Einzelbild herunterladen
 

»Srschriut täglich, «. Ausnahme der Emm- und Feier« Sage. Bierteljährl.

Arjuzsprri» ahne Bringerlohn and Bestellgeld in Knlda und aus­wärts IM.bO Pf.

F-

Inserat», Ufr einspaltige Bettt» seile oder oetot Raum1SPfa.,Re« Hamen die Petit» »etle 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

Serautwortlk»: Für Me XetaHion Jjf. Baix, für Inserate I. parzeller in Fulda.

mit Zlnterhaltungs -Jeikage „Zllullrirte Sonnlags-Zeitung" pdMvti tu., nwm

JK 275.

Jutöa, Samstag, den 30. November 1901.

Wochen-Wunöschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 30. November.

Run ist der Reichstag wieder versammelt und an der Arbeit. Zunächst hat er die See­mannsordnung und in Verbindung damit mehrere Nebengesetze zu erledigen, die vermuthlich alle ohne Ausnahme in der Form der Kommissions- beschlüfle Gesetz werden. Eine interessante Unter­brechung hat diese Berathung durch die Besprechung einer Interpellation des nationalliberalen Abge­ordneten Bassermann wegen des Duells in Insterburg erfahren. Die Auskunft, die der .preußische Kriegsminister von Goßler in Ver­tretung des Reichskanzlers aus diese Antwort ertheilt hat, war so befriedigend, wie sie überhaupt be­friedigend ausfallen konnte. Das heißt, an ein grundsätzliches Verbot des Zweikampfes im Heere wird nicht gedacht. Aber die Zahl der Duelle zwischen Offizieren hat gegen früher wirklich abge­nommen, und für die traurigen Vorgänge in Inster­burg — der Kriegsminister nannte sie selbst so! — hatte Herr von Goßler nur ganz entschiedene Ver- urtheilung. Leider mußte man aus seinen Dar­legungen entnehmen, daß der getödtete Leutnant Blaskowitz sich bereit erklärt hatte, um Verzeihung zu bitten für die Ungehörigkeiten, die er im Rausche begangen hatte, daß er sich aber dennoch schießen mußte. Der Kriegsminister bezeichnete das als durchaus ungehörig und als einen Verstoß gegen die kaiserlichen Befehle und er fügte unter dem Bei­falle des Reichstages hinzu, daß der Kaiser sofort Bericht über die Vorgänge in Insterburg einge­fordert und in sehr entschiedener Weise sein Miß­fallen darüber zu erkennen gegeben habe. Vom Centrum sprach Abgeordneter Dr. Bachem und gab der grundsätzlichen Verurtheilung aller Duelle vom christlichen und vom gesetzlichen Standpunkte lebhaften Ausdruck.

Die erste Lesung der Zollvorlagen wird nach einem Beschlüsse des Seniorenkonventes des Reichstages am nächsten Montag beginnen. Erst nachher soll die erste Lesung des Etats folgen. Wenn es möglich ist, soll vor den Weihnachtsferien noch ein Brennsteuer-Entwurf berathen werden, der von den Parteien der Rechten ausgearbeitet wird.

Zum ersten Vizepräsidenten ist der konservative Abgeordnete Graf Udo Stolberg- Werningerode gewählt worden. Sein Fraktions­genosse Dr. von Frege hat sich wegen Krankheit auf sechs Monate beurlaubt und deswegen das Amt des ersten Vizepräsidenten niedergelegt.

Am 26. November ist nun auch der badische Landtag eröffnet worden. Die Aufschlüsse, die die Thronrede über die Finanzen des Landes gibt, lauten wenig tröstlich: Der Staatsvoranschlag schließt mit einem Fehlbeträge von mehr als zwei Millionen Mark ab, abgesehen von außerordentlichen Ausgaben in einer Höhe von lö1/» Millionen Mark. Für den weiteren Ausbau des Eisen­bahnnetzes wird die stattliche Summe von 84 Milli­onen vorgesehen.

Auch die sonst nicht schadenfrohen Menschen haben in diesen Tagen eine Freude empfangen an dem Schaden, den ein anderer Mensch von seiner Handlungsweise gehabt hat: Oberst von Reißwitz, der Kommandeur deS 147. Infanterie- Regiments in Insterburg, hat seinen Abschied nehmen müssen. Der kaiserliche Kabinetsbefehl, der den Abschied bewilligt und einen neuen Kommandeur für das Regiment ernennt, ist vom 25. November datirt. Aber man wußte bereits, daß Herr von Reißwitz gehen müsse. Natürlich ist diese Maßrege­lung eine Folge deS unglücklichen Duells zwischen dem Oberleutnant Hildebrandt und dem Leutnant Moskowitz. Der Oberst rost der Einzige, der daS Duell hätte verhindern können. Daß er das nicht gethan hat, hat seiner Offizierslausbahn ein unver- «uthetes und rasches Ende bereitet. Wie berichtet wird, hat der Kaiser unmittelbar nach dem Duell einen Jmmediatbericht darüber eingefordert.

Auf die Nachricht von dem Abschiede des Obersten von Reißwitz folgte die Andere, daß Graf Finkenstein, der Kommandeur de» ostpreußischen Armeekorps, demnächst au» dem aktiven Dienste auS- fcheiden werde. Ob die Bermuthung zutrifft, daß auch dieser Abschied mit dem Duell in Inster­burg und dem Mordprozesse in Gumbinnen zusammm- Hänge, ist unbekannnt.

Die deutsche Diplomatie hat zwei Verluste in Folge eingetretener Todesfälle zu verzeichnen: Graf Hatz feidt, der bisherige deutsche Botschafter in London, ist am 22. November nach langem Leiden m London gestorben. Vor etwa sech« Wochen >ar von einem Erholungsurlaube nach London zurtick- Sekehrt; seitdem hat er nur zwei Mal mit Hilfe «nes Rollstuhle» sein HauS verlassen. Er war wohl *uf den Tod gefaßt. Ganz unvermuthet dagegen starb in Folge eine» Herzschläge» in Rom der frühere preußische Gesandte beim Vatikan, Otto *on Bülow.

Einiges Aufsehen erregt eine Bewegung unter « a ^"lversitätS-Professoren. Der erste Anstoß dazu liegt in dem Falle Spahn, also in «er Ernennung des Dr. Martin Spahn zum Professor

Geschichte an der Universität in Straßburg. Der

Berliner Geschichtsprofeffor Theodor Mommsen hat einen offenen Brief in einigen liberalen Blättern ver­öffentlicht, in dem er Widerspruch gegen die Ernennnng erhebt, und nun senden die Professoren von ver­schiedenen Universitäten Zustimmungsadressen, so von München, Würzburg, Erlangen, Heidelberg, Kiel. Seine eigene Universität Berlin kümmert sich nicht um den Protest Mommsen's. Er meint, Professoren dürsten ganz allein nach ihren wissenschaftlichen Leistungen ausgesucht werden, ohne Rücksicht auf ihre religiösen und anderen Anschauungen; die Auswahl müßte „voraussctzungslos* sein. Das stimmt für Chemiker oder Aerzte oder Mathematiker, aber natür­lich nicht für Lehrer der Geschichte und der Philosophie; denn bei diesen handelt es sich doch auch um die Art der Auffassung, und alle katholische Studenten haben das Recht, an jeder Universität, die sie besuchen, einen Universitätslehrer ihrer Richtung zu finden. Das ist bereits der Fall an verschiedenen Universitäten, und deswegen ist der Straßburger gar nichts Neues, was Mommsen wohl vollkommen übersehen hat; daß noch nicht überall dafür gesorgt ist, ist ein fühlbarer Mangel. Die Professoren, die aber jetzt im entgegengesetzten Sinne an Professor Mommsen Zustimmungsadressen schicken, verstoßen aus demselben Grunde gegen die Forderungen der Ge­rechtigkeit und treten durchaus nicht, wie sie vorgeben, für die Freiheit der Forschung ein. Diese Freiheit, wenn sie ernst genommen werden soll, muß doch auch der katholischen Auffassung zu theil werden.

Die Akkordmaurer in Hamburg haben sich dem sozialdemokratischen Parteibefehle nicht gefügt. Sie beharren auf ihrer Forderung, daß in dem neuen Lohntarif kein Verbot der Akkordarbeit ausgenommen werden dürfe, aber die sozialdemokratische Partei will diese Forderung nicht erfüllen. Sie hat den Wider­spenstigen noch bis zum 1. Dezember Zeit gelassen. Wer bis dahin sich nicht dem Parteidesehle gefügt hat, wird aus der sozialdemokratischen Partei herauS- flieg en. — „Freiheit, die ich meine!"

Die parlamentarische Lage in Oesterreich stand wieder einmal hart vor dem gewaltsamen Ende: Immer und immer wieder find es die Widersprüche zwischen den Deutschen und den Tschechen, genauer gesagt die übermäßigen nationalen Forderungen dieser Letzteren, die als Hemmschuh vor den parlamentarischen Wagen in Oesterreich sich legen. Diesmal aber hat Minffterpräsident von Körber den Tschechen die Zähne gezeigt: Er hat mit erneuter Auflösung des Abgeordnetenhauses gedroht, und darauf wollten es die Herren doch nicht ankommen lassen. Auch unter den Tschechen empfindet man bitter die wirthschaftliche Nothlage des Lande», so bitter, daß schließlich auch bei vielen von ihnen die nationalen Wünsche hinter den wirthschaftlichen zurücktreten. Herr von Körber ist aber noch weiter gegangen: In einer Zusammen­kunft der Parteiführer hat er den Grundsatz aufgestellt: Entweder ein Parlament das arbeitet, oder kein Parlament. Ein Parlament, das nicht ar­beitet, hilft dem Lande nichts, sondern stört nur seine Entwickelung, und würde am Ende, wenn da» niemals anders werden sollte, über Bord geworfen werden müssen. Das hat geholfen. Die Arbeiten im Abge­ordnetenhause sind wieder ins Gleiten gekommen, und so wird zunächst wenigstens das Budget unter Dach und Fach gebracht werden. Was daun werden wird — wer weiß es?

Eine wunderliche Streitfrage ist in Griechen­land aufgetaucht und hat dorr heillose Verwirrung angerichtet. Es gibt dort zwei Richtungen, die ein­ander bekämpfen: Eme altgriechische und eine neu­hellenische. Jene will nur altklassische Literatur gelten lassen und wollte namentlich nicht gestatten, daß das Neue Testament aus dem Altgriechischen in die neue Sprache übertragen werde. Aber die Neuhellenen kümmerten sich nicht darum. Das Neue Testament wurde übersetzt, und nun begann ein furchtbarer Krawall, verursacht durch die Studenten, die zwei Druckereien zerstörten, in denen die Uebersetzungen ge­druckt wurden. E» wurden viele Menschen getödtet und verletzt, und das Ministerium Theotokis hat einem neuen Kabinet des Herrn Zaimis Platz ge­macht, das nun die Unruhen einer strengen Unter­suchung unterwerfen soll. Damit ist aber der Streit­fall zwischen den beiden Parteien natürlich noch lange nicht aus der Welt geschafft. Die äußere Ruhe ist wieder hergestellt. Die Studenten haben die Schlüssel der Universität wieder herausgegeben. Aber der Gegensatz der Meinungen ist damit noch nicht beseitigt.

Eigenartige Vorgänge haben sich in der fran­zösische» Abgeordnetenkammer abgespielt. Die Regierung hat die Bewilligung einer Anleihe be­antragt zur Deckung der Entschädigungen für Verluste, die Jndustriegesellschaften und Misfionsanstalten durch die Wirren in China erlitten haben; aber sie hat bei ihren radikalen und sozialistischen Freunden nicht die gewohnte Unterstützung gesunde«. Eine bunt zu­sammengewürfelte und recht geringe Mehrheit hat die geforderte Summe selbst bewilligt. Aber bei einigen Nebenbestimmungen ist gegen die Wünsche de» Ministeriums entschieden worden. Nun kommt es aber noch auf den Senat an, ob dieser ebenso wie die Abgeordnetenkammer beschließen wird. Nach französischen Begriffen ist das Kabinet Waldeck-Rousseau schon sehr lange em Ruder. Es sieht beinahe so aus, als seien die Franzosen dieses Ministeriums nunmehr überdrüssig.

Im französischen Senate ist ein Anttag deS Ministeriums angenommen worden, durch eine Kommission Mittel gegen die Entvölkerung Frankreichs ausfindig zu machen. Alle»Studium wird wohl aber vergeblich fein!

In dem ewig unruhigen Barcelona ist es zu neuen Ruhestörungen gekommen. Katatonische und kastilianische Studenten haben einander bekämpft und Arbeiter haben an diesem Streite sich bethei­

ligt. Nach einigen Tagen ist die Ruhe wieder herge­stellt worden.

Die Hoffnung der Buren auf die Vermitte­lung desJnternationalen Schiedsgerichts- Hofe» im Haag hat sich nicht erfüllt: Der Schiedshof hat sich einstimmig und ohne weitere Berathung für „inkompteent" erklärt — es ist ein herrliches Ding um ein solches Schiedsgericht! Die Engländer haben in Südafrika eine neue Schlappe bei Villersdorp erlitten, von der man Genauere» erst verspätet erfahren hat: Ein britische» Kommando wurde umzingelt und gefangen genommen, der Kom­mandant und mehrere Offiziere wurden bei dem voraufgegangenen Kampfe getödtet. Der Schau­platz dieses Gefechtes liegt südwärts von Johannes­burg.

Wie man srüher „betrog".

Aus dem Jahre 1721 stammt das umfang- reiche Buch, das vor mir liegt und den Titel hat: Betrugskxikon, worinnen die meisten Be­trügereien in allen Ständen, nebst denen dar- wtder guten Theils dienenden Mittel«, entdeckt von Georg Paul Hönn, Dr. jurir, fürstlich Sächsischer Gemeinschaftlicher Rath und Amt- mann in Koburg. Der Autor hat sich die Auf­gabe gestellt, die zu seiner Zeit übliche« Be- trügerete«, nach Ständen alphabetisch geordnet, aufzuzeichnen zu Nutz und Frommen der Mit­welt. In der Borrede mit dem bezeichnenden Motto: Der Welt Wagen und Pflug, ist nur Lug und Trug, donnert der Gemeinschaftliche Rath gegen die Betrügereien, so allerorten und in allen Ständen verübet worden.

„Die eine Helfft im Jahre," ruft der Ge­meinschaftliche Rach entrüstet auS, „treibt man Betrügerei, die andere Helfft übt man sie wieder auf daS neue. Denn diese Messe, wo ma« Wahrheit vor Lügen, und Lügen vor Wahrheit, Gall vor Honig, Hüttenrauch vor Weyrauch und Worte vor Werke verkauft, floriret aller Orthen, täglich. Hingegen ist die Aufrichtigkeit, Treue und Redlichkeit bey nahe unter die res deperditas (verlorene Sachen) und das Geschlecht der Ehrlichen bald gar unter bie ausgestorbenen Familien, das Buch der Redlichen aber bey der betrügerischen Welt roter libros prohibitos (unter die verbotenen Bücher) zu zehlen." Der Ver- faffer ist ein Mann der Thatsachen, der, wie er ausdrücklich heroorhebt, eine dreiunddreißigjährige richterliche Amtsthätigkeit hinter sich hat und nur dar schildert, was er mit eigenen Augen ge­sehen.

Wir können selbstverständlich auS der Fülle des vorliegenden Stoffes nur einiges Hervorheden. Greifen wir daher aufs Geradewohl hinein. In dem Artikel Beutelschnetder lesen wir: „Die­selben betriegen: 1. Wenn sie überall in de« vornehmsten Gasthöfen einkehren und darinnen dis Reisende mit Karten- und Würffel - Spiele derart «»führen, daß sie die mit Ihnen spielende Gäste anfangs eltliche Spiele gewinne« laffen, zuletzt aber durch angelegte Karte» Ihnen den Beutel wacker fegen. 2. Wen« sie als vornehme CaoallierS gekleidet in eine» Gasthof komme«, bei dem Wirth sich in guten Erevit setzen und dann heimlich auS dem Hau« gehen. 3. Wenn sie sich an königliche« und fürstlichen Höfe« i» eben der Liors wie die Diener bekleidet, in die Gemächer begeben und daraus, was sie nur von Kostbarkeiten antreffe» und mituehmen können, davon tragen. 4. Wenn sie bei Jahrmärkten, wie zu Leipzig geschehe«, den Leute» die güldenen und mit Diamanten besetzten Ringe an Fingern, zusammt de« Fingern mit einem Scheermeffer abschneiden usw."

Frauenzimmer bekriegen: 1) Wenn sie die Flecken so sie im Gesicht haben, mit denen so­genannte» Schönflecken oder Mouches bedecke«, damit man sie für ausbündig schön halten solle, folglich den Man«esperso»ea zu böse« Begierden Gelegenheit geben mögen. 2) Wenn sie vor wohlgewachsen angesehen sey« wollen, deswegen verschiedene dazu dienliche Sachen unter den Kleidern tragen. 3) Wenn sie unter ihrem Schmuck falsche Perle« und Sdelgesteiue trage», wenn sie rotbe oder braune Haare schwarz färben, wenn sie sich gläserne Auge» und Helffen- beinernene Zähne einsetze» lasse« usw.

Eheweiber betriegen: 1) Wen» sie bei Ein- kauffung von Viktualien oder anderen Dingen de« Männer» mehr anrechne«, als sie davor auSgelegt, wen» sie de» Geldbeutel der Männer heimlich vifitiren und daS Geld davon versauffe» oder 6« Hoffarth hängen. 2) Wenn sie ihr be­sonderes Krüglein mit Wein halten u»d die Männer als ob ei nur Eoffent (Kaffee) oder Mittelbier sei, berede« wollen. 3) Wenn sie ihre Männer bei ankommenden guten Freunde», so ihnen eine Visite geben, verleugnen, aus Furcht es möchte« etwa ein paar Maaß Bier, Wei» oder Tabak aufgehen.

Comödianten betriegen: 1) Wenn sie, um die Leute häufiger herbei zu locken, und ihnen

28. Jahrgang.

gleichsam daS Geld auS den Händen zu spielen, immer ausrufen laffen: heute, heute wird die letzte gespielet! wer «och waS Schönes z« sehe» begehret, der muß sich heute einstellen! da sie doch wohl noch viele Tage ihr unnützes Sezeug und Spielwerk präsentiren. 2) Wenn sie sehen, daß die Spectatores eben kein sonderliches Ver­gnügen bezeugen, die Leute berede», es sollte auf folgenden Tag beffer werden, sie möchte« «ur wiederkommen, man würde da schöne Leute sehn und von den Harlequi» würde auch ein lustig Nachspiel gemacht werden, da doch hernach eben die alte Leyer gespielet wird."

AlS Mittel gegen die „Eomödianten" gibt der „Gemeinschaftliche Rath" Folgendes an: „Ist das Beste und Christlichste, solchen Land- sahrern und Geldschneidern gar kein Gehör zu geben, sondern ihnen gleich Anfangs be« Weg zu weisen, bamit durch ihre Zoten und Posse« «jemand geärgert, noch um die edle Zeit und Geld gebracht werde."

Zeitungsschreiber betriegen: 1. Wenn sie zu denen von andere» Orten her erhaltenen Rela- tionibus (Mittheilungen) au8 eigenem Gehirn noch mehreres ohne Grund darzu thun. 2. Wenn sie zur Ausfüllung bet Blätter selbst Dinge, bie zwar möglich, aber zu bet Zett nicht geschehe» sein, singiten unb eS hernach als eine wahr­haftig jetzt pasfirte Geschichte in die Welt schreiben. 3. Wenn sie gegen ein Recompentz dieses oder jedes Mannes Thaten, wie er sie ihnen angibt, um sich der Welt bekannt und groß damit zu mache«, in ihre Advisen setze». 4. Wen» sie vom Auctore oder Verleger einer BucheS Geld nehme« unb dasselbe, ohnerachtet den Gelehrte» und dem Publico nicht- daran gelegen, mit unverdienten Lobsprüchen rekom- menbiren unb kund machen. 5. Wenn sie bei Ermangelung der Materie, die Blätter voll zu machen, alte Histörge« in die Zeitungen mit ein« drucken laffen, und solche vor neue, und als ob sie erst kürzlich pasfirt wären, auSgehen. 6. Wenn sie auS Mangel deffen, waS sie schreibe« sollen, Dinge berichten, an deren Wissenschaft der Welt doch nichts gelegen, unb zum Exempel, das biefer ober jener vornehmer Herr sich mit der Jagd, Comödie«, Opern, Schlittenfahrt unb Comödiantinne« diocrtirt, oder an dem Fuß Ader gelassen, dergleichen Zeug mehr in einem Thorzettel al8 in bie Zeitung gehört, und was bergleichen unnöthige Dinge mehr find, berichtet.

Anbere „Betrügereien" fizurire» in ben «Ar- tikuln" Advokaten, Apotheker, Bierwirthe, Bäcker, Hofministri, Hof- unb Regierungsräthe, Caval- IterS, Scharftichter, Stubenten ufw. Daß aber auch ia bem BetrugSlexikon, entsprechend dem Charakter der Zeit, Schatzgräber, Traumdeuter, Astrologen, H-xen und Zauberer eine Rolle spielen, ist selbstverständlich.

Als der „Gemeinschaftliche Rath" sein Be- trugslexikon beendet hatte und sein Werk be­trachtete, da wurde ihm selbst angst unb bange ob der Unmasse von Betrügereien, die allerwärtS verübt worden, und er schrieb seufzend die Worte nieder: „Die jetzige Welt ist nichts andere-, als vor eine Grundsuppe von allerhand Betrügereien zu achten." (Köln. Volksztg.)

GngrlssiSgel.

Eine Weihnachts,eschichte.

Bitterer kalter Winter ist'». Trotzdem hat der Storch bei Theater-Dekorateur Wilhelm ein Kindchen gebracht — zum fünfzehnten Mal.

Da» kleine Wesen schläft den Schlaf der Un­schuldigen und Gerechten, unbekümmert um die Verlegenheiten, in welche durch sein Erscheinen der Vater und die gute Mutter versetzt wurden. Hatte doch da» neue Schwesterchen ihr anderthalbjährige» Eischen au« der Wiege vertriebe», svdaß diese» nun sein Unterkommen bei der ältesten Schwester Julie finden mußte, denn ei» neues Bett anzu- fchaffen war für Wilhelm« geradezu eine Lebens­frage. Auch die Auswahl der Namen wurde jedesmal schwerer, so ganz gewöhnliche Name» wollten ste für ihr« Kinder nicht. Wie sollte als» das jüngste heißen und wer wird die Pathenstelle übernehmen? Bei so vielen Kindern sollte man auf eine einflußreiche und wohlhabende Persön­lichkeit sehen, aber wo diese hernehmen »um fünf­zehnten Mal?

Die Fran Kapellmeisterin und mehrere Andere, mit denen Wilhelm in entfernter kollegialischer Beziehung stand, hatten die Ehre dankend abge- gelehnt. Der Hausbesitzer, bei dem sie im vierten Stock wohnten, war unglücklicherweise auf einige Zeit verreist unb bie übrigen zwei Mlethsherr- schäften waren ihnen von Anfang an mit einer gewissen Scheu und stolzen Zurückhaltung begegnet, sodaß der Theater-Dekorateur gar nicht den Muth hatte, bei diesen nur anzufragen.

„Ach, wenn die gute Frohmann noch lebte", seufzte der Vater, „sie hätte un» gewiß mieden ausgeholfen".