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Dr. K. Weihnachtsbücherschau 1901

2877 auS der seemännischen oder halbseemänni- sch-n Bevölkerung. Freiwillig vor Beginn deS militärpflichtigen Alters find eingetreten 21.197 Mann beim Heer und 1541 bet der Marine. Wegen unerlaubter Auswanderung find verurtheilt 135,168 Mann und noch in Unter­suchung 13.155 Mann.

Deutsches Keich.

Berlin, den 29. November.

* Die NetHeili-mrg de- Kaisers an der Einweihung von Kirchen und Kapellen wird, wie schon vor einiger Zeit angekündigt wurde, in Zukunft sehr beschränkt sein. Wie ein Runderlaß des Kultusministers und deS Ministers deS Innern an den Oberpräfidenten besag, wird der Kaiser wegen deS Mangels an Zeit nur solchen Kircheneinweihungsfeiern beiwohnen, denen er auS eigener Initiative Jnteress« ent- gegenbringt. Alle Gesuche, welche die Betheili- gung deS Monarchen an besonders erwähnens- werthrn Gotteshäusern betreffen, werde« vom

demokraten angenommen.

Paragraph 34 schreibt für das Maschinen« personal auf Dampfschiffen bei trausatlan- tischer Fahrt eine Diensteintheilung in drei Wachen statt m zwei Wachen vor. , . .

Ein sozialdemokratischer Antrag die Eintheilung in drei Wachen für alle Dampfschiffe und ebenso auch für die Deckoffiztere.

Abg. Irese-Brernen von der freif. Verewig. spricht gegen den Antrag, namentlich gegen die Eintheilung in drei Wachen für die Deckoffiziere.

Der antis. Abg. Aaav spricht für den sozialdemo­kratischen Antrag, ebenso der sozd. Abg. Schwartz- Lübeck — dagegen Unterstaatsfekretär Mothe. Schließ­lich wird der Paragraph unter Ablehnung der Anträge unverändert angenommen. _

Paragraph 85 handelt von der Arbeit an Sonn­tagen und Festtage». Die Kommission hat einen neuen Absatz hinzugefügt, wonach Dampfschiffe t» transatlantischer Fahrt an Sonntagen und Festtage» innerhalb deS Reichsgebietes planmäßig die Ausreise nicht vornehmen dürfen. Ausgenommen sollen sei» die Dampfschiffe, die die kaiserliche deutsche Post be-

denen der Kap-Kolonie im eigenem Lande nach freiem Ermeffen zu «rlaffen.

Jbea ist der Name eines ungeheuren neuen Reiches an der Ostküste von Afrika. Die Buch­staben, auS denen sich jene Bezeichnung zusam- mensetzt, sind den Anfangsbuchstaben einer Ge­sellschaft entnommen, die im Jahre 1888 auf Grund einer sich auf 50 Jahre erstreckenden Konzession des Sultans von Sansibar unter dem Namen Imperial British East Afrika be­gründet wurde. Das Land stößt im Süden an Deutsch-Ostafrika, im Norden an den Aequator bezw. an den Sudan, und seine Grenzen reichen westlich bis an das britische Protektorat von Uganda heran. Einer der feinsten Häfen an der Ostküste Afrikas, Mombaffa, gehört zu dem Lande und kann sich einer Einwohnerzahl von 25,000 Personen rühmen. Sesam, Nilpferd­hörner und Hartholz bilden den hauptsächlichsten Ausfuhrartikel. Ein Theil des ungeheuren Territoriums harrt roch der Erschließung sowohl als auch der Erforschung. Jbea besitzt Berg­ketten, die die Alpen überragen, großartige Vulkane und nahezu 20 verschiedene Ein­geborenenstämme, von denen der Elmoran- I Stamm besonders zu nennen ist. Diese Ein- I geborenen haben eine schokoladenbraune Haut­farbe und gleichen in Betreff Schädelbildung und Gestchtszügen eher Europäern, denn Negern.

Eines der bedeutendsten afrikanischen Staats­wesen ist der sogenannte Kongo-Freistaat, der unter der Präsidentschaft des Königs Leopold von Belgien einer internationalen Finanzgruppe I unterstellt ist. Das jetzt etwa 25 Jahre be­stehende Reich besitzt beinahe die Größe deS indischen Kaiserreiches, es hat eine Einwohner­zahl von 10 Millionen und sei« Hantel be­ziffert sich jährlich auf nicht weniger als 40 Millionen Mark. Wenn man einer Versicherung Glauben schenken darf, so hat der König der Belgier lange Jahre hindurch im Jntereffe der Erschließung des Kongostaates etwa 800,000 Mk. jährlich aus seiner Privatschatulle ausgewandt, bis er den bekannten irischen Mtnensachverständi- gen Hrn. Walsh zu Rathe zog. Die unlängst konstatirten Kupferfunde an dem oberen Lauf deS Kongo sollen sehr reichhaltiger Natur sein und versprechen der Gesellschaft reiche Divi­denden.

EtneS, wenn auch dem vorgenannten Terri­torium an Größe nicht gleichkommenden, aber dennoch bedeutenden LänderbesttzeS kann sich die British North Borneo Company rühmen, die ihre Geschäftsstellen in der Leadenhallstreet in London bat. Das der Gesellschaft unmittel­bar unterstehende Gebiet umfaßt 36,000 englische Quadratmeilen mit 150.000 Einwohnern und einer Küstenstrecke von 987 englischen Meile«. Die Tabakernte ist i« zehn Jahren von 100,000 bis aus 8 Mill. Mk. gestiegen, und nicht allein daS, auch Sold-, Kupfer- und Kohlenminen sind in dem Lande erschlossen worden. Die Gesell­schaft schreitet in dem Bau von Eisenbahnen i rüstig vorwärts. Bis jetzt ist eS ihr gelungen, > ein« Strecke oo« 60 englischen Meilen durchzu- ; führen, die einen jährlichen Reinertrag von 20,000 Mk. aufweisen kann. DaS Eiland von , Labuan, in der Nähe von Borneo, das eiust von ; dem Rajah Bwoke regiert wurde, ist ebenfalls , heute in den Händen der North Borneo Com-

»bg. CahenSly stellt , „ . . .

Staatssekretär Graf Mosadowsk, fest, daß i« England und Frankreich eine ganze Reihe von Dampfer, aesellschaflen ihre Dampfer auf großer Fahrt Sonntags auslaufen lasten. Er fragt, ob wir etwa auch fremd« Dampfer SonntagS nicht auslaufe« lasten sollen — »der

pauy, die nkben dem Diamantenhandel auch ein schwunghaftes Geschäft in Seilerwaaren betreibt. Es ist der Gesellschaft gestattet, Zusatzgesetze zu

von 35 Dampfer«. Ihr Stamm-Kopital beträgt 22 Millionen Mark, daS eine vorzügliche Verzin­sung sichert. DaS Land selbst hat die dichteste Bevölkerung in ganz Afrika, der Bode» ist außer­ordentlich fruchtbar, und zahlreiche natürliche Wasserwege sichern ihm in geraumer Zeit eine vollkommene Erschließung.

DaS Reich des ungekrönte» Potentaten Mr. €ecil Rhodes übertrifft das Territorium der vorstehenden Gesellschaft um ein Bedeutendes. Es untersteht der direkten Kontrolle der British South Afrika Company und umfaßt 750,000 englische Duadratmeilen, d. h. mtt anderen Worten, daß rS England und Wales an Flächenraum 13 mal übertrifft. Angesichts seines kurzen Bestehens ist es von der höchsten Bedeutung, daß Rhodesia be­reits heute 2250 Meilen gut angelegter Wege und Ttraßen, 3000 Meilen Telegraphen - Linien und i uahez» 200 Telegraphen-Anlagen besitzt. SaltS- v«ry ist bie administrative Hauptstadt des Landes, wchreud Butuwayo daS GeschäftS-Centrum dar- §Ellt. Weitere 10.000 Quadratmeilen im äußer- jrx .N^den von Rhodesia befinden sich in den vüuden der North Charterland Exploration Com-

zu: Fremde Gesellschaften werden dann ihre Dampfer SonnlaaS von Hamburg oder Bremen anSlaufen laste». Meine Herren, ich bin überzeugt, daß, wenn Sie de» Antrag Stockmann nicht annehmen, daS Zustande- kommen dieses Gesetzes bei den Verbündete« Reeie-ungen die allerernsteste, ja vielleicht unüber- steiglich-n Schwierigkeiten finden wird!

Daraufhin wird nach einigen weitere» Bemerkungen der Ab,,. Irefe (frels. Ber,.), Schwartz-Lübeck (sozd.), Mettich (kons), AikSck (natl.) und Aargma«« (sreis. VolkSp.) der Antrag Stockmann angenommen, also der neu vorgeschlagene zweiteAbsatz gestrichen.

Bei Paragraph 36 (Sonntage und Festtage aus See) wird auf den Antrag des EentrumSabgeordnetm Lastens!« der Zusatz angenommen: Auch ist der Schiffsmannschaft auf Wunsch die Tdeilnahme an gemeinschaftlichen Andachten ihrer Konfession gestattet.

Angenommen wird ferner Paragraph 36 b. Dieser bestimmt, daß Vergütung von Uederstundenarbeit aus SchiffSoffiziere keine Anwendung finden soll.

Die Berathung wird am Sonnabend fortgesetzt.

Kaiser zwar genehmigt, indessen wird der Kaiser in diesen Fällen einen Vertreter entsenden. Alle sonstigen Gesuche sind auf Befehl des Kaisers von den Ministern direkt abschlägig zu be­scheiden.

* Ki« Zlrtheil Kaiser Wilhelms I. über de« spätere« AeichsKauzker Fürsten Hohenlohe enthält ein Brief des Kaisers vom 25. Februar 1880 an Bismarck, der jetzt in der Fortsetzung der „Gedanken und Erinnerungen" veröffentlicht wird. Der Brief lautet: „In der Anlage theilen Sie mir mit, daß Fürst Hohen­lohe hierher kommt, um über seine kommissarische

pary.

Auch Neufundland ist im praktischen Sinne in den Händen der Privatgesellschaft Reid u. Co. Ist dies Geschäft doch Eigenthümer der Minen, der Eisenbahnen und eines Viertels deS ganzen Territoriums. Wenn man bedenkt, daß die kommerzielle Erschließung deS Lander etwa sechs Jahre zurückliegt, so kann man nicht umhin, seiner höchsten Verwunderung darüber Ausdruck zu gebe», welchen Einfluß heute Handel und Verkehr auf gewiffe, bis vor verhältniß- mäßig kurzer Zeit so gut wie »ur dem Name« nach bekannte Länderstrecken, auszuüben ver­mögen.

Uebernahme auf einige Monate des Staatssekre­tariats des Auswärtigen Amtes Rücksprache zu nehmen. Da Sie mir über diese letztere Kombi­nation bisher nicht gesprochen hatten, frappirt mich dieselbe einigermaßen,, weil ich mir die!« Kombination mit der hohen und wichtigen Stel­lung als Ambaffadeur und gerade in Paris, nichts u kombiniren vermag. Sollte er zu diesem Amte I päter effektiv defignirt werden? Die Fähigkeiten! ;at er gewiß dazu, aber als Katholik, wenn auch sehr gemäßigter, erscheint er mir nicht geeignet! Denn was für Frage» dereinst «och mit der Kurie zu verhandeln sein werden, ist «och lot nicht abzusehen, und es können Um- iände eintreten, die einem Katholiken, selbst von des Fürsten H. Gesinnungen, die Arbeiten in der von meiner Regierung festzuhaltenden Stel- ung vis - ä - vis der Kurie unmöglich machen könnten. Ste deuteten mir an, daß der Fürst sich eine höhere Stellung wünsche als seine jetzige, ügten aber gleich selbst hinzu, daß es eine der­artige nicht gebe, und selbst die jetzt also ihm anzubietende nicht höherer Art sei als die eines Botschafters in Paris." ES gab 14 Jahre später eine „höhere Stelle" für de« Fürsten Hohenlohe.

h, Weues Kerre«Ha«s-Mitglied. Land­schafts-Direktor Graf Scherr-Thoßauf Weigels- darf ist auf Präsentation durch den befestigte» , —........ .

Grundbesitz in dem Landschaft-.Bezirke Fürsten- ob biefe ®aw^

thum Münsterberg und Grafschaft Glatz zum Mit-1 «rl-mbniß haben sollen? D-r St-Mtär gliede des preußischen Herrenhauses auf Lebens­zeit ernannt worden.

* Das Keeres Krgäuzuugsgeschäfl für 1900 hat nach einer dem Reichstage zugegange- nett Ueberficht folgende Ergebnisse gehabt: ES find 1,645,846 Mann in den alphabetischen und Restantenlisten geführt worden. Von ihnen find 62,295 unermittelt geblieben, 97,819 ohne Entschuldigung ausgeblieben, 425,489 anderweit gestellungspflichtig geworden, 573,799 zurück­gestellt, 1171 ausgeschlossen, 39,345 auSge­mustert, 102,723 dem Landsturm und 82.116 der Ersatzreserve überwiesen, 25,175 freiwillig in das Heer und 1209 freiwillig in die Marine eingetreten, 233,459 auSgehoben und 1276 überzählig geblieben. Von den Ausgehobenen find 222,667 zum Dienst mit der Waffe und 4608 zum Dienst ohne Waffe in daS Heer ein­gestellt, und 6184 für die Marine ausgehoben, darunter 3307 aus der Landbevölkerung und

(Nachdruck verboten.)

Der Herder'sche Verlag wendet seit einigen Jahre» der „schönen Literatur" eine erhöhte Aufmerk­samkeit zu. Neben den Romanen und Erzählungen vo« p. Spillmann, Ansgar Albing, H. Kerner, Hansjakob, Diel, A. Jüngst fanden die Dichtungen von Eduard Hlatky, Seeber, Berdaguer, Emilie Ringseis, Betzi»- ger, Kreiten und Sir Calderon's Uebersetzungen unge- theilte Anerkennung. Soeben erschien eine neue span­nende Erzählung aus dem Böhmerwalde: „Die Geierbuben" von Anton Schott. Der hübsch ausge^attete Originalband kostet 3 Mk.

AuS der fruchtbaren Feder Joseph Spill- mannS 8.4. liegt diesmal ein auf eingehenden Quelle« und Literatur - Studien beruhendes neues Lebensbild der „Englischen Märtyrer" (unter Hein­rich VIII. und Elisabeth) vor. Die beiden ersten Thelle (gebd. 2.80 Mk.) hatten sich der schmeichelhafteste» Beurtheilung der Kritik zu erfreuen. Der neue Baud (gebd. 5.40 Mk) behandelt „DieBlutzeugen auS den Tagen der Titus - Antes - Verschwörung und bildet den glorreichen Abschluß jener blutigen Verfol­gung, deren Anstifter in ihrem Hasse gegen die Kirche auch vor schmachvollen Justizmorden nicht zuruckschreckm.

i Vier historische Romane von Jos. Spill man» 8. J. erlebten wieder neue Auflage«: „Tapfer und treu", Memoiren eines Offiziers der Schweizergarde Ludwigs XVI. (3. Aufl., 2 Bände, gebd. 7 Mk.) „Um das Leben einer Königin" (5. Aufl. 2 Bände, gebd. 7.50 Mk.) aus der französischen SchreckenSzeck. „Lucius FlaviuS", aus den letzten Tagen Jeru­salems (2 Bände, 3. Aufl., gebd. 7.60 Mk.). „Die Wunderblume vonWoxindon", auSden letz­ten Jahren Maria Stuart's (2 Bände, 4. Aufl., gebd. 6.50 Mk.). Diesen meisterhaft ausgeführten, spannend entwickelten Romanen braucht kaum mehr' ein neues Wort der Empfehlung gewidmet zu werden. Die Zahl der Auflagen ist eigentlich das beste Lob. Auch me ergreifende Erzählung „Gin Opfer des Beicht­geheimnisses" von Spillmann erschien in neuer, 6. Auflage (gebd. 3 Mk ).

Von Emilie Ringseis' formvollendeter, kraftvoller und vom höchsten Fluge der Begeisterung getragener Dichtung „Der Königin Lied liegt das erste f Buch „Mag nif icat" in zweiter Auflage vor.

.Staatswesen in kaufmännischen Händen.

Wenn eS i» der Absicht der HH. Gebrüder Roß ner läge, dem Deutschen Reiche ein hübsches Geschenk zu machen, so könnten sie ihm, im prak­tischen Sinne genommen, ganz Honduras be­händigen. Der Firma gehört die Insel Ama- pala, die in strategischer Hinsicht den einzigen parisischen Hasen der zentralamerikanische Repu­blik beherrscht, und, damit nicht genug, Hon­duras schuldet den HH. Gebrüder Roßner für die zentralamerikanische Verhältniffe ganz be­deutende Summe von 10 Millionen Mark.

Die Finanzen Nicaraguas befinden sich neben deutschen auch in den Händen einer eng- lische» Bankfilma. Einige Jahre zurück machten der Finanzminister und der Minister des Aus­wärtigen verzweifelte Anstrengungen, die eng- lische Firma zu Fall zu bringen. Doch der Er­folg war ein direkt entgegengesetzter. Die Note« der Bank zirkulirev im Lande ruhig weiter und werden den Papieren der Regierung in jeder Weise vorgezogen. Wie die englische, so hat f auch die deutsche Firma Gebrüder Ermann einen gewaltigen Einfluß in Nicaragua, und zwar besonders auf Grund der Vorfälle der letzten Jahre, da die bankerotten Finanzen des Staates alle Geldgeber zu der größten Vorsicht und Zu­rückhaltung veranlaßte», und das deutsche Ge­schäftshaus bereitwilligst überall einsprang, wenn es sich darum handelte, die Regierung nicht ganz und gar zu Fall zu bringen. Wenn heute einmal an den Präsidenten die Nothwendigkeit herantritt, mit dem Nachbarlande San Salvator Krieg zu führen, so wird er sich nothgedrungen die Dienste der deutschen Firma sichern müssen.

Mehr als zwei Millionen Acker Grundeigen­tum besitzt eine Londoner Firma in Para­guay. Dieser ungeheure Besitz wurde ihr vor Jahren im Austausch für eine Geldschuld, die daS verarmte Land nicht zu zahlen vermochte, überliefert. Wen» es sich bewahrheitet, daß jener Grundbesitz an Ertragfähigkeit und metal­lischen Schätzen dem benachbarten Uruguay nicht nachsteht, so repräsentirt er immerhin eine Mil­lion Pfand Sterling an Werth. Aber auch zwei deutsche Gesellschaften, die „Nueva Germania" und die „Leipziger Kolonien" sind Eigenthümer beträchtlicher Ländereien.

In praktischem Sinne Eigenthümer von Peru find die HH. Heinrich MeiggS u. Co. Ihre Rechnung von nahezu 3151/» Millionen Mark für die Erbauung der Oroya-Eisenbahn- linie, die einen den Montblanc weit überragenden 'Bergpaß von 15 641 Fuß erklimmt, und dem Werke derselben Gesellschaft auf dem Fuße folgte, daS sich aus die Herstellung der die Anden kreuzenden Valparaiso-Santiago-Linie be- zog, wurde bis zum heutigen Tage nicht be­glichen. Die .Firma hat auch noch dem Tode ihres Chefs, Herrn Heinrich Meigg, de» Betrieb regelrecht weitergeführt und ihren Einfluß im Land« auf daS denkbar größte Maß erweitert.

Ein Territorium, das an Umfang Deutschland 8 mal übertrifft, eignet und verwaltet die Royal Niger Company. Dieser ungeheuere Flächen­raum, der von 30 Millionen Menschen bezw. 30 verschiede««» Eingeborenen-Stämmen und einige» tausend Weißen bewohnt ist, wird von einem kleinen GeschästShause an dem Londoner ThameS Embank- meut „regiert". Die Gesellschaft hält im Lande «ine Armee vo« 1500 Soldaten, die von englifchen Offizieren gedrillt werde», und besitzt eine „Flotte"

fördern.

Senator Dr. KlSgma««-Lübeck bekämpft dieser Verbot im Namen der Regierungen der Hansestädte, weil gar kein Grund dazu vorltege, die Schiffe in trans­atlantischer Fahrt ungünstiger alS andere Schiffe zu stelle».

Abg. GaHensky (Centr.) will die Annahme »o» dem AuSrerse-Berbot lediglich auf die vom Reiche sud- ventionirten Poftdampfer beschränken. — Der freikons. Abg. Stockmann beantragt Streichung de» neuen Absatzes. — Auf eine bestimmte Bemerkung de»

Aus dem Reichstage.

•OP 100. Sitzung vom 29. November.

Auf dem Tische des Präsidenten prangt herrlicher Blumenschmuck zu Ehren der hundertsten Sitzung in dieser Tagung: Dahlien, Chrysanthemum, Rosen.

Präsident Graf Aalreßrem eröffnet die Sitzung mit herzlichem Danke an die Schriftführer des Reichs­tage», die diese Blumen gespendet haben.

Bei der fortgesetzten Berathung der Seemanns- Ordnung ist an der Reihe § 83, der Vorschriften über die Dauer der Arbeitszeit enthält. Liegt daS Schiff im Hafen oder auf der Rhede, so soll, von dringenden Fällen abgesehen, die Arbeitszeit in der Regel nicht länger als zehn Stunden dauern, in den Tropen jedoch in der Regel nicht länger- als acht Stunden.

Ein sozialdemokratischer Antrag will bie Arbeit auf „höchsten- 8 Stunden" festgesetzt wiffen, «eil die Arbeit der Seeleute ganz besonders schwierig ist.

Der freikons. Abg. Stockmann ist der Ansicht, daß bloßer AufstchtSdienst oder Arbeit zur Verpflegung der an Bord befindlichen Fahrgäste auch in den Tropen über acht Stunden hinaus dauern könne, und stellt einen entsprechende» Antrag. Derselbe Redner beantragt ferner zu dem zweiten Absätze derselben Para­graphen, der über jene im ersten Absatz bestimmte Zett hinaus geleistete Arbeit als Üeberstunden bezahlt wissen will, die Einschränkung, daß Arbeiten zur Verpflegung und Bedienung, zum Eeeklarmache» oder zur Sicherung des SchtffeS in dringender Gefahr nicht als lohn- pflichtige Uederstundenarbeit angesehen werden sollen.

Unterstaatsfekretär Aothe und Geheimrath v. d. Aage« empfehlen den Antrag Stockmann und sprechen gegen den sozialdemokratischen Antrag.

Abg. Aaast (Antis.) bittet um Ablehnung aller Anträge, ebenso der Abg. Aargman« von der freis. VolkSpartei.

Abg. Airsch (Centrum) erklärt sich gegen de« sozialdemokratischen Antrag und auch gegen den erste» Theil des Stockmannscheu Antrages. Dem zwecken Theil des Antrages Stockmann will das Centrum nur in der Beschränkung zustimmen, daß nut die Arbeite» „zur Sicherung des Schiffes in dringender Gefahr nicht als johnpflichtige Ueberstundenzeit gelten sollen.

Nach weiterer Debatte, an der die Abgg. Jirese (freistnnige B-reinigung) und Wokkenvuhr (sozd.) und Geheimerath vo« Ionquieres rheilnehmen, wird der Antrag Stockmann gegen die Stimmen de» Centrums, der freisinnigen Volkspartei und der Sozial-

28. Jahrgang.

Juköa, Samstag, den 30. November 1901.

M 275.

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