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M 12. JuLda, Montag, den 17. Januar 1898 25. Jahrgang.
X ZumKoaliüonsrecht der Arbeiter.
Dem Berliner sozialdemokratischen Centralorgan ,Vorwärts' hat der Wind wieder einmal ein Blättchen auf den Schreibtisch geweht. Von unbekannter Hand, wie der ,Vorwärts' behauptet, ist ihm ein vertraulicher Erlaß des Reichskanzlers, genau gesagt, des Staatssekretärs Grafen v. Po- sadowsky in Vertretung des Reichskanzlers, zugesandt worden. Dieser Erlaß beschäftigt sich namentlich mit der Frage, ob es sich empfehle, bei Arbeiter-Ausständen den arbeitswilligen Personen einen kräftigeren Schutz als bisher zu leihen gegen Vergewaltigung und Einschüchterung durch die Ausständigen oder andere Personen, die für diese eintreten. In dem vertraulichen Runderlasse ist dies so ausgedrückt: „In letzrer Zeit ist . . . die Frage lebhaft erörtert worden, ob nicht angesichts der durch die Abeiterbewegung der letzten Zeit gelieferten Erfahrungen von der Gesetzgebung ein erhöhter Schutz gegen Miß- brauch der durch § 152 der Gewerbeordnung gewährleisteten Koalitionsfreiheit zu verlangen sei." Hierüber werden Erhebungen gewünscht. Insbesondere wird gefragt, ob „ein Bedürfniß danach besteht, bei Ausständen arbeitswillige Personen gegen den Terrorismus der Ausständigen und Agitatoren besser zu schützen, als seither, und diejenigen zu strafen, die andere von der Arbeit dadurch abhalten wollen, daß sie Posten ausstellen, Arbeitsstätten überwachen, Arbeitswillige belästigen und ihnen das Arbeits- geräth rechtswidrig vorhalten oder beiseite schaffen." Der Reichskanzler „sieht den Ergebnissen der Erhebungen so rechtzeitig entgegen, daß nöthigenfalls die weiteren Verhandlungen früh genug abgeschloffen werden können, um dem Reichstag bei seinem nächsten Zusammentreten eine neue Vorlage machen zu können."
Der Erlaß ist, wenn er echt ist, sehr beachtens- werth. Und es liegt kein Grund dafür vor, seine Echtheit zu bezweifeln. Der Erlaß kennzeichnet in hohem Grade die veränderte Art und Weise in der Beurtheilung solcher Koalitionsfragen der Arbeiter bei den leitenden Berliner Regierungskreisen, und man kann nur ein lebhaftes Bedauern' dafür haben, daß diese Veränderung in der Beurtheilung solcher Fragen eingetreten ist. Daß oft bei Ausstandsbewegungen von Arbeitern Dinge vorkommen, die bester nicht vorkommen sollten, ist gewiß wahr. Und wenn Leute, die vollkommen aus freiem Willen und Entschluste arbeiten wollen, auf gewaltsame Weise an der Ausübung dieses Entschlusses gehindert werden, so ist dies gewiß zu tadeln. Aber wir können durchaus nicht einsehen, daß es bei uns in Deutschland nothwendig sein sollte, gegen solche verhältnißmäßig kleine Uebelstände gleich mit dem schweren Geschütze eines Reichsgesetzes vorzugehen.
Die Unternehmer bilden ungehindert Ringe, Syndikate und richten für sich Versicherungen ein gegen die Betriebsschädiaungen, die durch Arbeitseinstelluugen entstehen; ja noch mehr, vielfach haben die Unternehmer unter einander Verabredungen getroffen, daß Arbeiter, die in einer Branche ausständig waren, auch in anderen Gewerbszweigen keine Beschäftigung finden. Dem gegenüber bildet des Arbeiters einzige Waffe die
* Str letzte Häuptling m Ällmney.
Eine historische Erzählung
von Philipp Wasserburg (Laicus).
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Hauptmann Macdonald, der heute den Tagsdienst hatte und darum dem Bankette nicht anwohnte, trat ein, meldete sich bei dem Obersten und fragte, was mit den dreiundzwanzig gefangenen Irländem angefangen werden sollte, die sie bei ihren Fouragirzügen ohne eigentlich erkennbaren Grund eingebracht, und die nun im Thurme lagen.
„Laß sie draußen vor der Mauer hängen: Einen neben den andern," antwortete der Oberst kalt.
„Was haben denn eigentlich die armen Teufel gethan?" fragte Sir Francis.
„Sie sind Madianiter und Edomiter, verruchte Götzendiener und Anbeter des Antichrist. Als Israel in das gelobte Land einzog, da reinigte es dasselbe von allem Götzendienst nicht bloß mit Feuer, sondern auch mit Blut zum Wohlgefallen Gottes; und wenn die Israeliten sich mit den Frauen der Heiden einließen, da zürnte Gott, und gab sie in die Gewalt derselben."
„So! Also Bruder Josua, Du läßt die dreiundzwanzig aushängen, um unserem Herrgott ein Vergnügen zu bereiten!"
Ein Blitz schoß aus den glühenden Augen des Obersten, um welchen sich aber Sir Francis in der Punschlaune nicht kümmerte. Er lehnte sich in seinen Sessel zurück, ergriff den vor ihm stehenden Becher und leerte ihn auf einen Zug. Wenn er irgend ein Mißfallen an der Maffen-
Koalitionsfreiheit, und bei der gesammten Arbeiterschaft müßte es große Erbitterung erzeugen, wenn die Regierung wirklich diese Freiheit beschneiden wollte.
Deutsches Keich.
Berlin, 15. Januar.
* Am Freitag nach der Sitzung des Reichstages trat der Gesammtvorstand desselben zusammen und beschloß, den Geönrtslag des Kaisers durch ein Festmahl am 27. Januar in der großen Kuppelhalle des Reichstages zu begehen.
* Die Iteöerstedekttttg des Koses vom Neuen Palms bei Potsdam nach Berlin sollte nach anfänglicher Bestimmung heute stattfinden. Aus Rücksicht auf das Befinden der Kaiserin ist die Uebersiedelung um weitere acht Tage verschoben worden.
* Das preußische Staatsnrimsteriurn hat heute unter dem Vorsitze des Ministerpräsidenten Fürsten Hohenlohe eine Sitzung abgehalten.
* Das deutsche Geschwader, das unter dem Befehle des Prinzen Heinrich nach Ostasien segelt, hat heute Morgen die Insel Perim passirt. In amtlich beeinflußter Meldung wird darauf hingewiesen, daß das Auftreten des Prinzen Heinrich in Ostasien den ausgesprochenen Charakter einer Friedeskundgebung tragen soll. Der Vizekönig Li Hung Tschang ist beauftragt worden, den Prinzen Heinrich im Namen des Kaisers von China zu empfangen und nach Peking zu geleiten. Prinz Heinrich ist der ,Kreuzztg.' zufolge der Ueberbringer eines Geschenkes des deutschen Kaisers an den Kaiser von China. Als der Prinz auszog, klangen die Saiten gerade nicht, als wolle er dem Kaiser von China Geschenke bringen.
X Zur Ikottenvorlage bringt das leitende Organ des württembergischen Centrums, das ,Deutsche Volksblatt' in Stuttgart, einen mit G. unterzeichneten Artikel, der sehr beachtenswerth ist. Es heißt darin: „Die Stellung des Centrums hat am klarsten Freiherr v. Hertling in seiner Memminger Rede gezeichnet. Er präzifirte seine Stellung dahin: Keine neue Anspannung der Steuerkraft, keine indirekten und keine direkten Steuern, keine Schmälerung des ohnehin schmalen Rechtes des Reichstages. Wir glauben sagen zu dürfen, daß das die Anschauung des gesammten Centrums ist, Dr. Lieber nicht ausgeschlossen. Wenn wir die gegenwärtige Situation betrachten, so wird jeder vorurtheilsfreie Politiker mit uns eins sein, daß wir an einer Vermehrung unserer Flotte wohl kaum vorbeikommen, und wir sagen dies trotz der von der linken Seite sich gegen diesen Satz wendenden Agitation. Es kann sich also nur um die beiden Fragen des Umfangs der Vermehrung und der Deckung der Kosten handeln. Eine Vermehrung der großen Panzer scheint uns gefährlich. Gerade gegen diese werden die Worte „Paradeschiffe" stets gebraucht. Der Kreuzerflotte harren in Zukunft auch viel größere Aufgaben, als der großen Schiffskolosse, deren „Typ" so rasch ändert; die Kreuzer sind bedeutend billiger als Panzer, wenn
Hinrichtung hatte, so wurde das durch den Trunk hinweggeschwemmt. Als er seinen Becher wieder auf den Tisch setzte, war er ruhig, und um seine Mundwinkel spielte wieder der Zug, der seinem Gesichte einen höhnischen, oder besser gesagt, einen verhöhnenden Ausdruck gab.
Lady Fitzgerald und ihre Tochter saßen unterdessen in einem fernen Erkerzimmer in einer lauschigen Ecke. Das Getümmel des Gelages tönte nur von ferne hierher, und draußen lag die stille mondbeglänzte Gegend.
„Es kommen mir sonderbare Bedenken, Mutter," sagte Miß Lucy nach einem langen Schweigen. „Es will mir bedünken, als ob das, was hier im Manien Englands geschieht, nicht Recht ist."
„Der Krieg ist ein furchtbares Uebel," erwiderte Lady Fitzgerald, „und hält sich nicht in den Schranken des Rechten. So war's von Alters her, und Jedermann besitzt das, was seine Vorfahren mit Gewalt erstritten haben. Der Krieg ist das älteste Recht."
„Nie, nie, Mutter!" fiel Lucy hastig ein. „Der Krieg ist das älteste Unrecht. Ich habe mit Robert O'Drentor manchmal darüber gesprochen ; und er meint, England habe kein Recht auf eine Scholle dieses Landes."
„Das glaube ich," entgegnete Lady Fitzgerald lächelnd, „er ist ein Irländer. Ob das aber richtig ist, das werden wir nie ergründen. Das mag das Parlament ausmachen. Zumal für uns Frauen . . ."
„Und doch möcht' ich wissen, wer Recht hat," bemerkte Lucy sinnend. „Wir treten einen großen
sie auch für Paradezwecke nicht so tauglich sind. Eine mit der Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes und den absoluten Bedürfnissen Hand in Hand gehende Vermehrung der Kreuzerflotte wird nicht kurzer Hand abgewiesen werden können. An die Zustimmung des Centrums zur Vermehrung der Hochseepanzerflotte ist hingegen solange nicht zu denken, bis überzeugend nachgewiesen sein würde, daß die deutsche Ost- und Nordseeküste " bisher nicht ausreichend vertheidigt war. So behält sich das Centrum also eingehende Prüfung der Flottenvorlage vor, seine endgiltige Stellungnahme kann jedenfalls kaum vor Ende der Kom- missionsberathung gegeben werden. In allererster Linie ist ein Septennat unbedingt zu verwerfen. Nach unserer Auffassung kann ein solches rechtlich nicht bindend gemacht werden, und die moralische Bindung ist der Natur der Sache nach hinfällig. Es ist ein verwegenes Spiel der Volkspartei und des Freisinns, gerade die Marinevorlage auszuwählen, um an ihr die „oppositionelle Kraft" zu zeigen. Es wäre viel vernünftiger, die beiden Parteien würden in derselben sachlichen Weise, wie das Centrum, prüfen und feststellen, was bewilligt werden muß und bewilligt werden kann."
O Dem preußischen Abgeordnetenhause ist nunmehr der Entwurf des Komplaöikitäts- Gesetzes (Gesetzes über Feststellung des Staatshaushaltes) zugegangen. „Der Entwurf", so wird in der allgemeinen Begründung ausgeführt, „bezweckt die gesetzliche Festlegung von Grundsätzen, welche für die Veranschlagung, Führung und Kontrolle des Staatshaushaltes maßgebend sein sollen. . . Der Entwurf. .. beabsichtigt lediglich, in den für seinen Bereich in Betracht kommenden Beziehungen gesetzliche Normen für die Ausführung und Ausgestaltung des bestehenden Rechtes im einzelnen aufzustellen und dadurch zugleich mannigfache.. . Meinungsverschiedenheiten zwischen der Oberrechnungskammer und den einzelnen Ressorts oder dem Landtage und der Staatsregierung zu beseitigen . . ." Wenn diese allgemeine Begründung an einer anderen Stelle sagt, daß die Vorlage eines Staatshaushalts- Gesetzes mehrfach vom preußischen Landtage beantragt worden sei, so hat sie damit wohl recht. Aber wenn es sich dabei „lediglich" um die Regelung einiger bureaukratischen Förmlichkeiten handeln soll, so ist das nicht der Gesetzentwurf in dem Sinne, in dem er wiederholt im Landtage gewünscht worden ist. Da war doch erheblich mehr verstanden worden unter dem Begriffe eines Staatshaushalts-Gesetzes.
h Material für die lex Kerntze liefert ein Vorgang, der in Worms sich abgespielt und in diesen Tagen auch das Reichsgericht beschäftigt hat. Das Landgericht Mainz hatte am 22. Oktober v. I. die Wittwe Elisabeth Naumann in Worms wegen Kuppelei zu Gefäng- niß verurtheilt. Sie bewohnte ein ganzes Haus und vermiethete Zimmer für monatlich 25 Mark an Offiziere. Wie festgestellt, duldete sie, daß die Offiziere Abends Frauenzimmer mitbrachten und oft tagelang dort behielten. Eines diefer Frauenzimmer hat sogar aus dem Fenster einem Lieutenant zugerufen, sie sei gerade allein, er solle heraufkommen. Das Gericht hat als erwiesen
Länderbesitz an, den das Parlament uns überwiesen hat. Darf das Parlament das?"
„Vater hat es aber bezahlt!"
„Wem? Seinem Eigenthümer? Das ist die Frage. Mich bedrückt das. Siehe, Mutter, wir sind von Lügen umgeben. Das Parlament lügt. Ich habe den Beweis."
„Wie meinst Du das? Lucy!"
„Haben nicht Erlasse des Parlaments die Päpstlichen für Götzendiener erklärt? Wurden sie nicht geächtet, wie Räuber und Mörder, und ihre Priester hat man zu Tode gefoltert."
„Aber Kind! Was kümmerst Du Dich um solche Dinge? Das ist heute gefährlich!"
„Wehe uns, daß es so ist. Und ist etwa Robert O'Drentor ein Götzendiener? Ich habe außer ihm noch keinen Katholiken kennen gelernt; aber an ihm hab' ich den großen Unterschied erkannt, der zwischen der Kirche des Papstes und den Sekten des Parlaments besteht."
„Um Gotteswillen, Lucy," erwiderte ihre Mutter erschrocken; „laß solche Gedanken nicht andere hören. Zum Ersten weißt Du ja nicht, ob das wahr ist . . ."
„Er hat's ja gesagt," unterbrach Lucy ihre Mutter.
„Wer?" fragte diese unwillkürlich.
„Robert O'Drentor," erwiderte Lucy in einem Tone, als ob sie darüber erstaunt sei, daß man so etwas nur fragen könne.
„So!" meinte Lady Fitzgerald halb für sich. „Robert O'Drentor!" Und weil er es gejagt hat, darum isi's wahr! Da ist kein Zweifel mehr zulässig und eines weiteren Beweises bedarf es nicht? Auf die Rechtstitel Englands auf Jr-
angesehen, daß die Angeklagte dieses Treiben gekannt und geduldet, also der Unzucht gewohnheitsmäßig Vorschub geleistet hat. In ihrer Revision vor dem Reichsgerichte machte die Angeklagte nur Einwendungen gegen die unanfechtbaren thatsäch- lichen Feststellungen. Das Reichsgericht erkannte deshalb auf Verwerfung des Revisionsmittels.
h Von Anfang an haben wir in der Angelegenheit des Disziplinarverfahrens gegen den ehemaligen KriminalkommissN: v. Gausch unserer Ansicht darin Ausdruck gegeben, daß der Vertreter der Anklage unbedingt Berufung gegen das Urtheil beim Staatsminlsterium einlegen müßte, denn sonst würde er sich der Gefahr der Mißdeutung seiner Handlungsweise in weiten Volkskreisen aussetzen. Einige Tage hindurch schien es, als solle diese Berufung nicht erfolgen. Aber man hat sich eines Besseren besonnen, und nunmehr ist die Berufung der Staatsanwaltschaft erfolgt. Nachdem im Disziplinarverfahren ergangenen Urtheile soll v. Tausch nur in ein anderes Amt mit gleichem Range versetzt werden, und nur der sonst üblichen Umzugskosten verlustig gehen, sowie die Kosten des Verfahrens tragen.
* Deutschland, England und Oesterreich haben Belgiens Einladung zur Zucker- Konferenz angenommen.
X Der ,Reichs- und Staatsanzeiger' theilt mit, daß in der nächsten Zeit über die Maßregeln zur Verbesserung der Kochwasservertzättnisse im Hderstrorngeöiele ein ausführliches Gutachten abgegeben werden wird von dem Ausschüsse zur Untersuchung der Wasserverhältnisse in den Flußgebieten, die der Ueberschwemmungsgefahr besonders ausgesetzt sind. Natürlich liegen die Verhält risse in den einzelnen Stromgebieten verschieden, so daß für die verschiedenen Stromgebiete auch verschiedene Maßregeln in Anwendung kommen müssen. „Hoffentlich" — so schließt die Mittheilung des amtlichen Blattes — „wird dieses Gutachten in Kürze der Staatsregierung vorgelegt werden können." Hoffentlich — besser klänge hier das Wörtchen: sicherlich. Der Antrag, den der Herzog von Ratibor im preußischen Herrenhause über die Beseitigung der Hochwassergefahr in Schlesien eingebracht hat, beweist recht deutlich, daß man auch den hochloyalen und hochkonservativen Verheißungen des Herzogs und der Staatsregierung, daß diese hochwichtige Angelegenheit nicht wieder verschleppt werden solle, doch kein rechtes Vertrauen schenkt. Diese Thatsache bleibt bestehen, trotz der Versicherung, die der Herzog im Herrenhause gab, daß der Antrag keine Mißtrauenskundgebung gegen die Regierung vorstellen solle. Denn zwischen unmittelbarem Mißtrauen und Vertrauen liegt noch manches andere in der Mitte.
* Ueber den Stand des engkiscyerrMafchrnett- öaner - Streiks treffen verschiedene Meldungen ein, die einander widersprechen. Aus Manchester wird berichtet, daß die Maschinenarbeiter in London ihre Forderung einer wöchentlichen Arbeitszeit von 48 Stunden zurückgezogen haben. Wenn diese Angabe wahr wäre, würde die Niederlage der Maschinenbauarbeiter besiegelt sein. Gleichzeitig aber wird von anderer Seite dieser Meldung widersprochen.
land verstehe ich mich nicht. Aber das Herz meines Kindes kenne ich bis in feine tiefsten Falten. Lucy, dieser Robert O'Drentor steht Deinem Herzen näher, als es für Deine Ruhe gut ist."
„Warum? Mutter!" fragte Lucy verwirrt. „Robert O'Drentor hat auf Geraldcastle häufig mit uns verkehrt; ich schätze ihn hoch . .
„Suche ihn zu vergessen. Ich habe das gefürchtet."
„Ich verstehe Dich nicht, Mutter," sagte Lucy stammelnd; doch die hohe Röthr ihres Gesichtes bewies, daß sie trotzdem recht gut verstanden habe, was ihre Mutter meinte. „Sieh', was geht da vor? Welch' ein eigenthümlicher Zug ist das?"
Die Mutter blickte hinaus.
Ein kleiner Zug hatte das Schloß verlassen und kam eben durch das Lager. Voran gingen einige Dragoner mit Fackeln und Laternen, dann kam ein Haufen Leute, die von Dragonern umgeben waren. Man konnte die dunkle Kleidung dieser Leute sehr deutlich von den weißen Mänteln der Dragoner unterscheiden. Jenseits des Lagers unter einer Baumgruppe machte man Halt. Es wurden dort allerlei Zurüstungen getroffen, deren Charakter und Zweck von dem Zimmer der beobachtenden Frauen nicht zu erkennen war. Plötzlich wurde einer aus dem Haufen in die Höhe gezogen und hing die Beine krampfhaft bewegend an einem Baumaste. Lucy drückte die Hände vor die Augen und sprang wie von einer Natter gebissen von dem Fenster weg. Auch ihre Mutter wandte sich schaudernd ab.