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mit Anteryaltungs -Anlage „Aüüsirirte Sonntags-Zeitung"
M 298
Mutöa, Montag, den 30. Dezember 1901.
28. Jahrgang
D Em Bund aller evangelischen Kirchen.
Am letzten Donnerstag ist in Gotha die dreihundertste Wiederkehr des Geburtstages deS Herzog? Ernst begangen worden, der in der Geschichte den veftkamen deS Frommen fährt. Herzog Ernst war im dreißigjährigen Kriege ein eifriger Parteigänger gegen die Kaiferltchen,^»nd la feinem Lande mußten alle Unterthanen lutherisch werden, ob sie nun wollten oder nicht; eS war der Brauch der damaligen Zeit. Im Uebrigen war Herzog Ernst ein recht tüchtiger Mann, der wußte, waS er wollte. Der Regent deS HerzogthumS Sachsen-Koburg-Gotha, Erb« priuz zu Hohenlohe-Langenburg, sagte von ihm am Donnerstag in seiner Red«:
„@r steht vor uns, ein unerschrockener, echt deutscher Mann, der ähnlich seinem Zeitgenosse», dem Großen Kurfürsten, sich in richtiger Er. rmntntß vov den Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit nicht scheute zu bekenne», daß er zur Durchführung seiner großen Aufgaben der Kraft von oben bedürfe . . . Sein religiöser Glaube stand zu fest, als daß er gefürchtet hätte, die Grnndwahrhriten deS CiristenthumS könnten durch wiffeuschaftliche Aufklärung erschüttert werden. Auch war er in religiösen Fragen viel wettherziger als die meisten seiner evangelischen Zeitgenossen. Während diese vielfach in gehäsfi- ge« Gezänk um einzelne Dogmen der Gemein, schäft unter einander widerstrebte», war s-i» Heller Blick auf ein hohes Ziel gerichtet:, ans ein«» Bund aller evangelischen Kirche», der sie nach außen hi» zu einer starke» Einheit gestalt», während im Inner» mit Bezng auf Lehre, kirchliche Gebräuche und Einrichtungen jede« einzelne u Mitglied« volle Freiheit gewahrt bliebe . . . Damals find die Bemühnnge» deS edlen Herzogs gescheitert . . . Aber was Ernst der Fromme vergeblich anstrebte, sollte daS für alle Zeiten «»möglich sei»? . . . Schon ist in wetten Theilen unseres Vaterlandes der Wunsch nach Erreichung jener ersehnten Zieles laut geworden. Mir ist, als ertönte heute über Jahrhunderte hinweg die zur Einigung mahnende Stimme Ernst der Frommen an seine deutsche» Glaubens, genoffe»."
Der Kaiser hat in seiner Erwiderung de» Gedanke» weiter gesponnen; der Draht hat die Rede deS Kaiser« wörtlich bereit« am letzte» Freitag verbreitet: danach entspricht di« An- regnng von einer Einigung aller protestantische» Kirche» den Gedanken, die auch de» Kaiser scho» lange bewegen, „tonte ich nicht — so fügte der Kaiser Hinz» — damit hervorgetreten bin, so liegt der Grund nur darin, daß ich fern davon bi», anch mit i» Wünschen und Hoff- nungen der Selbständigkeit Anderer nahe zu treten. Daß aber ein hohe« Ziel meine« Leben« eine Einigung der evangelischen Kirche» Deuts ch- landS in de» für fie gedachten Grenzen wäre, brauche ich nicht zu betone» . . .“
Man kann es ohne weitere« jedem Prote- starrten »achfühlen, daß die Zrrrtffenhstt seiner Glaube««genoff-n in ein« Unzahl von kirchlich«, Gemeinschaft« ihn schm rzlich berührt. Diese Zerrissenheit «acht sich i schor- innerhalb de« Deutschen Reiche« geltend; wa« sür eie Bild
HslMe Iesset'n.
Orginalnovell« von Felix Louth er.
11) -------(Nachdruck verboten.)
Bor de« Hotel Nötropole, dem vornehmsten Hotel der Stadt, hielt «in« Squipag« »ach der andere». El» Diener in festlicher Livree öffnet« sofort den Wazenfchlag, wenn eine Kutsche vor. fuhr, und befrackte Herren, daneben Damen in geschmackvollen Toiletten stiegen di« große Frek- trepp« hinan, die zu dem feenhaft beleuchtete« F^stsaal führte, eu« welchem lustige Musik in ge> dämpfte» Töne» bi« auf die Straße hinabklang.
Eine anserlesene Gesellschaft bewegte sich in de« eleganten Räume« de« Hotel», offizielle Persönlichkeiten, die Geburt«- und Finanzaristokratte, die Kolleg« de« Rath« vom Gericht »ar»« i« reicher Zahl vertreten, nab ein herrlicher Derne«, fier erhöhte die Pracht und den Glanz de« Abend«.
Unruhig blickte der Rath, der im Mittelpunkte diese« festliche« Treiben« stand, nach der Uhr. Er vermißte «och eine« von bei Geladenen, und auf diese» einen kam e» ihm am meiste« an.
„Hrdllch!" Durch die schwere Seidenbtaperi« blickte er in den Empfa«g«salon, in den soeben Erwin Röthardt eingetreten war.
Der Jnuge ist doch eine herzerfrischende Gr- scheinnngl Welch ein bildhübscher Bengel! Ra, da kann ich'« dem kleinen Gretchen nicht ver» denke» — —" solches »ud ähnlicher murmelte der Rath vor sich hin in den Bart.
Sofott eilte er Erwin entgegen und begrüßte tzn herzlich.
gewinnt man erst, «en« man seine Blicke richtet auf den P-otestantiSmuS in der ganze» Welt! Der Katholik hat eine um so ge- schärstere Empfindung dafür, weil er de« Glücke« theilhastig ist, Mitglied der ursprüngliche» christliche» Kirche zu sein, der einzigen Kirche, die in voller und ungetrübter Einigkeit inne« und außen das Erdenrund umspannt, gefügt au« festem, unvergSzgltchem Suffe, aufgebaut auf dem unzerstörbare«, ewigen Felsen der Wahrheit, getragen von der unverwüstlichen UrberzrugungStteue und dem Gehorsam ihrer Kinder, der daS freiwillige und einzig folge, richtige Ergebniß dieser UiberzeugungStreue ist. I« dem Kampfe gegen die christus feindlichen Gewalten unserer «oderneu Zeit kann nur ein so fester, einheitlicher Gefüge sich bewähre», wie die katholisch« Kirche eS darbietet Ein Bund aller protestantischen Kirche», wie er von dem Regenten von Sachsen-Koburg-Gotha ewp^odlrn wurde, würde ein Gebäude sein auf trüglich'M Grunde: ES würde vollkommen die innere Einigung fehlen, die Festigung von innen her. auS, die unerschütterliche Ueberzeugungstrrue, dir achein die Festigkeit einer kirchliche« Gemeinschaft verleihen kann, wie die katholische Kirche fie besitzt. WaS für eine Kirche sollte daS werde«, in der nach den Worten deS Erb. priuzen zu Hohenlohe-Langenburg „mit Bezug auf Lchr«, kirchliche Gebräuche und Emrich- tungen jivem einzeln« Glied« volle Freiheit gewahrt bliebr" ? Da« würde gar keine Kttche fei«, sonder» ei» wackeliger, gekünstelter Bau, der vor de« ersten hefttge» Sturme z ? lammen, breche» würde zu bm Nichts, das er vorher war.
Ran hat doch schon mchrfach solche Versuche der äußerliche» Einigung gemacht, aber sie sind gar nicht so auSgefalle», daß man sagen könnte, sie ermunterte» zur Nachahmung. Ist doch die GlaubenSgrundlare bei de» einzelnen protestantische« Kirche« verschieden. Wie könnte man diese zu ein.« Ganze» verschmelzen, ohne in die Fehler und gehässige Gewaltsamkeit ftüherer Jahrhundert« zurückzufall« und trotz aller Versicherung«» vo« Gegenthril einzeln«« Personen eh «ueS GlanbenSbekenntniß geradezu aufznnöihig«- ? DaS würde nur zu «euer Absplitterung, zu nmet Verwirrung Veranlassung sei», nab augenjLeinlich ist auch de« Kaiser die Unmöglichkeit der A«S- führnng bereits klar geworden trotz aller Sehnsucht «ach Einigkeit; daS scheint auS de» Worten hervor- zugehen, «it den«« der Kaiser sagt, daß er „fern da- von sei, auch nur i» Wünsche» und Hoffnungen der Selbständigkeit Anderer zu nahe zu treten".
Noch einmal sei gesagt: die Sehnsucht der P otestante» «ach Einigkeit ist durchaus begreiflich. Aber sie ist nicht zu stille». Wenn eine Unif-r- «irung der protestanttschen Kirchen dennoch erfolge» sollte, da»» wird die traurige Folge davon die fei», daß noch «ehr Protestanten als j tzt vollkommen gleichgiltig gegen Alle» werde«, wa« Christenthu« und christliche Kirche hißt, weil fie nachher »och weniger innerliche Befriedigung alt jetzt finde» »erde».
Licht und Finsternis.
„Licht und Wahrheit über JefuL Christus" will eine neueste Schrift verbreiten, die in Zürich
Dor schien seine Leichenbittermiene wirklich zu Ha»se gelassen zu habe«.
„Hier bin ich «»«, lieber Rath", sagte er mit schelmische« Augenz»lnk rn, „ich habe mein Brr- sprechen gehalten. Wiffen Sie denn auch »och, wo« Sie mir al» Gegenleistung in Aussicht gestellt? Aber täuschen Sie sich nicht! Ich bestehe ans «eine« Schein!"
„Da« wird sich für einen angehenden Meister der Rechtsprechung wohl anch so gehören", antwortete der Rath, und seelenvergnügt schob er Erwin« St« unter den seine», um de« jungen Rann sogleich In die Mitte der Gesellschaft z« führ«».
Doch im» «ar bei? Erwin stutzte. Er traute feine« Augen kau«. War e« ein Blendwerk über- reiftet Phantasie, «ar es ein Gaukelspiel schadenfroher Gnomen der Unterwelt, die mit ihm ihren losen Scherz treiben wollte«?
Da saß sie ja, seine Holde, seine Liebe, seine Einzige an der Seite ihrer Mutter! Ja, da« konnte kein Betrng sein, da» war lautere Wahrheit. Sein Gretchen sollte Erwin hier wiederfindeu.
Dem Rath «acht« Erwin» Staunen da» höchste Plalfir.
„Sie ist'« wirklich", raunte er Erwin zu, „und Sie werden mir »«gebe«, «ein Lieber, daß man fein Wort nicht prompter einlisen kann. Aber mm kommen Sie. Sie verlieren mir sonst noch unter den Händen die vesisnung "
Energisch zog er den «och wie im Traume Schwankende« und Zögernde« mit sich, um ihn der Majorin von Hochfeld nab ihrer Tochter zu- zuführen.
erschienen und, wie eS in dem Inserats des ,Hann. Anz/ heißt, beweisen (!) soll, daß JesuS Christus nie gelebt hat, daß seine Aprstel ebenfalls nur in märeyenhafter Weise überlieferte Gestalte» sind, und daß sowohl daS Neue Testament wie auch die ersten sechs Kirchen- geschichte» von den Rabbinern verfaßt unb den Heide» unterschoben worden find, nur um eine neue, die christliche Religion, zu gründen, die die jüdische Religio« schützen sollte.
Ei« ernstes Wort der Kritik über der- artige jämmerliche Produkte zu verlieren, wird keinem halbwegs vernünftigen Mensche« ein- fallen. Immerhin jedoch fordert der Umstand, daß eine *olche, jedenfalls wieder sehr wiffen- schastliche (!) Studie sich so keck an die Oeffrnt- lichkeit wagt, der Umstand, daß st« gerade letzt, zur Weihnachtszeit, emportaucht, eine allsettige, ernste Beachtung. Keineswegs brauchen wir darob erstaunt zu sein. Ist eS doch ein, fteilich nachgerade überflüssiger Beleg für daS, was Prof. Dr. G r a u e r t kürzlich hervorhob: „Für die Völkerwelt Europas und Amerikas, ja für die ganze Menschheit steht auch heute noch die Frage nach der Person Christi und nach seiner Stiftung, nach dem Etzristenthum und der Kirche im Mittelpunkt aller die Menschenseele in ihrem tiefste» Inner« ergreife«» den Probleme ..." Ist es gelungen, C cifii Person, Wort unb Werk ins Gebiet der Sage zu verweisen, so ist damit dem Neuheidenthum Thür und Thor geöffnet. DaS ist e§, worauf die widerchristlichen und zumeist geradezu atheistische» E emeute sprkuliren. Mit welchem Erfolg, wer mag eS ermessen?
Es ist wahrlich an der Zeit, daß sich die noch glaubenstreuen Bekenner der christlichen Weltanschauung ausnahmslos zusammen- sch a ar en und muthig und entschieden Front machen gegen daS «euheidische, gotteS- leugnerische Gebahren, dessen jüngste« Widerschein wir oben namhaft machte«.
Doch «och ek6! Der farblose ,Hrmn. Anz.' ist «S, der daS neucftr „Licht" t«S Volk zu werfen keines Anstand immt. Wer «S noch immer nicht glauben wiN, der wird doch hoffentlich an solche« Fällen ein für alle Mal fich'o wette», weS Geistes Kind hie farblose» Blätter sammt und sonders find; fie mögen sich doch endlich entschließe», alle Zeitungen, bte nicht offen und ehrlich sür unsere heilige Sache fich bekennen, an» ihrer Familie fern zu hatte». (91.23.)
Herrische» Keich-
Berlin 38. Dezember.
+ Gitte na»e preußisch« ^rovlrrz? Scho« früher einmal sprach man von eine: Theilung deS Regierungsbezirke» Düsseldorf; nachher wurde eS wieder ft iS davon, und der Pia» gatt für aufgegebeu. Jetzt taucht er von neuem auf: Die ,verl. Polit. Nachr/ spreche« «rurrdtugS wieder von der Bildung einer neue« Povinz auS dem rheinisch- ro ftfäl-schrri Jndustriebezitke, hebe« aber gleich- zottig hervor, daß ein« Reihe von Gründ«« gegen die Antführung deS Planes spricht. Tatsächlich bandelt «S sich nm «in Gebiet von etwa 100 Qeadratmeile« mit mehr als 4 Millionen Ejn-
Für Gretchen »er bte Ueberrafchung nicht minder groß wie für de« Geliebte« ihre« Herzens. Sie war mit der Mutter einer Einladung bei Oberste« von Schmieden gefolgt, der als alter Freund und Kampfgenosse de» verstorbene« Majors von Hochfeld die Majerin ur>d Ihre Kinder alljährlich einige Wochen bei sich sah, »ährend er zu anderer Jahreszeit feinen Gegenbesuch in der Residenz zu machen psi gte.
Manche ib^lföe Stunden freundschaftlichen Austausch» hatte die Majori« hier mit dem Rath Erharbt, ihrer einstige« Jugendliebe, verlebt, denn Erhardt «ar Stammgast Im Hause de» Obersten, mtt dem er seine regelmäßige Partie Whist zu spiele« pflegte. Er war natürlich, daß fie dem allen Freunde auch zu seiner Abschiedifeier bte Ehre gab, eine Feier, die ihr besonder» syrprthisch «ar, da der Rath durch feine Berufung in die Residenz ihrem Kreise näher gebracht wurde.
Heb Gretchen freute sich kindlich über bi: Gelegenheit, ein glänzende» Fest mitmach« zu dürfen, bet dem auch die hehre Mas« Terpsichore zur vollen Herrschaft kommen mußte. Und Gretchen tanzte doch gar zu gern!
Und nun sollte auch diese große unerwartet« Freude ihr zu Theil werben, den Geliebten ihre» Herzen» Wiedersehen, sich an seinem Anblick er» quicke«, mit ihm sprechen z» dürfen!
Wie stattlich war er doch geworden, seitdem sie ihn da» letzte Mal gesehen! Ein Sormeu- jüngllug, strahlend in männlicher Schönheit und Kraft!
Anch bte Majorin hatte ihre herzliche Freude über dar Wiederschen, und gab ihrer Befriedt-
wohnern. ES ist nichtsdestoweniger kaum anzunehmen, daß neuerdiagS der Plan der Errichtung einer Jndustrikprovi«- mehr Aussicht auf Verwirklichung als früher habe» sollte.
ft Aleöer da- WMtärpeustouo-Mese« hat der nationalliberale Abg. Graf Ociola bekanntlich eine Jriterpellatio« im Reichstage eingebracht, die alibab nach der Wiederaufnahme der Sitzungen besprochen werde» wird. Nach der Meldung eines parlamentarischen Bericht- erstatterS verlautet, das versprochene Gesetz über die Neuregelung drS gesammten Militär- pensionS-WeseuS sei in dieser Tagung deS Reichstages nicht zu erwarten. Sollte, wenn eS so ist, die Regierung das mit der Ueberlastung deS Reichstages zu entschuldigen suche», so würde wohl die Entgegnung nicht auSbleibe«, daß dann eine Novelle zum Börsengesetze schon gar nicht eingebracht werde« dürfe.
♦ Als Analphadeteu, d. h. als Rekruten, welche in keiner Sprache genügend lese« oder ihre« Vor- und Familienname« nicht lefrrlich schreiben kö«nen, find im Jahre 1900 in das Heer eingestellt worden 180 Rekrut««. Davon stammten allein 161 auS Preußen. AuS Elsaß- Lothringe« stammten 6, au» Bayern 4, -ms Sachsen und Mecklenburg - Schwerin je 3, aus Baden, Heff n, Mecklenburg-Sttelitz je 1. Neben diesen 180 Rekrut« ohne jede Schulbildung wurden im Jahre 1900 i« da» Heer eingestellt 138 Rekruten, welche eine Schulbildung nur in einer fremden Sprache gesoffen hattm. Von den 128 Rekruten, die nur eine Schulbildung in einer fremden Sprache genoss« hatte», stammten im Jahre 1900 93 auS Preußen (22 a«S West- preuß«, 29 au» Posen, 12 aus Schlesien), 30 aus Elsaß-Lothriugen. Im Jahre 1890 wurde« 1036 Rennt« ohne jede Schulbildung und 4287 mit einer Schulbildung nur in fremder Sprache eingestellt. ~
+ , K-l- Ko-ialdemokratex." Im Land, tage von Gotha ist „Grnoffe" Bock erster Vizepräsident. Mit diesem Amte ist dem „Genossen" augenscheinlich auch «tu besserer »erstand gr- ward«: er ftebt jetzt et», daß die Monarchie die einzig richtig« RrgierungSsorm ist. Herr Bock verlegt nämlich da» in Gotha erscheinende soz aldemokratische ,VolkSblatt', mtt» Schriftleiter dieses Blatte» ist ebenfalls eine „Genosse" aus dem Landtage de» Herzogthnm» Gotha. Bei einet Darstellung de» kürzlich zu Stande ge- kommen« Domä««» Abkommens für Gocha läßt »n« besagtes ,Volksblatt' «. a. in folgender Weife fich vernehm«:
„ . . . Wir «rinne« daran, wie schwer es „nach dem Tode de» Thronfolger» Alfred ge- „wes« ist, einen neuen Thronfolger zu „bekommen .... Auch jetzt steht die Thronfolge auf zwei Ange». Sollten diese fich „bitt ch einen unglücklichenZasall schließen, „dann ist e« eine große Frage, ob e» bei den „jetzig« gespannt« politisch« Verhältnissen „gelingen wird, eine» neu« Thronfolger zu „finden, und ob die Agnat«» e» nicht lieber „vorzieh«, al» Privateigenthümer das Ge- „fAumteinkommen auS d« Domäne» in die „Tasche zu steck« und der Würde, damit aber „auch der Bürde eines Herrschers zu ent- „sagen
gung Ausdruck, dis Bekanntschaft Erwins auf diese Weise zu erneue«.
Weniger entzückt wer der Oberst v. Schmiebau, der »eben her Majorin Platz genommen unb eben ein Gespräch über bac jüngste Rennen in der Residenz mit ihr angekniftrst hatte, als Si Hardt feinen jungen Freund dem Kreise zuführte.
Der Oberst war Menschenkenner genug, um bte Lage im Nu zu überschaue», und er bedauerte im Still«, daß sein Sohn, der sich in amtlicher Elg«schast gegenwärtig in Pari« befand, nicht anwesend fein konnte. Denn der alte Mann konnte sich noch Immer nicht von seiner Liebltngsldee trennen, daß Gretchen von Hochfeld dereinst feine Sch<oiegertochter werden mußte.--
Das Mahl war vorüber. Unter den Toasten, die dem scheidenden Rath dargebrachi wnrben, war« Erwins Worte die schönste« und eindrucksvollsten.
Seine Rede war eigentlich im Programm nicht »orgeseh«, fie war auch von ihm selbst ursprünglich nicht beabsichtigt gewesen. Vielleicht war e« auch nicht einmal schicklich, daß ein so jugendlicher Redner bei solcher Gelegenheit sich zum Worte drängte.
Al« aber Erwin feine Helle, klare Stimme erhob, um de« geliebten Freunde fein« untiefsten Gefühlen hetvorquellenden Abfchiedsgruß zujurufen, da hingen aller Ang« an feinen Lippen und tosender Beifall folgte den wenigen aber zündenden Sätzen.
Gretchen strahlte vor Entzücken unb auch ble Majorin blickte nicht ohne Befriedigung auf Erwin, her Ihr heute Abend noch viel besser gefiel, al» jemals früher.