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mit Anterhattungs -Meilage .^Ilusirirte Sonntags-Zeitung" *"* pekweU* H*- - (McmvuM.
M 284. Inwa, Mittwoch, den 11. Dezember 1901. 28. Jahrgana
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äX Zum Stande der Zollvorlagen.
Was hat die sechstägige Redeschlacht über die Zolltarif-Vorlagen im Reichstage gebracht? Man würde zu weit gehe«, wenn man erwarten wollte, daß die grundsätzlichen Freunde der Entwürfe die Gegner im Ganzen oder auch nur in einigen Punk« ten umgestimmt hätten, oder gar umgekehrt. Hier und da hat man auch schon i« der Presse lesen könne«, der Reichstag möge doch diese erste Lesung nicht noch weiter hi«auSziehe«; das habe ja doch keine« praktischen Werth. Es ist inbeffe« wohl zu bemerken, daß solche Aeußeru«gen nicht in schutzzöllnerischen, sondern in freihä«dlerischen Zeitungen auftauchten; sie sind ein deutliches Merkmal dafür, daß die Freihändler sich bei dem Verlaufe dieser Debatte gar nicht behaglich fühlen. Go manche ihrer Hoffnungen hat sie v Mündig betrogen, und ganz sichtlich habe» verschiedene Ausführungen aus dem Lager der Mehrheits-Parteien doch den gewünschten Eindruck auf der Linken nicht verfehlt, trotz des Husarenrittes des Herrn August Bebel, der diese Katerstimmung bet den Freihändler« durch sein Ungestüm verschleiern sollte. Die Absicht ist fehlgeschlagen; und sehr deutlich klang jene Katzenjammer-Ttimmuna aus den Worten des süddeutschen Demokraten Payer heraus, der in die niedergeschlagenen Worte ausbrach: «Ich sehe schon, wie der Hase läuft! die Getreide- zölle werden bewilligt." Auch die ,Freis. Zlg.' des Herrn Eugen Richter kann nicht umhin, ihren Freunde» diese unvermeidliche Thatsache in einem Rechenexempel vorzuführen. Naw diesem Rechen- exempel verfügt die entschiedene Opposition gegen die Vorlage nur über 117 unter den im Ganzen 397 Stimmen im Reichstage. Es find also 280 Abgeordnete vorhanden, die auf dem Boden der Vorlage stehen oder in den Zollerhöhungen noch über dieselbe hinausgehen.
Bei den Freifinnigen hat dann auch der Hinweis darauf seinen Eindruck nicht verfehlt, daß unter den Freisinnigen und bürgerlichen Demokraten in Bayern und Württemberg viele Leute Freunde einer Erhöhung der Getreidezölle find, diS hinauf zu einem Zolle von sechs Mark. Der Freisinn muß mit seinen Stimmen im Lande außerordentlich sparsam umgehen. Deswegen ist ihm diese Thatsache doppelt unbehaglich, und deswegen mögen schon Manche in seinen Reihen den Tag verflucht haben, an dem sie sich von ihren Parteigewaltige« in ein Joch mit der wild daherstürmenden Sozialdemokratie spannen ließen; Auch die wiederholten Mahnungen der .Freifinnigen Zeitung' find nicht viel anders aufzu- faffen. Zuerst legte fie dar, daß es ganz unmöglich fein werde, die Beratbung über die Zollvorlage« bis zum Jahre 1903 hinauszuziehen; jetzt rechnet fie ihren Freunden deren Gering- werthigteit an Zahl vor!
Von ganz besonderem Eindrücke sind im Reichstage die Ausführungen zweier bayerischen Abgeordnete« gewesen: des Centrumrabgeordueten Speck und des konservativen Abgeordneten Ntßler, der Letztere ein Bauer von echtem und rechtem Schrot und Korn. ES gehört bekanntlich zu dem schwächlichen Rüstzeuge derer von der Llnken die Behauptung, nur der Großgrundbesitz würde de» Vortheil von der Erhöhung der land- wirthschaftliche« Zölle haben, nicht aber der Bauernstand. Daß nun der Bauer N>ßler kam und mit außerordentlich überzeugenden Worten daS Gegentheil nachwies, war der Opposition durcha»s unbequem und unheimlich. Und dieselbe Wirkung übten die Worte des Abgeordneten Speck aus. Herr Speck hat nichts vom Agrarier an sich. Herr Speck ist königlicher Beamter, nämlich Oberzollrath in München, und er hat noch niemals im Reichstage einseitig agrarische Neigungen durchblickeu lasten. Wenn nun ein Mann wie Herr Speck in die übrrzeugung-nollen Worte ausbricht: Es würde das größte Unglück für Deutschland fein, wenn unsere Industrie bet ihrer bisher einseitigen Entwickelung bliebe — so kann es gar nicht anders möglich sein, als daß daS eine» starken Eindruck hervorrust.
Noch immer hatte mau gehofft auf eine kühle, farblos- Haltung der Männer von der Spitze der Regierung; und nun kamen am letzte» Dienstag Reichskanzler Graf Bülow und Staatssekretär Graf PosadowSky und sprachen so ganz ander-, als die Oppofitio« gewünscht hatte, daß fie sprechen sollten — alle Sturmangriff« der Herren Bebel und Genoffe» werden vergeblich sein und den gesunkenen Muth der Brüder im Freistnn nicht wieder aufrichte». Und steht ms« sich alle Reden der Zollgrgner auch aufS Allergenaurste an, so findet man darin doch nicht eine» einzigen Gedanke», der »tcht schon hundert Mal vorher in ihre» Zeitungen gestanden hülle.
Die erste Lesung der Zollgesetze in ihrer großen Ausdehnung ist gut und wirkungsvoll. Von den Schwierigkeiten, die der Berathung in ihrer späteren Entwickelung drohen, hat fie vielleicht kaum etwas htnweggeräumt. Aber fie hat der Minderheit »och deutlicher als bisher daS Bewußtsein beigebracht, daß fie eben eine ganz erhebliche Minderheit ist; und dieses Bewußtsein kann dem Gelinge» deS Ganze» nur förderlich sein.
Also frisch drauf und dran: „Mephisto wird untergehe«; die Engel werden fi-g-n" trotz aller Fährltchkeiten, die »och zu überwinden find!
□ Der Ausbau der amtlichen Arbeiterstatistik
mittelst Ersetzung d. arbeitsstatistischen Kommission durch eine ständige Einrichtung zur Pflege der Arbeiterstatistik ist in weiten Kreisen der verschiedensten Parteien freudig begrüßt worden. Diese neue Einrichtung ist derart gedacht, daß mit dem Beginne des kommenden EtatsjahreS im kaiserlichen statistischen Amte eine besondere Abtheilung unter der unmittelbaren Leitung des Präfidente« dieser Behörde errichtet werden soll, welche zur Ausführung der bisher der Kommission für Arbeiterstatistik zugewiesenen Obliegenheiten durch einen Beirath verstärkt wird.
Als Aufgabe der geplanten neuen Abtheilung wird kurz besonders bezeichnet: 1. Sammlung, Zusammenstellung und Veröffentlichung arbeit«- statistischer Daten und sonstiger, für die Arbeits- verhältniffe bedeutsamer Mittheilungen; 2. die Vornahme besonderer Untersuchungen mit Hülfe mündlicher und schriftlicher Erhebungen, sowie die Erstattung von Gutachten. Durch diesen geplanten Ausbau der Arbeiterstatistck ist die Re- gieruug in anerkennenswerther Weise einem lang gehegten und oft ausgesprochenen Wunsche aller namhaften Sozialpolitiker nachgekommen. Die Kommission für Arbeiterstatistik konnte bei aller Anerkennung, die man ihrer Thättgkeit zollen muß, ihrer ganzen Natur nach de» großen Aufgaben, welche daS wirthschaftliche Leben in wachsendem Maße an die Arbeiterstattstik stellt, nicht genügen. Wenn man auch unter diesen Umständen in manchen Kreisen die Errichtung eine« dem Reichsamt der Inner« Nachgeordnete» ReichsarbeitSamteS mit gesetzlich festgelegtem Fundament und Wirkungskreis lieber gesehen hätte, so bleibt doch, wie schon gesagt, die neue Einrichtung als ein Schritt zum Bessern zu begrüßen. Daß letztere der Scharfmacherpresse nicht gefallen will, braucht nicht zu wundern! fie fürchtet natürlich, durch die „sozialpolitischen Experimente" dieser Einrichtung könne „Beunruhigung" hervorgerufen werde». Diese wird man verstehe» können, insofern durch eine weitere Pflege der Statistik jedenfalls Zustände vielfach an die Oeffentltchkeit gezogen werden können, welche der sozialpolttischen Einsicht und Thätigkeit deS Scharfmacherthums gerade nicht zur Ehre gereichen. Zu begreifen ist auch die Verkleiverungssucht de« .Vorwärts', der wegwerfend bemerkt, daß man die Neueinrichtung nicht auf eine Stufe stellen könnte mit dem oen der Sozialdemokratie geforderten Reichs-Arbettsawte, das die Spitze einer wohl- gegliederte» Interessenvertretung sei» soll. Dieses Verhalte» des .Vorwärts' entspricht ganz der Taktik der Sozialdemokratie, die ihre Arbeiterfreundlichkeit immer leuchten läßt im Lichte von „Forderungen", statt durch das Hm- nehme« des zunächst praktisch Erreichbare» de« Arbeiterintereffe» wirklich zu nützen.
Eine Abänderung deS Planes der Regierung schlägt die .Soziale Praxis' ver. die wohl am eifrigsten bisher für ein ReichSarbettS- amt plädirt hat. Nach dem ersteren soll der Abtheilung für Arbetterstatistik ein ständiger Beirath von zwölf Mitgliedern, die je zur Hälfte vom BundeSrath ernannt und vom Reichstag gewäqlt werde», beigegeben «erden. Der Gedanke eines Beiraths fei an und für sich vortrefflich, nur scheine die für Deutschland in Aussicht genommene Form nicht die ganz richtige zu sein. Durch den Beirath solle di- neue Institution neben dem sachverständigen Rath sich auch der vertrauenden Mitwirkung der Interessenten, der Arbeitgeber und Arbeiter versichern. Des« halb müßte» gerade die Unternehmer und Arbeiter in den Rath gezogen, und ihre Thättgkeit durch neutrale Sachver- ständige ergänzt werden. Die .Soziale Praxis' schlügt deshalb eine Zusammensetzung «ach österreichischen Muster vor: Zwölf Vertreter der Arbeitgeber, zwölf Vertreter der Arbeiter und zwölf neutrale Sachverständige. Die beiden ersteren Gruppen sollten von de« Berufs- genoffe« gewählt, die letztere« von der Regie
rung ernannt werden. Ein derartig zusammengesetzter Beirath habe sich in Oesterreich vor- trefflich bewährt, und es sei zu hoffen, daß der Reichstag den Plan der Regierung in diesem Sinne umgestalten werde.
Dieser Vorschlag trifft unseres Erachtens das Richttge. Für jede soziale Institution ist es ein Grunderforderniß, daß sie getragen wird in erster Linie von bem Vertraue« bet Kreise, i« deren Jntereffe fie wirken soll. Dieses wirb sich jedoch nur bann in oenügenbem Maße gewinnen und erhalten laffe«, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleicher Weife zur Mitwirkung an der Arbeiterstatistik heran- gezooen werden.
Dr. K. Weihnachtsbücherschau 1901«
VII.
(Nachdruck verboten.)
Der Verlag von Friedrich Pustet in Regensburg erfreut die katholische Welt durch eine Erzählung aus der beliebten Feder des rühmlichst bekannten Romkenners Anton de Waal. Das Buch mit dem Titel „Der 20. September", Erzählung aus der Belagerung und Eroberung Roms 1870, hätte eigentlich ein Jahr früher zur 30jährigen Erinnerung an das traurige Ereigniß erscheinen sollen. Aber die Pilgerzüge des Jubeljahres drangen den gastfreundlichen Rektor des Campo Santo, die Feder ruhen zu lassen. Das äußere Gewand einer fesselnden Erzählung verleiht dem historischen Hintergründe doppelten Reiz. 12 interessante Bilder aus jenen Tagen, als Titelbild das Porträt Pius IX. schmücken das Bändchen, dessen Einbanddecke einen päpstlichen Zuaven und die historische Bresche bei der Porta Pia in gefälligem Bunddruck auf Calico zeigt. (Geb. 3 Mk.)
Eigentliche Gebetbücher gehören nicht in den Rahmen unserer Rundschau. Aber bei so außerordentlichen Erscheinungen wie der „Himmelsleiter" von Direktor Beetz ist eine Ausnahme gerechtfertigt. Denn dieses in 2. vermehrter und verbesserter Auflage erschienene illustrirte Betrachtungs- und Erbauungsbuch soll zugleich ein Bademecum für die Jünger der kirchlichen Kunst sein. Neben den stilgerechten Bildern und Kopfleisten weist das prächtige Buch (geb. 6.20 Mk. oder 8 Mk.) auch eine technische Merkwürdigkeit auf. Vermöge eines außerordentlich dünnen Papiers ist ein Inhalt von über 1000 Seiten auf Daumendicke zusammengepceßt.
Der 27. Jahrgang deS „Deutschen Hausschatz" (1901) (geb 9.80 Mk ) präsentirt sich als eines der schönsten und ansprechendsten Festgeschenke. Dr. Otto Denk in Regensburg ist seiner Aufgabe, dieses größte katholische Familienblatt auf der Höhe der Zeit zu halten, voll gewachsen. Die Bilder und Illustrationen find mit feinem Geschmack und technisch musterhaft ausgeführl. Viele ganzseitige Bilder und namentlich auch die farbigen Kunstblätter geben dem Bilderschmuck größerer Kunstzeitschristen kaum etwas nach. Es ist -in Genuß, in diesen Bildern auch nur zu blättern. Die mannigfachen Spalten des Blattes sind vorzüglich bedient und bringen stets Neues und Gediegenes. Der unterhaltende Theil bietet Romane, Novellen und Erzählungen von Kurt Yorke, Joseph Baierlein, Handel Mazetti, Sienkiewicz, Coloma, Anton Schott, M. Herbert, Fredik Billen, Potapenko, Alwin Römer, Hermann Hirschfeld und vielen Anderen.
Im Aschendorff'scheu Berlage in Münster i. W. begrüßen wir zunächst die dritte, verbesserte Auflage der „Le i tsterne auf dem Leb en sp f ade". Zweitausend Aussprüche neuer deutscher Dichter für Geist und Herz (mit vielen eingedruckten Beiträgen lebender Dichter), gesammelt und herausgegeben von Heinrich Keiler. Die Gattin des verstorbenen H. Reiter, die unter dem Namen „M. Herbert" so rühmlich bekannte und gefeierte Therese Setter hat den werth- vollen Schatz neuerstehen lassen und durch Beiträge jüngerer Poeten vorthellhast verbessert und modernisirt. Der mit Titelbild und zwölf Bildern im Text geschmückte prächtige Band wird sich zu den vielen alten Freundinnen und Freunden gewiß zahlreiche neue erwerben. (Goldschnittband 7 Mk.)
Das bei Aschendorff erschienene Prachtwerk „Gottes Reich auf Erden", in Wort und Bild, ober die Geschichte des Alten und Neuen Testamente» (nach Overberg) und Geschichte der katholischen Kirche bis auf die heutige Zeit, herau-gegeben von Dom- probst Dr. B er la ge und Domprobst Dr. Sch.-uffgen, hat nicht nm in der ganzen katholischen Presse, sondern auch beim deutschen Episcopat die wärmste Anerkennung gefunden. Der nut über 200 Bildern in Holzschnitt, einem Familienreglster und 17 Vollbildern in reichstem Farbendruck geschmückte, mit schönem, klarem Druck und rother Linienemfassung ausgestattete Band von saft 700 Seiten Großoktav kostet in reichem Leinrnband 12.50 Mk. Dasselbe Wert erschien in kleinerer Ausgabe als billiges Volksbuch (geb. 2.60) unter dem Titel „HauS- und Familienbibel" mit zahlreichen Textbildern.
Zu den kostbarsten Jugendschriften yböteit die zehn Prachtausgaben de» Aschendorn scheu Verlage» (mit zahlreichen Farbendruckbildern, Thonbildern und Textillustrattonen wahrhaft künstlerisch auSgestattet, elegant gebunden i 3.75 Mk ), heraus- gegeben und erläutert von Dr. O. Helling hau». Diese Ausgaben van „Robinson", dem »letzte« Kenianer", den „Ansiedlern", den „Bachstein'schen Märchen", der „Prämie", de» „Löwen von Flandern, des „Waeerley", da» „Opfer bet Revolution", der „Geschichte deS siebenjährigen Sriems" find an vor- nehmen, «eußern und gediegenem Material kaum «ehr zu Übertreffen.
schrei
X Aremrn, 10. De,. Für die außerordentliche Zunahme der bemschen Rhederet-Jnlerefsen, insbesondere aber auch für die Ausdehnung, welche der deutsche Schiffbau erreicht hat, ist der Umstand charakteristisch, daß der Ablauf oder die Einstellung von Schiffen, welche noch vor «an, kurzer Zett ihren Größenverhältniffen nach al» neues Ereigniß im Schiffbau gefeiert wurden, fich heute ohne jeder Auf. sehen vollzieht. Bor nunmehr 15 Jahren waren Eckiffe von 6 -7000 Tonnen nur etwa unter den größten Schnelldampfern vertreten und noch im letzten Jahrzehnt, d h. im Anfang der 90er Jahre galten Schiffe von 9000 Tonnen als die größten Fahrzeuge, welche den Ozean befuhren. In der Gegenwart hat sich daS geändert. In der allerletzten Zett find für den Norddeutschen Lloyd in Breme» mehrere Dampfer auf deutschen Werften und auS deutschem Material erbaut, zur Abfertigung gekommen, von denen jeder 9000 Tonnen und mehr mißt, kaum daß ein Telegramm von dem glücklich erfolgten Slapellauf ober von der Indienststellung der betreffenden Schiffe sprach. Wenn solche Dampfer auch hinter den Riefenschnelldampfern des Norddeutschen Lloyd — „Kaiser Wilhelm der Große" und „Kronprinz Wilhelm" — und der Barbaroffaklaffe zurückstehen, so bedeuten fie doch, sowohl nach ihren Abmeffungen, wie nach der durch den deutschen Schiffbau in ihnen geleisteten Arbeit, ein wesentliches Merkzeichen deutschen Fortschritts, und e» muß immer wieder daraus verwiesen werden, daß die Zunahme der deutschen Rhederei, die Einstellung von Schiffen größesten RaumgehaltS und die Beschäftigung der deutschen Schiffbau-Werften für die deutsche Rhederei einen national-ökonomischen Faktor von allerhöchster Bedeutung darstellen.
(») Klein« Nachrichten. Lin, a. Rh. Auf der Grube „Louise" bei Horhausen im Westerwald wwde durch zu frühzeitiges Losgehen eines SprengschuffeS zwei Stsllenhauer sofort getödtet. Di« Körper der Berunglückten wurde» entsetzlich verstümmelt ans Tageslicht befördert. — Ko bürg. Staatsminister Heutig ist vom Regierungsverwefer unter gleichzeitiger Verleihung des herzogl fachsen-ernestinischen Hau»- ordens in den Adelsstand erhoben worden. — Mitau. Eine Feuersbrunst zerstörte dasöOWerst von hier gelegene Schloß des Staatssekretär» Grafen Pahren. — Breslau Auf Anregung von höherer Stelle entläßt die Königs- und Lanrohütte zu Neujahr 800 ausländische, zumeist galizische Grubenarbeiter, um deutsche an deren Stelle zu beschäftigen. — Lübeck. In dem Elbe-Trave. Kanal bei Büfsau ist der Schleppdampfer „E. Bering" in Folge einer Kollisston mit einem Schleppkahn untergegangen. Der Maschinist ist ertrunken. — Basel. Im Bahnhofsgebäude von Hüningen wurde mittelst Einbruchs die Kaffe mit 2600 Mark ent« wendet. Der Thäter ist unentdeckt. — Eamblain (ArraS). In einer Lebmgrnbe wurden durch Ein- stürz zwei Arbeiter getödtet und zwei verwundet. — New-Iork. Carnegie plant die Stiftung einer nationalen Universität in Washington und hat dafür 10 Millionen zur Verfügung gestellt. — Görlitz. Hier traf am Donnerstag der Fehlsch uß eines Statisten während der „Räuber"-Borstellung den in der Kouliffe stehenden Schauspieler Steiner. Der Unglückliche erlitt eine schwere »ehrrnverletzung und brach blutüberströmt zusammen. Das Publikum erfuhr den traurigen Borgang erst, als es das Theater verließ. — Petersburg. Angeblich au8 Rache tödtete in Wesenberg in Esthland der Grenzsoldat Wilhelm Praks durch Flintenschuß zwei Kameraden und verwundete zwei andere lebensgefährlich; zwe« Strandbauern, die zu Hilfe eilten, wurden ebenfalls erschoffen. Der Mörder ist spurlos verschwunden.
• Da» Aigorolum eine» WaHuknnigen. Ein Fall, wie er vielleicht noch nicht dagewesen ist, ereignete fich dieser Tage an der Pester Universität. Bor einem Prüfungsausschuß der philosophischen Fakultät legte ein junger Kandidat NamenS Viktor L. die Pro- fessorenprüfung ab. Unter den Mitgliedern des PrüfungS- auSschuffes erregte eS förmliche Bestürzung, daß der Kandidat von einem Arzt und einem Wärter der Irrenanstalt im Leopoldifewe in den PrüfungSsaal begleitet wurde. Der Arzt theilte dem Examinatoren mit, daß Viktor L, der früher an einem Provinzial,ymnafium Kandidat war, durch angestrengte» Studiren geisteskrank geworden fei und gegenwärtig in der Irrenanstalt gepflegt werde Der junge Mann, die einzige Stütze feinet armen Mutter, äußerte auch im Jrrenhause unaufhörlich den Wunsch, die Profefforenprüfun, ab,ule,en, und die» wurde ihm endlich durch den Chefarzt f-eftattet L. bestand die Prüfung auf» glänzendste, und wurde ihm da» ProfeffurSdiplom auf der Stelle au-gefolgt. Dann be- «leiteten ihn der Arzt und der Wärter in» Irrenhaus zurück. — Diese merkwürdige Geschichte wird zwar von Wiener Blättern in ernsthaftem Tone er,ählt; wir möchten aber doch anuehmen, daß e» fich hier um eine in durchaus wohlwollender Absicht veranstaltete Schetn- prüfung handelt, die in Szene gesetzt wurde, um be» Geisteskranken zu beruhigen.
' »in merkwürdiges ^reisanslchreiden. Alle Romanschreiber wiffen, daß der Titel oft für den Erfolg eint» Roman» etne sehr große Bedeutung hat. Bon dieser Idee an»gehend, veranstaltet ein große» Londoner Blatt jetzt einen originellen Wettbewerb. Es veröffentlicht einen Roman uab ,u diesem soll nach bet «ollenbun« bet beste Titel gesucht werben.
• Kaserueuhofblüthe. Feldwebel (al» auf ferne Aufforderung, es sollten fich Freiwillige zum Dünget- wegschaffen melden, niemand tiorgetreten ist): „Ja, Kommißbrot naschen, da» möcht Jhr Kerle, aber dem Vaterland einen Dienst erweisen wollt Ihr nicht.
• Bo-Hast. Er (Sonntagsjäger): „Auf dem Wendelstein habe ich auch einen Herrn Hase von hier getroffen." — Sie: „Da» war wohl der erste Hase, den Du getroffen hast!"
Marktksrichtr.
* Würzburg, 7. De,. An den fej waren zugeführt: 6 Bullen, 87 Ochs