mit Zlnierhaltungs-Meikage „MuArirte Sormtags-Mttmg" " «"“X«
N«*.unb auf» MxitlVUO$f.
JutLa, Freitag, dm 27. Dezember 1901.
M 296.
28 Jahraavtz
aiie dis Eigenschastrn, dir ih« auszeichnen, die feine Würde und Ueberleoenheit grade bim Weide gegenüber sichern, erschlaffe» lassen, so daß der Mnthige zur Memm», der Eiergie solle zum hilflosen Stiebe w rb!
Ja, als es g.-ft, eia in Gefahr schwebendes Menschenleben zu rette», da Karte sich Walter an« Schmiedau »icht lange besonne». Da hatte er ohse Bedenken sein eigenes Leben eingesetzt, um da» eines anderen zu rette«.
u«d jetzt, wo er den Mund aufthun sollte, Kar um em c ff sau’ Wr:r zu sprechen, deffrn günstige oder ungünstige Aufnahme doch nicht Da» Leben koste» konnte: da wußte er nicht de» richtigen Aasdrack zu finden.
Doch als die Dämmerung immer schneller hereinbrach und er einssh, daß das einsame Lust- wandeln zweier junger Leute sich vor den Augen der Welt »icht mehr lange rechlftrtizen ließe, da ließ er endlich alle Blödigkeit fallen, und beherzt begann et allo:
„Gnädiges Frtiulrin, zürnen Sie mir nicht, aber ich hob« Ihne« etwaS mttzutheilen, was «et« Herz seit Jahre» quält und nicht zur Ruhe kom«es läßt. Ich ertrage diesen Zustand der Ungewißheit «icht länger u»d deshalb «uß ich reden, auch wenn ich Sie betrübe» sollte."
Gretche» schien eine bange Ahnung deffen anfzugehen, was Walter ihr zu sage« beabfichttgte. Sie bemühte fich, mit einer abwehrenden Hand« bewegung das Gespräch auf ein anderes Th?ma zu lenke». Indessen Walter ließ sich nun nicht mehr »urückhaltsn.
„E-Hen Sie, liebes Fräulein Gretchen", fuhr
begegne. Ihr Anerbielen kann ich nicht annehmen, denn mein Herz -«hört einem ander». Oo ich je werde sein eigen sei" dürfen, weiß ich nicht. Wenn rS nicht sein kann — dann werde ich meinen Lebensweg ß'hm. Einem aebetem Manne aber zu folgen, wäre ich nicht fähig. Mein Herz ist nicht reich genug, um eS doppelt zu verschenken."
Diese schlicht und einfach gesprochenen Worte machten auf Walter von Schmiedau eine« nieder» schmetternde» Eindruck. Im Augenblick über« mannte es ihn. Er wellte arffahren. Er wollte das Mädchen daran errunern, wie er sein Lebe» für es eingesetzt habe, wie sein Leben ihm ge- hörte, da er allein eS der Gewalt der Finthen abgetrotzt hatte. .
Allein diese R-gnnrrn unterdrückte der junge Mann sofort wieder, de»» er mertte eS wodl dem To» an, t» dem Gretchen gesprochen hatte, daß ihr Entschluß unerschütterlich feflstand und nichts daran zu ändern war.
Im Grunde genommen war er auch trotz mancher unschöner Eigenschaften «in anständiger Mensch, und so ging eS ihm gegen dre Savalierehre, die junge Dame noch werter zu belästigen. *
„Fräulein v,n Hochfeld", sagte er in feier» lich ruhigem Tone, „rch danke Ihnen für Ihre Aufrichtigkeit uvd ich ehre Ihre Gesir.nrn;. Ich bitte Sie, diesen «ugrrbi'ck zu oergeffru, wie auch ich mich bemühen werd», die Erinnerung daran zu verwischen. Die Arbeit wud Ihnen ja leichter sein, als mir. Und uan kommen Sie! Schon zu lange weilen wir ft.n
Wärter in Schierenbrrg beachtete die für die 11 Sicherung der Züge bestehende einfache und j late Vorschrift nicht, wonach die Entblockung ।1 >eS vorher liegende» Blockfignals erst nach Vor» oeifahrt des Zuger erfolgen darf" — so sagt der amtliche Bericht.
Das kaum minder gräßliche Unglück bei Offenbach wurde, wie erinnerlich, ebenfalls auf irrthümliche Handhabung der Blockstguale zurückgeführt. Die Ver° muthung liegt also außerordentlich nähr, daß entweder die bestehenden Vorschriften doch nicht o ganz „einfach und klar" sind; oder aber man müßte annehmen, daß bei der Auswahl der Blockwä-ter nicht richtig vorgegangen wird. Man ka n nicht recht einsehen, wie der amtliche Bericht vo« eirrc „unbegriiflichen" Handlung deS Blockwärters in Schierenberg reden kann, nachdem doch die Untersuchung stattgesunden >at; man gerät!» vielmehr auf den unerwünschte« B^rsacht, als sollte mit diesem Ausdrucke in der amiliche» Darlegung irgend etwas vertuscht oder verschleiert werden, daS man nicht gern zugeben möchte. Sher war der Blockwärter in Schierenberg wieder einmal durch allzu langen und allzu anstrengenden Dienst so übermüdet, daß er seinen Obliegenheiten nicht mehr mit aller erforderlichen Pünktlichkeit und Klarheit «achkomme« konnte? Da? alles sind Fragen, die durch die amtliche Darstellung noch nicht hinreichend klar gestellt sind, die vielmehr der befriedigenden Antwort «och b dürfen. Sie sind viel zu wichtig, ai8 daß fr.» so kurzer Hand adgethan werden könnten.
Nun aber kommt noch etwas Anderes in Betracht: es hat ganz entschieden an allen Ecken und Enden an der geeigneten Hilfeleistung gefehlt. In dem V-Zuge war kein Handwerkzeug vorhanden, mit dem man sofort in nachdrücklicher Weise zur genauen Untersuchung | hätte schreiten können. Es würde bei dem | Rettnngs werke nach den übereinstimmenden Berichten von Augenzeugen Manches besser und schneller gethan worden sein, wenn die geeigneten Apparate zur Hand gewesen wärm. So wie jedes Schiff mit allen Rtttungswerkzeugen ausgerüstet fein muß, sollte auch jeder Eisenöahnzug in ent- prechender Weise versehen sein. Ja diesem be- ondern Falle war die große Station Paderborn so nahe. Aber thaisächlich hat Niemand daran gedacht, nach dem Eintritte des Unglücks die Station Paderborn um Hilfe anzurufen. Um 12 Uhr geschah das Unglück; und erst um l3/» Uhr ist die Meldung von dem Unglücke mit der gleichzeitigen Bitte um Hilfe in Paderborn eingelaufen 1 Dann erst wurde in Paderborn der erforderliche Hilfszug eingerichtet und lokgelassen, und erst um 7 Uhr Abe' ds trafen die ersten Verwundeten in Paderborn em, obwohl die Unglück»stelle nur eine gute Viertelstunde Bahnfahrt von Paderborn entfernt liegt.
Daß das ?lles nicht in Ordnung ist, liegt auf der Hand. Man muß unbedingt verlangen, daß der Rettungsdienst bei der Eisenbahn besser organisirt werde. Tie Elsenbahnzüge selbst müssen besser mit geeignetem Werkzeug ausgerüstet werden; und außerdem müssen auf jeder Bahnlinie ganz bestimmte Stationen in umfangreicher Weise für da» RrttungSwerk bei Unglücksfällen
recht brgre stich fein. Die Reinigung wird abee schwer! ch g« linge». Von Jateeeffe ist, daß bi neue Oderschlefische, abrr im Peaca Verlage in Pofe» gedruckte Zeitung ,Gor«oSlonzak' wegen Beleidigung der Regierung und der Legrer mit Beschlag belegt wurde.
* Da» Aetchspostamt hat bezüglich des Auf- rückenS der weibl chen Beamten im Dienste der Post und Telegraphie nachstehende Bestimmungen getroffen: Für die Gewährung der erhöhten Tagegelder an die Post- und Telegraphen Gehilfinnen mit dem Beginn des dritten und fünften Dienst» ahres ist der Zeitpunkt maßgebend, zu dem die Gehilfinnen als vollbeschäftigte Hilfsarbeiterinnen eingestellt worden find. Doch ist ihnen ihre Aus» bilvungSzeit und ferner noch die Zeit anzurechnen, während der sie etwa vor der endgiltigen An» nähme aushilfs- oder vertretungsweise beschäftigt waren. _ _ .
* Der A-rSand deutscher Asst- ««d ^elegrapheu-KffilteuIsu befindet sich augenblrck» ich in einer Art Krisis Gegen tausend Mitglieder haben ihren Austritt -dem Vorstande angezeigt. ©dt der Verband durch die vom Generalpostmeister von Podbielski angebahnte Versöhnung mit der Behörde seinen zuerst mehr hervorgetretenen Charakter als Kampfverein abgelegt hat, erachtet er bte Hebung des Standes und die wirthschaftliche Förderung seiner Mitglieder als seine Hauptaufgaben. Demgemäß wandte er sich auf Beschluß de» letzten Verbandstages der Gründung mehrerer Kassen, wie Sterbe-, Rechtsschutz- und Fürsorgekaffe u.s.w. u, bezw. machte die Betheckigung daran obligatorisch. Die Folge war, daß der Jahresbeitrag von 6 auf 12 Mark erhöht werden mußte, was wohl hauptsächlich den Abfall von nahezu 1000 Mitgliedern verschuldet hat. Man hatte im Vorland mit einem Austritt von 5000 gerechnet. Es verbleiben jetzt noch über 15,000 Mitglieder.
- Die Ergebnisse der deutschen Ltrimival- stattstik für 1900 werden in dem soeben er- chienenen vierten V erteljahrtheft zur Statistik des Deutschen Reiche» mitgetheilt. Daraus ergibt sich, daß die Zahl der wegen Verbrechen und Ver- gehen gegen be Reichsgefetze Verurtheilten gegenüber den Vorjahren eine richt unerhebliche Abnahme zeigt. ES find 469,811 Personen verur- Ihiilt g-qrn 478.139 im Jahre 1898 und 477,807 im Jahre 1898. Die Abnahme gegenüber dem Vorjahre betrügt also 8328 oder 1,74 pCt. Seit dem Jahre 1894 beträgt die Zunahme der Ver- urtqeilten 23,701 ober 5,1 pCt., während die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 9,1 pCi. gestiegen ist. Wegen Verbrechen und Vergehen gegen Staat, Religion und öffentliche Ordnung find 77,252 Personen verurtheilt gegen 81,231 im Jahre 1899 und 82,208 im Jahre 1898. Wir müssen bi» 1894 zmückgehen, um eine niedrigere Zahl zu finden al» jetzt. Auch Hausfriedensbruch, Arrestbruch und G fangenrnbefreiung »eigen eine wesentliche Abnahme, ebenso Meineid unb Fmschetd. Die Vermtheilungen wegen Majestätsbeleidigung, die im Jahre 1898 445, im Jahre 1899 375 betrugen, sind auf 277 gesunken.
* Wer deremst die Geschichte deS Ileisch- Sescha« Gesetze« zu schreiben hätte, könnte sich kaum einen bastbarm« Stoff wünsch-n, denn eS würden ihm nicht n r ein sehr reich halt i»eS Material, sondern auch io viele Zwischenfälle u»d
Zum Eisenbahnunglück bei Paderborn.
Durch die von dem Minister der öffentlichen Arbeiten angeoednete komm.ssar.sche Untersuchung deS Eisevbahn-UnsallS auf der Strecke Paderborn-Altenbeken ist nachdem ,Reichsanzriger^ über die Ursache und den Verlauf des Unglücks folgender Thatbestand sestgestellt worden: „D>8ug 31, der fahrplanmäßig Paderborn 11,45 8m. verläßt, fuhr am 20. d M. mit 3 Minuten B-r- spätung durch oie zwischen Paderborn und Altenbeken liegende Bleckktation Keimberg, deren Wärter vorschriftsmäßig daS Blockst,nal hinter dem durch,efahrenen Zuge auf Halt brachte und in dieser Stellung blockte. 0-Zug 31 übeickuhr etwa in der Mitt« zwischen der Blockstation Keimberg und der folgenden Blockstation Schierenberg, die al? letzte vor dem Bahnhof Altenbeken liegt, e n Pferd, dai herrenlos auf der Strecke umherlief, und erlitt dadurch, daß der unter dir Räder der Lokomotive gerathene Pferdekadaver vor der Weiierfahrt entfernt werden mußte, 15 Minuten Aufenthalt. Der Block- «ärter in Keimberg, dem die Rückmeldung für den bei ihm durchgefahrenen I)-Zug zu lan«e auSblieb, und der glaubte, daß der Blockwärler in Schierenberg die Bedienung des Blockwerks vergesse» hätte, erinnerte diesen an die Blockbedienung durch Wecker und Morseschreiber. Der Blockwärter in Schierenbera beachtete die für die Sicherung der Zü«e bestehende einfache und klare Vorschrift, wonach die Entblockung des vorher liegenden Blockstgnal» erst nach Borbeifahrt des Zuges erf.lgen darf» nicht, er ging vielmehr unbegreiflicherweise ohne weiteres auf die Aufforderung eie, stellte bei für ben vorschriftsmäßig abgeleiteten und vorgemeldeten v-Zu, bereits gezogene Blockstgnal auf Halt und bediente den Block. Hierdurch wurde da» Blockstgnal in Keimberg entblockt und dadurch der dortige Wärter in die Lage versetzt, daS nunmehr stellbar gewordene Signal für den nachfolgenden Personenzug 399 zu ziehen. Da auch der Zugführer deS v ZugeS, entgegen feiner Dienstanweisung, versäumt hatte, den haltenden Zug von hinten zu decken, so fuhr der mit 2 Lokomotiven bespannte Personenzug bei dichtem Nebel, der nur auf etwa 50 Meter die Aussicht z iließ, auf die Druckmaschine de» v-ZugeS, die wegen der zwischen Paderborn und Altenbeken befindlichen starken Bahnsteigun, nothwendi, ist. Die Druckmaschine schob fich vollständig in den letzten Wa en III Klaffe des ».Zuges. Außer der Zertrümmerung de» WagenS find wesentliche Beschädigungen der übrigen 7 Wagen nicht vorgekommen. Auch find weder in den übrigen Wagen noch in dem aufgefahrene» Personenzuge Reifende oder vahnbeamti erheblich verletzt worden. Die Varflammen in dem V-Zug-Wagen waren angesteckt, weil gleich hinter Altenbeken ein längerer Tunnel durchfahren wird. Die Tasflarnmen de» litzren Wagens erloschen beim Zusammenstöße und eine Zündung rurch ausströmendeS GaS erfolgte nicht. Der GaSkeffel selbst blieb dicht. Dagegen fingen die Holztheile durch Kohlen aus dem Aschenkasten an zu brennen; das Feuer routoe aber durch Begtrßen mit Tenderwaffer und später durch eine Handspritze jedeSmal wenn eS ausflammte, gelöscht. Getödtet wurden 12 Reisende, schwer verletzt 9, die, soweit sie schnell genug au» ben Trümmern geholt werden konnten, nach etwa einer halben Stunde von einem au» Altenbeken herbeigerufenen Arzte und nach l1/« bi» 2 Stunden von zwei Aerzten aus Paderborn unter Hilfeleistung dortiger GanitätSmannschaft an Ort und Stelle verbunden wurden. Al»dann find fi- nach Paderborn in Kranken- .Häuser gebracht."
Dtrseamllichen Aufschlüsse über bie Entstehung»- Ursachen bei ent etzlich-n Unfalles in Berbinbunf mit b«n oorliegerM' Zeitungsberichte« regen zu allerhanb Betrachtungen an, die nicht erfreulich sind.
„Unbegreiflicher Weise" — so steht in der amtlichen Darlegung zu lesen — ging der Blockwärter in Schierenberg auf die Aufforderung -es Block värterr in Heimberg ei», daS Blockwerk so zu bebienerr, als sei der D Zua bereits btt ihm vorüb»rgefabren. „Der B.ock-
Dentsches Keich«
Berlin 26. Dezember.
+ Aer prentzifche Asvdta- w rd, wie be- kannr, am 8 Januar eröffnet w'rden, oer- muthlich aber nicht durch den Kaiser, sondern durch den Ministerpräsidenten Grafen Bülow. ' Die große Frage war immer noch die, ob die Kanakvorlage in der bevorstehenden Tagung dem Landtage wiederum zugehe« werde ober »icht. Jetzt darf man mit Sicherheit annehmen, daß diejmige» recht behalten werden, die von Anfang an diese Frage verneint Haden. Die Regierung wird froh sein, wenn eS ihr gelingen wird, die Zolltarif-Borlage im Reichstage zur Verabschiedung zu bringe«. Sie wird sich also hüte» davor, die ohnehin schwierige Lage durch erneutes Ausrollen der preußischen Kanal- frage »och schwieriger zu gestalten. Der Herr Verkehrsm'nistrr von Thielen wird also nn- recht bekommen. E- hatte im letzten Sommer I in Koblenz geäußert, er werde schon im nächste» Winter wieder Güegenheil bekomme», | die Kanalvorlaße im preußischen Landtage zu I vertreten — er wird sie nicht haben.' Der Landtag wird hauptsächlich zr erledigen habe» das Gesetz über die Dotation der Provinzen, den Etat und die Eisenbahnvorlnge. Sollte er nicht noch andere Beschäftigung nachträglich erhalte», so würde er bereits bis Ostern mit seinen Arbeiten fertig sein köar.rn. Der Etat soll »Wh halbamtlicher Ankündigung reichliche Mittel fordern zur Ausführung und Erneuerung von Baute» und zu allerhand Aufträgen der Bahn- Verwaltung für die Industrie, um dieser und Ser Arbeiterschaft rach Möglichkeit die Ueber- winduikg der herrschenden Stockung zu erleichtern.
X Die Wresche«er Aorzävge werden ohne Zweifel bald auch im preußischen Abge- ordnttenhause zu Erörterungen führen. Nach einer halbamtlichen Ankündigung „dürfte die Regierung tn der Lage sei«, Be«eiSmaterial dafür zu erbringen, wie die. . . polnische Eat- rüstungsbewejzung . . . wesentlich von auswärts in die Provinz Pose» hineingetrazen wurde". Danach scheint man i» de» Kreise» der Regierung daß BedSrsniß zu sübl;», sich von dem Vorwurfe zu reinigen, daß durch bie Regierungs- Maßnahme» selbst diese Entrkstungsbewegnng Nahrung erhielt. Ein solches Bedürfniß würde er fort, stet* habe ich für Sie eise innige Hrrzens- neignng gehabt, schon damals, als wir unS — noch im KindeSaiter — zuerst begegneten. Zu jener Z it aber, al» ich von meinen Studien «ach Berlin zurückkehrt-, und Sie hold erblüht fal I wie eine junge Rose, bie soeben aus der Knokpe I in duftender Pracht emporgeschoffen — Sie erinnern fich, es war jener Tag, wo Herr Erwin Rothgrdt. der Hautl-Hrer Ihrer Brüder, eine» so unrühmlichen Abschied von Ihrem Hause nahm — seit jener Zeit stand es bei mir fest, daß ich Sie auS ganzem Herzen liebe, und daß I ich nur in Ihrem Besitze mein LebensglÜck finden würde Seit jener Zett ist dar Leben für mich eine Qual, und nur Eie können mich daraus erlöse». Mein Vater dringt schon seit langer Zeit in mich, eine Lebensgefährtin mir |U erwählen. Ich habe ihm meine Abfichten mitgetheilt und ! er war glück ich über meine Wahl. Meine Studien find beendet, und wie Sie wiffen, trete ich mit Beginn des Herbstes zum Dienst in daS auswärtige Amt ein. Ich möchte diesen Schritt nicht thsn, ohne Sie als liebende Gattin an meiner Seite zu wiffen, die mir das Leben versüße«, mich anspornen, in meinem Berufe ermuntern und fördern soll. — — Mein Gretchen —"
Ec »ersuchte eS, sie sanft an fick z« ziehen, Gretchen aber, deren Wange» von Purpunöthr I bedeckt waren, wehrte ihm.
„Ich danke Ihnen, Herr von Schmiedau," sagte fir mit leiser, aber fester Stimme, „doch zürne» Sie mir »icht, wenn ich Ihrer Aufrichü; - I {eit auch meinerseits mit »oller Anfrichttzkert
Orgiualnovelle von Felix Lauther.
,) ------(Nachbruck verboten )
Zu derselbtN Zeit, ba bie Majo in m t dem Rath Erhmdt in oaS gtj^ berie Gcip üch vertieft war, holti! es Walter oen Schmiedau em- zurichten «-wißt, daß er mtt Äkittzen von Hochfeld in eine Se.tevallee etsbug, beten Krümmuw das jarae Paar bald hinter dichten BotqirtS den Blickes d.r Nachfolgendes entzogen hatte.
Gr^lchen imr tn befoicetS guter Laune. Sir war Walter wirk! ch von Hrrzen bastbar für feine edle Thüt. Ihb mit üem Gefühle der Dankbaik-it war eine Zuneigung für den Jüngling in ihr entstanden, die ihr früher fremd gewesen war.
Freilich, zwischen dieser Zuneigung unb dem reinen Empfinden wirklicher Liebe lag , och em« wette Kluft. Und so entging eS ihr in ihrer Harmlosigkeit vollkommen, mit wie heiß;«, ver- lsn-enden Blicken WalttrS Auge» auf ihr ruhte«.
Je mehr sie aber lachte und scherzte, nm fo stürmischere Wogen schlugen die Empfiidungei: tn Walters J-merem, Ec sublte es wohl, daß er nun bald das entscheidende Wirt zu der Geliebten sprechen müsse. Grade der jetzige Augen- Aick schien so künftig wie nie. Er wußte ihn «greife», wenn er Rourage hatte. Wißte er denn, ob das Geschick ihm noch einmal eine so glückliche Stunde be cheerte?
Und doch: wie feige kann die Siebe einen sonst unverzagten Man» mache»! Wie kann sie
ausgerüstet unb vorbereitet sein. Diese Stationen müssen Dem Zugpersonal vollkommen geläufig fein, sodaß bei jedem einzelnen Ungiücksfalle auch nicht eine einzige Minute lang Zweifel darüber ent- stchen können, wo man um Hil'e anzurufen habe.
Solche Vorkehrungen erscheinen jedem verständigen und einigermaßen praktischen Menschen als vollkommen selbstverständlich. Augenscheinlich aber fehlt es daran noch vollständig; mindestens hat es in diesem Einzelfalle gänzlich daran gefehlt. Und deswegen muß an die Verwaltung der Eisenbahnen die dringende Aufforderung ergehen, schleunigst allen diesen Mängeln abzuhelfen, von denen man mit vollem Rechte nach dem Ausdrucke jenes amtlichen Berichtes über das Unglück bei Paderborn sagen kann, daß sie unbegreiflich find!
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