Einzelbild herunterladen
 

tzSeschrivt täglich, gu Ausnahme btt i®emu und Feier- •Oege, »ierteljährl.

-„«gnprri, «chneBnngerlohn Wtb Bestellgeld in Fulda und auS- Mrt,1M.öVPf.

Inserat», GW einspaltige ffiettN teilt »der der« Rau«lSPfg.,R«.

Gomtn die Petit» »eUi SS Pfg.; HC Wiederholungen wird entsprechend.

Rabatt gewÄuck.,

geeweteortli*: Fie die Redaktion 3«t- B«1W, ft» Inicrate 3. Parzelle» t» Fulda.

mit NnterhattMgs -Anlage „Zll'uKrirte Sonntags-Zeitung" •" ptkregege R». 1 (UntMteK

Jutöa, Donnerstag, den 5. Dezember 1901.

M 279._____________

G Ter ZoLberathung dritter Tag.

Das Interesse an den Zolltarifberathungen beginnt gu sinke». Der Sitzungssaal war heute nicht mehr so stark besetzt, wie gestern und vor» gestern; und die Bühnen boten daS Aussehen gewöhnlicher Berathungstage. Nur die Set» tretet der Verbündeten Regierungen waren ebenso zahlreich anwesend, wie an den Tagen vorher.

Die Nationalliberalen find Freunde der Bor» läge; so erklärte heute derAbg. D r. Paasche im Namen seiner Partei. Er verwies darauf, daß wir unsere Handlungen einrichten sollten nach dem, was daS Ausland thut, nicht danach, waS die Auslandpresse schreibt; und da sehen wir daß alle Länder um uns herum mit immer höheren Schutzzöllen fich umgeben. Also wüsten n>lr, zur gleichartigen Abwehr schreiten; und unser Tarifentwurf ist noch lange nicht hoch» schutzzöllnerisch. Trotz der Getreidezölle, die 1879 eingeführt wurden, ist der Setreidcpreis nicht gestiegen, sondern gewichen; und wenn wir nun, um Die Nothlaqe der Landwirthschaft zu bekämpfen, zu einer Erhöhung der Getreide» zölle schreiten, so geschieht dies nicht darum, weil wir die Getreidepreise in die Höhe treiben wollen, sondern nur zu dem Zwecke, sie nicht noch weiter finken zu lasten. Im übrigen betonte der nationalliberale Parteiredner, daß seine Freunde gerade deswegen der Vorlage in ihren Grundzügen zustimmen, weil fie glauben, Durch fie zu neuen Handelsverträgen zu ge» langen.

Die Gegner des Zolltarifs scheinen ganz r besonders zu Witzen aufgelegt zu sei«. So suchte heute Herr Gothein von der frei­sinnigen BolkSpartei Herrn Eugen Richter und besten gestrige» Witzen den Rang abzulaufen. Herr Golhein sprach eifrig und sprach sehr, sehr lange; aber man sucht in der langen Rede vergebens nach neuen sachliche» Gesichts» punkten. So war es gestern bei dem großen Eugen Richter; so war eS heute bet dem kleinen Gothein; und deswegen suchen die -Herren, den Armuth an Gedanken durch Witze von allerhand verschiedener Güte zu ver­decken. Den meisten HeiterkeitSerfolg erzielte heute Herr Gothein bet seinen Freunden von der Linken, als er erzählte, ein Mitglied des Wirth» schafllichen Ausschusses habe nach einer Sitzung desselben zu ihm gesagt: et habe das Gefühl, als komme et aus einet Animitkneipe für höhere Zölle! Herr Gothei» verflieg fich auch zu der Ähnen Behauptung, die Industrie wolle gar 'keine Zölle, man dränge sie ihr nur auf — da­nach mag man die Güte seiner übrigen AuS- führungen bemesten!

Die beiden letzten Redner d»S heutigen TageS waren der fretkonservative Abg. Gamp und der polnische Abg. von KomierowSki, die sich beide als Freunde der Vorlage bekannten. Beide traten für die unbedingte Nothwendigkeit ein, der Landwirthschaft zu helfen. Doch geht Herr» Gamp die Vorlage mit ihren Vorschläge» nicht weit genug: er fordert gleich hohe Zölle für alle Getreidearten. Herr von Romieto®8ti empfahl

Xu dm lebe» eines Ueisheifriides.

Stach dem Französischen von Henri Cauvatn.

*86) ------ (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Die Bemerkung des guten Mannes machte mich lachen. Er glaubte wahrscheinlich, alle Pariser kleideten sich in daS romantische Kostüm von 1830.

Indessen da« Erscheinen Maxmilian's mit seinem großen Hute und seine» langen Haaren benahmen ihm etn wenig seinen Zweifel.

„Ach, daS laste ich mir gefallen," rief et auS, «das ist ein ächtet Pariser."

Wit lichteten un- sofstt häuslich ein.

Gleich am folgenden Tage machten wit vor dem Ftühstück einen langen Spaziergang auf den Felsen.

Man hätte meine» könne», die Vorsehung habe fich zu Gunsten meines armen Freundes mit mir verbündet. Der Himmel war so blau, die Sonne so warm und belebend. daS Meer breitete vor uns seinen klaren Westsetspiegel auS, auf dem da und dort ein weißes oder braune- Segel mit dem Winde spielte. Mit langen Zügen athmeten wir die kräftige, reine Luft ein.

Ich beobachtete heimlich Maximilian, ohne tndeß aufzuhören, von Botanik, Fischfang, Natur» geschichte und andern Gegenständen zu spreche», ^ch bemerkte zu meiner Freude, daß die Luftoer» «nberueg nicht zögerte, ihren günstige» Einfluß aus Maximilia» auszuübe»; seine Farbe war Mscher, fein Sang munter, feine Augen oft nach oben getötet, als sende er im Stille» Gebete veS Danke- zum Himmel.

die Verwendung der Mehrverträqe aus den Zöllen im Interesse der ärmeren Bevölkerung und die Einführung der Möglichkeit, in Zeiten der Thrue- rung die Setreidezölle aufzuheben.

Am Donnerstag wird die Berathung fortge» setzt. _______________________________

Aus dem Reichshaushaltsetat.

In der Ergänzung der anderweit bereits be­kannt gewordene» summarischen Ziffern auS dem ReichshauShaltSetat für 1902 gibt die halbamt- liche ,Berl. Korresp.' einzelne beachtenswerthe Ausführungen wieder:

AuS der Serroaltung des ReichSheereS.

Zur Fortführung der durch den Etat für '«901 grundsätzlich genehmigten Eirichtung von Maschinen- gewehr-Abtheilunge» sollen im Jahre 1902 weitere 7 Abthrtlungen gebildet werden. Die fortge­setzten «ersuche mit Maschinengewehren haben den großen Werth dieser neuen Waffe in jeder Beziehung bestätigt, zugleich aber den Beweis erbracht, daß die bisher sür ausreichend erachtete Stärke an Offizieren, Unteroffizieren. Gemeinen und Pferden nicht genügt, um die volle Ausnutzung der Wirkungssähigkeit der Ab- kheilungen unter allen Umständen ficher zu stellen. Eine Verstärkung der Etats der bestehenden 5 Abtheilungen wird daher für nothwendig erachtet.

Außerdem muß eine Vermehrung bei der Fußartillerie eintreten. Die Aufgaben dieser Waffe in einem künftigen Kriege sind vielseitiger und schwieriger geworden. Die vorhandenen Bataillone — einschließlich bei von ihnen im Kriegsfall aufzuftellenden Neufor­mationen — reichen bereits zur Besetzung der AngriffS- formationen nicht auS, während auch in den Grenz­festungen vollwerthige Truppen (Linie und Reserve) alS Kern der artilleristischen Bertheidigung erforderlich find. Durch den Ausbau unseres LandeSvertheidigungssystemS find Anlagen geschaffen, zu deren Bertheidigung die nothwendtge Fußarltllerie fehlt. Diesem unabweisbaren und dringenden Bedürfniffe s»ll durch die Errichtung von 10 Fubartillerie-Kompagnien entsprochen werden. Es ist beabstchtigt, die 10 Kompagnien zu je 2 an be­stehende Fußartillerie-Bataillone anzugliedern. Für je 2 Kompagnien, die getrennt von ihre» Bataillonen ihren Standort in Feste Boy.'n, in Diedenhofen und Marienburg erhalten sollen, ist je 1 Stabsoffizier — der in Vertretung deS BataillonstommandeurS die Auf­sicht über den Dirnstbetrieo jener Kompagnie auSübt — sowie 1 Ober- ober Assistenzarzt angesetzt.

Die Errichtung einer Militär.technischen Hochschule ist in Aussicht genommen. Die Anforde­rungen der modernen Kriegführung bedingen eine wettere Verbreitung derjenigen technischen Wiffenschaftrn in der Armee, die für militärische Zwecke von Bedeutung find. ES kommt in Frage die Kenntniß bet Dampfkraft, der Elektrizität, der Mechanik, deS Hoch-, Straßen- und Brückenbaues, der «erkehrSmittel, Maschinen und Fabrik­anlagen. Für die Kriegsakademie alS militär-wiffen- schaftliche Anstalt ist eS unmöglich, daS weite Gebiet der technischen Wiffenschafte» in ihrem Lehrplane ge­bührend zu berücksichtigen. Der demzufolge zu errichten­den Hochschule soll, neben der allgemeinen Verbreitung technischer Kenntnisse in der Armee, die spezialtechnische Ausbiiduna der Offiziere der BerkchrStruppen und der technischen Institute, sowie derjenigen Offiziere übertragen werden, die fich dort zur Verwendung im JngenirurkorpS vorbereiten wollen. Die Räumlich» leiten für die Hochschule sollen thetlS in der Ber­einigten Artillerie- und Jngenieurschulein Eharlottenburg, theiiS durch einen daselbst aufzuführenden Neubau be­schafft werden. Die Hochschule soll für 200 Offizier« eingerichtet werden. Der Lehrgang umfaßt drei Lehr­stufen in drei Unterrtchtsjahren. Zur ersten Lehrstufe werden 100 Offiziere einberufen, von denen 50 zur zweiten und fpätet zur dritten Lehrftufe übertreten. Di« Eröffnung ist zum 1. Oktober 1902 in Aussicht genommen; zur Errichtung und zur Ausführung der zahlreichen Borber-itungSarbeiten müffen jedoch der

Ich fühlte in diesem Augenblicke, waS wohl der Gärtner fühlt, wenn er ein Bäumchen plötz­lich wieder grünen steht, besten erste Blüthen und Blätter ein früher Frost zerstört hatte.

Zwei Wochen lang machten wir jeden Tag diese« AuSflug. Einigemal hatte mich Maximilian beim Fortgehen gefragt:

„Nun, Doktor, gehen wir heute, bi? Ruinen Ihres alten Schlosses anzusehen?"

JedeSmal fand ich einen Vorwand, um die Ausführung unseres Vorhabens noch hinauszu­schieben. Wer hätte auch nicht längst schon er« tathen, daß daS Schloß Trelivan als Schloß nie anderswo «xistirt hat, als in meiner Phantasie, und daß ich mit dem Namen Trelivan etwas ganz anderes bezeichnen wollte, was Maximilian fteilich noch nicht ahnte.

Eines Tage- endlich, gegen Ende der dritten Woche unsere« Aufenthaltes in Mareilles, sagte ich zu ihm:

„Fühlen Sie Kraft genug in sich, um die Ruinen von Trelivan einmal zu besuchen? .Ich mache Sie zum Vorau- darauf aufmerksam, daß wir zwei Stunden hin» und zwei Stunden zurück­zugehen habe», was wohl im Ganze» sechs Stunde» i» Anspruch nehmen wird."

„Gehen wir," antwortete er mit jugendlichem Muthe; „Sie hatten schon Gelegenheit, fich zu überzeugen, daß ich ein guter Läufer bin, und daß ich die Müdigkeit nicht fürchte."

Wir machten uns auf de» Weg und zogen landeinwärts.

Sobald wir ans Mareilles herausgetreten waren, bemerkten wir in einer Entfernung von etwa hundert Schotten die kurze Gestalt eines I Bauern, der, feine Holzschuhe in der Hand

Direktor und der Adjutant schon vom 1. April 1902 ab zum Etat gebracht werben. Das Dirrktionsmitglted, das den Direktor unterstützt und bei besten Berhinderung vertritt, ist zum 1. Juli 1902, dir Lehrer zum 1. Ott. 1902 erforderlich. Die Anforderung de» sonstigen Per­sonals bleibt für 1903 und 1904 vorbehalten. Die Höhr der fortdauernden Ausgaben, die vom 1. Ott. 1904 ab entstehen werden, ist auf 300000 Mark jährlich geschätzt. Zunächst find in den Etat 19913 Mark ein- gestellt.

Deutsches Keich«

Berlin, 4. Dezember.

ft Ki«e Schmäler««- der verfnss««-»- mäßige« Dolkrrechle will der nationalfojiale Parteisekretär Dr. Maurenbacher mit in den Kauf nehmen, wenn dafür die Möglichkeit ge­schaffen werden könnte, einige Zeit lang in nationalfozialem Sinne zu regieren. So hat fich kürzlich der genannte Herr in einer Versamm­lung, der ,Nordh. Zig.' zufolge, geäußert. Da- mit wird er freilich wenig Freunde für feine nationalsoziale Sache werben!

-j- Der Milttärelat t« der Zöeleuchtuug de« Vorwärts'. Der .Vorwärts' bringt heute mit besonders auffallender Schriftart als neueste Nachricht, daß der neue M-litär-Etat (Preußen) den vorjährigen um rund 80 Milli­onen übertreffe. Thatsächlich beträgt der Unterschied bei den fortdauernden Ausgaben ein Mehr von.......8 Mill. Mk.,

bei den einmaligen Ausgaben des ordentlichen Stals ein Weniger von........- 18 „

also bei dem gefammte» ordent­lichen Etat ein Weniger von . 10 Mill. Mk., bei dem außerordentliche» Etat — nach Abzug der für diesen Zweck bei der Militärverwal­tung selbst aufkommenden, d. h.

nicht durch Anleihe zu decken­den Einnahmen — ein Mehr von knapp....... 2 „ „ ,

so daß sich bei dem Militär» etat gegen 1901 inSgesammt er­

gibt ein Weniger von . . . 8 Mill. Mk. Dieses Weniger verwandelt daS sozialdemokra­tische Blatt im Handumdrehen in ein Mehr von 80 Millionen Mark.

X Für den Neubau der Halset: Wil­helms-Akademie in Berlin sind als erste Rate 20,000 Mark in den Etat eingestellt. Von dem Grundstücke der Akademie (Friedrichstraße 139/141) hat für die ReichStagSuferstraße eine F!äche abgetreten werden müffen, auch werde» weitere Abtretungen nothwendig werden. Das verbleibende Gelände de- Grundstücks, welches ohnehin den Anforderungen einer gedeihlichen Entwickelung der Anstalt nicht mehr genügt, ist zur Ausführung der Ersatzbauten zu Kein. ES ist daher die Veräußerung deS ganzen Grund- stÜckS und die Enihtung neuer Gebäude in ge­eigneter Lage von Berlin nothwendig. Als Bauplatz ist ein Theil des militärfiskalifchen Grundstücks deS Jnvalidenhauses in der In­valide»- und Scharnhorststraße in Aussicht ge­nommen. Geplant ist die Errichtung von

tragend, vor unS herlief. Maximilian fiel eS nicht auf, daß wir genau die nämlichen Wege einschlugen, aus denen jener uns voraneilte und daß wir immer die gleiche Entfernung beobachteten.

Nach ungefähr einer Stunde raschen Gehens betraten wir einen dicht mit Bäumen überschat­teten Hohlweg und sahen bald in einer Lichtung ein mittelgroßes, freundliches Bauernhaus, dess-n ftifchgeweißte Mauern hinter einem grünen Vorbange herrlicher Pappeln hervorschimmerten.

Der kleine Bauer war soeben i» dem Gebüsche verschwunden.

„Kommen Sie," sagte ich zu Maximilian, indem ich ihm daS Haus zeigte, „wenn es Ihne» recht ist, machen wir hier einige Augenblicke Hall. Die Sonne brennt fürchterlich, und eine gute Taffe Milch könnte nicht schaden."

„Mit Freuden," antwortete er, „dieses Bauernhaus sieht wftklich verlockend aus."

Wir durchschritten de» Hof, wo dicke Enten umherwatschelten und junge weiße Hühnchen gluckten.

Dann stiegen wir die fünf steinernen Stufen vor der HauSthür empor. Als ich an die Thüre klopfte, ging dieselbe rasch auf.

Maximilian stieß einen Schrei der lieber» raschung auS und wich zurück.

„Hanna! Hanna!" rief eine Männerstimme, „komm' schnell, schnell, er ist da!"

Aus der Thürschwelle stand ein Bauer von etwa 30 Jahren, mit sonnverbranntem Gesicht, der gleichzeitig lachte und weinte; er schlug die Hände zusammen, sah bald unS an, bald wandte er sich nach dem Innern des HauseS und wieder» holte unter den Zeichen einer ganz närrischen Freude______.

__________28. Jahrgang.

Wohngebäuden für die Studirende» und für die beaufsichtigenden Stabsärzte, von Lehrsälen, Ge» bänden für die Bibliothek, ein kriegSchirurgischeS und anatomisches Museum, daS hygienisch» chemische und daS physikalische Laboratorium, für Räume zu anderen wissenschaftliche» Unter» suchnngen, für eine Militär-Unfallstation für die Garnison Berlin, ferner von Dienstwohn- und Verwaltungsgebäude» rc. Die für diese Bauten erforderlichen Geldmittel lassen fich ohne vor­herige Aufstellung deS Bauentwurfs mit einiger Sicherheit nicht angeben. Die Gefammtkosten der Neubauten werben voraussichtlich ' erheblich hinter dem Erlös aus dem jetzigen Grundstücke zurückbleiben.

H Nochmals Professor Spaß«. Das .Regensburger Morgenblatt' hat in diese» Tage» berichtet, daß die Alumnen deS Priesterseminars in Straßburg die Vorlesungen deS Professors Späh» nicht besuchen. Die Nachricht trifft nicht zu. Die Alumnen besuche» diese Vor­lesungen.

X Der N-daK1-«r i* I-ssek«. Wenn ein Redakceur zum Verbrecher werden sollte, muß er wie ein Verbrecher behandelt werben. Wenn aber ein Redakteur seine Pflicht thut in bet Vertheibigung feiner politische» Grundsätze und auf diesem Wege zu Pressevergehen fich hinreißen läßt, so hat er nach allgemeiner Auf­fassung nichts getban, waS unter ben Begriff bes Ehrenrührigen fallen könnte; natürlich auch dann nicht, wenn er der sozialdemokratischen Partei angehört. In Dortmund ist es dagegen vor­gekommen» daß der sozialdemokratische Redakteur Bredenbeck geftssrlt zu Fuß von der gericht­lichen Vernehmung durch die Straßen der Stadt geschleppt wurde. Dieser Mißbrauch der amt» lichen Gewalt hat natürlich gewaltige- Aussehen hervorgeruse», so daß der Oberbürgermeister von Dortmund in diesen Tagen in der dortigen Stadtverordneten-Bersammlung eine Erklär un­über diesen Fall abgeben mußte. DieErklärung sollte eine Entschuldigung fein, kann aber nicht als eine solche angenommen werden. An­geblich soll Fluchtverdacht Vorgelegen haben, so behauptet der Herr Bürgermeister. DaS Gericht hatte aber im entgegengesetzten Sinne entschieden und einen solchen Verdarbt nicht als vorhanden angenommen. Niemand war sonach berechtigt dazu, hinterher aus eigenmächtiger Laune einen Fluchtverdacht fich zu konstruiren. Als eine weiters angebliche Entschuldigung hat der Ober» bürgermeister gesagt: Bredenbeck sei weder int Besitze von Srundeigenthum noch von sonstigem Vermögen!! Wenn also jemand ohne Vermögen ist, soll er nach der Ansicht des Herrn Ober» bürgermeisters von Dortmund vogelfrei sein sür alle mögliche» Härten und Mißhandlungen? — eine brutale Auffassung! Zum Glück gibt eJ nicht mehr viele Leute bei unS, die diese Aus- faffung mit dem Dortmunder Stabtoberhaupte theilen. Der Umland der Vermögenslosigkett mußte vollkommen bedeutungslos fein für die Art der Behandlung deS Bredenbeck. Nach der Er» klärung deS Herrn Oberbürgermeisters soll fich eine Anzahl von Menschen (Genossen) eingefunden haben, durch deren pasfioe Mitwirkung die AuS«

„Hanna! ich habe Dir'S ja gesagt, er komme! . , . Schnell, komm' doch! Ach, der liebe Sott ist gut! Hanna! Hanna!"

„Louis Guerin!" murmelte Maximilian, dessen Gesicht eine leichte Bläffe überflogen hatte.

Dann wandte er fich zu mir, lächelte und sagte:

„Ah, jetzt begreife ich Alles!"

LouiS Guerin — denn er war eS wirklich — von dem Gefühle der Dankbarkeit;hingerissen, warf fich Maximilian Heller zu Füßen, ergriff feine Hand, preßte diefe.be innig an feine Lippe» und benetzte fie mit Thränen.

„O Sie," wiederholte er, „Sie find mein Retter!"

„Stehen Sie auf, cuter Freund, stehen Sie auf, ich bitte Sie," sagte Maximilian bewegt.

Der Bauer stand auf, wischte seine nassen Augen auS und verschwand in dem Hause.

Wie wir so allein waren, wandte ich mich zu Maximllian, der sehr nachdenklich war und fich bemühte, feine innere Bewegung zu unter- drücken.

„Run?" sagte ich ihm.

Er drückte mir die Hand, wandte dann fei« Gesicht ab und nur daS einzige Wort kam über seine Lippen:

„Dank!"

Guerin kam bald wieder zurück, von einer jungen Frau begleitet, deren Hand er i» der (einigen hielt.

Die DankeSbezeugunge» begannen Don neuem in wahrhaft rührender Weise. AlS endlich der erste Sturm der Freude und Dankbarkeit vor­über war, bat ich Guerin, uns sein kleines S«t zu zeigen.