M 289
MuL'öa, Dienstag, den 17. Dezember 1901
28. Jahrgang
t
(Nachdruck eeibeten.)
mit jesser Gelbsteine Bewandtniß
Stellung des
Drwt so* Verla- Wi Saltae» Xdtatautti« Pete»«--Se «r. e flbanximM.
< Der Bund der Landwirthe
xefällt sich auf seinen Werbezügen in katholische Gegenden jedesmal in der Empfehlung, erstrebe eine wirthschaftspolitische Einigung der deutsche» Landwirthe an und stehe daher auf christlich, interkonfesfionellem Boden. In Folge deffen paffe er beffer für die katholischen Landwirthe als die christlichen Bauernvereine. Desm diese seien konfessionell und katholisch. Ts gebe aber doch keinen Unterschied zwischen katho- lrschem und protestantischem Weizen. Zur Er. reichung deffen, was unserem Bauernstände noth lbue, bedürse es der politischen Einigung; die Unterschiede im Kirchsnglauben müßten hiergegen zurücktreten. Zur Bekräftigung fügen die Ouu- dcsogitatorrn dann und wann diesen liebet* redungsgründen auch noch die Versicherung hinzu, daß der Bund in Wirklichkeit die Parte des katholischen Volkes, das Eentrum, nicht bekämpfe.
Einer solchen Selbstempfehlung deS Bundes begegnet man in der letzten Zeit in fast allen Berichten über die neuerlichen Versuche desselben, den christlichen Bauernvereinen z. B. in Westfalen, im Rheinland?, auf dem EichSfelde, in Schlesien und auch in unserer Gegend das Waffer abzugraben, Zwar sind diese Versuche überall fehlgeschlagen; die katholischen Laud- wirthe — sofern sie überhaupt zur Versammlung erscheinen — weisen den Bündleru in richtigem Verständuiß der bündlerischen Ziel« überall die Thür durch die deutliche Erklärung, daß den katholischen Landwirthe» die Bauernvereine und
Der gratis zu beziehende illustrirte Auswahl- Katalog von Kösel gibt auch über die äußerst reich- . hallige Kinder-, Jugend- und Volks-Literatur des Verlages den besten Aufschluß. Die von P. Kone- berg begründete, von Konrad Kümmel sortge- fühne Katholische Kinder-Bibliothek enthält 66 Einzelbändchen (geb. 35 Pfg.) und 14 Bände (mit je 4—6 Einzelbändchen hübsch gebunden 1 Mk). Von der Kümmel'schen „Katholischen Jugend- Bibliothek" dienen 25 Bändchen der Einzelausgabe (geb. 80 Pfg. bis 1.90 Mk.), 9 Bände der Band-Ausgabe (geb. 3 Mk.). Die Kümmel'sche Katholische. Volksbibtiothek bietet bis jetzt 8 Bände (geb. zwischen 2.10 Mk. und 3 Mk.). Der neu erschienene 8. Band (geb. 2.60 Mk.) enthält eine Feuerwehr-Geschichte von Otto Seitenberger, die Erzählung „Der arme Bastian" von Jos. Lennartz und 5 Erzählungen und Novellen von M. Hostert. Alle diese Bände sind gut illustrirt.
Ein sehr empfehlenswerthes Geschenkbuch für Jung und Alt, namentlich aber für die Heranwachsende Jugend, ist die Sammlung von Lebensbildern „Durch eigene Kraft" (mit zahlreichen Illustrationen,Leinwandband 4 Mk). Mehr als dreißig Künstler, Er- finder und Entdecker, Dichter und Schriftsteller, Männer des staatlichen und sozialen Lebens wie der Industrie, die sich aus eigener Kraft in die Höhe brachten, sind hier in anziehenden Charakterbildern vorgeführt. Der positiv-christliche Standpunkt tritt überall wohl- thuend hervor. Eine bessere Schule des Fleißes, der Strebsamkeit und Arbeitsfreudigkeit kann man sich nicht leicht denken.
Der Verlag von F. W. Cordier i« Heiligen- stadt bietet allen für Edles, Schönes und Gutes begeisterten Kreisen eine Weihnachtsgabe von seltenem Werth. Leo van Heemstede (Tepe), dessen Namen längst den besten Klang hat im deutschen Dichterwalde, der sich die Hebung der Poesie und Sammlung der poetischen Talente durch seine „Dichterstimmen" (Verlag von Pet. Weber in Baden-Baden) große Verdienste erwarb, erfreut uns durch einen stattlichen Band seiner ausgewählten Gedichte unter dem Titel ..Höhenluft" (hochelegant geb. mit Goldschnitt 5 Mk.). Es ist in der That ftische, kräftige, würzige Höhenluft, die aus diesen Poesieen uns entgegenweht. Heemstede schöpft stets au» dem Vollen. Der Fülle von Gedanken und Empfindungen, Stimmungen und Bildern entspricht der um den Ausdruck nie verlegene Reichlhum der Sprache. Wir bewundern den Dichter, wenn er die Schönheiten der Natur besingt, wir befolgen seinen Ideenflug in den beschaulichen Liedern, erbauen uns an seinen religiösen Gesängen, kaffen uns durch seine Zeit- und Streitlieder begeistern, fühlen mit ihm, wenn er Lenz, Siebe und häusliches Glück erhebt, Scherz und Ernst auSklingen läßk. Auch die epischen Gedichte zeugen von hoher Meisterschaft. Seo van Heemstede hat sich in der „ Höhenluft" selbst den schönsten Kranz gewunden.
In zweiter Auflage erschien Reinhard» „Emanuel", das . otteskind von Bethlehem (Origi- nalband 5 50 Mk.) Die berufene Kritik hat das Werk, daS mit Illustrationen der Beuroner Kunstschule geschmückt ist, als h o ch b ed eutsam e Erscheinung auf dem Gebiete der religiösen Dichtung anerkannt. Dr. Helle nannte es im vorigen Jahre die „unstreitig werthvollste Novität", Dr. Gutderlet „eine herrliche Weihnachtsgabe".
Bei diesem Anlasse fei das d eibändige Meisterwerk des in diesem Jahre leider dahingigangenen Dr. Fr. W. Helle: „Jesus Messias" in Erinnerung gebracht (Originalband 34 Mk). Der Dichter hat sich selbst und seinem gläubigen Volke ein Denkmal gesetzt, aus das andere Nationen stolz ; sein würden. Seiber hat man seine Verdienste zu ! Sebzeiten nicht nach Gebühr gewürdigt. Möge der ■ Nachwelt zu vollem Bewußtsein kommen, welch' gewaltiges christologischeS Epos wie in Helle's „Jesus Messias" besitzen.
Eine werlhvolle Bereicherung der Jugendliteratur sind die vier prächtigen Bände „Aus der Urzeit des germanischen Heldenthums" von Karl Sorentz: „Arminius", „Alarich", „Amala- suntha", „Sigibert" und „Merovach". Die auf gründlichen Quellenstudien fußenden, in packender Sprache geschriebenen geschichtlichen und kulturgeschichtlichen Erzählungen werden auch gereiften Jahren einen Genuß bereiten. (Preis geb. je 4 Mk )
Das köstliche „moralisch akademische" Epos „Gottfried der Student" vonEmanuel Bierstein, ein Jobsiade in veredeltem Stil, sei allen Freunden des Humors warm empfohlen. Jungen und alten Studenten kann man damit die größte Freude machen. Das Bändchen (fein geb. 3 Mk.) erlebte bereits die dritte Auflage.
Als schöne Weihnachtsgabe mögen auch Dr. Arnim Kausen's festliche Blätter „Im Blüthen- duft und Winterschnee (350 Mk.) nochmals erwähnt werden. Der .Anzeiger s. d. karh. Deutschland' bezeichnete da» Buch al» „Schatzkästlein, au» ; dem man das ganze Jahr hindurch schöpfen kann". ;
Empfehlung des Bunde- für hat. —
Beginnen wir mit der
Bundes zum Centrum,
Trschei»! täglich, m. Ausnahme der Zonn- und Feiertage. Bierteljährl.
Zesug,prei, ohneBrmgerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1M.S0 Pf.
sich bet der Wahl des Herrn Beumer auch die Konservativen und der Bund der Landwirthe be- thetliqt haben. Der Centrum?kandidat Härte gewiß nicht so einseitig die Jntrreffm der Jndu- str« vertreten."
Wenn es dem Bunde so wenig auf die Förderung einer bauernstandSfreundlichen Volks- vntretung ankommt, daß er drei ReichStagSman- bäte, do» welchen zwei ganz sicher hätten gewonnen werden können, von vornherein dem Centrum ablreibt, fo muß für die Wahlarbeit des Bundes nickt in letzter Linie das Wohl der Landwirthschaft, sondern vielmehr etwas anderes ausschlaggebend sein. Dieses andere Moment ist ein religiöses, oder vielmehr ein konfessionelle-/ Dasselbe hat bei de« drei genannten Wahlen eine hervor- ragende Rolls gespielt. Die landbündlertsch? Seite deckte sich daselbst zu einem großen Theile mit e v a n g e l i sch-b ü n d l e r j s chen Bestrebungen.
Das ist die „interkonfessionelle" Grundlage des Bundes der Landwirthe, der auch in seiner Leitung fast nur protestantische Beamte hat. Aus den Bauernvereinen hat man evangelische Mit Glieder nie über konfessionelle Beeinträchtigungen klagen hören und doch find die christlichen Bauernvereine entgegen den Ber- dächtigungen der Bündler thatsächlich interkonfessionell. UebrigenS hat ollem Gerede von der Jnterkonfessionalität deS Bundes dieser selbst längst ein Ende Gemacht. Ja einer seiner Generaloersammlungsn ist die katholische Kirche mit Bemerkungen "übet das „Mmmein von Gebeten" und „dogmatischen Formelkram" verunglimpft worden. Ja, das BundeSorgan hat seiner Zeit sogar ein Gedicht veröffentlicht, daS die Katholiken als „Mistkäfer" bezeichnete und alS „Nachtgeschmeiß" und als „Gewürm, tritl's todt!" Aber auch abgeseiun von solchen Ausfällen kennzeichnet dieses offizielle Bunde s- blatt, dir .Deutsche Taaeszritung', die Gesinnungen deS Bundes. ES wird durchaus in „evangelischem" Grifte geleitet, kann in wichtige» Fragen, wie z. B. die des Duells ist, keine klare Stellung finden, empfiehlt svez,fisch p-oteftanttsche Litsratur, und wenn wir ihin dies alles vergeben wollten, so muß es doch aus katholischen Häusern bleiben wegen der anstößigen, da» sittliche Em- pfinden verletzenden Anzeige», denen eS (z B in Ne. 578 vom 10. Dezember an zwei Steller) Raum gewährt. So ist eS mit der Jntenkon- fesfionalität deS Bundes bestellt.
Mag der Bund sich also Mitglieder suchen, wo er nur will, wir haben nichts dagegen, wenn er unter den evangelischen Christen bleibt oder wenigstens dort, wo keine christlichen Bauern- vereine sich bilden konnte». Wir wolle« auch in wirthschastliche« Fragen mit ihm Hand in Hand gehen, so oft eS für die Landwirthschaft ersprießlich erscheint. Aber wir wollen feinen Herrschaftsgelüsten unsere Bauernvereine nicht opfern, »och weniger da» Centrum; und erst recht nicht können wir eS dulden, daß durch den Bund unsere religiösen Jntereffen gefährdet werden. Die Einigkeit ist dem katholischkn Volke heute nothwendiger denn je; selbst der konservativen Partei gegenüber, deren „integrirender Bestandlhell" der Bund der Landwirthe ist, eie Freiherr v. Manteuffel >wr Monatsfrist deutlich gesagt hat. „Einigkeit gegen den Bnud der Landwirthe!" ist daher die Loofung der katholischen Landwirthe.
das Centrum genüge». To find die Bersamm- lungStouren im Kreise Hünfeld, wie im West, fälische« und im Dürener Lande wahrhaft kläglich für den Bund ausgefallen. @ts Gleiches wird vom EichSfeld berichtet. Ma« sollte meinen, daß nunmehr die katholischen Landleute vom Bunde in Ruhe gelassen würden. Aberder ist nicht wie andere; er „genirt sich nicht", wie ein Bündler im Sommer auf einer großen badischen Versammlung sagte. Er wühlt immer weiter. Darum ist es nicht nur für die von dem ostelbischen „Freunde des Bauernstandes" heute umworbenen Gegenden, sondern für die katbolische» Landwirthe überall intereffant uns wichtig, zu wiffen, was eS
so brauchen wir nur auf die' drei letzten Reichstagswahlen hi«, zuweisen, welche die CentrumSfreundlichk^it des Bandes hätten beweifen könne». ES ist aber bekannt, daß an der Gaar der Bund eben
* Hin schrecklicher Dorfall, so wird der .Soff. 3t#/ geschrieben, erschüttert die Lissaboner Gesell- schsft und wirft seinen dunklen Schatten über die Freuden des DezrmbermonatS: Donna Maria Ehriftina Romano de Gavazzo, eine Dame auS den beffere« Srrisrn der portugiesischen Hauptstadt, Mutter einiger unmündiger Kinder, hatte seit einigen Tagen gekränkelt und eines Morgens wurde sie tobt in iqrem Bette aufgefunden. Da in Portugal des wärmere« Klima» wegen die Beerdigung binnen 24 Stunden vollzogen werde« muß, wurde», die Borbereitungen hierzu in aller Eile getroffen. Der Prior der Sem inde erschien, die Leiche wurde eingefegnet und eingesargt und Freunde der Familie hielten am Sarge Wache. Am anderen Tage um 2 Uhr Nachmittags begleitete zahlreiches Gefolge die Todle auf den Friedhof. Bevor aber der Sarg in di« Grube gesenkt wurde, vernahm man im Innern einen verhaltenen Schrei und bald darauf ein leichtes Kratzen an den Wänden. Der Sarg wurde geöffnet und Maria Romano de »ovazzo richtete fich zum Entsetzen aller Anwesenden von ihrem Lager auf. Doch vermuthlich aus Schrecken hatte sie den Berktand verloren. Mau trug sie schnell wieder nach Hause, ..ber aller ärztlicher Beistand war vergeblich; nach fünf Stunden verschied le. Es wird angenommen, daß fie, als der Arzt den Tvdtenschein ausstellte, im Starrkrämpfe gelegen hatte. Die öffentliche Meinung verlangt auf da» Ent- chiedenste, daß Maßregeln gegen eine Wiederholung so urchtbarer Borkommniffe getroffen werden.
• Ilk „Kerl" eiet Schimpfwort? Der Wirth . >. zu Köln war angeklagt, einen Schutzmann durch die ' Sorte: „Wat well bä Kähl?" beleidigt zu haben. Da» Gericht erließ folgende Entscheidung: Das Wort „Kerl" könne unter Umständen eine Beleidigung sein, da» Wort sei aber in Köln gang und gäbe, ei werde damit sogar in den höchsten Gesellschaftskreisen (!) ein Mann oder ei« Herr bezeichnet. I« vorliegendem Falle, al» der Beamte zur Revcho» in da» Lokal des Ang-klagten gekommen war und dieser in seiner Freude gesagt: „Wat well dä Kähl?" habe dem Beschuldigten zweifellos die Absicht bei Beleidigung gefehlt. . Es trat kostenlose Freisprechung ein.
mttionallibrralen Bergrath gegen den zum Cm- trum zählenden Landtagsadzeordneten Fuchs unterstützt hat. FuchS fiel daher durch. Er kandidirte in Wiesbaden und wäre daselbst in dir Stichwahl gekommen, wenn nicht der Bund der Landwirthe es durch Aufstellung einer eigenen Kandidatur verhindert hätte. An der Ruhr hat der Bund für den nationalliberalen Dr. Beumer agilirt und diesem gegen den CentrumSkandidate« Rintrlen, drn Präsidenten des OderlandekkulturgerichtS zum Siege verhalfen. So centrumsfreundlich ist der Bund! Seine wahre Gesinnung gegen das Centrum enthüllt dazu wieder einmal, wie mit einem Blitz« licht, eine Bemerkung der .Deutsche« TazeSztg.' (vom 11. D^br.), des offiziellen Bundesorgans, in weicher dar Centrum zu den „antinationalen" Parteien gezählt wirs.
Wie wenig ehrlich eS der Bund mit den Interessen d,eS Bauernstandes meint, Haden eben jene Wahlen gleichfalls gezeigt. Die C'NtrumSpartei hat von jeher fich als die thatkräftigste und erfolgreichste Förderin der bäuerlichen Jrtereffrn erwiesen. Von den Herren FuchS und Rwtelen war eine landwirthschafts- freundliche Stellung bekannt, zum mindesten voraus,»setzen Ja, der letztere ist sogar Mitglied einer landwirthschaftlichen Behörde. Nichtsdestoweniger trug der Bund in ausschlaggebender Weise dazu bei, daß dieselben nicht im Reichstage zu Gunsten der Landwirthschaft wirken können. Ist etwa der Landwirthschaft mit der Wahl der freifinnigen Dr. Crüger in Wiesbaden, welcher ein Gegner der Erhöhung der landwirthschaftlichen Zölle ist, mehr -edrent? Wird etwa der Königl. Bergrath Prietze wärmer für diese Zölle eintrrtr», al» bet Abg. Fachs? Oder etwa Dr. Beumer, der General- frkrrtär von großindustriellen Vereinigungen? Zur Zollrede des letzteren schreibt sogar die konservative.Kreuzzeitung': „Wir geben wiederholt unserem Bedauern darüber Ausdruck, daß
Inserat»: Di» einspaltige Vetit> »eile oder Deren RamnlSPfg.,Re- klamen die Petit- zeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend, Rabatt gewährt.
pfundenen Gedichte „zu Sob und Ehr" von Franz X. Offner find von 32 Sichtdrucktafeln nach Bildern von Aug. Müller-Werth begleitet. Der Künstler wetteifert mit dem Dichter, um un» eine möglichst plastische Vorstellung von dem Sebensgang und der Eigenart der Seligen zu ermitteln; seine Bilder haben die wohlverdiente Anerkennung der Kritik gefunden. Verkleinerungen dieser Kunstwerke zieren auch das gleichfalls von Offner verfaßte Sebensbild „Die Schule der seligen Crescentia" (gebunden 2.20 Mk.).
Im „Dichterstimmen"-Berlag von Peter Weber in Laden-Baben erschien da« prächtige, formvollendete Schwarzwald - Epo» „Der Ritter von Hohen- ----- - - - - .Picht—
liche Ausnahme gefunden. Das Epos ist freie Erfindung mit Benützung der Sage vom Edelfrauengrab. Die Handlung fallt in die Zeit von 1146—1148 und spielt sich auf dem Hintergründe der Kreuzzugbewegung ab. Reine, zarte Poesie und edelste Romantik wird uns hier in kunstgewandter Form und mit drastischer Wirkung geboten Der Dichter hat sich schon früher durch seinen herrlichen Spesiartgesang „Tannen- bürg" einen Namen gemacht. Der „Ritter von Hohenrode" stellt sich „Tannenburg" würdig an die Seite.
Im Verlage der Hofbuchhandlung von Leo Woerl in Leipzig begrüßen wir eine neue poetische Gabe de» als Dichter bereits bestens bekannten G:M. Schuler. Eigentlich ist zwar nur die zweite Hälfte: „Balladen undBurlesken" neu und erschien auch mit gesondertem Titel und JnhaltS-Verzeichniß; die erste Hälfte ist die zweite vermehrte Auflage des poetischen Quodlibet: „Etwas für Dich." Der Dichter geht seinen eigenen Weg und hat seine besondere Art; aber es ist eine gute, gediegene Art, die Vielen gesällt und zum Herzen spricht. Alles in Allem ein sehr empfeh- lenswerther, hübsch ausgestatteter Geschenkband.
Bei Woerl erschien in dritter vermehrter und verbesserter Auflage das so äußerst plastische und handliche „Wanderbuch" für Handwerker, Gesellen und Arbeiter von Joseph Schneider mit Beschreibung von über 500 der bedeutendsten Städte Deutschland», Oesterre.chs und der Schweiz und der in denselben bestehenden katholischen Gesellenvereinen, Herbergen „Zur Heimalh" ec., 353 Reiseplänen und einer Eisenbahn- Karte. (Preis 1 Mk. 50 Pfg.)
Als Reiseerinnerung, Reisevorbereitung oder auch als angenehme Lektüre für Solche, die daheim bleiben müssen, verdient der soeben neu ausgegebene „Kleine Orientführer" von Leo Woerl mit 120 Illustrationen, Plan- und Karten-Beilagen (Preis 2 Mk.) rühmend hervorgehoben zu werden. Der reiche Bilderschmuck »vird auch den weitestgehenden Ansprüchen gerecht. Wir haben das hübsche Bändchen mit Vergnügen durchgesehen und uns daran ergötzt.
Von den großen Prachtwerken des Woerl'schen Verlages sei neben den „Balearen", „Paxos und Antipaxos", „Spanien" und anderer Reisebeschreibungen des Erzherzogs Ludwig Salvator das zweibändige, reich illustrirte Archiv zur Beschreibung von Japan von Freiherrn von Siebold und seinen Söhnen warm empfohlen. „Nippon und dessen Schutzländer" lautet der Titel. Das berühmte Werk (in kostbarem Einband 20 Mk.), das mit Unterstützung des japanischen Hofes in 2. Auflage erschien, schildert das alte, von europäischen Einflüssen noch unberührte Japan, und hat heute, da Ostasien mehr als je die Blicke auf sich zieht, doppeltes Jntereffe.
Ein in seiner Art hochbedeutendes, durchaus auf christlichem Standpunkte stehendes Werk ist „Der Mensch. Sein Ursprung, seine Rassen und sein Alter", von Dr. Bonis. Platz. (Mit 400 Illustrationen, elegant gebunden 10 Mk). Der gelehrte Cistercienser-Ordens-Priester, dessen Bildniß dem Titel vorangestellt ist, bemerkt in der Vorrede zur neuen vermehrten dritten Auflage, daß das Werk nur für gebildete Erwachsene bestimmt ist. Weder der Bilderschmuck mit seinen zwar ernsten aber dennoch nicht für unreife Blicke berechneten Nuditäten, noch auch die erörterten physiologischen Fragen und sozialen Schattenseiten sind auf einen jugendlichen Leserkreis berechnet. Den gereiften, nachdenkenden Leser kann die Lektüre nur in dem erhebenden Bewußtsein bestärken, daß alle Versuche der Wiffenschcst, die Fundamentalsätze vom Ursprung, dem Alter und der Arteinheit des Menschen zu erschüttern, gescheitert sind.
(Schluß folgt.)
Dr. K. Weihnachtsbücherschau 1901.
sL» aufewrte 3. Parzelle» Ix Fulia. mit Anlerhattungs -Anlage ^Illustrirte Sonntags-Zeitung
Im Verlage von Jof. Kösel in Kempten erschien soeben noch ein ebenso eigenartiges wie werthvolles Werk, da» sich durch seinen Inhalt und seine gediegene Ausstattung ganz besonders als Geschenkgabe eignet. „Christus vieler! Kampf und Sieg der Kirche Christi unter Julian dem Apostaten", von Dr. Nik. Heim, mit Original- Kopfleisten und Illustrationen von W- Ehringhausen (in wirkungsvollem Kunsteinband 6 Mk.). Dieses geradezu spannend geschriebene Buch bietet weit mehr, alS sein Titel vermuthen läßt. Es ist nicht etwa bloß eine Geschichte Julian» des Abtrünnigen und seiner Bestrebungen zur Wiedervernichtung des Christen- thum», es ist zugleich eine für unsere Zeit außerordentlich lehrreiche und vorbildliche Bekräftigung des ewig gütigen Satzes von der siegreichen Gewalt des Christenthums über alles Heidenthum. Der Verfaffer läßt die Thatsachen der Geschichte nach den Original- Quellen reden, aber er belebt seine Darstellung durch persönliche Eindrücke und den Glaubensmuth stählende Nutzanwendungen. Das hervorragende Werk verdient allgemeine Beachtung. Papier und Druck (farbige Kopfleisten) sind von mustergiltiger Güte.
Verehrer der im vorigen Jahre selig gesprochenen Crescentia von Kaufbeuren machen wir auf da» im Kösel'fchen Verlage erschienene Prachtwerk (in Folio) über die selige Cre»centia aufmerksam (in rode von Wi'h. Lug. Berberich. Die Dichtung Leinwand mit Deckenbild geb. 12 Mk.). Dir tiefem-1 hat in ber Kritik aller RichtnnKen eine überau» freund-