KuIdaerMZeitung
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Muköa, Samstag, bett 14. Dezember 1901.
28. Jahrgang.
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Vertmtewrtif#: Lir dt» Kebattion Jof. Sana, ft» JirirMtt 3. Parzelle» t» flaUe.
Orginalnovelle von Felix Lauther. ------(Nachdruck verboten.) war ein rauher, stürmischer Oktober»
dadurch um 30 Pfennige vrrtheuert werden. Angenommen, es wäre so, dann würden Hopfe«, zoll und Gerstenzoll zusammen da« Hektoliter Bier um 45 Pfennige vertheuern; angenommen aber, auch der Gerstenzoll würde aufs sechs Mark für den Doppelzentner erhöht werden, so könnte di» ft Berlheuerung schließlich vielleicht 60 bis 65 Pfennige für hundert Liter au?» machen. Das würde aber auch nur dann der Fall fein, wen» Gerste und Hopfen um den vollen Betrag d.r Zollerhöhung theurer werden müßte». Die Erfahrung lehrt, daß das nicht
Aergerlich sprang Erwin von seinem Stuhle auf und sah nach der Uhr. Er war bereits die neunte Stunde vorüber und bald begann der allwöchentlich an diesem Tage stattfindende Kneipabend im Adlerbräukeller an dec Beuth- straße. Er warf ein»« wehmüthige» Blick in .......... -.....„ ... — . sein Portemonnaie. Nock einmal wollte er bisherigen Höhe für die Zukunsl keine Rede | fröhlich sein unter den Fröhlichen, noch einmal
Dieses glückselige Dahiuleben sollte nun eine jähe Unterbrechung erfahren. Der Brief, der da auf dem Schreibtisch lag, enthielt ein be- weglicheS Klagelied der Mutter, daß der Vater erkrankt und nicht mehr so arbeitskräftig sei, wie stüher, daß von einer UnteisiLtzung in der
nahm, um ihn genügend zu unterstützen. Denn wenn auch die Elter« fich schwere Entbehrungen auferlegte», so konnte trotz allem nach Erwins Berechnung ihr schmaler Verdienst kaum hin- reiche», um noch de» monatlichen Wechsel vo» 75 Mark zu erübrigen, den er bis jetzt regel» mäßig erhalte» hatte.
Doch ernstlich machte sich Erwin darum keine Sorgen. Als junger, frischer, für alle neuen Eindrücke überaus empfänglicher Bursche war er in die Reichshauptstadt gekommen. Zum ersten Male spürte er den Hauch der Freiheit, der Ungebundenheit, die mit ihren mächtige« Reizen sein feuriges Herz öffnete, und so gab er fich ihrem Zauber auch ganz hin, ohne indeffen seine ernsten Pflichten darüber zu vergeffen.
Freilich dachte der junge Mann daran, daß er schon mehrfach mit kleinen Aussätzen und Plaudereien, die er an Zeitungsredek tonen ab- pegeben hatte, einige Thal» ee-bient harte. ---------- v--------. Natürlich würde er diese bescheidene jourria- gevoß, wohl auch gelegentlich den jugendlichen ltstische Thättzkeit ernsthaft pfl g- n. Allein der Uebermuth kühlte. Der eigentliche Ernst deS | Erfolg und damit der Erwerb war doch immer
zwels-lhast. Unterricht geben? Er hatte zwar ziemlich bedeutende Sprachkenntmffe, und auch im Klavierspielen besaß er eine Fertigkeit, mit der er fich wohl hören laffen durfte. — Wen» daS etwas wäre! ....
Lebens war an ihn noch nicht herangetrete». Er lebte wie drr Vogel in der Luft, die goldene Gegenwart bescheiden genießend, ohne nach der Zukunft zu frage», deren Sorge er ganz den geliebten Eltern und dem lieben Herrgott überließ.
mehr lern könne, daß noch kaum die Hälfte davon erübrigt werden könne, und daß der liebe Erwin nun zusehen müffe, wir er sich selbst helfe.
Da war nun guter Rsth theuer.
Erwin überlegte sich die Sach« nach allen Seite«. Vielleicht war es bester für ihu, das Studium gänzlich aufzugeben und fich einem praktische» Beruf zu widmen, der ihm in kürzester Frist lohnende« Verdienst bringen mußte. Doch im Gedanken hieran krampfte sich ihm das H-rz zusammen. D.is juristische Studium erfordert viel @eb, und ist ziemlich langwierig. Umsattel»? Auch dazu konnte sich Erwin nicht entschließen.
ei« Windstoß durch die dürren Wipfel des Linden- baumeS fahr, welcher in de» Gärtchen hinter dem Hause Nr. 125 der Chauffeestraße in Berlin sein einsames Dasein fristete, so flogen wohl ei» Paar der letzten fahlen Blätter, die ihn noch schmückten, hernieder, um sich auf dem SimS des tleinen FensterchenS im Parterre zur Ruhe zu bette».
Hinter den Gardinen diese« Fenster« saß bei trübem Lampenlicht der Studiosus beider Rechte Erwin Rothart a» feinem Schreibtisch und stützte dumpf brütend den Kopf aus beide Hände. Vor ihm auf dem Tische lag ei» Brief, besten Inhalt den sonst so lustigen und leben?» frischen Jüngling jählings in tiefe Niedergeschlagenheit versitzt hatte.
Erwin war der Sohn armer Eltern. Sei» Vater war Schneidermeister in einer größeren Prooinzialstadt und mit Mühe brachte er da« Geld auf. um seinem klugen Sohn, dem einzige« Kinde, dem ganzen Stolz der Familie, das Studium in der „Metropole der Intelligenz" zu ermöglichen.
Erwtn wußte es sich oft selbst nicht recht zu erklären, wo der Vater da« Geld dazu her»
Bald befand er sich im Zirkel gleich strebender Kameraden, mit denen er abwechselnd arbeitete und des Lebe»« harmlose Freuden
1)
Es abend.
£ Die neuen Zölle und die Brauerei.
Zu allen Auseinandersetzungen über die neuen Zölle, natürlich am meisten über die Zölle für «erste und Hopfen, hat die Brauerei eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Sagte man doch im Anfänge der bayerischen Regierung sogar nach, daß sie vollkommen im Banne der Großbrauerei stehe und von erhöhten Zöllen für Getreide und für Hopfen gar nicht« wissen wolle. Ganz so ist e« nicht gekommen. Aber daß der Gerstenzoll nur mit drei Mark für den Doppelzentner bemessen werden soll, wird jedenfalls in der Hauptsache auf be» Einfluß der bayerischen Regierung im Bunder- rathe zurückzuführen sei».
seinen U-bermulh austoben laste», und im Kreise heiterer Freunde aus dem Becher der Gemüthlichkett und des Frohsinn« trinken. Dann — dann mußte ja alle« anders werden .....
Als Erwin das Kneiplokal betrat, waren erst wenige seiner Freunde anwesend. Er verlangte daher vom Kellner die .Germania' und blätterte anscheinend gleichmüihig im An- norcevtheil.
I« Wahrheit aber pochte sein Herz i» Erregung, und seine Blicke flogen fieberhaft über die kleinen 3eilt n, aus denen ihm Glück und Heil erblühen sollte. Eine Annonce feffellte besonders seine Aufmerksamkeit. Sie lautete:
„Zur wiffeuschaftttchrn Nachhilfe für zwei Knaben im Alter von 12 bis 14 Jahren ei» gewisser Hasler, mit de« geeigneten Empfehlungen versehener junger Akademiker gesucht. Adressen sind abzugebe» bei Frau Majorin o. Hochfeld, Bendlerstraßr 2."
Nu« konnte Ewin zwar keine glänzenden Empfehlungen aufweisen, außerdem mußte er fich sagen, daß sich auf diese Annonce hin wohl mehr al« hundert gebildete Leute melden würden, vo» denen jedenfalls die M hrzahl eine große Erfahrung auf dem Gebiete der Pädagogik «ach» weisen könnte, wa« ihm nicht möglich war. Und doch — es war ihm, als müßte er gerade hier fein Glück zuerst versuchen. Gelang eS ihm nicht — nun dann war Polen auch noch nicht verloren!
Glückliche Jiizend, die du, ungetrübt von de« Enttäuschungen des L-brns, in goldener Hoffrung schwelgst und dich aufrichtest, der Blume gleich.
Derrtfchr» Keich.
Berit« 13. Dezember.
+ Der preußische Staat U*ft Meine MergwerMe. Em rheinisches Jndustrirblatt
Gerade am letzten Tage der Zolltarifberathung im Reichstage ist noch einmal sehr eingehend von dem Verhältnisse der Brauerei zu den neuen Zöllen die Rede gewesen. Der niederbayertsche Centrumsabgeordnete Aigner, nicht selbst Hopfenbauer, sonder« Kaufmann in Mainburg, hat die Verhältnisse, auf die es hierbei ankommt, in ganz vortrefflicher Weise gekennzeichnet, ohne daß der liberale Abgeordnete Roesicke, Brauereidirektor und Kommerzienrath, auch nur mit einem Worte die Zahlenbeweise Aigner« angreife« oder widerlegen konnte. Gr umging dieselben großer Vorficht.
Grscheint täglich, m. Ausnahme der Loou-und Feiertage. Lierteljährl.
H»,vg, preis ahne Bringerlohn und Bestellgckd in Fulda und aus» wärtslMMPf.
I bat in diese« Tagen berichtet, dem preußischen Landtage werde unmittelbar nach seiner Er» öffnung eine Vorlage zugehen über de« Ankauf von Kohlenbergwerke« im Ruhrrevier. Leider wird diese Meldung halbamtlich als falsch bezeichnet. ES handelt sich nur um de« nunmehr erfolgten Abschluß vo« Verhand- hinge« über de« Erwerb «och nicht aufgeschloffener Kohlenfelder, die seinerzeit noch von dem Handelsminister Brefeld eingeleitet worden waren. DaS ist nun nicht viel, aber immerhin etwas. Es handelt fich dabei, wie bekannt, um eine recht wichtige Sache, nämlich darum, daß der FiSku« Bergwerksunternehmer werde in einem Bezirke, in dem gegenwärtig zum Schaden der Allgemeinheit da« Kohlensyndikat die unbeschränkte Alleinherrschaft auSÜbt. Andere Bergwerke, um die e« sich vordem handelte, haben die Finnen Krupp und Stumm dem FiSkuS vor der Nase weggekauft.
ft Die Einberufung de« preußische« Aaudtages darf für de« 8, Januar al« sicher angenommen werden. Ob der Kaiser oder Graf Bülow die Thronrede halten wird, ist noch nicht bestimmt.
X Die KoStarif-<Mo«Miffion des Reichstage» ist zu ihrer erste« Sitzung auf Donnerstag den 9. Januar Vormittags 10 Uhr einberufen. Die .Deutsche Tagesztg/ rechnet aus, daß grundsätzliche Gegner des Tarifs-Entwurfs 8 in der Kommission sitzen, während die übrigen 20 Mitglieder entweder im allgemeinen auf dem Boden des Entwurf« stehen oder bezüglich der landwirth- schaftlichen Zölle noch darüber hinausmgehen entschlossen sind. Etwa 15 oder 16 Mitglieder dürften einer Erhöhung der landwirthschastlichen Zölle zustimmen. Ohne eine solche Erhöhung würden nur 12 ober höchsten« 13 Mitglieder den Tarif annehmen. Die Kommission besteht aus folgenden 28 Mitgliedern: Vom Centrum: Herold, Klose, Gröber, Speck, Heim, Spahn, Tnmborn und Pingen. Pole: v. Komierowrki. Freikonservative: v. Kardorff, Gamp. Antisemit: Cibel. Konieroatioe. Graf Schwerin, von Wangenheim, Graf Kanitz, Rettich. Freisinnige Volkspartet: Fischbeck, Müller - Meiningen, Bräficke. Freisinnige Vereinigung: Gothein. Sozialdemokraten: Bebel, Molkenbuhr, Singer, Stadthagen. Nationalliberale: Beumer, Blankenhorn, Freiherr Heyl zu Herrnsheim, Paasche. Zum Vorsitzenden ist v. Kardorff bestimmt.
X „Iort mit dem zllrodrvucherr" Noch nicht 3* 1/« Millionen Unterschriften haben die Sozialdemokraten zusammengebracht für ihre Maffenpetition gegen jegliche Erhöhung der Lebensmittelzölle. I« Deutschland — so rufen die Preisredner dieser Petitton au« — stehe ei« solcher Protest einzig in seiner Art da; eS werde unmöglich sein, seine wuchtige Bedeutung hinweg- zuleugne« usw. usw. Wer alles hat den« die Pettttonen unterschrieben? Auch maffenhast Frauen, Mädchen und Unmündige. Das an sich kennzeichnet die Petition. Was meinen die sozialdemokratischen und freisinnigen Genoffe« wohl, wie viele Unterschriften die Zollfreunde gesammelt haben würden, wenn sie sich zusammen- getha« und nun im ganzen Reiche ebenso mit aller Gewalt und ohne Unterschied deS Alters
Die Natur erschien dem Auge wie ein grau in grau gemaltes Bild. Der Regen klatschte heftig gegen die Fensterscheiben, und wenn
eintritt. Wir wissen auS allen Erfahrungender Neuzett, daß die Zölle nicht in ihrem vollen Bettage preissteigend für die mit dem Zolle belegten Erzeugnisse wirken, am allerwenigsten für solche FMchte, wie Hopsen und Gerste, die im Jnlande in vollkommen ausreichender Menge erzeugt werden können. Herr Aigner hat am Donnerstag im Reichstag darauf hingewiesen, daß die Anbaufläche de« Hopfens in Deutschland beständig zurückgeht. Warum? Weil bei unserem äußerst geringen Zollsätze geringwertige russische, galizische und dergleichen Hopfen in böhmischer Frisur nach Deutschland kommen, al« böhmische Hopsen bei un« gekauft werden und weil durch diese Fälschung unser deutscher Hopfenbau nach und nach zu Grunde gerichtet wird. DaS Publikum, daS das Bier trinkt, hat außerdem den Schaden davon. Denn eS würde bessere« Mer bekommen, wenn diesem Schwindel durch wirksame Zölle ein Ende gemacht und tec deutsche Hopfenbau wieder ein wenig lohnender würde. Die deutsche Mau» gerste ist vorzüglich. E« bedarf nur eines Anreizes in Preisen, die ein klein wenig gesteigert werde», dann wttd Deutschland auch die vollkommen ausreichende Menge guter Braugerste erzeugen, ohne daß die Brauereien die ganze Höhe der Zollunterschiede zu tragen brauchen.
Wie hoch ist denn der Bruttogewinn der Brauereien am Hektoliter Bier? Er steigt fort- während. Im Jahre 1890 betrug er in München im Durchschnitte von neun Aktienbrauereien 2,21 Mark, im Jahre 1900 dagegen 4,34 Mark — daS Doppelte! Was besagt dagegen eine Betreuerung be« Hektoliters um etwa fünfzig Pfennige? Ist es auSgleichenbe Gerechtigkeit, wenn bie Brauereien, wie eS der Fall ist, vier- zehn, achtzehn, zwanzig und mehr Prozent Divi- denbe jährlich vettheilen, bet Bauer aber von einem Jahre zum andern Stmer wirb, weil diese reiche Brau-Jndustrie ihm so schlechte Preise für seine Früchte zahlt, daß er nicht davon bestehen kann?
Und dem Biertrinker braucht deswegen kein Leid zu geschehen. Man steht eS am besten an den einzelnen Berliner Generalvertreter» bayerischer Brauereien, waS am Biet verdient wird. Ein jährliche» Einkommen von 30000 bis 50000 Mark ist bei solchen Herren gar nicht selten. Würde e« etwa« schaben, wenn biefe fürstlichen Biereinkommen ein wenig geschmälert würden? I Lohn der Arbeit und der arbeitsamen Intelligenz! Äber dieser Lohn darf nicht aufgebaut sein auf dem Untergange be« hart arbeitenden Bauer«, der dieser reiche« Brauerei die Gerste und de» Hopft« liefert.
Mit Herrn Bebel spreche« wir: Rieder mit diesem Hopft«, und Gerstenwucher; nieder mit diesem Hungertarif, der mit arbeitet an dem Untergänge unseres Bauernstandes, dem bewährte» Rente unseres deutsche« Volkes!
mit Zlnterhaktungs -Message .«Mustrirte Sonntags-Zeitung" -- tÄ
Was würde denn fein, wenn die Zölle Hopfen und Gerste nach den vorliegende» trägen erhöht würden. Eine Erhöhung Hopfenzolles auf 60 Mark für den Doppelzentner würde nach den Berechnungen, die der Regierungsvorlage beigegeben find, für da« Hektoliter Bier ganze fünfzehn Pfennige ausmachen — ganze fünfzehn Pfennige! Diese Berechnungen sind auch von keiner Seite angefochten worden; sie sind unanfechtbar, wie sogar bie,Freisinnige Zeitung' be» Herrn Eugen Richter zugeben mußte. Herr Roesicke hat sich darum wohl gehütet, am Donner», tag diesen Punkt zu berühren.
Run weiter: wa« würde die Wirkung der vorgefchlagenen Erhöhung be« Serstenzolle« fei»? I« bet Begründung des Regierungsentwurf e« ist ausgerechnet, daß die vor. geschlagene Erhöhung deS Serstenzolles da« Hektoliter Bier um 22 Pfennige vertheuern würde. Diese Ziffer ist von de» Zollgegnern angefochten worden; man behauptet, die Er- zeugungskoste» von hundert Litern Bier würden
und Geschlechtes Unterschriften gesammelt hätten? ES würde nicht schwer gefallen sei», in derselbe« Weise und im Verlaufe derselben Zeit zwanzig Millionen Unterschriste« für eine solche Petition zu sammeln. Aber das verlohnte wahrhaftig nicht der Mühe. Jedermann weiß jetzt auS dem Verlaufe der ersten Zolltarifberathung, wie bie Dinge stehen: bie Zellfreunde sind in ungeheurer Mehrheit, und im Reichstage wttd dies» lächer- liche Petttton der Sozialdemokaten so spurlos vorübergehen, wie das bei einer Petition nur irgend möglich sein kann. Mit solchen Mätzchen sollte man im Ernste nicht Politik machen wollen.
x Ireisinuige **b Sozialdemoürate« find ein Herz und eine Seele in dem Wahlkreise Wittenberg-Schweinitz, in dem eine Ersatzwahl zum Reichstage stattfinden muß an Stelle des verstorbenen Abg. von Siemen«. Die Liberalen haben al« Kandidaten den Landtagsabgeordneten Dr. Barth aufgestellt, dessen ganze Schwärmerei Verbrüderung des Freisinn« mU der Sozialdemokratie ist, trotz der unausgesetzten Fußtrttte, bie bet Freisinn von den sozialdemokratischen Genosse« erhält. „Freisinnige Weichthiere" nannten diese Letzteren bie Freisinnigen während der letzten Wahlbewegung im Wiesbadener Wahlkreise; aber der Freisinn ist weder wählerisch mehr, noch ver« wöhnt. Helfen ihm andere nicht, bann ist er verloren; denn selbst helfen kann er fich nicht mehr. Sein Heil besteht nur noch in ben Stichwahlen, wo er bie Unterstützung nimmt, wie er sie eben ftnbet. Aber bie Vorgänge, bie fich gegen- wärttg im Wittenberger Wahlkreise abspielen, find der freifinnigen Presse dennoch peinlich, und fie schweigt davon so viel wie möglich. Die Sozialdemokratie hat dort gar keine Aussicht auf eigne« Erfolg, deswegen leiht fie Herrn Dr. Barth ihre Unterstützung, und es macht einen wundersamen Eindruck, die Berichte über liberale Wahlversammlungen zu lesen, in denen sozialdemokratische Redner auftreten und Herrn Dr. Barch ihre Unterstützung für bie Stichwahl in Aussicht stellten. Der sozialdemokratische Abg. Peu« führte, ohne Widerspruch zu finden, in einer liberale» Versammlung au», daß bie Liberalen unb die Sozialdemokraten fich eigentlich nur in der Behandlung der Militärfragen von einander unter» scheiden. Auch Herr Dr. Barth selbst hatte nicht« dagegen einzuwenden. Wir gratuliren!
ft Die sozialdemokratische IuterpeKatio« im Reichstage, von der an dieser Stelle bereit« berichtet wurde, hat folgenden Wortlaut: „Welche Maßregel» gedenk der Herr Reichskanzler zu ergreifen, um den Folgen der winhschafilichen KrifiS, die sich in Betriebseinschränkungen, Lohnkürzungen und vornehmlich in Arbeiter-Entlassungen bemerkbar machen, zu begegnen und dem dadurch hervorgerufenen Noch stände weiter Volksschichten entgegenzuwirken?" Die Sozial, dernokratie kommt stark verspätet mit ihrer Interpellation. In allen mögliche» Landtage« haben bürgerliche Parteien ihre Pfl'cht in diesem Sinne besser erfüllt. Zum Glück hat sich dadurch bereits herausgestellt, daß Noth zwar vorhanden, aber nicht zu vergleichen ist mit dem Umfange der Rothlagen früherer Krisenjahre.
* Aie weiöliche Aonüurrenz. Die Zahl der weiblichen Angestellten bei der Reich-post-
einspaltige Bettt« ■ »eile oder deren
Raum 15 Pfg.,Re» klamen die Petit- »eile 25 Pfg.; bei M Wiederholungen | "wirb entsprechend»
Rabatt gewährt.