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FuldaerMZritung

ttf 3*imu« 3. P«»i<lWr t* Stite. ** mit Zlnterhattungs -Anlage „Zllustrirte Sonntags-Zeitung!'

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M 299, Juköa, Dienstag, den 31. Dezember 1901. 28. JahrgMA

0 Zum neuen Jahr>

(Nachdruck verboten.)

Wir Menschen meffen unser Leben nach Jahren, so daß jedes neue Jahr gewiffermaßen ein neuer Markstein ist, den Gott der Herr auf unsere» Lebensweg setzt. Unwillkürlich drängt sich uns die Frage auf, wie viele solche Steine Gott für unser» Lebensweg noch übrig haben wird, oder ob vielleicht dieses neue Jahr der letzte Markstein ist vor den Thoren der Ewigkeit? So bringt es der Neujahrstag natur­gemäß mit sich, daß mau seine Blicke i» die Vergangenheit und in die Zukunft richtet.

Wen» Gott auf diese Marksteine die Ab­rechnung aufzeichnet, die er nach jedem ver­lebten Jahre mit uns hält, waS steht wohl auf diesem unserem Marksteine geschrieben? Wir sehen da den Betrag unseres Verdienstes und unseres Mißverdienstes. Daß Gott der Herr mit uns rechnet, nach Recht und Gerechtigkeit alles berechnet, das werden wir wohl nicht bezweifeln können. In seiner Güte und Barm­herzigkeit hat Gott auf unserem Lebenswege Gnade an Gnade gereiht, so daß stch eine lange Kette von Gnaden und Wohlthaten gebildet hat, die eine» Markstein unseres Lebens mit dem andere« verknüpft bis auf den heutigen Markstein. ES fragt sich nun: Konnte Gott auf unser» Namen Verdienst oder Mißoerdievst eintragen: Wenn das Kind, der Jünglinp, die Jmgfrau von Jahr zu Jahr gewiffenhaft weiter strebt und in christlicher Erkenntniß und Weisheit, in Glaube, Liebe und Demuth, in allen schöne» Tugenden weiter und weiter kommt, wie es von dem allerheiligsten Vor­bilde der Jagend, von Jesus Christus, ge­schrieben steht: „Der Knabe JesuS nahm zu, wie an Alter so auch an Weisheit und Gnade bei Gott und de» Menschen" — dann schaut Gott mit Wohlgefallen auf ein solches Leben, und jeder Herzschlag eines solche» Lebens wird von ihm als Verdienst ausgenommen. Und ist der Mensch im männlichen Alter, nimmt er es ernst mit seinen Pflichten, nimmt er bei seinen Arbeiten und Beschwerden im Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe zu, dann erfüllen sich an ihm die Worte deS heiligen Geistes: „Der Weg eines Gerechten ist wie ein wachsendes Licht" (Sprüche 4, 16); sucht er mehr und mehr seinem göttlichen Vorbilde, dem Heilande, ähnlich zu werden in der Geduld und Sanft- muth, in der Demuth und Liebe — dann ist jeder Zug, jedes Werk edel und wrrthvoll, gottgefällig und würdig, als Verdienst von Gott eingetragen zu werden in das Buch des Lebens. Wenn dagegen der Mensch mit der Gnade Gottes nicht mitwirkt, wen» er, anstatt Fortschritte in der Tugend zu machen, auf Ab­wegen und Irrwege» wandelt, dann ist ein solcher Leben ohne Werth vor Gott. Denn daß man viele Jahre hinieden verlebt, daß ein NeujahrStag auf den Andern folgt, daß der

Geloste Iestel'n.

Orgmalnovslle von Felix Lauth er.

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Erwin nahm die Eröffnung hin, stumpf und dumpf, ohne Klage. Ein einzige« Lebewohl rief er dem Rath zu, der ihm in dieser schwersten Stunde seines Lebens nicht beistehen konnte. Dann eilte er, wie von Furim gepeitscht, auf die Straße hinab und bald lag er athemlos in den Armen seiner Mutter, der von dem Schrecklichen bereits Kunde geworden war.--

Für die alte Frau war dieser Schlag zu stark. Ihre Widerstandskraft war gebrochen, und kaum einmal hatte der Zeiger feine» Rundgang am Zifferblatt der alten Schwarzwälder Uhr vollendet, da hatte die Aermste am Herzen ihres Sohne» ihr freudenloses Leben befchloffen. Und wie laut auch Erwin, von Schmerz und Trauer zerriffs», ihren Namen rief, er konnte die Seele nicht zurück­bannen in den morschen Körper, aus dem sie zu einem besseren Dasein, zum ewigen Frieden ent­flohen.

Dem Jüngling aber schien e», al« senke sich vor ihm da« ganze Leben in Nacht und Finsterniß hinab. . . .

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Mehrere Male hatte nach jenen traurige» Begebniffen der Winter die Erde in seine weiße Decke eingehüllt. Und immer und immer wieder hatte der goldene Frühling, der nie alternde, ewig frische Jüngling den trübseligen Geist i» die Flucht geschlagen, um selbst die Herrschaft

Mensch zeitliches Wohlergehen, zeitliches Glück genießt — das ist des Beifalls vor Gott nicht werth, das ist auch nicht eines göttliche» Blickes würdig. Wer gute Vorsätze nicht gehalten, wer am Glauben, an der Tugend Schiffbruch ge­litten hat, der häuft stch Mißverdienst, Schuld auf Schuld, Strafe auf Strafe. Wie die Sonnenuhr uns nur die Hellen, heite­ren Stunden angibt und zählt, so zählt Gott i» seiner Gerechtigkeit, in seiner Werth­schätzung und Liebe nur die Stunden, in reuen man treu mitgewirkt hat mit seiner Gnade und Fortschritte gemacht hat in der Tugend. Die Sache ist ernst und geht uns Alle an! Und am heutigen Neujahrstage sollen wir alle zurückblicken und wohl nachsehen, ob Verdienst oder Mißverdienst, Lohn oder Strafe auf unserem Markstein verzeichnet steht.

Die Sache ist ernst, denn wir wtffen ja nicht, ob Gott der Herr vielleicht heute den letzten Mark­stein für unfern Lebensweg gesetzt hat. Darum stellt der Neujahrstag uti uns die zweite Frage: Wie wollen wir die Zeit, die uns Gott noch schen­ken wird, benutzen? Sei es, daß wir durch den Mißbrauch der göttlichen Gnaden uns Mlßver- dienste, Schuld und Strafe zugezogen oder sei es, daß wir bisher mit Gottes Gnade uns Verdienste erworben haben, in jedem Falle darf uns nur die eine Antwort übrig bleiben: „Wir wollen treu und gewiffenhaft die Zeit benutzen, die uns Gott noch bescherten wird." Niemand unter uns ist so vollkommen, daß die ernste Pflicht der Ge- wiffenserforschung und der unablässigen ro tieren Vervollkommnung nicht auch für ihn Geltung hätte. „Wer gerecht ist, werde noch aerechter; wer heilig ist, werde noch heiliger. (Offenb. 22, 11.)

Ma« hört so oft darüber klagen, daß die Zellen so schlecht jseien, und dann wieder hört man antworten: Nicht die Zeiten, sondern die Mensche» sind schlecht. Möchte uns nie dieses Wort in dem Sinne entschlüpfen, daß wir über die Schlechtigkeit Anderer klagen, die Notbroen- digkeit unserer eigenen Besserung aber üb-rsrhen und geringschätzen. Jeder Einzelne von uns fange bei sich selbst an, bleibe aber nicht bei den An­fängen stehen, sonder« fahre auch u '-rmüdlich fort und harre aus bi» xnm Cüdr. Thun wir Alle zunächst für uns selbst unsere Schuldig­keit, dann wird es auch in unfern Umgebung besser werden und in dem Kreise, der unser Wirken und der Einfluß unserer Worte und Werke um­spannen. Wir solle« ja der Sauerteig sein, der die Welt durchdringt! Welche Pflichten erwachsen uns daraus für unsere Familien, für unsere Ü«ter- gebeneu, für unsere Berufsgenoffen! Und weiter: wie viel Gutes kann da jeder Einzelne stiften durch sein christliches Besspiel und fein offenes, mannhaftes Bekenntniß in feiner ganzen Gemeinde und als Glied der Kette auch im Staate!

Staat und Gesellschaft erwarten und ver­langen heute mehr als je die eifrige Arbeit und das gute Beispiel aller wahrhafte» Christen. Diejenigen, die die Religion ins stille Kämmer­lein bannen wollen, verkennen nicht nur die Macht des Beispiels, sondern sind auch schlechte Christen, die sich über die Nachfolge Christi offenbar noch wenig Gedanken gemacht habe«. Denn hat Christus selbst etwa r ur „im stille« Kämmerlein"

anzutrete«, sowohl über die Natur, wie über die Herzen der Menschen.

Auch heute meinte er es recht gut. Emen Tag ließ er heraufsteizen, angekündigt durch daS Frühkonzert der Amseln und Lerchen, wie et entzückender und wonniger nicht zu wünschen war.

Scho« am Morgen saß Gretchen von Hoch­feld am Fenster des Eckzimmers ihres HeimS in der Bendlerstraße und schaute sinnend schräg hinüber in das dichte Grün der hohen Linden, die ihr vom Thiergarten au6 freundlich winkte», gleichsam um sie zu einem Frühspaziergang ei»- zulade«.

Nicht spurlos waren die Jahre an Gretchen vo: übergegangen. Der Kummer um den Se- liebten ihres Herzens wollte sie nicht verlassen und drohte sie zuweilen zu überwältige». In­dessen die Hoffnung belebte ihr junges Herz und machte es stark und geduldig. Und so hatte sich den« die Knospe zu einer prachtvollen Rose ent­faltet. Gretchen war ernster und schöner ge­worden.

Wo er weilen mag? Welcher Schicksal den Aermste» getroffen haben mag? So dachte wohl auch jetzt Gretchen, wie so ost. Denn von Erwin hatte sie seit jener beklagenSwerthen Ka­tastrophe nicht« mehr gehört. Nur soviel hatte sie durch den Rath Erhardt, der in beständigem freundschaftlichem Verkehr mit der Familie stand, erfahren, daß Erwin die richterliche Beamten- kartiere abgebrochen und stch zunächst ins Aus­land begehen hatte. Und so fragte sie wohl manches Vöglein, welcher sich auf daS Fenster­brett niederließ, um die Nahrung aufzupicken,

gebetet und den Wänden gepredigt? Nein, auf dem offenen Markte des Ledens hat er gewirkt und gelehrt und das ganze jüdische Volk in zwei Lager geschieden, in die für ihn und in die wider ihn. Wir können es nicht anders halten, und wenn auch, wie gegen Christus, so auch gegen uns die Mehrheit des Volkes sich erhebt. Wir dürfen unser Licht nicht unter de« Scheffel stellen!

Mit solchen Gedanken wollen wir in das neue Jahr eintreten — dann wird unser Wirken gute Früchte bringen, und Gott der Herr wird uns und der ganzen Menschheit ein Jahr werden lassen, das einen Fortschritt zum Bessern be­deutet:

ein glückliches, gesegnetes Jahr!

Deutsches Keich«

Berlin, 30. Dezember.

h Zeutschkaud und Denezneka. Die Republik Venezuela hat bisher, wie bekannt, den deutschen Entschädigungsforderungen hartnäckige Weigerung entgegengesetzt, weswegen deutsche Kriegsschiffe der Küste von Venezuela ihren Be­such abstatten und der deutschen Forderung bessern Nachdruck verleihen solle«. Von einem Abbruche der diplomatischen Beziehungen ist in­dessen vorläufig noch keine Rede, wie die,Nat. Ztg/ vernimmt. Die Verhandlungen des deut­schen Geschäftsträgers mit dem Präsidenten Castro dauern noch fort.

h, D-ne englische Aeöergriffe. Schon wiederholt war zu klagen über allerhand liebet» griffe der Engländer gegen deutsche Post­sachen in Südafrika. Jetzt werden von neuem solche Klagen erhoben: Briefe, die Über London und Kapstadt nach Deutsch-Südwest- afrika gesandt werden, werden in Kapstadt der britischen Kriegs zensur unterworfen; andere Briefe, die von Amsterdam Über Hamburg unmittelbar nach Swakopmur.d versandt wurden, kamen gar nicht an ihrem Ziele an. DaS Reichspostamt hat eine Untersuchung dieser Angelegenheit ange­ordnet, die darthun soll, ob Verletzungen des -Weltpostvertta,- s vorliegen. Energie gegen die Herren Engländer ist unbedingt nothwendig.

+ Die KotsHakt Hör' ich wohl. ... In Jena hat sich ein Komitee evangelischer Geist­liche« gebildet zur Förderung der Bewegung, die auf den Zusammenschluß aller evan­gelischer Landeskirchen in Deutschland ge­ratet ist. Schon die Benennung dieses Komitees ist sehr vorsichtig gewählt; denn man hat, augen­scheinlich mit bewußter Absicht, eine Benennung vermieden, die darauf schließen lassen könnte, daß die Mitglieder dieses Komitees von dem Erfolge ihrer Bestrebungen überzeugt seien oder auch nur eine einigermaßen sichere Hoffnung damit ver­knüpfte«. Die Gothaer Anregung hat überall i« protestantischen Kreisen eine so kühle, wenn nicht unmittelbar ablehnende Aufnahme gefunden, daß man sie schon im voraus als vergeblich kenn­zeichnen kann, so sehr begreiflich auch die Er­wägungen sind, aus denen sie hervorging.

x Iranz Javer Kran» f. In San R<mo an den milden Gestaden der Riviera ist

die Gretchen täglich in Fürio-ge hir. streute. Kiwit—Kiwit! antwortete das kleine Wesen und flog davon, aber von dem Geliebten wußte eS Gretchen keine Kunde zu bringen . . .

Leise legte die Mutter, die soeben eingetreten war, ihre Hand auf Gretchens Schulter, die aus ihren Betrachtungen geweckt, überrascht auf­schaute.

Nach herzlichem Moraengruß überreichte die Majorin dem bestürzten Mädchen einen schwarz umrandeten Brief. Er enthielt die Anzeige von dem plötzlichen Tode Walters von Schmiedau, des jungen, befähigten und kühn aufstrebenden Beamten des Auswärtigen Amtes, der, auf einer Mission in Paris befindlich, mit dem Pferde gestürzt und an de« Folgen des Unfalles ge­storben war.

„Der arme, junge Freund!- flüsterte dis Majorin schluchzend. „Zu welch' großen Hoff «ungen berechtigte er für die Zukunft!*

Auch Gretchens Augen wurden feucht. Denn wenn sie auch Walter nie von Herzen hatte lieben könne«, wenn er ihr auch wegen seiner feindseligen Gesinnung gegen Erwin oft un­sympathisch war, so erinnerte sie sich doch stets voll inniger Dankbarkeit jenes NnglÜcÜfalleS, bei dem sie ihr Lebe« hätte lassen müssen, wenn ihr nicht Walter so ritterlich beigestand-n hätte. Nun mußte er selbst plötzlich und unerwartet einem tückischen Geschick zum Opfer fallen.

Noch waren die beiden Frauen ganz in Erinnerung versunken und ihren Gefühlen hingegeben, da schnarrte die elektrische HauS- schelle, und nicht ohne Verwunderung Über den frühen Besuch eilte die Majorin dem alte» Rath

am letzten Sonntag an den Folgen einer Magen- slutung Franz Xaver Kraus gestorben, Professor der Th-ologie an der Universität Freiburg i. Br. — ei» vielgenannter Mann während feines Lebens, dessen Name auch seinen Tod lange Zeit überdauern wird. Vor allen Dingen gehört die „Geschichte der christlichen Kunst", die der Feder des Dahingeschiedenen ihr Dasein verdankt, zu den glänzendsten Leistungen ihrer Art. Auch andere kunstgeschichtliche Werke zeichnen Fr. X. Kraus aus als einen der bedeutendsten Forscher und Schriftsteller auf diesem Gebiete. Als Poli­tiker und als Theologe hat Prof. Kraus bekannt­lich vielfach einen Standpunkt eingenommen, der von den maßgebenden katholischen Kreisen nicht getheilt werden konnte, weil er nachweisbar auf JrrthÜmern beruhte. Jctzt, nachdem er vor den Richterstuhl deS Ewigen berufen worden ist, mögen nur seine wirklichen Verdienste im Ge­dächtnisse der deutschen Katholiken bleiben, nicht aber das, worin er fehlte. Er ruhe in Frieden!

4- Der Aegierrmgsvezirk chrrmSiuxeu soll in feiner gegenwärtigen Gestalt nicht be­stehen bleiben. Schon feit Jahren ist die Rede davon, daß der sehr umfangreiche Bezirk getheilt werden solle, möglicherweise unter Hinzunahme des Kreises Memel, der jetzt zum Bezirk Königsberg gehört. In der Stadtverordneten- Versammlung zu Allenstein hat Herr Bürger­meister Belian mitgetgeilt, daß Herr Weihbischof Dr. Herrmann im Ministerium die Zusicherung erhalten habe, Allenstein werde mit der Zeit der S'tz einer Regierung werden. Wen» die Mittheilung richtig wiedergegeben ist, dann kann man dem aufstrebende» Allenstein Glück wünschen. Aber auch aus dieser Mittheilung und ministeriellen Zusicherung ist noch nicht zu er­sehen, in welcher Art denn eigentlich die Theilung ober Aenderung der Regierungsbezirke i« Ostpreußen beabsichtigt ist. — Nach einer Meldung der ,Berl. Reuest. Nachr.' hat „der Minister des Innern mit keinem der beiden Abgeordneten für Allenflein-Rössel sich unter­halten, geschweige den», daß er einem der Herren die Aussicht eröffnet habe, wie sie der Bürgermeister von Allenstein angeblich den Stadtverordneten vorgetragen hat." Eö scheint demnach eine Klarstellung der Sache von Allen- stein selbst au8 geboten.

X Grinkermäßigkeit der Aahrröeamte«. Bei der außerordentlich großen Verantwortlich­keit des Eisenbahnprrsonals ist ein übermäßiger Genuß alkoholischer Getränke doppelt und drei­fach gefährlich; und dennoch findet man leider gerade unter de« Eifenbahnbeamten recht viele Leute, die darin nichts weniger al« mäßig find. Namentlich findet man solche Beispiele verhält- nißmäßig zahlreich vertreten bei dem Fahrper­sonal auf kleinen Bahnstrecke». Sehr zu be­grüßen ist darum eine Anregung des Eisenbahn- direktors Otto de Terra, der zur Bildung einer Vereinigung enthaltsamer deutscher Eisen­bahner auffordert. Man braucht stch gar nicht auf den Standpunkt der vollkommenen Abstinenz- Irr zu stellen, die jegliche» Alkoholgenuß grund­sätzlich und vollständig verdammen, wie dies Herr de Terra thut. Man kann eine« ganz mäßige« Genuß außerhalb des Dienstes gestatten

E Hardt entgegen, der mit dem vergnügtesten Gesicht der Welt den Damen einen guten Morgen wünschte.

Den Grund seines frühen Erscheinens hatte der Rath bald arrgtbeutet. Es gebe eine lieber« raschung für die Familie. Er wolle nicht gleich mit der Thür ins HauS fallen, deshalb halte er eine kleine Vorbereitung für die kommende» Dinge für angemessen. Mehr aber wolle er nicht verrathen. Nur noch zu Tisch rolle er sich jfir diesen Mittag einlaben. Und wenn er noch weitere« Besuch mitbringe, so solle ihm die gnädige Hausfrau richt zürnen.

Der Rath bemerkte gar nicht die gedrückte Stimmung, welche die Majorin und Gretchen beherrschte. Er schien auch große Eile zu haben, denn ohne Platz zu nehmen, und ohne auf die an ihn gerichteten Fragen einzugehen, empfahl er sich baldigst, die beiden Frauen in Neugier und lebhafter Erwartung der Ueberraschung zu- rücklaffend, die ihnen bevorstand.

In einer der belebtesten Straßen der Resi­denz prangte a» der Eingangspforte eines statt- liche» Hauser ein ganz neues, blankgeputztes Messtngschild. Es trug den Namen: Röthardt, Rechtsanwalt am Landgericht I.

Bor dem Hause hielt ein eleganter Ein­spänner, drm ein älterer Hcrr von biftinguirtem Aeußrrn entstieg.

Im Bureau verlangte der Herr den Rechts­anwalt Röthardt zu spreche«, indem er dem sich devot verbeugenden Bureauoorsteher seine Karte übergab.

(Schluß folgt.)