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mit Anterhattungs -Meilage .Lssustrirte Sonntags-Zeitung" pdmgefc 0». e OtomtotM.

JH 280. Jutöa, Freitag, bett 6. Dezember 1901. 28. Jahrgang.

Dr. K. Weihnachtsbücherschau 1901. IV.

(Nachdruck verboten.)

Die Allgemeiue BerlagS-Gesellschaft m. b. H. ia München (Prinzregentenstraße 26) hat sich durch die Ausführung des von der Leo-Gesellschaft in Wien herausgegebenen Prachtwerkes „Die Katholische Kirche unserer Zeit und ihre Diener in Wort und Bild* ntten Ruf erworben, der durch andere vornehme Verlagswerke seitdem noch vermehrt und befestigt wurde. Im Verlage der Gesellschaft erscheint jetzt auch in geschmackvoller moderner Ausstattung die „Literarische Warte*: Monatsschrift für schöne Literatur, herausgegeben von der Deutschen Literatur- Gesellschaft. Man hat dieser unter der thatkräftigen Redaktion von Anton Lohr stehenden Monatsschrift den Vorwurf gemacht, daß sie bei Ausführung ihres ersten Programmpunktes: „Die Katholiken Deutsch­lands durch vorurtheilsfreie, aber scharfe Beurtheilung der gesammten, speziell der katholischen belletristischen Ltteratur über das schöngeistige Leben der Gegen­wart, auf dem Laufenden zu erhalten*, den Nach­druck etwas zu sehr auf daS Wörtchen „scharf* ge­legt habe, und zwar nicht etwa den Gegnern, sondern verdienten älteren katholischen Autoren gegenüber. Eines aber läßt sich nicht leugnen: Ehrliches Streben nach dem Schönheitsideal und eine unantastbare katho­lische Gesinnung beseelen die Schöpfer und Mitarbeiter, »nd hervorragende Talente suchen sich in der „Liter. Warte" Bahn zu brechen. Der Jahrgang 1901 liegt jetzt abgeschlossen vor und ist in 12 Heften zu 6 Mk., gebunden 7.50 Mk. zu beziehen.

Das großartige Prachtwerk „Die katholische Kirche unserer Zeit" steht in seiner Art einzig in der Welt da. Welche Unsumme von geistiger Arbeit und von technischem Können ist in diesen drei Bänden vereinigt! Als vor drei Jahren das Unternehmen zuerst bekannt wurde, hat wohl Mancher gezweifelt, ob es gelingen werde, die Riesenaufgabe in der ver­sprochenen Form und Ausdehnung völlig zu lösen. Aber es ist gelungen, dank vor allem dem unermüd­lichen Eifer des geistigen Hauptleiters Dr. Paul Maria Baumgarten und der übrigen Bearbeiter, Charles Daniel, Dr. Anton de Waal, Dr. I. Schlecht sowie vieler hervorragender gelehrter Mit­arbeiter, dank aber auch einer auf der vollen Höhe moderner Leistungsfähigkeit stehenden Druckerei (Büxen» stein in Berlin). Der vornehmen Ausstattung in Druck, Illustrationen und Papier entspricht der herr­liche monumentale Einband mit dem außergewöhn­lichen Schnitt an den Einschlagblättern, deren Sym­bolik das Werk auf den ersten Blick charakterisirt. Wir haben Einzelheiten des Riesenwerkes schon während des Erscheinens gewürdigt. Blicken wir heute auf das Ganze zurück, so kann es nur mit dem Ausdruck un­eingeschränkter Bewunderung geschehen. Schon beim bloß;« Durchblättern der drei Prachtbände muß jedes katholische Herz höher schlagen. Wo gibt es eine Weltinstitution, deren reichgegliederte und bis in's Kleinste harmonische Organisation sich der katholischen Kirche an die Seite stellen könnte! Es ist das erste Mal, daß ein Gesammtbild der katholischen Kirche in dieser Vollständigkeit und Anschaulichkeit auf Grund amtlich-authentischen Materials und mit einem so aus­gedehnten, ja fast erschöpfenden Jlluftrattons- und Bilderschmuck den Katholiken dargeboten wird. Es wäre nur zu wünschen, daß nicht bloß begüterte Privatleute, sondern auch Vereine, Lehranstalten, Jn- mtute, Bibliotheken und Lesesäle das ganze dreibändige Werk anschaffen, damit es nicht später wieder einmal heiße, die Katholiken wüßten das, toal ihnen geboten werde, nicht recht zu würdigen. Was aber die G'nzelanschaffung anbelangt, so ist zunächst zu °swerken, daß jeder Baud ein in sich abgeschlossenes Ganzes bildet, also auch allein gekauft werden kann. Der Preis von je 36 Mk. für bett ersten und zweiten Band, von 25 Mk. für den dritten Band ist in An- ?*"acht des werthvollen, ja kostbaren Inhaltes und ber glänzenden Ausstattung kein übermäßiger. Um vie Anschaffung zu erleichtern, hat die Allgemeine Ber- wgSgescllschaft die Einrichtung getroffen, daß jeder Band einzeln komplet gebunden sofort gegen bequeme monatliche Theilzahlungen von ?""vkstkns 1,50 Mk. bei einer Anzahlung von 5Mk. bezogen werden kann. Der hl. Vater hat das B^rk durch ein anerkennendes Breve ausgezeichnet, von allen Kirchenfürsten ist eS al» ein Denkmal katholischen Kirche warm empfohlen worden. Der erste Band behandelt Rom, das ^verhaupt, die Einrichtung und die Verwaltung der «qammtkirche. Der. Text umfaßt 720 Seiten. Der 9^tv,muct besteht aus einem Farbendruckbildniß *«* XIII., 60 Tafelbildern und 1200 Textabbil- faml« Der ganze hierarchische Apparat der Ge- ^«mmmrche wird dem Leser auch in mustergiltigm MatS veranschaulicht. Der zweite Band ist für al« tl<^en Katholiken insofern der interessanteste, nx®-™ Gliederung und Einrichtung der sämmt- fcr; Diözesen an der Hand de» von den kirchlichen athMidSr* selbst zur Verfügung gestellten Material» ®» ist Heimathluft, welche in diesen »na '"'weht; ungezählte, wohlbekannte Köpfe grüßen toiehJv c wtt vollendeter technischer Präzision Klgtz.^Sebenen Porträtbildern, deutsche Kirchen und Tert charakteristische Landschaften beleben den IZ^Der zweite Baud enthält 720 Seiten mit 4 14Ö0 Wp •»*«« in Buntdruck, 71 Tafelbilder»,

D-Mlustrationen und mehrere statistische Tafeln.

Der dritte Band schließt da» Werk ab und behandelt: „Da» Wirken der katholischen Kirche auf dem Erdenrund mit besonderer Berücksichtigung der Heidenmissionen* (464 Seiten mit 1 Farbenbild, 4 geographischen Karten, 2 Doppelkarten in Bunt­druck, 38 Kunstbeilaben, 588 Textillustrationen, 6 statistische Tafeln). Einem allgemeinen Theil über die Misfionsthätigkeit der Kirche folgen Abschnitte über die fünf Erdtheile und ihre kirchliche Organisation. Der letzte Abschnitt schildert die MisfionSthättgkeit und MisfionSerfolge. Eine schöne endlose Folge von Bildern und Illustrationen bringt die ftemden Länder und Völker und ihre kirchlichen Eigenthümlichkeiten unserer Vorstellung näher. In der That ein einzig­artiges, monumentales Werk, da» der Leo-Gesellschaft, dem Herausgeber Dr. Baumgarten und der Verlags- Gesellschaft alle Ehre macht!

Die Allgemeine VerlagSgesellschast bietet Jung und Alt ein neues deutsches Volksbuch, das als WohnachtS- gabe überall freubige Aufnahme finben wird. Der durch seine Legendenforschung und als fteifinniger Kunstkenner bestens bekannte Dr. Richard von Kralik hat den deutschen Sagenkreis durch Bear­beitung einer aus dem Mittelalter stammenden, durch Gaston, Paris, erneuerten altfranzöfischen Dichtung in dankenswerther Weise bereichert. „Die wunder­baren Abenteuer des Ritter» Hugo von Baldig al, Herzog von Aquitanien, und der schönen Klarnunde, sowie deS Elfenkönigs Oberon" gehören dem großen karolingischen Sagenkreise an, sind also echt deutschen Ursprünge». Richard von Kralik hat die Schönheiten des mittelalterischen Originals mit herzerfrischender poetischer Kraft und Aumuth der Empfindung des deutschen Volkes wieder erschlossen. Hugo (btr französische Huon) besteht unter bem Schutze beä mächtigen Zwergenkönigs Oberon alle Gefahren, bie ihm auf seinem von Karl bem Großen befohlenen Sühnezuge nach Babylon entgegentreten. 11 farbige Tafelbilbern veranschaulichen in flotter, künstlerischer Zeichnung bie Hauptscenen der Dichtung. Ein wahres Prachtstück ist das Titel- und Deckelbrld de» Ritter» Hugo auf seinem feurigen Rosse. Ueberhaupt wird die hochelegante Ausstattung dieses Großoktav Bandes (Goldrücken und Golddecken) allgemeinen Beifall finden. (Preis geb. 7.50 M.)

Ein willkommenes Geschenk für Kunstfreunde und Kunstkenner ist das geistreich geschriebene Werk „DaS Jubeljahr 1500 in der Augsburger Kunst* von Dr. I. E. Weis in Liedersdorf. Eine Jubiläumsausgabe für das deutsche Volk (241 Seit., Groß Oktav mit 106 Abbildungen, 10 M., kart. 12 M.) Dr. Weis hat den denkwürdigen Gemäldecyklus, der unter dem Eindruck des Jubeljahres 1500 im Katharinen­kloster zu Augsburg entstand und die sieben Haupt­kirchen Roms behandelt, weiteren Kreisen zur An­schauung und zum Verstäudniß gebracht. Nicht bloß die Meister HanS Holbein der Weitere, Hans Burk- maier und Leo Fräs und ihre Bilder, sondern auch Welt, Kunst und Kirche um da» Jahr 1500 werden in hochinteressanter Weise geschildert.

In demselben Verlage erschien die 2. Auflage von „Judas Ende*, historischer Roman anS den An­fängen des Christenthums in Rom von Anton de Waal (mit 2 Tafelbildern, geb. 4 M.) Der Ver­fasser hat sich als Kenner der Katakomben und des Zeitalters der ersten Christen in Rom einen Namen gemacht und ist auch als Meister der Darstellung an­erkannt. Der historische Hintergrund des Romans ist der Untergang Jerusalems und der Triumphzug des Bespasian und Titus in Rom. Das junge Christen» thum erhebt sich neben dem untergehenden Juda. Ein herrliche- Buch für die reifere Jugend und das Volk!

An der Klosterpforte.

WeihnachtSbilder von Dr. Armin Raufen.

------ (Nachdruck verboten.)

Geheimnißoolle Dämmerung lag über dem Chor und dem Seitenfchiff der Kapelle. Da« ewige Licht in der rothen Ampel vor dem Hoch­altar flackerte unruhig im Lustzuge. Durch die offene Thür, die festlich zum Kloster führte, warf der Helle Strahl der Konidorlampe einen breiten Lichtstreifen über die Hellen Steinflieseu und weckte auf den Goldlinien der Wände «nd der Hetligen- statuen blinkenden Widerstrahl.

Geschäftigen Schritte» eiste eine Nonne fast unhörbar durch den Raum und machte vor dem Sitar im rechten Seitenschiffe Halt. Auf der obersten Stufe angelangt, zündete sie vorsichtig zwei Kerzen an; dann begann sie mit geschickten Händen den Altar zum morgigen Feste zu schmücken.

Dem Prager Jesukinde, da» alljährlich in der Weihnachtszeit den Ehrenplatz auf dem Seiten­altar einnahm, widmete sie eine fast zärtliche Auf­merksamkeit. Mehrmals wurden die Blumen und Vasen, die Kandelaber und Lichter, welche da« göttliche Kind mit den ernsten strahlenden Augen umgaben, umgestellt, um eine erhöhte Wirkung zu erzielen. Schwester Ludmilla war in ihrer Art eine Künstlerin. Keine verstand e« so gut wie sie, den Avarschrnuck dem Charakter de» Feste« anzupaffe».

Die Schwester war so eifrig in ihren Altar­dienst vertieft, daß sie der gedämpften Stimmen, die bald ernst, bald leise kichernd au« bem Setten- schiff hervordrangen, kaum achtete.

Drüben waren mehrere Rönnen mit Zöglingen be» Erziehung*Institut« emsig bemüht, die letzte

orbnenbe Hand an die prächtige Krippe zu legen, die eine besondere Sehenswürdigkeit de« Kloster« war.

Schwester Ludmilla hatte nicht bemerkt, daß ein junge« Mädchen sich dem Altar näherte. Erst al« sie sich anreden hörte und die Bitte vernahm, einen Augenblick hinüberzukommen, die Krippe sei fertig, wandte sie den Kopf zur Seite. Eben wollte sie antworten, da geschah etwa« Gräßliche»: Ein schwerer Stein durchschlug da« neben dem Altar liegende, ziemlich niedrige Fenster und stre fte den Kopf der Nonne. Der jähe Aufschrei der Getroffenen mischte sich mit dem Klirren der Glasscherben, dem dumpfen Fall de« Steine« und dem Jammern de« zu Tode erschrockenen Mäd­chen«, da« der einzige Zeuge de« Vorgänge» ge­wesen war.

Die herbeieilenden Nonnen und Zöglinge fanden Schwester Ludmilla bewußtlo« vor den Stufen be« Altar« liegen. Da« Gesicht und die weiße Sftrnbinde waren mit Blut übergoffen und unterhalb der rechten Schläfe klcffle eine breite Wunde. Während man die Wunde auswusch, kam Schwester Ludmilla wieder zu sich und öffnete ihre Augen.

Ihre erste Frage war: „Hat da« Jesukind keinen Schaden genommen, ist auch sonst am Altar nicht« gebrochen? — Gott sei Dank! — Dann bin ich beruhigt. — Mir wird schon bessert

Man bettete die Schwester vorläufig im Sprech­zimmer auf dem Sopha, der schnell herbeigeholte Arzt meinte, nur die zufällige Wendung de« Kopfe« habe der Schwester da» Leben gerettet. Der Schädel wäre sonst völlig zertrümmert worden.

Da« Wurfgeschoß war ein Pflasterstein. Wer war der Ruchlose, der von der Straße her den Stein in die heilige Stätte geworfen hatte? Die polizeilichen Nachforschungen ergaben, daß am Nach­mittage mehrere Burschen in einer benachbarten Wirthschast gezecht und wüste Reden über Priester und Nonnen geführt, auch Skandaibroschüren gegen die Klöster vertheilt hatten. Etwa ein Dutzend Arbeiter waren zugegen gewesen, die meisten hatten aber von den Hetzern nicht viel wiffen wollen und waren nach kurzem Verweilen nach Hause geeilt. Drei Kerle, die halb betrunken und gröhlrnd die Straße neben der Kapelle passtrt hatten, waren schwer verdächtig, kennten aber durch zufällige Zeugen ihre Unschuld nach­weisen.

In den Weihnachtstagen sprach man in der ganzen Stadt von dem Vorfälle, und er fehlte auch nicht an gehässigen Leuten, die den Zu­sammenhang genau wissen wollten. Hier erzählte man, ein Bettler sei an der Klosterpforte rauh abgewiesen "worden, dort zischelte man sich einen förmlichen Roman zu: Ein armer Verwandter einer Nonne sollte Rache geübt haben, weil da« Kloster ihr ganze« Vermögen verschlungen habe. Doch der wahre Sachverhalt blieb unaufgeklärt.

Noch nie, so lange da« Kloster stand, hatte die Kapelle am Christfeste so viele Beter gesehen. Aber auch von denen, welche nur au« Neugier kamen, ging Mancher, ergriffen von der Erinne­rung und von der Weihe de« Orte«, in ernsten Gedanken von bannen.

* * *

W war ein kalter Winter. Früh hatte der Frost fich eingestellt und ein warmer Ofen ge­hörte zu den begehrenSwerthesten Dingen. Aber nicht bloß die Kälte, sondern auch der Hunger war ein ungewohnter Gast. Eine wirthschaftliche KrifiS, welche kaum einen EiwrrbSzweig verschont ließ, hatte viele Arbeiter brodloS gemacht. Wärmstuben und öffentliche Volksküchen genügten dem Bedürfniß schon längst nicht mehr.

Am lebhaftesten ging e» Mittag» an der Klosterpforte zu St. Agatha zu. Die frommen Schwestern, welche selbst auf die Mtldthätlgkeit angewiesen waren und den Mittellosen Kranken­pflege und Waiseneiqtehimg um Gotte» Lohn an« gedeihen «eße», hatten zwei getrennte Räume zu Suppenhallen eingerichtet, eine für Frauen und Kinder, die andere für Männer.

Heute war der Ansturm im Männerraume kaum zu bewältigen. Schwester Brigitta, eine hochgewachsene Gestatt mit klugen Augen und energischen Zügen, versah den Dienst, unterstützt durch zwei filtere Schwestern. Man hatte zwei biedere Handwerksmeister der Nachbarschaftherbei» holen müffen, um die Ordnung aufrecht zu er- hatten.

Auf langen Bänken an der Wand saß eine sehr gemischte Gesellschaft und verzehrte die dampfende Suppe, die durch Fleischbrocken, Kartoffel- und Gemüsestücke eigentlich ein Uni- versalgericht vertrat. Jeder erhielt außerdem ein kräftige» Stück HauSbrod. ES war inteteffant, einen Blick auf die verschiedenen Gesichter zu werfen, in welche da»Leben seineunoerwischbare Schrift gegraben. Siele hatten bessere Tage ge- sehen und trugen ihr Schicksal mit stummer Er­gebung. Man sah aber auch wildblickende Ge- sellen von leidenschaftlichem Ausdruck, die nur zähneknirschend da» Brod der Armuth aßen.

Zu diesen gehörte der finstere Mann in der Ecke, den sogar die sanfte Geduld der ihm die Suppe reichenden Schwester zu ärgern schien. In seiner Brust kämpften widerstreitende Gefühle. Beinahe hätte er trotz de» quälenden Hunger» daS frugale Mahl im Stiche gelassen, da wurde seine Aufmerksamkeit durch eine« geräuschvollen Auftritt abgelerkt. Zwei Betrunkene hatten fich den Weg bi« unmittelbar zu den dampfenden Kesseln gebahnt und verlangten mtt frechen Worten ihre Suppe. .

Vergebens hielt man sie zurück; der kräftigste, ein baumlanger Kerl, hatte fich mtt fuchtelnden Armen vor der Schwester Brigitta aufgevfianzt und überschüttete die vor Schrecken bleich Ge­wordene mit einer Fluch von Schimpfreden. Die milde Abmahnung reizte den Trunkenen nur noch mehr. Mtt einem plötzlichen Ruck stürzte er einen großen Kessel um, so daß die ganze Suppe über die Diele floß. Sin Schrei der Entrüstung ersüllte den Raum. Schwester Brigitta wollte sich eben durch die hinter ihr liegende Thür in» Kloster zurückziehen. Da hob der Rasende den Arm zum Schlage gegen fte. Doch der Arm sank, von einer nervigen Faust mit eisernem Griff ge­packt, kraftlos zurück. Der Mann in der Ecke war wie ein Blitz emporgeschnellt und schützte die flüchtende Schwester vor der Wuth der mensch- lichen Bestie. Aber nur für einen Augenblick. Im allgemeinen Handgemenge hatte der Rasende sein Messer gezogen, und ehe man sich'» versah, lag der Retter mit durchbohrter Brust am Boden. Während der Thäter von seinen Kumpanen ent- waffnet und forlgeführt wurde, legte man ben Schwerverwundeten auf die Bank in der Ecke, wo er soeben noch nicht» ahnend gesessen hatte. E» zeigte fich alsbald, daß der Stich durch eine Brieftasche seitwärts abgelenkt und abgeschwächt worden war. Aber die Lunge und andere edlen Theile schienen verletzt. Au» der Brieftasche er- sah man Namen und Herkunft de» Aermsten: Fran, Xaver Brunner, Monteur. Da» Bild einer Frau und eine» kleinen Mädchen» lag neben dem Militärpaß.

\ (Schluß folgt.)

ReHawen» mnd AnzeigentheU.

Der Postdamvfer .SrieSland* -

6tat Linie", mAntwerpen, t# laut Meitamm am 2. Dezember wohlbehalten in Ne»»Ion an««- kommen. ________

Vermischtes.

m Alri«# Berlin. Der,Reich»«

Anzeiger- veAffentlicht bo» «erbot der Wiener Arbeiter-Zeitung in Deutschland auf zwet Jahre. — Ein ungarischer Verbrecher, Johann P«wrtcca, der in Medebach in Westfalen einen Mord verübt hat ist in Kopenhagen verhaftet worden. Für die Ergreifung dr» Mörders wat ein Preis von zweitausend Mark ausgesetzt. -Olnabrück. Dir hiesige Regierunp hat die Ausweisung der beiden franzöfifthm Staat», angehörigen, Mechaniker Patiffe und B-lbreil ohne nöhere Angaben von Gründen au» dem MWeM preußischen Staates verfügt. - Lemberg. Die meisten hiest-en Blätter warnen lauf» eindringlichste die pol­nische Bevölkerung, sich in die Politik emzumischenl und den polnischen Bolkrgenoffen in Preußen, durch weitete Demrnstrattonrn zu schaden. — Der b»si^ܰdttsche «efängniß-Direttor (Sticoroiq er s ch o ß sich «e»en eine­heftigen Nervenleiden». — Budapest. «SUmesabvm» stieß ein von hier kommender Schnellzna mit einem Last- »uae zusammen. Die Lokomotive bei €i(l)ntnjuge« ent«

♦ Ein m«rü»Sr»iger $<8 hatst^- b«.'Breirg. Nachr/ zufolge, vor einiger Zett auf dem TisenbähMe von Müllheim nach Badrnwet^ zugrtttgm. Sin Frei, bürget Herr fand in de« übnfüllten Abth^-n dritter Klaffe keinen Platz mehr «»blich sich b, Folge deffen tu der »wetten Klaffe nieder, «li der Schaffner erschien und den Fahrgast darauf aufmnksam machte, daß « wohl den Wage» verwechselt habe, antwortete dieser, daß et in der dritte» Klaffe nicht einen ein»ige» Platz mehr gefunden habe. Der Schaffner bat de» Herrn, sich zu erheben, nahm da» Polster vom Matze und sagte: „So, jetzt sahre« Sie dritter Klaffe!

♦ Kanu stimme«. Käufer: „Ich bm Vierter • empfohlen worden; Ä" Schirme werten ia aUfttt« so sehr gepriesen." — Verkäufer: „Bitte, und da» mit Recht; unsere Sonnenschirme stellen auch alle» bisher Dagewesene in den Schatten.

* Sehr einfach. Unteroffizier (in bet In- struktion«stunde): „In welchem Jahre wurde die Hermannsschlacht geschlagen? — Kein« antwortet. — „«ber Kerl-, denkt doch an bte zwölf Apostel und zählt drei ab!* ______________

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