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ft» Jufevet« X p«,,«ll«» fa Selk. "* * mit Nnterhallungs -Beilage „Mukkrirte Sonntags-Zeitung"

M 289.

Jutös, Dienstag, den 17. Dezember 1901.

28. Jahrgang

G Eisenbahnreform in Süddeutsch­land.

An diesem Donnerstag wird in Stuttgart di« neue süddeutsche Eisenbahntarif» Konferenz zusammentreten, die zusammengesetzt ist aus Vertretern der süddeutschen Bahnoer» waltungen. diejenige von Elsaß-Lothringen Mit eingeschloffen. Bisher wußte man noch nicht, ob tue Verwaltung der elsaß. lothringischen Reichseisenbahnen an den Berathungen sich detheiligen werde. Nunmehr steht diese Thetl- «ohme al» erfreuliche Thatsache fest.

Es ist ja überhaupt erfreulich, daß diese .'Konferenz zu Stande gekommen ist. Aber allzu große Erwartungen darf man nicht damit ver­knüpfen. Bayern verhält sich bekanntlich recht pmfio allen Bestrebungen gegenüber, die Eise«» bahnfahrpreise der verschiedenen Bahnverwaltungen unter einen Hut zu bringen. Erst ganz kürzlich hat der bayerische Ministerpräsident im Landtage darauf hingewiesen, daß man gerade jetzt an eine Herabsetzung der Personenfahrpreise nicht wohl denken könne; derlei könne man nur vor­nehmen in einer Zeit blühender Finanzverhäft- niste, da solche Maßnahmen auf Jahre hinaus Verminderungen in den Staatseinnahmen be­deuten. Solche Verminderungen können die Staatsstnanzen aber nicht gut vertragen in Zitten des wirthschaftlichen Niederganges und damit auch schlechter Einnahmen der Staaten. Außerdem aber hat der bayerische Ministerprä­sident noch auf etwas Anderes hingewiefen: Bayern läßt die Selbständigkeit seiner Bahnver- waltung in keiner Weise beeinträchtigen. Es fragt sich nun, ob die bayerische Regierung den ^Abschluß eines Tarifvertrages schon als eine 'Verminderung üteser Selbständigkeit betrachten würde. Wenn das der Fall fein sollte, wie mehrfach angenommen wird, dann würde von vornherein an einen vertragsmäßigen Zusammen­schluß aller süddeutschen Staaten oder gar aller deutschen Bahuverwaltungen nicht zu denken sei».

Württemberg und Bade» haben andere Gründe zur größten Vorsicht. Die Eisenbahnen waren in Württemberg noch niemals eine Quelle staatlichen ReichthumS; in Baden find dir Einnahmen aus den Bahne» aber gerade in der neuesten Zeit sehr rrheblich gesunken. Noch im Jahre 1899 brach­ten die badischen Eisenbahnen einen Reinertrag von 24 Millionen Mark; im Jahre 19OO hat sich die badische Bahnrente aber bis auf 17 Millionen verringert — also noch vor der wirthschaftlichen Krisis. Da nun die Einzelstaaten nichts vom Reiche zu erwarten, vielmehr an das Reich mehr zu zahle» habe« werden, als sie von ihm bekom­men, ist Vorsicht in der Behandlung der Eisen­bahn-Tarife doppelt geboten.

Der württembergische Landtag hat eine Tarif- kommisfion eingesetzt, und diese Kommission schlägt vor, den Fahrpreis der dritten Klaffe auf zwei Pfennige für das Kilometer festzusetzen. Angeb­lich wollen die Vertreter der württembergische»

Gelöste Iessel'n.

Orginaknovelle von Felix Lauth er.

B ------(Nachdruck verboten.)

So lebten diese harmlosen Mensche» in ihrem idyllischen 3 .; eben dahin.

Leider hatte Erwin im Klavierunterricht bei -er kleinen Margarethe nicht denselben Erfolg, wie im Unterricht des Lateinische» und Griechi- scheu bei Heinz und Fritz.

Das kam daher, weil Vie Stunden deS Musik­unterrichts nicht so gewtffenhast ausgenutzt wur» Leu, wie jene anderen. Die Fingerübungen waren -mitunter auch gar zu langweilig. Da ereignete es sich wohl zufällig, daß die beiden jungen Leute die Tasten ein Weilchen ruhen ließen, da­für aber ihre Meinungen über ein gern gelesenes Buch austauschte», eine» klassischen Theaterabend besprachen, auf Ideal und Wirklichkeit kamen, und endlich beide in ihrem Innern darüber einig waren, daß eine gewisse Harmonie ihrer Seelen Vorhanden war.

Beide waren ja so jung und hoffnungsvoll, unverdorben von oer rauhen Weltlust, »oll ge­sunden, natürliche« Gefühls; sie mußte da» Ge- fühl der Liebe schneller berauschen, als Andere, bei denen eS Koketterie auf der einen Seite und Abgespanntheit auf der anderen zu überwinde» hat.

WaS aber Gretchen wieder für Erwin »eben seinen geistige» Vorzügen besonders gefangen «ahm, das war sei« weltmännisches, gewandte- Benehmen t» größeren Gesellschafrszirkeln.

Bahnverwaltung in der Eisenbahnkonferenz einen Krlometerprei« von 2,3 Pfennigen vorschlage», zum Ausgleiche dafür sollen alle Rückfahrkarten aufgehoben werden. Diese Aufhebung der Rück- fahrkarte» ist eia Ziel, das man bekanntlich auch in Preußen im Auge hat; bei der preußischen Bahnverwaltung so, daß man den Preis der einfache» Fahrt auf die Hälfte des gegenwärtigen Rückfahrpreises ermäßige» und damit die Aus­gabe von Rückfahrkarten überflüssig machen würde. Jetzt beträgt der Kilomererpreis in Württemberg 3,4 Pfennige für die einfache Fahrt in dritter Klaffe, 5,3 Pfennige für die Rückfahrkarte. Der Vorschlag, den die württembergische Bahnoer- waltung vorhat, bedeutet demgemäß eine Herab­setzung des einfachen Fahrpreises um beinahe ein Drittel seines gegenwärtigen Betrages und 13 v. H. für dir Hinfahrt und Rückfahrt.

Die Herabfttznng der Personenfahrpreise ist eine durchaus volkSthümltche Forderung, und über kurz oder lang wird dieser Forderung all­gemein nachaegeben werden müssen, obwohl man sich durchaus nicht verhehlen kann, daß es ein Experiment ist. dessen Folgen sich vorher nicht üdersehen leff-n. Auf jede« Fall muß man sehr vorsichtig sein mit der Handhabung solcher Ex­perimente. Die Erfahrungen, die man in an­deren Staaten gemacht hat, so namentlich in Oesterreich-Ungarn und in Rußland, be aeifen, daß man leicht über das Gerechtfertigte in sol­chen Reformen hmausschießen kann; nichtsdesto­weniger muß man dem württembergischen Land­tage dankbar sei» für sein planmäßiges und aus­dauerndes Vorgehen auf dreiem Gebiete. Es könnte wohl sein, daß der Saat Württemberg der Schöpfer einer allgemeinen Tarifreform in Deutschland wird. Denn wenn auch in dieser neu bevorstehenden Berattzung keine Einigung zu Stande kommen, Württemberg aber dann für sich allein die voh-r gekennzetch^rie» Verbilli­gungen der Fahrpreise vornchm-a sollte, so würde damit doch das Eis gebrochen sein, und ver- muthlich würden alsdann btt übrigen Bahnvrr- walturgen im Reiche d»m Beispiele folge», der Noth gehorchend, wenn nicht eigenen Triebe.

Drrrtsches Krtch«

Berlin 16. Dezember.

X „ Isi das gcMtrxm arkeiterfeindlich?" Eine Antwort auf soz aldewokratischs Angriffe. Unter diesem Titel hat der Volks verein für daS katholische Deutschlano soeben Heft 26 der „Sozialen TageSfragen" ver­öffentlicht (80 ®„ 30 Pf,., franko 40 Pfg., zu beziehen gegen Voreinsendung oder Nachnahme des Betrages von der Crntralst lle des Volks« oereinS in M.-Gladback). Diese aktuelle Schrift bietet eine ziemlich etngeherde Wider­legung der landläufize« sozialdemokratischen An­griffe auf die Lrbetterpolink der Erntrums. Der inS Detail gehenden sozialdemokratischen Agitation muß auch unsererseits mehr noch wie bisher durch gründliche Entgegnungen in Wort und Schrift entgegengetreten werden und hierzu liefert das vorliegende Heft der Sozialen TageS- frage» em reichhaltiges, in dieser Form noch nirgends gesammelt-s Material, welcher

Selbstoerstävolrch, daß 6te Majorin von Hoch­feld einen großen und dtstinguirte« Bekannten- und Brrwandtrnkreis besaß, und daß ihr Heim zu Zeiten der Sammelpunkt einer gewählten Gesellschaft war.

Da überwand Ecwin bald eine gewisse Schüchternheit und Ungelenkigkeit, die ihm noch anhaftete, und nicht lange währte es, daß er in der größer» Gesellschaft ein überaus beliebter Gast war. Er entfaltete sogar Geschick als Tänzer und hatte nichts von jenem pedantischen HauSlehrerben-hme« an sich, welches sich durch bei ängstliche Bestreben, der Herrin wohlgefällig zu erscheinen, als unbeholfen und kriechend charakterisirt.

Ec war bald beliebt, geachtet und bewundert und wurde von ollen Setten ausgezeichnet.

Die- alle- machte ihn indessen nicht über- müthig. nur ungezwungener in feinem Auftreten und kühner in seiner Neigung zu Margarethe, die, wre eine echte Liebe, in tausend Zärtlichkeiten und sinnigen lleberraschungen, in einer nur der Senaten bemerkbaren Bevorzugung, nicht in dürre» Worten sich offenbarte und in gleicher Weise auch erwidert wurde.

* * *

„Die FkühjahrSferirn werden Sie wohl im Kreise der Ihrigen verleben?" fragte die Majorin Erwin eines Nachmittags in Gretchens Gegen­wart.

„Nein, ich bleibe hier", antwortete er kurz

„Sind Ihre Eltern auch damit zufrieden?" fragte Gretchen.

„Der Vater wünscht eS wohl, daß ich komme;

sich auch in Vorträgen und Diskussionen gut verwerthen läßt. Insbesondere wird die be­kannte Broschüre des sozialdemokratischen Abg- Gust. Hoch-Hunan: „Worte und Thaten des arbeiterfreundlichen Centrums", welche den sozial­demokratischen Agitatoren fortgesetzt Stoff zu Angriffe» auf daS Centrum liefert, eingehend berücksichtigt und gründlich abgefertigt. Im einzelnen behandelt Heft 26 folgende Fragen: Ist das Centrum allein „maßgebend" für oen Fortschritt der Dozialreform? — Ist daS Centrum „der Arbeiterbewegung feindlich" ge­sinnt? — Hat das Centrum bei der Jnvaliden- und UnfallverstcherungSreform sich „arbeiter­feindlich" gezeigt? — Ist daS Crntrum schuld an „ungenügenden" Verbeffrrungen des Arbeiter- schutzks? (Gewerbeordnungsi ovelle.) — Centrum und Sozialdemokratie bei der Gewerbegerichts« reform. — Hat daS Certrum dem Volke ürößere Lasten aufqebürdet? (Militär- und Flotten- Vorlagen ec ) —Das sozialpolitische Programm des CentrumS und der Sozialdemokratie in Worten und Thaten. — Das Schristchen sei zur Anschaffung warm empfohlen. Für Jeden, der an den Fragen des öffentlich?» Lebens einiger­maßen Antheil nimmt, ist dasselbe geradezu un- entbehrlich. Das Gleiche gilt von dem ebenfalls erst vor Kurzem erschienenen 25. Hefte der „Sozialen Tagesfragen": Ist eine Erhöhung der landwirtbschastlichen Schutzzölle roth- wendig? (96 S., Preis 50 Pfg., franko 60 Pfg., zu beziehen wie oben.) Nochmals sei auch auf diese hochwichtige Broschüre hingewiesen, welche hinsichtlich der Zollpolitik die obengenannte Schrift in unentbehrlicher Weise ergänzt.

* IarSlofe Srest- und — chetreidezSTe. Unter dieser Spitzmarke wird der ,Niederrh. VolkSztg/ von einem mitten in landwirthschaft- lichen Kreisen stehenden Freunde geschrieben: „Eine tieftraurige Wahrheit ist es, daß die färb« lose Preffe auch seitens der Landbewohner eine Förderung gefunden hat durch Abonne- ment und Insertion, die einer besseren Sache werth ist. DaS Unheil, daS durch diese Preffe auf politischem und religiösem Gebiete angerichtet wird, ist brkannt. Leider zu wenig beachtet wird die Gefahr dieser Preffe, die auf wirthschaftSpolttischem Gebiete, speziell dem Bauernstände, gegenüber liegt. Die Sozialdemokratie und der Freisinn sind mächtig bei der Arbeit, daS Verlangen der Bauern nach höheren Zölle» als Brodwucher bei der städtischen Bevölkerung zu bezeichnen. Durch diese Wühl- arbett verbittert, erheben die Arbeiterkreise in diesen Städten vielfach Protest gegen jede Er­höhung der Getreidezölle. Dieses Vorgehen ist leider nicht ohne Einfluß auf die Regierung und unsere Volksvertretung geblieben. Während die Crntrumkpreffe bim städtischen Publikum Tag für Tag die Noth, die heute auf dem Lande herrscht, vor Augen führt, um de» Beweis zu erbringen, daß eine angemessene Erhöhung der Getreidezölle zur Erhaltung deS Bauernstandes nothwendig ist und während weiter die CentrumS« presse den Arbeiter« und Beamte» in de» Städten klar macht, daß der Bauernstand mit dabei gewesen ist, als es galt, durch Mithilfe der von den Bauern in's Parlament geschickten Abgeordneten die soziale Gesetzgebung, Geholt­

allein er gibt gewiß nach, da ich ihm geschrieben habe, wie gut eS mit hier gefällt."

„Ist Ihr Herr Vater auch Beamter?"

„Nein."

Die Majorin hatte schon mehrmals vergeblich versucht, die Familienverhältsiffe ihre- Schütz­lings zu erforschen. Sc war jedoch gegen sie wie gegen Gretchen in diesem Punkte wortkarg und pflegte das darüber angeknüpste Gespräch schnell auf ein anderes Gebiet zu lenke».

Die Majori« wurde durch das Eintreten des Dienstmädchens, welches die Ankunft eines Gastes anmeldete, abgerufen, und ließ Gretchen und Erwin für kurze Zett allein.

Ecwin blickte in daS fragende Auge der Ge« liebten. Er hatte eine seltsame Ahnung, als ob eS besser sei, wenn er sich empfehle. Er erhob sich, um sich kurz zu verabschieden.

„Bleiben Sie doch", bat Gretchen, indem sie ihm die Hand reichte. Und leise erröthend flüsterte sie: „Sie wissen nicht, wie gut wir — wie gut Ihne« Mama geworben ist. Sie find bi-weüen so fremd und zurückhaltend."

Dem sanften Drängen der Geliebten konnte Erwin nicht widerstehen. Er blieb.

Um aber das Gespräch schnell auf ei» anderes Thema zu lenke», begann er von dem Richter­beruf zu erzählen, dem er sich widmen wollte, und so berührte er daS Untersuchungsoerfahren, die Verbrechen und die Gefangenen.

AlS Gretchen einiges Mitleid mit den Ver- urtheilten äußerte, die den schönste« Frühlingstag in einsamer Zelle hinter Gitter» verleben müßten, stimmte er ihr zwar bei, bemerkte aber wehmüthig:

erhöhunge« der Beamten vom Standpunkte einer ausgleichenden Gerechtigkeit zu vertreten und während die Centrumspreffe nun auch die Arbeiter, Beamten wie überhaupt die Wähler i» de» Städte« auffordert. Gleicher mit Gleichem zu vergetteu und den Bauern den Schutz ihrer produktiven Arbeit zu gönnen — da hüllt sich die farblose Preffe in tiefes Schweigen! Die Herrschafren wollen eS eben mit Niemande» verderben! Der Bauer aber ist gutmüthig genug, beim Quartalsbeginn wieder auf die farblose Preffe zu abonniren. Wiederholt haben die Bauernvereine auf diese traurige Erschei« «uug mit Recht hingewiesen und gesagt: Ihr Bauern haltet nur die Zeitungen, die auch für eure gerechte» Forderungen den Muth haben, und die es nicht dabei bewendet fein lassen, nur die AbonnemeittSgelder einzustreichen! Wer nicht für u»S ist, der ist eben gegen uns! Unsere Gegner aber noch zu unterstütze«, daS ist ein Luxus, den wir Bauern uns nicht ge­statten können."

f Das ttn Verlage von Jos. Roth in Stutt­gart erschienene Buch „Der Katholizir m«r tt»b das 20. Jahrhundert" von Professor Ehr Hard hat wegen seines hochbedeutrnde« Inhaltes einen so gewaltigen Absatz gefunden, daß die erste Auflage innerhalb 10 Tage» vollständig vergriffen war. Eine neue Auflage ist in Vorbereitung und wird voraus- sichtlich »och vor Neujahr erscheine».

* Der KanleKverSawd der katholische« deutsche« Kt»de«1euverStudn»ge« zählte am 1. Dezember in 34 Verbindungen 330 aktive Burschen, 316 Füchse, 53 Conkneipanten und 326 Inaktive i. 1,, somit 1025 in loco. Das ist zwar einer weniger als im Sommersemester, aber 39 mehr als im letzten Wintersemester. Neu eingetreten sind 180, An Inaktiven e. 1. wäre» bis dabi« 455 gemeldet, doch fehlen «och viele. Diese Z-chl zu Grunde gelegt, ergibt sich eine Gesammtzahl von 1480, 93 mehr als im letzte» Winter. Die Zahl der Philister beträgt 2800. Inzwischen find auch die Verbindungen Nor- mannia in Karlsruhe und Naffooia im Darm­stadt in den Kartellverband ausgenommen, so daß er jetzt 36 Verbindungen zählt; dieselben haben auch eine« »eiteren Zuwachs von 44 in Jom nnd etwa 30 Inaktiven gebracht. — Auf der lrtzttn Kartellversammlung in Osnabrück hat der Verband beschloffen, daß jedes Mitglied, daS mit Erfolg eine Preisaufgabe einer Uni­versität ober andere» Hochschule bearbeitet, eine Ehrengabe von 50—100 Mk. erhalten soll.

• I»r Bewegung gegen de« Zwei­kampf. Die Verhandlungen der Leipziger Be­sprechung vom 19. Oktober 1901, die seiner Z?it an dieser Stelle eingehend berücksichtigt wurden, sind jetzt al« besondere Schrift er­schienen unter dem Titel: Schutz der Ehre und Bekämpfung deS Duells. (Köln, Bachem. 46 Setten. 50 Pfennig.) Das Heft enthält außer kurzer Darstellung der Vorge­schichte die Diskussion die Hauptreden (von Boenigk, Dr. Antoni, von Rüts, Rumpf) im Wortlaut. In einem Anhang ist eine „Zu­sammenfassung deS Ergebnisses der Leipziger Besprechung beidegsben. Die Schrift bietet treffliches Material für den Kamps gegen da-

„Es gibt — und das tst viel schlimmer — unschuldige Gefangene, welche das ganze Lebe» i» Fesseln vertrauern, in Fesseln der Arumih und Beschränkung Sie möchten sich ausrichten, aber »ergeben« versuchen sie es. Sie find avge- kettet an die Bedürfnisse des Lebens und an die tiefwurzelnde Liebe zu den Angehörigen. Sie hat nicht die Gerechtigkeit verdammt, sie habe« nicht rechtliches Gehör, ste könne» stch nicht oer» theidige», sie find durch ihr ganze- Lebe» Ge­fangene. WaS bleibt ihnen?"

„Wie de» anderen, Hoffnung auf Befreiung," antwortete das holde Mädchen und gab ihm er­munternd die Hand. In diesem Augenblick trat die Majorin mit dem eben angekommenen Be­such ins Zimmer.

„Schau einmal, Gretchen, hier habe» wir unser» Walter wieder." Mit diese» Worte» führte ste einen elegant gekleideten junge» Herrn vo» stattlichem Wuchs und milttärischer Haftung ihrer Tochter entgegen.

Gretchen schien ebenso freudig Überrascht zu fei», wie die Mutter. Mit lebhafter Ge­berde begrüßte ste den Aukömmliug und drückte ihm herzlich die Hand.

Der Eindruck, welchen der Gast auf Erwi» machte, war der entgegengesetzte. Dieser hatte fich mit allen Zeichen unangenehmster lieber« raschung erhoben und machte Miene, fich t« daS Studirzimmer der Söhne zurückzuziehen, als die Majorin ihn zum Bleibe» zwang, indem sie de» feinen Jüngling vorzustellen fich anschickte.

Dieser aber schien seinerseits ebenso unliebsam Überrascht zu fein wie Erwin.