Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl.

Kejugsprris ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts IM. 50 Pf.

<5

.alSSW

Inserate: Die ein­spalt. Äarmond- zeile oder deren Raum 1ö Pf., Re­klamen die Pelit- zeile 25 Pf.; bei Wiederbolungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

verantwortlich: Sür die Redaktion Ios. Saum, für Inserate I. parzellee in K-lda.

mit Anterhaktungs-Aeilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung!' petersgasse Nr. i (Larmonie).

M 8.

K. Der preußische Landtag ist heute wieder eröffnet worden. Diese seine letzte Tagung während der Dauer seines Man- dates soll nicht von langer Dauer sein — so wenigstens wird wiederholt angekündigt. Nur die allernothwendigsten Vorlagen sollen ihm zu­gehen. Wir werden ja sehen, ob die Thatsachen diesen Ankündigungen entsprechen werden. Jeden­falls wird es auch in dieser letzten Tagung des preuß. Landtags nicht fehlen an Stoff zu sehr lebhaften Debatten.

Da ist zunächst die Forderung der Regierung, eine neue Auflage des 100-Millionen-Fonds zur Bekämpfung des Polenthums zu veranstalten. Selbst ein großer Theil der Anhänger derjenigen Politik, der diese Forderung entsprungen ist, ge­steht unumwunden ein, daß die ersten 100 Milli­onen ihren Zweck verfehlt haben. Nichtsdesto­weniger besteht die Regierung auf einer erneuten Bewilligung derselben Summe zu denselben Zwecken, und namentlich Herr v. Miquel soll diese Wünsche vertreten. Die Opposition im Preuß. Abgeordnetenhaufe ist so gering an Zahl, daß gar nicht zu zweifeln ist an der Bewilligung dieser Summe. Hier stehen die Stimmen ooit 142 Konservativen, 66 Freikonservativen und 84 Nationalliberalen gegen 95 Mitglieder vom Centrum, 18 Polen und 20 Freisinnige — da ist das Facir des Erempels leicht zu ziehen!

Höchst wahrscheinlich wird es auch nicht fehlen an erneuten Unterhaltungen über die Parität zwischen Katholiken und Protestanten, und man darf annehmen, daß diesmal die Imparität, unter der die Katholiken an allen Ecken und Enden leiden, noch deutlicher als aus den früheren De­batten über denselben Gegenstand im Abgeord­netenhaus« hervortreten wird. Sehr neugierig muß man darauf sein, ob die H.rren von Epnern und Genossen die Zustimmung der national­liberalen Fraktion dazu finden werden, ihre Ab­sicht auszuführen und einen Antrag auszubringen auf Beseitigung der preußischen Gesandtschaft beim Vatikan. Die Herren, die sich mit solchen Absichten tragen, versprechen sich davon augen­scheinlich ganz besondere Erfolge, und wir ge­stehen ihnen zu, daß sie damit recht haben können. Nur meinen mir, diese Erfolge werden genau das Gegentheil von dem darstellen, was die Herren eigentlich wünschen, und die Regierung wird ohne Zweifel diese Zumuthungen kühl von der Hand weisen.

Der Kaiser hat die Eröffnung dieser Land- tagssesston nicht in Person vollzogen. Fürst Hohenlohe, der an der Spitze des Staatsministe­riums erschienen war, hat dies für ihn gethan durch die Verlesung einer Thronrede im Prunk­saale des Berliner Königsschlosses.

Die Thronrede hatte folgenden Wortlaut:

„Seine Majestät der Kaiser und König haben mich 'beauftragt, den Landtag der Monarchie in Merhöchst- ihrem Namen zu eröffnen.

Die Finanzlage des Staates hat sich seit der letzten Tagung, namentlich in Folge der anhalten­den Steigerung der Erträgnisse aus den meisten Staats­betrieben, fortgesetzt günstig gestaltet.

Das am 1. April v. I. abgeschlossene Rech­nungsjahr hat einen höheren Ueberschnß als das Vorjahr ergeben.

* Der letzte fiiüiplling non fiiltancij.

Eine historische Erzählung

von Philipp Wasserburg (Laicus).

23 ------ (Nachdruck verdaten.)

Damit waren sich die beiden näher getreten. Ralph setzte den jungen Mann von seinen Be­fürchtungen inKenntniß; dieser wurde bedenklich und wollte darüber mit seinen Freunden Rück­sprache nehmen.

Die Folge dieser Rücksprache war, daß an demselben Abende sich etwa dreißig junge Männer zusammensanden, um die Lage mit Ralph zu erwägen.

Dieser war immer noch der Ansicht, Alles im Stiche zu lassen und sich druch die zwanzig einen Weg zu bahnen. Doch schienen den Uebrigen seine Befürchtungen nicht so fest begründet, um eine so gefährliche Maßregel zu ergreifen. Anderer­seits war ihnen klar, daß, wenn etwas Böses im Schilde geführt werde, sich dasselbe zunächst gegen sie, die noch im Orte vorhandene waffen­fähige Bevölkerung kehren werde. Da nun aber dem Negimente gegenüber man sich nicht stark genug fühlte, Widerstand zu leisten, so traf man nur Verabredung dahin, wie man sich die Mög­lichkeit einer Flucht sichere, wenn die Gefahr hereinbreche.

Das war nicht gerade schwierig. Man wollte sich, so lange das Regiment, das ja auf dem Marsche nach Hungry Tower war, im Städtchen sich befand, in den letzten Häusern einer Straße als Hausgenossen aufhalten. Jeder sollte sich für eine Waffe sorgen. Für den Fall wirklich Unheil hereinbräche, wollte man ein Allarmsignal geben.

■

Jutöa, Mittwoch, den 12. Januar 1898

25. Jahrgang

Daß dem Landtage eine Vorlage zugehen soll über die Aufbesserung des Dienstein­kommens der Geistlichen, der katholischen ebenso wie der protestantischen, wußten wir ebenfalls schon seit längerer Zeit. Aber nach allem, was bisher darüber bekannt geworden ist, haben wir hier wiederum, ebenso wie früher, eine schlechtere Behandlung der katholischen Geistlichen zu erwarten als der protestantischen. Deswegen müssen wir diesem Gesetzentwürfe mit großem Mißtrauen entgegen sehen.

Ueber die Erhöhung des Grundkapitals der Central-Genossenschafts-Kaffe wird vermuthlich bald eine Einigung erzielt werden, ebenso über eine Reihe anderer kleiner Vorlagen, z. B. auch über die Einführung eines Anerbenrechtes in der Provinz Westfalen.

Leider aber hat die Thronrede auch eine andere, sehr unliebsame Voraussage bestätigt: wiederum schweigt die Thronrede vollkommen von der doch längst verheißenen Verbesserung des Wahlrechtes für den preußischen Land­tag und des kommunalen Wahlrechtes. Und von einer Beseitigung der Reste aus dem Kulturkämpfe ist desgleichen mit keinem Worte die Rede.

Da hat nun die Thätigkeit der Abgeordneten einzusetzten und die Regierung zu korrigiren.

Es ist deshalb eine Ausdehnung des gesetzlichen An­erbenrechts auf diesem Gebiete in Aussicht genommen.

Die durch Hochwasser in verschiedenen Theilen des Landes letzthin herbeigeführten beklagenswertheü Verheerungen haben das landesväterliche Herz seiner Majestät des Kaisers und Königs tief bewegt. Die Staatsregierung hat die zur Linderung der ersten Noth und behufs Ausführung der unaufschiebbaren Her­stellungsarbeiten nothwendigen Maßnahmen ungesäumt getroffen und die sogleich erforderlichen Mittel, in Voraussetzung der verfassungsmäßigen Zustimmung des Landtages, flüssig gemacht. Nachdem es hierdurch und mit Hilfe der aus allen Theilen Deutschlands eingegangenen überaus dankenswerthen reichen Spenden gelungen ist, dem dringendsten Bedürfniß vorläufig abzuhelfen, bedarf es nunmehr noch der Bereitstellung weiterer öffentlicher Mittel zur Beseitigung der Ver­heerungen und ihrer Folgen. Ein bezüglicher Gesetz­entwurf wird Ihnen unterbreitet werden.

Zur dauernden Sicherung der betreffenden Laudes- theile gegen Ueberschwemmungsgefahren sind Erörter­ungen eingeleitet, welche die Regulirung der in Betracht kommenden Flußlänfe, deren planmäßige Unterhaltung, sowie sonstige, eine geregelte Wasserab- sührmig erleichternde Einrichtungen bezwecken.

Meine Herren! Wichtige Aufgaben harren der Lösung. Die Regierung Seiner Majestät rechnet dabei auf Ihre verstäudnißvolle, patriotische Unterstützung. Möge die gemeinsame Arbeit auch in dieser letzten Tagung Ergebnisse zeitigen, die dem Vaterlande zu dauerndem Segen gereichen!

Auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs erkläre ich den Landtag der Monarchie für eröffnet."

Die Verlesung der Eröffnungsrede wurde von der Versammlung schweigend angehört; nicht bei einer einzigen Stelle erhob sich ein Zeichen des Beifalls. Nachdem Fürst Hohenlohe den Landtag für eröffnet erklärt hatte, brachte der Präsident des Herrenhauses, Fürst zu Wied, ein dreimaliges Hoch auf seine Majestät den Kaiser und König aus, in welches die Versamm­lung einstimmte. Damit war der Akt der Er­öffnung beendet.

Deutsches lleixlj.

Berlin, 11. Januar.

* Die Ikotten Knthufiasten möchten schon jetzt über den Flotlenplan des Gesetzentwurfs hinaus weiterhin ins Uferlose steuern. So verlangt die ,Deutsche Zeitung' des Dr. Friedrich Lange, daß die „nationalen Parteien des Reichs­tags" noch mehr Kreuzer fordern sollten, als in dem Gesetzentwurf enthalten seien, und zwar im Hinblick auf die Erwerbung von Kiao- tschau. Was komme darauf an, ob in Folge dessen m ehr neue Steuern nothweudig würden! Denn es handele sich ja doch auch bei neuen Steuern nur um einen Betrag, der hinter dem Verbrauch des deutschen Volkes z. B. an Schuh­werk und Hüten weit zurückbleibt, um einen Betrag, der sich höchstens mit dem Jahresaufwand für Handschuhe oder Briefmarken deckt.

st In üblicher Weise veröffentlicht der .Reichs­anzeiger' eine Zusammenstellung über die Un­fälle auf deutschen Kisenvatzneu, diesmal für den Monat November v. I. Danach sind für diesen Monat zu verzeichnen 9 Entgleisungen auf freier Bahn und 22 in Stationen, 4 Zu­sammenstöße auf freier Bahn und 21 in Sta­tionen, und 206 andere Betriebsunfälle. Durch diese wurden getödtet im ganzen 89 Personen, darunter 8 Reisende, verletzt 180 Personen, da­runter 67 Reisende.

* Die schon im Herbst vorigen Jahres an« gekündigte Denkschrift über die Uetrieksstcher- yeit auf preußischen Kisenöaynen wird halb­amtlicher Ankündigung zufolge dem preußischen Landtage gleichzeitig mit dem Eisenbahnetat zu- gehen. .

* Mit großem Frohlocken wird von konser­vativen Blättern über eine Versammlung des Mundes der Landwirthe in Breslau berichtet, Pallaschs über den Nacken, daß sie blutend und heulend zu Boden stürzte. Die Wildheit des Völkchens begann sich bereits recht deutlich zu zeigen.

Sir Edward kümmerte sich nicht im Entfern­testen um das, was hinter ihm vorging, sondern sprengte nur immer weiter, bis zum Eingänge des Städtchens, wo er halten und absitzen ließ. Ihm gegenüber stellten sich der M y)k und die Aldermen auf. Der Mayor wollte mit dem Offizier ein Gespräch anknüpfen, aber dieser wies ihn an den Oberst Harrison, der jetzt allein zu reden habe. Nun erst tauchte der Gedanke auf, daß am Ende Ralph O'Connell doch nicht so ganz Unrecht gehabt.

Jetzt bog der Zug um eine Ecke des Weges und wurde den Harrenden sichtbar.

Voran kam ein Rudel wilder Gesellen, die wohl den Auftrag hatten, den Weg frei zu machen, auf welchem sich übrigens gar kein Hinderniß entgegenstellte.

Dann kamen die Trompeter und der Pauker, und hinter ihnen ritt.Oberst Harrifon selbst, auf dessen Sattel ein kleiner Pult befestigt war; darauf lag ein aufgeschlagenes Buch. Ein Haufe von Reitern aller Grade drängte sich um ihn, um zu hören, was er aus dem Buch laß und murmelnd seine Worte nachzusprechen. Sie alle waren Männer, mit wilden fanatischen Zügen, deren Augen vor Aufregung funkelten, und die ihr Gemurmel mit sonderbaren Geberden und Glieder­verrenkungen begleiteten.

Das war Levellers ober Gleichmacher, eine Art anarchistische Sekte im Heere, die bereits im Anfänge des Jahres den bewaffneten Versuch

Ebenso kann für das taufende Rechnungs­jahr ein erheblicher Ueberschnß, wenn auch nach den bisherigen Schätzungen nicht in gleicher Höhe, erwartet werden.

Der Staatshaushaltsetat für 1898-99 hält in Einnahme und Ausgabe das Gleichgewicht. Die gesteigerten Einnahmen haben es gestattet, für fast alle Zweige der Staatsverwaltung Mehraufwendungen in größerem Umfange in Aussicht zu nehmen. Bei reich­licher Bemessung der Mittel zur Deckung dauernder Ausgaben haben insbesondere die einmaligen und außerordentlichen öffentlichen Bedürfnisse eine weit­gehende Berücksichtigung finden können.

Der Ihnen alsbald zugehende Entwurf eines Ge­setzes, betreffend den Staatshaushalt, wird die geset­liche Feststellung von Grundsätzen für die Veranschlagung, Führung und Sontrete des Staatshaushalts Vorschlägen. Der Entwurf steht überall auf dem Boden des verfassungsmäßigen Rechtszustandes; er beabsichtigt im Wesentlichen Grund­sätze zusammenzufaffen und auszugestalten, die schon seither bei der Verwaltung der Einnahmen und Aus­gaben des Staates theils im Anschluß an Verwaltungs- Vorschriften, theils in thatfächlicher Hebung befolgt, in einzelnen Fragen auch bereits mit dem Landtage ver­einbart worden find. Die gesetzliche Festlegung dieser Grundjätze wird dazu dienen, die Sicherheit und Gleich­mäßigkeit ihrer Handhabung zu gewährleisten und mehrfach hervorgetretene Zweifel und Schwierigkeiten zu beseitigen.

Nach den bisherigen Erfahrungen stehen die durch die Stellung der Ämtskaution dem Staate er­wachsenden Vortheile nicht iin richtigen Verhältnisse zu den Kosten und Weiterungen ihrer Verwaltung und den wirthschaftlichen Lasten, die dadurch den Beamten auferlegt werden. Es soll daher die behufs Sicherung der Ansprüche des Staates bestehende Verpflichtung der Beamten zur Stellung von Kautionen im Wege des Gesetzes allgemein aufgehoben und damit eine er­hebliche Erleichterung der betreffenden Beamtenklaffen herbeigeführt werden.

Ihre verfassungsmäßige Mitwirkung wird zu einer Neuregelung und Verbesserung des Dienst­ei uko m mens der Geistlichen beider Kon­fessionen in Anspruch genommen werden, welche nicht ohne Bereitstellung weiterer staatlicher Mittel zu erreichen ist.

Die Stellung derPrivatdozenten an den Uni­versitäten entbehrt zur Zeit der gleichmäßigen und zum Theil überhaupt einer ausreichenden rechtlichen Grundlage, so daß eine gesetzliche Regelung dieser Ver­hältnisse angezeigt erscheint.

Wegen Erweiterung des Staatseifen­bahnnetz e s, Förderung der Kleinbahnen und Ver­besserung der Wohnungsverhältnisse ständiger Arbeiter und unterer Beamten wird ihnen auch in dieser Tagung ein Gesetzentwurf vorgelegt werden.

Die erfreuliche, insbesondere feit Errichtung der Central-Genofsenschaftskasse in raschem Fort- schreiten befindliche Emwickelung des Genoffenschafls- wesens macht eine nochmalige Erhöhung des Grund­kapitals der Kaffe erforderlich. Diese soll hierdurch in den Stand gesetzt werden, noch mehr als bisher den Ansprüchen der sich ununterbrochen vermehrenden wirth- schaftlichen Organisationen der Mittelklassen in Stadt und Land zu genügen.

Zur Fortführung des Anfiedelungswerkes in den Provinzen Pofen und Westprenßen wird eine El Höhung der durch Gesetz vom 26. April 1896 bewilligten Mittel beabsichtigt. Ein daraus be­züglicher Gesetzentwurf wird Ihnen niwerweilt zngehen.

In großen Theilen der Provinz Westfalen und einiger angrenzender rheinischer Kreise entspricht die Einführung eines unmittelbaren gesetzlichen Au- erberechts beit Rechtsanschaunngen,Erbgewohnheiten und wirthschaftlichen Bedürfnissen der Bevölkerung.

hieraus die Landstraße hinaus vereint flüchten, und dann nach rechts abbiegen. Dort befand sich nämlich einer jener zahlreich in Irland vorkom­menden einzelnen Bergkegel, der schluchtenartig zerrissen war und seine einzelnen Rippen bis in die Nähe der Landstraße vorstreckle. Da nun das fragliche Terrain über eine Stunde lang und breit war, so konnte man von dort aus die weitere Flucht bequem organisiren. Außer der Waffe sollte sich endlich jeder noch eine Tasche mit Lebensmitteln zurechtlegen, und so gerüstet wollte man die Dinge erwarten, die da kämen.

Im Laufe des Tages wuchs die Zahl der Verbündeten langsam an. Freilich erschien es den Meisten als ein Akt der Feigheit, wenn man floh und die Seinen im Stiche ließ. Aber andererseits waren auch alle gewarnt, und jetzt noch konnte man vereint in Sicherheit gelangen. Ehe sie zur Gewalt griffen, wollten sie die äußerste Nolhwendigkeit an sich herankommen lassen. Erst wenn nichts mehr zu verderben war, konnten sie, ohne sich deshalb Vorwürfe machen zu müssen, auf ihre eigene Sicherheit ausschließlich Bedacht nehmen.

Am anderen Tage gegen Mittag sollte das Regiment eintreffen. Den ganzen Vormittag wurde Stroh, Heu und Hafer herbei geschleppt; mächtige Kessel brodelten über ungeheuren flam­menden Holzstößen, und der anwesende Haupt­mann wandelte mit dem Mayor über den Markt­platz, um die getroffenen Veranstaltungen zu sehen. Er fand alles vorzüglich, und gewiß, Oberst Harrison würde mit den guten Longforder Bürgern sehr zufrieden fein.

Arn Horizonte des guten Einvernehmens

Die Thronrede bestätigt durch ihren Inhalt die Meldungen, die ihr über die Art der Vorlagen der Regierung voraufgegangen sind. Im ganzen genommen trägt sie einen kühl geschäftsmäßigen Charakter zur Schau, man könnte sagen: einen Fmanz-Charakter. Die Finanzlage des preußischen Staates: wird durch die Thronrede ganz aus­nehmend' günstig dargestellt. Heute paßt es zu den übrigen Plänen der Regierung, namentlich zu den politischen Angelegenheiten, die den Reichs­tag beschäftigen, daß die Finanzlage so glänzend wie möglich geschildert wird. Und somit thut darin die Thronrede ein klebriges. Kommt später einmal die Zeit und eine Sachlage, die der Re­gierung das Gegentheil wünschenswerth erscheinen lassen, so pflegen die Finanzkünstler der Regie­rung auch leicht das Gegentheil durch ihre Dar­stellung bewirken zu können.

Endlich kommt nun das längst gewünschte Komptabilitäts-Gesetz, d. h. also eine ge­setzliche Feststellung von Grundsätzen für die Vor- anschlagung, Führung und Kontrolle des Staats­haushaltes" Hierbei wird vor allen Dingen die Art und Weise intereffiren, wie die Vorschläge der Regierung über die Regelung der Dispositions- Fonds ausgefallen sind.

tauchte erst dann ein leises Wölkchen auf, als ein Wachtmeister mit zehn Mann auf den Platz ac- fprengt kam und sich als der Vortrab des Re­giments bei dem Offizier meldete.

Jetzt wurde das Gesicht Sir Edward Dur­hams bedeutend frostiger, und er befahl dem Mayor, am Eingang des Städtchens den Obersten zu erwarten und ihm zum Zeichen unbedingter Unterwürfigkeit die Schlüssel der Stadt zu Überreichen.

„Und noch eines, Mylord Mayor," rief er dem etwas bestürzt davon Eilenden nach, „wir sind theilweise ein etwas wildes Völkchen; und der Obirft liebt feine Klagen und keine Em- psindlichkeiten."

Damit stieg er auf sein Pferd, das ein Dra­goner am Zügel hielt und sprengte an der Spitze der Zehn dem Regirnente entgegen.

Gr ritt genau den Weg zurück, den jene ge­kommen, und sand schon Spuren davon, daß das Regiment manche wilde Stemmte in sich barg. Denn an der Mauer eines Hauses saß ein irisches Weib, umgeben von einer Gruppe klagender Frauen, uiib auf deren Schooße lag blutüber­strömt ihr Kind, ein etwa zehnjähriger Knabe, der beim Herangaloppiren der kleinen Truppe nicht rasch genug auf die Seite gekonnt hatte, darauf niedergeritten und von einem Husschlag rettunaslos getroffen worden war; an der Schläfe klaffte" der Schädel und die Gehirnmaffe trat heraus. Der Knabe lag bewußtlos in den letzten Zügen.

Als die Reiterschaar zurücksprengte, drohte ein wüthendes Weib mit geballter Faust; und im Vorübersprengen fauste ihr die flache Klinge eines