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Jutöa, Donnerstag, den 12. Dezember 1901.

M 285.

28. Jahrgang,

Hände,

auf 1OOOOO Einwohner ein Geburtenüberschuß von 1389 Köpfen; im letzte« Jahre betrug dieser Ueberschuß nur 1356, wie erst jetzt amtlich mit« getheilt wird. Man steht daraus, wie vollkommen unbegründet die Besorgnisse einiger volkswirth« schaftlichen Prosefforen waren, die während der Auseinanderfktzungen über die letzte Flottenvor« läge der Regierung de» Gefallen thaten, eine unheimliche Dolksoermehru-tg in Deutschland für die nächsten Jahrzehnte herauszurechnen. Die Thatsach.n sprechen für das gerade Gegentheil.

wähnten 35 Millionen hinzu, so kommt man auf jene erstgenannte Gesammtanleche von 18.2 Mil­lionen Mark. Das ficht beinahe so aus, als fe. dir hohe ReichSrepierung der Arfickt, es komme nicht weiter darauf an, auch noch 35 Millionen mehr zu borgen, wenn ohnehin fo wacker geborgt werden muß. Segen solche offene oder heimlich gehegte Grundsätze muß man natürlich sehr nachdrückliche Verwahrung einlegen. Die Sacke liegt umgekehrt: wenn ohnehin so viel von

neuem geborgt werden muß, würde es doppelt mißlich sein, diese Anleihesumme für die Be­streitung einmaliger außerordentlicher Summen auch noch durch Anforderungen aus den laufenden

EtatSbedürfniffen zu vermehren. 1

In den fetten Jahren haben die Einzelstaaten ■ ihren Vorlheil gehabt von dem vorzüglichen , Stande der Reichsfinanzen. Das Reich mit seinen ■ Einnahmen war die melkende Kuh für sie. Man kann es nach den allgemeinen Grundsätzen der J ausgleichenden Gerechtigkeit darum nicht unbillig finden, daß die Einzelstaaten, die vorher das Gute genoffen haben, nun auch an dem Schlimmen theilnehmen und das Ihrige thun, um auch den Fehlbetrag aus der Welt zu schaffen, der fich eingestellt hat. Daß ein solches Verfahren ge­recht sein würde, kann kein Mensch bestreite», und wenn es für diesen oder jenen Einzelstaat noch so bitter ist, diese Gerechtigkeit als vor- rande» anzuerkennen. Ohne Grund will ja auch niemand den Einzelstaatrn etwas zu Leide thun. Aber wenn das Reich in Roth gerätst, liegt es da nicht am allernächsten, daß die Kaffen der einzelnen Bundesstaaten die Lücke füllen? Ohne Zweifel! Und außerdem würde ein solches Ver- ahre» dem verfaffungsmäßigen Finanzrechte im Reiche vollkommen entspreche». Wenn also da­von abgesehen würde den ganzen Fehlbetrag im Etatsvorausschlage ?ür 1902 durch Beiträge der Einzelstaaten zu decken, so würde damit einer Reihe von Einzelstaaten ei« Geschenk gemacht werden; es' würde damit nicht streng »ach dem verfaffungsmäßigen Finanzrechte im Reiche und auch nicht genau nach den Grund­sätze» der ausgleichenden Gerechtigkeit verfahren werden.

Die Sache wird freilich dadurch noch schwie tiger, daß es durchaus nicht alle Einzelstaaten sind, die sich unfähig erklären, zu ihrem Tsteile den Fehlbetrag von 59 Millionen zu decken. Das ist nur ein Theil der Bundesstaaten; einige An­dere, wie namentlich Preußen und Bayern, find wohl in d»r Lage, das zu thun. Von Preußen hieß es zwar auch, es werde in sein«- a Etats­voranschlage für 1902 einen Fehl: taz von nabezu 80 Millionen Mark aufweisen; aber der falschen Rachricht ist die Berichtignn auf dem Fuße gefolgt. Der Etat wird sich v, lmehr in Einnahme und Ausgabe ausgleichen, oone daß dazu die Heranziehung außergewöhnlicher Deckungs- mittel nothwendig fein wird. Man kann aber wieder nicht mit der Deckung des Reichsdefizits nur diejenigen Bundesstaaten belaste», die es da­zu habe»; das würde natürlich höchst ungerecht gegen diese fein. Es wird wohl also nichts An­deres übrig bleiben, als diesmal wiederum in den sauren Apfel der Vermehrung der Reichs­schuld zu beißen. Aber nach der Verabschiedung der Zollvorlage» werden hoffentlich alle, die da­zu berufen find, es alS ihre erste und dringlichste Ausgabe betrachten, mit bitftm ganz unleidlichen und auf die Dauer vollkommen unerträglichen Reichsborgsystem ein Ende zu machen. Vielleicht findet sich schon jetzt die Möglichkeit, de» Betrag der neu geplante« Reichs schuld annehmlich herab- । zumindern.

Wohin sollen wir schließlich gerathen, wenn . das Borgen niemals ein Ende nimmt?

„Emern Händler drunten am Holzmarkt, Namens Bräunlich."

„Dem alten Wucherer? Vermutylich hat er Ihnen das Kunstwerk um einen Spottpreis ab- genommen?"

Marie nickte. Sie nannte die Summe, die sie erhalten hatte und fuhr fort: „Der Alte hat das Kreuz bereits wieder verkauft, den Namen des Käufers kennt er nicht. Es ist mir für immer verloren, nichts bringt mir mein Kleinod zurück!"

„So, so — na, wir werden ja sehen," mur­melte Robert für sich.

Deutsches Keich-

Berlin, 11. Dezember.

* K-i« Defizit t« ^renfiett. Die Nach­richt von einem bevorstehenden preußischen Defizit im Betrage von rund 80 Millionen Mark war glücklicherweise unbegründet. Nach halbamtlicher Mittheilung wird sich vielmehr der EtatSvoran- schlag i» Ausgabe und Einnahme ausgleichen ohne Heranziehung außergewöhnlicher Deckungs­mittel. Die Finanzen Preußens — so sügt der OffiziosuS hinzu — find so fest sundamentirt, daß fie einen Rückgang der Einnahmen ertrage» können, ohne daß das Gleichgewicht im Staats­haushalte gestört wird.

fi Eine Berichtigung bringt der amtliche .Reichsanzeiger', indem er schreibt: „Die,Pots­damer Zeitung' und ebenso eine an eine Reihe von Blättern gesandte Potsdamer Korrespondenz haben die Schilderung eines Vorganges gebracht, der sich am 1. Dezember beim OsfizierkorpS des 1. Garderegiments z. F. im Hause desselben in Potsdam abgespielt und bei dem S. M. der Kaiser und König eine Ansprache über das Duell in der Armee gehalten haben soll. Wir stellen fest, daß die ganze Geschichte von Anfang bis zu Ende erlogen ist." (Da wir die Nachricht von Anfang an für falsch hielten, hatten wir nichts davon gebracht. D. Red.)

+ Die ^ole« - Interpellation wird vor der parlamentarischen Weihnachts-Pause schwerlich noch einmal zur Besprechung gelange». Dir Fort- setzung dieser Besprechung wird vermuthlich noch eine ganze Sitzung ausfüllen, denn es find noch 11 Redner zum Wirte gemeldet, darunter die Abgg. Dr. Bachem, d, Staudy, v. Tiede­mann, Liebermann von Sonnenberg und andere mehr. Die Polen sammeln nunmehr auch für den Redakteur Dr. v. Rakowski; auch dieser soll ein Nationalgefchenk erhalten. Daß aber dieser zusammen mit seinem fanatischen Ver­leger Biedermann, Herausgeber der ,Praca' in Posen, in tavelnswerther politischer Agitation arbeitet, ist bekamt genug. RakowSki, aus Deutsch­land snögewirs-a, wurde bekanntlich in BeeSlau festgenommen, <66 er unterwegs nach Oberschlesten war, um dort für nationalpolnische Kandidaturen und damit gleichz-ttig gegen das Centrum Stim­mung zu machen.

h, Die Schanweiufiener-^ommisfion des Reichstages hat am heutigen Mittwoch eine Sitzung abgehalten und beschlossen, eine dritte Lesung der Vorlage in der Kommission vorzu­nehmen, um noch einmal die Frage zu prüfen, ob die Steuer durch Anlegung eines Steuerzeichens bezahlt werden könne. Der fozd. Abg. Wurm legte dabei das neue Modell zu einem Steuer« Verschlüsse vor. Die dritte Lesung soll an diesem

s Die Reichsfinanzen.

Man kann nicht leugnen, daß der Bundes- rath beim Streichen von Ausgaben im Voran­schläge zum Reichsetat nicht träge gewesen ist. Ko werde» in dem Etatsrntwurse für 1902 für das Reichsheer fast elf Millionen weniger ge­fordert, als im laufenden Etatsjahre, die dauernden und die einmaligen Ausgaben zu­sammen gerechnet; und auch bei kleineren Poste« find erhebliche Abstriche gemacht worden. Aber erstens ist damit nicht gesagt, daß der Abstriche nicht vielleicht noch mehr hätten sein können; und zweitens sieht es mit manchen Einnahmequelle» weit windiger au8, als im Vorjahre. Die Einnahmen aus den Zöllen find um 7 Vs Millionen geringer, die ReichS- stnnpelLbgabrn um 20^/z Millionen niedriger veranschlagt, als in diesem Jahre, und dazu kommt das Fehlen jeglichen UeberschuffeS aus den Vorjahren. Dieser früher gewohnte lieber» schuß war in dem Voranschläge für dieses Jahr mit 321/« Millionen eingesetzt worden. Er fehlt jetzt, und damit entsteyt das weitere Ausgabebedürsniß, diesen Fehlbetrag des laufen­den Etatsjahres im nächste» Geschäftsjahres zu decken. Umgekehrt erfordert die Marine höhere Ausgabe«, als im laüfenbe« Jahre, die um mehr als um 17 Millionen nach dem Flotten­gesetze den Etat dieses Jahres übersteigen; die Verzinsung der Reichsschuld stellt sich um fünf Millionen höher, der allgemeine PenfionSfondS um 31/* Millionen: Kurz und gut, das End- ergebniß ist in dem Etatsvoranschlage des Bandesrathes für 1902 ein sogenannter Reichs­fehlbetrag von rund 59 Millionen Mark.

Nun konnte man in diesen Tagen in de« Zeitungen lese», es bestehe im ganzen ei» Anleihebedarf von 182 Millionen Mark. Diese Summe ist das E gebniß des folgenden Rechen- exempels.

Mehrere Einzelstaaten habe» erklärt, daß eS ihnen ganz unmöglich ist, so viel Beiträge zu leisten, daß der Fehlbetrag vollkommen gedeckt werbe. Die Forderung eines solchen Betrage- würde — wie es in der Denkschrift zum Etat heißt — für einen großen Theil von ihnen dem Erfordern einer Leistung gleichkommen, welche die ernsteste Gefährdung der finanziellen und da­mit der politischen Selbständigkeit in sich schlöffe. Die Regierung schlägt deswegen vor, nur 24 von den 59 Millionen des Fehlbetrages als Beiträge von den Einzelstaaten einzuziehen, die übrigen 35 Millionen dagegen durch eine „Zu­schußanleihe" zu decken — Zuschuß nämlich zu einer großen Anleihe, die die Mittel liefern soll zur Deckung „einmaliger außerordentlicher AuS- gaben“. Diese große Anleihe ist auf 147 Mil- Honen veranschlagt. Rechnet man die vorer-

Etwa eine Stunde später trat Robert mit strahlend heitrer Miene bei seinem Vater ein.

„Na, mein lieber Junge,“ sagte dieser, einen Blick auf den Sohn werfend, „Du stehst ja so vergnügt aus, warst doch so unwohl, als Du fortgingst. Hast Du keine Kopfschmerzen mehr, ist Dir jetzt besser?“

„Mir war eS in meinem ganze» Leben noch nicht so wohl, wie jetzt, mein Vater!“ rief der junge Mann, und da auS seiner Stimme eine eigenthümliche Bewegung zu klingen schien, rtch- tete der Alte die klugen, Hellen Augen forschend auf den Sohn.

„Hm, hm,“ machte er dann und wiegte den von dichtem, schneeweißen Haar umgebenen Kopf hin und her.

„Was meinen Sie?“

„O nichts, nichts, mein Fräulein.“

Sie reichten sich zum Abschied die wie zwei gute, alte Bekannte.

Robert hatte umerbeff en weiter erzählt. Der Vater, ganz in seine Gedanken und Erinnerungen vertieft, hörte kaum darauf, bis der junge Mann den Gegenstand, den er vorhin auf den Tisch ge­legt, wieder aufnahm, die Hülle entfernte und dem sinnenden Alten ein großes goldenes Kreuz entgegenhielt.

„O Gott, Vater, was ist Dir,.— was hast Du, — Du zitterst ja!“ rief Robert in diesem Moment erschrocken, als er die Veränderung be- merkte, die urplötzlich mit dem Vater vorgmg. Der hatte daS Kcruz a» sich genommen und betrachtete eS lange in tiefer innerer Bewegung. Unverwandt hing-« feine Augen an dem Kunst- we-k daS er in de» zitternden Händen hielt, während zwei Thränen langsam über seine Wangen liefen.

„Kein Zweifel," murmelte er, „es ist das­selbe, — ich leone es wieder, — ja, — es war doch eine schöne Zeit damals, — und sie freute fich so, — fie freute sich fo —*

Eine Weile wurde es still in dem gemüth- lichen Zimmer. , . m ,

Robert beobachtete schweigend, wie der Vater vor sich hinsprach und mit feinen Gedanken ganz wo anders war. „ ,

„Du scheinst das Kreuz zu kennen, Vater?“ begann der junge Mann endlich.

„Ob ich es kenne, mein Junge — ob ich c8 kenne, ich habe eS ja selbst gemacht!“

„Wie, - Du Vater?“

„Ja, ich — und ich verschenkte es damals an Eine, von der ich. wußte, daß ihr nichts eine größere Freude bereiten würde, als gerade dieS.

mit de« Brodwucher!

Abg. Dr. Keim (Eentr.): Es ist und bhibt That- sache, daß die bestehenden Handelsverträge dre Jndu- Ine einseitig bevorzugt und die Landwirthschast in den Schatten gestellt haben. Wie unrentabel die Landwirth- chast gegenüber der Industrie ist, geht daraus hervor, daß es zahllose industrielle Aktiengesellschaften gibt, währen» sich niemals eine Aktiengesellschaft auf den landwirthschastlichen Betrieb verlegt hat. In Bayern ist die schönste bayerische Gerste unverkäuflich, und auch die Hopfenbauern sind in schlimmer Lage; sie sind die ärmsten Bauern in ganz Bayern. In Bayern bringt der Bauer mit nur fünf Hektaren Grundbesitz 60 brS 70 Centner Getreide zum verkauf im Jahre: daS kann ich beweisen aus den Büchern der Genossenschaften tm Fichtelgebirge, der ich als L iter angehöre, und dre 1200 bäuerliche Mitglieder zählt. Der bayerische Bauer hat ein schlechteres Loos, als der Alberter Der kluge Bauer will den Konsumenten, den Arbeiter, mcht schwächen. Aber auch der kluge Konsument wird den Ruin d-S Bauern nicht wollen. So denken ja auch un­sere katholischen Arbeiter. „ ,

Sodann kommt R-drer auf die Diätenfrage: nach seiner Ansicht sollte von der Zollfrage die Frage der

Ans dem Reichstage.

•qp 110. Sitzung vom 11. Dezbr.

Bei der heute (Mittwoch) fortgesetzten ersten Be- rathung der Zsllvorlage eröffnet den Reigen der Redner der konservative

Abg. Hraf Ltanitz. Redner knüpft an die Aus­führungen Bebel'S an von hungernden Kindern, Kinder­sterblichkeit und dergl. mehr. Aber England hat keine Getreidezölle und wie groß ist beispielsweise in London die Kindersterblichkeit in Folge von unzulänglicher Nahrung! In Wirklichkeit hilft auch billiges Brod 'den Arbeitern nichts, wenn diese nichts verdienen. Deswegen wollen wir den deutschen Arbeitern Verdienst verschaffen und deswegen find wir Freunde der neuen Zolltarifoorlagen auch die besten Freunde der Arbeiter. Der Redner ist kein Freund langfristiger ^Tarif­verträge; mit diesen gibt man nach seiner Auffassung die besten Waffen aus der Hand: die beste Deckung ist der Hieb. Jetzt ist als größter Fehler auch die Kündigung der Meistbegünstigungsvrrträge unterblieben. Nach allen den vorauSgegangenen Debatten will Redner nichts Ueberflüfstges mehr reden. Aber daS muß auch er noch feststellen, daß ohne Zweifel em landwirthfchaftlicher Nothstand besteht. Und der frei- finnige und freihändlerische Profeffor Mommsen selbst hat geschrieben: das einzige Mittel, dem itaUrntschen Bauern zu helfen, wäre die Einführung "an Tetreide­zöllen gewesen. Unsere Nährkraft, unsere Wehrkraft, unsere politische und wirthschaftliche Selbständigkeit hängt von dieser Zollreform ab. (Beifall rechts.)

Abg. Singer (sozdem.): Aus Mittel, die auch dem ländlichen Arbeiter helfen, werden wir gern eingehen. Wir wollen aber nicht, daß unter dem Deckmantel „Hilfe für die Landmirthschast“ Maßnahmen getroffen werden, die nur 25,000 Großgrundbefitzern Geld in die Tasche schaffen. Wenn wir einmal die Macht haben werden, werden wir alle solche NahrungS- mittelzölle beseitigen. Herr v. Hey! wird dann freilich nicht mit lumpigen 8 v. H. Einkommensteuer davon- kommen. Nach langen, weiteren Ausführungen, die nichts Neues zur Beurtheilung der schwebenden Frage beibringen, verliest der Redner eine Reihe von deutschen Fürstlichkeiten, die Millionen auS der Er- Höhung der Getreide,ölle ziehen würden. Redner schließt mit den Worten: Nieder mit dem Hungertarif, nieder

Das goldene Kreuz.

Erzählung von Irene v. Hellmuth

6) ------ (Nachdruck verboten.)

„Auch dann nicht, wenn ich Ihnen gestehe, daß ich ein theures änderten, das Einzige, daS meine selige Mutter mir hinter lassen konnte, das sie mir fferbenb noch ans Herz legte, verschacherte, um mir schöne Kleider, Bänder, Flitter taufen zu können, um es den Andern gleich zu thun, um zu prunken und zu prahlen wie Jene?"

Robert schüttelte den Kopf.

„Auch bann nicht, denn ich kann eS begreifen, baß in einem jungen Mädchenherzen einmal die Lust nach den Freuden der Welt erwacht.“

„Aber ich durfte es nicht thun!“ schluchzte Marie. „Ich bin auch bittet genug bestraft. Als ich an jenem Abend nach Hause kam, erfaßte mich die Reue Über mein ungerechtfertigtes Han­deln. Ich trachtete nur darnach, mein Kleinod wieder zu erlangen und heute, wo das geschehen sollte, — heute mußte ich die Entdeckung machen, baß es mir verloren ist, — verloren ist, — ver­loren für immer! Ist daS nicht traurig?"

Robert stand eine Weile schweigen» da. Ma« sah es ihm an, tr hatte irgend etwas vor, er sann Über etwas «ach.

„Was war es denn, das Sie verkauften?“

„ES war ein reich verziertes goldenes Kreuz, die Figur beS Erlösers aus Elfenbein gefertigt unb wundervoll ausgearbeitet.“

„Und wem verkauften fie es?“

Donnerstag vorgenomme« werden.

+ Die de-Usche MolKvvrrmeHr-mg hat neuerbinpS nicht unerheblich nachgelassen. Im Jahre 1898 erreichte sie mit einem Geburts- Überschuß von beinahe 850 000 Köpfen ihren Höhepunkt. Im letzten Jahre ist sie bagegen unter die Z ffern der letzten vier Jahre herab- gesunken, sogar unter ben Durchschnitt des ganze» letzten Jahrzehntes. Unb daS ist geschehen, ob­wohl die Eheschließungen sich vermehrt haben! Im Durchschnitte bes letzte» Jahrzehntes entfiel

„Was ist Dir denn begegnet, Robert?“ „DaS Glück ist mir begegnet, Vater, — das Glück!"

Dann legte Robert einen in Seidenpapier gewickelten Gegenstand, den er bisher in den Händen gehalten hatte, behutsam auf den Tisch Den Vater, der neugierig danach greifen wollte, nahm er hastig beim Arm unb hielt ihn zurück.

es noch ein Weilchen, Du sollst olles erfahren, aber erst höre wich ruhig an.“

Gespannt blickte der Baier auf ben Sohn, dessen Gebahren ihm settsam vmkam; Rrbert legte den Arm um ben Nacken des Alten und erzählte dem Hockaufyorchenden zuerst von seiner heißen, innigen Liebe zu einem braven, tugenb» hasten, aber armen Mädcken, schilderte, wie diese Siebe schon beim ersten Sehen in fein Herz ein- gezogen fei und ihn nimmer lokgelassen habe, und wie er hoffe, wenn seine Wahl die Billigung des Vaters fände, so glücklich zu werben, wie nur ein Mensch werden kann.

Dem Alten wurde es ganz warm ums Herz. Seltsam, wie seine eigene ferne Jugendzeit plötzlich so lebendig wurde, wie deutlich er die­jenige vor sich fah, die er einst geliebt. Brav und fromm war sie gewesen, aber arm, sehr arm, und dies palt in ben Augen bet Eltern als ein großer Fehler. Er hatte nachgegeben und fich von dem Mädchen seiner Wahl gewandt, um der Eltern willen. Wenn er auch später ein braves Weib heimgeführt, so stand seine erste Liebe heute boch so frisch vor seinen: Geiste, daß er wähnte, es wären erst wenige Jahre darüber hinweggegangen.