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FuldaerMZeitung

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mit Ilnterhattrmgs-Aeikage „Mustrirte Sonntags-Zeitung" peterszasse Nr. 2 (Darmonic).

M 11.

Autöcl, Samstag, den 15. Januar 1898

25. Jahrgang.

n Werden die deutschen Kolonien vorwiegend katholisch oder vor­wiegend protestantisch sein?

Müßige Frage, wird Mancher denken, aber -so ganz müßig erscheint dieselbe doch nicht. Das Ende des 19. Jahrhunderts hat uns die ausge­dehnten Kolonien in Afrika und der Südsee, jetzt sogar eine in China gebracht, das 20. Jahr­hundert wird ihre Entwicklung und ihre Christiani- -sirung sehen. Die Arbeit, die auf religiösem Gebiete dort im Laufe des nächsten Jahrhunderts, ja im Laufe der nächsten 25 Jahre geleistet wird, muß entscheidend sein für die Frage, welche wir stellen.

Konstatiren wir zunächst die Thatsache, daß sich in unseren Kolonien ein ganz scharfer Wett­streit abspielt zwischen dem Katholizismus und dem Protestantismus. Seitdem Deutschland drüben festen Fuß gefaßt, ist man im Lager der Prote­stanten außerordentlich rege geworden. An deutschen protestantischen Missionsgesellfchaften zählt das ,Kolonialblatt" 12 auf, von denen die Mehrzahl ihre besten Kräfte in Afrika einsetzt. Es ist bei ihnen schon davon die Rede gewesen, andere, nichtdeutsche Missionsgebiete fallen zu lassen, um so eifriger aber in den deutschen Ge­bieten zu arbeiten. Ob dies schon geschieht, wissen wir nicht; wir würden es aber ganz erklärlich .finden.

_ Zu diesen deutschen protestantischen Missions­gesellschaften kommen aber noch eine ganze Reihe anderer, ausländischer. Da ist die englische -Church Missionary, die schottische, die Basler, die amerikanische u. s. w. Man wird wohl so anderthalb Dutzend protestantischer Gesellschaften zählen können, die entweder schon in unseren Kolonien missioniren oder doch noch dort zu er­warten sind. Zehn deutsche Gesellschaften haben eben jetzt einen gemeinsamen Ausschuß gebildet, um sich wirksamer in die Hände arbeiten zu können.

Was nun die Mittel anbelangt, mit denen diese Gesellschaften arbeiten, so muß man staunen über die Höhe derselben. Die englischen Missions­gesellschaften z. B. haben jährlich eine Einnahme von ca. 20 Millionen Mark, aber auch in Deutsch­land zeigt sich eine außerordentlich große Opfer­willigkeit bei den Protestauten, sobald es sich um Missionszwecke handelt. So haben z. B. die 29 000 deutschen Wiedertäufer für ihre Mission in Kamerun in den letzten drei Jahren laut ,Kolonialblatt" die enorme Summe von 136 000 Mark ausgebracht.

Die Church Missionary hat im Herbst 1897 78 neue Missionsarbeiter ausgesandt, aber nicht einer fällt ihr zur Last, denn Privatpersonen, Vereine, Gemeinden übernehmen davon 70, wäh­rend acht aus eigenen Mitteln leben.

Man kann frei sagen: heute schon besitzen die Protestanten in unseren Kolonieen dreimal so viel Stationen und Personal, als die katholischen «SSSSSSSSSMSSSSWWSSSSSWSSSVSSS 8 Dir letzte Häuptling Manien.

Eine historische Erzählung

von Philipp Wasserburg (Laicus).

26 ------ (Nachdruck verboten.)

Bald nachher rückten Harrison's Dragoner an und bezogen am Schlosse Lager. Die Offiziere quartierten sich ins Schloß ein.

Das Regiment requirirte an einem Tage mehr, uls die nächste Umgebung an Vorräthen hatte. Dabei war keine Landesbehörde da, welche man verantwortlich mach n konnte. Denn die höchste Landesbehörde war der Gutsherr; dieser aber war ein Engländer, welcher schon seit mehreren Monaten über hundert Landsleuten Obdach ge­geben hatte und daher selbst entlastet sein wollte. Wenn er die Offiziere als seine Gäste aufnahm, war das unbedingt mehr, als man von ihm ver­langen konnte.

So wurden denn die Soldaten angewiesen, sich das zu holen, was sie brauchten, und alsbald begannen auch hier alle Gräuel der Ver­wüstung.

Diesmal indeffen ging die Sache nicht so glatt, wie in Longford. Man befand sich in einem offenen Lande und konnte darum die Wege der Flucht nicht versperren. Nach drei Tagen war alles verwüstet; die Hütten waren nieder­gebrannt. Die Ernten, so weit die Iren solche heimgethan, waren verdorben; aber die Leute waren fortgezogen; und es war nichts mehr da, ^ußer den Vorräthen des Schloßherrn, welche der Oberst wohlweislich nicht antasten ließ.

Man mußte daher weitere Streifzüge machen, w Vorräthe zu erlangen; und dabei kam es nicht

Orden, und ihre Aufwendungen sind mindestens sechsmal so groß, als jene der Katholiken.

Sind die Protestanten materiell stärker, so sind sie andrerseits aber auch moralisch schwächer als die Katholiken im Punkte der Heidenmission. Ihre Missionare kosten schweres Geld, wollen gut wohnen und gut leben, zumeist sind sie ver- heirathet (die Frauen beziehen gewöhnlich eigenes Gehalt als „Missionsfrauen"). Sodann gehen diese Missionare vielfach nur so lange in die Mission, bis daheim"eine gute Pfründe auf sie wartet, nur wenige bleiben längere Jahre drüben. Von ihrer Missionsarbeit selbst wollen wir hier nicht reden; daß sie nicht mit jenen der katho­lischen Missionare zu vergleichen ist, haben schon protestantische Stimmen bestätigt. Der katholische Ordensmann ist eben nur Missionar und hat kein anderes Streben, als die Bekehrung der Heiden; seine Gesundheit und selbst sein Leben gibt er willig dafür. Lebt doch heute ein Pater in Westafrika, der seit einem halben Jahrhundert die Heimath nicht mehr gesehen hat.

Daß mit solchen Kräften Dauerhaftes ge­schaffen werden kann, steht außer Frage. Hätten wir Katholiken neben unseren vorzüglichen Berufs­missionaren die Millionen der Protestanten, wir würden mit dem Heidenthum rasch fertig werden.

Aber lassen wir uns durch diese Gedanken nicht in Ruhe einwiegen. Der beste Missionär ist und bleibt ein Mensch und hat seine Bedürf­nisse, wenn sie auch noch so bescheiden sind. Missionäre und Missionsschwestern bei den Katho­liken bedürfen einer langen Erziehung und Vor­bereitung — das kostet Geld; ihre Ausrüstung und Reise kostet Geld, ihr Aufenthalt im tropi­schen Klima muß ihnen nach Möglichkeit erleich­tert werden, sollen sie nicht bald im heißen Sande begraben liegen. Man kann es mit voller Ueber- zeugung sagen: gar mancher Missionär, gar manche Missionsschwester ist vorzeitig aufgerieben worden und gestorben aus Uebermaß an Arbeit, aus Mangel am Nothwendigsten. Und die Schaar der Apostel würde weit größer sein, wenn Mittel vorhanden wären, unbemittelte junge Leute für den Missionsberuf auszubilden.

Bisher ist das katholische Volk in seiner Opferwilligkeit für die Missionirung unserer Kolo­nien sehr weit hinter den Protestanten zurück­geblieben. Beharrt es dabei, so beantworten wir unsere Frage dahin: die deutschen Kolonien werden vorwiegend protestantisch sein. Und was für ein Protestantismus?! Schaut hin nach Liberia, wo seit 100 Jahren die englischen Prote­stanten missioniren. Fast jeder Neger bildet seine eigene Sekte, an Unmoral und Niedertracht wett­eifern die Leute mit den hartgesottensten Heiden; sie wissen nur eines: daß sie keine „Römlinge" sind. Denn das ist der erste Glaubenssatz, der ihnen beigebracht wurde. Dem Neger die Irrlehre bringen, ist in mancher Beziehung schlim- mer, als ihn ganz im Heidenthume stecken zu lassen, denn ein Heide ist weit leichter zu bekeh­ren, als solche Halbchristen.

Stoch gehört die Zukunft der Kolonien uns Katholiken; noch ist nichts verloren. Aber wir müssen beten, arbeiten und — eine offene Hand haben für unsere deutschen Missionen. Die Pro­testanten wollen allen Ernstes Neudeutschland

selten vor, daß die Streifkolonnen statt mit Pro­viant, mit blutigen Köpfen heimkamen. Aus den Heimathlosen hatten sich Banden gebildet, welche durch zersprengte Haufen Ormond'scher Truppen verstärkt und von Offizieren kommandirt wurden. Die Blutthat von Longford hatte allerdings lähmend gewirkt; aber das war doch nur im ersten Augenblick. Dann hatte sich des jüngeren kräftigeren Theils eine unaussprechliche Wuth be­mächtigt. Dieselbe erhielt durch die fortwährende Haltung der Dragoner stets neue Nahrung. Wo­hin sie kamen, raubten und plünderten sie; wer sich nicht bei Zeiten geflüchtet, fiel ihrem Schwert, dabei war die ganze Grafschaft in Gährung und die Haufen erhielten beständigen Zuzug aus der Nachbarschaft.

Alles dieses bedurfte nicht einer längeren Zeit; wenige Tage hatten hingereicht, um aus den feit» her verhältnißmäßig friedlichen Gefilden eine Stätte der Verwüstung zu machen.

Dabei war aber noch Eines, was die Wuth der Offiziere und Soldaten aufs Höchste anspornte. Gleich in der ersten Nacht war eine Schildwache überfallen und mit einem Messerstiche über der rechten Brust ermordet worden. Alle Nachforsch­ungen halfen nichts.

In der folgenden Nacht wiederholte sich das. Diesmal mußte ein, wenn auch kurzer, doch hef­tiger Kampf stattgefunden haben. Die nächsten Posten hörten einen Hilferuf. Als von der Wache eine Patrouille herbeikam, lag der Soldat ge­würgt, zerkratzt und zerbissen da; quer über der rechten Brust hatte er eine breite, von einem schweren Messer herrührende Wunde.

Der Oberst wüthete über diese Vorfälle und

erobern, sollen wir es ihnen lassen? „Es wäre eine unauslöschliche Schande für die Glieder der einen heiligen Weltkirche, wenn sie in der Mis­sionsarbeit sich überflügeln ließe von den prote­stantischen Landeskirchen," lasen wir kürzlich in mehreren kathol. Zeitungen. Ganz richtig, aber diese Schande wird uns sicher treffen, wenn wir uns nicht aufraffen. Viel zu wenig wird in Wort und Schrift die Wichtigkeit unseres Missions­gebietes betont, während die Gegner mit Pauken und Trompeten Propaganda für sich machen. Unser katholisches Volk ist wohl zu haben für solche hohen Zwecke, es will aber angeeifert sein. Agi­tation und Bewegung ist nothwendig, um Leben zu erhalten. Was ständige Agitation vermag, davon sehen wir ein Beispiel an der Zeitschrift „Kreuz und Schwert". In ihrem fünfjährigen Bestände hat sie rund 100000 Mark selbst für die afrikanischen Missionen gesammelt, ungezählt die Summen, die auf ihre Anregung direkt an den Afrika-Verein oder an die verschiedenen Missionshäuser flössen. Viele arme junge Mädchen wurden von derselben Zeitschrift in wenigen Jahren für die Missionen ausgebildet, und jetzt unternimmt der Herausgeber es, durch die Ein­richtung einer besonderen Kasse (St. Petrus Claver-Kaffe) Mittel für die Studien zukünftiger Missionare zu beschaffen.

So müßte überall im katholischen Volke ge­arbeitet werden, dann würden wir mit Zuversicht sagen können: die deutschen Kolonien haben eine katholische Zukunft.

Deutsches gtetdj*

Berlin, 14. Januar.

* Srinz Aeinrich dürfte, so schreibt die ,Kreuzztg/, „auch durch äußerliche Zeichen be­kunden, daß nicht kriegerische Zwecke ihn in erster Linie an die Küste Chinas führen, daß seine Sendung vielmehr der Erhaltung und Festigung des Friedens gilt." Es sei anzunehmen, daß Prinz Heinrich Gelegenheit finde, in Peking selbst dem Kaiser von China die Versicherung zu überbringen, „daß die deutsche Regierung selbst bestrebt sein werde, die Bande der Freundschaft mit China zu erhalten und zu festigen. So würde die Sendung des Prinzen, neben dem noth- wendig Kriegerischen, vornehmlich als eine Mission des Friedens zu betrachten sein."

* Die oberoffiziöse,Nordd. Allg.Ztg/schreibt: „Der Manchester Guardian" meldet, daß das Abkommen zwischen Deutschland und England in der chinesischen Ankeihefrage dem Abschlüsse nahe sei und demnächst unter BetheiligUng beider Regierungen die Anleihe abgeschlossen werde. Diese Angaben sind, was die deutsche Regierung betriff, unbegründet. Es ist nicht richtig, daß die Regierung daran denkt, gemeinsam mit einer anderen Macht eine Anleihe herauszubringen. Wenn in inländischen Finanzkreisen die Steigung besteht, einer vortheilhaften Betheiligung des deutschen Kapitals an der neuen Anleihe Chinas wie bei früheren Gelegenheiten die Wege zu ebnen, kann natürlich nichts dagegen eingewendet werden; daß die Regierung aber mit der staatlichen Garantieleistung dafür eintreten könnte, ist aus­geschlossen."

ließ alle Posten verdoppeln, damit Einer am Andern Hilfe habe. Es wurde auch in der dritten Nacht ein Ueb erfüll versucht, der Angreifer aber durch das Dazwischenkommen des zweiten Mannes verscheucht. Mau sah ihn in mächtigen Sätzen davonspringen, ein breites Messer in der Hand schwingend. Ehe man jedoch auf ihn schießen konnte, war er in der Dunkelheit der Nacht ver­schwunden.

Jetzt erinnerte sich Jack Robber des Wahn­sinnigen und meinte, dieser könne der Thäter fein. Die Wuth des Obersten und seiner Leute wurde jedoch dadurch keineswegs besänftigt, und ein furchtbares Gericht drohte dem Armen, wenn man feiner habhaft wurde. Aber den ganzen Tag über blieb er verschwunden; allein in der nächsten Nicht wurde einer mit einem Pfeile in den Hals geschossen, und als sein Kamerad ihm zu Hilfe eilte, sprang ihm der Wahnsinnige auf den Nacken und bohrte ihm fein Messer in die rechte Brust. Beide " stürzten. Doch da kam schon Hilfe vom nächsten Posten. Der Verwundete griff nach dem Wahnsinnigen. Dieser schüttelte ihn mit furcht­barer Gewalt ab, versetzte ihm einen Faustschlag ins Gesicht und fort war er.

Und so ging es weiter. So lange die Dra­goner bei Hungry-Tower lagen, so lange hatten sie es mit dem Wahnsinnigen zu thun. Mit allen nur denkbaren Listen kam er seinem Opfer bei, stets war ein Stich in der rechten Brust, das letzte, was er seinem Opfer that, und dann war er verschwunden. Wie nahe man schon daran war, ihn zu ergreifen, immer entging er wieder.

Inzwischen wartete Sir Francis Fitzgerald mit steigender Ungeduld darauf, daß er endlich

h. Im Abgeordetenhause ist der Ge­setzentwurf betreffend die Aufhebung der Der- pMchlung zur ZLesteKuug vo« Amls- kuutione« eingegangen. Derselbe bestimmt: § 1. Die Verpflichtung der Staatsbeamten zur Kautions- leistung nach Maßgabe des Gesetzes betreffend die Kautionen der Staatsbeamten vom 25. März 1873 wird vorbehaltlich der Bestimmung in § 2 des gegenwärtigen Gesetzes aufgehoben. § 2. Unberührt bleibt die Verpflichtung der Ge­richtsvollzieher und der Hypothekenbewahrer im Geltungsbereiche des Rheinischen Rechts zur Bestellung von Amtskautionen. Durch Beschluß des Staatsministeriums kann für diese Beamten an Stelle der in den ßß 4—12 des Gesetzes vom 25. März 1873 vorgeschriebenen Art der Kautions­bestellung eine andere Form der Sicherheitsleistung, insbesondere die Uebernahme einer Gesammt- haftung durch eine Vereinigung von Beamten zu- gelassen werden. § 3. Die Ämtskantionen der der nach § 1 von der Kautionsleistung befreiten Beamten werden zurückgegeben. Die Rückgabe erfolgt nach näherer Bestimmung des Finanz­ministers innerhalb einer zweijährigen Frist nach Inkrafttreten dieses Gesetzes. Für etwaige vor der Rückgabe bekannt gewordene Ersatzansprüche bleiben die Kautionen verhaftet. Ihre Rückgabe bleibt in Höhe der erhobenen Ansprüche bis da­hin ausgesetzt, daß über die Begründung der letzteren enbgiltige Feststellung getroffen ist. — Die Begründung führt unter Anderem aus: Das Kautionswesen habe sich nicht bewährt, die meisten Beamten seien gezwungen, bei Lebens- Versicherungs- oder Kautionsgesellschaften »der sonst bei privaten Gelddarleihern sich gegen hohe Vergütung Kautionsdarlehen gewähren zu lassen. Diese Opfer ständen nicht im Verhältnis zu dem Gehalt der Beamten. Die Aufbringung der Kautionen betragen für die 35 500 kautionspflich­tige Beamten jährlich etwa eine Million. Nicht minder empfindlich machten sich für die kleineren Beamten die zur Beschaffung der Kautioneffekten bewirkten Gehaltsabzüge geltend. Den großen Opfern, welche den Beamten aus der Kaution erwüchsen, stehe ein annähernd entsprechender Vortheil für die Staatskasse nicht gegenüber. Die jährlichen Kassendefekte betrügen bei der Ge- sammt-Staatsverwaltung */s pCt. der Kautions­summe. Die Defekte wären nur zu einem Theile gedeckt und zwar im geringeren durch Kautionen als durch andere Weise. Der finanzielle Nutzen des Kautionswesens für den Staat könne um so geringer veranschlagt werden, als von den that- sächlich aus den Kautionen ersetzten Defekten ein nicht geringer Theil ohne das Vorhandensein von Kautionen aus Lem Vermögen des schuldigen Beamten oder durch Gehaltsabzüge Deckung finden würden. Der Nutzen für den Staat werde aber völlig illusorisch durch die erheblichen Kosten, welche die Verwaltung der Kautionen verursacht. Es erscheine daher die Forderung berechtigt, dieses System aufzuheben. Die Regierung bringe den Entwurf ein im Vertrauen auf die bewährte Pflichttreue der Beamten.

* Das lang erwartete Komplaöikilätsgesetz umfaßt 56 Paragraphen und scheint nach flüchtiger Durchsicht den gegenwärtigen bestehenden Rechts­zustand zu fixiren, aber auch die bisherige Uebung in fein Besitzthum eingesetzt werde. Lady Fitz- geralb sehnte sich danach, dem Feldlager entrückt zu sein und wieder in feste Verhältnisse zu kom- men. Wie das werden solle, das war ihr frei­lich nicht klar; denn sie bemerkte, daß Iren und Engländer sich glühend haßten, und daraus konnte doch nur wenig Ersprießliches herauskommen. Im Uebeigen wußte sie nicht, wo eigentlich ihr Äe- sitzthum lag; ihr Gemahl hatte darüber noch nichts gesprochen, sondern nur behauptet, daß die Schönheit und Fruchtbarkeit des Landes sie in Erstaunen setzen werde. Von den Iren fürchtete er gar nichts, dennKillarneyhouse sollte derStations- ort für eine Schwadron Reiter abgeben.

Ueberhaupt hatte Sir Francis noch anberroeite Pläne. Er richtete sein Augenmerk auf Sir Edward Durham, einen Mann, der ganz nach seinem Geschmacke war. Sir Edward war ein Mann von feinem, weltmännischem Benehmen und bewarb sich sichtlich um die Gunst der schönen Lucy Diese schien das indessen weniger zu be­merken als ihr Vater, welcher als praktischer Mann Erkundigungen einzog und erfuhr, daß Sir Edward, was äußerliche Glücksgüter anging, einer durchaus nicht zu verachtender Schwiegersohn sei.

Sir Francis ersah sich Durhams Schwadron als Geleitsmannschaft nach Killarney. Jetzt ließen es ja wohl die zahlreich anwesenden Eng­länder erklärlich erscheinen, wenn Lucy die Huldigungen Durhams übersah; aber von der Einsamkeit Killarney's hoffte Sir Francis, daß Lucy und Edward sich bald näher stehen würden. Der Sorge um die Zukunst seiner Tochter wäre er damit überhoben gewesen, und Harrison hatte auch gar keine Schwierigkeit erhoben, den Haupt-