen Tag ver- choben, weil das Regiment der Leiche des Sir Francis die seinem Range als Oberst gebührenden letzten Ehren erweisen mußte. Ein Reitender wurde mit einer Meldung über den Vorgang an )en Obergeneral Cromwell gesandt, damit der- elbe eine Untersuchung eröffne.

Die rasche That hatte ihren Grund in der anatischen Wildheit des Einen und der Spoltsucht des Andern. Schon von Hause aus war Harrison nicht gut auf Fitzgerald zu sprechen, den er des Inglaubens beschuldigte und jeglichen Verrathes an der Armee der Heiligen fähig hielt, wenn das einem Vortheile entspräche. Anderseits war Fitz­gerald mit dem wilden Auftreten Harrison's nicht einverstanden, allerdings aus keinem andern Grunde, als weil das feinen Intei essen zuwiderlief.

Bei so bewandten Umständen war ihm der Befehl, die dreiundzwanzig gefangenen Irländer längen zu lassen, sehr unsympathisch. Allein er 'onnte nichts dagegen ausrichten, da Harrison der kommandirende Offizier war. Erst wenn das Detachement in Kilkenny sich vom Regimente trennte, stand ihm kraft seines Ranges der Ober­

besehl über dasselbe zu. Einige leise Anspielungen blieben, wie wir gesehen, unbeachtet, und der Aerger darüber ließ ihn zu seiner gewöhnlichen Waffe des Spottes greifen, während der bereits genoffene Punsch seine Vernunft so weit benebelt hatte, daß sie den richtigen Zügel verlor. Ein Wort gab das andere, die religiösen Gewohnheiten des Obersten Harrison wurden in Mitleidenschaft gezogrn, und als endlich Sir Francis unter ganz unverkennbarer Bezugnahme auf Harrison ein Hoch ausbrachte aus unseres Herrgottes lustigen Rath aus Erden, that der letztere diesem Hoch damit Bescheid, daß er von dem Tische ein Messer nahm und es dem ihm gegenüber Sitzenden in die Brust ließ. Das war der Hergang der unglücklichen Geschichte.

Nach der Beerdigung berieth sich Lady Fitz­gerald mit ihrem Vetter Sir Harry Hungry über das, was jetzt zu thun sei. In ihrer gegenwär­tigen Stimmung wäre Lady Fitzgerald mit ihrer Tochter nm liebsten wieder umgekehrt, um sich in ihrem heimathlichen Schlosse von jedem Umgänge abzuschließen. Ein großer Schmerz verlangt im Anfänge nach Einsamkeit und läßt nur diejenigen zu, welche ihn gemeinsam zu tragen haben.

Sir Harry theilte diesen.Schmerz nicht. Er ‘onnte ihn allerdings beurtheilen, aber so jnahe iand Sir Francis seinem Herzen Jiicht; vor der Berheirathung Fitzgerald'» mit seiner Base hatte er den ersteren gar nicht und nachher,nur sehr eiten gesehen. Er behielt also vollständig kühle Besinnung, um seiner Base rathen zu können.

Seiner Ansicht nach mußte sie thatsächlichen Besitz von den Gütern ergreifen, welche ihr von dem englischen Parlamente als Ersatz für die

Kurz und gut: so sehr wir alle und jede Weltpolitik verdammen, die planlos, abenteuerlich in die Ferne schweift, hier in diesem Falle können wir dem, was bisher geschah, unseren Beifall zollen. Das schließt nicht aus, daß Parlament und Presse auch in Zukunft mit scharfem Auge darauf achten, daß aus dem klug und maßvoll begonnenen Werke nicht noch nachträglich Aben­teuer sich entwickeln.

Deutsches Deich.

Berlin, 17. Januar.

* Die ,Nat. Allg. Ztg.' bezeichnet die Nach­richt englischer Blätter, daß ein Besuch des Kaisers iu Korves für den kommenden Sommer mit der englischen Königsfamilie verabredet worden fei, als ihrem ganzen Inhalt nach auf für eine Erfindung beruhend. Warum fo scharf?

* Das Bräfidium des Landtages wurde vom Kaiser am Sonntag in Audienz empfangen. Die Unterhaltung des Koffers war eine sehr freundliche. lieber die Geschäftsführung des früheren Präsidenten des Abgeordnetenhauses, v. Köller, sowie über die Thätigkeit des Ab­geordnetenhauses sprach sich der Kaiser sehr an­erkennend aus. Politische Themata wurden nicht berührt.

* Die Keukrumsfrakttou des Beichstags und des Abgeordnetenhauses vereinigten sich heute, als am Todestage Windthor sts, im Kaiser­hofe zu einem dem Gedächtniß ihres verstorbenen großen Führers gewidmeten Mahle.

X Der vertrauliche Krkatz des Staats­sekretärs Grafen v. Bosadorvsky wird von der ,Norddeutschen Allgemeinen Zeitung' ohne weitere Bemerkung abgedruckt, und es wird somit kundgegeben, daß der Wortlaut des Schriftstückes vom ,Vorwärts' richtig mitgetheilt war. Beifall findet das Schriftstück nur in konservativen Blättern, so besonders in der,Post' des Frhrn. von Stumm und in der ,Kreuzzeitung'. Aber schon die Stöcker'sche Zeitung,Das Volk' ist von dem Erlaß nichts weniger als erbaut. „Mit diesen neuen Tffteleien" — so schreibt ,Das Volk' — „wird man gar nichts erreichen, als die Ver­schärfung des Guerilla-Krieges zwischen Polizei und Sozialdemokratie. Wir Christlich-Sozialen wollen von diesen Kunststücken des Bureaukratis- mus ebenso wenig wissen, wie von allen seinen kleinlichen Rezepten, die man jetzt von rechts her zur Reform des allgemeinen Wahlrechts vor­schreibt." Die,Germania' bemerkt: „Hoffentlich ist der Allarmschuß noch rechtzeitig genug gefallen, um eine Ueberrumpelung nach Art des Stumm'schen kleinen Sozialistengesetzes zu verhindern."

* München, 17. Jan. Die bayerische Kammer der Reichsräthe hatte am letzten Sonnabend einen interessanten Tag. Die ver­handelten Gegenstände an sich verdienen das all­gemeine Interesse, und dieses wurde noch dadurch erhöht, daß der Thronfolger Prinz Lud­wig zweimal selbst in die Debatte eingriff. ES bandelte sich namentlich um Korrektionen von Flußläufen und um Kanalbauten. Prinz Ludwig gilt allgemein und das mit Recht als ein be­sonderer Kenner und Förderer der Laudwirth- schaft und ist auch von den Nur-Agrariern schon iiiiiwii iiji .1 iui 11 ii i rin i i iii uni »iiii, iHin in■wm geleisteten Kriegssteuern bewilligt worden waren. That sie das nicht, so wurde in den unruhigen Zeiten der ganze Besitz zweifelhaft, während über die Tilgung der Schuld des Parlaments an sie und die Verschuldung ihrer Güter ander schottischen Grenze kein Zweifel übrig blieb; das war alle- wohloerbriest. Jetzt war die englische Regierung bereit, sie einzusetzen und unter den vorliegenden Umständen war es sicherlich das klügste, nicht auf jalbem Wege stehen zu bleiben, sondern den an- gefangenen Plan zu vollenden. Von diesen Er­wägungen war auch der letzte Wunsch des Sterbenden geleitet; und namentlich der Hinweis auf diesen Imstand bestimmte sie, das immerhin abenteuer« iche Wagniß zu unternehmen und sich unter militärischem Geleite das ihrem Gemahl vom Parlamente zugesicherte Gebiet überweisen zu lassen.

Allerdings regte sich dabei einigermaßen ihr Gewissen. Ihr Gemahl hatte sich über die Thctt- ache, daß das englische Parlament ihm etwas iberwies, was demselben gar nicht gehörte, hinaus­gesetzt.

Das Gewissen seiner Gemahlin war nun aller­dings nicht ganz fo weit. Aber in nichts ist der Mensch so erfinderisch, als in Gründen ein mahnen­des Gewissen in's Unrecht zu setzen. Kein Wunder! Die ganze Hölle hilft ihm dabei. So fand sie )enn bald, daß es eigentlich gar nicht ihre Sache ei, das Recht des Parlamentes zu untersuchen. Das Parlament müsse wissen, ob es zu einer olchen Uebertragung berechtigt sei. Damit war ihr Gewissen vollständig beruhigt.

Miß Lucy dachte gar nichts, als wie es doch änderbar sei, daß die Welt ihren- gewöhnliche