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mit Mterhattungs-Beilage „ILuItrirte Sonntags-Zeitung!' petersgasse llr. L lDarmonie).

SB

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Jutöa, Samstag, den 8. Januar 1898

25. Jahrgang

Reform der Eisenbahn-Fahr­preise?

Wer wollte leugnen, daß unsere Eisenbahnen der Reform bedürftig sind? Sie sind es, und das in hohem Maße in allen deutschen Bundes­staaten, am meisten wohl aber in Preußen. Und ganz besonders trifft dies zu auf zwei Punkte im Eisenbahnwesen: auf die Sicherheit des Be­triebes und auf die Preise der Fahrkarten. Daß es mit der Sicherheit des Betriebes nichts weniger als gut bestellt ist, haben wir leider während des letzten Sommers nur allzu deutlich erfahren. Und daß man in Preußen die geringere Sicherheit stets theuer bezahlen muß, lernt jeder kennen, der die Eisenbahn gleichmäßig oft in den verschiedenen deutschen Bundesstaaten benützt. Preußen gehört die Erfindung an, daß man in gewissen Schnell­zügen dafür, daß man dieselben benützen darf, auch noch eine besondere Gebühr entrichten muß für den Platz, auf dem man sitzen will. Preußen hält hartnäckig an der alten Gepflogenheit fest, daß der Fahrgast, der gar kein Gepäck mit sich führt, seine Fahrkarte ebenso theuer bezahlen muß, wie ein anderer, der sich von der Bahn auch einen Koffer im Gewicht von 22 ke; mitnehmen läßt. Preußen hat die Sperre der Bahnsteige und die geniale Einrichtung, daß jedermann einen Reichsnickel anlegen muß, wenn er einem lieben Verwandten oder Freunde beim Abfahren des Zuges ein letztes Lebewohl zuwinken will. Nicht aber kennt man in Preußen die Giltigkeit der Rückfahrkarten für zehn Tage, nicht Zonentarife, nicht Kilometersahrscheine ... alle diese schönen Sachen muß man sich in Nachbarländern an­sehen, wenn man sie kennen lernen will. Beim preußischen Eisenbahnfiskus ist kein Sinn zu finden für solche Einrichtungen. Ganz anders, als in anderen Köpfe» malt sich bei dem das Bild von dem Zeitalter des Verkehrs.

Das alles weiß der welterfahrene Mann gar wohl; und den preußischen Eisenbahnfiskus fürchtet er, auch wenn dieser sich anstellt, als wolle er Geschenke bringen. Darum war es einigermaßen bewundernswerth, als vor einigen Tagen eine offiziöse Andeutung, daß im preuß. Eisenbahnministerium über eine „Vereinfa­chung" der Personenfahrpreise nachgedacht werde, von einer ganzen langen Reihe von Zeitungen in dem Sinne gedeutet wurde, daß vermuthlich eine Herabsetzung der Fahrpreise erwogen werde. Wie mag Herr v. Miquel vergnügt ge­wesen sein, als er das las!

Thatsächlich finden gegenwärtig im preußischen Eisenbahnministerium Erwägungen statt, die mit den Perfonenfahrpreisen auf den Eisenbahnen sich beschäftigen. Aber an eine Herabsetzung derselben denkt kein Mensch. Und diese Idee kam selbst den Herren von der Regierung so wunderlich vor, daß man sich beeilte, diejenigen, die von solchen Verbesserungen träumten, aus dem Lande ihrer schönen Träume wieder in die kühle Wirklichkeit

8 Her letzte W-iimz gut Kllmey.

Eine historische Erzählung

von Philipp Wasserburg (Laicus).

20 ------ (Nachdruck verboten.)

Unwillkürlich ballten sich Roberts beide Fäuste; einen funkelnden Blick schoß er auf den Häupt­ling; dann senkte er den Kopf, daß sein Kinn auf der Brust ruhte und murmelte tonlos:

„Das sprach mein Vater."

„Nicht um Dich zu kränken, Robert!" siel der Häuptling rasch ein. „Ich habe Dir eine Möglichkeit vorgestellt, die Du erwägen sollst; weil der Ire sie dem Engländer schon zutrauen kann."

„Dein Haß verblendet Dich, Vater."

„Mein Haß? Fast ganz Irland hat die Waffen ergriffen, und der Sept von Killarney ist friedlich. Wenn ich den Eingebungen meines Gefühls folgte, würden unsere Schwerter sich mit den englischen kreuzen. Aber weißt Du, daß Fitzgerald sich im Heere Cromwells befindet?

„Ich ahne es."

„Und das sagt Dir nichts?"

„Ich glaube an Lucy."

„Dann muß sie ein edles Wesen mindestens scheinen. Ist dieser Schein Wahrheit, hat sie ehruch Dir ihr Herz geschenkt/ trotz der Kluft, ore tiefer als das Meer uns von England scheidet, dann muß sie sehr hoch stehen, und dann muß ste Dich sehr gerne haben."

„So ist es, Vater! So ist's!" rief Robert freudig den Kopf erhebend.

„So mag's Dir scheinen; ob Wahrheit oder ^-rug, das werden die nächsten Tage entscheiden."

zurückzuführen. „Die neueren Untersuchungen — so mußte ein Offiziosus schreiben — bewegen sich nicht in der Richtung auf eine Verbilligung, als vielmehr auf eine Vereinfachung der Personentarife." Vereinfachung . . . auch eine Abrundung nach oben kann man eine Verein­fachung nennen. Und so ähnlich denkt man sich die Sache wohl auch im preußischen Eisenbahn­ministerium. Wenigstens wurde in diesen Tagen von einem Berliner Regierungsblatte ganz offen angedeutet, daß man sich von Berlin aus Mühe gebe, die süddeutschen Staaten dahin zu bringen, daß sie auf ihren Staatsbahnen die Personenfahrpreise den preußischen gleich zu machen — genauer also ausgedrückt: zu erhöhen. Und das wäre ja dann auch eine Vereinfachung. Wer weiß sogar, ob nicht ein besonders findiger fis­kalischer Kopf eine solche Maßregel vertheidigen möchte als nothwendig für den weiteren Ausbau der deutschen Einheit.

Hoffentlich bewahren die süddeutschen Regie­rungen Festigkeit gegen die preußischen Versuch­ungen. Daß aber jedenfalls der preußische Eisen­bahnfiskus von nichts weiter entfernt ist als von Herabsetzung der Personenfahrpreise, beweist recht deutlich eine Thatsache.

An einer Stelle in Preußen gibt es einen guten und billigen Zonentarif: nämlich innerhalb des Berliner Vorortverkehrs. Früher, als er eingeführt wurde, war auch bei allen, die den Herrn Fiskus genauer kennen, das Erstaunen darüber groß, und mancher war sogar so mißtrauisch, auch darin noch irgend eine fiskalische Tücke zu vermuthen. Das war indessen wirklich einmal eine Reform. Der Fiskus aber nimmt sich den Ausspruch des Dichters zu Herzen, daß des Lebens ungemischte Freude keinem Sterblichen zu Theil wird; und jetzt wird auch der Berliner Vor­ort-Tarif wieder zurück „reformirt". Vom 1. Februar ab werden nämlich für einen erheb­lichen Theil des nördlichen Berliner Vor­ortverkehrs die Fahrpreise in ganz empfind­licher Weise erhöht werden, zum Theil um nicht weniger als 100 Prozent.

Das ist ein deutliches, ein vielsagendes Bei­spiel dafür, was der preußische Fiskus in der Aera Miquel unter „Vereinfachung" der Per- fonenfahrpreise versteht. Und alle die Nachrichten der letzten Tage über angeblich bevorstehende Re­formen müssen nach diesem Beispiele beurtheilt werden, um in die richtige Beleuchtung zu kommen.

Deutsches Keich.

Berlin, 7. Januar.

* Der Kaiser nahm heute den Vortrag des Reichskanzlers in dessen Amtswohnung entgegen.

* Das kaiserliche Kossager bleibt zunächst noch aus Rücksicht auf die angegriffene Gesund­heit der Kaiserin im Neuen Palais bei Potsdam. In früheren Jahren pflegte um diese Jahreszeit die Ueberfiebelung nach dem Berliner Schlosse zu erfolgen. Diesmal sind bestimmte Anordnungen über den Zeitpunkt dafür noch nicht ergangen.

* Der MnndesralH hat heute eine Plenar­sitzung abgehalten.

„Und wenn's nun Wahrheit, Vater, was würdest Du sagen?"

„Wenn Du ein Weib findest, das so alles ©einige verläßt, um sich Dir anzuschließen, eine Engländerin einem Iren, eine Siegerin dem Ver­folgten, nimm sie! Halte sie fest, liebe sie mit aller Kraft, bereit Du fähig Fist; denn glücklich preise ich den, der solche Liebe findet. Aber fei Du nicht kleiner als sie; ehe Du sie nimmst, sage ihr offen, was ihr an Deiner Seite bevorsteht. Täusche Dich nicht! Der Sturm, der eben über Irland braust, wird auch den Sept von Killar­ney verschlingen. Ist es nicht Fitzgerald, so ist es ein Anderer. Und wenn Alles barniebertiegt, bann soll noch bas Banner mit der Harfe unb ben Kleeblättern auf biesen Bergen wehen. Sage ben jungen Männern unseres Stammes, baß sein Häuptling nicht wie ber Dachs in seinem Baue schlafe. Es wirb bie Stunbe kommen, wo ber Kampfruf von Hütte zu Hütte erschallt."

„Unb wann wirb bas sein, Vater?" „Wenn Killarney angegriffen wirb." „Dann ist's zu spät."

„Robert, es ist längst zu spät. Ein gefähr­liches Beginnen ist's, ben stärkeren Nachbar zu Hilfe zu rufen. Denn stets macht er sich zuletzt von Freunb unb Feinb bezahlt. Fast 500 Jahre sind es nun, daß die Engländer in unser Land gerufen wurden und das Pfahlland besetzten. Wir sind sie seitdem nie mehr los geworden; damals, als der erste Engländer Irlands Küste betrat, war der Augenblick, ihn in's Meer zu werfen; aber er fand irische Hände bereit, um ihm die Ausschiffung zu erleichtern. Wir büßen schwer dafür."

Die Eröffnung des preußische« Land­tages wird am 11. Januar, Mittags 12 Uhr, im Weißen Saale des königlichen Schlosses durch den Ministerpräsidenten Fürsten Hohenlohe erfolgen. Unmittelbar nachher wird bie erste Sitzung des Abgeorbnetenhaufes folgen, bie noch von bem bisherigen Präsidenten des Abgeord­netenhauses, Herrn von Köller geleitet wird. Am Tage danach wird dann die Neuwahl des Prä­sidiums folgen. Herr von Köller hält an dem Entschlüsse fest, das Amt des 1. Präsidenten niederzulegen. Es wird für ihn, wie schon mehr­fach erwähnt, Abg. v. Kröcher statt seiner von den Konservativen zum Präsidenten vorgeschlagen werden. Auch das Herrenhaus wird am Dienstag um P/2 Uhr seine erste Sitzung abhalten. In dieser wirb sofort die Wahl des Präsidiums vorgenommen werden.

* Die gestrige Sitzung des preußische» Staalsmiuisteriums hat lange Zeit in .An­spruch genommen: von Mittags 2 bis Abends 71/e Uhr. Es wurden in dieser Sitzung Vor­lagen berathen, die dem Landtage zugehen sollen. Von einer Novelle zum Vereins­gesetze ist enbgiltig abgesehen. Und zwar ist allem Anscheine nach die Entscheidung in diesem Sinne schon vor längerer Zeit gefallen. Wir haben von Anfang an den entgegengesetzten Nach­richten keinen Glauben beigemessen.

* Als Direktor der Kolonialabthei- lung des Auswärtigen Amtes ist der,Germania' zufolge Dr. Schmidt-Leda in Aussicht genommen, der früher Generalkonsul für Japan war.

* Der neu ernannte chinesische Gesandte für das deutsche Reich, Li-Kai-Lme», ist am Donnerstag in Berlin eingetroffen. Die in Berlin lebenden Chinesen erwarteten den neuen Gesandten am Bahnhofe. Derselbe trifft hier mit feiner Gattin und mit einem Gefolge von 57 Personen ein.

* Der frühere Landtagsabgeordnete KHrikopH Joseph Kremer ist im Alter von 57 Jahren in Schöneberg gestorben. Cremer, ber von 1877 bis 1893 bem Abgeorbnetenhause angehörte, war geboren zu Glesch im Kreise Bergheim (Reg.-Bez. Köln) unb ist zuerst als Anhänger unb Mitglieb bes entrums politisch hervorgetreten. Er war nacheinander Redakteur in der ,Köln. Volksztg.', dem,Wests. Merkur' und der,Germania'. Später aber schloß er sich den Konservativen ber Stöcker'- schen Richtung an unb hat als „Wilder" eine gewisse Rolle gespielt. Eine Zeit lang hat er sich auch ber befonberen Protektion bes Fürsten Bis­marck zu erfreuen gehabt. Er rühmte sich eines Tages im Abgeorbnetenhause, daß er einmal im Hemde des Fürsten Bismarck geschlafen habe. 1893 wurde er von seinen konservativen Freun­den fallen gelassen und führte seitdem ein zurück­gezogenes Leden als Redakteur des ,Teltower Kreisblattes'.

Am letzten Mittwoch hat im Polizei­präsidium zu Berlin die Schlußverhandlung gegen den früheren Krimiuakkommiflar v. Kausch stattgefunden. Die Verhandlung ist, wie in Preußen alle Disziplinarsachen, geheim geführt worden; der Vorsitzende des Gerichtshofes war der Berliner Polizeipräsident v. Windheim. Nach allem Voraufgegangenen, namentlich nach der Art und Weise, wie Tausch in dem gegen ihn

„Aber jetzt stehen wir doch alle zusammen gegen England."

„Da möcht' ich wohl auch dabei sein; aber laß Dich vom Scheine nicht trügen, es ist nicht wahr."

Robert schaute seinen Vater groß an.

„Irland kämpft heute zuerst für Karl I., und jetzt für Karl II., das heißt: für Englands König gegen Englands Parlament. Haben Englands Könige sich so verdient um Irland gemacht, daß wir das Blut hergeben sollen, um ihnen den Weg zum Throne zu bahnen? Verstehst Du nun, warum keine Flammen lodern? Lasse doch ohne Irlands Dazwischenkunft die Königlichen und bie Runb- köpfe sich bie Hälse einanber brechen. Wenn sie Englanb vom Tweeb bis zum Kanal in eine Blut­lache verwanbelt haben, bann werben wir viel­leicht roteber Herr auf unserem Boben. Aber weißt Du, was geschieht, wenn wir in biesem Kampfe für ben König siegen?"

„O Vater!" antwortete Robert in schmerz­lichem Tone.

„Du mußt es wissen, Robert; dann schickt derselbe Karl II. dieselben Leute, die Irland mit seinem Blute für ihn hinausgeworfen hat, in feinem Auftrage wieder zu uns herüber, und sie werden zu ben alten noch neue Gesetze mitbringen. So lange ich an der Spitze des Stammes von Killar­ney stehe, soll dafür kein Tropfen Blutes von seinen jungen Männern vergossen werden."

„Armes Irland!" murmelte Robert. „Ob Sieger oder besiegt, sein Untergang scheint Dir besiegelt."

„Sticht für immer, Robert! Das gibt Gott nicht zu.' Es ist eine Prüfung, und wenn es noch

geführten Meineidsprozeffe behandelt wurde, hatte er sonderlich strenge Richter nicht zu fürchten; und auch im Allgemeinen hat man nicht ange­nommen, daß es ihm dabei besonders schlecht er­gehen würde. Aber daß Tausch so glimpflich davonkommen würde, wie es nun in ber Thai ber Fall ist, hat vorher Niemanb geglaubt, und ohne Zweifel wird die außerordentliche Milde des Urtheils unliebsames Aufsehen in weiten Kreisen Hervorrufen. Der ehemalige Kriminal- kommiffar v. Tausch wird zwar durch das er­gangene Urtheil aus seinem Amte entfernt, aber gleichzeitig wirb er in ein anderes Amt mit gleichem Range versetzt, unb er verliert nur ben Anspruch auf bie Erstattung ber Umzugskosten. Auch hat er die Kosten des Verfahrens zu tragen. Wohl heißt es auch in dem Urtheile, daß Tausch in seinem Amte als Kriminalkommissar die Pflichten seines Amtes verletzt, und daß er sich unwürdig gezeigt habe der Achtung, des Ansehens und des Vertrauens, die sein Berus erfordert. Aber kaum wird sich Herr v. Tausch sonderlich grämen um diese Verurtheilung in Worten. Aber baß er nicht anders bestraft wirb, obwohl er so und noch ganz anders gehandelt hat, das wird schwer­lich dazu beitragen, das Ansehen und das Ver­trauen zu heben, bereit bei uns die Polizei sich erfreut. Minister v. Köller unb Staatsfekretär Marschall v. Bieberstein mußten aus ihren Aemtern weichen. Tausch bleibt. Wirb ber Vertreter ber Anklage, der Dienstentlassung als bie höchstzulässige Strafe beantragte, bei bem Urtheil sich beruhigen? Ober wirb er Berufung beim preußischen Staats­ministerium einlegen? Fast muß er Berufung ein­legen, fönst könnten mißtrauische Leute, bie an Reichsverbrossenheit leiben, gar zu leicht auf ben Gebauten gerathen, daß es mit dem ganzen Ver­fahren nicht allzu ernst gemeint war.

Die Leitung der Berliner Bokizei leugnet nicht mehr länger, daß diese verbesse­rungsbedürftig ist. Ein bekanntes Preffe-Organ, das regelmäßig zu halbamtlichen Kundgebungen benützt wirb, künbigt an, daß im nächsten Etats­jahr mit einer Reorganisation ber Berliner Poli­zei ber Anfang gemacht werden foll. Aber dieser Anfang wird recht klein fein. Zunächst sollen näm ­lich für einige — gar nicht etwa für alle! — Berliner Polizeireviere „in der Person von Kriminalwachtmeistern lange erprobte und im Kriminalfache gründlich erfahrene Beamte" außer den Kriminalschutzleuten beigesellt werden. Es wird auch ohne weiteres zugestanden, daß diese Verbesserung vorerst nur in einem Theile der Polizeireviere deshalb vorgenommen werben soll, weil man sehr wenig geeignete Leute hat; unb an einer anbern Stelle ber offiziösen Kundgebung wirb gesagt, es sei neuerbingS „eine beträchtliche Vermehrung bes Beamtenpersonals nothwenbig geworben", unb man „konnte barum mit der Auswahl bei ber Ergänzung ber Polizei-An­wärterschaft nicht mehr so vorsichtig ver­fahren wie in früherer Zeit." Das ist offen ge­sprochen. Leiber wirb baburch nur allzu sehr bas bestätigt, was man sonst schon längst sich sagte, baß nämlich bisher bie Polizei in Berlin, unb namentlich bie Kriminalpolizei, ihrer Haupt­aufgabe nicht gewachsen war noch ist: diese Hauptaufgabe ist, für die Sicherheit der Steuer Jahrhunderte dauert, so wird Irland zu feinem Rechte kommen!"

„Das walte Gott!" erwiderte Robert, indem er mit trübem Lächeln feine Hand in bie Hand feines Vaters legte.

Damit trennten sich beibe, der eine ging, um die Arbeiten des Tages nachzusehen, der andere suchte bie Gefährten auf, um ihnen bie Antwort bes Häuptlings auf ihre Forderung des Losschlagens zu überbringen.

Vil.

Longsorb.

Das Städtchen Longforb, ber Hauptort ber gleichnamigen Grafschaft, zählte um biefe Zeit etwa 3000 Seelen, unter ihnen jeboch nur wenige kampftüchtige Männer, benn weitaus bie meisten stauben im Heere bes Herzogs von Ormonb.

Die Einwohner waren in großen Sorgen nicht allein um bie Sache Irlands, fondern auch um das Schicksal ber Ihrigen; denn da war niemand, der nicht einen Sippen, ober einen lieben Freund unter ben Kämpfern gehabt, unb bie un­glücklichen Tage von Rathmines, woselbst General Jones bie Belagerungsarmee bei Dublin auf's Haupt schlug, und vcm Drogheba waren im Laube durch Flüchtlinge bekannt geworden, und nach der Art und Weise, wie die Engländer in dem letzteren Orte hausten, hegte man die schwersten Besorg­nisse. Die letzten Nachrichten lauteten, daß die Engländer sich rüsteten, in's Land zu gehen, unb baß ein Rathsherr namens O'Connell hätte auf­gehängt werben sollen, aber ein Engel habe ihn gerettet. UebrigenS sei ber Rathsherr seitbem aus Drogheba verschwunben. Die Besorgnisse