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Jutöa, Freitag, den 13. Dezember 1901.

28. Jahrgang.

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O Aus Oesterreich.

Die politische Sage in Oesterreich hat wahr­haftig nichts Lächerliches an sich. Furchtbarer -'Irrst ist Vielmehr daS Kennzeichen der Lage. Aber, daß eS auch in der allerneuesten Lagen nullt an erheiternden Einzelpunkttn fehlt, dafür liefert wiederum daS Komödienspiel im öster­reichischen Reichstage einen Beweis.

Was sagte Ministerpräsident von Körber? Die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung nimmt an den nationalen Streitereien weniger Jntrreffe, als die Kampfhähne und nationalen Schreier im Parlament. Sie werden von einer immer größeren Ungeduld ergriffen und ver­langen ein Ende der Jahre langen gesetz­geberischen Unfruchtbarkeit — selbst aus Kosten -5er Verfassung!

DaS schlug nun endlich wieder einmal ein. WaS hat er gesagt? Wie hat er daS gemeint? — So ging es von Mund zu Mund. Und ehr man sich versah, standen fie im SttzungSsaale beisammen, die einander so wüthend bekämpfen, hie Radaubrüder auS Böhmen und die Deutsch- fortschrittlichen, Deutschoolklicheo, Alldeutschen, und wie fie alle heißen mözen, und tauschten ihre Meinungen über dar Gehörte mit einander aus. D:r wilde Tschechenhäuptltng Dr.Kromarz «ar ganz zahm geworden und setzte den Deutsch- nationalen auseinander, gegen ein verfaffuvgs- - widriges, gewaltsames Vorgehen der Regierung würde das beste Mittel sein — nationale Verständigung zwischen den Slaven und den Deutschen in Böhmen! Nr, wenn daS ein Mann wie Kramarz sagt, muß der Eindruck der Körberschen Worte gewesen sei», wie Blitz und Donnerschlag. Die Herren waren paff, und schleunigst hat daS Abge­ordnetenhaus nicht nur das Budgetprovisorium in allen 2 Jungen erledigt, sondern auch noch im ersten Eifer die Kraft gefunden, den Gesetzent­wurf über die landwirthschastlichen Berufs- genoffenschaften in Angriff zu nehmen.

Herr von Körber schmunzelt, und nicht weniger schmunzelnd mag er den deutschen Parteiführern nachträglich eine besänftigende Deutung seiner 'Worte geliefert haben. Beileibe habe er nicht« wie einen Staatsstreich im Sinne gehabt; er habe nur auf die Gefahren Hinweisen wollen, die dem Parlamente in Zukunft drohen könnten, wenn nicht eine vollständige Gesundung der parlamentarischen Zustände eintrete. Tatsächlich hat ja da« Abge­ordnetenhaus nun zwei Monate hinter einander getagt und sich kaum mit etwas Anderem befaßt, tl« mit „Dringlichkeits-Anträgen", die hervor­wuchsen au« religiösem und nationalem Hasse, au« örtlichen Zänkereien und nicht wenig auch au«.bet Verschrobenheit einzelner Mitglieder de« Abgeord­netenhause«, die erstaunltcherweise immer wieder verschrobene Leute in hinreichender Anzahl finden, um sie stet« von Neuem zu Mitgliedern de« Reich«- rathe« zu machen und damit Böcke an die Stelle von Ziergärtnern zu setzen. Wa« inzwischen au« «■aBBSSMBSBSBBHSBSgHSgBBHeH™

Das goldene Kreuz.

Erzählung von Irene o. Hellmuth.

7) ------(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

„Warte bi« morgen, mein Junge/' mahnte er bedächtig, „für heute ist e« nun zu spät ge­worden, Du mußt Dich gedulden."

Rur widerstrebend fügte sich der junge Mann in da« Unve metdliche. Bi« tief in die Nacht h nein saßen Vater und Sohn beisammen, und sprachen von Vergangenheit und Zukunft.--

Unterdessen saß Marie tief niedergeschlagen und traurig in ihrem einfachen Stübchen. Frau Peter«, ihre treue, mütterliche Freundin, leistete dem jungen Mädchen Gesellschaft, und versuchte, so gut fie e» vermochte, diese« zu trösten und auf­zurichten.

„V.rzagen Sie nur nicht, liebe« Kind," sagte sie immer wieder, „Gott ist gütig, er verläßt Keinen, der ihn nicht »erläßt, er führt un« «ft durch Trübsal und Leiden und meint e« dabei doch so väterlich mit un«. Wer weiß, vielleicht lammt auch für Sie bald eine bessere Zeil."

Marie richtete die häutigen Augen auf die gutmüthige, alte Frau.

„Woher sollte mir wohl eine bessere Zeit kommen, Frau Peter«? Die ganze Zett meine« Leben« bin ich im Schatten gewandelt, ich habe tot Roth und Sorge und Entbehrungen kennen gelernt, wie meine arme Mutter! — Und f« wird «» bleiben, immer, — immer! Ich arbeite stet«, «nd verdiene gerade so viel, um da« Nothwen-

bem Lande, au« dem Volke und au« seinen dringendsten Bedürfnissen wird, da« ist dieser Sorte von Parlamentariern höchst gleichgiltig, wie einem großen Theile von ihnen ganz Oester­reich und seine Zukunft gleichgittig find.

Da ist es die Pflicht der Regierung, die Zähne zu zeigen. Vor nicht langer Zeit beklagte sich Kaiser Franz Joseph darüber, daß so viele Abgeordneten nicht dir nöthige Courage hätten, um den verfahrenen Karren wieder flott zu machen. Wir Haden damals, als wir darüber berichteten, die Bemerkung daran angeknüpft, daß es bisher auch der Regierung an der erforder­lichen Courage gefehlt habe. Daß diese Be­merkung richtig war, beweist der letzte Fall Körber: der Ministerpräsident hatte einmal die nothwendige Courage, und sofort drehten sich alle Räder in der Parlamente maschine. Da« Ge­wäsch der Judenliberalen und der Tschechen in ihrer Presse über daS geharnischte Wort Körber's kann diesen kalt lass.», oder mß ihn noch eher freuen. Die Wiener »Neue Freie Presse' orakelt al« alt gewordene Kassandra über allerhand Un­gemach, in das Oesterreich durch Herrn von Körber gestürzt werden könnte: Ungarn werde sich ganz von Oesterreich losmachen und seine HeereSangelegenheiten und seine auswärtigen Be­ziehungen selbst regeln, nicht mehr gemeinsam mit Oesterreich; und dadurch werde die europäische Stellung der Monarchie erschüttert werden, und was dergleichen mehr ist. Aber alle diese Ge­fahren würden gerade heraufbeschworen werden, wenn das österreichische Parlament so weiter- machen wollte, wie es jetzt wieder begonnen hatte. Wenn ein Parlament thatsächlich nur und immer nur die Rolle des Hemmschuhes am Staatswagen spielt, dann muß ihm das klar und deutlich ge­sagt, und es muß auf die Gefahren und Folgen hingewiesen werden, die daraus entstehen können und schließlich eintreten müssen, wenn eilt solches Parlament auf die Dauer als arbeitsunfähig sich erweist. Dem österreichischen Ministerpräsi­denten werden dämm die zahnlosen und kraft­losen Basereien einer rückständig;n Presse her­vorragend gleichgiltig sei«.

Dte Thatsachen haben die Welt belehrt, und zwar Schlag auf Schlag belehrt darüber, daß Herr von Kö ber mit seiner „Courage" den österreichischen Parlamentsnagel auf den Kopf getroffen hat; und jeder aufrichtige und wahre Freund Oesterreichs kann ihn zu seinem Vor­gehen und zu seinem Erfolge nur beglückwünschen. Zu beneiden ist er dennoch nicht um seine Rolle al« österreichischer Ministerpräsident: E.ne kurze Zeit lang wird der Staatswagen laufen nach dem erhaltenen Stoße; dann wird er wieder festsitzen in dem Schlamme der „Dringlichkeits- anträge" und der nationalen Zänkereien. So wird er bald wieder einen neuen Kraftstoß brauchen, und so fort bis ins vorläufig Unab­sehbare, Uferlose . . .!

Nur neu erwachter, zu k.äfttger Flamme an» gefachter österreichischer Patriotismus könnte helfen für lange Dauer. Wird jemals wieder der rechte Flammenzauber dafür gefunden werden?

digste davon kaufen zu können, ach, ich bin so arm,---"

„Nun, so lange man gesund ist, ist man nicht arm," tröstete die Alte.

„Wenn ich aber krank würde, wa« bann?"

„Ja, Mariechen, — dann wäre doch ich noch da!"

Marie drückte der treuen Trösterin dankbar die Hand.

Am folgenden Morgen wurde das junge Mädchen durch ein Klopsen an der Thür geweckt.

„Mariechen," rief draußen die Stimme der Frau Peter, „es ist ein Brief für Sie da, der Bote wartet auf Antwort; darf ich hinein- kommen?"

„Sogleich, warten Sie einen Augenblick."

Marie hatte heute, weil eS Sonntag war, etwas länger als sonst geschlafen. Jetzt kleidete sie sich rasch an, und nahm das Schreiben in Empfang, das sie hastig erbrach.

„Sehr geehrtes Fräulein," laß fie halblaut. „Es ist eine Sache von höchster Wich igkeit, die ich Ihnen mftzutheilen habe, etwas, was Sie, wie ich weiß, sehr freuen wird. Da ich fürchten muß, es könnte Ihnen unangenehm fein, wenn ich Sie in Ihrer Wohnung besuche, so bitte ich Sie, sich gütigst zu mir bemühen zu wollen. Bestimmen Vie selbst die Zett, wann Sie kommen können, und kaffen Sie mich nicht allzu lange warten.

Jndeffen begrüße ich Sie herzlich.

Robert Walter.

Rosengaffe 6."

Dentfches Keich.

Berlin, 12. Dezember.

h. Oege« die AueKe ist in Oesterreich ein geheimer Erlaß bei Kriegs­ministeriums zugegangen. Danach soll bei Zwistigkeiten zwischen Offizieren nicht eher eine Forderung ergehen, bevor dem Regimentskom­mando Meldung darüber erstattet worden ist. Dann soll erst das Kommando darüber ent­scheiden, ob ein Zweikampf zuläffig ist, und kann im Falle thätlicher Beleidigung den Beleidiger einer gerichtlichen Untersuchung unterziehen, an­statt den ZweikaMps zuzulaffen.

+ Aas Militär-HsteusioUSwefe« bildet den Gegenstand einer Interpellation, die vom nationalliberalen Abg. Graf Ortola im Reichstage eingebracht wird. Es wird darin beim Reichskanzler an gefragt, ob die von der Regierung früher in Au! ficht gestellte Regelung des Milltärpenfionswesens noch in dieser Tagung dem Reichstage unterbreitet werden wird.

+ Zum Wrescheuer Kalle. In der Preffe erschien die Nachricht, das deutsche Konsulat in Lemberg habe die in Oester­reich gesammelte» Gelder für die von dem Land- gericht in Gnesen Verurtyeilten uab deren An­gehörige bSher bereitwillig zur Besörderurg übernommen. Die offiziöse ,Nordd. Allg. Ztg.' bemerkt dazu: „Selbstverständlich ist an dieser Angabe kein wahre- Wort."

♦ Neisahe wie in W resche«. Unter dieser Ueberschrist berichtet die,Gazeta Torunska': Der Lehrer Krause in Sruczuo (Westpreußen) schlug daS Töchterchen der Schlossermeisters Braun, eines Deutschen und Protestanten. Der Vater, welcher auf dem Geflchte des Kindes Spuren eines Fingernagels entdeckte, ging in die Schule und fragte den Lehrer, weshalb er bie Kleine geschlagen habe. Der Lehrer wies ihm bie Thür. Braun entgegnete, er solle nicht glauben, einen Knecht vor stch zu haben. Es entstand ein Streit, in Verlauf dessen der Lehrer Braun einige Male aufford'rte, die Schule zu verlassen. Braun schimpfte ihn „verfluchter Hund" und ging erst, als der Lehrer stch einschloß. Weg?» Beleidigung und Hausfriedensbruches stand nun Braun vor dem Schöffengerichte zu Schwetz. Der Staats­anwalt beantragte mit der Begründung, daß heute der Lehrer geschützt werden müffe, gegen B. wegen Beleidigung 16 und wegen Hausfriedensbruches 30 A Geldstrafe. DaS Gericht erkannte gegen B., der in der Erregung gehandelt hatte, auf 3 A wegen Beleidigung und 5 A. wegen Hausfriedens­bruches Die,Gazeta TorunSka' fügt hinzu: „Das Vorgehen deS Herrn Braun erinnert an dasjenige der Frau Piafecka und anderer Mütter und Väter in Wrefchen, mit dem Unterschiede, daß nach der Aussage deS als Sachverständigen vor- gelabenen Dr. KrzyzagorSki einige ber Wrefche- ner Kinder übermäßig bestraft wurden, was in ©rucjtto nicht der Fall wat." Frau Piafecka erhielt aber 21/» Jahre Gefängniß, Herr Braun dagegen nur 8 A Gelöst afe. Wo liegt der Unterschied?

X Km «euer Schwindel ist von den Gegnern des neuen Zolltarife- ersonnen worden und macht die Runde durch Deutschland. Erst

sollte die Reichsregierung den Konservative« haben sagen laffen, fie würde auf keinen Fall in eine wettere Erhöhung ber vorgeschlagenen Tetreidezölle einwilligen. Nrchher sollte nach einer Meldung des .Rheinischen Kuriers' die Bayerische Regierung die bay rischen Koche» vattven- und Centrumsabgeordneten davon ver­ständigt haben, daß fie unter keinen Umständen einer solchen Erhöhung beistimmen werde. Aber daS Letzte ist so wenig wahr, wie daS Erste; und darum wird wohl auch die gestern ange­führte Meldung neben die Wahrheit geschossen haben, daß man in BandeSrathS kreisen uner­schütterlich auf der vorgeschlagenen Höhe ber Tetreidezölle beharren wolle. Ein solcher Be­schluß ist ficherlich noch nicht gefaßt worden! Diese Annahme wird bestätigt durch eine augen­scheinlich offiziöse Notiz ber »Berliner Neuesten Nachrichten,' in der gesagt wird: „Der Bundes- rath fleht vollkommen auf dem Boden des von ihm gebilligten Entwurfes. Zu etwaigen Ab- fiiberungen desselben im Reichstage Stellung zu nehmen, lag für ihn noch keinerlei Veranlassung vor, da formulirte Anträge noch gar nicht gestellt worden find. Wie der Bundesrath sih gegebenen Falles zu solchen Abänderungen verhalten wird, darüber konnte bisher nichts Zuverlässiges in die Oeffentlichkett bringen." ® *r »Deutschen Tageszeitung' zu Folge soll die Absicht bestehen, die bestehen­den Handelsverträge sofort zu kündigen, sobald man bie VereitelungS- abficht ber Obstruktion im Reichstage klar erkannt habe. Vorher müßte man doch aber für eine feste Mehrheit gesorgt haben.

X Ate Zolltarif Kommission des Reichs- tageS wird erst nach Neujahr konstitutrt werden. Daß als Vorsitz über ber Centrumsabgeordnete Dr. Spahn in Aussicht genommen ist, konnten wir bereits vor etwa einer Woche berichten. Außerbem werben vom C ntrum vermuthlich in bie Kommisswn entsandt werden bie Abgeord­neten Gröber, Herold, Dr. Heim, Klose, Pingen, Speck, Trimboru. Die konservativen werden in die Kommission schicken die Abgeordneten Graf Kanitz, Graf Schwerin-Löwitz, Freiherr von Wangenheim und noch einen Abgeordnete«, der noch unbestimmt ist. Die Freikonsrroatioen werden durch die Herren von Kardorff und Gamp, die Nationalliberalen durch die Abge­ordneten Dr. Paasche, Dr. Benin, r, Freiherrn von Heyl und Sieg vertreten sein. Von den Freisinnigen werden in die Kommission kommen die Herren Dr. Gothein, Fischbeck und noch drei Andere. Von den Antisemiten, Polen und Welfen wttd je ein Abgeordneter in der Kom­mission sitzen, von den Sozialdemokraten Singer, Molkenduhr und zwei Andere.

h Wege« des Aothstande» haben die Sozialdemokraten eine Interpellation eingebracht: ob der Reichskanzler gegen den Nothstand infolge der w'rthschaftlichen Krise etwa» zu unternehmen gedenkt.

X In« Gesetze vom ««lauter« Wett­bewerb. Der Bund der Handel- und Gewerbe­treibenden ist schon mehrfach mit Kritiken de« Ge­setze« gegen den unlauter» Wettbewerb auf den Plan getreten. Jetzt bereitet der Bund eine

Marie war sehr bleich geworden. Noch ein­mal Überflog fie bie wenigen Z ile», von bene» fie nicht wußte, was fie davon halten sollte. Durfte fie der Einladung deS ihr fast fremde» Herr» Folge leiste»?

Sie entl.eß den Bedienten, ohne ihm eine Antwort mitzugeben.

Marie fing, als fie wieder allein war, heftig zu weinen an, so daß Frau P ters eilig herüber­kam, um zu seh'N, waS vorgefallen sei.

„Sie find ja in furchtbarer Aufregung," meinte die Alte in beruhigendem Ton. „Er­zählen Sie mir doch, was eigentlich geschehen ist, schütten Sie mir Ihr Herz aus, das erleichtert, und dann wolle» wir zusammen überlegen. Doch halt — hö-en Sie meinen Rath. Heute ist Sonntag, gehe» Sie zierst in die Kirche, mein liebes Kind, und beten Sie während der heil. Messe recht inbrünstig zum lieben Gott, dem Vater ber Armen und Waisen, bas ist das rechte Beruhigungsmittel. Paffen Sie auf, wenn Sie zurückkommen, sehen Sie alles mit anderen Augen an. Was meinen Sie zu meinem Vor­schlag, Mariechen?"

Die Angeredete nickte, ohne ein Wort zu fugen.

„Sie müssen sich aber beeilen, wenn Sie die Previgt hören wollen, haben Sie wenig Zeit."

Marie eilte davon. Rasch badete fie das verweinte Gesicht in frischem Waffer und vol­lendete, so schnell die bebenden Finger dies ge« statteten, ihre einfache Toilette.

AIS sie auS dem Hause trat, fingen eben die Kirchenglocken ernst und feierlich zu läuten an. Sie lauschte auf daS melodische Klingen, und eS

war ihr, als würde ihr dabei bedeutend lAchter ums Herz. Und nach Beendigung deS Gottes­dienstes — da schien mit einem Mal all' daS Drückende, daS so schwer auf ihr gelastet, zu verschwinden, und in ihrem Innern wurde eS licht und frei. Ihr war in diesem Augenblick so feierlich, so weihevoll zu Muth, fie merkte auch kaum, wie die Ankeren stch nach und »ach entfernten und fie ganz allein in den weite« Halle» der Kirche blieb. Es war so still ringsum geworden, nichts störte ihre Andacht

In sichtlich gehobener Stimmung kehrte sie endlich »ach Hause zurück Unter der Thüre empfing sie Frau P t^8 mit einem innigen, festen Händedruck. Marie wußte nicht, wie ihr war, fie schämte stch vor ihrer vorigen Heftig- leit, und schaute bittend zu der alten F an auf. Dabei kam eS ihr vor, als glänzten Ttzränen in den Augen ihrer mütterlichen Freundin, und alS wäre auch in dem Wesen derselbe» etwas, ma­ste sich nicht zu erklären vermochte. Sie schrieb daS zuerst ihrer eigenen, weihevollen Stimmung zu, die fie jetzt alles anders betrachten ließ, alS zuvor, aber w.e nun die Alte daS verwunderte Mädchen an die Hand »ahm, und dieses durch den schmalen HauSgang führte, die Thüre zu dem sauber geotbneten Stübchen öffnete. und Marie vollends hineinschob, — da wußte fie erst gar nicht, was daS zu bedeuten hatte.

Doch plötzlich riß fie die Augen wett auf, ein freudiger Schreck durchzuckte ihre Seele. Täuschte sie fich auch nicht? WaS glänzte und flimmerte vor ihren Auge» und grüßte fie se» lieb und vertraut? — Dort — dort an der