Einzelbild herunterladen
 

Ek'cheillt täglich, m- Ausnahme der Soun- und Feier­tage. Vierteljährl. gtjugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts 1 M.50 Pf.

FuldaerMZeitung

Inserate: Die einspaltige Petit­zeile oder deren Raum15Pfg.,Re- klamen die Petit­zeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

für Inserate I. Parzelle» in Snlda. mit Nnterhattungs-Meilage .Lllusirirte Sonntags-Zeitung'/ peterszaff« llr. e tDarmsntr».

JE 274.

Juwa, Freitag, den,29. November 1901.

28. Jahrgang.

O Tie Zollvorlagen find, wie erklärlich, lebhaft von den politischen und parlamentarischen Gästen besprochen worden, die die gastlichen Räume des Reichskanzler Hauses Mittwoch Abend belebten. Im allgemeinen herrscht danach die Anschauung vor, daß man yi einem befriedigenden Ergebnisse gelangen werde: in den Kreisen der Regierung gibt man sich der Hoffnung bin, dckß bis zum Sommer die ganze parlamentarische Arbeit an den Gesetzent­würfen gethan sein werde. Wenn aber diese Hoffnung trügt? Nach einer Andeutung der »Deutschen Tageszeitung' hält man eine zweite Vertagung des Reichetages für geboten, wenn die Erledigung der Zollvorlagen bis zum Sommer als unmöglich sich erweisen sollte. Das würde dann ohne Zweifel auch das beste und einzige AaSkunftsmilte! sein. Man weiß ja aus viel­fältiger Erfahrung, daß ein beschlußfähiger Reichstag auf längere Zeit sich nicht beisammen halten läßt, wenn die Sommersonne heiß her­nieder zu strahlen beginnt. Deswegen würde dann das kürzeste Verfahren erneuter Vertagung bls zum nächsten Herbste auch das beste sein.

Von Interesse ist eine Eingabe, die Vorstand und Ausschuß des Bundes der Landwirthe in Sachen des neuen Zolltarife» an den Bundesrath gerichtet haben. Die Eingabe stellt sich als ein dickleibiger Band von mehr'als ISO Quai tse tsn dar und stellt zuerst Hie eigentlichen Zollsorde­rungen des Bundes der Landwirthe auf, um nachher in zwei anderen Theilen diese Forde­rungen zu begründen und schließlich eingehend sich za verbreiten über die Nothwendigkeit eines wirk­samen Schutzes der gesommten nationalen Arbeit. Daß der Bund der Landwirthe, ebenso wie eine Reihe anderer landwirrhschastlicher Vereinigungen, einen Mindestzoll von 7,50 Mk. nicht nur für die vier hauptsächlichen Getreidearten, sondern auch für Speisebohnen und Speise-Erbsen ver­langt, ist bekannt. Die Fmterfrüchte (Mais, Dari, Hirse, Futterbohaen, Futtererbsen und Wicken) sollen mit einem Einfuhrzölle von 5 Mk. für den Doppelzentner belegt werden. Aus diesen Zollforderungen find noch hervorzuheben ein Zoll von 12 Mark für Frühkartoffeln vom 15. Febr. bis 31. Juli und von einer Mark für den Doppel­zentner Kartoffeln in der übrigen Zeit des Jahre»; verschiedene Zölle für Gemüse im Betrage von 6 bi« 50 Mk. für den Doppelzentner je nach der Beschaffenheit der Waare, Zölle für frische und getrocknete Blumen und für frisches Obst nach den Wünschen der deutschen Gärtner. Die Blumen und das Obst sollen nach dem Vorschläge der Ver­bündeten Regierungen bekanntlich ebenso zollfrei eingehen wie Kartoffeln und frische Weintrauben. Die Einfuhrzölle für Vieh und für frische« Fleisch möchte der Bund der Landwirthe in solgender Weise auSaestaltet sehen: 75 Mk. für ein Pferd bis zum Werthe von 300 Mk., darüber hinaus 25 v. H. de« Werthes; 18 Mk. für den Doppel­zentner Lebendgewicht bei Rindvieh, Schafen und Schweinen; 30 Mk. für den Doppelzentner Feder­vieh, 40 Mk. für frischer, 60 Mk. für einfach zu- bereüetes, 100 Mk. für Fleisch, da» zum feiner« Taftlgenuffe zubereitet ist.

Auf der anderen Seite arbeiten die Frei- hän» ler krampfhaft für ihre unpatriotischen Zwecke.

1» dm kkdt» fittrs Bkefotifnita.

Nach dem Französischen von Henri Eauvain.

$1) ------(Nachdruck verboten.)

XII.

Gestern Morgen um 6 Uhr verließen wir Schloß Kerguen . . . Herr Donneau wollte vor Tagesanbruch nach Loknevinen kommen, um nicht die Neugierde der braven Einwohner zu erregen.

Als wir über den Garten nach der Kastanien­allee liefen, begegneten wir dem Jakob, der noch immer unter dem Gebüsche lag, an welche» ich ihn während der Nacht festgebunden hatte. Er konnte sich n'cht von b-r Stelle rühren, denn die geringste Bewegung hätte ihm da« Ohr zerrissen Da« klägliche Aussehen des Bären schien „Rothe- Kugel" zu rühren.

Der Gefangene bat die ihn begleitenden Genr- darmen, einen Augenblick stehen zu bleiben und ihn von feinem alten Kameraden Abschikd nehmen zu lassen.

„Leb' wohl, armer Jakob," sagte er und löste den Gürtel, der den Bären festhielt; .leb' wohl, guter Kerl! Dein H-rr ist in k iner guten Gesell­schaft, gelt? Wa« willst Du? E« mußte einmal rin Ende kommen und diese« ist da» natürlichste! . . . Du kannst da« nicht verstehe«, nicht wahr? weil Du nicht da« Glück hast, ein rernünftige« Geschöpf zu fein. Man roirb mir eine» Tage« de» Kaps abhauen, alter Kamerad, und während sch dann auf dem Schaffst stehe, wirst Du in lrgend einer Menagerie Dich angaffen lasse«. Du wirst er gut haben unvsgut zu fnffen bekommen!

Der Berliner Magistrat will einen allgemeinen deutschen Städtetag zu dem ausgesprochenen Zwecke zusammenbringen, gegen die Zollerhöhungen deS neuen Tanses Widerspruch zu erheben, augen­scheinlich als dre Krone der ganzen freihändlerischen Wühlerei zum Schaden der heimischen Arbeit. Was aber wird auch dieser sogen. Allgemeine deutsche Städtetag Anderes sein und sage« können, als was wir schon längst von den Freihändlern wissen? Es sind ja immer dieselben Leute, die diese Agitation machen; nur erscheinen sie immer abwechselnd in anderen Gewändern. Ohne Zweifel würde man, wenn man wollte, auch einen schutzzöllnertschrn Deutschen Städtetag zu- sammenbvingen mit genau so vielen Theilr ehmern wie die Berliner um sich versammeln werden.

Verwunderlicher ist eS, daß auch einige In­dustriellen Mitteldeutschlands der freifinnig-frei­händlerischen Agitation sich angeschlossen haben. Aber diese gehören fast ausschließlich der Provinz Sachsen und den thüringischen Ländern an; ihre Stellungnahme gegen den neuen Zolltarif muß also wohl auf ganz besonderen, nur einem engen Kreise eignen Interessen beruhen, kann also für die Allgemeinheit durchaus kein« Beweiskraft haben. Diese sächsischen und thüringischen In­dustriellen planen für den Anfang des Monats Dezember eine freibändlerische Versammlung von Großindustriellen, HenfallS in Berlin. Imposant wird diese Versammlung auf keinen Fall a erden, vorausgesetzt, daß sie überhaupt zu Stande kommt. Die demsche Jrdustrie hat ja zum weitaus über­wiegenden Theile ein ganz hervorragendes In­teresse an dem Zustandekommen des erhöhten Zoll­tarife-.

Einen geradezu tollen Unstnn hat aber neuer­dings die Korrespondenz des sogen. Handelsver- trags-Vereins ausgeh-cki: sie behauptet frischweg, die herrschende Arbeitslosigkeit werde von unab­sehbarer Dauer sein, wenn nicht die Flaue be- jeitigt werde, die auf dem Arbeitsmarkle durch die herannahende neue Zoll erlöge heroorgerufen worden fei. Erstens muß unbedingt ein er häutet Schutzzoll die Entwickelung der deutscher' Industrie förderlich fein; deswegen will der roeita t« größte Theil derselbe» erhöhte Einfuhrzölle fü: alle mög­lichen industriellen EZeugnisse. Zivi n-nS ober haben sämmtliche liberalen und gerade reihänd- lerischen Politiker und Zeitungen bisher r och stets als das beste Hilfsmittel gegen die bestehende wirthschastliche Krise in der Industrie eine Ein­schränkung der industrielle« Erzeugung empfohlen. Die Korrespondenz des „Handelsvertrags-Vereins" ist nun also auch in Widerspruch mit ihren aller- r ächsten Freunden gerathen — sie ist mit anderen Worten mit ihrem Latein zu Ende!

Deswegen könnte man wirklich b.inahe glau­ben, daß der Freihandel schon im voraus seine Rolle im Reichstage auSgespielt habe.

Drutsche» Keich«

Berlin, 28. November.

+ Aa» Ateichs-Aefizit. Einer ZeitungS- nachricht zufolge soll im Buudesrathe bet Fehl­betrag im RrichSbaushalts. Etat durch allerhand Abstriche auf 60 Millionen Mark herabgemindert worden sein. Davon will man die Hälfte durch

Siehst Du, wie glücklich Du bist, kein vernünftige» Geschöpf zu sein?"

Ich war auch stehen geblieben, um diese rüh ende Scene mit anzusehen, während Herr Donneau voraneilte, um zu schauen, ob der Wagen und die Pferde der Gensdarmen bereit ständen.

Rothe-Kugel warf einen flüchtigen Blick um sich, bückte sich dann zu dem Bären herab, der noch im Schnee lag, und seist; beiden mit Hand- eifen belasteten Hände erhebend, versetzte er ihm einen heftigen Schlag auf den Rücken und rief:

„Auf, Jakob, auf ! und räche mich!"

Der Bär schrie vor Schmerz auf, seine Augen funkelten wild, er bäumte sich auf seine Hinter­tatze« empor und stürzte grimmig aus mich Io».

Ich hatte glücklicherweise meine beiden Pistolen schnell zur Hand und in dem Augenbl'cke, da das wilde Thier über mich herfallen wollte, jagte ich ihm zwei Schüsse durch de« Leib.

Jakob stürzte wie vom Blitze getroffen zu Boden.

Rothe-Kugel stieß einen fürchterlichen Fluch au« und setzte dann eilenden Schritte» seinen Marsch wieder fort.

Al» Herr Donneau die beide« Schüsse fallen hörte, kam er rasch zurück, tret an mich heran und fragte ängstlich, ob ich verwundet sei. Statt einer Antwort zeigte ich ihm den tobten Bären.

Die guten Gensdarmen hatte diese plötzliche Scene in solchen Schrecken versetzt, daß sie die Vor würfe kaum zu hören schienen, die ihre un­kluge Gefälligkeit gegen de« Gefangenen ihnen von Seite« be» Unterfuchnngsrichter« zuzog.

An der Gartenthüre angekommen, sanden wir

Anleihe decken; die andere Hälfte müßte dann also durch Beiträge der einzelnen Bundesstaaten aufgebracht werden. Die Summe wird ver- muthlich durch weitere Abstriche an den ein­maligen Ausgaben noch mehr zu verringern sein.

4- Kelchwichtisung. „Es soll nicht heißen evangelisch-kirchlicher, sondern deutsch­kirchlicher Einrichtungen" — so schreibt nach­träglich derselbe Osfiziosus, der vorher ange­kündigt hatte, im nächsten preußischen Etat sollte eine Forderung enthalten fein von 300000 Mk. zur Unterstützung evangelisch - kirchlicher Ein­richtungen. Das kleine Versehen kennzeichnete wohl die Wahrheit richtig. Die Berichtigung oder vielmehr Beschwichtigung ist dagegen recht schwach. Die Hakattsten werden herzlich lachen darüber: sie wissen am besten, wie es ge­meint ist.

x Kemalvortage und Rein Knde. Die Liberalen wolle« sich durchaus nicht an ben Gedanken gewöhnen, daß die preußische Kanal­vorlage vorläufig ad acta gelegt ist. Es wäre ja zu hübsch, wenn die erneute Einbringung dieser Vorlage aufs Neue Verwirrung in die klare politische Sachlage bringen möchte! Jetzt ist es wieder einmal das .Berliner Tageblatt', das behauptet, dir Kanalvorlage liege fertig ausgearbeitet im kaiserlichen Zivrlkabinet. Frei­lich soll auch «ach derselben Meldung «och nichts über die Einbringung beschlossen fetn. Man kann dem kindlichen Spiele mit der Kanaloorlage gelassen zusthen. Es wird ja doch nichts daraus werden, weil die Regierung unmöglich es wagen kann, die Schwierigkeiten der Lage noch zu vermehren.

X Arbeiter Wotznnvgsfragr. Im nächsten Jahre soll in Düsseldorf ein inter­nationaler Kongreß zur Erörterung der Ar bei ter-Wohnung-frage stattfinden, gleich­zeitig mit der Ausstellung dort. Unter dem Vorsitze des Olm bÜrgermeisterS Marx ist dort ein Ortsausschuß Wsammengetreten, der die Vor­bereitungen ba*. ii treffen soll; das Reich soll einen Zuschuß zu bin Kosten leisten. Man hofft auf eine rege Beth- izung des Auslandes, die um so eher zu erwor-en ist, als bet Rheinische Verein zur Förderung ins Arbeiter-WohnungSwisens in der DüffUdorfer Ausstellung durch eine eigene Sonderausstellung . ertreten fein wird. Zu den Kosten dieser Ausstellung hat der preußische Handelsminister bereits einen Beitrag von 4500 Mark bewilligt. Dem verdienstvolle« Unter- nehmt« ist aufrichtig der allerbeste E folg zu wünschen.

4- Ungenügende Wirkung de» Keivtze- chesetze». Oester schon konnte man Fälle beo­bachten, in denen Handlungen straflos bleiben mußten, die nach dem Sinne der Gesetzgeber unbedingt unter da-Heintze-Gesetz fielen. Dieses letztere lieferte nicht die nothwendige Handhabe. (Sin solcher Fall ist neuerdings wiederum in Berlin vorgekommen. Die Hofbuchdruckerei in Koburq fertigt im großen Maßstabe Postkarten mit Abbildungen nackter Frauen gestatten an, denen man eS auf ben ersten Blick anfi hl, daß sie zu dem Zwecke gemacht find, die Sinnlichkeit anzureizen. Von der genannten Hofbuchdruckerei bezogen die Berliner Kaufleute Tiemann und Schaberow diese Postkarten, um sie an das

die Pferde und den Wagen, mit welche« Herr Donneau gekommen war.

Der Richter hieß mich mit ihm in den Wagen steigen. Die fünf Gensdarmen «ahme« den Ge­fangenen in ihre Mitte. Ein Str ck, der ihn am Arme festhielt, wurde an den Sätteln der beiden stärksten Pferde festgebunde« und die Leute hatten Befehl, Feuer zu geben, sobald er die Flucht versuche.

Die kleine Truppe setzte sich alsdann langsam in Bewegung.

Herr Donneau und ich fahren mit ut fetem Wagen voraus.

Als wir die ersten Häuser von Lokahr er­reicht Ratter, bat ich den Untersuchungsrichter, er wöze halten lassen.

Ich stieg ab und eilte nach der kleinen Hütt-, wo Johann Maria wohnte. Der Klein? war ohne Zweifel noch im feste« Schlafe. Ich steche durch eine kleine Spalte der Thüre einige Gold­stück-, die ich in et« Papier gewtck-lt hatte.

Nachdem ich so oa< atme Kind für feine Bereitwilligkeit und den Diensteifer belohnt hatte, mit dem es mich »ährend meines schwierigen Unternehmens so treu unterstützt hatte, bestieg ich wieder den Wagen.

Ans dem ganze« Wege sprach Herr Donneau von bet Bedeutung unseres E folge- unb von der hohen Gunst, in die er dadurch bei seinen Vorgesetzten kommen werde.

Nach zwei Stunden fuhren wir in Lokuevinen ein.

Ich stieg im Gasthof zum französischen Thalet ab. Als ich von Herrn Donneau Abschied nahm,

Publikum abzufttzkn. Sie stellten die Bildet auch öffentlich au8, worauf die Staatsanwalt­schaft die Anklage erhob. Die Verhandlung fand vor der neunten Strafkammer des Land­gerichts I in Berlin statt; bet Staatsanwalt beantragte Gelbstrafen voa 300 unb 50 Mark. Der Gerichtshof folgte aber dem Gutachten des Sachverständigen, Professor H. Meyer, der den Grundsatz auf (teilte, es handele sich um minderwerthige Kunstwerke, aber eben doch um Kunstwerke. Man könne zwischen vorzüglichen Kunstwerken und vfisen hier k-ine Grenze ziehen. Ein sinnlich veranlagter Mensch würde auch sinnlichen Reiz empfinden beim Anblicke der Ver.uS von Milo u. s. w." Die Angeklagte« wurde« freigesprochen, obwohl unbedingt jeder Unbefangene de« Eindruck gewinnen mußte, daß es sich um Darstellungen mit absichtlich un­züchtigen Charakter handele!

* Ei« schöne» Lob ertheilt, ohne es zu wollen, die,Voss. Zig/ den westfälischen Kauet«, indem sie schreibt: „Selbst dem gierigsten west­fälischen Bauern steht der Katholizismus weit höher als Geld unb Gut."

* Der.Reichsanzeiger' veröffentlicht eine im Kaiser!. Etatistischen Amte zusammen gestellte tabellarische Ueberstcht des endgittige« Krgev- msses der Uolkszäßlung vom 1. Dezember 1900 (Fläche, Wohnhäuser und Einwohner des Deutschen Reiches). Danach hat das Deutsche Reich einen Flächeninhalt von 540,739,25 qm, davon entfallen auf das Königreich Preußen 348,657,89 qm, auf die Provinz Hessen-Nassau 15,699.28 qm, auf den RegietungS Bezirk Raffel 10,082,03 qm.. Die Zahl bet bewohnte« Wohnhänset beträgt im Deutschen Reiche 6,231,909, in Preußen 3,557,366, in Hoffen- Nassau 237,168, im Rezietungs - Bezirk Kassel 121,412. Die ortSanwefende Bevölkerung be­trug in Deutschland 56,367,178 (27,737,247 männl, und 28,629,931 weibl.), in Preußen 34,472 509 (16,971,425 mannt, und 17,501,084 weibl), in Hessen - Nassau 1,897 981 (923,659 männl, und 974,322 roetbl), im Regierung- - Bezirk Kassel 890,142 (430,354 männl. und 459,788 weibl.). Die Bevölkerungs-Zunahme belief sich in den k tzten 5 Jahren in Deutschland auf 7,82%, in Preußen auf 8,22 %, in H ff en - Nassau auf 8 04 °/0 und im RegierungS - Bezirk Kassel auf 4,66 %.

+ AtveilsNachweis «ab gewetvliche Kkagestatistist. Eine Wechselwirkung zwischen der Inanspruchnahme des Arbeitsnachweises und einer Zu- bejro. Abnahme der Klagen vor ben Gewerbegerichten glaubt ber neueste Jahresbericht des Frankfurter Gewerbegerichts ftststellen zu können. Ausgehenb bavon. daß gerade im Bau­gewerbe bas Verhältniß zwischen Arbeitgeber unb Arbeitnehmer in Frankfurt ein sehr ge­spanntes fei, weist ber Bericht barauf hin, baß in diesem Gewerbe die Klagevermehrung fast doppe't so stark fei, wie die du chschnittliche; dis Klagen sind hier nämlich von 343 auf 631 ge­stiegen, also um 83,9 pCt., während die allge­meine Steigerung nur 42,1 pC. beträgt. Dem ist gegenüberzustellen, daß ein geregelter paritätischer Arbeitsnachweis, bekanntlich die beste Form des­selben, in Frankfurt bisher sich nicht erzielen ließ. Verhandlungen, die vor 3 Jahren zur Einrichtung bat ich ihn> mich doch ro-.ffe« zu lassen, wann ber Gefangene avgekorrmen fein werde, und ferner mir zu oestatten, dem Verhöre beizuwohnen.

Der Untersuch«agstichtet versicherte mir, daß er sich ei« Vergnügen daraus mache, meinet Bitte zu willfahren.

„Uebrigens," fügte et bei, .wir könne« einige Augenblrcke uns zur Ruhe begeben; ber Gefangene wird vor zwei Stunden nickt in dem Stadtgefängniß fein, und ich kann ihn erst nach der Audienz, b. h. gegen ein Uhr, ver! ören."

Et verabschiedet e sich von mir, um nach bem Gerichte zu gehr«. Ich warf mich in einen Lehn­stuhl und fiel bab in einen sehr festen Schlaf.

XIII.

Ein Klopfen an meiner Thüre weckte mich au« dem Schlafe. Die Audienz wat zu Ende unb der Untersuchungsrichter, ber meinem Wunsche willfahrte, ließ mich zum Verhöre rufen.

Al« ich da» Zimmer de» Richters beitat, hatte bas V.rhör schon begonnen. Herr Donner« be­eilte sich, über diese schweren Vergehen Klarheit zu erlangen.

Zwei Gensdarmen hielten in bem Gange Wache, ber zum Gerichttz mmer führte; zwei an» btre hatten ben Gefangenen bi» vor den Richter begleitet. Die Stärke unb ungewöhnliche Gewandt­heit be» Banditen hatten tiefe Vorsicht erheischt.

Bei meinem Eintritte grüßte mich Herr Donneau auf’S Fr-undlichste.

Der Gefangene stand würdevoll auf, unb sich zu mir wendend, sagte er mit jener erkünstelte« Höflichkeit, die ein besonderer Zug seine« Cha­rakters war: