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25. Jahrgang
Iutöa, Montag, den 10. Januar 1898
M 6.
Druck und Verlag der Luldaer Actiendruckerci petcrsgape Nr. 2 (Harmonie).
dann schlagt sie tobt; aber macht, daß Ihr fortkommt."
Alle Gesichter zeigten einen unverkennbaren Ausdruck des Schreckens.
„Aber edler Sir," erwiderte der Mayor nach einer langen Pause, „wir können doch nicht all' unser Hab' und Gut preisgeben: wenn wir fortgehen, muß das ja den Obersten furchtbar reizen; das heißt die Plünderung und die Brand- stiftung geradezu herausfordern."
„Lasset sie plündern, lasset sie anzünden: ist doch Euer Leben in Sicherheit", rief O'Connell. „Wenn Ihr da seid, werdet Ihr es doch nicht verhüten. Aber wenigstens fließt kein Blut."
„Ich kann mir nicht denken . . . wenn wir ihnen freundlich entgegen kommen .... Wir sind ja ruhige Bürger, und haben ihnen nichts gethan. Ich will einmal auf das Rathhaus senden; kort befindet sich bei den Dragonern ein Rathsmann; der wird uns wohl schon sagen können, was er den Gesprächen abgelauscht . .
Der Mayor schlug mit einem elfenbeinernen Hammer an eine Glocke, und bedeutete dem eintretenden Rathsdiener, auf das Rathhaus zu gehen und in seinem Auftrage sich nach allem Wlssenswerthen bei dem dortigen Magistrats- mitgliede zu erkundigen.
„Traut den Engländern nicht," rief O'Connell wild. „In Droghe'a hat sich die Besatzung eines Thurmes ergeben; die Offiziere und der zehnte Mann wurden erschossen, die übrigen sollen als Sklaven verkauft werden."
„Das war Drogheda, edler Sir", meinte der Mayor. „Bedenkt die Stadt ist im Sturme
Das Jahr 1897.
IV.
Der „weltpolitischen" Pläne haben wir bereits in einem früheren Artikel gedacht. Diese Richtung zeigte sich auch positiv immer mehr in der gesammten auswärtigen Politik des Deutschen Reiches. Nach Osten ging ihr Flug. Im Osten Europas, wie im asiatischen Osten sah man die deutsche Politik aus ihrer früheren Zurückhaltung immer mehr heraustreten. Während früher die orientalischen Dinge nach Bismarcks bekanntem Ausdrucke nicht die Knochen auch nur eines „pommerschen Grenadiers" werth waren, sah man in diesem Jahre deutsche Soldaten und Matrosen auf Kreta und in den kretischen Gewässern mit den Truppen der anderen Großmächte Zusammenwirken zur Zügelung des Aufstandes und des griechischen Ausdehnungsdranges.
Ohne die Mitwirkung der anderen Balkanstaaten, ohne eine vorhergehende Verständigung aller christlichen Balkanländer konnte Griechenland allein der Türkei nicht gewachsen sein und mußte schließlich im Kriege unterliegen. Insofern war es sträflicher Leichtsinn der griechischen Machthaber, daß sie sich ohne genügende diplomatische und militärische Vorbereitungen von der Volksleidenschaft in einen aussichtslosen Krieg drängen ließen, und sie können von Glück sagen, daß sie durch die Großmächte wenigstens vor schweren «Schlägen und Opfern bewahrt wurden. Hoffentlich wird die europäische Finanzkontrolle, der sie sich unterwerfen müssen, nicht blos dem internationalen Großkapital zu gute kommen, sondern auch die griechischen Finanzen selbst einer Gesundung zuführen. Kreta erhält eine Autonomie ^Selbstverwaltung) unter einem christlichen Generalgouverneur. Doch macht die Kandidatensuche, das Widerstreben der Türkei und die Ungeduld der christlichen Kreter noch immer Schwierigkeiten, sodaß die europäische Besatzung einstweilen noch auf der Insel bleibt. Vielleicht haben die Russen und Engländer überhaupt keine Lust, die besetzten wichtigen Posten an der Mittelmeer-Völkerftraße wieder aufzugeben.
Die innerpolitischen Vorgänge in den Balkanstaaten sind nicht wichtig genug, um uns an dieser Stelle zu beschäftigen. Unter den Großmächten zeige Rußland auch in diesem Jahre das Bestreben, durch geschickte Einzelzüge „langsam, aber sicher" seinen Einfluß und seine Macht zu erweitern. Frankreich, das ungeduldig zu werden «nfing, wurde beschwichtigt und entzückt durch den endlichen Gebrauch des Wortes „Verbündete" beim Besuche des französischen Präsidenten in Rußland. Anderseits wurde in Sachen der Balkanhalbinsel ein Einvernehmen zwischen Rußland und Oesterreich erzielt und feierlich verkündet, sowie durch den Besuch des deutschen Kaisers in
Rußland auch die neue deutsch-russische Freundschaft gekräftigt. In China spielt Rußland die erste Geige, und mit Japan hat es sich wegen der Halbinsel Korea vorläufig so geeinigt, daß es auch in Korea ziemlich fest sitzt. Noch gegen Schluß des Jahres besetzte es den wichtigsten chinesischen Kriegshafen Port Arthur, nachdem Deutschland Kiaotschau in „Pacht" genommen.
England ist darüber sehr nervös geworden und verstärkt die Zahl seiner Kriegsschiffe in Ostasien, offenbar weil es fürchtet, durch einen ostasiatischen Dreibund „Rußland-Deutschland- Frankreich" von der ostasiatischen Erbschaft ausgeschlossen zu werden. Hoffentlich wird der Friede dadurch nicht gefährdet. Mr England ist überhaupt seine Weltstellung recht schwierig geworden. In Afrika kommt ihm Frankreich immer mehr in die Quere, sowohl im Westen, wie auch neuerdings im oberen Nilgebiet, wo der englisch-ägyptische Vorstoß gegen die Derwische deshalb jetzt mit verstärktem Eifer wieder ausgenommen wurde. In Indien hat England mit zahlreichen Aufständen, wie auch mit den schweren Folgen der Hungersnoth und der Pest zu kämpfen, die immer noch nicht erloschen ist.
Koloniale Kriege hatte außerdem besonders Spanien zu führen, das zudem durch die innere Gährung — die Anarchisten und namentlich die Karlisten machen ihm viel zu schaffen — und zunehmende finanzielle Bedrängnis schwer bedroht ist. Die Ermordung des konservativen Führers Canovas und der Uebergang der Regierung an die schwächliche und schwankende liberale Partei erschütterten gleichfalls seine Festigkeit. Das Zurückweichen der liberalen Regierung vor dem amerikanischen Uebermuth und vor den cubanischen Aufrührern hat den erhofften friedlichen Erfolg nicht gehabt. Die cubanische „Autonomie" ist die reinste Komödie, da fast ganz Cuba nichts davon wissen will und sie obendrein dem Mutterlande 720 Millionen Pesetas kosten soll. Der Aufstand auf den Phillippinen ist angeblich beendigt — durch Bestechung der Jnsurgentenführer! —, doch ist dieser Botschaft nicht recht zu trauen, da Spanien „vorsichtshalber" seine Besatzung auf den Phillippinen beläßt.
In Frankreich regiert noch immer das gemäßigte Ministerium, das sich für ein französisches Ministerium merkwürdig dauerhaft erweist. Daß es an den üblichen Skandalen nicht fehlte, dafür sorgte die (soeben durch eine merkwürdige Freisprechung einstweilen abgeschlossene) Neuauflage des „Panama", und die Dreyfus-Angelegenheit, die zur Stellung des von den Dreyfusanhänqern beschuldigten Majors Esterhazy vor ein Kriegsgericht geführt hat, offenbar aber ebenfalls durch durch Vertuschung begraben werden soll.
Auch in Italien nehmen de Crispi- und Bankskandale ihren Fortgang. Marchese di Rudini, der mit seinem neuesten Ministerium keine zuverlässige Mehrheit in der Kammer besitzt, suchte sich eine solche durch Aufnahme des radikalen Kirchenfeindes Zardanelli in sein Kabinet und durch kulturkämpferische Reden zu sichern, allein vergebens. Seine Herrschaft steht nach wie vor auf des Mesters Schneide.
Wir übergehen die kleineren Staaten und gedenken von den außereuropäischen nur der nord
genommen worden. Da geschieht manches, was man sonst nicht thut."
Oh, täuscht Euch nicht; es geschah weniger, als eigentlich hätte geschehen sollen. Neber vierhundert Einwohner von Drogheda werden nach Westindien verkauft. Wir thaten einen Fußfall vor Cromwell um Zurücknahme dieser Maßregel; und er hat darauf an allen Ecken die Befehle des Parlaments anschlagen lasten, die ihm bei seiner Abfahrt nach Irland ertheilt worden sind Danach foll er — ich habe hier die Abschrift, edle Herren. Gestattet, daß ich sie Euch vorlese."
O'Connell nahm ein Papier hervor, das er entfaltete.
„In diesem Aktenstücke wirb Cromwell zum Lord-Statthalter des Parlaments in Irland ernannt, alle Parlamentstruppen dortselbst werden ihm unterstellt, und dabei erhält er den Besehl," und O'Connell las nun wie folgt: „zu tödten, zu mastakriren, zu vernichten alle Rebellen; alle Städte und Häuser, worin Rebellen ausgenommen worden sind, zu verbrennen, zu zerstören, zu plündern, zu demoliren, ebenso alle Erntevorräthe, Getreide, Heu, welche sich dort befinden, endlich alle Individuen, die im Stande sind, die Waffen zu tragen, und die man in jenen Orten findet, zu vernichten."
Bei der Verlesung dieser barbarischen Instruktion schien allen das Blut in den Adern zu erstarren. Endlich ermannte sich einer der Aldermen und sprach: „So schlimm wird es, so Gott will, nicht werden. Wir haben keine Rebellen ausgenommen, waffenfähige Männer sind fast keine unter uns ....*'
„Sie stehen bei den irischen Truppen," fiel
amerikanischen Union, wo mit dem Amtsantritt des Präsidenten Mac Kinley die Hoch- chutzzöllner ans Ruder kamen und sich auch gleich inrch die Dingleybill bethätigten, die zu handels- lolitischen Streitigkeiten mit Europa, namentlich auch mit Deutschland führte.
Wir schließen ausnahmsweise einmal mit dem uns nächststehenden Lande, mit unserem Nachbar und Bundesgenossen Oesterreich-Ungarn. Es ist kein erfreuliches Bild, das das befreundete Reich uns im letzten Jahre bot. Mochte der polnische Ministerpräsident Badem bei der Ausführung feines an sich durchaus berechtigten Bestrebens, auf dem Fuße der Gleichberechtigung einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Nationalitäten herbeizuführen, auch manche Ungeschicklichkeit begangen, mochte er mrch sein Duell mit dem Radaubruder Wolff auch die Sympathien der katholischen Gruppen inner« ich verloren haben: das Alles kann nicht dazu ühren, die wüsten Lärmscenen und bis zu Thät- ichkeiten gesteigerten parlamentarischen Kämpfe, lie sich schließlich auf die Gaffe fortpflanzten, eiten § der philo- und antisemitischen deutschen Obstruktionisten zu entschuldigen. Ihr hochver- rätherisches Treiben hat die österreichische Monarchie auf's tiefste erschüttert und bloßgestellt, ihre Radau-Obstruktion den Parlamentarismus überhaupt kompromittirt und gefährdet. Als Badeni chließlich stürzte, mußte denn auch fein Nachfolger Gautsch alsbald das Parlament schließen und wird, da eine Verständigung bisher unmöglich war und wohl auch so bald nicht möglich sein wird, wohl längere Zeit ohne Mitwirkung der Volksvertreter regieren müssen. Die Verfassung ist also einstweilen in Oesterreich ausgehoben — ein netter Erfolg der liberalen Verfassungswähler! Einfach durch Verordnung des Kaisers ist auf diese Weise auch schon der Ausgleich mit Ungarn, wo ebenfalls eine Obstruktion die parlamentarische Erledigung unmöglich machte, einstweilen verlängert worden. Hoffen wir, daß das neue Jahr den habsburgischen Landen den Frieden bringen, uns aber zugleich den allgemeinen Weltfrieden erhalten möge! ____________
O'Connell ein. „Das würde genügen, Euch den Hals zu brechen."
„Aber wir stehen doch nicht bei den Truppen," unterbrach ihn der Mayor. „Ich glaube auch; das ist mehr ein Schreckschuß, der nicht ernst gemeint sein kann. Nicht einmal in Drogheda, das sie stürmend erobert, hat man d^ ansgeführt. Und bann war gerade bei der großen Hetze auf die Engländer diese Grafschaft kaum bctheiligt; sie finden sich ja alle lebendig in H.mg:y-Tower, das werden wir Vorbringen: und Menschen bleiben doch die Engländer immer. Wie sollten sie falt und grausam wehrlose Frauen und unmündige Kinder niedermetzeln, die ihnen nie etwas gethan. Ich kann es mir nicht denken. In Drogheda lag der Fall anders; dort waren sie durch hartnäckige Gegenwehr gereizt. Unser edler Gast überträgt nun das, was er in Drogheda gesehen und erlebt, auf uns. Thuen wir unser Möglichstes, die Feinde milder zu stimmen, und überlassen wir Gott.das Andere. Er hat Euch gerettet, da Ihr schon zum Tode geführt werden solltet, und er kann auch uns bewahren."
„Und wenn nun Gott mich nur deßhalb gerettet hätte, um Euch zu warnen?"
Aber die Aldermen fühlten sich um vieles beruhigter. Man mochte den geäußerten Befürchtungen wenig Werth beilegen und schrieb dieselben großentheils dem in Droghede erlebten Schrecken zu. Darin wurden sie durch Mitthei- luugen bestärkt, welche der Rathsdiener vom Rathhause brachte. Der dortige Aldermann versicherte, daß der Offizier ein sehr wohlwollender freundlicher Mann sei und gar kein Geheimmß aus dem Zwecke des Streiszugs mache. Das
auf die
§?u£baer Zeitung werden zu jeder Zeit von allen Postanstalten, den Landbriefträgern, Zeitungsträgern sowie in unserer Expedition (Harmonie) angenommen.
Deutsches Aerch.
Berlin, 8. Januar.
* Sehr beachtenswerth ist eine bei I. P. Bachem in Köln erschienene Druckschrift über „Die Parität in Frentzen." Mit großer Mühe und möglichster Sorgfalt ist darin das ge- sammte Material zusammengetragen. Nicht mit allgemeinen Klagen haben wir es da zu thun, sondern mit unwiderleglichem Zahlenmaterial. Ein Katholik kann die Schrift nur mit dem Gefühle der Empörung ans der Hand legen, so handgreiflich ist darin das den Katholiken angethane Unrecht nachgewiesen. Mancher, den vielleicht die schönen Red nsarten des Kultusministers oder die Ungezogenheiten der Herren v. Eynern und Gen. zu der Annahme verleitet hatten, die Klagen des Centrums seien übertrieben, wird hier zu seiner unangenehmen Ueberraschung eines Andern belehrt werden. Bezeichnend ist, wie die gegnerische Presse, soweit sie von der Schrift bereits Notiz genommen hat, sich mit ihr abzufinden sucht. Die ,Kreuzztg/ „zweifelt nicht, daß sie im katholischen Lager eine große Wirkung haben wird". „Hier
s Utr letzte Häuptling von Mllarney.
Eine historische Erzählung
von Philipp Wasserburg (Laicus).
21 ------ (Nachdruck verboten.)
„Wer ist er, und woher kommt er?" fragte der Letztere.
Da der Diener das nicht wußte, so wurde er bedeutet, den Fremden um Namen, Herkunft und Wunsch zu befragen, damit der eben versammelte Rath wissen könne, ob man ihn vor- taffen solle; denn man habe eben mehr zu thun.
Der Diener war kaum draußen, so kehrte er wieder zurück; er riß beide Flügelthüren auf und rief:
„Sir Ralph O'Connell, Rathsherr von Drogheda."
Alle Anwesenden erhoben sich, und streckten glückwünschend dem hastig Eintretenden die Hände entgegen; aber dieser wehrte jeden Empfang mit einer Handbewegung ab und begann sogleich:
„Edle Herren, schreckliche Dinge stehen bevor! Zu spät hab' ich gehört, daß sich die erste Wuth hierher wiift. Als ich es hörte, verließ ich stracks mein Versteck und eilte hierher. Euch zu warnen. Harrison kommt mit seinen Dragonern."
„Wir wissen das," antwortete der Mayor. „Bereits ist eine Reiterschaar von zwanzig Mann unter Sir Edward Durham eingerückt, und hat für morgen das Regiment angesagt. Wir sind eben beschäftigt, Lebensmittel und Fourage aufzubringen."
„Thut das nicht! Verliert keine Zeit, sondern nehmt Frau und Kinder, und geht damit in die Berge. Wenn Euch die Zwanzig hindern wollen,
t der Artilleriepark der (Centrums-) Partei, mit dem sie in der bevorstehenden Landtags-Session vorzugehen beabsichtigt;" „es wird nun ja feint? Wirkung auf die katholische Bevölkerung nicht verfehlen, wenn die Schrift darzulegen sucht rc." Kurz, auch die ,Kreuzztg/ hat offenbar aus der Schrift den Eindruck gewonnen, daß die Imparität der Katholiken schreiend ist. Sie will es aber nicht zugeben.
* Die ,Milit. und Polit. Korr/ behauptet, in den letzten Tagen sei davon die Rede gewesen, der Abg. Lieber werde in eine höhere Staatsstellung berufen werden. — Bei der jetzigen ungewöhnlich warmen Witterung kann man solche „Nachrichten" beinahe erklärlich finden.
* Die ZLkutttzal vo« Hchantjatschuang i't in ihren Hauptzügen durch die Mittheilungen des Hrn. Provikars P. Freinademetz bereits allgemein bekannt. Nachstehende, zum Theil ergreifende Einzelheiten, die aus Steyl mitgetheilt werden, dürften noch von besonderem Interesse ein: Als der Ueberfall stattfand, befanden sich noch einige Christen in einem durch einen Hosranm ! getrennten Nebengebäude; vielleicht waren sie noch >om gemeinsamen Abendgebete dageblieben, vielleicht auch wollten sie, wie das in der Mission wohl mehr geschieht, wenn irgend wie Gefahr zu drohen scheint, Wache halten. Als die Mörder- llande aber hereinstürzte, hatten sie nicht den Muth, sich zu rühren. Da die Mörder auch die Aus- und Eingänge besetzt hatten, konnten sie zudem nicht gleich die Christen des Ortes zu Hilfe rufen. Deshalb kamen letztere erst später, als die schreckliche Thal bereits vollbracht war. Das erste Opfer grausamer Mordwuth ist P. Nies gewesen. Die dreizehn tödtlichen Wunden, die man ihm beigebracht hatte, waren, wie die Berichte lauten, grausig anzusehen. Nicht zufrieden damit, auf ihr Opfer loszustechen, haben die Mörder, wie man an den Wunden sehen konnte, ihr Messer in den Wunden umgedreht und ganze Stücke Fleisch herausgerissen. Die Christen haben noch gehört, wie P. Henle gerufen: „Nicht tödten!" Mit diesem Rufe hat letzterer wohl seinem überfallenen Mitbruder zu Hilfe kommen wollen und ist dann sofort, aus neun tödtlichen Wunden blutend, über feinen Todesgefährten gefallen. An beiden Händen waren mehrere Finger abge- schnitten. Es scheint, daß P. Henle nach dem Messer seiner Mörder gegriffen und sich so die schreckliche Verstümmelung beider Hände zugezogen hat. Als P. Stenz, der, so bald die Mörderbande abgezogen war, feinen überfallenen Mitbrüdern zu Hilfe eilte, dem sterbenden P. Henle die h. Oelung an der Stirne ertheilte, wie es zu geschehen pflegt, wenn die Todesgefahr die Beendigung sämmtlicher Salbungen nicht mehr zu gestatten scheint, nickte dieser ihm noch freundlich zu. P. Nies gab kein Lebenszeichen mehr von sich. Die Unholde haben auch, was sie an Geld und Werthgegenständen vorfanden, mitgenommen; daß aber nicht Rauben, sondern Morden ihr erster und hauptsächlichster Zweck war, geht aus dem Angedeuteten zur Genüge hervor. P. Ziegler wurde gleichzeitig, aber auf einer anderen Station, von eigentlichen Räubern heimgesucht und beraubt, war jedoch abwesend. So erklärt sich die erste amtliche Mittheilung, daß P. Ziegler vermißt werde.
mit Ilnlerhattmtgs-Ieilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung"