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•""fltojMfwafcX P<witllew t* Sxtta. *" mit Zlnlerhattungs -Meilage „Mustrirle Somtags-Zeitung"

M 290.

Jutöa, Mittwoch, den 18. Dezember 1901.

28. Jahrgang.

Wekusgk« auf das 1. Aattal 1902 bet .Fuldaer Zeitung^werde« fort, während von alle« Postaustalte«, La«d- Briefträger« u«d vo« nuferer Expedition ^Harmonie) eutgegengenommeu. Die- zeutgen, welche di« Zeitung schon jetzt be­stelle«, erhalte« diefelbe bis Eude De- zember kostenfrei.

tiE Die Universität Münster.

®le Verhandlungen über die Ausgestaltung der Akademie in der alten Bischofsstadt Münst-r ,ju einer Untoerfität stad so wüt zum Abschluffr gelangt, wie eS ohne die Mitwirkung des -preußischen Landtages möglich ist. Die Provinz Westfale» will einen beträchtlichen Beittag leisten zu de« Kosten, die die Errichtung einer juristisch- staatswissenschaftlichen Fakultät verursacht, und damit ist wohl das lrtzte Bedenke» gegen die Ausführung dieses lange gehegten urb lange Lett nicht zur Ausführung gelangten Wunsches bei der preußischen Staatsregierung beseitigt worden. Diese Ausführung soll über die ge­hegte» Erwartungen noch binausgehen. Bisher war metstentheils nur die Rede davon gewesen, der Akademie einfach eine Juristenfakultät anzu­hängen. Dadurch aber, daß man sich zur Er- richtung einer juristische« und zugleich staatS- wiffenschaftlichen Fakultät entschloffen hat, be­kommt die Sache doch noch einen anderen An­strich. Es wird damit eine Einrichtung getroffen, bi« man an den süddeutschen Universitäten längst hat, die aber für Norddeutschland neu ist. Die eine Profeffur für Staatswiffenschaften, die in Münster bereits vorhanden ist und der philo­sophischen Fakultät angehört, wird also von dieser abgezwrigt und mit mehreren neuen Lehrstellen für Staats wiffe»schasten der neuen Juristen­fakultät angegltedert werde«. Für die JurtS- prudenz sollen fünf ordentliche und zwei außer- ordentliche Profrffuren errichtet werden, und diese ganze Ausgestaltung der Akademie zu einer Universität soll »ach dem vorliegenden Plane am am 1. Oktober des nächsten JahreS auSgeführt werden. Daß dieser Plan der Genehmigung des preußischen Landtages bedarf, ist vorher bereit- erwähnt worden und außerdem lelbstoerständlich. Die entsprechende« Geldforderungen sind bereits in dem neue« Entwürfe des preußische« Staats- Haushaltes untergebracht; und an der Genehmi- zung des preußischen Landtages ist nicht zu zweifeln.

Die Akademie zu Münster besteht, wie hin­länglich bekannt ist, aus einer katholisch-theologi- schen und einer philosophische« Fakul ät; und in dieser letzteren wird bet der Besetzung der Pro- feffuren für Geschichte und Philosophie von jeher darauf Rücksicht genommen, daß der Unterricht auf der katholischen Grundanschauung beruht und

Gelöste IeMn.

Orginalnovelle von Felix Lauth er.

*4) ------(Nachdruck verboten.)

Er hatte mit Erwin da« dortige Gymnasium besucht, und beide Knaben waren gleichzeitig von Klasse zu Klasse emporgestiegen bi« zur Abgang«- prüfuag. E« hatte sich zwischen ihnen so eine Art Freundschaft gebildet, die da« häufige Beisammen­sein und die Beschäftigung mit den gleichen Gegen­ständen bei Kindern hervorzubringen pflegt.

Die große Verschiedenheit der Charaktere machte sich in den Knabenjahren naturgemäß weniger geltend. Sie zeigte sich erst, al« eine wirkliche Rivalität unter den beiden Jünglingen entstand, die dem einen zur Eifersucht Anlaß geben mußte. Und da» geschah, al« Erwin mit Glanz seine Abgangrprüsung bestand, während Walter in der Prüfung verunglückte.

Da erwachte in Waller- Seele zum ersten Male das häßliche Gefühl des Neide- gegen seinen Kameraden, mit dem er so viele Stunden glücklichen Beisammenseins durchlebt und so viele überwüthige Streiche auSgeführt hatte.

Wie auch konnte jener Schneiderssohn sich vermessen, die Prüfung zu bestehe«, während er, der Sohn eines königlich preußischen Major», mit Glanz durchfiel!

Dies war der erste Riß, der die Jugend­freundschaft der Kameraden trennte.

Und als dann später Walter seine Prüfung -ebenfalls bestanden hatte, und i» das studentische

sich für die Studenten der katholischen Theologie eigne. Möglicherweise wird nun von anderer Sette die Forderung erhoben werde», daß bei einer Er- Weiterung der Akademie zur Universität auch der entgegengesetzte Standpunkt Berücksichtigung finde, o. h. daß auch solche Profefforen für Geschichte und Phllosophie angestellt werden, die nicht auf katholischem Standpunkte stehen.

Zunächst liegt aber kein Bedürfniß in diesem Sinne vor. Die Theologen brauchen den Unterricht in Geschichte und Philosophie un­umgänglich nothwendig, da bekanntlich nicht alle Theologen ohne Ausnahme nur der reinen Seelsorge sich widmen; und dieses unleugbare Bedürfniß kann nur befriedigt werden durch Profefforen, die aus gut katholischem Stand­punkte stehen. Eine Aenderrng in diesem Zu­stande verbietet sich also durchaus. Die lieber» lieferungen sprechen ebenso dagegen, wie die thastächliche« Bedürfniffe. Höchstens also könnte das Verlange« erhoben werden, neben jenen gut katholischen Proftffuren noch andere Lehrstühle für Philosophie und Geschichte zu errichten, die auf protestantischer Grundlage beruhen. Aber zunächst muß sich zeige», ob au8 der geplanten Erweiterung der Akademie zu einer Univerfität ei» solches Bedürfniß sich überhaupt entwickeln werde; und dann würde erst die zweite Frage entstehen, ob denn auch hinreichende Geldmittel dafür vorhanden seien, das Bedürfniß, wenn es wirklich entstehen sollte, zu befriedigen. Ganz Münster, daS ganze Münsterland ist katholisch. Die alte Bischofsstadt ist wie von einem katho­lischen Nimbus umwoben, so daß vorläufig gar nicht anzuuehmen ist, daß die Errichtung der neue» juristisch. staatSwissenschaftlichen Fakultät plötzlich einen starken Zulauf sehr vieler prote­stantischer Studenten bewirken werde. Die Kalholtken jedenfalls werden ohne Ausnahme den Wunsch hege», daß dieser alte katholische Anstrich, der der Akademie zu Münster anhaftet, auch der Universität unversehrt erhalten bleiben möge, auch bann, wenn später einmal die Unioersiläl ganz vollkommen werden sollte durch die Hinzufügung auch einer medizinischen Fakultät. Die Erhaltung deS katholischen Anstriches würbe an bem gegenwärtigen Zustande durchaus nichts ändern; fie würde deswegen durchaus nicht die Bedeutung haben, daß damit „da- Römische" in Deutschland weitere Fortschritte mache. Eine Aenderung dieser münsterischen Neberlieferungen roflrie vielmehr eine Beeinträchtigung katho­lischen Wesens sein zu Gunsten der Gegner der katholischen Kirche.

Dazu kommt noch etwa« Andere«.

Al« es sich um die Errichtung einer katho­lischen Geschichiaprofeffur an der Univerfität in Straßburg handelte, wurde doch diese Errichtung mit dem Hinweise darauf bekämpft, daß e« ganz gleichgiltig sei, ob ein Professor der Geschichte der katholischen Kirche und Auffassung angehöre, oder nicht Die Wissenschaft, die Forschung müßten „voraursetzungslos" sein und würden streng sachlich gehandhabt; deshalb komme e« gar nicht aus da« GlaubenSbekenntniß eines Gelehrten an, sondern nur und einzig nur auf seine gelehrte Tüchtigkeit.

Wenn nun jetzt die Forderung erhoben werden sollte, neben den katholischen Professoren für Ge­schichte und Philosophie in Münster auch noch

Leben eintrat, da begab er fich in Kreise, die Erwin feiner ganzen Naturanlage nach fern» standen.

Walter wurde Korpsstudent, er verkehrte nur in den distinguirtestrn Gesellschaften, während Erwin daS freie und ungebundene Studenten­leben i» den Kreisen Gleichgesinnter nach Herzens­lust durchkostete, ohne Rücksichten auf konventionelle Forme» und dergleichen ziemlich wesenlos- und überflüssige Dinge nehme» za müsse«. »Und als nun gar Walters Vater zum Obersten aoarcirt war, da war eS mtt jeglichem Verkehr der jungen Leute untereinander vollends auS, und sie grüßten fich nicht einmal mehr auf der Straße.

ÄlS Erwin in die Familie der Majorin von Hochfeld eingeführt würde, befand fich Walter in einer anderen Universitätsstadt, wohin er Spe- zialstudien halber übergefiedelt war. Wie er- schrocken war Erwin jetzt gewesen, in der Be­hausung, die er als Tempel seines ruhigen Glücks heilig hielt, den Man« wiederzusehen, dem er am liebsten im Leben nicht mehr begegnet wäre!

Und was ibn besonders hart, ja fast bis zum Tode getroffen hatte, das waren die freund- ltchev und verttauliche« Worte, welche die Ma- fort» an den jungen Elegant gerichtet hatte. Ja, sogar „unser SBBalttr* hatte fie gesagt.

mußte also Walter in der Familie schon längere Zeit ein bekannter und beliebter Gast fein, vielleicht ein Verwandter; möglich auch, daß zwischen feiner Familie und d-n Hochfelds ein freundschaftliches Vethälttch seit langen Jahren bestand.

andere anzustellen, so würden damit alle jene Ein­wände gegen die katholische GeschichtSprofeffur in Straßburg gerade von denjenigen selbst entkräftet werden, die bisher noch immer diese Einwände erhoben Haben.

Die weitere Entwickelung dieser Angelegenheit kann darum außerordentlich interessant werden.

Deutsche* Deich«

Berlin, 17. Dezember.

* Uever ficht 88er die Landtagothätig- Seif. Die vom Bureaudirektor deS Abgeord­netenhauses Plate erstattete GrschäftsÜberficht für die zwette Session der 19. Legislatur- Periode zeigt neue Vorzüge in Bezug auf Zeit- ersparniß und Heber stchtlichkeit. Dem Ganzen voran geht ein Urberblick über den Verlauf bet Session unter Erwähnung der hauptsächlichste« Vorgänge, so baß ber Abgeordnete, wenn er am Ende der Legislaturperiode seinen Wählern ein Gesammtbild seiner Thätigkeit geben will, nicht erst aus vielen Bänden sich Auszüge zu machen nöthig hat, sondern nur die anderthalb Seiten deS Ueberblicks durchzusehen braucht, um fest­zustellen, waS er von wichtigen Gegenständen zu berühren und wo er es zu finden hat. Der zweite Vorzug besteht in der große« Erleich­terung, sich über Berathungsgegenstände und Kapitel, die in der Verhandlung berührt werde«, schnell zu unterrichten und sich im Etat zurecht zu finden. Neben den großen Sammelgebieten, wie beispielsweise Elsentarife ober Wafferwirth- schaft oder Staatshaushalt, deren alphabetische Eixzelkopitel wieder alphabetisch in Unter­abschnitte geordnet sind, kehren die kleinsten Charakterworte doch in der großen alphabetischen Gesammtordnung wieder mit bem Hinweis über ihre eigentliche BehanblungSstelle. Der zweite Theil ber Ueberstcht enthält nur Nachrichten über bas Schicksal der bem Abgeorbnetenhause zu­gegangenen Gesetzentwürfe. Dem Etat ist in ber Ueberstcht eine besondere Abtheilung ge­widmet. Der dritte Theil der Ueberstcht enthält die Rednerliste mit bem sachlich georbneten, ebenfalls in ber Gesammtüberficht nachgewiesenen Inhalt der Reden.

+ Zwiespalt Sei den Ireifinnige«. Herr Eugen Richter ist ganz außer fich. Gerade wie in der württernberqischen Kammer Mitglieder der VolkSpartet einer Entschließung für Erhöhung der Getteidezölle zugestimmt h.den, stellt es fich jetzt mit unzweifelhafter Gewißheit heraus, daß auch Mitglieder der freisinnigen Volkspartei, die in bet bayerischen Abgeordnetenkammer fitzen, eine Schandthat dieser Art begangen haben. Die bayerische Abgeordnetenkammer hat fich am letzte« 4. Oktober mit einem Anträge des konservativen Abg. Latz beschäftigt, in bem bie bayerische Re­gierung ersucht wurde, für erhöhten Zollschutz ber Landwirthschast einzutreten, namentlich erhöhte u»b für alle Setreibearten gleich hohe Einfuhr- zölle. Mit ber liberalen Bereinigung ber baye­rischen Kammer haben auch deren sreifiunige Mit­glieder für den Anttag gestimmt; eS find bieS die Herren Mühleubefitzer Sartorius in Hers­bruck, Bürgermeister von Keller in Ansbach und Posthatter Schmitt in Tretzseld. Wüthend

Und wie hatten Margarethens Auge« ge­leuchtet, al» fie den schneidigen Kavalier erblickte, mit dessen imponirenbem Aeußeren Erwin nicht entfernt wetteifer» zu können glaubte.

Walter war in ber Thai ein Mann vo« überaus feine« Manieren, und fein ganzes Auf­treten zeigte unverkennbar den Aristokraten. Sein blasses Gesicht, in bem ein Paar dunkele, lebhafte Auge« unstet leuchteten, z-igte nicht un­interessante Züge, ei» tadellos, gewirbelter, fast schwarzer Schnurrbart verlieh bem Antlitz ein gewisses militärisches Gepräge. Er war mtt einem Worte — „schneidig".

Erwin war gerade daS Gegeniheil davon. Sein Antlitz war voll und gesund, in seinen Zügen lag charaktervolle Festigkeit und Willens- kraft, und seine blauen Augen blickten kühn und schwärmerisch zugleich in die Welt. Es war etwa« von künstlerischem Schnitt in diesem Gkfichi.

Wie sollte er, ber bescheidene Jüngling, der SchneiderSsohn, in Margarethens Augen vor bem flotten und schneidigen Kavalier bestehen können?

Erwin fühlte nur zu gut, wie sehr et hier im Nachtheil sei und begann sich schon zu schelten, baß er es gewagt hatte, seine Augen zu ber herzige« Margarethe, dem vornehmen adeligen Fräulein, zu erheben.

Mit all' solchen peinigenden Gedanken war Erwins Haupt beschwert, als er sich in seiner engen Klause in den Studirseffel warf und daS Haupt in beide Hände vergrub, gleichsam, um sich zu besinnen, ob die Welt »och auf bem alten

schreibt bie .Freisinnige Zeitung': „Haben in ber That bie btei Freisinnigen ... für bie Getreide» zollerhöhung gestimmt, so würden sie bem Eise­nacher Parteiprogramm zuwibergehandelt und sich damit selbst auS ber freisinnigen Volkspartei ausgeschlossen haben. Jeben- sallS haben dieselben nunmehr die Verpflichtung, ihre Haltung vor ber Oeffentlichkeit klar zu stellen". Aber die genannten Herren werden schwerlich bem Berliner Freisinnsführer so aufS Wort gehorchen, wie bitfer es verlangt; unb bie Wähler ber brei bayerischen Kammerfreifinnigen wohl auch nicht. Herr Eugen Richter aber scheint gar nicht mehr ben Zeitpunkt erwarten ,u können, in bem er unb feine Parteigetreuen alle zusammen in einer Droschke Platz haben werben!

X Mrefch«« «nd Aehnliches. I« Wreschen wird ber Religionsunterricht in ber alten Weise weiter ertheilt, das heißt bie pol­nische» Kinder sollen auf alle Fälle an bem »utschen Unterrichte theilnehmen und weigern fich dessen. „Der passive Widerstand ber Kinder — so lautet eine Schilderung in einem bekannten Hakatistenblatte — dauert fort und nimmt mmer größere Dimensionen an .... Kürz­lich ließ ber Rektor ber Schule, ba ein gemein­sames Deutscher Beten nicht zu erzielen war, von einem einzelnen deutschen katholischen Rinbe bas Gebet verrichten, mußte aber die Wahr­nehmung mache», daß trotz mehrfachen Ver­botes mehrere polnische Kinder währenddessen laut polnisch beteten .... Der Unterricht geschieht in der Weise, daß nur bie Kinder, welche antworten wollen, gefragt werden, die anderen ab er unberücksichtigt bleiben . . ." DaS angewandte Unterrichts» jystem bewirkt also, baß ein Theil ver Wreschener Schulkinder ohne bie vorgeschriebene Unter­weisung in ber Religion bleibt, ein Zustand, dessen Bemtheilung J-berman« selbst überlassen bleiben möge. DaS also stnb bie Folgen deS berühmten VolkSschulunterrichteS in Preußen! Wann enblich wirb bie Regierung einsehen, daß fie fich mit Maßregeln solcher Art aus falscher Fährte befindet?

V Berti«, 17. Dezbr. Der Kaiser nahm «m halb 10 Uhr die Meldung deS Prinzen Friedrich StgiSmunb, ältesten Sohnes deS Prinzen Friedrich Leopold, der heule sein 10. Lebensjahr vollendet, an­läßlich seiner Einstellung in die Leib-Kompagnie be« ersten Barde-Re,tmentS zu Fuß entgegen. Bei der Meldung waten anwesend Prinz Friedrich Leopold unb die direkten Vorgesetzten deS jungen Prinzen. Um 10 Uhr begab fich der Kaiser mit dem russischen Thron­folger und dem Prinzen Heinrich zur Fasanenjagd nach dem Wildpark. Nachmittag« hörte der Kaiser den Bortra, be« Cyef« des Militär.Kabinett. - Der russische Thronfolger wird heute Abend 11 Uhr vom Bahnhose Friedrichstraße aus Berlin wieder verlassen. Der Kaiser wird ihm biS zum Bahnhofe daS «eleit geben. — Nunmehr wiederholt auch die ,N-rdd. All,em. Zeitung', daß die neuerliche Meldung von einer geplanten Reife der Kaiserin nach Abbazia unrichtig ist. Der Aufenthalt daselbst im Jahre 1894 habe für die Kaiserin eicht bie erhoffte günstige Wirkung gehabt, so daß eine zweite Reise dorthin nicht in Frage kommt. — Die hiesige Polizei fahndet auf drei italienische Anarchist en, die au- deutschen Bundesstaaten auSgewiesen find. — Die Nachricht, dem nächsten Landtage solle eventuell auch ein Schul - Unterhaltungsgesetz zugehen, verdient der .Post' zufolge keinen Glauben. — Wie der .Kreuzztg.' miigelheill wird, ist nunmehr daS Cere- Flecke stehe, oder ob eine Revolution der Natur» lififte ioSgebrochen fei, um alles Bestehende zu vernichten. Erwin, in bissen Kopfe sich alle- im Kreise drehte, wäre schon ganz damit ein­verstanden gewesen, wenn eine plötzliche große Sintfluth ihn mit weggespült hätte. Wenn fie nur fein Gretchen verschonte — an ihm war ja nichts gelegen . . .

Leise pochte eS an die Thüre, unb ohne bie Erlaubniß adzv warten, öffnete Frau Jahnke, E.wmS Zimmeroer miet yerin, bie Thür.

Sie brachte bie Lampe, da eS inzwischen ganz dunkel geworden war. Zugleich legte fie einen Bries vor E wn auf be» Tisch, ben ber Postbote vor einer kleinen Weile gebracht hatte. Da»« e»tfer»te sie sich so geräuschlos, wie fie gekommen war.

Erwin betrachtete die Aufschrift. ES waren die Schriftzüge seiner Mutter. Nichts Gute- ahnend, riß er den Umschlag ungestüm auf unb durchflog daS Schreibe», welches also lautete:

Lieber Erwi»!

Komm doch sofort, wenn Du diesen Brief erhalten hast, nach Hause. Ein schreckliche- Unglück hat unS betroffen. Gestern war die Polizei hier und »ahm Vater mit. Er sitzt im Gefängniß in Urtersuchung. Er soll Wucher» geschäste gemacht und viele Leute betrogen haben. Ich weiß von Nichts. Komm doch, lieber Erwin, gleich »ach Hause. Du hast ja so viel gelernt auf der hohen Schule in Berlin. Vielleicht kannst Du Vater helfen. Ich bin rathloS und weiß nicht, waS ich anfangen soll.

Deine unglückliche Mutter.