Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer

Dom-und Seiet» tage. Lierteljührl.

9nut aa» Verla« der fleSbaei XdwahnMkwl Peter»«-«e Ur. r (»arnuele).

«d Bestellgeld in tznlda und aus­wärts IM.bO Pf.

MtUNgW

Rabatt geroü

ft» Julerat« 2. Parzelle» tu Saldo. ** mit Anterhaktungs -Aeikage „Illüflrirte SoMtags-Zeitung"

Jti 282.

Jutda, Montag, ben 9. Dezember 1901.

28. Jahrgang.

Rede des Ab,. Herold (guten) »der dir MtnifMqi.

Gehalten im Reichstage am 7. Dezember.

Meine politischen Freunde stehen auf dem Stand­punkte, daßLandwtrthschaft und Industrie gleichberechtigt nebeneinanderstehen und daß sie darum auch in gleicher Weise deS Schutzes be­dürfen. Bei de» schwierigen Verhältnissen, in denen sich die Landwirthschaft befindet, muß daher eine Erhöhung der landwtrthschaftlichen Zölle in stärkerem Maße vorgenommen werden, als die der industriellen. Sonst würde eben der Schu kein gleichmäßiger mehr sein. (Sehr richtig!) Wenn die Verschuldung des landwtrthschaftlichen Grund­besitzes in dem Maße fortschreiten sollte wie in den letzten Jahrzehnten, dann wird nach ungefähr 60 Jahren der Grundbesitz in seinem vollen Werthe verschuldet sein und damit wäre die von sozia« demokratischer Seite vorgeschlagene Expropriation bereits vollzogen. Die Frachtsätze find heute so herabgemindert, daß für 2 Jh. 60 eine Tonne Getreide von New - Jork nach Hamburg trans- portirt wird; das macht 12 Vs s? pro Centner. Dabei befinden fich die Länder, die uns auf Grund dieser billigen Frachtsätze mit landwirthschaftlichen Produkten überschwemmen, auf einer so niedrigen Kulturstufe, wie wir sie ffür Deutschland nicht herbeiwünschen können. In Deutschland wohnen auf dem Quadrat - Kilometer 104 Personen, im europäischen Rußland nur 18, in Amerika 7, im asiatischen Rußland 1, in Argentinien l1 /,, in Brasilien 1,8 und in Australien gar nur 0,5. Daß wir unter solchen Verhältniffen nicht so billi, produziren können wie diese Länder, das lieg doch ohne Weiteres auf der Hand.

Nun wird gesagt, nur der Großgrund­besitz werde von der Zollerhöhung Nutzen haben. Darin liegt die Schwäche Ihrer Position. Die l1/» Millionen Bauern anzugreifen, das wage» Sie nicht, deshalb richten Sie Ihre Angriffe gegen die paar Tausend Großgrundbesitzer. Aber Sie vergeffen dabei eins: die ganze landwirthschaftliche Bevölkerung ist von der Bewegung ergriffen wor­den, die Sie eine agrarische nennen. Eine solche allumfassende Bewegung aber kann nicht allein durch eine Agitation heroorgerufe» werden, sie muß einen berechtigten Grund haben, und der liegt in der Roth der Landwirthschaft. (Beifall und Zustimmung.) Nun wird weiter gesagt, der Großgrundbesitz werde in erster Linie den Nutzen von höheren Getreidezöllen haben. Umgekehrt liege die Sache!- Der Großgrundbesitz wächf gerade dann, wenn der kleine Bauer nicht mehr existenzfähig ist. In guten Verhältnissen verkauft der Bauer niemals sein Grundstück (sehr richtig!), das thut er nur, wenn er sich t» Noth befindet, und dann ist es eben der Großgrundbesitz und nicht zu vergesse» das Großkapital, die darüber herfallen! (Sehr richtig!)

Wir wollen aber nicht nur der Landwirth­schaft helfen, wir wollen auch die Industrie fördern. Die Industrie soll nicht auf ihrem jetzigen Standpunkt stehen bleiben, wir wollen, daß sie sich weiter entwickele und dadurch in die Lage gesetzt wird, neue Arbeitsgelegenheit zu schaffen, aber diese Entwickelung soll nicht er­folge» auf Kosten der Landwirthschaft (Beifall). Sonst hat die Landwirthschaft allerdings kein

Das goldene Kreuz.

Erzählung von Irene v. Hellmuth.

3) ------(Nachdruck verboten.)

Zum unbeschreiblichen Aerger Mariens hatte» ihre Kollegi»nen, — lauter übermüthige, junge Mädchen, — ihr de» Spottnamen „Das Käuzchen", betgelegt, wegen der schwarzen Kleider, die sie immer tragen mußte.

O, es würde auch zu ihr einmal kommen, da« große Glück, von dem sie so unablässig träumte, und das ihr stets vor Augen schwebte. Wenn sie des Abends bei ihrer mütterliche« Freundin saß, und dieser von den Wünschen und Hoffnungen erzählte, die sie hegte, dann nickte diese wohl lächelnd dem jungen Mädchen zu und dachte dabei, wie lange es doch schon her war, daß auch sie dergleichen geträumt und er« sehnt. —

Achtzehn Jahre war Marie nun alt. Wer hat ihn in diesem Alter nicht geträumt, den goldnen Traum vom zukünftigen Glück? Wer hat fich nicht in süßen Hoffnungen gewiegt, und das Unerreichbare sich so nahe gewähnt, so nahe, — daß man nur di- Hand auszustrecken brauchte, um es zu faffen und festzuhalten?

So ging es auch Marien. Ihre lebhafte Phantasie malte ihr die Zukunft im rosigste» Licht: Wenn ein reicher Freier an ihre versteckte, niedrige Thüre klopfen würde, und wenn sie ihm folgen durfte in sein schönes, großes Haus, dann wäre ihr Segenswunsch erfüllt,

Jntereffe an der Förderung der Industrie. Das Beispiel Englands, dieses hochentwickeltsten In­dustriestaates der ganzen Welt, gibt uns in dieser Beziehung, denke ich, ein abschreckendes Beispiel; die Industrie blüht, aber die Land­wirthschaft geht immer mehr zurück, weil eben die Lebensmittel aus dem Auslande bezogen werde» zu Preisen, bei denen die eiggte Land­wirthschaft nicht existiren kann. Auch die Aus- fuhrindustrie wollen wir nicht nur erhalten, son­dern ausdehnen; aber wir wollen doch nicht ver­geffen, daß der sicherste Absatzmarkt für unsere Industrie unter alle» Umständen daS Inland bleibt, während die ausländischen Absatzmärkte um so mehr für uns gefährdet werden, als das Ausland in seiner industriellen Entwickelung fortschreitet (Beifall und Zustimmung).

Nun wird gesagt, wenn wir die Zölle er­höhen, so bekommen wir keine neuen Han­delsverträge. Abg. Gothei» sagte: wenn wir nehmen wollten, müßten wir auch geben. Umgekehrt, durch den neuen Zolltarif wollen wir uns eben erst die Positionen schaffe», auf deren Grundlage wir etwas geben könne», denn zur Zeit haben wir gar nichts zu geben. (Sehr richtig!) Eist wen« wir einen guten Zolliari haben, sind wir in der Lage, den von Herrn Gothein proklamirten Grundsatz zu verwirklichen. Im Uebrigen ist unsere Position schon deshalb günstig, weil der größte Theil unserer Ausfuhr nicht zu denjenigen Staaten geht, die uns mit ihren wirthschaftlichen Produkten überschwemmen Diese: Rußland, Amerika, Argentinien und Oesterreich beziehen insgesammt nur 28,3 pCt. unserer Ausfuhr, während andererseits z. B. die kleinen Niederlande 8,3 pCt. unserer Gesammt- ausfuhr von uns beziehen. Dagegen ist auf der anderen Seite unsere Unterbilanz gegenüber Rußland seit 1897 auf das 1 Vs fache, gegenüber Nordamerika aus das 4sache, gegenüber Oester­reich auf daS 21/sfad>e gestiegen. Diesen Staate» gegenüber ist also unsere Position von vornherein keine ungünstige. Ich fürchte auch nickt, daß durch Aufstellung eines Mintmaltarifs die Han­delsvertrags - Verhandlungen erschwe t werden könnten — im Gegrntheil, wenn da ■ Ausland weiß, daß es sich hier um Mtndcstsi handelt, unter die die Regierung unter keinen (imständen heruntergehen kann, so werden sich dadurch die Verhandlungen ganz erheblich vereinfachen (Bei­fall und Zustimmung).

Dan» noch ein Wort über die Meist- begünstigungsverträge. Bei der noblen Auslegung dem Auslande gegenüber, wie sie von unserer Seite beliebt wird, sind die Meist­begünstigungsverträge eigentlich keine Meistbe- günstigungSverträge mehr, sondern Vorzugsoer. träge gegenüber anderen Staaten, mit denen wir gar keine Verträge abgeschloffen haben. (Sehr richtig!) Die Staaten, mit denen wir Handelsverträge abschließen, müssen uns Kon­zessionen machen, uad die meistbegünstigien Staaten kommen zu den Vortheilen der Ver­träge ohne jede Konzession. (Sehr richtig!) Das ist ein Verhältniß, von dem meines Er- achtens in Zukunft keine Rede mehr fein kann. Nun spricht man von der Einwirkung der Zoll­erhöhung auf die Konsumentin, und es find unS herzergreifende Schilderungen von drr

Freilich, ste mußte daS Ihrige dazu beitrage», ich putzen, daß fie einem so reichen Mann gefiel, aber woher die Mittel nehmen?

I» diesen Tagen kam ihr öfters der Gedanke a» das werthvolle, goldene Kreyz, das gar nicht h ihr armseliges Stübchen hineirpaßte. Wenn te es verkaufte, würde man ihr ein schönes Stück Geld dafür geben, und fie könnte fich neue Kleider kaufen, und geschmückt gehen, wie die Anderen; man würde sie bewundern, beneiden. Anfangs wies fie solche Gedanken zurück, aber ie kamen wieder und wieder, es ließ ihr keine Ruhe mehr. Was war es mit dem Kreuz? Der Mutter war es ein theuereS Andenken gewesen, hr selbst wohl auch, — aber wenn man in Noth ist, waS soll man machen?

Sie redete fich so tief in ihre angebliche Noth »nein, daß sie großes Mitleid um sich selbst ühlte.

„Schließlich,- beruhigte st. fich, „vielleicht komme ich bald zu Geld, man tann’S nicht wissen, — dann kaufe ,ch mir das Kreuz zurück, — ja­wohl. bann kann ich."

Es stellten fich freilich wieder Bedenken anderer Art ein, und Marie schwankte stets hin und her, was fie thun solle.

Aber da kam etwas, das den Ausschlag gab.

„In einigen Wochen," äußerte der Chef ein TageS, „feiern wir das 25jährige Bestehen unseres Geschäftes durch ein großartiges Fest, wozu alle Bediensteten eingeladen werden. Zu­erst ein feines Abendessen, daran schließt fich dann ein kleiner Ball, also meine Herrschaften, rüste» Sie sich!"

herrschenden Noth gemacht worden. Die gegen­wärtige Nothlage hat aber doch mit dem neuen Zolltarif absolut nichts zu thun, fie hat sich entwickelt auf der Grundlage eines Handels fystems, für das Sie (nach links) selbst die Verantwortung tragen! Sie (zu den Sozial- demokraten) reden immer von den Interessen der Arbeiter. Aber der Landwirth und auch die Bauersfrau, die von früh bis spä mitschaffen und mitarbeiten muß — schwerer vielleicht als manchmal die Frau eines Lohn­arbeiters (Sehr richtig!) — sie sind doch aut > Arbeiter und ihre Arbeit hat doch auch An­spruch auf ausreichende Entlohnung. (Lebhafter Beifall.) Wenn Sie (nach links) dafür kein Verständr.iß und kein Jntereffe haben, so zeugt daS nicht gerade von Mitgefühl für die Arbeiter (Beifall.) Sie (zu den Sozialdemokraten werfen uns, die wir für den Zolltarif eintreten, mangelndes Jntereffe für die Bedürfnisse der Arbeiter vor. Eine Partei, die zuerst vor ollen Parteien für eine wirksame Arbei,terschutzgesetzgebu»g etngetreten ist, sollte man doch mit einem solchem Vorwurfe verschonen! (Beifall im Centrum.)

Die Lebensstellung der Arbeiter wird bedingt durch die Differenz zwischen ihre» Ausgaben und Einnahmen. Abgeordneter Richter sagt, es se> eine Hinterwälderpolitik, nur kein Geld aus­geben zu wollen. Ich glaubte, als ich daS hörte, mit Richter bei dieser Debatte Arm in Arm marschiren zu können, aber int wetteren Verlause der Rede zeigte sich, daß er aus dem Wälder lande gar nicht herausging, Das wirth- schastliche Leben läßt sich nicht nach den grauen Theorien Richters umforme», es geht seinen eigenen Weg. Die Verhältnisse haben sich ge­ändert, und damit müssen sich auch die wirth- schaftspolitischen Maßnahmen ändern. Die Landwirthschaft beschäftigt mehr Arbeiter, als die Sesammtindustrie mit de» Handwerksbet« ieben zusammen. Wen» schon durch den N -d-rgang dieser Gruppen großes Elend entsteht, um wie viel größer würde der Nothsiund f’in, wenn die Landwirthschas ruinirt wäre.

Wi^ können der Landwirthschaft nicht die Interessen eines einzelnen Industriezweiges ent« gegenhalten, soadern die Interessen der Gesammtheit des Landes müssen aus­schlaggebend fein. Die zahlreichen Haideflächen in unserem Vaterlande sind die Folgen der Ent­völkerung nach dem 30jährigen Krieg. Bleibt die Landwirthschaft unrentabel, dann werden sich die unbebauten Flächen vermehren, die Landar­beiter werden den Städten und Jndustriegegende» zuströmen und dort auf die Löhne drücken und die Kaufkraft der Bevölkerung schwächen. Nie­mand kann osrhersehen, wie das Erwerbsleben sich dann weiter gestaltet. Die Sozialdemo­kratie will den Zolltarif ausnutzen, um die Ar­beiter für sich zu gewinnen. Damit sorgt sie nicht sür das Wohl der Arbeiter, sondern für ihre Parteizwecke. Dir Arbeiter werden nicht so dumm fein, daß fie dies nicht einsehen werden. Ihre Berechnungen, die Sie hier vortragen, sind nicht richtig; wir w'rden nicht verfehlen, im Lande die Unhaltbarkeit und das Falsche Ihrer Voraussetzungen darznthun. Nur bezüglich der

Wochenlang wurde im Geschäft und auf dem Heimwege von nichts Anderem gesprochen, als von dem Feste. Wie sie sich alle freuten, die ge­schwätzigen Mädchen, wie Eine die Andere zu überbieten trachtete. Nur Marie schwieg still, fie sagte kein Wort za alledem.

„Nun, Käuzchen, bist ja so gedrückt," neckten )ie Andern. „Wirst Du denn zum Feste wieder als „Käuzchen" erscheinen? Oder wirst Du uns überraschen! He, was wirst Du denn für eine Farbe tragen, himmelblau oder rosenroth?"

Marte entgegnete nichts. Aber in ihrem Herzen kochte die Wuth, die kleinen Hände ballten ich zur Faust. „O, nur einmal den Verhaßten eigen zu können, daß man auch Geschmack besaß, >aß man es verstand, fich zu kleiden, — welche Wonne mußte das sein. „Das Kreuz", raunte hr eine Stimme zu, doch eine andere Stimme agte „rein", und wollte auch nicht nachgeben.

„Wirst Du denn beim Feste nicht erscheinen?" ragte Trude die Freundin.

„Wie sollte ich?" entgegnete diese in er­wachendem Trotz. „Soll ich mich verspotten affen in dem abgetragenen schwarzen Kleide? Nein, nein, nur das nicht!"

„Hm — freilich," machte die Andere, „hast S )u denn nichts, war Du zu (Selbe machen könntest, rgend ein Schmuckstück oder dergleichen?"

„Ich hätte wohl etwa«, — aber ich trenne mich so schwer und so ungern davon."

„Aber bist Du albern, Marie, wer wird denn o sentimental sein," redete Trude eifrig zu. — „Geh' und schau, daß Du auch einmal zu einem Vergnügen kommst, hast ja noch nie etwas gehabt!"

Viehzölle will ich Ihne» gleich erwidern Vo» einer Erhöhung der Fleischpreise in Folge hoher Viehzölle kann gar keine Rede sein; den» die Virheinsuhr ist jetzt in Folge der Grenz­sperre» ga»z minimal und die höchste» Zölle werden keine geringere Einfuhr bewirken können. Wir verlangen «jetzt nur deshalb höhere Vieh­zölle, weil die Sperren aufgehoben werden könnten. Die Grenzsperre» haben übrigens keine Preissteigerung für Vieh zur Folge gehabt, im Gegenthetl: die Preise sind thatsächlich herunter» gegangen. Die Einfuhr des Fleisches ist von 1894—1900 um 36 Prozent zurückgegangen, ein Beweis, wie die inländische Fleischproduktio» gesteigert werden kann, wen» Kaufkraft vor» Händen ist.

Für de» Fall, daß ei» indirekter Nachtheil der Arbeiterbcvölketung aus den höhere» Agrar­zöllen eintreten sollte, haben meine politischen Freunde schon im vorigen Jahre gefordert, daß die Mehreinnahmen für Wohlfahrtszwecke im Jntereffe der Arbeiter, in erster Linie für eine Wittwen- und Waisenfürforge verwendet werden. Wir werden Vorsorge treffen, daß kein Zolltarif zu Stande kommt, in dem die Verwendung dieser Mehreinnahmen nicht gesetzlich festgelegt ist. Wir werden Sorge tragen, daß die Regierung später nicht nach ihrem Ermessen allein bandeln wird. Wenn die Agrarzölle keine Mehreinnahmen gäben, werde die Voraussetzung dafür sein, daß die inländische Produktion sich in ganz außer­ordentlichem Maße steigerte, und dann würde die Lage der Arbeiter so günstig sein, daß sie die erhöhte Fürsorge für ihre Wittwen und Kinder gar nicht nöthig hätten. (Sehr richtig.) Würde sich aber die Mehreinnahme Herausstellen und die neue Versicherung ins Leben treten, dann würden die Arbeiter dies mit Einmüthig- keit begrüßen und denen danken, die dafür ge­sorgt haben, wenn ste dahin auch indirekt ein Agrarzoll tragen müssen.

Redner verweist schließlich darauf, daß ein prinzipieller Widerspruch gegen die Zoll­vorlage nicht erfolgt fei. Uneinigkeit herrsche über die Höhe der einzelnen Zölle. Er hoffe, daß es gelingen werde, hierüber zu einer Einigung zu kommen, die alle» Berufsständen zum Segen gereicht. (Lebhafter Beifall.)

Deutsches Deich«

Berlin, 7. Dezember.

x Das Ileichsdefizil beziffert sich nach den Voranschlägen für den RetchShauShalt, wie fie aus dem BundeSrathe herauSgekommen find, auf 589/io Millionen Mark. Erst wurde von 100, bann gar von 140 Millionen gesprochen. Nach­her würbe berichtet, eS habe fich nach ben ersten Zusammenstellungen des ReichshauShaltSetats ein Fehlbetrag von rund achtzig Millionen ergeben; im BunbeSrathe muß alko schon ganz wacker von bet Ausgaben abgestrichen worden sei», daß es fich jetzt nur noch um rund 59 Millionen handelt! Nun wurde vor einigen Wochen in einem halbamtlichen Berliner Organ angedeutet, dieser Fehlbetrag solle durch eine neue Reichsanleihe gedeckt werden.

„Ja, ich will es," rief Maris, einen schnellen Entschluß fassend, „ich will es!"

.Noch an demselben Abend wurde bas Kreuz von dem Nagel genommen, sorgfäftig in ein großes Papier gewickelt und fortgetragen. Der Händler, ein gelbes, dürres Männchen schmunzette vergnügt, als Marie ihm ihr Kleinod zum Kaufe anbot. Doch sie bemerkte in der übergroße», ieberhaften Erregung nichts davon. Ihre Hände itterten merklich, als sie die Summe in Empfang nahm, die bet Alte ihr einhändigte. Schnellfüßig eilte sie dann in das nächste Modewaaren-Magazin und wählte unter den Stoffen, Spitzen und Bän­dern herum. Ihre Augen glänzten, ihre Wangen glühten. Sie sah sich im Ballsaal als eine der chönsUn in dem Hellen Kleide, mit Blumen im Haar!

So wanderte Marie eilfertig nach Hause, das Packet im Arme. Als fie ihr kleines Stübchen ietrat, fiel ihr erster Blick auf die Stelle an der Wand, wo bisher das Kreuz gehangen. Ein un­aussprechlich wehes, banges Gefühl kam urplötzlich über sie. — Wie war ihr nur? Gerade als hätte e einen guten, treuen Kameraden, der bisher £reub und Leid redlich mit ihr getheilt, ver- oren, als stände fie nun erst ganz verlassen, ganz einsam, ganz hilflos in der Welt. Sie schlug die Hände vor bas Gesicht und weinte und schluchzte, als sollte ihr bas Herz brechen vor Weh. War alte fie gethan? Das theure Andenken bet Kutter, das diese ihr sterbend noch ans Herz ge­egt, das ihr Trost im Leiden gewesen war- hatte le verlaust um eitlen flüchtigen Tandes willen!

Um sich zu schmücken, zu putzen, um zu prahlen! O pfui, wie häßlich, wie abscheulich!